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Archiv für die ‘Interview’ Kategorie

Garden Unique Youngstars Cologne 2015 Gewinner: snak von Gunnar Søren Petersen

Es ist eine Tatsache, wenn auch keine sehr weit bekannte, dass der “Organic Design in Home Furnishings” Wettbewerb des New Yorker Muesum of Modern Art 1940 eine Kategorie “Furniture for Outdoor Living” enthielt.

Während vieles von dem, was der heute legendäre Wettbewerb angestoßen hat immer noch so relevant und zeitgemäß wie eh und je ist, ist das Design von Möbeln für den Außenbereich bedauerlicherweise immer mehr hinten runtergefallen. Ein Zustand, der eindrucksvoll von der prägnant betitelten “spoga+gafa garden fair 2015” in Köln demonstriert wird. Mit einer Halle nach der anderen, in der sich typische Möbel mit variablen Materialien und ästhetischer Qualität sammeln, spiegelt sich in Köln der derzeitige Markt was Möbel für den Außenbereich angeht wider und zeigt perfekt, was passiert, wenn Hersteller Möbelstücke mit dem Ziel produzieren, ihren Kunden einen Traum, ein vorgeformtes, ideales Bild von häuslichem Erfolg und einer gewissen Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe zu verkaufen, anstatt sich darauf zu konzentrieren, Produkte zu entwickeln, die einem Prinzip folgen, dem Anspruch, ein Problem zu lösen, neue Wege zu finden oder das Leben des Endnutzers zumindest ein bisschen leichter oder schöner zu machen.

Glücklicherweise gibt es ein paar Quadratmeter auf der spoga+gafa, auf denen man solche doch findet, den Garden Unique Youngstars Wettbewerb.

Eingeführt im Jahr 2013 zeigt der Garden Unique Youngstars Designs für das Leben im Outdoorbereich, die einen kleinen Einblick geben, was im Hinblick auf Außenmöbel fernab der müden Klischees und Stereotypen noch möglich ist, Designs wie der Gewinner des Garden Unique Youngstars Wettbewerbs 2015: der Garten-/Picknicktisch snak von dem Absolventen der Universität der Künste Berlin Gunnar Søren Petersen.

Zum ersten Mal wurden wir auf Gunnar Søren Petersen aufmerksam, als wir seine Lampe gren light auf dem UdK Berlin Rungang 2014 sahen. Während gren light auf einem frei konfigurierbaren System beruht, ist snak eher ein eigenständiges Objekt. Wenn auch genauso flexibel, zugänglich und beständig.

Als zeitgemäße Interpretation eines klassischen faltbaren Picknicktisches und geeignet für 6 bis 8 Gäste, ist snak aus Polypropylen, geölter Eiche, Messing und Polyester-Seil gefertigt und nicht nur leicht und einfach zu transportieren, sondern kann auch innerhalb eines Wimpernschlags in einen Tischtennistisch verwandelt werden. Und an alle, die fragen, warum das wichtig oder sogar begehrenswert ist: Ihr seid einfach zu alt, um das zu verstehen und eine Erklärung wird nicht helfen.

Um ein bisschen mehr über snak herauszufinden, haben wir mit Gunnar Søren Petersen gesprochen.

smow blog: Die offensichtliche Frage zur Einführung: warum ein Picknick-und Campingtisch?

Gunnar Søren Petersen: Die meisten Camping- und Picknicktische sind faltbar, aber in allen anderen Gesichtspunkten unbefriedigend. Generell sind sie nicht sehr benutzerfreundlich, sind, zum Beispiel, nicht so leicht auf- und abzubauen, sind ziemlich selten mal ästhetisch ansprechend und neigen wegen ihrer Materialien und Konstruktion dazu, nicht sehr langlebig zu sein. Das alles hat mich irgendwie geärgert und deswegen habe ich mich dazu entschieden, etwas dagegen zu tun.

smow blog: Das Ergebnis ist snak, im Hinblick auf die Stabilität ist es eine ziemlich abgespeckte, leichte Konstruktion, ist sie trotzdem stabil und wie viel Gewicht kann sie beispielsweise tragen?

Gunnar Søren Petersen: Es ist ein faltbarer Tisch für draußen, und deshalb wackelt er natürlich ein bisschen beim Benutzen, aber es handelt sich auch immer noch um einen Prototyp und in Sachen Stabilität gibt es noch ein paar Dinge, die verbessert werden können, bevor das Produkt marktfähig ist. Auch wenn ich das so sage, der Tisch wiegt zur Zeit so um die 12 Kilo und hält locker ein Gewicht von bis zu 90 Kilo aus. Also würde ich nicht unbedingt empfehlen, darauf zu tanzen, aber ein paar Kisten Bier, zum Beispiel, oder einiges an Essen ist kein Problem.

smow blog: 12 Kilo klingt nicht sehr viel für einen Tisch dieser Größe…

Gunnar Søren Petersen: In der Tat ist es das Material, das das möglich macht. Die Tischplatte ist CNC gefräst aus Polypropylen Integralschaum und das bedeutet, dass snak im Vergleich zu einem eher konventionellen Material selber Dicke etwa 30 % leichter ist, aber genauso robust. Außerdem wird es auch möglich sein, das Gewicht noch etwas mehr zu reduzieren und die Starrheit beizubehalten, durch eine reduzierte Materialdicke, allerdings immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass der Tisch trotzdem noch sein eigenes Gewicht benötigt, um den Naturkräften, wie Wind, standzuhalten.

smow blog: Und die Entscheidung für Holzbeine ist wahrscheinlich eine ästhetische Entscheidung, ein natürlicher Kontrast zur synthetischen Tischplatte…

Gunnar Søren Petersen: Genau. Ich hatte das Gefühl, mit Holz hat man nicht nur ein zugänglicheres Objekt, sondern auch einen schönen Kontrast zwischen dem Natürlichen und dem Technischen. Auch die Verwendung von Messing als eher edles Material ist als Detail gedacht, das den Kunststoff und das Holz sowohl komplimentiert als auch kontrastiert. Wie auch immer, der Plan ist es, eine Auswahl von Beinen anzubieten, zusätzlich zu den Holzfüßen habe ich zur Zeit auch eloxierte Aluminiumbeine für den echten Hardcore-Camper.

smow blog: Und das Tischtennis – Element?

Gunnar Søren Petersen: Das war eine wohlüberlegte Entscheidung. Jeder liebt es, beim Picknicken oder Campen Tischtennis zu spielen und doch weiß ich aus eigener Erfahrung, speziell bei Musikfestivals, dass kleine tragbare Tischtennisplatten sehr viel öfter enttäuschen und aufregen, als dass sie Spaß bringen. Und so dachte ich, warum nicht einen Tischtenniszusatz in den Tisch integrieren? Die Rille in der Mitte des Tisches hätte sich auch leicht auf der Unterseite verstecken lassen, aber ich entschied, sie auf die Oberseite zu bringen und sie zur Unterstützung eines Tischtennis-“Netzes” zu nutzen.

smow blog: Und wahrscheinlich nicht nur ein Tischtennisnetz; wir vermuten, dass sich auch andere Bestandteile anbringen lassen würden…

Gunnar Søren Petersen: Um ehrlich zu sein, habe ich daran noch gar nicht gedacht, aber warum nicht. Eine Lampe zum Beispiel, für lange Sommerabende…

smow blog: Wir nehmen an, der Plan ist es, einen kommerziellen Partner zu finden; wir wissen, dass du das Ganze im Januar IMM vorgestellt hast. Gab es da Interesse?

Gunnar Søren Petersen: Durch IMM erhielt ich einige gute Presseauftritte und sehr positives Feedback, einschließlich einiger privater Kundenanfragen, aber kein kommerzielles Interesse. Der Wettbewerb hier ist wiederum die perfekte Plattform, sich einem  gezielteren Markt zu präsentieren, als es bei IMM der Fall war.

Mehr Informationen zu snak und Gunnar Søren Petersen finden Sie auf www.gunnar-petersen.com

Garden Unique Youngstars Cologne 2015 Winner snak by Gunnar Søren Petersen

Garden Unique Youngstars Köln 2015 Gewinner- snak von Gunnar Søren Petersen

Garden Unique Youngstars Cologne 2015 Winner snak by Gunnar Søren Petersen

snak von Gunnar Søren Petersen, eingefaltet und bereit zum Transport

Garden Unique Youngstars Cologne 2015 Winner snak by Gunnar Søren Petersen

snak von Gunnar Søren Petersen – dient auch als Tischtennistisch…

Garden Unique Youngstars Cologne 2015 Winner snak by Gunnar Søren Petersen

…für drinnen und draußen!

smow Blog Interview: Margret Hoppe – du kannst als Fotograf die Wertschätzung für und das Verständnis von Architektur beeinflussen.

Gebäude sind, logischerweise, dreidimensional. Fotografien zweidimensional. Die Herausforderung von Architekturfotografie ist, die drei Dimensionen in zwei Dimensionen zu verwandeln, sodass das Gebäude seine Identität behält, ohne dass das Foto unverständlich wird. So war es immer. So wird es immer sein.
Eine aus der jüngeren Generation von Künstlern, die sich dieser Herausforderung stellen, ist die in Leipzig wohnende Fotografin Margret Hoppe. Geboren im thüringischen Greiz studierte Margret Hoppe Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und absolvierte dies mit einem Meisterschülerabschluss bei Professor Christopher Muller. Zur Zeit schreibt sie ihre Doktorarbeit an der Hochschule für Gestaltung Offenbach, in der sie die Beziehung von Architektur und Fotografie am Beispiel des französischen Fotografen Lucien Hervé untersucht. Während sich Margret Hoppes Arbeit anfangs auf die Innenräume verlassener und ungenutzter Gebäude konzentrierte, liegt ihr Fokus derzeit auf Bauten des modernistischen Schweizer Architekten und Stadtplaner Le Corbusier. Zusätzlich zur Präsentation in regelmäßigen Einzel- und Sammelausstellungen haben Margret Hoppes Arbeiten zahlreiche Preise gewonnen, darunter “gute aussichten”-junge deutsche fotografie, den Marion Ermer Preis und zuletzt den Kunstpreis der Sachsen Bank 2014, und sie sind Teil von Sammlungen einer beeindruckenden Liste internationaler Museen. Auf Margret Hoppe wurden wir zum ersten Mal im Zuge des Marianne Brandt Wettbewerbs 2013 aufmerksam, bei dem ihre “Aprés une architecture” Serie nominiert war. Sofort waren wir eingenommen von der Intensität und Leichtigkeit der Arbeiten, die Eindrücke aus Innenräumen von Le Corbusiers Gebäuden abbildeten und von der bescheidenen Art, in der die Fotos neue Aspekte der Le Corbusier Grundsätze offenlegten, während sie gleichzeitig vertraut und zugänglich blieben. Erpicht darauf, mehr über die Künstlerin und ihre Arbeit herauszufinden, trafen wir uns mit Margret Hoppe, um über Le Corbusier zu reden, das Fotografieren seiner Arbeiten und Architekturfotografie im Allgemeinen, aber begannen mit der Frage ‘Warum Fotografie?’.

Margret Hoppe: Als Kind wollte ich immer Kunst studieren, speziell Malerei, aber dann, als ich 14 war, bekam ich meine erste Kamera. Zusammen mit meinem Bruder hatte ich eine kleine Dunkelkammer, in der wir unsere eigenen Fotos entwickelten und für mich bestand die anfängliche Faszination im technischen Aspekt der Fotografie und darin, dass sie im Vergleich zur Malerei eine sehr unmittelbare Kunstform ist. Also entschloss ich mich, Fotografie zu studieren.

smow blog: Wenn du zu Hause eine Dunkelkammer hattest, heisst das, deine Familie hatte professionell mit Fotografie zu tun, oder…?

Margret Hoppe: Nein, überhaupt nicht. Die Dunkelkammer war etwas, das ziemlich typisch für die DDR war; viele Familien hatten kleine Dunkelkammern, um ihre eigenen Fotos zu entwickeln. Zu der Zeit gab es ausnahmslos Schwarz-Weiß Fotografie und das war nicht allzu kompliziert, wenn man einmal wusste, was man tun musste. Außerdem war es relativ günstig.

smow blog: Ein zentraler Bestandteil deines Portfolios sind verlassene Gebäude, worin besteht für dich die Anziehungskraft von leeren Gebäuden als Thema?

Margret Hoppe: Ich denke, das ist teilweise ein Spiegelbild der Zeit, in der ich aufgewachsen bin, meiner Generation. Zu Zeiten der DDR war die Region, in der ich lebte, das zu Hause einer großflächigen Textilindustrie; eine Industrie, die nach der Wende zusammenbrach und plötzlich war ich umgeben von leeren Gebäuden und Industrieruinen. Ich war immer schon fasziniert von Architektur und Räumen und irgendwie dachte ich, mit der Kamera könnte ich diese Gebäude erhalten, die durch den industriellen Rückgang ihre Seele und ihre Funktion verloren hatten. So begann ich, Bauwerke in meiner unmittelbaren Nachbarschaft zu fotografieren und als ich dann nach Leipzig zog, setzte ich das in meinem Studium fort, wo ich meinen Fokus um einige Serien zu verlassenen Gebäuden und was mit ihnen passiert, wenn sie nicht mehr gebraucht werden, erweiterte.

smow blog: Stellst du im Vorfeld Recherchen zu den Gebäuden an oder versuchst du, ihnen unvoreingenommen entgegenzutreten und dich von ihrer Vergangenheit nicht beunruhigen zu lassen?

Margret Hoppe: Der Hintergrund zu den Gebäuden ist sehr wichtig. Generell versuche ich immer welche auszuwählen, die bedeutsam waren, so wie das frühere Gästehaus des Ministerrates der DDR in Leipzig, ein wirklich repräsentatives politisches Gebäude in der DDR, oder eine ehemalige Schuhfabrik in meiner Heimatstadt, die damals als großer Arbeitgeber eine wichtige wirtschaftliche und soziale Funktion für die Gesellschaft hatte. Oftmals, wenn man die Gebäude betritt, wirken sie anfangs chaotisch, aber ich versuche sie immer als eine stimmige Komposition zu fotografieren, sodass der Betrachter den Sinn des Gebäudes begreift und versteht, dass es nicht nur eine Ruine ist, sondern ein Bauwerk, das eine echte Funktion und Bedeutung hatte. Letztendlich kannst du als Fotograf die Wertschätzung für und das Verständnis von Architektur beeinflussen.

smow blog: Und wie gelangt man dann vom Fotografieren verlassener Gebäude in Ostdeutschland zum Fotografieren von Werken von Le Corbusier? War das eine bewusste Entscheidung oder eher eine natürliche Entwicklung?

Margret Hoppe: Nachdem ich meine Meisterschülerabschluss in Leipzig abgeschlossen hatte, erhielt ich ein Stipendium, welches es mir ermöglichte, acht Monate an der Cité Internationale des Arts in Paris zu verbringen, und eines Tages besuchte ich eines von Le Corbusiers Gebäuden und stellte fest, dass Le Corbusier zwar ein bekannter Name in der internationalen Architekturszene ist, aber er irgendwie gleichzeitig so bekannt ist, dass er sich selbst in den Schatten stellt: Jeder kennt den Namen Le Corbusier, aber nicht viele Menschen haben jemals wirklich eines seiner Gebäude besichtigt. Ungefähr zur selben Zeit entdeckte ich die Arbeiten von Lucien Hervé, ein französischer Fotograf, der das komplette Lebenswerk von Le Corbusier festhielt und seine Fotografien brachten mich dazu, Le Corbusiers Schaffen neu zu bewerten und inspirierten mich nach und nach, sie zu fotografieren. Auf eine gewisse Weise gibt es auch eine Verbindung zwischen der Moderne Le Corbusiers und ostdeutscher Baukunst; Städte, wie beispielsweise Eisenhüttenstadt in Ostdeutschland waren geplante Städte, ein Aspekt der Stadtplanung, der Le Corbusier sehr interessierte. Es gibt also schon eine Art Kontinuität…

smow blog: …allerdings scheinen sich deine Fotos von Le Corbusiers Arbeiten, im Gegensatz zu deinen DDR Fotos, eher auf Details zu konzentrieren, als auf ganze Gebäude oder Räume; warum dieser Fokus?

Margret Hoppe: Während Le Corbusiers Gebäude als solche ohne Frage interessant sind, dachte ich, es wäre interessanter, sich auf Details zu fokussieren, um damit den Bau als Ganzes zu erklären. Jegliche Architektur ist letztendlich eine Frage der Perspektive und bei Le Corbusiers Arbeiten gibt es so viele aufschlussreiche Perspektiven, die dazu beitragen können, seine Absichten und Ideen besser zu verstehen, man muss sie nur finden. Und vom künstlerischen Standpunkt aus gibt es in Le Corbusiers Räumen viele Details, die fotografiert eher wie abstrakte Gemälde oder Skulpturen wirken und nicht wie Architektur; ich wollte diese Details als stellvertretende Elemente und Symbole der ganzen Konstruktion darstellen.

smow blog: Du hast vorhin erwähnt, dass Fotografen die Wertschätzung von Architektur beeinflussen und entschuldige bitte, aber wir müssen fragen, wir sind keine großen Fans zeitgenössischer kommerzieller Architekturfotografie, in Anbetracht dessen, dass vieles davon sehr offensichtlich und allgemein ist, was ist deine Auffassung zu gegenwärtiger Architekturfotografie?

Margret Hoppe: Ich denke, das kann man nicht verallgemeinern, vor allem, weil es zur Zeit so viel Architekturfotografie gibt und dadurch, ja, gibt es natürlich auch einige schlechte und schrecklich viele durchschnittliche, stilisierte Arbeiten, aber es gibt tatsächlich auch wirklich ausgezeichnete Architekturfotografie. Architekturfotografie ist unumgänglich, sowohl für Architekten, als auch für Fotografen und es wird immer einige Fotografen geben, die besser sind als andere. Ich nehme auch Auftragsarbeiten an und versuche immer, meinem Stil treu zu bleiben und meine eigene Interpretation des Gebäudes zu finden und ich denke, das ist der bedeutende Aspekt: dass man als Fotograf nicht nur Standards und Klischees folgt.

smow blog: Und planst du in Zukunft bei der Architekturfotografie zu bleiben oder kannst du dir auch vorstellen, neue Gebiete und Themen zu behandeln?

Margret Hoppe: Ich plane auf jeden Fall, vorerst bei der Architekturfotografie zu bleiben, aber ich denke, die Ästhetik wird sich verändern und ich kann mir vorstellen, dass sich über die Zeit auch die formellen Aspekte dessen, wie ich fotografiere, verändern werden. Vielleicht bewege ich mich weg von klassischer Fotografie und hin zu anderen Genres, dennoch will ich bei der Architekturfotografie bleiben, weil sie so viele wunderbare Arbeiten und aufregende Möglichkeiten bietet.

Weitere Informationen zu Margret Hoppe und ihrer Arbeit finden sie auf www.margrethoppe.com

Margret Hoppe Le Corbusier High Court V Chandigarh

High Court V, Chandigarh, 2015 Diasec, 173 x 131 cm (Photo © Margret Hoppe, VG Bildkunst Bonn)

Margret Hoppe Le Corbusier High Court IV Chandigarh

High Court IV, Chandigarh, 2015 Diasec, 172 x 120 cm (Photo © Margret Hoppe, VG Bildkunst Bonn)

Margret Hoppe Le Corbusier Couvent de Saint Marie de La Tourette

Couvent de Saint-Marie de La Tourette I, Eveux, 2013 C-Print hinter Acrylglas 140 x 170 cm (Photo © Margret Hoppe, VG Bildkunst Bonn)

smow Blog Interview: Sigurd Larsen – Ich denke für uns als Architekten und Designer gibt es viel, wofür wir der Berliner Kunstszene dankbar sein sollten

Wie wir schon in unserer jüngsten Kritik über das zeitgenössische kreative Schaffen in Berlin festgestellt haben, ist die Kunstlandschaft der deutschen Hauptstadt nicht nur eine vielschichtige Zusammensetzung aller Genres und Philosophien, sondern auch Nationalitäten: Zusätzlich zu einer relativ kleinen Anzahl gebürtiger Berliner ist die kreative Gemeinschaft vor allem durch einen ansehnlichen Mix aus deutschen und internationalen Künstlern gekennzeichnet. Internationale Künstler wie der dänische Architekt Sigurd Larsen.

Nach seinem Studienabschluss an der Royal Academy of Fine Arts, School of Architecture in Kopenhagen verbrachte Sigurd Larsen einige Zeit in den Büros so unterschiedlicher Firmen wie OMA-Rem Koolhaas in New York, MVRDV Rotterdam und Cobe Architects Kopenhagen bevor er 2008 nach Berlin zog, um eine Stelle bei Topotek1 Landschaftsarchitekten anzutreten und anschließend 2009 sein eigenes Architekturbüro zu gründen. Seitdem er sich selbstständig gemacht hat, hat Sigurd Larsen Innenarchitekturprojekte für Kunden wie Zalando und den Voo Store in Berlin realisiert, zusätzlich zum Entwerfen und Ausführen einer ganzen Reihe von Architekturprojekten, das jüngste ist das so genannte Sorte Hus in Kopenhagen, eine kostengünstige Bauweise bestehend aus vorgefertigten Bauteilen und einem flexiblen Konstruktionsprinzip, das kundenspezifisch an lokale Begebenheiten und Bestimmungen nach Belieben angepasst werden kann.

Trotz des Umfangs seiner architektonischen Arbeiten lernten wir Sigurd Larsen nicht durch seine Architektur, sondern durch seine Arbeiten im Bereich Möbeldesign kennen: im Speziellen die Objekte Concrete Table, Daybed Sideboard und The Shrine, die Sigurd beim DMY Berlin 2012 vorstellte, letzterer ist wohl die reizvollste eigentümliche und elegant selbstbewusste Aufbewahrungsbox mit eingebautem Plattenspieler. Und eines dieser seltenen Projekte, das man nie mehr vergisst, wenn man es einmal gesehen hat. In jüngerer Vergangenheit hat Sigurd Larsen Arbeiten wie das charmant brutalistische Concrete Sideboard entworfen oder die formal reduzierte Melbourne Collection, eine Familie von Tischen, Stühlen und Liegemöbeln, deren Materialien Kupfer, Leder und Stahl weniger wegen des Hauches ungenierter Dekadenz, den sie vermitteln, ausgewählt wurden, sondern eher, um sicherzugehen, dass sie eine Patina ansetzen, die den emotionalen Wert des Objekts über die Zeit steigert. Während Sigurd die genannten Möbel selbst herstellt und vertreibt, wurde 2014 Sigurd Larsens erste Zusammenarbeit mit einer kommerziellen Möbelmarke herausgegeben: das CLICK Regal für das Berliner Label New Tendency. Gefertigt aus pulverbeschichtetem Stahl oder als luxuriöse Kupfer-Variante ist das CLICK Regal eine angenehm minimalistische Konstruktion, die stark an die Flugzeugmodelle aus Plastik von früher erinnert, aber sehr viel weniger schwierig zusammenzufügen und sehr viel formschöner, praktischer und haltbarer ist.

Um mehr über den Mann hinter den Werken herauszufinden, trafen wir Sigurd Larsen, um auch die Vor- und Nachteile seines Sitzes in Berlin und das Zusammenspiel von Möbeldesign und Architektur zu diskutieren, doch begannen mit der Frage: Warum Berlin?

Sigurd Larsen: Ich habe Berlin oft besucht, hatte Freunde hier, war vertraut mit der Stadt und mochte sie, und so entschied ich mich nach meinem Abschluss, mich für einige Jobs hier zu bewerben und hatte sogar das Glück, einen zu bekommen. Auf irgendeine Art hatte ich immer angenommen, das wäre ein vorübergehender Schritt; anfangs dachte ich nicht, dass es für mich realistisch wäre, als Architekt in Berlin zu leben und zu arbeiten, ich hoffte nur, dass ich solange wie möglich bleiben könnte und tatsächlich waren etwa 18 Monate lang die meisten meiner Habseligkeiten noch in meiner alten Wohnung in Kopenhagen. Aber es stellte sich heraus, dass es doch möglich war und sieben Jahre später bin ich immer noch hier.

smow blog: Was, wie wir glauben, bedeutet, dass Berlin für dich ein guter Ort zum Leben und Arbeiten ist?

Sigurd Larsen: Ja, sehr sogar. Es liegt in der Mitte von allem, ist international gut vernetzt, es gibt viele regelmäßige Messen und Events, während die Infrastruktur in der Stadt gut funktioniert um Dinge zu erledigen und Arbeit zu finden. Ich denke für uns als Architekten und Designer gibt es viel, wofür wir der Berliner Kunstszene dankbar sein sollten, in vielerlei Hinsicht hat sie den Weg gepflastert und es ist beispielsweise auch den Künstlern anzurechnen, dass viele Berliner Geschäftsleute und Handwerker daran gewöhnt sind, unfassbare Modelle und unmögliche Prototypen zu realisieren und das ist eine wirklich positive Sache in Berlin. Außerdem herrscht ein großes internationales Interesse an dem, was in Berlin passiert, Menschen beobachten, was hier so los ist und kommen her, um sich Dinge selbst anzusehen und das macht es sehr aufregend, hier tätig zu sein.

smow blog: Und wir nehmen mal an, du arbeitest auch mit diesen “erfahrenen Handwerkern” für deine eigene Möbelkollektion zusammen?

Sigurd Larsen: Ja, die Möbel werden in Berlin hergestellt und dann vertreibe ich sie international über ausgewählte Läden und auch online. Und was ich an der Möbelproduktion hier wirklich genieße, ist, dass ich mich mit vielen beteiligten Handwerkern angefreundet habe und so arbeite ich als Architekt an meinen Ideen und sie als Handwerker schlagen mögliche Wege vor, wie sie zu realisieren wären und schließlich haben wir lange, verstrickte Gespräche darüber, wie man am besten vorgehen sollte. Das ist ein Prozess, den ich sehr bereichernd und interessant finde und ich denke, das ist auch etwas, das sehr charakteristisch für die offene Atmosphäre in Berlin ist und etwas, das hier mit mehr Leichtigkeit passiert als irgendwo anders.

smow blog: Wenn wir gerade beim Thema Möbel sind, letztes Jahr hat New Tendency dein CLICK Regal herausgebracht. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit New Tendency? Hast du bewusst nach einem Produktionspartner gesucht, oder…?

Sigurd Larsen: Wir haben uns auf einer Art “Speeddating” Veranstaltung in der dänischen Botschaft hier in Berlin kennengelernt. Einmal im Jahr laden die Skandinavischen Botschaften gemeinsam Skandinavische Künstler ein, um lokale Unternehmen, Journalisten, Galerien und andere kennenzulernen, mit denen man irgendwann einmal zusammenarbeiten könnte. Das ist ein wunderbares Event mit einigen sehr interessanten Gästen und dort traf ich auch New Tendency zum ersten mal, später unterhielten wir uns etwas näher und beschlossen, ein gemeinsames Projekt zu entwickeln. Obwohl ich ehrlich gesagt glaube, dass wir uns irgendwie früher oder später sowieso kennengelernt hätten, weil unsere Netzwerke sich an einigen Punkten überschneiden, aber die Veranstaltung in der dänischen Botschaft war der Vermittler.

smow blog: Und war es New Tendency, die auf dich zukamen und dich baten, ein Regal zu entwickeln, oder kam die Idee von dir selbst?

Sigurd Larsen: Ich habe mehrere Vorschläge gemacht und dann kamen wir durch einige Diskussionen zu dem Schluss, dass ein Regal am besten zu deren Programm passen würde, denn natürlich ist es wichtig, dass du als Hersteller eine umfassende Produktpalette anbieten kannst und ich bin sehr froh, dass ich zu der Kollektion beitragen konnte.

smow blog: Und hast du Interesse an weiteren kommerziellen Kooperationen, vielleicht auch mit anderen Herstellern, oder war CLICK ein Einzelprojekt und jetzt konzentrierst du dich wieder auf deine eigene Produktion?

Sigurd Larsen: Prinzipiell wäre ich für jedes Möbelprojekt daran interessiert, einen kommerziellen Partner zu finden, und das müsste nicht mal unbedingt hier in Berlin sein. Die Zusammenarbeit mit New Tendency ist sehr gut, aber ich wäre genauso offen für einen Partner anderswo in Deutschland oder auch im Ausland, wenn ich das Gefühl habe, es ist die richtige Firma für das Projekt.

smow blog: Um mal ein bisschen vom Thema abzuweichen, wie jeder weiß ist Berlin derzeit die globale Start-Up Hauptstadt und jeder ist völlig versessen darauf, den App-Entwicklern zu helfen. Hast du das Gefühl, dass Architekten und Designer darunter irgendwie zu leiden haben, oder dass ihr vielleicht als Gruppe von den Behörden etwas ignoriert werdet?

Sigurd Larsen: Ich denke, als Architekten und Designer machen wir unser eigenes Ding und wer weiß, vielleicht wird uns die Stadt eines Tages entdecken! Ich habe schon das Gefühl, dass wir ein bisschen ignoriert werden, aber andererseits ist es auch an uns, unser Business zu entwickeln und zu erweitern und uns nicht auf Zuschüsse und Almosen zu verlassen. Ich bin nicht hier, um ein Unternehmen zu führen, das nur durch Fördergelder am Leben erhalten wird, sondern ich bin hier, um ein Unternehmen zu leiten, das Gewinne einfährt und auf eigenen Füßen stehen kann, weil die Leute die Dinge, die ich designe, haben wollen.

smow blog: Etwas, das dir zur Zeit sehr gut gelingt! Denkst du, es war hilfreich, dass du in Berlin angefangen hast, ist es möglicherweise leichter, sich als junger Architekt oder Designer in Berlin zu etablieren, als, sagen wir, in Kopenhagen?

Sigurd Larsen: Das ist eine sehr interessante Frage, aber da ich natürlich lediglich in Berlin ein Geschäft aufgebaut habe, habe ich den direkten Vergleich nicht. Ich habe das Gefühl, dass der Ort nicht so wichtig ist, aber eine Sache beim Gründen einer Firma in Deutschland ist, dass es hier ein gestaffeltes Steuersystem gibt, was bedeutet, dass man anfangs wenig oder sogar keine Steuern bezahlt und dann erhöht sich der Steuersatz, je mehr man verdient, während man in Dänemark von Anfang an 50 % Steuern zahlt, was für ein kleines, junges Unternehmen schon hart ist.

smow blog: Und nachdem du dir jetzt hier etwas aufgebaut hast und akzeptiert hast, dass du hier arbeiten kannst, wo siehst du dich selbst zukünftig, mehr in Richtung Möbeldesign oder eher Richtung Architektur, oder wirst du weiterhin deine Zeit zwischen beidem aufteilen?

Sigurd Larsen: Ich werde weiterhin in beiden Bereichen parallel arbeiten. Als dänischer Architekt, der Möbel designt, bin ich kein Pionier, irgendwie haben wir das immer gemacht, was meiner Meinung nach auch viel mit dem dänischen Architektur-Ausbildungsprogramm zu tun hat. In Dänemark studiert man nicht so sehr den technischen Hintergrund der Gebäude und Konstruktionen, sondern mehr den kreativen Prozess und es gibt Denkweisen, die man auf Bauwerke, Stadtplanung und Möbel anwenden kann, es ist nur eine Frage dessen, das Ausmaß des Projekts zu begreifen und den kreativen Prozess zu kontrollieren. In meinem Fall zum Beispiel habe ich mehrere Möbelprojekte, die als Gebäude begannen und dann verkleinert wurden, oder andersherum entwickelte ich ein Möbel, genannt ‘The Shrine’, und kürzlich gewannen wir einen Wettbewerb für das neue Danish Culture Institute in Bordeaux : Das Gebäude ist eine Holzbox in einer Glasbox und die Holzbox ist im Grunde genommen The Shrine, nur eben vergrößert…

smow blog: …hervorragend! Aber wir hoffen, es enthält in irgendeiner Weise auch einen Plattenspieler…

Sigurd Larsen: Naja, es ist ein Haus für Tanzkultur und einige der größeren Räume sind für die Ausrichtung von Tanzperformances konzipiert, also in dieser Hinsicht, ja!

Weitere Informationen zu Sigurd Larsen und seiner Arbeit finden sie auf http://sigurdlarsen.eu

Sigurd Larsen Sorte Hus Copenhagen

Sorte Hus Kopenhagen von Sigurd Larsen (Foto madebygirls.dk, courtesy of Sigurd Larsen)

NEW TENDENCY Sigurd Larsen CLICK shelf copper

CLICK Regal Kupfer von Sigurd Larsen für New Tendency (Foto New Tendency, courtesy of Sigurd Larsen)

Sigurd Larsen The Shrine

The Shrine von Sigurd Larsen (Foto Sigurd Larsen)

Sigurd Larsen Melbourne Collection

Melbourne Collection von Sigurd Larsen (Foto Sigurd Larsen)

smow Interview: Annemoon Geurts, Kazerne Eindhoven – Eines unserer Hauptziele besteht darin, den Mehrwert der Kreativindustrie zu erklären

Wie wir im Post über die Ausstellung Open World in der Kazerne Eindhoven erwähnt haben, ist in Eindhovens Zentrum nicht viel los – gemessen daran, dass die Stadt oft als Hotspot der zeitgenössischen europäischen Kreativszene angeführt wird.

Vielmehr als der betriebsame Bienenstock, den man erwarten könnte, ist die Innenstadt von Eindhoven in vielerlei Hinsicht das Bilderbuchbeispiel eines eintönigen Provinzkaffs, das über Nacht verschwinden könnte, ohne dass jemand davon Notiz nehmen würde. Und natürlich die Rettung für alle Fotografen, die auf Bilder urbaner Banalität und eines gewissen Stillstandes spezialisiert sind.

Kazerne Eindhoven, gegründet vom Ehepaar Annemoon Geurts und Koen Rijnbeek, ist ein Mix aus Designgalerie, Designlabor, Restaurant und einem Ort für Gäste – sowie ein Versuch, den gegenwärtigen Stand der Dinge aufzumischen und die ortsansässige Kreativität aus ihren peripheren Ghettos ins Herz von Eindhoven zu bringen.

Bei der Eröffnung von Open World haben wir mit Annemoon Geurts über die Kazerne, Design in Eindhoven und Eindhoven im Allgemeinen gesprochen, und, irgendwie logisch, mit der Frage begonnen, wie die Kazerne entstanden ist.

Annemoon Geurts: Nach meinem Abschluss an der Design Academy Eindhoven habe ich eine eigene Designagentur eröffnet. Zu dieser Zeit arbeitete mein Mann Koen noch als Musiker, hat sich dann aber für eine Veränderung entschieden und ist mit in die Agentur eingestiegen. Im Rahmen der Dutch Design Week 2006 haben wir unser erstes “Eat Drink Design” Event organisiert, eine Art Pop-up-Restaurant, in dem die Gäste zwischen, auf und mit verschiedenen Designarbeiten diniert haben. Die Motivation für das erste “Eat Drink Design” bestand zum großen Teil darin, mit gutem Grund etwas anderes zu tun, als den ganzen Tag auf unsere Computerbildschirme zu starren – doch weil es so viel Spaß gemacht hat und gut angenommen wurde, haben wir für 2007 eine Wiederholung geplant, bloß ein bisschen größer. Und so starteten wir 2007 ein Projekt, in dem wir Eindhovener Designer mit lokalen Restaurants zusammenbrachten, um eine Kooperation zu initiieren und zu sehen, ob und wie die Designer helfen könnten, die Restaurants zu unterstützen. Im ersten Jahr hatten wir sieben Projekte; Projekte, die viele positive Reaktionen und Rückmeldungen bewirkt haben. Das brachte uns dazu, zu beraten, ob wir weitermachen könnten und etwas für die lokale Kreativindustrie tun, und so entschieden wir, eine Plattform zu gründen – einen dauerhaften Ort, wo Menschen einander begegnen können, essen, trinken, schlafen und designen. Am 7. Dezember 2007 gingen wir auf die Stadt zu, um nach einem Raum für uns zu fragen, und im Oktober 2014 haben wir geöffnet.

smow Blog: Sieben Jahre..?

Annemoon Geurts: Wir sind keine professionellen Immobilienentwickler. Das heißt, wir waren es nicht, jetzt sind wir es! Nein, es waren einfach sieben arbeitsreiche Jahre voller Planung, Durchführbarkeitsanalysen, Verhandlungen mit den städtischen Autoritäten … und weil wir beide auch in der Agentur arbeiteten, brauchte es eine Weile, parallel “Eat Drink Design” und das ganze Projekt zu entwickeln.

smow Blog: Immobilienentwicklung ist ein gutes Stichwort, denn man kann wohl sagen, dass der enorme Raum, den ihr hier habt, eine wichtige Komponente des Projekts ist. War dieses Gebäude ein Ort, den ihr im Blick hattet, war es das Gebäude, das ihr von Anfang an haben musstet?

Annemoon Geurts: Nein, überhaupt nicht. Tatsächlich war uns gar nicht bewusst, dass es das Gebäude gibt, und dass, obwohl wir eigentlich in der Nähe wohnen! Dieses Gebäude war mal eine Garage für die Fahrzeuge der städtischen Müllabfuhr, dann aber viele Jahre mit Brettern zugenagelt, heruntergekommen und verlassen, sodass wir ihm nie Aufmerksamkeit geschenkt haben. Als wir es das erste Mal gesehen haben, konnten wir kaum glauben, dass so ein wundervoller Raum hier in der Mitte Eindhovens existiert! Aber wir wussten sofort, dass es der perfekte Ort wäre. Es ist so ein wunderbar großer Raum mit zwei verschiedenen Persönlichkeiten: dem industriellen, weiträumigen und offenen Charakter des Hauptgebäudes und dem viel Kleineren, Persönlicheren, das sich in den Nebengebäuden findet – also zwei verschiedene Atmosphären an einem Ort.

smow Blog: Die öffentlich zugänglichen Elemente der Kazerne sind das Restaurant und die Ausstellungsfläche, aber es gibt auch das sogenannte Kazerne Lab. In Kürze, was ist das Kazerne Lab?

Annemoon Geurts: Eines unserer Hauptziele in Bezug auf die Kazerne besteht darin, den Mehrwert der Kreativindustrie zu erklären. Viele Menschen wissen, dass die Kreativindustrie wichtig ist, aber die meisten verstehen nicht wirklich, was das bedeutet – und so wollen wir praktische Beispiele dieses Mehrwerts zeigen. In dieser Hinsicht ist es eine der Aufgaben der Kazerne, lokale Designer mit der ortsansässigen Industrie in Kontakt zu bringen. Dementsprechend ist das Ziel von Kazerne Lab, Designer und Händler kooperieren zu lassen und zu schauen, wie sie einander motivieren und inspirieren können. Die Restauranttische zum Beispiel sind das Ergebnis eines Kazerne Lab Projektes, bei dem wir das Studio Daphna Laurens und einen örtlichen Schmied gebeten haben, gemeinsam an der Entwicklung eines Tisches speziell für Restaurants zu arbeiten. Zusätzlich zu solchen kommerziellen Projekten wird ein Hauptaugenmerk des Kazerne Lab auf Social Design liegen, also auf Projekten, die zu ermitteln helfen, wie und wo Designer helfen können, soziale Bedingungen zu verbessern.

smow Blog: Und wir vermuten, dass sich das Ziel, die Kreativindustrie zu erklären, auch in den Ausstellungen fortsetzt, richtig?

Annemoon Geurts: Ja, die erste Ausstellung war “Open Mind”, in der wir erklärt haben, dass Kreative dazu tendieren, anders zu denken, selten von A nach B, sondern sich Dingen eher auf weniger logische Weise nähern – weshalb sie dann mit neuen Ideen und innovativen Konzepten aufwarten können. In der aktuellen Ausstellung “Open World” geht es darum, die Forschung, die Designer momentan betreiben, zu zeigen, und zu erklären, was Designer tun, warum und wohin es führen könnte. Darüber hinaus wollen wir die Ausstellungen auch nutzen, um eine Diskussion mit der technischen Industrie hier in Eindhoven zu initiieren. Ich denke, Eindhoven ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie die beiden Hirnhälften arbeiten – es gibt einen kreativen Teil und einen “Nerd”-Teil, und wenn beide Hälften zusammenkommen, ist das Potenzial da, großartige Dinge zu erschaffen.

smow Blog: Wie dem auch sei – in Eindhoven gibt es kaum öffentliche Zeugnisse des kreativen Potenzials der Stadt, kannst du das erklären?

Annemoon Geurts: Ich bin auch verblüfft, dass es in der Stadtmitte keinen Sinn für Design gibt, keine Hinweise aus das Potenzial, das sich hier vorfindet. Auch das gehört zu den Ursachen, weshalb wir überzeugt waren, dass die Kazerne funktioniert: Eindhoven braucht eine Plattform, wo Design das ganze Jahr über präsentiert werden kann – nicht nur während der Dutch Design Week, ohne die typischen Museums-Öffnungszeiten, sondern in einer entspannteren, weniger respekteinflößenden Atmosphäre. Es ist sehr befriedigend, zu sehen, wie Leute auf einen Kaffee hereinkommen, die Ausstellung nicht erwartet haben und sie dann genießen. Oder wenn man sieht, wie Restaurantgäste zwischen den Gängen durch das Gebäude wandern, die Ausstellung erkunden und hoffentlich etwas Neues lernen.

smow Blog: Ihr seid hier seit Oktober 2014 aktiv, weshalb es ein bisschen früh sein mag, danach zu fragen, aber habt ihr Pläne für zukünftige Erweiterungen oder Entwicklungen?

Annemoon Geurts: Als wir angefangen haben, legten wir als erstes Ziel fest, den großen Raum funktionsfähig zu machen, ein beständiges Einkommen zu erzeugen und, wenn das erst einmal geschafft wäre, mit den kleineren Gebäuden zu beginnen. Im Moment haben wir zusätzlich zur Ausstellungsfläche die Bar, ein Restaurant und einen Veranstaltungsraum – aber wenn alles fertig ist, werden wir drei Veranstaltungsräume, zwei Restaurants und sieben Apartments haben. Wenn alles nach Plan geht, wird diese Phase Zwei Ende 2016 abgeschlossen sein und wir werden dann, hoffentlich, ausreichend Ressourcen haben, die uns befähigen, Projekte außerhalb der Kazerne zu realisieren – sowohl in Eindhoven als auch mit einem weiter gesteckten Horizont. Wir haben viele Ideen und viele Möglichkeiten, aber momentan nicht viel Geld. Doch nachdem wir uns sieben Jahre genommen haben, um die Kazerne zu eröffnen, wissen wir, dass gute Ideen Zeit brauchen, um verwirklicht zu werden!

Mehr Informationen zur Kazerne Eindhoven auf www.kazerne.com

Kazerne Eindhoven Annemoon Geurts Koen Rijnbeek © Mike Roelofs

Annemoon Geurts & Koen Rijnbeek von der Kazerne Eindhoven (Foto © Mike Roelofs, zur Verfügung gestellt von Kazerne Eindhoven)

Open World at Kazerne Eindhoven

Die Ausstellung “Open World” in der Kazerne Eindhoven

Kazerne Eindhoven restaurant © Ruud Balk

Das Restaurant in der Kazerne Eindhoven mit offener Küche (Foto © Ruud Balk, zur Verfügung gestellt von Kazerne Eindhoven)

Kazerne Eindhoven bar dirk

Café/Bar in der Kazerne Eindhoven

smow Blog Interview: Fabian Burns, DMY Design Festival Berlin – Wir glauben, dass es sich um ein Festivalformat handelt, an dem bleibend Nachfrage und Interesse bestehen.

Wie im Vorfeld berichtet, hat die DMY Berlin GmbH & Co. KG – mehr als eine Dekade lang Veranstalter des jährlichen DMY Berlin Design Festivals – im Oktober 2014 Konkurs angemeldet. Das Festival selbst findet dennoch weiterhin statt, unter der Schirmherrschaft des neues Organisators about:design.

“DMY ist tot. Lang lebe das DMY”, sozusagen.

Die 2015er Ausgabe des DMY öffnete am Donnerstag, den 11. Juni ihre Pforten, und läuft bis Sonntag, den 14. Juni. Im Vorfeld der Eröffnung haben wir mit Fabian Burns gesprochen, dem Creative Director des DMY 2015 und ehemaligen Creative Producer von DMY Berlin, um mehr über das Festival 2015, den Hintergrund des Neubeginns und Pläne für die Zukunft herauszufinden. Eingangs jedoch stand die Frage, wie es zur Entscheidung kam, das Festival trotz der Insolvenz fortzuführen.

Fabian Burns: Die DMY Berlin GmbH & Co. KG war mehr als nur das Festival und als Organisation in zahlreiche Projekte involviert – doch offensichtlich, nach 13 Jahren, sind Festival und Organisation in den Köpfen der meisten Menschen untrennbar miteinander verbunden. Weil es aber viele Gründe gab und gibt, warum DMY Berlin GmbH & Co. KG Insolvenz anmelden musste, war nicht das Festival daran schuld – und so war es eine relativ logische Entscheidung, dieses fortzuführen.

smow blog: Und war die Entscheidung, den Namen zu behalten, ähnlich logisch?

Fabian Burns: Die Entscheidung, unter dem Namen DMY weiterzumachen, hat in hohem Maße mit der Situation der Partner von About Design zu tun. Sie gehören zu den Kreditgebern von DMY Berlin GmbH & Co. KG, weshalb sie – mit Blick auf offene Schulden – geschützte Rechte am Festivalnamen, an den Logos etc. haben. Das bedeutet nicht, dass das Festival in Zukunft zwangsläufig als DMY bekannt sein wird, aber für 2015 fiel diese vernünftige Entscheidung, die ich richtig finde.

smow blog: Wenn man mit Designern in Berlin über das Festival spricht, begegnet man oft der Ansicht, dass das Format nicht mehr so angemessen sei für Berlin, vielleicht nicht so “contemporary”, nicht so zeitgemäß. War der Bankrott der DMY GmbH nicht eine Gelegenheit, das Format zu reflektieren und Dinge zu verändern?

Fabian Burns: Ich habe oft ähnliche Positionen gehört. Dennoch verzeichnet das Festival in den vergangenen Jahren sehr stabile Besucherzahlen, und insofern denke ich, dass es sich im Wesentlichen um eine akademische Diskussion handelt: Letzten Endes ist das DMY ein Festival, und Festivals existieren nur, solange Menschen Geld zahlen, um sie besuchen – und sie dadurch ökonomisch lebensfähig machen. Wenn das aufhört, der Fall zu sein, muss man natürlich überlegen, ob Veränderung notwendig sind oder ob das ganze Konzept einfach nicht länger gefragt ist. Wie auch immer, wenn man die vergangenen Festivals betrachtet, waren sie aus finanzieller Perspektive existenzfähig, und das ist, wie ich sagte, der Grund, warum wir weitermachen. Niemand wird von einem Festival wie dem DMY Berlin reich, aber wir glauben, dass es sich um ein Festivalformat handelt, an dem bleibend Nachfrage und Interesse bestehen.

smow blog: “Reich werden” ist ein gutes Stichwort. In der Vergangenheit gehörte zu den, sagen wir, größten “Bauchschmerzen” des DMY Festivals, dass es keinerlei öffentliche Fördermittel gab. Hat sich das geändert, gibt es irgendeine offizielle Förderung?

Fabian Burns: Nein, das Festival wird nicht gefördert, was eine Situation ist, die ich tief bedauerlich finde – denn wenn ein Event wie das DMY ein interessantes, fundiertes, unabhängiges Programm mit Gesprächen, Diskussionen und ähnlichen Veranstaltungen entwickeln will, ist das etwas, das meines Erachtens auf lange Sicht nur mit öffentlicher Finanzierung überleben kann. So ein Nebenprogramm ist im Kern unökonomisch, da es nicht zwingend Gewinn generiert, welcher die damit verbundenen Kosten deckt. Allerdings sollte man auf der anderen Seite nicht zu abhängig von Fördermitteln werden, um nicht politischen Entscheidungen ausgeliefert zu sein, sondern immer versuchen, auf eigenen finanziellen Beinen zu stehen. Wenn dann noch Fördergelder kommen, ist das fantastisch und eine Gelegenheit, mit diesem Geld dem Festival mehr Tiefe zu geben und einen weiteren Horizont.

smow blog: Und nicht-finanzielle Unterstützung …?

Fabian Burns: Nichts.

smow blog: Trotz des neuen Kultursenators in Berlin? Wir dachten, das könnte etwas in Bewegung gesetzt haben.

Fabian Burns: In Berlin fällt Design bedauerlicherweise nicht in den Verantwortungsbereich des Kultursenats, sondern in den Bereich Industrie/Wirtschaft. Dessen Fokus scheint im Moment auf anderen Themen zu liegen, und so sind die für Design verfügbaren Ressourcen relativ klein. Aber ich glaube, das ist auch Spiegelbild dessen, wie sich die Berliner Designszene selbst präsentiert – und im Moment gibt es nicht wirklich eine gemeinsame Stimme, die die Interessen von Design und Designern repräsentiert. Das ist aber etwas, das notwendig wäre, um mit den Autoritäten zu verhandeln.

smow blog: Wenn der Staat das Festival nicht unterstützt: Gibt es kein Argument, mehr Hersteller in das DMY zu involvieren und eine professionelle Plattform neben dem, sagen wir mal, “regulären” Festival zu organisieren?  Und so auf der einen Seite ein bisschen mehr finanzielle Stabilität zu erzeugen und zusätzlich den vielen professionellen Designern in Berlin – viele von ihnen arbeiten mit großen Herstellern – eine Plattform bereitzustellen?

Fabian Burns: Das ist eine gute Idee, und eine, an deren Verwirklichung wir über die Jahre hart gearbeitet haben – aber die Hersteller sind nicht interessiert. Die Mehrheit hat eigentlich zwei große Events im Jahr, in Mailand und Köln; Veranstaltungen, bei denen große Summen investiert werden, weil man eine gute Rendite erwartet. Ein Möbel-“Image-Event” dagegen bringt den Herstellern sehr wenig, und während sich die Möbelindustrie selbst mit viel Glamour präsentiert, gibt es hinter den Kulissen oft einen immensen finanziellen Druck und überlegt man sorgfältig, was man tut und wo. Letztendlich ist die Entscheidung: Investiere ich x-1000 Euro in ein Event in Berlin, zu dem vielleicht 20000 Besucher kommen, von denen die Mehrheit unter Gesichtspunkten des direkten Verkaufs und Gewinns potentiell uninteressant ist, oder schalte ich eine Zeitungs- oder Magazinanzeige und erreiche damit mehr von den Menschen, die ich erreichen will?

smow blog: Abgesehen vom Organisator besteht die größte Veränderung für 2015 im neuen Veranstaltungsort – warum der Umzug aus dem Tempelhofer Flughafen ins Kraftwerk?

Fabian Burns: Die Entscheidung für das Kraftwerk ist zum Teil vor dem Hintergrund der neuen Bedingungen gefallen. Auf der einen Seite ergibt es angesichts des Wandels, der stattgefunden hat, Sinn, an einem neuen Ort zu beginnen, um das Gefühl des “Neuanfangs” zu unterstreichen. Zum Zweiten verlangt der Tempelhofer Flughafen Mieten, die wir als kleines Festival schlicht nicht aufbringen können, und sind wir nicht die ersten Veranstalter, die Tempelhof verlassen mussten. Und schließlich, und das ist der Hauptgrund, besteht die Natur des DMY darin, dass wir viele Aussteller haben, die nur sehr kleine, reduzierte Stände mit vielleicht einem oder zwei Produkten haben, und allzu oft gingen diese im enormen Raum von Tempelhof verloren. Im Kraftwerk haben wir 8000 qm, was mehr oder weniger äquivalent zu den zwei Hangars in Tempelhof ist, und so bei gleicher Bodenfläche mehr Möglichkeiten, kleine, intime Räume mit handhabbareren Dimensionen zu schaffen – was den Ausstellern ermöglicht, sich und ihre Arbeit besser zu präsentieren.

smow blog: Dieses Jahr ist der erste Tag ein Preview-Tag für geschäftliche Besucher und die Industrie – was ist der Gedanke hinter dieser Entscheidung?

Fabian Burns: In den letzten Jahren haben wir Besucherumfragen gemacht und festgestellt, dass wir eine überraschend hohe Zahl von Fachbesuchern aus der Branche hatten, seien es Architekten, Designmanager oder Möbelhersteller, aber die Informationen, die wir hatten, waren immer ein bisschen vage. Zusätzlich waren viele der Aussteller darüber im Unklaren, dass professionelle Besucher aus der Industrie da sind – und das DMY somit eine Plattform, um hilfreiche Kontakte zu knüpfen. Dieses Jahr können wir mengenmäßig bestimmen, wer kommt, und haben so ein präziseres Bild, wer das DMY besucht – ob jemand in einer Managementposition ist und aus welchen Industrien und Branchen die Besucher kommen.  Zusätzlich zur Möglichkeit für die Fachbesucher, die Stände abseits der offiziellen Eröffnung zu sehen, organisieren wir am Donnerstag auch ein Programm mit Gesprächen zu Hauptthemen der Branche, von dem wir hoffen, dass es Diskussionen initiiert und Interesse weckt.

smow blog: Und was das Festival selbst betrifft, läuft alles “wie gehabt”, oder können wir Innovationen erwarten?

Fabian Burns: Angesichts all dessen, was passiert ist, wollen wir dieses Jahr ein bisschen “back to the roots” gehen, “Back to the Future”, wie das Festivalmotto heißt, und den Fokus eher auf junge Designer richten. Das DMY hat als Design Mai Youngsters begonnen, und dieses Gefühl wollen wir wiederherstellen. In diesem Kontext haben wir kürzlich gemeinsam mit der Ikea Stiftung die “New Talent Competition” organisiert und werden auf dem Festival 25 ausgewählte Designer präsentieren. Zusätzlich, und weil es Sinn ergibt, ein Designfestival in Berlin mit einem Fokus auf Berliner Design zu haben, präsentieren wir das “Berliner Zimmer”, einen Themenraum, in dem Berliner Designer sich und ihre Arbeit präsentieren können. Ich muss jedoch hinzufügen, dass die Reaktion der Berliner Designcommunity sehr reserviert war. Was ich nicht wirklich verstehen kann – man hört oft von Berliner Designern, dass das DMY keinen wirklichen Nutzen für lokale Designer hat, aber wenn ihnen eine Plattform innerhalb des Festivals geboten wird, ist die Resonanz eher lauwarm als ermutigend!

smow blog: Vor ein paar Jahren führte das DYM die Berlin Design Week als dezentrales Begleitprogramm ein. Wird dieses 2015 fortgesetzt?

Fabian Burns: Nein, dieses Jahr gibt es keine Berlin Design Week, hauptsächlich, weil sich die Rechte im Insolvenzverfahren aufgelöst haben und verloren gegangen sind, insbesondere die Domain. Aber wir haben in diesem Jahr auch genug damit zu tun, das Festival auf die Beine zu stellen und zum Laufen zu bringen – und so würden wir das Event wohl auch dann nicht organisiert haben, wenn wir die Rechte hätten. Wir sind ein sehr kleines Team und es gibt wenig Grund, die wenigen Ressourcen, die wir haben, noch breiter zu streuen. Etliche der besagten individuellen Teilnehmer an den letzten Berlin Design Weeks haben entschieden, selbst Events zu organisieren, die wir unter dem Titel DMY Spots zusammengefasst haben. So gibt es nicht nur die zentrale Ausstellung, sondern interessante Veranstaltungen in der ganzen Stadt.

smow blog: Obwohl wir wissen, dass es höflicher wäre, das Ende des Festivals 2015 abzuwarten: Gibt es Pläne für die kommenden Jahre, wie stellst du dir die Zukunft des DMY vor?

Fabian Burns: Ich denke, die Konsolidierung wird der Leitgedanke sein. Wir haben Pläne und Ideen, wir wir, möglicherweise, eventuell, weitermachen könnten, aber im Moment ist nichts entschieden. Ich hoffe, dass wir ein paar mehr konkrete Ansagen während des diesjährigen Festivals machen können, aber der Plan ist definitiv, weiterzumachen. Allerdings, die jüngsten Erfahrungen haben es gezeigt, kann das Festival kein Unternehmen tragen, und so vermute ich, dass es der Fall sein wird, dass das Festival nur eine Person das ganze Jahr beschäftigen kann. Der Rest von uns wird mit anderen Tätigkeiten auf eigenen Beinen stehen müssen und das Festival parallel entwickeln. Was ein mehr als unbehaglicher Gedanke ist und im internationalen Kontext ein sehr trauriger Zustand der Dinge, aber das ist die Realität hier in Berlin.

Alle Details zum DMY 2015 sowie Öffnungszeiten und Ticketpreise auf http://dmy2015.com/.

DMY Berlin 2015

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Das Kraftwerk Berlin, der zentrale Veranstaltungsort des DMY 2015 (Foto © Fineartberlin)

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Kraftwerk Berlin (Foto © Fineartberlin)

smow introducing reloaded

Name: smow introducing

Geboren: Leipzig, 2010

Studium: Universität des Lebens

Designer:
Christoffer Martens

Erik Wester

Christian Lessing

Eva Marguerre

My Own Super Studio

maigrau

                           Stephan Schulz

smow Blog: smow introducing?

smow Blog: Das ist eine Reihe, die wir veröffentlicht haben, um junge, weniger bekannte, aber unserer Meinung nach sehr talentierte und interessante Designer einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.

smow Blog: Warum habt ihr damit aufgehört? Sind euch die jungen, talentierten, beeindruckenden Designer ausgegangen?

smow Blog: Ganz und gar nicht! Aber uns fehlten Zeit und Raum, um der Aufgabe weiterhin gewissenhaft nachzukommen.

smow Blog: … und das hat sich jetzt geändert??

smow Blog: Wir haben das geändert. Wir haben es immer bereut, dass wir mit der Reihe nicht weiter machen konnten und haben uns jetzt entschieden, der Sache wieder mit der gebührenden Ernsthaftigkeit und Gründlichkeit nachzukommen.

smow Blog: Dass ihr die Klammern aus dem Namen genommen habt, hat dabei wahrscheinlich auch geholfen?

smow Blog: Keine Frage! Das hat unseren Produktionsprozess gelockert und unserer Arbeit einen gewissen jugendlichen Elan und Esprit verliehen, der in letzter Zeit gefehlt hat.

smow Blog: So sehr euch smow introducing auch Spaß gemacht hat – hat es sich wirklich gelohnt? Was ist im Rückblick aus den Designern geworden, die ihr vorgestellt habt?

smow Blog: Das erste “smow introducing”-Interview haben wir mit dem Absolventen der Burg Giebichtenstein Halle Stephan Schulz geführt. Seit wir mit ihm gesprochen haben, hatte er ein Stipendium der Kunststiftung Sachsen-Anhalt und der Kolsterbergischen Stiftung und hat neue Projekte für Calvin Klein Home und Betoniu realisiert. Nach Stefan Schulz stellten wir den in Baden-Württemberg ansässigen Hersteller Maigrau, das heißt die Absolventen der Kunstakademie Stuttgart Nik Back & Alexander Stamminger vor. Beide haben ihr Versprechen gehalten und das Programm der Firma um Arbeiten externer Designer erweitert. Maigrau, bei unserem ersten Treffen ohnehin schon ein spannendes Projekt, ist für uns so eine umso interessantere Marke geworden. Unser beliebtester portugiesischer Designer TM Rui Alves fährt damit fort portugiesisches Design zeitgenössisch zu machen. Seine Produkte werden derzeit beim italienischen Hersteller Valsecchi1918 und dem dänischen Label Menu produziert. Menu hat auch die BookBinder Buchstütze des Berliner Designers Christoffer Martens, den wir auch bei smow introducing vorgestellt haben, produziert und vertrieben. Christian Lessing geht weiter der Aufgabe nach, den Spaß in den Wohnraum und auf die Balkone zu bringen. Darüber hinaus ist er Mitglied des Düsseldorfer Kreativ Kollektivs Teilmöbliert. Erik Wester aus Oslo sucht unerklärlicherweise immer noch nach einem Hersteller für seine Standing Task Lamp. Allerdings hat er sein Repertoire um Grafikdesign erweitert. Und die Absolventin der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe Eva Marguerre hat sich mit Marcel Besau unter dem fantasievollen Namen Studio Besau-Marguerre zusammengetan und neben anderen Projekten eine Serie von Lampen für den Frankfurter Hersteller e15 realisiert.

smow Blog: Das ist ja ganz beeindruckend. Aber bist du glücklich über den Weg, den die Designer mit ihren Karrieren eingeschlagen haben – wie sie sich entwickelt haben?

smow Blog: Grundsätzlich ja, sehr sogar. Schaut man allerdings zurück, stößt man kontinuierlich auf Objekte, von denen wir noch immer überzeugt sind, dass sie millionenfach verkaufte Standards sein müssten, was sie allerdings nicht sind. Eine Situation, die für uns wunderbar die Gemeinheiten der Designindustrie zusammenfasst und zeigt wie schwer es ist, sich selbst zu etablieren. Wir haben die Hoffnung allerdings noch nicht aufgegeben, dass einer der stetig zunehmenden kleinen Hersteller Interesse an dem ein oder anderen unveröffentlichten Design finden wird.

smow Blog: Was uns im Rückblick immer wieder auffällt, ist, dass smow introducing die einzige Gelegenheit zu sein scheint, bei der ihr offizielle Pressefotos anstatt eurer eigenen Fotos nutzt. Eine bewusste Entscheidung?

smow Blog: Ja. Wie gesagt ist es schwer genug sich als Designer zu etablieren, das müssen wir nicht noch mit unseren selbstgemachten Fotos sabotieren.

smow Blog: Und wann können wir mit der Fortsetzung von smow introducing rechnen?

smow Blog: Ab sofort jeden Tag………………

Reihe Chemnitzer Kreativität: Marcel Kabisch

Wie wir an dieser Stelle schon oft bemerkt haben, verkauft sich die ostdeutsche Stadt Chemnitz gerne als “Stadt der Moderne”, was, wie wir genasuo oft bemerkt haben, eine etwas zu positive Behauptung ist. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und der Geburtsort von Marianne Brandt und ein Kaufhaus von Erich Mendelsohn in der Stadt noch keine “Stadt der Moderne”.

Das soll nicht heißen, Chemnitz hätte keinerlei kulturelle Relevanz. Historisch hat Chemnitz Arbeiten wie z. B. die Villa Esche von Henry van de Velde oder Lew Kerbels 7 Meter hohe Karl-Marx-Büste von 1971 zu bieten, zeitgenössisch hat sie die dank der großen Bemühungen von Institutionen wie des Kunstsammlungen Kunstmuseums oder des neuen Staatlichen Museums für Archäologie Chemnitz.

Aber ist das zeitgenössische Chemnitz wirklich ein kreativer Ort? Wie viel Kreativität und Innovation steckt und gedeiht in der Wildnis des südlichen Sachsens? Werden künftige Stadtväter in der Lage sein, besser fundierte Stadtwerbung für die Rolle der Stadt als kreatives Zentrum zu machen?

Da gibt es wohl nur einen Weg, das herauszufinden – vor Ort sein und mit denen sprechen, die im kreativen Bereich tätig sind. Nach unserem Gespräch mit Jörg Kaufmann von Silbaerg Snowboards haben wir uns daher nun mit dem Designer Marcel Kabisch unterhalten.

Marcel Kabisch, ursprünglich als Tischler ausgebildet, lebt und arbeitet in seinem Heimatort Frankenberg, einem idyllisch gelegenen Städtchen gleich vor den historischen Stadtmauern Chemnitz’. Er studierte Holzgestaltung (Produkt-, Objektdesign) an der Fachhochschule für Angewandte Kunst in Schneeberg und wurde 2004 mit seinem Diplomprojekt, einer Serie von ergonomisch geformten Stühlen, für den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland nominiert. Nachdem Kabisch inzwischen zahlreiche Produkt- und Grafikdesigns sowie verschiedene künstlerische Arbeiten als freischaffender Designer/Holzgestalter realisiert hat, entschloss er sich 2012 sein eigenes Label, Feinserie, zu gründen, um seine Designs selbst herzustellen und zu verkaufen. Ein exzellenter Start gelang ihm dabei mit seinem Hocker und Beistelltisch Griffbereit, der 2014 mit dem zweiten Preis des Sächsischen Staatspreises für Design 2014 ausgezeichnet wurde.

Marcel Kabisch Griffbereit Feinserie

Griffbereit von Marcel Kabisch für Feinserie, ein reduzierter, stapelbarer Hocker und/oder Beistelltisch (Foto: Marcel Kabisch/Feinserie)

Kürzlich nahm Marcel Kabisch an einer Podiumsdiskussion in Chemnitz zum Thema “Designhandwerk – Handwerk im Design” teil und eine der Publikumsfragen, denen er sich stellen musste, lautete: “Kann ein Produkt eine Seele haben?” Was für ein exzellenter Ausgangspunkt für ein Gespräch, fanden wir … Kann ein Produkt also eine Seele haben?

Marcel Kabisch: Absolut. Eines meiner ersten Produkte heißt Feuerholz und ist eine moderne Interpretation des Räuchermännchens. Als ich das Produkt vorstellte, schrieb ich nebenbei eine Kurzgeschichte, ein richtiges kleines Märchen, mit einem Erzgebirgischen Schnitzer, der in den Wald geht, um Holz für sein Räuchermännchen zu sammeln. Auf dem Weg zurück ins Dorf traf ein Blitz seinen Karren, sodass er Feuer fing und verbrannte. Der Schnitzer dachte sich, “damit ist es jetzt vorbei!” Und so kam die Idee zu “Feuerholz”. Auf diese Art kann man einem Produkt eine Seele geben, indem man es persönlich macht. Weil letztendlich sind die wichtigsten Produkte nicht die teuersten, sondern die, mit denen man Assoziationen verknüpfen kann – die durch eine persönliche Assoziation eine Seele bekommen.

smow Blog: Du hattest einen abwechslungsreichen Berufsweg. Wie würdest du dich selbst bezeichnen – als Tischler, Designer, Künstler, Holzgestalter … ?

Marcel Kabisch: Man kann sich nicht selbst definieren, das müssen andere übernehmen. Ich wurde als Tischler ausgebildet und studierte dann Design/Holzgestaltung. Selbst habe ich mich immer nur als “kreativ” verstanden, aber um ehrlich zu sein, interessiert mich die Serienproduktion am meisten.

smow Blog: Und das war dann der Grund Design zu studieren?

Marcel Kabisch: Genau. Als ich anfing zu studieren, war unklar, was ich danach genau machen würde, aber die Serienproduktion, der Versuch ein Produkt mit einer bestimmten Intelligenz zu entwickeln, sodass es serienmäßig produziert werden kann – Effizienz im Design – das interessierte mich sehr. Und das nicht zwangsläufig nur in Verbindung mit dem Material Holz. Nach meinem Studium arbeitete ich beispielsweise für eine Firma, die grundsätzlich Metallprodukte produziert, und meine erste Kollektion war aus Stahl und Edelstahl. Nach wie vor arbeite ich neben Holz auch mit Metall und Glas.

smow Blog: Du hast an der Fachhochschule für Angewandte Kunst Schneeberg studiert. Hast du dich für diese Schule entschieden, weil sie einfach am nächsten gelegen ist, oder hattest du andere Gründe?

Marcel Kabisch: In erster Linie hab ich mich wegen Professor Gerd Kaden für Schneeberg entscheiden. Mir gefiel auch, dass sich die Schule zwischen Kunst und Design positioniert und für einen spielerischen Umgang mit dem Material steht. Das beeindruckte mich damals sehr. Schaut man sich andere Schulen mit ihren Trendscouts und dergleichen an, lässt sich sagen, dass das in Schneeberg keine Rolle spielte und spielt. Vielmehr lernt man sein Material und dessen Möglichkeiten zu verstehen und entwickelt dann einen organischen kreativen Prozess. Da ist es nicht relevant, was andere machen.

smow Blog: Du hast Professor Gerd Kaden erwähnt, einen der Großen in der Holzgestaltung. Beeinflusst er deine Arbeit immer noch?

Marcel Kabisch: Absolut. Ich habe erst kürzlich eine Serie von Schalen in verschiedenen Hölzern entwickelt. Also geformte Objekte aus Holz, die man beispielsweise als Fruchtschale nutzen kann. Es interessierte sich niemand dafür und ich bin sie nicht losgeworden. Gerd Kaden sagte uns mal, wenn etwas nicht funktioniert, macht es größer! Und das tat ich. Ich vergrößerte die Schale auf 4 Meter Länge, so dass sie sich in eine Bank verwandelte. Genau das gleiche Objekt, nur größer. Und jetzt verkauft sich die Arbeit.

Marcel Kabisch Bank mit Kindern

War mal eine Obstschale, ist nun eine Bank … von Marcel Kabisch (Foto: Marcel Kabisch)

smow Blog: Wir wissen, dass du aus Frankenberg kommst und deshalb persönliche Gründe hast, dort auch zu arbeiten. Hat Frankenberg darüber hinaus auch berufliche Vorteile für dich? Hast du nie darüber nachgedacht beispielsweise nach Berlin umzuziehen?

Marcel Kabisch: Der große Vorteil an Frankenberg und dem Erzgebirge allgemein ist, dass man hier sehr viel machen kann. Es gibt sehr viele Handarbeits- und Kunsthandwerksunternehmen, die einem behilflich sein können, bei der Entwicklung von Projekten und spezielle Arbeiten für einen übernehmen können. Hinzu kommt, dass es hier eine Menge Platz gibt und Arbeits- und Atelierräume sehr günstig sind. Unglaublich günstig! Natürlich gibt es nicht allzu viel Arbeit hier. Ich mache beispielsweise viele “Kunst am Bau”-Projekte und habe über viele Jahre mit der Blindenschule Chemnitz zusammengearbeitet, aber niemand kommt hierher und sucht nach Designern. Da hat man möglicherweise bessere Chancen in Berlin, nicht zuletzt weil es marketingtechnisch schon mal besser klingt. Aber man muss immer die Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen und dann das Beste daraus machen.

smow Blog: Aber lohnt es sich hier nach Designern Ausschau zu halten? Ist Chemnitz eine kreative Stadt?

Marcel Kabisch: Ich bin im Vorstand des Chemnitzer Künstlerbundes, einer deutschlandweiten Organisation von regionalen und lokalen Ortsverbänden, und Chemnitz ist der einzige Künstlerbund, der Mitglieder aus der Angewandten Kunst hat. Alle anderen sind reine bildende Künstler. In Chemnitz haben wir schon immer auch Designer und das hängt größtenteils mit Schneeberg und dem Anteil an Absolventen, die in der Gegend bleiben, zusammen. Insofern ist Chemnitz eine sehr kreative Stadt für mich.

smow Blog: Und “Ostdeutschland” im Allgemeinen?

Marcel Kabisch: Es gibt eine Menge Designer im Osten, aber nicht so viele Unternehmen, die sie beschäftigen können. Das deutsche Designmagazin “Form” hat 2012 eine Deutschlandkarte veröffentlicht, in der Firmen, die Design produzieren, eingezeichnet sind. Der ehemalige Westen war voll, im Osten große Leere. Sie haben sogar die Legende mit den diversen Kategorien über dem Ostteil platziert. Da gab es Platz genug.

Irritierend daran ist, dass wir hier gute Designer haben. Auch schon während der Teilung Deutschlands gab es die. Aber es gibt hier keine Industrie und welche Firma aus dem Westen sucht im Osten nach Designern, wo es dort ja genug talentierte Designer vor der Haustür gibt.

smow Blog: War das für dich die Motivation dein eigenes Label zu gründen?

Marcel Kabisch: Direkt nach dem Studium arbeitete ich für eine Firma und realisierte mit der Zeit, dass ich das Unternehmen weder wirklich brauche noch wollte und beschloss schließlich, es auf eigene Faust zu versuchen. Über einige Jahre habe ich einfach als normaler Freiberufler gearbeitet. Die eigentliche Motivation Feinserie als Label zu gründen kam dann erst, als ich Bernau, ein Dorf im Schwarzwald, besucht habe. Die Region gleicht in vielerlei Hinsicht der hiesigen, nur dass es in Bernau – in einem einzigen Dorf – drei Designfirmen gibt. Drei alte Häuser, allesamt Nachbarn und alle produzieren Designobjekte, die zu großen Teilen auf traditionellem Handwerk basieren. Als ich das gesehen habe, dachte ich mir, das muss ich auch im Erzgebirge machen.

smow Blog: Frankenberg als Zentrum der sächsischen Designrevolution also?

Marcel Kabisch: Warum nicht? Wir haben in Sachsen keinen Mangel an Designern, sondern an Labels, Herstellern und Händlern. Die fehlen! Wir haben qualifizierte Handwerker. Wir haben qualifiziert Designer. Aber es fehlen professionelle Leute aus dem industriellen Bereich, die über das nötige Know-how verfügen, dieses Potential zu promoten und zu managen.

smow Blog: Du hast Feinserie im Jahr 2012 gegründet. Jetzt wo deine Firma läuft – ist es so schwierig wie du gedacht hast?

Marcel Kabisch: Sehr viel schwieriger. Allerdings denke ich, dass es ganz gleich an welchem Ort genauso schwierig wäre. Momentan ist der Plan alle zwei Jahre auf der Ambiente Messe auszustellen, nicht zuletzt weil ich es nicht notwendig finde, jedes Jahr ein neues Produkt zu veröffentlichen. Zwei Jahre sind ein guter zeitlicher Rahmen, um ein neues Produkt zu entwickeln. Ich habe mit kleinen Objekten und Accessoires begonnen, letztes Jahr kam dann Griffbereit dazu, und als nächstes arbeite ich an der Entwicklung eines Stuhls. Der Plan ist, die Kollektion langsam, aber stetig und Schritt für Schritt aufzubauen.

Mehr Informationen zu Marcel Kabisch, seiner Arbeit und Feinserie sind unter www.holzgestaltung.com und www.feinserie.de zu finden.

Egon Eiermann Stuhl 2014 verliehen für die Restaurierung des Wohnhaus Matthies, Potsdam. Ein Interview mit Architekt Eberhard Lange.

Am Freitag, den 26. September, wird die Egon Eiermann Gesellschaft erstmals den Preis Egon Eiermann Stuhl mit einer Zeremonie in der Neuen Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin verleihen. Der Preis wurde ins Leben gerufen, um Personen zu würdigen, die einen besonderen Beitrag zum Erhalt der Arbeit Egon Eiermanns geleistet haben. So werden in diesem Jahr Barbara und Eckard Düwal für ihre Restaurierung des sogenannten Wohnhauses Matthies in Potsdam-Babelsberg mit dem ersten Egon Eiermann Stuhl ausgezeichnet. Das 1937 gebaute und seit 1977 denkmalgeschützte Wohnhaus Matthies ist einer der frühesten Bauten Eiermanns und steht für den Landhausstil, der so typisch war für viele seiner frühen Arbeiten.

Im Jahr 2002 beauftragten Barbara und Eckard Düwal das Architekturbüro Gerald Kühn-von Kaehne und Eberhard Lange mit der denkmalgerechten Wiederherstellung der Hausfassade, wofür im Großen und Ganzen der Egon Eiermann Stuhl verliehen wird. Vor der Verleihung sprachen wir mit dem Architekten Eberhard Lange über das Wohnhaus Matthies, Egon Eiermanns Erbe und den Erhalt desselben. Zuerst fragten wir allerdings nach seinem persönlichen Verhältnis zu Egon Eiermann.

Eberhard Lange: Mit meinem Architektur- und Denkmalpflegehintergrund bin ich natürlich an guter Architektur interessiert, und dazu zählen nicht nur Bauten aus Barock, Renaissance und anderen historischen Epochen, sondern auch moderne Gebäude, vor allem Gebäude der Nachkriegsmoderne. Aus der Zeit also, zu der Eiermann berühmt wurde. Egon Eiermann war mir schon früh ein Begriff, nicht zuletzt weil man als Architekturstudent in der DDR viel von seinen legendären Vorlesungen in Karlsruhe hörte, wo sich die Studenten anstellten, um rein zu kommen. Da wollte ich natürlich mehr über seine Arbeit wissen und entdeckte einen Mann, der wirklich mit Leib und Seele Architekt war. Er dachte nicht einfach nur stilistisch oder im Kontext des Standortes über ein Gebäude nach, sondern wägte wirklich alles bis ins kleinste Detail ab – das faszinierte mich. Als Architekt habe ich inzwischen an zwei Sanierungen von Egon Eiermann Gebäuden gearbeitet – zuerst am Wohnhaus Henckels in Kleinmachnow und später dann am Wohnhaus Matthies in Babelsberg.

smow Blog: Wie Sie schon sagten, haben Sie nicht nur an Egon Eiermann Gebäuden oder Arbeiten von Architekten wie Konrad Wachsmann oder Erich Mendelsohn gearbeitet, sondern auch an zahlreichen älteren Gebäuden, darunter an Arbeiten von Schinkel und an vielen der Königspaläste in Potsdam. Geht man an ältere historische Gebäude anders heran als an eher moderne?

Eberhard Lange: Zunächst einmal hat man immer Respekt vor den eigentlichen Architekten und ihren Arbeiten, insofern geht man alle Projekte erstmal auf die gleiche Weise an. Denkmalpflege beginnt außerdem immer mit einer Analyse, das heißt mit Forschungen und mit Fragen, wie “Um welchen Typ Gebäude handelt es sich?”, “Wie wurde das Gebäude konstruiert?”, “Was ist architektonisch relevant und interessant?” usw. Gleichzeitig muss man jedoch die Art des Auftrages im Auge behalten. Handelt es sich also einfach um Instandhaltung, Restaurierungen und Reparatur, kommen keine weiteren Arbeiten hinzu, oder gibt es weiterführende Aufgaben – ein typisches Beispiel wäre die Dämmung oder Fragen nach der Raumaufteilung und ähnliches. Insofern variiert die Arbeit eher hinsichtlich des Auftrages als in Bezug auf den Architekten und die Epoche.

Wohnhaus Matthies Egon Eiermann Potsdam Babelsberg

Wohnhaus Matthies von Egon Eiermann (Foto mit freundlicher Genehmigung vom Architekturbüro Gerald Kühn-von Kaehne und Eberhard Lange, Potsdam)

smow Blog: Die Gewinner des ersten Egon Eiermann Stuhls sind Barbara und Eckard Düwal für ihren Einsatz zum Erhalt des sogenannten Wohnhauses Matthies. Im Jahr 1938 schrieb Hans Josef Zechlin im Magazin Bauwelt: “Das Haus steht mit einer wie gewachsenen Selbstverständlichkeit da, wie aus sich selbst erstanden, als hätte niemand es entworfen – womit das Bau höchstes Lob gesagt sei”.1 Was macht das Gebäude für Sie so interessant?

Eberhard Lange: Als erstes muss man sagen, dass das Wohnhaus Matthies ein Sparbau ist. Es wurde für Heinz Matthies, später nannte er sich in Mathias Matties um, gebaut, der ein Jugendfreund Egon Eiermanns war. Er hatte damals erst geheiratet und wollte nun ein Wohnhaus für sich und seine Frau auf einem Teil des Grundstückes seiner Eltern errichten. Allerdings hatte Matthies als junger Künstler nicht viel Geld und so ist das Haus eine sehr einfache, klare Konstruktion, die aber in den Details – von denen drei besonders herausstechen – wirklich fantastisch ist und die das Haus so überaus interessant machen. Das erste Detail ist die Art, wie die Fenster in die Wand integriert sind. Um Arbeit und Kosten zu sparen, hat Eiermann gängige Konstruktionsprinzipien ignoriert und stattdessen einen simplen Stahlwinkel benutzt, um den Fensterrahmen zu fixieren und zu stützen – eine einfache Lösung und ein wunderbares, elegantes Detail. Bautechnisch ist diese Lösung allerdings hoch problematisch, weil sich das Kondenswasser zwangsläufig hinter den Stahlwinkeln sammelt und eine ganze Reihe an Problemen nach sich zieht. Allerdings wusste man solche Sachen in den 30er Jahren noch nicht so recht. Die Fenster wurden im Hinblick auf den Kontext also auf wunderbare Weise realisiert. Ähnlich fantastisch, wenn auch bautechnisch genauso problematisch, ist die sogenannte Quetschfuge an der Außenfassade. Für die unebene Oberfläche verwendete Eiermann den Mörtel, der heraustritt, wenn ein Stein auf den anderen gesetzt wird. Hinsichtlich des Designs eine fantastische Idee, weil der Bau so ein wirklich schönes, grafisches Detail erhält, bautechnisch jedoch auch furchtbar, weil der Regen an den Fugen herunterläuft, die dann über die Jahre bröckeln und brechen. Aber wie gesagt, ein wirklich schönes Design…

smow Blog: Das heißt Egon Eiermann hat den Maurern aufgetragen, den Mörtel zwischen den Steinen herausquellen zu lassen, um ihn dann formen und trocknen zu können? Die müssen doch gedacht haben, der spinnt…

Eberhard Lange: Mit ziemlicher Sicherheit! Wie auch bei dem dritten Detail, der sogenannten “wilden” Schieferdeckung, einem Verfahren, das man in Norddeutschland nicht wirklich kannte und eher üblich in Süddeutschland, Bayern, Tirol usw. war. Die örtlichen Handwerker konnten mit dem Konzept einfach nicht umgehen und so gaben es einige auf, bevor Eiermann schließlich den richtigen Mann in Berlin fand, der der Aufgabe gewachsen war und so dieses wundervolle Dach bauen konnte, das dem Haus seine einmalige Ästhetik verleiht.

smow Blog: Das hört sich, um ehrlich zu sein, so an, als mache all das eine gewissenhafte und gleichzeitig zeitgemäße Restaurierung des Gebäudes zu einer komplexen und kostspieligen Sache!?

Eberhard Lange: Absolut! Und ich bewundere die Entscheidung der Düwals, das in Angriff genommen zu haben. Das ist auch einer der Gründe für die Auszeichnung mit dem ersten Egon Eiermann Stuhl. Die Erneuerung der Quetschfuge kostet Zeit und Geld. Und man könnte sich die Arbeit sparen, vor allem wenn man bedenkt, dass die Fuge in Zukunft wieder erneuert werden muss. Auch die Fensterkonstruktion ist nicht ideal und könnte leichter durch eine andere ersetzt werden. Aber die Düwals entschieden sich alles beizubehalten. Wenn man solche Eigenheiten – obwohl man weiß, wie sie sich auf das Gebäude auswirken – zu schätzen weiß und respektiert, beschließt, dass sie zum Charakter des Hauses gehören und sie erhalten möchte, verdient das denke ich Respekt. Und man darf nicht vergessen, dass das Wohnhaus Matthies ein ziemlich kleines Haus ist, vor allem nach modernen Standards. Perfekt für ein Paar, aber klein. Die Düwals respektieren und lieben das Haus wie es ist und haben kein Interesse daran es zu verändern.

smow Blog: Andere Leute scheinen an Eiermann Gebäuden nicht immer gleichermaßen Gefallen zu finden. Unter anderem ist derzeit Eiermanns IBM Campus in Stuttgart bedroht und die Zukunft des Neckermann Versandhauses in Frankfurt ist nach wie vor ungeklärt. Sollten oder müssen alle Eiermann Gebäude erhalten werden? Ist das wichtig?

Eberhard Lange: Egon Eiermann war über viele Jahre aktiv und entwickelte sich als Architekt kontinuierlich weiter. Nimmt man nur mal die Privathäuser als Beispiel und vergleicht sein vor dem Krieg entstandenes Wohnhaus Matthies und sein eigenes in Baden-Baden von 1962, fällt auf, dass es sich um völlig unterschiedliche Bauten handelt, grundverschiedene Genres. Man braucht gar nicht erst anfangen beide miteinander zu vergleichen. Es ist also auf jeden Fall wichtig, Belege für die Entwicklung von den einfacheren Gebäuden aus der Zeit vor dem Krieg hin zu den größeren Nachkriegsgebäuden und den sehr viel moderneren Bauten zu finden. Nach Meinung der Egon Eiermann Gesellschaft müssten alle Egon-Eiermann-Gebäude erhalten werden, und das nach Möglichkeit in ihrem ursprünglichen Zustand. Wenn Gebäude bedroht sind, so wie es in Stuttgart der Fall ist, sollte man unserer Meinung nach gute Argumente für den Erhalt und eine zukünftige Nutzung finden. Denkmalpflege ist allerdings kein Dogma. Beispielsweise sagt auch die Charta von Venedig, der Grundstein der Denkmalpflege, dass ein Gebäude auf die sinnvollste Weise erhalten wird, wenn es zum Nutzen der Gesellschaft geschieht, und das erreicht man am besten, wenn das Gebäude aktuellen Anforderungen gerecht wird. Also ja, man muss zuweilen abwägen, welche Kompromisse beispielsweise in Sachen Dämmung oder Raumgröße gefunden werden können, um die sensible Entwicklung eines Gebäudes zu ermöglichen. Jede Veränderung kann schmerzen. Wenn man aber überzeugt ist, dass durch bestimmte Veränderungen ein Gebäude erhalten werden kann, das für neue Generationen auch nützlich sein kann, dann müssen diese Veränderungen durchgesetzt werden.

smow Blog: Man muss auch anfügen, dass Eiermann selbst nicht gerade schüchtern war, wenn es darum ging, Gebäude zu zerstören, die nicht in seine Pläne passten. Berühmtestes Beispiel ist da wahrscheinlich Erich Mendelsohns Kaufhaus Schocken. Sollte man nicht nach einem ähnlichen Maßstab mit Eiermanns Arbeiten verfahren?

Eberhard Lange: Nicht nur Eiermann, auch viele andere erfolgreiche und bekannte Architekten zerstörten ältere Gebäude (zum Teil auch immer wieder), um ihre eigenen Projekte realisieren zu können. Dazu wird es immer wieder kommen und davon ist auch Egon Eiermann betroffen. Beispielsweise wurde erst kürzlich die Taschentuchweberei in Blumberg abgerissen. Und das obwohl sie denkmalgeschützt war und zu Eiermanns interessantesten Industriebauten gehörte. Im Gegensatz dazu wurde Eiermann im Fall der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin durch den Druck der Öffentlichkeit gezwungen den Kirchturm, den er eigentlich abreißen lassen wollte, in sein Konzept zu integrieren. Was er schließlich akzeptierte. Auf der einen Seite hat man also den Denkmalpfleger, der natürlich alles erhalten möchte, und auf der anderen Seite soziale sowie ökonomische Interessen und die damit verbundenen Vorstellungen. Letztendlich muss man die beste Lösung für ein Gebäude in Abhängigkeit von der jeweiligen Zeit finden.

smow Blog: Und zum Schluss: Was denken Sie, können junge Architekten von Egon Eiermann lernen?

Eberhard Lange: Da ist zum einen Eiermanns Persönlichkeit. Er war jemand, der andere überzeugen konnte. Es ist sehr wichtig, dass man als Architekt eine Idee entwickeln kann und dann auch in der Lage ist, andere davon zu überzeugen, dass sie gut ist. Das machte Eiermann wirklich sehr gut. Zum anderen lernt man als Architekt von Eiermann, dass man Mut haben sollte neue Sachen auszuprobieren, neue Wege zu gehen, mit neuen Materialien zu arbeiten und neue Details zu entwickeln, dabei zwar das Traditionelle zu respektieren und zu würdigen, aber nicht nur nach hinten zu schauen.

1. Hans Josef Zechlin “Wohnhäuser von Egon Eiermann, Berlin” in Bauwelt Vol 29 Nr 36, 1938.

Wohnhaus Matthies Egon Eiermann Potsdam Babelsberg

Wohnhaus Matthies von Egon Eiermann (Foto mit freundlicher Genehmigung vom Architekturbüro Gerald Kühn-von Kaehne und Eberhard Lange, Potsdam)

Reihe Chemnitzer Kreativität: Silbærg Snowboards

In der Vergangenheit haben wir uns zugegebenermaßen manchmal etwas harsch über Chemnitz geäußert. Unberechtigterweise, wie manche, oder eigentlich ziemlich viele, Leser anmerkten.

“Kommt schon. Chemnitz ist nicht so schlecht”, war die einhellige Meinung.

Also entschieden wir uns, mal etwas genauer hinzusehen und unsere Vorurteile hinter uns zu lassen. Kurzum, statt immer nur das Schlechte zu sehen, haben wir mal einen Blick auf die aktuelle Kreativszene in Chemnitz geworfen. Angefangen bei dem Snowboard-Hersteller Silbærg.

Im Rahmen eines Forschungsprojektes der TU Chemnitz ins Leben gerufen, machen die Silbærg Snowboards Gebrauch von der sogenannten Anisotropic Layer Design (A.L.D.) Technologie, mit der eine ganz neue Form von Snowboard geschaffen werden kann. Genau gesagt zeichnen sich die Boards dadurch aus, dass sich die Kanten entsprechend der Fahrsituation verformen. Wird mit dem Silbærg Snowboard eine Kurve gefahren, drückt sich die Kante in den Schnee und erhöht spürbar den Kantenhalt. Beim Boardslide dagegen hebt sich die Kante vom Rail ab, sodass ein Verkanten erschwert wird und sich die Kante nicht am Rail abnutzt.

Diese Innovation erfreut nicht nur die Boarder und Kritiker, sondern wurde auch mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Zuletzt gewann der Silbærg Carvomat Pro Carbon den Plus X Award für seine Innovativität, hohe Qualität, das Design und Funktionalität. 2014 wurde Silbærg beim Plus X Award außerdem in der Kategorie “Innovativste Marke” anerkannt.

silbaerg

Bis zur Forschungsarbeit von Silbæerg Gründer Jörg Kaufmann wurden derartige anisotropiebedingte Koppeleffekte nur in theoretischen Projekten betrachtet, welche den Prototypenstatus nicht verlassen haben. Laut Silbærg sind ihre Snowboards nun die ersten, die mit der Technologie in Serienproduktion gegangen sind.

Wir haben uns mit Jörg Kaufmann getroffen und mit ihm über die Boards, die Technik dahinter und Chemnitz als Ort für so ein Projekt gesprochen. Zuerst wollten wir jedoch wissen, ob am Anfang die Lust neue Snowboards zu entwickeln oder der Wunsch die A.L.D. Technologie anzuwenden stand.

Jörg Kaufmann: Ich boarde seit 1995 und je mehr Wissen über und Erfahrung mit der Technik ich gesammelt hatte, desto mehr wuchs der Wunsch in mir, die beiden Dinge miteinander zu verbinden. Die Möglichkeit bot sich dann im Rahmen meiner Doktorarbeit, in der ich anisotropiebedingte Koppeleffekte untersucht habe. Wir unternahmen unzählige Versuche mit Faserverbundplatten und als ich sah, wie die sich verformen können, war klar für mich, dass ich so eine Technologie auf Snowboards anwenden sollte.

(smow) blog: Anisotropiebedingte Koppeleffekte und Faserverbundplatten sind nichts, wovon viele Leute etwas verstehen. Ohne zu viel darüber zu verraten, was ist das Geheimnis der Funktionsweise eurer Boards?

Jörg Kaufmann: Das Geheimnis der Technologie liegt in der Ausrichtung der Fasern im Snowboard. Ein normales Snowboard hat  maschinell hergestellte Faserhalbzeuge, unsere Boards haben einen Kern, die aus bis zu 40 Stücken bestehen und von Hand in Chemnitz gefertigt werden. Die Anordnung der Fasern und die manuelle Fertigung machen den Unterschied und rufen den einzigartigen Effekt hervor.

(smow) blog: Klingt soweit ganz simpel. Aber sicher verlief die Entwicklung nicht problemlos, oder?

Jörg Kaufmann: Die Effekte, die wir in dem Board erzeugen, sind normalerweise auch von der Temperatur abhängig, wodurch es schwer war, ein Stadium zu erreichen, in dem die Boards gepresst werden konnten, ohne sich dabei zu verformen. Generell war es ein langer Prozess, den Effekt zu optimieren, weil er einen Gegenlauf beinhaltet, den richtig zu verstehen und zu integrieren, sehr kompliziert war. Im Zuge der Entwicklung haben wir über 1000 Modelle in Computersimulationen getestet, was mit klassischem Prototypen und den branchentypischen “Trail and Error”-Methoden nie möglich gewesen wäre.

(smow) blog: Aber am Ende muss man das Board mit auf einen echten Berg nehmen?

Jörg Kaufmann: Ja, wir haben sie in Zermatt in Form von anonymisierten weißen Boards, d.h. einer nicht zuordenbaren Mischung aus unseren und “normalen” Boards, getestet. Das Testteam bestand aus zehn Boardern, die jedes Board getestet und nach jeder Fahrt einen Evaluationsbogen ausgefüllt haben. Die abschließende Analyse der Daten hat eindeutig ergeben, dass die Boards mit A.L.D. Technologie besser als die herkömmlichen fuhren. Die Ergebnisse haben das gute Gefühl unserer Tester bestätigt und deutlich gemacht, dass es Sinn machen würde, eine Firma zu gründen und die Boards kommerziell herzustellen.

(smow) blog: Und was war leichter zu entwickeln, das Board oder die Firma?

Jörg Kaufmann: Sehr gute Frage! Die Entwicklung des Boards dauerte sechs Jahre und ich wusste, dass die Entwicklung der Marke, die Marktdurchdringung und die Internationalisierung schwieriger werden würden. Und wie sich herausstellte, ist es auch so. Aber es macht jeden Tag Spaß an der eigenen Marke und den eigenen Produkten zu arbeiten und in die leuchtenden Augen von begeisterten Kunden zu sehen.

(smow) blog: Die meisten Snowboarder wollen natürlich nicht nur gut fahren, sondern auch gut dabei aussehen. Wie viel Aufmerksamkeit schenkt ihr der äußeren Form eurer Boards?

Jörg Kaufmann: Im Moment werden die individuellen Faserhalbzeuge per Hand hier in Chemnitz hergestellt und die Boards selbst werden in Österreich von GST, einem der führenden Snowboardhersteller der Welt, gepresst. Zum Glück können wir dabei auf die Erfahrung von 20 Jahren Snowboardbau zurückgreifen und ihre Shapes nutzen. Die Formgestaltung ist auf jeden Fall ein wichtiger Aspekt der Boards und birgt für uns einiges Entwicklungspotential, da so nicht zuletzt der Widererkennungswert der Boards gesichert wird. Aus diesem Grund forschen wir auch an eigenen Shapes, die kommen aber erst auf den Markt, wenn sie wirklich perfekt sind – so wie unsere A.L.D. Technologie.

(smow) blog: “Entwicklungspotential”… Ihr habt in Chemnitz angefangen, weil ihr dort wart. Wenn alles etwas größer wird, wollt ihr bleiben?

Jörg Kaufmann: Für uns ist Chemnitz ein sehr guter Ort und ich sehe keinen Grund nicht hier zu bleiben. Mit der engen Zusammenarbeit mit der TU Chemnitz und vor allem mit dem Institut für Strukturleichtbau haben wir den perfekten Partner für Innovationen direkt vor unserer Haustür. Auch sind wir von Chemnitz aus relativ schnell in den Alpen, was sehr wichtig für den Verkauf und das Marketing während der Saison ist, und mit Oberwiesenthal haben wir den perfekten Ort für Tests gleich um die Ecke. Außerdem gibt es in Chemnitz relativ viele hochqualifizierte Studenten, was für die weitere Entwicklung des Projekts wichtig ist.

(smow) blog: Und am Ende müssen wir es einfach noch fragen: Hat man durch das Board einen Vorteil in Wettbewerben? Darf man es da überhaupt benutzen?

Jörg Kaufmann: Das Snowboard-Studenten-Team der TU Chemnitz hat bei der letzten deutschen Hochschulmeisterschaft auf Silbærg Boards in den Olympischen Disziplinen Halfpipe, Boardercross und Slopestyle je die Goldmedaille und weitere Platzierungen geholt. Ich denke, das ist Antwort genug…

Weitere Details zu silbærg Snowboards sind zu finden unter http://silbaerg.com/

 

silbaerg a l d snowboard

Das Prinzip der Silbærg A.L.D Snowboard Technologie

 

Reihe Stuttgarter Kreativität: Reichel Schlaier Architekten

Vielleicht sind es gerade die einfachsten Aufgaben, die unbelastet von einem komplexen Gemenge funktionaler, technischer oder wirtschaftlicher Bedingungen architektonische Aussagen von besonderer Prägnanz erst ermöglichen.”

So sinnierte die sächsische Niederlassung des Bundes Deutscher Architekten, BDA, als sie beim BDA-Preis Sachsen 2013 den Stuttgarter Reichel Schlaier Architekten eine “Besondere Anerkennung” für ihr Projekt “Garage in Holzstapelbauweise” verlieh.

Entworfen für einen Privatkunden im sächsischen Dorf Marienberg, ist die Garage in Holzstapelbauweise, wie der Name bereits andeutet, eine Garage bestehend aus Holzstößen und das erste Projekt, das von den Reichel Schlaier Architekten a.k.a. Elke Reichel und Peter Schlaier realisiert wurde.

Elke Reichel studierte Architektur an der TU Dresden sowie der Mackintosh School of Architecture Glasgow. Nach einer Anstellung bei Littman Goddard Hogarth Architects in London arbeitete Elke Reichel 2001 bei Behnisch & Partner in Stuttgart, wo sie den in Ulm geborenen Peter Schlaier kennenlernte, der sein Studium an der Universität Stuttgart absolviert hat.

2011 gründeten Elke Reichel und Peter Schlaier dann Reichel Schlaier Architekten.

Neben dem Marienberger Garagen-Projekt haben Reichel Schlaier Architekten Projekte in Stuttgart, Neu-Ulm sowie Limbach-Oberfrohna abgeschlossen und entwickeln derzeit eine Reihe von Wohn-, kommerziellen und sozialen Projekten. Das Paar hatte außerdem mehrere Lehraufträge inne und Elke Reichel wurde zuletzt in den geschäftsführenden Ausschuss des Bundes Deutscher Architekten, BDA, gewählt.

Als Teil unserer Reihe Stuttgarter Kreativität haben wir Elke Reichel und Peter Schlaier besucht und sprachen mit ihnen über Architekturwettbewerbe, die Verantwortung eines Architekten und Stuttgart als kreative Stadt. Zuerst fragten wir jedoch, wie es ist ein Architekturbüro zu gründen…

Elke Reichel: Der Traum ist immer, ein Büro zu eröffnen, ein paar Wettbewerbe zu gewinnen und dann sehr schnell zu einem größeren Büro heranzuwachsen. Aber so funktioniert es nicht. Am Anfang ist es oft Herausforderung genug, sich selbst und das kleine Büro zu finanzieren, nicht zuletzt weil die Bezahlung generell am Ende eines Auftrags erfolgt. Wenn überhaupt… Wir haben z.B. schon früh einige Wettbewerbe gewonnen, die schließlich nicht in Auftrag gegeben wurden. Daher geht es vor allem ums Überleben. Das beinhaltet das Annehmen und Gutmachen kleinerer Jobs und zu hoffen, dass man weiterempfohlen wird. Das haben wir getan und diese Empfehlungen haben unser frühes Überleben gesichert.

Peter Schlaier: Wir haben mit relativ kleinen Projekten begonnen, einschließlich einiger Dachbodenausbauten und Neugestaltungen von Büros, was zu Beginn etwas schwierig war. Wir kamen aus einer Welt mit großen Projekten, bei Behnisch waren wir z.B. beide für das Ozeanum-Projekt in Stralsund als Projektmanager tätig und sind es daher gewohnt, unter solchen Bedingungen zu arbeiten. Aber wenn man selber neu anfängt, gibt einem erst mal keiner eine Chance. Z.B. darf man oft nicht an Wettbewerben teilnehmen. Der Wechsel zu kleineren Projekten war also nicht gerade einfach, aber zum Glück hat sich das ja ein bisschen geändert.

(smow) Blog: Doch bleibt es eine Erfahrung, die die Frage aufwirft, ob es schwerer ist, sich in einer Stadt wie Stuttgart zu etablieren, wo es so viele Architekten gibt.

Elke Reichel: Nein, ich würde sagen, das Gegenteil ist der Fall. In Stuttgart ist es ein bisschen einfacher, weil es hier eine Bevölkerung gibt, die tendenziell über mehr Geld und größere finanzielle Sicherheiten verfügt.

Peter Schlaier: Außerdem hat man hier in der Region eine große Zahl finanziell abgesicherter kleiner und mittelständischer Unternehmen. Wir arbeiten z.B. gerade an der ersten Kirche am Bodensee und arbeiten bei der Gründung einer Praxis mit, die wegen der Garage in Marienberg auf uns aufmerksam geworden ist. Außerdem haben wir einen Auftrag vom Hochdruckreiniger-Hersteller Kärcher bekommen, der auch durch ein kleineres Projekt auf uns aufmerksam wurde und uns daraufhin zu einem Wettbewerb einlud. Und ich denke, solche Projekte findet man nicht so oft in Deutschland.

Elke Reichel: In Stuttgart ist es auch so, dass die Büros mehr national und international tätig sind, sobald sie eine gewisse Größe erreicht haben, und weniger in Stuttgart selbst Projekte realisieren. Der Wettbewerb innerhalb Stuttgarts ist also gar nicht so groß.

(smow) Blog: In Bezug auf die Wettbewerbe: Als Nicht-Architekt hat man oft den Eindruck, bei Wettbewerben stecke man viel Arbeit in eine Sache, bei der nicht unbedingt etwas herauskommt. Macht es Sinn, an solchen Wettbewerben teilzunehmen oder sind sie schlicht ein notwendiges Übel bei dem Job?

Elke Reichel: Man muss natürlich nicht an Wettbewerben teilnehmen, besonders in einer Region wie dieser, wo genügend Projekte ohne Wettbewerb vergeben werden. Aber es gibt so viele Projekte, die man als Architekt gerne realisieren würde, weil sie die Möglichkeit bieten, wirklich kreativ zu sein – und solche Projekte werden normalerweise über Wettbewerbe vergeben.

Peter Schlaier: Man muss im Grunde genug Wettbewerbe gewinnen, um die Preisgelder über das Jahr zu verteilen…

(smow) Blog: Sie haben Projekte erwähnt, bei denen man wirklich kreativ sein kann. Ohne die Rolle von Architektur diskutieren zu wollen, was verstehen Sie unter der Verantwortung eines Architekten von heute?

Elke Reichel: Als Architekt hat man eine immense soziale Verantwortung, schließlich wird alles, was man schafft, für die nächsten Generationen erhalten bleiben. So gestalten wir mit jeder Entscheidung, die wir treffen, unsere unmittelbare Umgebung und unsere Gesellschaft. Das ist inspirierend für mich, aber beinhaltet auch ein großes Maß an Verantwortung. Am wichtigsten ist es also, seinen Job gut zu machen – und zwar in jeder Hinsicht.

Peter Schlaier: Wozu ich hinzufügen möchte, dass diese Verantwortung oft falsch verstanden wird. Viel zu oft ist ein Gebäude nur so gut, wie es der Kunde verlangt, weil die Architekten und Bauherren in Deutschland teilweise kein größeres Interesse daran haben, wirklich gute Projekte zu entwickeln. Aber neben der sozialen Verantwortung haben sie auch die Verantwortung, die bestmögliche Arbeit abzuliefern. Wir wissen alle, dass der Architekt Schuld hat, wenn im Stadtzentrum ein unansehnliches Gebäude entsteht… Man kann es natürlich wie Peter Zumthor machen und ein Gebäude nicht realisieren, wenn der Kunde bei den eigenen Vorstellungen nicht mitgeht, aber dann wird jemand anderes bauen, was der Kunde will. Schließlich löst so ein Ansatz das Problem nicht.

(smow) Blog: Zum Schluss wollen wir noch einmal auf Stuttgart zu sprechen kommen. Ist Stuttgart eine gute Stadt, um kreativ zu sein? Was macht die Arbeit in der Stadt aus?

Elke Reichel: Stuttgart ist eine geschäftige Stadt. Es scheint, als wäre man ständig von Leuten umgeben, die an großen oder interessanten Projekten arbeiten. Small Talk in Stuttgart dreht sich kaum um unwichtige, oberflächliche Themen, sondern meist um Dinge, die gerade passieren und wichtig sind. Das macht es vor allem interessant in der Stadt zu arbeiten.

Peter Schlaier: Man merkt, dass Leute Dinge tun. Wenn man eine Idee hat, verfolgt man sie. In Stuttgart reden die Leute nicht viel, sondern sie machen es. Das ist sehr angenehm. Außerdem gibt es hier keine “Clubs”. Jeder hat die gleichen Chancen und man muss nicht die richtigen Bezeihungen haben, um erfolgreich zu sein.


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