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Lightopia Talk. Richard Sapper @ Vitra Design Museum – Fortsetzung.

Tuesday, January 21st, 2014

Neben der Möglichkeit, Licht punktgenau auszurichten, verfolgte Richard Sapper beim Design der Tizio Lampe noch ein weiteres Ziel:

“Ein anderes Problem war, daß ich ein sehr unordentlicher Mensch bin. Auf meinem Schreibtisch gibt es keinen Platz, um eine Lampe hinzustellen, oder es läßt sich nur in der entferntesten Ecke meines Schreibtisches ein Standort finden, weil der Rest der Tischplatte mit Dingen überhäuft ist, die ich wahrscheinlich nicht benötige, aber die ich eben nur auf dem Tisch ablegen kann. Dafür braucht man natürlich einen sehr langen Schwenkarm. Und um eine Lampe leicht bewegen zu können, gab es das mechanische Problem, ein strukturelles System, eine Mechanik – oder wie man es auch immer nennen mag – zu finden, die einen kleinen, aber weit entfernten Reflektor ohne jeden Widerstand bewegen kann. Es existierten zwei Systeme, die dafür zu verwenden waren: Ein Schwenkarm mit einer Sprungfeder oder  einer mit einem Gegengewicht. Es war für mich klar, daß ein Arm mit einem Gegengewicht von Natur aus das bessere Mittel war, mein Ziel zu erreichen….” Richard Sapper “Der Design-Prozeß” in Uta Brandes “Richard Sapper. Werkzeuge für das Leben” Steidl Verlag, Göttingen, 1993

Womit es einen weiteren Beweis für die Wahrhaftigkeit der Ausführungen zum Verhältnis eines unordentlichen Schreibtisches zur Kreativität des daran Arbeitenden in Prof. Kathleen D. Vohs’ Aufstz “Physical Order Produces Healthy Choices, Generosity, and Conventionality, Whereas Disorder Produces Creativity“ gäbe.

Lightopia Talk. Richard Sapper – Ein Lebenswerk” findet Dienstag, den 23. Januar 2014, 18 Uhr im Vitra Design Museum, Weil am Rhein statt und einen Besuch können wir nur empfehlen.



Vitra Design Museum: Lightopia Talk. Richard Sapper – Ein Lebenswerk

Thursday, January 16th, 2014

Mit der hinter uns liegenden Wintersonnenwende und den länger werdenden Tagen neigt sich die Vitra Design Museum Ausstellung “Lightopia” langsam ihrem natürlichen Ende entgegen.

Aber bevor die Lichter am 9. März endgültig ausgehen, gibt es noch ein paar echte Highlights aus dem Begleitprogramm zu erleben. So am Dienstag, den 23. Januar 2014, ein Gespräch mit und über den in Mailand lebenden Designer Richard Sapper.

1932 in München geboren, arbeitete Richard Sapper mit und für Unternehmen wie Daimler-Benz, Kartell, Siemens und Alessi, hat Fernseher, Telefone, Stühle, Espressomaschinen, Bücherregale und Telefonzellen und, nicht zu vergessen, seine wohl berühmteste Arbeit und wohl auch der Grund für seine Einladung ins Vitra Design Museum, die Tizio Lampe für Artemide von 1972, entworfen.

Die Idee hinter Tizio ist so einfach wie egoistisch: ”Ich habe gern beim Arbeiten oder Lesen das Licht nur auf dem Blatt Papier vor mir und den Rest des Raumes im Halbdunkel. Ich fühle mich so ungestörter und kann mich besser konzentrieren.”1 Da so eine Lampe nicht existierte, designte Richard Sapper sie. Und glücklicherweise war Artemide so begeistert, sie in die Produktion aufzunehmen.

Unter Verwendung eines zweigliedrigen Leuchtenarmes liegt die Genialität der Tizio Leuchte in der Tatsache, dass das Gleichgewicht und die Bewegung der Arme durch ein Gegengewichtssystem reguliert wird. Keine Federn, keine Stahlseile, keine Schrauben zur Befestigung. Als solche kann Tizio mühelos in praktisch jede Position gebracht werden. Wenn es sein muss, mit nur einem Finger… Diese Bewegungsfreiheit wird von einem Verzicht auf Kabel unterstützt. Die Elektrizität fließt durch den Rahmen, die Stromhauptleitung wird zuvor über einen Transformator im Sockel in eine Niedervoltspannung konvertiert.

Daneben war die Tizio eine der ersten Lichtojekte, die Halogenlampen nutzt – eine Lichtquelle, die in den 1970ern fast ausschließlich für Autoscheinwerfer verwendet wurde. Oder wie es Richard Sapper 2010 in der “Zeit” formulierte: ”Wenn Sie eine Ersatzbirne für die Tizio haben wollten, dann mussten Sie zur Tankstelle fahren.”So wird Richard Sappers Leuchte auch bei dem Teil von Lightopia präsentiert, in dem es um die Entscheidung der EU geht, konventionelle Leuchtmittel abzuschaffen.

So unkonventionell und genial wie das Lampendesign ist, dauerte es eine Weile, bis die Öffentlichkeit bereit für das Objekt war. Laut Artemide Gründer Ernesto Gismondi wurden von der Tizio im ersten Jahr nur 1000 Stück verkauft, im zweiten gerade einmal 500.3 Doch in den seither vergangenen vier Jahrzehnten hat sich die Tizio Tischleuchte nicht nur zu einem populäreren und kommerziell erfolgreichen Designobjekt entwickelt, sondern auch zu einem der meist kopierten. Laut Gismondi zahlt Artemide jedes Jahr ein kleines Vermögen, um es mit den Plagiateuren aufzunehmen, wo auch immer sie sie finden.

Im Laufe des Abends wird Richard Sapper zweifellos all diese Aspekte seiner Tizio Lampe noch im Detail darlegen sowie etwas allgemeiner über die 1960er für Industriedesigner und seinen Blick auf den aktuellen Stand der Designindustrie sprechen.

Die Veranstaltung klingt sehr vielversprechend und wir können jedem, der es einrichten kann, nur empfehlen vorbeizuschauen.

“Lightopia Talk. Richard Sapper – Ein Lebenswerk” findet am Donnerstag, den 23. Januar 2014, im Vitra Design Museum, Weil am Rhein statt. Der Eintritt ist frei.

1 Hans Höger “Die Tizio-Leuchte von Richard Sapper” Verlag form, Frankfurt am Main, 1997

2 Tillmann Prüfer, Designer Richard Sapper. Der Weltverbesserer. Die Zeit 09.04.2010 http://www.zeit.de/2010/15/Richard-Sapper-15/ Accessed 15.01.2014

3 Uta Brandes “Richard Sapper. Werkzeuge für das Leben” Steidl Verlag, Göttingen, 1993

Richard Sapper Tizio Artemide

Tizio von Richard Sapper für Artemide



(smow) Blog 2013. Ein Rückblick in Bildern: April

Friday, December 27th, 2013

Wie immer im April ging es auch 2013 wieder nach Mailand. Und wie immer haben wir unter all dem sinnlosen Corporate-Design-Müll einige Edelsteine entdeckt…

Nach Mailand haben wir uns dann sehr gefreut, den neuesten Zuwachs auf dem Vitra Campus kennenzulernen, die SANAA Produktionshalle…

Carwan Gallery MiArt Milan 2013

Carwan Gallery, MiArt Mailand 2013

Object Limited Edition Design at MIART Milan 2013 Swing Gallery

Swing Gallery, MiArt Mailand 2013

Milan Design Week 2013 Empatia by Carlotta de Bevilacqua and Paola di Arianello for Artemide

Möbelmesse Mailand 2013: Empatia von Carlotta de Bevilacqua und Paola di Arianello für Artemide

Milan Design week 2013 Galleria Viafarini Magic Moments Inside

Möbelmesse Mailand 2013: Galleria Viafarini. Magic Moments Inside

Milan Design Week 2013 The Mattiazzi Collection

Möbelmesse Mailand 2013: The Mattiazzi Collection

Milan Design Week 2013 Roll and Hill at Euroluce

Roll & Hill auf der Euroluce 2013. Stella Triangle von Rosie Li

Milan Design Week 2013 Workbay Office by Ronan and Erwan Bouroullec for Vitra

Möbelmesse Mailand 2013: Workbay Office von Ronan und Erwan Bouroullec für Vitra

Milan Design Week 2013 Tools for Life by OMA for Knoll 01 Arm Chair 03 Coffee Table

Möbelmesse Mailand 2013: Tools for Life von OMA für Knoll. Der 01 Arm Chair und 03 Coffee Table

SANAA Factory Building Vitra Shop Weil am Rhein Window

Neu auf dem Vitra Campus: Die SANAA Produktionshalle

SANAA Factory Building Vitra Shop Weil am Rhein Roof

SANAA Produktionshalle. Das Dach.



Mailand 2013: Empatia von Carlotta de Bevilacqua und Paola di Arianello für Artemide

Wednesday, April 10th, 2013

Da es unser erstes Event auf der Möbelmesse 2013 war, wollen wir mit unserem ersten Mailand-Post Artemide würdigen.

Insbesondere Empatia von Carlotta de Bevilacqua und Paola di Arianello – für uns das herausstechende Objekt der Artemide Kollektion von 2013 – hat es uns angetan.

Das Lob für Carlotta und Paolawird vielleicht etwas geschmälert, wenn wir jetzt sagen, dass ein Großteil der neuen Artemide Lampen architektonische Leuchten sind – alle technisch sehr interessant, aber eben als Teil architektonischer Konzepte entworfen. Unter den wenigen neuen Wohnleuchten präsentierte Ross Lovegrove etwas, was sich am besten als “Skulptur, die leuchtet” beschreiben lässt und Ernesto Gismondis Objekt Ilio sagt uns, ehrlich gesagt, gar nichts. Damit würde man aber Empatia Unrecht tun.

Auf der einen Seite ist da die mundgeblasene äußere Kugel aus Venezianischem Glas. Und auf der anderen Seite ist da die technische Innovation. Das Geheimnis von Empatia ist eine synthetische Stange in der Mitte der Glaskugel. Das Licht wird durch LEDs im Fuß der Lampe erzeugt, es strömt durch die Stange, wird durch die blickdichte Kuppel am oberen Ende reflektiert und die Lampe gibt so schließlich ein angenehmes 360 Grad Licht ab. Wir sind ziemlich sicher, dass jemand die Stange mit einer Kerze vergleichen wird. Denn das ist ein ziemlich naheliegender, aber auch etwas langweiliger Vergleich.

Ja, als kugelförmige Glaslampe, die als Tisch-, Wand-, Hänge- und Stehlampe erhältlich ist, erinnert Empatia an das ein oder andere bereits bekannte Artemide Produkt. Doch einerseits hat sie eine charmante, einnehmende und neue Formensprache, die mit einer energiesparenden innovativen Technologie kombiniert ist und andererseits, warum sollte Artemide nicht da weitermachen, wo sie aufgehört haben?

Zurzeit gibt es noch kein Veröffentlichungsdatum für die Empatia von Carlotta de Bevilacqua und Paola di Arianello. Bis dahin aber schon mal ein paar bebilderte Eindrücke von der Mailänder Design Week 2013.

Milan Design Week 2013 Empatia by Carlotta de Bevilacqua and Paola di Arianello for Artemide

Möbelmesse Mailand 2013: Empatia von Carlotta de Bevilacqua und Paola di Arianello für Artemide

Milan Design Week 2013 Empatia by Carlotta de Bevilacqua and Paola di Arianello for Artemide

Möbelmesse Mailand 2013: Empatia von Carlotta de Bevilacqua und Paola di Arianello für Artemide



(smow) intern: Designermöbel Office Paket

Saturday, November 19th, 2011

Wenn man einmal so viele Geburtstage hinter sich weiß wie wir, kommt ein Punkt im Leben, an dem man nicht mehr bereit ist, Kompromisse in Bezug auf die Qualität neuer Anschaffungen einzugehen. Sei es die Wahl eines Autos, einer Fluglinie oder schlicht eines  neuen Haarschnitts. Erst recht aber gilt diese Faustregel für die Wahl eines neuen Bürostuhls.

Selbstverständlich gab es auch für uns eine Zeit – so wie wahrscheinlich für die meisten – als wir uns mit billigen, unbequemen Bürostühlen zufrieden gaben. Das war so viel einfacher. Natürlich war die Qualität… – lassen wir das. Wir mussten eben Kompromisse eingehen. Und Kompromisse sind wir nicht nur was den Stuhl anbelangt eingegangen. Auch unser Schreibtisch, unsere Schreibtischlampe und der Stauraum waren optisch und qualitativ nicht viel mehr als ein Kompromiss.

Das geht aber auch anders. Gegen den sichtbaren Verschleiß, unstimmige Arrangements und Bandscheibenvorfall-begünstigende-Arbeitsplätze haben wir alles Wichtige und Gute für den Arbeitsplatz in einem Komplettpaket zusammengestellt und bieten es zum exklusiven Vorteilspreis an.

Das (smow) Designermöbel Office Paket – oder das “Kompromisse waren gestern”-Set, wie wir es liebevoll innerhalb unseres Blogteams nennen – umfasst einen Haller Tisch, USM Haller Rollcontainer, Vitra Bürostuhl und eine Artemide Tolomeo Tavolo Schreibtischlampe.

Die einzelnen Elemente können ganz nach den individuellen Anforderungen kombiniert werden. Unabhängig davon, welche Teile gewählt werden, kommt der Paketpreis ca. 8% günstiger als die Summe der Einzelstücke.

Wir haben viele der möglichen Kombinationen unseres Office Pakets am Lager und somit sofort lieferbar – es ist also gar nicht so unwahrscheinlich, dass Sie schon in ein Paar Tagen an einem ziemlich perfekten, weil aus qualitativ sehr hochwertigen und ästhetisch sowie funktional auf den Punkt gebrachten Designermöbeln bestehenden, Arbeitsplatz sitzen – und sich dieser Tatsache vor allem auch in den nächsten Jahr noch gewiss sein können.

Unser Fazit zum Designermöbel-Büroset: Es ist einfacher, zufriedenstellender und insgesamt so viel besser als einen Kleinbus zu mieten, an den Stadtrand zu fahren und sich dort – alle paar Jahre wieder – für gerade einmal mittelmäßige Möbel durch die Massen zu schlagen.

Alle Details zu unserem Office Paket gibt es unter www.smow.com/office-package.html

smow designer office furniture package
Eine der vielen Kombinationsmöglichkeiten aus USM, Vitra und Artemide (Industrietreppe im Hintergund nicht im Lieferumfang enthalten!)


(smow)intern: Designmöbelkatalog 2011

Wednesday, July 6th, 2011

Technikverweigerer! Das wird (smow) ja normalerweise nicht nachgesagt. Soweit uns bekannt ist, hat noch kein (smow)Mitarbeiter einen iPad zertrümmert oder einen W-LAN Zugang gekappt um gegen die schleichende und zwanghafte Ausbreitung von Technologien in alle Lebensbereiche zu protestieren. Aber: In den ersten Wochen des Sommers waren alle im (smow)Hauptquartier mit der Vorbereitung und Herstellung des allerersten (smow)Katalogs beschäftigt. Ein realer gedruckter Katalog! Auf Papier! Mit Tinte!

Technikverweigerer? Au contraire, nos amis! Die Herstellung eines solchen analogen Katalogs ist technisch eine größere Herausforderung als dieses idiotensichere HTML zu programmieren. Und trotzdem ist es uns am Ende gelungen ein tolles Heft fertigzustellen. Gut gemacht, Katalogteam!

Neben einer Auswahl von (smow)Produkten enthält der Designmöbelkatalog 2011 auch biografische Informationen zu wichtigen Designern und natürlich wunderbare extra für den Katalog in Auftrag gegebene Fotos von Produkten von USM Haller, Vitra, Moormann, Richard Lampert et al.

So ein gedruckter Katalog ist im Prinzip nichts anderes als damals die Mechanisierung in den Textilfabriken, die den unterdrückten Massen erstmals den goldenen Geschmack von Freizeit kosten ließ. Mit dem Katalog bekommen wir ein Stück Technikfreiheit zurück. Computer ausschalten, Katalog in Ruhe durchblättern, Computer wieder anmachen, bestellen.

Ein Exemplar des Kataloges kann man über das Kontaktformular auf smow.de oder unter service@smow.de anfordern.

Auf facebook.com/smowcom haben wir außerdem die Fotogalerie zum Katlaogentstehungsprozess veröffentlicht.

smow Designer Furniture Catalogue 2011

(smow) Designmöbelkatalog 2011



Vitra Design Museum: “Zoom. Italian Design and the Photography of Aldo and Marirosa Ballo”

Monday, April 4th, 2011

Im letzten Sommer verbrachten wir unseren jährlichen Wochenendausflug in einem kleinen Museum im Norden Englands und diskutierten das Leben eines Mannes, der sich 30 Jahre zuvor erhängt hat. Da soll nochmal jemand sagen, wir könnten uns nicht entspannen.

Die Stadt hieß Macclesfield und Thema war der Joy Division Sänger Ian Curtis. Ohne Frage ist Curtis eine der großen Ikonen der neueren Musikgeschichte und der Kult um ihn liegt in einer Kombination aus seinem frühen Tod und den Fotos seiner Band begründet.

Einer der Redner auf der Konferenz in Macclesfield war Kevin Cummins, der Mann hinter fast allen veröffentlichten Joy Division Bildern und zahlreichen Shootings der Band für das Musikmagazin NME. Im Laufe der Diskussion hat Cummins “zugegeben”, dass die Tatsache, dass ausschließlich schwarz-weiß Fotos der Band existieren, auf eine “Vermarktungsstrategie” der Plattenfirma zurückgehe. Eine Entscheidung, die zudem von NME vollkommen unterstützt wurde. Genauso wurde entschieden, dass Curtis auf allen Fotos ernst und deprimiert aussehen solle. Es gibt druchaus auch Fotos in Cummins’ Archiv, die Curtis lachend und rumalbernd zeigen. Aber sie wurden nie verwendet. Sie hätten nicht dem Image entsprochen. Und so wird Ian Curtis durch die Maschinerie von Plattenfirma und Medien für immer als diese depressive und monotone Figur bestehen.

Marirosa Ballo examines the exhibition "Zoom Italian Design and the Photography of Aldo and Marirosa Ballo" at the Vitra Design Museum

Marirosa Ballo begutachtet die Ausstellung "Zoom Italian Design and the Photography of Aldo and Marirosa Ballo" im Vitra Design Museum, Weil am Rhein

“Zoom. Italian Design and the Photography of Aldo and Marirosa Ballo” geht einem ganz ähnlichen Thema nach.

Aldo und Marirosa Ballo sind vielleicht die wichtigsten und einflussreichsten Möbelfotografen aller Zeiten und spielten eine nicht unwesentliche Rolle bei der Entwicklung der modernen Legende vom italienischen Design. Doch während Kevin Cummins aktiv daran beteiligt war, die Legende um Ian Curtis zu konstruieren; verlief der Weg von Aldo und Marirosa Ballo größtenteils unbewusst. Für Aldo und Marirosa Ballo stand stets das Objekt selbst im Zentrum ihrer Arbeit, wobei das Ziel immer darin bestand ein möglichst natürliches und ausdrucksstarkes Bild der Produkte zu entwerfen. Zu diesem Zwecke entwickelten sie einige technische Mittel, die mittlerweile zum Standardreportoire eines jeden Industrie- und Produktfotografen zählen.

Doch trotz des innovativen Aspekts in Ballos Arbeit, steht für die meisten die unverwechsel- und unkopierbare Fotoreihe im Vordergrung, die dazu beitrug Italien als eine der wichtigsten Nachkriegs-Möbeldesign-Nationen zu etablieren. Aldo und Marirosa Ballos Fotos zierten die Titel von Hochglanz Design Magazinen, ihre Portraits von italienischen Designern wurden von einem weltweiten Publikum gesehen und sie sprachen eine neue europäische Generation an, die sich wegbewegte vom Stil und dem Mobiliar der Eltern. Dank der Arbeit von Aldo und Marirosa Ballo wurde Italien zum Synonym für gute Qualität. Und etwas sehr erstrebenswertes. Und wir denken, das war nicht einmal ihr Ziel. So hat es sich einafch entwickelt.

Curator Mathias Schwartz-Clauss guides visitors through the exhibition

Kurator Mathias Schwartz-Clauss führt Besucher durch die Ausstellung.

Mit einem Rückblick bis in die 1950er nimmt “Zoom. Italian Design and the Photography of Aldo and Marirosa Ballo” seine Besucher nicht einfach nur mit auf eine Reise durch vier Dekaden italienischen Designs, sondern beschreibt ebenso die Entwicklung von professionellem Designer Möbel Marketing sowie die Etablierung von “Star Designern”. Die Ausstellung ist so angelegt, dass Objekt, Fotos und Zeitschriftenauszüge bzw. Werbeanzeigen in unmittelbarer Nähe zueinander dargestellt sind, sodass der Betrachter einen umfangreichen Eindruck vom Objekt und dem Kontext seiner Vermarktung erhält. Auf diese Weise wird deutlich, dass trotz der Mysthifizierung der Objekte durch die Fotos, die Objekte selbst den tatsächlichen Wert und somit Grund für die Legende bilden. Außerdem ist eine wunderbare Ausstellung von über 300 Fotos entstanden, die den Designs mehr als gerecht werden.

Und wessen Leben sich um Möbel, Möbelmessen und Produkteinführungen dreht, weiß wie wichtig gute Fotos in der Designer Möbel Welt sind… Den Text liest doch keiner. Aber jeder schaut sich die Fotos an. Deshalb investiert auch die Möbelindustrie jedes Jahr aufs Neue immense Summen, um sicherzugehen, dass die Pressefotos für neue Produkte nichts weniger als perfekt sind. Nur so fängt man das Publikum. Die Techniken und die Philosophie, die dabei dahinter steht, ist ebendie von Aldo und Marirosa Ballo entwickelte. Und das macht ihre Arbeit heute wie damals derart relevant. Und die Ausstellung einen Besuch wert.

“Zoom. Italian Design and the Photography of Aldo and Marirosa Ballo” läuft noch bis 3. Oktober im Vitra Design Museum, Weil am Rhein.

Mehr Informationen gibt es unter: www.design-museum.de

Furniture photography.

Möbel Fotografie. Point. Shoot. Fame and riches.

Selene by Vico Magistretti for Artemide.

Selene by Vico Magistretti für Artemide bei "Zoom. Italian Design and the Photography of Aldo and Marirosa Ballo"



(smow) Interview: “The thing that would be amazing to try to do is to work with recycled material” James Irvine, Mailand 2010

Friday, June 18th, 2010

Seit 26 Jahren beeinflusst James Irvine leise und bescheiden das Industriedesign Europas.

Nach seinem Studium am Londoner Royal College of Art ging Irvine 1984 nach Mailand um für das Designstudio von Olivetti zu arbeiten.

Und hat die norditalienische Metropole seitdem (so gut wie) nicht wieder verlassen.

1992 verließ James Irvine Olivetti und arbeitete seitdem für verschiedene Hersteller wie Artemide, B&B Italia, Whirlpool, Magis und WMF. Eines seiner bekanntesten Projekte ist sicherlich die Gestaltung der “City Bus Flotte” für Hannover im Rahmen der Expo 2000 in Deutschland.

Thonet brachte 2004 den A 660 auf den Markt. Diese erste Zusammenarbeit von Irvine mit Thonet endete damit, dass er zum Artdirektor des Herstellers berufen wurde.

“The thing that would be amazing to try to do is to work with recycled material”

In Mailand hatte (smow) Gelegenheit, mit James Irvine über die Herausforderungen und den Druck zu sprechen, der entsteht, wenn man eine der führenden Designermöbelmarken Europas pflegt und verwaltet… und über die Zukunft des Unternehmens.



Licht von Roll and Hill

Tuesday, May 25th, 2010
The Stature of Liberty, New York ...

Die Freiheitsstatue, New York ...

In diesem Jahr sind wir nicht auf der ICFF in New York. Letztes Jahr war einfach zu traumatisch

Was natürlich eine Schande ist, denn unser Postfach ist voll von wunderbaren Shows und Produkten – nicht zuletzt der Lampenkollektion der neuen amerikanischen Lichtbude Roll and Hill.

Roll and Hill wurde von (unserem persönlichen Highlight der letzten ICFF) Jason Miller gegründet und beherbergt ein breites Spektrum zeitgenössischer amerikanischer Designer wie Lindsey Adams Adelman, Paul Loebach, Sarah Cihat und Michael Miller sowie das Designkollektiv Rich Brilliant Willing.

Beleuchtung ist eines der komplexeren Designthemen. Die Entscheidung für bestimmte Sitz- oder Aufbewahrungsmöbel wird meist hinsichtlich ihrer Funktionalität gefällt.

Lampen hingegen… illuminieren.

Wahre technische Innovationen wie Richard Sappers Tizio für Artemide oder ästhetische Innovationen wie Nils Holger Moormanns Pin Coat Pin Light sind die wenigen Ausnahmen. Hersteller gehen oft einfach davon aus, dass es den Käufern egal ist, solange die Lampe Licht macht.

Bei Roll and Hill sind die Lampen aber unverkennbar die Stars.

Und das ist eine gute Sache und ein kleines Gegengewicht zu dem ganzen Schrott der ununterbrochen weiter produziert wird in der Annahme, dass es keinen interessiert.

Unser Lieblingsstück bleibt Jason Millers Modo Chandelier, ein Produkt von solch feiner Eleganz, dass es uns letztes Jahr in New York wirklich vom Hocker gehauen hat.

Die vollständige Roll and Hill Kollektion gibt es unter http://www.rollandhill.com/

Modo Chandelier by Jason Miller through Roll and Hill

Modo Kronleuchter von Jason Miller/ Roll and Hill



IMM Köln: Die neuen Klassiker

Monday, January 25th, 2010
Schöner Wohnen present their Neue Klassiker at IMM Cologne

Schöner Wohnen zeigt seine Neuen Klassiker auf der IMM Köln

Aus Anlass ihres 50. Geburtstages hat die Zeitschrift “Schöner Wohnen” als besondere Beilage “Das Buch der Klassiker“ herausgegeben, indem die 400 besten Möbel und Wohnaccessoires des 20. und 21. Jahrhunderts präsentiert werden.

Diese Klassiker wurden auch auf dem Schöner-Wohnen-Stand hier in Köln gezeigt.

Neben bekannten Produkten wie dem Vegetal von Ronan and Erwan Bouroullec für Vitra oder der Castore Lampe von Huub Ubbens und Michele De Lucchi für Artemide, zeigt die Ausstellung auch Stücke denen sonst nicht die Aufmerksamkeit geschenkt wird, die sie eigentlich verdienen.

Split by Meike Russler together with the Thonet A 660

Split von Meike Rüssler zusammen mit dem Thonet A 660

Der Split von Meike Rüssler für Ligne Roset z.B. ist ein wunderbarer Schreibtischentwurf.

Wenn man einen schön aufgeräumten Schreibtisch mag.

Also nichts für uns.

Aber für alle anderen perfekt.

Es sind nicht nur die eingearbeiteten Briefkörbe oder versteckten Ablagefächer oder die wunderbare 360-Grad-Leuchte, die den Split ausmachen. Auch die Tatsache, dass der Tisch im Handumdrehen von einem doppelstöckigen Schreibtisch zu einem geschützten Arbeitsplatz umgewandelt werden kann. Und dann ist da noch dieses wunderbare Retro-Furnier, das unsere Herzen immer ein bisschen höher schlagen lässt.

In Köln hat das Schöner-Wohnen-Team den Split mit James Irvines A 660 Loop Chair von Thonet verheiratet. Mit der klassischen Thonet-Biegeholz-Technologie bietet Irvines Stuhl eine wunderbare, moderne Interpretation des traditionellen Thonet-Stils. Und einen sehr bequemen Sitz.

Der A 660 ist kein Stuhl, auf dem man acht Stunden vor einem Schreibtisch verbringen möchte. Aber für regelmäßige kürzere Abschnitte oder zum Beispiel als Besucherstuhl in einem Büro ist er perfekt.

Vegetal from Vitra by Ronan and Erwan Bouroullec

Vegetal für Vitra von Ronan und Erwan Bouroullec

Wir haben ja grundsätzlich zu viel Zeit und haben durchgezählt: Soweit wir sehen konnten, sind Cassina und Vitra unter den Top-Herstellern und Antonio Citterio und Ronan und Erwan Bouroullec unter den am besten vertretenen Designern.
Also macht (smow) doch etwas richtig…..

“Das Buch der Klassiker“ ist mit der Februar-Ausgabe von “Schöner Wohnen” erhältlich – und alle gezeigten Artikel gibt es natürlich auf smow.de