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Fritz Haller: Designer eines Systems. Ein Interview mit Georg Vrachliotis

Friday, September 28th, 2012 http://blog.smow.de/2012/09/fritz-haller-designer-eines-systems-ein-interview-mit-georg-vrachliotis/">

Man stelle sich einmal vor, man hat seine ganze Karriere dafür genutzt ein modulares Bausystem zu entwickeln. Man stelle sich vor, man hat der Welt damit zu radikal neuen Ansätzen im Konstruktionsdesign verholfen und daran mitgewirkt Computertechnologie in der Architektur anzuwenden. Und dann stelle man sich mal vor, dass einen die meisten Menschen nur in Verbindung mit einem Büromöbelsystem kennen. Dieses Büromöbelsystem hat man irgendwann einmal im Rahmen eines Vertrages für eine Firma, die ihren Sitz in einem kleinen Schweizer Ort hat, entwickelt.

Das System wurde trotz seines bescheidenen Ursprungs zu einem weltweiten Erfolg und einem wortwörtlich universalen, weil einfachen und funktionalen Aufbewahrungsmöbel.

Man stelle sich vor, diese Bekanntheit überschattet alle Bemühungen als Architekt.

Das ist das Schicksal des Schweizer Architekten Fritz Haller.

Wir haben hier schon in aller Ausführlichkeit über das USM Haller Möbelbausystem berichtet. Aber wer in unseren Ausführungen kaum vorkam, ist Fritz Haller mit seiner Architektur. Das liegt vor allem daran, dass es kaum seriöse Quellen zu ihm gibt. Eine vertrauenswürdige Quelle gibt es aber, Dr. Georg Vrachliotis, Vertretungsprofessor für Architekturtheorie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Nach seinem Abschluss in Architektur an der UdK Berlin, studierte Georg Vrachliotis Philosophie an der TU Berlin. Schließlich fand er seine Bestimmung in der Architekturtheorie und hatte verschiedene Positionen an den Universitäten Freiburg, Bremen und Berkeley inne und war Gastdozent für Architekturtheorie an der TU Wien, bevor er an der ETH Zürich seine Promotion über das Thema “Geregelte Verhältnisse. Architektur und Technisches Denken in der Epoche der Kybernetik” (Springer Wien/BewYork, 2011) abschloss. Zurzeit arbeitet er an dem Forschungsprojekt “Fritz Haller als Forscher. Eine Architekturgeschichte der Abstraktion”.

Im März 2012 organisierte Georg Vrachliotis das Symposium “Fritz Haller. Architekt und Forscher” in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Architekturtheorie an der ETH Zürich. Kurz danach trafen wir Georg Vrachliotis, um mit ihm über Fritz Haller, seine Architektur, sein Erbe sowie über die Tatsache, dass Haller vor allem für das USM Haller System Bekanntheit erlangte, zu diskutieren. Anfangen wollen wir aber mit der Frage, wie Georg selbst Fritz Haller “entdeckt” hat….

Georg Vrachliotis: Mein erster Berührungspunkt mit Fritz Haller war, wie für so viele Leute, dieses eine bestimmte Möbelstück, das in der Schweiz geradezu omnipräsent ist. Was mich damals interessiert hat, waren der Mensch und der Architekt  hinter dem Möbel. Fritz Haller war und ist in erster Linie ein Architekt, kein Möbeldesigner, und es war mir sehr schnell klar, dass er so etwas wie ein Rohdiamant der Architekturgeschichte ist. Fritz Haller hatte Kontakt mit Konrad Wachsmann und Charles Eames, er entwickelte verschiedene exzellente Bausysteme und seine eigene Software, die ihm half seine Projekte zu planen. Dennoch verschwand er mehr oder weniger aus der Architekturgeschichte und ich begann mich für ihn zu interessieren.

(smow)blog: Wie hast du dann begonnen diesen rohen Diamanten zu polieren?

Georg Vrachliotis: Anfangs arbeitete ich ziemlich unsystematisch. In den ersten paar Jahren reiste ich alle paar Monate zu ihm nach Hause, woraus eine Serie transkribierter Interviews entstanden ist, aus denen schließlich ein noch relativ unsystematischer, biografischer Text hervorging. Dann übergab Fritz Haller sein Archiv an die ETH Zürich. Dieser Prozess begann vor ungefähr zwei Jahren und ich war von Anfang an darin involviert. Das stellte den Ausgangspunkt für meine systematische Forschung dar.

(smow)blog: “Fritz Hallers Archiv”, das klingt nach einer Herausforderung….

Georg Vrachliotis: …. besonders wenn man bedenkt, dass wir darin Dokumente von 50, 60 Jahren Arbeit haben. Zum Glück ist alles sehr gut organisiert. Fritz Haller war der Designer eines Systems und so entwickelte er natürlich auch ein System für sein Archiv….

(smow)blog: Designer eines Systems ist ein gutes Stichwort. Warum System?

Georg Vrachliotis: Fritz Hallers Systeme sind Antworten auf Fragen, die er sich selbst gestellt hat. Haller hatte immer ein unglaubliches Erkenntnisinteresse an der Architektur. Zentral für ihn ist die Frage, was ein Haus ist; er möchte ein Haus verstehen. Man entwirft etwas, um etwas zu verstehen. Es ging ihm nie um das Objekt als Fetisch. Ihm ging es mehr darum, zu reflektieren, zu reevaluieren und zu erforschen, wie man baut. Er fragte, welche Art von System können wir entwickeln? Dann entstand das Gebäude, dann entwickelte er das System weiter und dann kam das nächste Gebäude und so weiter und so fort. Fritz Hallers Intention war es, wie er sagt, Systeme zu entwickeln, die komplett flexibel sind.

(smow)blog: Eines der flexibelsten seiner Systeme war und ist sein Mini/MidiMaxi Bausystem. Ist das System heute noch relevant oder nur ein nettes historisches architektonisches Artefakt?

Georg Vrachliotis: Obwohl wir in Sachen industrieller Architektur, Energieeffizienz usw. viel, viel weiter sind als damals, ist die Eleganz mit der man das Mini/MidiMaxi System kombinieren kann immer noch relevant, denke ich.

(smow)blog: Wenn wir das richtig sehen, hat Fritz Haller immer nur in der Schweiz gebaut, wir konnten jedenfalls kein Projekt außerhalb der Schweiz finden. Ist das tatsächlich so und wenn ja, weiß man warum? War er nicht daran interessiert in anderen Ländern zu arbeiten oder hat ihn niemand gefragt?

Georg Vrachliotis: Es stimmt, dass all seine Bauten in der Schweiz stehen; warum das so ist, ist allerdings zurzeit noch eine Frage ohne Antwort. Er hat auch an sehr vielen Architekturwettbewerben für Deutschland teilgenommen, jedoch ohne Erfolg. Mir ist nicht ganz klar, warum das so ist, aber ich vermute, dass es etwas mit den Architektur- und Ingenieurkammern zu tun hat. Man müsste dort genau nachforschen, warum Haller in Europa nichts gebaut hat.

(smow)blog: …aber auch in den USA. Fritz Haller verbrachte sechs, sieben Jahre an Konrad Wachsmanns Institut für Bauforschung in Kalifornien, aber hat scheinbar nie etwas gebaut?

Georg Vrachliotis: Während seiner Zeit in Kalifornien hat er sich ausschließlich auf fundamentale Forschungsfragen konzentriert, eine Arbeit, die nur sehr wenig mit Architektur als “Bauen” zu tun hat. Es war reine Geometrie-Forschung, Montageüberlegungen, also wie die einzelnen Elemente zusammengebracht werden könnten. Eine sehr grundlegende Forschung.

(smow)blog: In den späten 1960ern führte Fritz Hallers Forschung ihn dazu eine “Weltraumkolonie”, eine “Weltraumstadt” zu entwickeln. War das nur eine Spielerei oder kann man das als interessante und nützliche Forschung betrachten?

Georg Vrachliotis: Fritz Haller war immer sehr an der Zukunft intressiert, wie unsere Welt in 20, 50 Jahren aussehen wird und wie wir uns darauf vorbereiten können. Er forschte an Themen, wie Überbevölkerung, Ökologie, Infrastruktur oder Kommunikationsnetzwerke. Bezogen auf die Arbeit, die er am MIT für die ”Weltraumkolonie” gemacht hat, würde ich sagen, dass es eine systematische und strategische Überlegung war. Fritz Haller war der Meinung, dass man, wenn man an einen Ort wie den Weltraum geht, an dem nichts ist wie auf der Erde und man dort Architektur entwickeln will, mit den gleichen Problemen konfrontiert wird, auf die man auch auf der Erde stößt, nur in extremerer Form. Folglich muss man den Details viel mehr Aufmerksamkeit schenken und man muss z.B. genauer überlegen, was heißt Funktion, was heißt Energie, was heißt Kontext usw. So ist Fritz Haller im Prinzip in den Weltraum gegangen, um besser über die Erde nachdenken zu können.

(smow)blog: Kurz zum Schluss, warum kennen wir Fritz Haller besser für seine Möbel als für seine Gebäude?

Georg Vrachliotis: Fritz Haller verstand einen Architekten nie als Autor, war nie interessiert an den Ideen eines “Autoren-Architekten”. Fritz Haller entwickelte Systeme und nicht Gebäude und letztlich war Fritz Haller anonym, die Antithese des modernen Stararchitekten also. Durch seine Arbeit verschwand der Architekt Fritz Haller und was blieb, war nur die Struktur.

totale stadt Buch-Cover totale stadt 1975 Copyright Fritz Haller gta Archiv ETH Zürich

Fritz Haller "Totale Stadt - ein globales Modell" 1975 (Copyright Fritz Haller /gta Archiv ETH Zürich). So weit weg vom modularen Möbelsystem wie man es sich nur vorstellen kann.

A&W Audi Mentorpreis 2012: Benjamin Hubert

Monday, August 20th, 2012 http://blog.smow.de/2012/08/aw-audi-mentorpreis-2012-benjamin-hubert/">

Benjamin Hubert wurde im Januar mit dem A&W Audi Mentorpreis 2012 ausgezeichnet. Zusammen mit dem A&W Designer of the Year Award präsentiert, kann der Mentorpreis in vielerlei Hinsicht als die Kategorie für “Junge Designer” angesehen werden. Das Interessante am A&W Audi Mentorpreis ist, dass der Gewinner vom A&W Designer of the Year nominiert wird – 2012 war das Patricia Urquiola.

Nach der Preisverleihung trafen wir uns mit Benjamin auf einen kurzen Plausch. Allerdings haben wir es clevererweise irgendwie geschafft, das Interview zu verbummeln und es erst jetzt wieder gefunden. Daher auch der verspätete Post…

Als Absolvent des Industrial and Technology Programms an der Loughborough University fiel uns Benjamin Hubert als erstes durch seine Spinning-Leuchten für &tradition bei CODE10 in Kopenhagen auf; ein Produkt, das unsere Aufmerksamkeit wegen seiner schlichten, unkomplizierten Eleganz auf sich gezogen hat. Als Objekt tun sie zwar nicht sonderlich viel, aber dank ihrer Form und Präsenz sorgen sie dafür, dass man mit sich selbst und der Welt, die einen umgibt, einfach zufrieden ist.

Neben &tradition arbeitet Benjamin Hubert aktuell mit einer beeindruckenden Reihe internationaler Hersteller zusammen, darunter De La Espada, Cappellini und De Vorm, die auch seine geniale Pebble-Serie und seine Pod-Stühle produziert haben. Im April gewann Juliet den Poltrona Frau Centenary Armchair Contest in Mailand und wurde seither von Poltrona Frau übernommen.

Im Januar sprachen wir mit Benjamin Hubert über den A&W Audi Mentorpreis 2012 und seine bisherige Karriere.

(smow)blog: Zunächst erstmal herzlichen Glückwunsch zum Preis! Wie kam es denn dazu?

Benjamin Hubert: Ich bekam eine Mail, in der stand, dass ich den Preis gewonnen hätte…

(smow)blog: …also wusstest du noch nicht mal, dass du überhaupt im Rennen warst?

Benjamin Hubert: Nein. Was eigentlich ganz schön ist. Bei den meisten Preisen weiß man ja vorher schon Bescheid, weil die Leute sichergehen wollen, dass man auch wirklich zur Preisverleihung erscheint, also weiß man im Prinzip schon vorher, was passieren wird. Aber hier bekam ich einfach eine E-Mail aus dem Nichts, die besagte, dass Patricia mich nominiert und gemeinsam mit Audi zum Sieger gewählt hat und ob ich den Preis annehmen möchte. Die Antwort war natürlich ja! Es ist wirklich schön zu wissen, dass Patricia unsere Arbeit zu schätzen weiß. Also ist das alles in allem super!

(smow)blog: Wenn wir das Ganze richtig verstanden haben, hast du dich zuerst mehr auf “industrielle” Projekte konzentriert und erst später damit begonnen, stärker in Richtung Möbel zu gehen…

Benjamin Hubert: Das Studio wurde 2007 eröffnet und in den ersten drei Jahren oder so haben wir hauptsächlich für andere Studios gearbeitet. An den Wochenenden und am Abend beschäftigte ich mich dann mit meinen eigenen Projekten bis ich 2009/2010 einfach in den sauren Apfel biss und meinen “Tagesjob” kündigte, um mich ganz auf meine eigenen Projekte zu konzentrieren. Zuerst ging es dabei hauptsächlich um Leuchten, aber dann kamen immer mehr Möbel dazu. Heute arbeiten wir mit ganz verschiedenen Produkten von Modeaccessoires über Leuchten und Möbel bis hin zu kleinen Installationen, die schon eher in eine künstlerische Richtung gehen. Das ist für mich auch das Tolle am Design: Man kann einfach ganz verschiedene Disziplinen mit einbringen.

(smow)blog: Hattest du eigentlich schon immer den Plan, ein eigenes Studio zu eröffnen, oder…?

Benjamin Hubert: Nein, überhaupt nicht! Ich wollte die Karriereleiter im Corporate Design hinaufklettern, wenn es so was überhaupt gibt, Chef einer Firma werden und alles was dazu gehört. Aber ich glaube, dass ich nach meinem Studienabschluss und als ich meine Abschlussarbeit auf einigen Ausstellungen präsentiert und Salone Milano besucht habe, meine Augen erst für eine Industrie geöffnet habe, der ich mir gar nicht so bewusst war. Ich wusste natürlich, dass es da eine Industrie gab, aber ich war mir überhaupt nicht bewusst, wie groß sie ist, wie viele Möglichkeiten sie bietet und genau das war es, worin ich mich einfach verliebt habe.

(smow)blog: In Anbetracht der Firmen, mit denen du arbeitest, lernst du gerade wahrscheinlich ständig dazu, oder?

Benjamin Hubert: Ja, ständig. Wenn ich in die Fabriken und Werkstätten gehe und sehe wie die Leute tatsächlich Dinge herstellen ist das für mich das Befriedigenste an der ganzen Sache. Die Firmen, mit denen man am besten arbeiten kann, sind die, die offen für neue Ideen und Denkweisen sind und die uns zum Beispiel auch mal ein neues Material vorstellen oder Ideen annehmen, wenn wir ihnen etwas Neues zeigen. So entstehen auch die besten Projekte: In Zusammenarbeit mit den Herstellern und den Werkstätten.

(smow)blog: Kommen wir zurück auf den A&W Audi Mentorpreis. Oscar Zieta, quasi dein Vorgänger, ist ja in der aktuellen Audi-Werbung zu sehen. Wenn sie auf dich zukommen würden, wärst du dann verfügbar?

Benjamin Hubert: Klar, solange ich nichts total Lächerliches machen muss. Wieso nicht?!

benjamin hubert de vorm zurich

Die Pebble-Serie und der Pod-Stuhl von Benjamin Hubert für de vorm. Hier bei Neue Raüme Zurich 2011

benjamin hubert spinning &tradition copenhagen

Unser erster Eindruck von Benjamin Huberts Arbeit. Spinning für &tradition bei CODE10 Kopenhagen

Knax und ZJUP von LoCa. Ein Interview mit Nicolai Sørensen von Studio Harrit & Sørensen

Thursday, August 16th, 2012 http://blog.smow.de/2012/08/knax-und-zjup-von-loca-ein-interview-mit-nicolai-sorensen-von-studio-harrit/">

Wir wollen ja nicht wie Dieter Rams klingen, aber gutes Design muss wirklich nicht kompliziert oder total außergewöhnlich sein. Eines der besten Beispiele dafür ist sicher das Kleiderhakensystem Knax von LoCa. Von Thomas Harrit und Nicolai Sørensen entworfen, könnte die Idee kaum simpler und der Effekt kaum deutlicher sein. Durch den Einbau von selbst einklappenden Metallhaken in ein Stück Holz erhält man eine Garderobe, die fast keinen Platz wegnimmt, selbst wenn sie benutzt wird.

Und nun wollen Studio Harrit & Sørensen die Erfolgsstory des Knax mit ZJUP wiederholen – ein Schuhhaltesystem für die Wand, das weitaus leichter zu benutzen als zu erklären ist. Im Prinzip werden Schuhe mit ZJUP mithilfe einer Kunststoffstange fixiert, die ohne Federn funktioniert und so keinen Druck auf die Schuhe ausübt. Das Wandelement aus Kunststoff hält dabei nicht nur die Schuhe fest, sondern verhindert auch, dass schmutzige und/oder nasse Schuhe mit der Wand in Kontakt kommen. Heraus kommt dabei ein sicheres Verstausystem für Schuhe an einem Platz, der kaum größer ist als der Schuh selbst. Außerdem gibt es dann nichts mehr, worüber man im Flur stolpern kann.

Auf der IMM Cologne haben wir uns mit Nicolai Sørensen getroffen, um kurz über die Entwicklung von Knax, ZJUP und Studio Harrit & Sørensen zu sprechen.

(smow)blog: Wie kam Knax denn eigentlich zustande? Habt ihr LoCa kontaktiert oder sind sie auf euch zugekommen?

Nicolai Sørensen: Damals gab es LoCa noch gar nicht! Deshalb war es eher so, dass Thorkild Lundsgaard, der Gründer von LoCa, auf uns zukam und sagte, er bräuchte einen Kleiderhaken. Knax war 1993 also das erste Projekt, das unser Studio in Angriff nahm.

(smow)blog: Super! Also kamt ihr damals ganz frisch von der Uni…?

Nicolai Sørensen: Nein, nein, wir hatten beide schon drei Jahre in verschiedenen Studios gearbeitet und dann beschlossen, uns zusammen zu tun und ein eigenes Studio zu gründen.

(smow)blog: Hat Thorkild euch dann eigentlich ein Konzept vorgelegt oder konntet ihr entwerfen was ihr wolltet?

Nicolai Sørensen: Er hatte ein paar vage Vorstellungen davon was er wollte und sogar ein eigenes Modell gestaltet, um zu zeigen wie das Ganze mal aussehen könnte. Wir lachen heute immernoch darüber! Es war ganz furchtbar…

(smow)blog: Wie kamt ihr dann, als ihr wusstet wie niedrig die Messlatte lag, auf die Idee, ein Stück Holz aufzuschneiden?

Nicolai Sørensen: Die ursprüngliche Idee kam uns, weil wir beide damals noch in ziemlich kleinen Wohnungen in Kopenhagen wohnten und die Flure dort sehr eng waren. Der Grundgedanke bei Knax ist also, dass es in genau solchen engen Fluren benutzt werden kann, ohne zu viel Platz wegzunehmen oder im Weg zu sein.

(smow)blog: Wie war denn die Entwicklungsphase? Wie lange habt ihr daran gearbeitet?

Nicolai Sørensen: Die Entwicklung hat ungefähr ein Jahr gedauert, aber es wurde im Laufe der Jahre noch mehrmals geändert. Zum Beispiel gab es ursprünglich nur kleine Holzstücke zwischen den Metallhaken, aber nach zwei Jahren haben wir das Ganze so weit abgeändert, dass es aus einem Stück Holz geschnitten werden konnte, so dass die Holzmaserung sich durch das ganze Objekt zieht. Später kam dann noch der Kleiderständer dazu und jetzt haben wir mit ZJUP das erste völlig neue Projekt mit LoCa seit 1993.

(smow)blog: Eine tolle Überleitung, vielen Dank! War es auch hier so, dass LoCa ankam und sagte, wir haben die Kleiderhaken, wir haben die Taschenhaken, und jetzt brauchen wir was wo wir Schuhe aufhängen können, oder…?

Nicolai Sørensen: Wir wollten ja schon seit ungefähr zehn Jahren zusammen mit LoCa einen Schuhhalter entwickeln, konnten uns aber bis jetzt nicht auf eine wirklich gute Idee einigen, die nicht nur Thorkild gefiel, sondern die auch die Leute mögen würden – und natürlich wir selbst. Aber bei ZJUP sind wir zuversichtlich, dass wir das geschafft haben. Das größte Problem beim Verstauen von Schuhen ist ja, dass sie alle verschiedene Größen und Formen haben, also brauchten wir etwas, das alle Arten von Schuhen halten kann. Und ZJUP kann schätzungsweise 95% aller Schuhtypen problemlos halten.

(smow)blog: Noch kurz zum Schluss… Knax war ja euer erstes Projekt und seitdem habt ihr an vielen Projekten in allen möglichen Disziplinen gearbeitet. Welche Art von Arbeit gefällt euch denn am besten? Was findet ihr am interessantesten?

Nicolai Sørensen: Ich finde, die Mischung aus Projekten ist das interessanteste an der ganzen Sache. Aber ich muss auch sagen, dass Knax trotz seines fortgeschrittenen Alters noch immer das wichtigste Produkt ist, das wir haben.

Harrit and Sørensen knax loca

Knax von Harrit & Sørensen für LoCa

Harrit and Sørensen LoCa ZJUP

ZJUP von Harrit & Sørensen für LoCa

“New Order – An Exhibition” @ .hbc Berlin. Interview mit Kevin Cummins

Friday, June 29th, 2012 http://blog.smow.de/2012/06/new-order-an-exhibition-hbc-berlin-interview-mit-kevin-cummins/">

Treue Leser werden sich vielleicht noch an unseren Post zur Eröffnung der Ausstellung Zoom. Italian Design and the Photography of Aldo and Marirosa Ballo im April 2011 im Vitra Design Museum erinnern. Die Ausstellung beleuchtete die Geburt des Mythos/der Legende des italienischen Möbeldesigns – eine Legende, die durch ausdrucksstarke und zeitlose Fotos begründet – aber auch beworben und bewahrt – wurde. In diesem Post hatten wir die Entstehung von Designermöbellegenden mit der Enstehung von Musiklegenden am Beispiel von Kevin Cummins’ bewegenden und zeitlosen Fotos der Band Joy Division aus Manchester verglichen. Und im Grunde basiert der Kultstatus sämtlicher zeitgenössischer Kulturikonen auf einigen wenigen stilprägenden, zeitlosen Fotos.

Letzte Woche hat nun in Berlin eine Ausstellung mit mehr als 30 Fotos von Kevin Cummins von New Order eröffnet, die zusammen mit allen Plattencovern der Band von Peter Saville gezeigt werden. Also haben wir bei der Eröffnung die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, das Zoom-Thema weiterzuführen und mit Kevin Cummins über seine Arbeit mit Joy Division/New Order und die Rolle von Fotografen bei der Etablierung von Bands gesprochen.

(smow)blog: Der Legende nach wurde dir mehr oder weniger vorgeschrieben, Joy Division nur in schwarz-weiß zu fotografieren. War das wirklich so?

Kevin Cummins: Nein, überhaupt nicht. Der Hauptgrund wieso Joy Division nur in Schwarz-Weiß fotografiert wurde ist der, dass die Musikpresse damals nicht in Farbe erschien. Und weil ich meine Filme und die Entwicklung selbst bezahlt habe, hätte es keinen Sinn ergeben Farbfilme zu verwenden. Außerdem war Joy Division damals noch nicht so groß wie jetzt. In Manchester und London waren sie zwar schon relativ groß, aber in Huddersfield oder Leeds zum Beispiel hätten sie gerademal 100 Leute zusammentrommeln können. Selbst als Ian starb, erschien die Story in den Manchester Evening News gerade mal als kurzer Absatz auf Seite 8 – es war einfach keine große Story. Deshalb hatte ich nur einen geringen Output für die Bilder und konnte es mir nicht erlauben Fotos zu machen, die keiner veröffentlichen wollte oder konnte.

(smow)blog: Die Fotos, die du gemacht hast, sollten ja später die Band Joy Divison definieren. Hattest du denn beim Fotografieren eine Art “größeres Konzept” im Kopf?

Kevin Cummins: Ich denke, ich habe versucht ihren Sound in den Bildern einzufangen. Wenn man sich zum Beispiel das Foto ansieht wo sie im Schnee auf der Epping Walk Bridge stehen; da ist ja sehr viel Raum und es ist sehr düster… Man weiß einfach genau wie die Band klingt, wenn man sich das Foto ansieht. Es ist eben kein Bild von Take That!

(smow)blog: Und dann kam New Order und die ersten Farbfotos in Washington DC. Wieso hast du dich denn dazu entschlossen, von Schwarz-Weiß-Fotos abzukommen?

Kevin Cummins: Der Hauptgrund wieso ich die Fotos in Farbe gemacht habe war der, dass ich das Gefühl hatte, es würde einen neuen Optimismus in der Band geben. Das war einige Jahre nach Ians Tod und der Sound der Band begann sich zu ändern; er entfernte sich von diesem ernsten Manchester-Sound und sie fingen so langsam an mit Leuten wie Arthur Baker zu arbeiten und einen tanzbareren Sound in ihre Musik zu bringen. Deshalb wollte ich Fotos machen, die diese Art Wiedergeburt zeigen, also schlug ich dem Herausgeber von NME vor, in Farbe statt in schwarz-weiß zu fotografieren, obwohl wir zu dieser Zeit nur ein paar wenige Seiten in Farbe druckten. Die Idee war “die Engländer in Amerika”; die Pool-Kulisse ist fast eine Hommage an David Hockney, aber immernoch mit Fokus auf den Gesichtern, wie ich es schon immer gemacht habe. Außerdem haben wir die Filmstreifen an den Seiten gelassen, um dem Ganzen dieses Amerika- oder Hollywood-Feeling zu geben.

(smow)blog: Das bringt uns zu unserer eigentlichen Frage: Hast du das Gefühl als Fotograf einen Einfluss auf die Karriere eines Musikers oder einer Band zu haben?

Kevin Cummins: Ich glaube, das kann man auf jeden Fall. Wenn man mit Musikern zusammenarbeitet und vor allem wenn man das regelmäßig tut, kann man sie jedes Mal, wenn man sie fotografiert, eine Ebene höher bringen, auch wenn Musiker das nicht immer so sehen. Die meisten Bands glauben, dass sie ihren Fortschritt selbst kontrollieren können, aber wenn man mit einem Fotografen zusammenarbeitet, der deinen Sound und das, was du tust, versteht, kann er dich wie gesagt mit jedem Foto eine Stufe höher bringen. Es gibt eine Beziehung zwischen dem Bild und der Musik. Man ist nicht in einer Band, wenn man kein Selbstvertrauen hat und fotografiert werden möchte; ein Fotograf kann einem also bei der Entwicklung helfen, wenn es ein sympathischer Look ist. Ich werde keine Band vorsätzlich in einem schlechten Licht dastehen lassen, ich möchte ja auch dass die Fotos eine Art Vermächtnis werden.

(smow)blog: Vermächntnis ist ein gutes Stichwort zum Schluss. Du hast sowohl Fotos von Live-Auftritten als auch Portraits geschossen. Bevorzugst du als Fotograf Live-Shots oder eher ruhige Aufnahmen, also Portraits oder inszenierte Aufnahmen?

Kevin Cummins: Portraits, weil ich gerne ein Image erschaffen will. Ich glaube, wenn man ein ganzes Konzert fotografieren kann, kann man auch daraus was machen, aber letztlich braucht man für ein karrierewirksames Bild einer Band ein Portrait. Ich denke, mit Joy Division, vielleicht auch New Order und auf jeden Fall mit den Stone Roses habe ich das erreicht.

New Order – An exhibition featuring works by Peter Saville and Kevin Cummins ist noch bis zum 4. Juli 2012 im .hbc Berlin zu sehen.

kevin cummins new order washington

Fotos, die New Order aus dem Dunkel holten. Kevin Cummins' Fotos in Washington 1983

kevin cummins new order Gillian Gilbert

"New Order - An Exhibition" im .hbc Berlin

kevin cummins new order photos

"New Order - An Exhibition" im .hbc Berlin

kevin cummins new order hbc berlin

"New Order - An Exhibition" im .hbc Berlin

Bauhaus: Art as Life – Interview mit der Kuratorin Lydia Yee

Thursday, May 31st, 2012 http://blog.smow.de/2012/05/bauhaus-art-as-life-interview-mit-der-kuratorin-lydia-yee/">

Wir wollen unsere Berichterstattung über die Ausstellung Bauhaus: Art as Life in der Barbican Art Gallery London damit beenden, womit Ausstellungen normalerweise beginnen: mit dem Kurator. Genauer gesagt sprachen wir mit Lydia Yee, die zusammen mit Catherine Ince, für die Organisation der Ausstellung verantwortlich war.

Die ersten konzeptionellen Samen für die Ausstellung Bauhaus: Art as Life wurden bereits 2009 gesät. Damit liegt hinter den beiden Kuratorinnen nicht nur eine ganze Menge Arbeit, sondern vor allem eine geballte und einzigartige Studie vom Bauhaus und seinen Bauhäuslern. Natürlich wollten wir da neben den üblichen Fragen nach dem Hintergrund zur Ausstellung und den Hoffnungen, was man den Besuchern mitgeben können wird, wissen, was Lydia Yee selbst aus dieser Erfahrung mitgenommen hat.

(smow)blog: Wo fängt man eigentlich an, wenn man eine Bauhaus-Ausstellung kuratiert? Hatten Sie ein bestimmtes Ziel, wollten Sie eine besondere Geschichte erzählen?

Lydia Yee: Wir wollten die Geschichte des Bauhauses nicht einfach chronologisch nacherzählen, sondern uns viel mehr auf die Schlüsselthemen in der Geschichte der Schule konzentrieren. Dazu gehört es auch, einige der Hauptakteure zu porträtieren und sich anzusehen, wie die Ausbildung organisiert war oder wie das Verhältnis zwischen Schülern und Meistern aussah. Die Herausforderung lag dann darin, die Elemente auf kohärente Weise miteinander zu verknüpfen, sodass es für den Besucher möglichst eingängig ist.

(smow)blog: Heißt das, Sie hatten einen Plan im Kopf und versuchten dann die zur Realisation des Plans notwendigen Objekte zu beschaffen oder haben Sie erst einmal abgewartet, welche Exponate Sie tatsächlich zur Verfügung haben werden?

Lydia Yee: Ein bisschen von beidem. Wir haben damit angefangen, eine Wunschliste zu erstellen, und während wir abwarteten, welche Stücke wir tatsächlich bekommen und welche Leihgaben möglich wären, begannen wir mit der Organisation der Ausstellung. Aus heiterem Himmel bekamen wir dann noch Zugang zu einigen neuen, aufregenden Stücken, die eine besondere Geschichte erzählten; diese wurden dann zu Unterthemen in der Ausstellung.

(smow)blog: Hat sich das Ausstellungskonzept so über die vergangenen drei Jahre entwickelt und verändert?

Lydia Yee: Es hat sich eigentlich nichts radikal verändert, allerdings war es zum Beispiel so, dass wir die sozialen Aspekte des Bauhauses betrachten wollten und sich daraus eine Teilung der Ausstellung in zwei Abschnitte ergab. Ein Ausstellungsteil widmet sich nun den Menschen, Begabungen und Beziehungen und ein kleinerer den Feierlichkeiten und Partys am Bauhaus. Diese Events waren besonders in den Anfangsjahren sehr wichtig. Walter Gropius wollte mit ihnen zwischen allen Akteueren an der Schule ein gutes Verhältnis schaffen. Außerdem war er es, der Feste, Lesungen, Spiele und Vorträge wollte, damit alle gemeinsam lernen und Spaß haben konnten.

(smow)blog: Und haben Sie selbst während der Vorbereitungen zur Ausstellung etwas gelernt?

Lydia Yee: Ja, und zwar jede Menge! Ich wurde auch oft sehr überrascht. Für mich waren besonders die Arbeiten interessant, die wahrscheinlich gar nicht dafür gedacht waren, für immer erhalten zu bleiben, also vor allem die kleinen persönlichen Gegenstände. Marianne Brandt hat beispielsweise einige wunderschöne Collagen gemacht, die sie damals nie ausgestellt hat.

(smow)blog: Was hoffen Sie denn, werden die Besucher mit nach Hause nehmen?

Lydia Yee: Ich hoffe, dass sie die Ausstellung mit einer neuen Sicht auf das Bauhaus verlassen und vor allem verstehen werden, dass es über eine viel offenere Struktur verfügte, als man heute oft glaubt. Ich denke, dass unsere Sicht auf die Moderne im Allgemeinen und das Bauhaus im Besonderen ziemlich starr geworden ist. Deshalb denke ich, dass die Besucher angenehm überrascht sein werden, wenn sie das Bauhaus in der Ausstellung als einen viel komplexeren, dynamischeren Ort kennenlernen werden, als viele von ihnen es sich bisher vorgestellt hatten.

Bauhaus: Art as Life kann noch bis zum 12. August in der Barbican Art Gallery London besucht werden. Wenn man bis dahin in London ist, sollte man sich unbedingt die Zeit für einen Abstecher in die Galerie nehmen.

Bauhaus Art as Life Barbican Art Gallery London

Bauhaus: Art as Life. Barbican Art Gallery London

Bauhaus Art as Life Barbican Art Gallery London

Bauhaus: Art as Life. Barbican Art Gallery London

Depot Basel

Wednesday, May 30th, 2012 http://blog.smow.de/2012/05/depot-basel/">

Wie wir bereits bis zum Abwinken deutlich gemacht haben müssten, hat uns das Projekt Depot Basel schon von Beginn an begeistert – auch wenn wir es bisher noch nicht geschafft hatten, uns dieses Eindruckes vor Ort zu vergewissern. Das hat sich nun endlich geändert. Als wir zur Eröffnung von “Gerrit Rietveld – Die Revolution des Raums” im Vitra Design Museum in Weil am Rhein waren, tat sich eine kleine Lücke in unserem Terminplan auf. Natürlich packten wir die Gelegenheit beim Schopf und überquerten schnell die Grenze, mit Ziel Depot Basel.

In einem ehemaligen Getreidesilo an einem ehmaligen Güterbahnhof gleich neben einer vielbefahrenen Schnellstraße gelegen, sieht Depot Basel, wenn man mal ehrlich ist, wie die perfekte Location für eine zeitgenössische Designgalerie aus. Für uns ist das ein wenig to much. Ein wenig zu sehr New York 1991. Ein wenig zu sehr postindustrielle Gentrifizierung… Da es sich um ein nichtkommerzielles Projekt handelt, das von einer kleinen Gruppe Enthusiasten geleitet wird, beschränken sich die Stereotypen aber zum Glück auf diesen äußeren Eindruck und unserer Begeisterung tut das auch keinen Abbruch.

Das Team hinter Depot Basel war schon immer sehr darauf bedacht, dass es sich bei dem Projekt weder um eine Galerie noch um ein Museum oder einen Showroom handelt. Depot Basel soll viel mehr als Ort gesehen werden, der einem breiten Publikum vermittelt, was zeitgenössisches Design ist und wo und wie es unser Leben beeinflusst. Um diesem Anspruch möglichst gerecht zu werden, tendieren Ausstellungen vom Depot Basel zu mehr Interaktivität als man es von anderen Ausstellungen gewohnt ist.

Man soll nicht nur gucken, diskutieren, einen leckeren Müller-Thurgau genießen und hoffentlich noch was kaufen, sondern man wird dazu angehalten, aktiv teilzunehmen, mitzuarbeiten und etwas zu lernen. Und so scheint bei Depot Basel Design nicht als etwas Kompliziertes und Exklusives, sondern kommt ganz alltäglich und zugänglich daher.

 

Depot Basel

Depot Basel. Das vertraute Bild. Wir lieben es aber immer noch.

Wie gesagt stand uns nur ein winziges Zeitfenster zur Verfügung; der ICE nach Frankfurt wartet eben auf niemanden. Noch nicht mal auf uns… Dennoch haben wir es irgendwie geschafft, nicht nur eine kurze Runde durch die Ausstellung zu drehen, sondern uns auch noch mit Moritz Walther, einem Mitbegründer von Depot Basel, zu treffen und mit ihm über den Hintergrund und die Zukunft des Projektes zu sprechen.

(smow)blog: Wie hat alles begonnen? Was ist der Hintergrund von Depot Basel?

Moritz Walther: Letztes Jahr hat die Stiftung Habitat [der Treuhandfond, dem das Gebäude und das umliegende Land gehört] Laura Pregger gefragt, ob sie Interesse hat, ein zeitgenössisches Projekt für diesen Ort auf die Beine zu stellen. Also haben wir uns getroffen, ein paar Leute kontaktiert, von denen wir dachten, dass sie interessiert sein könnten, ein Konzept aufgestellt, den Platz bekommen, und dann die schwierige Phase zur Klärung der Finanzierung des Projektes begonnen. Wir hatten zwar den Raum, aber keine finanziellen Mittel. Doch Dank verschiedener Institutionen und Träger konnten wir die nötigen Mittel aufbringen, um im August 2011 zu starten.

(smow)blog: Depot Basel ist ja ein temporäres Projekt. Heißt das, es ist als Ganzes zeitlich begrenzt oder nur dass die Zeit in dieser Location begrenzt ist?

Moritz Walther: Wir möchten das Projekt Depot Basel auf jeden Fall fortsetzen, die Nutzungsdauer der Location ist aber begrenzt. Wir haben einen Vertrag bis Ende 2012 und die Option auf Verlängerung bis Ende 2013. Die Idee und das Konzept sollen aber definitiv fortgeführt werden; es muss nur noch entschieden werden, wo und in welcher Form.

(smow)blog: Wir sind regelmäßig in Basel und haben den Eindruck, dass die Stadt schon voll mit Galerien und Museen ist. Liegen wir mit diesem Eindruck richtig und wo ist da Depot Basel einzuordnen?

Moritz Walther: In Basel gibt es haufenweise Museen, aber im Hinblick auf, nennen wir es mal haptische Gestaltung, gibt es eigentlich nur das Vitra Design Museum. Auch wenn es eigentlich nicht in Basel liegt, spürt man hier seinen Einfluss. Die Stadt selbst hatte auch einmal einen Ausstellungsraum für Design, aber der ist mittlerweile leider geschlossen. Wir glauben, dass solch ein Ort in Basel als eine Art Erweiterung und Kontrast zu all den Kunstmuseen und -galerien wirklich wichtig ist.

(smow)blog: Es handelt sich ja nicht im eigentlichen Sinne um ein berufsmäßiges Projekt, da niemand wirklich bei Depot Basel angestellt ist, auch wenn ihr mittlerweile die 6. Ausstellung zeigt und die 7. schon vorbereitet – und das innerhalb des ersten Jahres. Wie organisiert ihr denn eigentlich die ganze Arbeit?

Moritz Walther: Wir haben einen Masterplan, über den wir auch die Verantwortungsbereiche im Team aufgeteilt haben. So war Laura zum Beispiel Hauptverantwortliche für die Ausstellung Sitzgelegenheiten, Matylda übernimmt die gleiche Rolle für die kommende Ausstellung Handwerk und Szenografie, Julia und Katharina fürs aktuelle Projekt Bring a Ding. Und zwischen den Hauptausstellungen haben wir noch die Einblick-Reihe, wo einzelne Designer sich selbst, ihre Arbeit, ihre Inspirationen etc. vorstellen können, außerdem veranstalten wir Filmabende. Für all diese Events leisten wir alle unseren Beitrag, wo und wann immer wir können. Aber wie du schon angedeutet hast, haben wir alle auch noch “echte Jobs”, damit wir unsere Rechnungen bezahlen können. Depot Basel ist also ein unbezahltes, durch Leidenschaft getriebenes Projekt.

(smow)blog: Die Ausstellung Bring a Ding lief bis zum 27. Mai. Nur ganz kurz: Was ist der Hintergrund vom Projekt und was das Ziel?

Moritz Walther: Die grundsätzliche Idee ist es, Kinder dazu zu bringen, den Wert von Gegenständen zu verstehen. Also zum Beispiel zu begreifen, dass Dinge, die kaputt sind oder nicht länger benötigt werden, nicht automatisch Müll sind, sondern immer noch eine Bedeutung und eine Geschichte haben. Die Kinder sollten zuerst einen Gegenstand auswählen, dann seine Geschichte dokumentieren und das Objekt hier mithilfe von drei professionellen Designern umgestalten bzw. in einen neuen Kontext setzen. Hier in der Ausstellung zeigen wir den gesamten Prozess: von der Suche übers Umgestalten bis hin zu den fertigen Objekten.

(smow)blog: Was kommt denn nach Bring a Ding, wie sehen die nächsten Projekte aus?

Moritz Walther: Ende Mai werden wir die meisten Exponate aus den Ausstellungsräumen nehmen, denn dann kommt die Art Basel Ausstellung Handwerk und Szenografie, die am 11. Juni eröffnet und einen Monat dauern wird. Dann machen wir eine kurze Sommerpause, bis wir im August unsere Musterzimmer-Ausstellung eröffnen. Dabei handelt es sich um Prototypen oder so was wie Showrooms, die kreiert wurden, um aktuelle bzw. zukünftige Trends der Möbel- und Architekturindustrie zu zeigen. Wir möchten diese Tradition ein wenig wiederbeleben und junge Designer dazu herausfordern, zu zeigen, wie sie die Häuser der Zukunft sehen.

Mehr Infos zu Depot Basel gibt’s unter http://depotbasel.ch.

Einen Abstecher zum Depot Basel kann man zum Beispiel gut während der bevorstehenden Design Miami Basel (12. bis 17. Juni) unternehmen. Das klappt unter anderem auch ganz gut, weil man mit dem Bus 55 direkt vom Badischen Bahnhof Basel (im Grunde also eigentlich die Messe) übers Depot Basel zum Vitra Campus kommt. Ein Bus, drei Designhighlights. Ein etwas reißerischerer Blog würde das als “Designtour” empfehlen…

Mehr Fotos von Bring a Ding haben wir als Facebook Galerie veröffentlicht.

Depot Basel

Depot Basel mit Exponaten der Ausstellung "Sitzgelegenheiten"

Depot Basel Bring a Ding

Teil von "Bring a Ding" bei Depot Basel (sorry, aber wir haben leider den Namen des Designers vergessen)

British Design: Interview mit Sheridan Coakley von SCP

Tuesday, May 29th, 2012 http://blog.smow.de/2012/05/british-design-interview-mit-sheridan-coakley-von-scp/">

Wenn man mit irgendjemandem über Design und die Möbelindustrie in Großbritannien spricht, kommt man ganz schnell zu dem Schluss, dass die Britischen Inseln zwar eine beneidenswerte Menge an Designtalenten beheimaten, aber über kaum Hersteller für qualitativ hochwertige, zeitgenössische Möbel verfügen. Oder zumindest nicht mehr…

Während es beispielsweise bei “British Design 1948-2012. Innovation in the Modern Age” im V&A Museum London für die früheren Jahre jede Menge Beispiele von in Großbritannien hergestellten Möbeln gibt, sind diese in späteren Jahre kaum noch zu finden. Großbritannien ist eben, wie Edward Barber es so schön auf den Punkt gebracht hat, eine postindustrielle Nation von Immobilenmaklern und Bänkern. Es gibt aber immer noch ein paar wenige tapfere Fußsoldaten, die noch für die gute Sache kämpfen, so wie SCP in London.

1985 von Sheridan Coakley gegründet, war SCP das erste Unternehmen, das Jasper Morrisons Arbeiten kommerziell produziert hat. Außerdem gaben sie einem jungen Absolventen des Royal College of Art, der damals in Morrisons Londoner Studio arbeitete, seinen ersten Vertrag: Konstantin Grcic.

Im Laufe des letzten viertel Jahrhunderts haben SCP nicht nur weiterhin mit britischen Designkoryphäen wie Tom Dixon oder James Irvine zusammengearbeitet, sondern auch eine beeindruckende Liste junger Designer aufgebaut, darunter Gareth Neal, Donna Wilson und Peter Marigold.

Mit dem Fokus auf “traditionellem Handwerk”, werden SCP zwar nie für die großen Innvovationen zuständig sein, aber genau wie für Rui Alves ist das auch nicht wirklich ihr Ziel. Ihr Ziel ist es, wie sie selbst sagen, “…funktionale und schöne Produkte für die Ewigkeit herzustellen.” Und das machen sie wirklich gut.

Deshalb haben wir uns im Rahmen unserer kleinen, wenn auch völlig unwissenschaftlichen Forschung zum aktuellen Zustand der britischen Design- und vor allem Möbeldesignindustrie mit Sheridan Coakley bei MOST Salone in Mailand getroffen, um seine Sicht zum aktuellen und zukünftigen Potential der zeitgenössischen Möbelproduktion in Großbritannien zu hören.

(smow)blog: Wenn man sich British Design im V&A ansieht findet man sehr wenige Möbel, die nach Mitte der 1960er in Großbritannien produziert wurden. Gehört ihr zu einer aussterbenden Gattung?

Sheridan Coakley: Wir sind eine Gattung, die schon längst ausgestorben ist! Die britische Möbelproduktion starb nach dem Krieg und erholte sich nie wieder richtig. Die Industrie wurde durch den Krieg stark dezimiert und die überlebenden Firmen haben nur deshalb überlebt, weil sie wie ein großer Teil der britischen Industrie glaubten, der einzige Weg konkurenzfähig zu bleiben, wäre möglichst billig zu produzieren. Es war natürlich ein fataler Fehler zu versuchen, mit billigen Herstellern aus dem Osten zu konkurrieren. Als sie dann realisierten, dass das ein völlig falscher Weg war, gab es nur noch die Option, auf Nischen auszuweichen. Deshalb haben diejenigen überlebt, die sich spezialisiert haben. Es gibt immer noch ein paar Unternehmen, die beispielsweise mit der Fertigung von Büromöbeln beauftragt werden, aber im Allgemeinen glaube ich, dass die britische Möbelproduktion weg ist, was natürlich wirklich schade ist.

(smow)blog: Du hast SCP ja 1985 gegründet. Würdest du im Rückblick auf die letzten Jahre sagen, dass es als britischer Hersteller einfacher oder schwerer geworden ist?

Sheridan Coakley: Für uns wird es leichter, aber das liegt hauptsächlich an unserer Erfahrung. Außerdem sind moderne Möbel in Großbritannien heute eher die Norm als zu der Zeit als ich damit anfing. Damals ging es hauptsächlich um Sofas mit Schabracken und Nachbauten von Antiquitäten; Akademiker kauften Antiquitäten, weil ihnen die Idee gefiel, so zu tun als hätten Sie Möbel geerbt. Es war die Zeit des warmen Bieres und des Crickets… Doch seither hat sich vieles verändert und heute sind moderne Möbel beliebter und werden öfter gekauft.

(smow)blog: Was erwartet uns noch in Zukunft?

Sheridan Coakley: Die Designindustrie ist sehr stark, das war sie schon immer. So lange ich darin involviert bin, waren britische Designer immer ganz vorne mit dabei, so zum Beispiel Jasper Morrison, Tom Dixon, Barber Osgerby, usw. Doch weit wichtiger ist, dass sich in der Regierung endlich ein Verständnis gebildet hat, dass Produktion eine gute Sache ist. Vor 10 Jahren war die Produktion noch etwas schlechtes und wir sollten alle lieber was anderes machen. Von daher besteht langfristig gesehen ein Hoffnungsschimmer, dass sich die Branche wieder aufrappeln wird. Sieh dir zum Beispiel die Formel 1 an: Sie wird zurzeit völlig von britischer Technik und hochspezialisierter Produktion dominiert.

(smow)blog: Heißt das, dass ihr überhaupt keine Probleme dabei habt, Partner in Großbritannien für die Herstellung eurer Produkte zu finden oder ist das doch ein Problem?

Sheridan Coakley: Wir haben unseren eigenen Polstereibetrieb, der, als wir ihn übernommen haben, gerade mal vier Angestellte hatte – heute sind es immerhin zwanzig. Holzmöbel in Großbritannien günstig zu bekommen ist ziemlich schwierig und das wird auch so bleiben bis die Firmen massiv in neue Maschinen investieren. Im Allgemeinen muss man einfach losgehen und sich Partner suchen. Wir arbeiten zum Beispiel viel mit Textilien, die in Wales gewoben werden oder unsere Keramik wird in Stoke-on-Tent hergestellt. Die Firmen, mit denen wir arbeiten, sind in gewisser Weise die letzten ihrer Art, viele wachsen aber sogar wieder zu starken kleinen Unternehmen heran. Das liegt hauptsächlich daran, dass es so wenig echten Wettbewerb gibt. Es gibt noch gewisse Dinge, die wir nie tun können werden, doch da wo es moderne Technologie, Spezialtechnik oder traditionelles Handwerk gibt, sehe ich eigentlich keine größeren Probleme.

SCP MOST Salone Milan 2012

SCP bei MOST Salone Mailand 2012

SCP MOST Salone Milan 2012

Ein Teil der neuen 2012 Donna Wilson Kollektion für SCP bei MOST Salone Mailand

SCP MOST Salone Milan 2012

Die Josiah Hängeleuchtenkollektion von Terence Woodgate für SCP bei MOST Salone Mailand 2012

SCP MOST Salone Milan 2012

Bei MOST Salone präsentierte SCP eine Live-Polsterung von ihrem betriebseigenen Polsterteam

 

British Design: Interview mit Edward Barber und Jay Osgerby.

Wednesday, May 16th, 2012 http://blog.smow.de/2012/05/british-design-interview-mit-edward-barber-und-jay-osgerby/">

Wie schon berichtet ist die Hoffnung in Großbritannien groß, dass die Olympischen Sommerspiele 2012 der britischen Designindustrie neuen Schwung verleihen könnten. Das wagen wir doch zu bezweifeln… Aber dann dachten wir uns: Was wissen wir denn schon? Ganz im Ernst… Deshalb haben wir in den letzten Wochen die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und mit einigen Leuten gesprochen, die die Situation um einiges besser einschätzen können als wir; nicht nur über der Möglichkeiten, die sich durch die Olympischen Spiele ergeben, sondern allgemein auch über den aktuellen Zustand der britischen Designbranche.

Nach unserem Gespräch mit Gareth Williams trafen wir uns mit Edward Barber und Jay Osgerby in Mailand, wo wir abgesehen von unserer Standardfrage zum Sinn des Vorstellens neuer Produkte in Mailand auch über ihre Ansichten zum aktuellen Stand des britischen Designs sprachen… und wieso ihre Olympische Fackel nicht Teil der Ausstellung British Design 1948-2012 im V&A Museum ist. Das brennt uns nämlich schon seit Ende März auf der Zunge…

(smow)blog: Großbritannien hegt ja zurzeit die Hoffnung, dass die Olympischen Spiele eine positive Auswirkung auf die britische Designindustrie haben werden. Erwartet ihr auch, dass die Olympischen Spiele den britischen Designern irgendwas positives bringen werden?

Edward Barber: Ich glaube nicht wirklich, dass es überhaupt Bedarf für eine große Revolution im britischen Design gibt, weil es schon jetzt sehr stark ist. In Großbritannien gibt es eine hervorragende Designindustrie mit britischen Designern, die hinter jedem wichtigen Unternehmen auf der Welt stehen. Man kann dieser Bewegung höchstens noch ein wenig mehr Schwung geben. Ich denke aber nicht, dass wir da erst irgendwas anfangen müssen; es ist schon längst da.

Jay Osgerby: In Großbritannien wird sehr viel erfunden und es steht zum Beispiel in der Formel 1 oder der Luftfahrttechnik mit an vorderster Stelle. Doch, was Produktion angeht, fällt es weit hinter allen anderen zurück. Das ist wirklich eine Schande…

(smow)blog: Das bringt uns direkt zur nächsten Frage: Die Mehrheit der Hersteller, mit denen ihr arbeitet, sitzt ja im Ausland. Ihr könnt also als britische Designer nicht wirklich in Großbritannien nach Herstellern suchen. Würdet ihr euch wünschen, dass es mehr britische Produzenten geben würde oder ist das irrelevant?

Jay Osgerby: Über 90 % der Zeit müssen wir im Ausland nach Partnern suchen, das ist richtig. Klar wäre es schön, wenn sich hierzulande mehr Hersteller zeitgenössischem Design widmen würden, aber es gibt nur sehr wenige, die mit dem Niveau der deutschen, schweizerischen oder italienischen Hersteller mithalten können.

Edward Barber: Großbritannien ist ein postindustrielles Land; es gibt einfach keine Industrie mehr. Wir sind eine Nation von Immobilienmaklern und Bänkern. Es gibt aber auch jede Menge exzellenter Nischenhersteller: einerseits in der Nanotechnologie und der Spezialtechnik und andererseits gibt es Töpfer, Weber und andere Handwerker; aber die Mitte gibt es nicht mehr. Deshalb müssen wir in’s Ausland gehen, was natürlich sehr schade ist.

(smow)blog: Man hat irgendwie den Eindruck, dass Möbeldesign in Großbritannien nicht wirklich ernst genommen wird. Wenn zum Beispiel eine Regierungsinstitution Geld für Designermöbel ausgibt, reagiert die Presse immer völlig entrüstet. Wird Möbeldesign in Großbritannien denn überhaupt ernst genommen? Fühlt ihr euch selbst ernst genommen?

Jay Osgerby: Auf jeden Fall. In Großbritannien sponsern die britische Regierung und verschiedene Institutionen traditionell Kunst und Design, um langfristige Projekte zu schaffen, die letztlich auch für das ganze Land wichtig werden. Das Problem liegt heute eher darin, dass viele Menschen durch diese ganzen Wohnsendungen im Fernsehen glauben, dass man Design auch für ‘n Appel und ‘n Ei selbst “machen” kann. Nicht jeder versteht, wo der Unterschied zwischen echtem Design und dem liegt, was sie für Design halten. Von daher ist es wahrscheinlich wenig hilfreich, bei IKEA vorbeizugucken, um ein paar Bänke für irgendeinen Regierungsminister zu besorgen.

(smow)blog: Trotz des Herstellermangels plant ihr nicht etwa London zu verlassen und ein Studio im Ausland zu eröffnen…?

Edward Barber: Definitiv nicht! Ich arbeite lieber in London als irgendwo sonst!

(smow)blog: Um kurz auf Mailand zu kommen, wir haben noch keine Auflistung gesehen, wieviele Arbeiten lanciert ihr hier eigentlich?

Jay Osgerby: Nicht wirklich viele, wir sparen uns die meisten unserer neuen Projekte fürs London Design Festival auf…

(smow)blog: Was uns direkt zur weit wichtigeren Frage bringt: Lohnt es sich überhaupt noch, in Mailand neue Projekte vorzustellen oder ist es mittlerweile einfach zu groß?

Edward Barber: Das kommt ganz auf den Hersteller an, aber generell schon. Allerdings ist Mailand so riesig geworden und es ist so laut, dass man entweder eine unglaublich kräftige Stimme oder ein besonders medienwirksames Produkt braucht, um überhaupt gehört zu werden. Als Folge fangen viele Designer an, ihre Produkte lieber in Köln, London oder Paris vorzustellen, wo man viel mehr Interesse erzeugen kann.

(smow)blog: Das heißt ihr habt euch bewusst für London entschieden oder waren die Produkte einfach noch nicht präsentationsreif?

Jay Osgerby: Wir haben uns gedacht, dass es in Anbetracht der Olympischen Spiele eine gute Gelegenheit ist, dieses Jahr Produkte in London zu lancieren…

Edward Barber: …außerdem wird London immer bedeutender im Design. Das Design Festival im September ist schon etabliert und 100% Design plant Veränderungen für 2012. Von daher glaube ich, dass London für Ausstellungen wesentlich interessanter wird.

(smow)blog: Noch kurz zum Schluss: Die V&A-Ausstellung endet ja mit den Olympischen Spielen 2012, aber eure Fackel ist nicht dabei…

Edward Barber: Ich weiß, sie wollten sie irgendwie nicht haben…

Jay Osgerby: …sie haben gesagt, es wäre zu naheliegend…

Jetzt wissen wir Bescheid. Und ja, es ist wirklich sehr naheliegend. Es wäre aber trotzdem schön gewesen…

Vielleicht spart sich das V&A die Fackel und die anderen Arbeiten von Barber & Osgerby aus ihrer Dauerausstellung, die nicht in dieser Ausstellung gezeigt werden, für eine spezielle Retrospektive auf… Wer weiß.

barber osgerby olympic torch

Edward Barber und Jay Osgerby mit ihrer preisgekrönten Olympischen Fackel. Sie blicken positiv in die Zukunft - wie alle guten Olympioniken...

Bauhaus: Art as Life @ Barbican Art Gallery London: Dr. Annemarie Jaeggi

Tuesday, May 8th, 2012 http://blog.smow.de/2012/05/bauhaus-art-as-life-barbican-art-gallery-london-dr-annemarie-jaeggi/">

Am 3. Mai wurde die Ausstellung “Bauhaus: Art as Life” in der Barbican Art Gallery London eröffnet. In Kooperation mit dem Bauhaus Archiv Berlin, der Stiftung Bauhaus Dessau und der Klassik Stiftung Weimar organisiert, zeigt “Bauhaus: Art as Life” ungefähr 450 Arbeiten von Künstlern, wie Marianne Brandt, Wassily Kandinsky, Marcel Breuer, Walter Gropius usw., und ist damit die erste große Bauhaus-Ausstellung in Großbritannien seit 1968.

Bald wird noch ein Post über die Ausstellung als Ganzes folgen, für den Moment gibt es unser Interview mit der Bauhaus Archiv Berlin Direktorin, Dr. Annemarie Jaeggi, zu lesen, mit der wir vor der offiziellen Eröffnung über die Ausstellung und die Rolle vom Bauhaus im Vereinigten Königreich gesprochen haben.

(smow)blog: Zuerst zum Hintergrund: Haben die drei Bauhaus Institutionen das Barbican mit der Idee zur Ausstellung angesprochen oder kam das Barbican auf Sie zu?

Dr. Annemarie Jaeggi: Das Barbican kam 2009 während der Ausstellung “Modell Bauhaus” in Berlin mit der Anfrage auf uns zu, ob es möglich wäre entweder diese oder eine andere Bauhaus-Ausstellung 2012 in London zu zeigen.

(smow)blog: Die Entscheidung fiel schließlich auf eine andere Ausstellung. Warum wurde nicht einfach die Ausstellung von 2009 nach London gebracht?

Dr. Annemarie Jaeggi: “Modell Bauhaus” war eine sehr teure Ausstellung und für das 90-jährige Jubiläum des Bauhauses gedacht. Und auch wenn sie in reduzierter Form nach New York ging, erwies sich die Ausstellung als nicht besonders praktikabel für ständige Leihgaben – nicht zuletzt, weil die Objekte aus verschiedenen Quellen stammten und es für uns nicht möglich gewesen wäre, diese als dauerhafte Leihgabe zu halten.

Also dachten wir “Ok, machen wir die Dinge etwas anders” und so haben wir als die drittgrößte Bauhausinstitution unsere Sammlung für das Barbican zugänglich gemacht, das die Ausstellung dann selbst kuratiert hat. Am Ende waren ungefähr 70 % der Exponate aus Dessau, Weimar und Berlin und ungefähr 30 %  stammen aus der englischen Sammlung, einige Objekte sind außerdem Leihgaben zum Beispiel vom Centre Pompidou, MoMa New York oder Zentrum Paul Klee in Bern.

(smow)blog: Eine Bauhaus-Ausstellung in Großbritannien wirft eine Reihe auf der Hand liegender Fragen auf. Zuerst, Ihrer Meinung nach, hat die Arts and Crafts Movement eine Rolle bei der Etablierung des Bauhauses gespielt oder gibt es da keine wirkliche Verbindung.

Dr. Annemarie Jaeggi: Ich bin nicht davon überzeugt, dass das eine Rolle gespielt hat. Arts and Crafts war sehr wichtig für die Wiederentdeckung von traditionellem Handwerk, insbesondere einer qualitativ hochwertigen und reinen Form des Handwerks. Und das hatte einen großen Einfluss auf Deutschland, was Jugendstil und den Deutschen Werkbund betrifft. In dieser Periode kam also ein Impuls aus England. Jedoch denke ich, traf dieser weniger das Bauhaus, da diese Bewegung viel mehr von der Situation in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg beeinflusst worden war. Natürlich gibt es bei allen Strömungen Gemeinsamkeiten, weil sie alle handwerkliche Elemente beinhalten und Handarbeit als Werkzeug verstehen, um zu lernen, wie man mit verschiedenen Materialien arbeiten kann, was möglich ist und wo die Grenzen eines Materials liegen. Außerdem verfolgen alle die Idee eines ehrlichen Materialgebrauchs – dass man also nicht gegen die Eigenschaften eines Materials arbeiten sollte. In diesem Sinne könnte man durchaus sagen, dass es da Parallelen gibt.

Aber was Bauhaus schließlich zu dem gemacht hat, wofür wir es heute kennen, kommt aus einer andere Richtung, nämlich Designer auszubilden oder, um die Sprache der Zeit zu nutzen, Formgestalter auszubilden, die mit und für die Industrie arbeiten. An diesem Punkt trennen sich Arts and Crafts und Bauhaus.

(smow)blog: Wenn wir das richtig verstanden haben, hatte das Bauhaus also keinen nennenswerten Einfluss auf das Vereinigte Königreich. Für uns könnte man fast von Großbritannien als dem Land sprechen, das das Bauhaus vergessen hat. Ist das der Fall?

Dr. Annemarie Jaeggi: Mittlerweile sieht man das etwas anders. Früher galt es als unbestritten, dass das Bauhaus in Großbritannien nur eine kleine, wenn nicht gar keine, Spur hinterlassen hat – dass die Bauhäusler, die nach Großbritannien emigriert sind, etwas zu früh kamen. England war damals fest verwurzelt in seiner eigenen Tradition und der Wechsel zur Moderne erfolgte nur sehr zögerlich und wurde bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges nicht wirklich vollzogen. Wie auch immer, heutzutage gibt es diesen Hang dazu, immer nur auf die prominenten Bauhäusler zu blicken. Aber was ist mit den vielen anderen, weniger bekannten, die Deutschland verlassen mussten? Solche, die im Vergleich zu Walter Gropius oder Marcel Breuer an einigen von Englands wichtigsten Colleges gelehrt haben, und deren Beitrag zur britischen Kunst und dem Design erst nach 1945 bemessen werden konnte. Das ist ein Thema, das bis heute nicht vollständig erforscht wurde, aber was hoffentlich weiter, idealerweise mit britischen Institutionen zusammen, untersucht werden wird.

(smow)blog: Und in diesem Kontext kann die Ausstellung als guter Ausgangspunkt für eine tiefergehende Studie über die Beziehung zwischen Großbritannien und dem Bauhaus gesehen werden?

Dr. Annemarie Jaeggi: Ja, es ist eine wundervolle Gelegenheit deutlich zu machen, welche Gebiete einer intensiveren Auseinandersetzung bedürfen – einschließlich Gebieten von speziellem historischen Interesse für Großbritannien. Und ich hoffe, dass die Ausstellung einen kleinen Impuls in diese Richtung geben kann.

(smow)blog: Noch kurz zum Schluss, wie schon gesagt, war “Modell Bauhaus”  nicht als Wanderausstellung geeignet. Ist “Bauhaus Art as Life” besser dafür geeignet? Könnte die Ausstellung potentiell zur Wanderausstellung werden?

Dr. Annemarie Jaeggi: Ich denke nicht. Viele der Objekte hier sind sehr empfindlich. Wir haben zum Beispiel eine unglaublich große Menge von Ausstellungsstücken auf Papier, die sehr lichtempfindlich sind. Außerdem muss man bedenken, dass die Stücke 80 oder 90 Jahre alt sind und das Papier, das damals benutzt wurde, war wirklich von schrecklicher Qualität; die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg waren sehr harte Jahre und die Qualität des Papiers spiegelt genau das wieder. Die Textilien zum Beispiel wurden außerdem noch mit natürlichen Farbstoffen gefärbt – und die verblassen natürlich ziemlich schnell unter Lichteinfluss. Und so bevorzugen wir es, eine große Ausstellung alle zwei oder drei Jahre an einem Ort zu veranstalten und wollen nicht die Risiken von Wanderausstellungen auf uns nehmen.

(smow)blog: Das heißt, die Ausstellung hier bietet eine einmalige Gelegenheit, die Auswahl der Objekte in dieser Form, an einem Ort zu sehen?

Dr. Annemarie Jaeggi: Ja. Und die letzte große Bauhaus-Ausstellung in London war 1968… Es ist also etwas einzigartiges und sehr besonders.

Bauhaus “Art as Life” ist noch bis zum 12. August 2012 in der Barbican Art Gallery London zu sehen.

bauhaus art as life barbican art centre london
Bauhaus: Art as Life @ Barbican Art Gallery London
bauhaus art as life barbican art centre london
Bauhaus: Art as Life @ Barbican Art Gallery London
bauhaus art as life barbican art centre london
Bauhaus: Art as Life @ Barbican Art Gallery London

Mailand 2012: kidsroomZOOM! We Never Give Up!

Thursday, May 3rd, 2012 http://blog.smow.de/2012/05/mailand-2012-kidsroomzoom-we-never-give-up/">

Eines unserer Highlights auf der Vienna Design Week im Oktober 2011 war die Ausstellung kidsroomZOOM!. Im Wesentlichen wurde dabei ein Apartment in der Wiener Innenstadt komplett mit Kindermöbeln eingerichtet. Wir waren allerdings nicht nur von den gezeigten Objekten beeindruckt, sondern vor allem vom Konzept. “Vergesst die Erwachsenen! Wir tun das nur für die Kids!” war die Message, die uns erreichte und der wir voll und ganz zustimmen können.

KidsroomZOOM! hat seinen Ursprung in Mailand, sodass wir bei der diesjährigen Messe nicht nur die Gelegenheit hatten, die aktuelle Ausstellung 2012 zu sehen, sondern auch mit Kuratorin Paola Noè zu sprechen und so etwas mehr über das Konzept herauszufinden.

(smow)blog: Wieso haben Sie sich für eine Designermöbelausstellung entschieden, die speziell für Kinder gemacht ist – und das in diesem Kontext?

Paola Noè: Meinen Lebensunterhalt verdiene ich als Kuratorin für Unduestrestell, einem zeitgenössischen Kunstprojekt für Kinder, hier in Mailand. Vor zwei Jahren traf ich Thomas Maitz von Perludi und wir entwarfen eine kleine kidsroomZOOM-Ausstellung, davon ausgehend ist das Projekt weiter gewachsen. Für uns ist es besonders wichtig, Möbel und Kunst für Kinder in einer möglichst realistischen, heimischen Umgebung zu präsentieren. Und so habe ich für die erste Mailand-Ausstellung im letzten Jahr Arbeiten von interessanten Herstellern und jungen Designern ausgewählt, um damit ein vollständiges Haus nur für Kinder einzurichten.

(smow)blog: Haben Sie mit der Auswahl der Räume begonnen und sich gedacht, ok, dies und jenes Produkt funktioniert darin gut und wird in die Ausstellung aufgenommen, oder haben Sie zuerst die Designer mit ihren Produkten ausgewählt und dann in den vorhandenen Räumen untergebracht?

Paola Noè: Ein bisschen von beidem… Im Laufe des Jahres habe ich Arbeiten gesammelt, von denen ich dachte, dass es interessant wäre, sie auszustellen. Wenn wir dann die Möglichkeit haben, eine Ausstellung zu veranstalten, muss ich aber abwägen, welche Objekte in den Räumen präsentiert werden können. Man kann ja leider nicht alles ausstellen, was man will; man kann es aber versuchen…

(smow)blog: Glauben Sie, dass die großen Möbelhersteller Kinder als Zielgruppe ernst nehmen oder ist die Ausstellung als Aufruf zu betrachten, dass sie damit beginnen sollten?

Paola Noè: Ich denke, es gibt viele Hersteller und Designer, die Kinder durchaus ernst nehmen. Aber hier in Italien beispielsweise ist das nicht zwangsläufig der Fall. Das ist merkwürdig, denn in den 1970ern hatten wir hier in Mailand Enzo Mari, Bruno Munar usw. Man kann also schon fast sagen, dass Design für Kinder in Italien entstanden ist, aber heute ist es leichter wirklich interessante Hersteller in anderen Ländern, wie zum Beispiel Schweden, Amerika, Österreich oder Frankreich, zu finden.

(smow)blog: Sie stellen ja aktuell in Mailand und Wien aus. Möchten Sie auch gerne noch in andere Städte oder ist dieser Halbjahresrhythmus gut so wie er ist?

Paola Noè: Ich suche immer nach neuen Gelegenheiten und Möglichkeiten, kidsroomZOOM weltweit zu präsentieren; zurzeit erkundige ich mich zum Beispiel nach Möglichkeiten in Südamerika. Es wäre aber auch schön, neue Locations in Europa zu finden, doch zurzeit ist das größte Problem die wirtschaftliche Situation, die die Organisation und Finanzierung einer solchen Ausstellung natürlich erschwert. Das ist zurzeit auf jeden Fall die größte Herausforderung.

(smow)blog: Dient der Name der Show We Never Give Up! in diesem Zusammenhang als Motivation für die Organisatoren?

Paola Noè: Die Organisation der zweiten Ausstellung war um einiges schwieriger als die erste, denn aufgrund der Krise war es für uns besonders schwer, Sponsoren und Partner zu finden. Doch wir dachten vor allem an die Kinder und ihre Zukunft – man kann nicht immer nur an die Wirtschaftskrise denken. Man muss etwas anderes zeigen. Deshalb haben wir beschlossen, nicht aufzugeben und dafür zu sorgen, dass die zweite Ausstellung realisiert werden konnte.