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Archiv für die ‘Interview’ Kategorie

(smow) Blog 2013. Ein Rückblick in Bildern: November

04. Januar 2014

Mit kaltem Wind im Gesicht und der Aussicht auf Glühwein und Lebkuchen näherten wir uns dem November und so auch einer Designtour durch Brandenburg. Wir trafen Napoleon in Erfurt und fanden heraus, dass die Eames Plastic Armchairs und Pastic Side Chairs eigentlich mal aus Stahl waren…

Living Objects Made for India Doshi Levien Grand Hornu Water Carriers

Living Objects - Made for India kuratiert von Doshi Levien @ Grand Hornu

Kaisersaal Erfurt USM Haller

USM Haller in den Büros des Kaisersaals Erfurt

Vitra Eames Plastic Armchair shell

Vitra Eames Plastic Armchairs

Bauhaus Archiv Berlin Mein Reklame Fegefeuer Herbert Bayer Werbegrafik 1928 1938

Bauhaus Archiv Berlin: Mein Reklame Fegefeuer. Herbert Bayer.Werbegrafik 1928 - 1938

Villa Schöningen Potsdam Geblüt Positionen zum Design

Villa Schöningen Potsdam: Geblüt - Positionen zum Design

Physix Alberto Meda Vitra Eames Elephant

Physix von Alberto Meda für Vitra. Und ein Eames Elephant.

Designtage Brandenburg 2013 Design Conference Mateo Kries

Designtage Brandenburg 2013 Design Konferenz: Mateo Kries

 

(smow) Blog 2013. Ein Rückblick in Bildern: Oktober

03. Januar 2014

Mit dem Nachklang der Vienna Design Week und in Vorfreude auf die Eröffnung des neuen (smow) Showrooms in Köln sind wir voller Enthusiasmus in den Oktober gestartet. Der Monat wäre beinah gekippt wegen eines hässlichen Plagiats in Leipzig, wurde aber dann von Alison und Peter Smithon im AIT ArchitekturSalon Köln gerettet…

kkaarrlls First Exhibition Milan 2009

Fünf Jahre kkaarrlls. Ein Interview mit Professor Volker Albus (Foto: kkaarrlls, 2009)

Vitra Orgatec 2012 Hella Jongerius Sphere Table

Sphere Table von Hella Jongerius für Vitra, hier auf der Orgatec 2012 in Köln

aed neuland ausstellung stuttgart

Die aed neuland 2013 Ausstellung in Stuttgart.

Passionswege à la Firenze marbled paper

Herstellung von marmoriertem Papier in Florenz

Max Borka Form Follows Foco 100 Snapshots of Guerilla Survival Props

Max Borka: Form Follows Foco 100 Snapshots of Guerilla Survival Props

AIT ArchitekturSalon Cologne Alison and Peter Smithson The Art of Inhabitation

AIT ArchitekturSalon Cologne: Alison und Peter Smithson - The Art of Inhabitation

Grassimesse Leipzig 2013

Grassimesse Leipzig 2013

smow köln

(smow) Köln

Designers Open Spots diefabrik

Designers' Open Spots: diefabrik

Designers’ Open Spots 2013 Porzellanatelier Biehne Passig

Designers’ Open Spots 2013: Porzellanatelier Biehne Passig

Lost Furniture Design Classics Coffee Table 4662 by George Nelson for Herman Miller

Lost Furniture Design Classics Coffee Table 4662 von George Nelson für Herman Miller

(smow) Blog 2013. Ein Rückblick in Bildern: April

27. Dezember 2013

Wie immer im April ging es auch 2013 wieder nach Mailand. Und wie immer haben wir unter all dem sinnlosen Corporate-Design-Müll einige Edelsteine entdeckt…

Nach Mailand haben wir uns dann sehr gefreut, den neuesten Zuwachs auf dem Vitra Campus kennenzulernen, die SANAA Produktionshalle…

Carwan Gallery MiArt Milan 2013

Carwan Gallery, MiArt Mailand 2013

Object Limited Edition Design at MIART Milan 2013 Swing Gallery

Swing Gallery, MiArt Mailand 2013

Milan Design Week 2013 Empatia by Carlotta de Bevilacqua and Paola di Arianello for Artemide

Möbelmesse Mailand 2013: Empatia von Carlotta de Bevilacqua und Paola di Arianello für Artemide

Milan Design week 2013 Galleria Viafarini Magic Moments Inside

Möbelmesse Mailand 2013: Galleria Viafarini. Magic Moments Inside

Milan Design Week 2013 The Mattiazzi Collection

Möbelmesse Mailand 2013: The Mattiazzi Collection

Milan Design Week 2013 Roll and Hill at Euroluce

Roll & Hill auf der Euroluce 2013. Stella Triangle von Rosie Li

Milan Design Week 2013 Workbay Office by Ronan and Erwan Bouroullec for Vitra

Möbelmesse Mailand 2013: Workbay Office von Ronan und Erwan Bouroullec für Vitra

Milan Design Week 2013 Tools for Life by OMA for Knoll 01 Arm Chair 03 Coffee Table

Möbelmesse Mailand 2013: Tools for Life von OMA für Knoll. Der 01 Arm Chair und 03 Coffee Table

SANAA Factory Building Vitra Shop Weil am Rhein Window

Neu auf dem Vitra Campus: Die SANAA Produktionshalle

SANAA Factory Building Vitra Shop Weil am Rhein Roof

SANAA Produktionshalle. Das Dach.

(smow) Blog 2013. Ein Rückblick in Bildern: Februar

25. Dezember 2013

Die IMM Cologne hat uns bis in den Februar 2013 hinein beschäftigt, aber in dem Monat war auch die Eröffnung der Eileen Gray Retrospektive in Paris, wir besuchten die Louis Kahn Ausstellung im Vitra Design Museum und leider schied James Irvine von uns…

Antonio Citterio pivot orgatec vitra

Pivot Bürostuhl von Antonio Citterio für Vitra, hier auf der Orgatec in Köln, 2012

IMM Cologne 2013 PS 07 Bureau by Delphin Design for Müller Möbelfabrikation

IMM Cologne 2013: PS 07 Bureau von Delphin Design für Müller Möbelfabrikation

eileen gray Dressing table screen Centre Pompidou Paris

Friesiertischwand von Eileen Gray

IMM Cologne 2013 Wilde+Spieth Egon Eiermann SE 68 SE 42 Le Corbusier Les Couleurs

IMM Cologne 2013: Wilde+Spieth präsentieren Egon Eiermanns SE 68 und SE 42 in den neuen "Les Couleurs"-Farbtönen von Le Corbusier

Vitra Design Museum Louis Kahn The Power of Architecture National Assembly Building in Dhaka

Louis Kahn "The Power of Architecture" @ Vitra Design Museum

James Irvine

James Irvine 1958-2013

Watn Blech by Bernhard Osann for Moormann

Watn Blech von Bernhard Osann für Moormann

Fünf Jahre kkaarrlls. Ein Interview mit Professor Volker Albus

14. Oktober 2013

“Wie bist du auf kkaarrlls gestoßen?” Die Frage ist nicht gerade so eine wie:”Wo warst du, als Kennedy erschossen wurde?” oder “How many roads must a man walk down…?”. Wenn sie einem allerdings von Produktdesign-Professor und Prorektor der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und, zusammen mit Stefan Legner, Mitbegründer und “Boss” von kkaarrlls gestellt wird, fühlt man sich irgendwie gezwungen zu antworten.

“Kompletter Zufall”, ist unsere nicht gerade brillante Antwort. “2009 in Mailand: viel zu früh dran für eine belgische Designshow, haben wir uns treiben lassen und sind ganz unbewusst und planlos in die nächste Ausstellung geraten.” Das war die kaarrlls-Ausstellung – die allererste – und unsere Begegnung schlicht eine Laune des Schicksals…

Konzipiert als Studentenplattform zeigt kkaarrlls ausgesuchte Arbeiten von Studenten und Absolventen der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Arbeiten, die, mit den Worten der Organisatoren, “… eine offene Sicht auf die Welt der Dinge” vertreten, “sei es hinsichtlich ihrer Konstruktion, ihrer Struktur, des Materials oder der Handhabung.” Zu unseren persönlichen Lieblingen gehören Kantbank 250 von Andreas Grindler – fraglos das erste kkaarrlls-Objekt, das uns wirklich unter die Haut ging -, dann Clerk von Martha Schwindling, Tina Schmids Ascher und natürlich Nido von Eva Marguerre – auch wenn uns Nidos Allgegenwärtigkeit zeitweise irritiert hat.

Während der Cologne Design Week 2013 hatte kkaarrlls’ neues Projekt “kkaarrlls für Echtwald” Premiere. In Kooperation mit der Echtwald Stiftung entstanden dabei Objekte, die zur Unterstützung der Renaturierung von Nutzwäldern produziert und verkauft werden. Das mediale Highlight ist fraglos Tom Pawlofskys 7Xstool, zumindest wenn Pawlofskys Roboterkettensäge zum Einsatz kommt. Nicht zu unterschätzen sind allerdings auch Christian Klotzs 4zig5zig Hocker und der besagte Tisch Clerk von Martha Schwindling.

2013 feierte kkaarrlls seinen fünften Geburtstag auf der Salone Satellite in Mailand und so haben wir beim Besuch der Ausstellung Sommerloch 2013 in Karlsruhe die Chance genutzt, mit Volker Albus über das Projekt zu sprechen. Natürlich haben wir damit begonnen nach dem Hintergrund der Plattform zu fragen. Oder anders ausgedrückt: Warum kkaarrlls?

Volker Albus: Es spielten verschiedene Umstände eine Rolle. Wir wollten in Mailand ausstellen. Um dort aber auch nur gehört zu werden, braucht man als Designschule ein besonderes Extra.

Etwa zur gleichen Zeit kamen wir zu dem Schluss, dass wir eine Plattform bräuchten, um die Arbeiten unserer Studenten angemessen zu präsentieren. Wir sind eine verhältnismäßig kleine Schule, in einer ziemlich kleinen Stadt und suchten deshalb nach einer Plattform, die deutlich zeigen würde, was wir machen. Uns war schon klar, dass Arbeiten unserer Studenten regelmäßig in verschiedensten Zeitungen und Onlineportalen veröffentlicht wurden. Diese Arbeiten wurden bemerkt und man verstand ihre besonderen Qualitäten. Natürlich galt es das zu unterstützen. Darin lag also die eigentliche Motivation, die Schule, und vor allem die Arbeiten der Studenten, in einer professionelleren Art zu präsentieren.

(smow)blog: Für eine Schulplattform heißt das natürlich genau zu überlegen, was in die Kollektion gehört…

Volker Albus: Absolut. kkaarrlls ist keine demokratische Plattform, auf der jeder zeigen kann, was er möchte. kkaarrlls zeigt wirklich nur die allerbesten und perfekt produzierten Arbeiten. Zudem achten wir sehr darauf, wie sich eine Arbeit zur Vision verhält, die kkaarrlls vertritt.

(smow)blog: Und wer entscheidet das?

Volker Albus: Das entscheiden wir, Stefan Legner und ich selbst. Natürlich bekommen wir eine ganze Menge Anregungen von Kollegen aus der Lehre und den technischen Bereichen zu Objekten, die ihrer Meinung nach zur Kollektion passen. Häufig sind wir da auch einer Meinung, am Ende treffen allerdings wir die Entscheidungen. Das funktioniert in etwa wie bei einem Hersteller von zeitgenössischen Möbeln: die verantwortlichen Einzelpersonen entscheiden, was und was nicht ins Sortiment passt. Es ist nicht möglich nach demokratischen Prinzipien ein Sortiment zu organisieren, ohne dass die Stringenz der Sache verloren geht. Designfirmen, bei denen große Teams gemeinsam für Entscheidungen verantwortlich sind, haben auch ein sehr schwaches Design. Das Gegenbeispiel sind Firmen wie Apple oder BMW, bei denen eine Handvoll Leute das Sagen haben und die über eine sehr klare, lineare Designidentität verfügen.

(smow)blog: Gehört es auch zu den Überlegungen, ob eine Arbeit möglicherweise aus Sicht eines Herstellers interessant sein könnte oder spielt der kommerzielle Aspekt keine so große Rolle?

Volker Albus: Der kommerzielle Aspekt steht weniger im Vordergrund, wenngleich wir darauf achten, dass, wenn eine Arbeit produziert wird, ihr Preis in einem Verhältnis zu ihrem erkennbaren Wert steht. Durch die Art und Weise, wie oder mit welchem Material ein Objekt produziert wird, vermittelt man einen Eindruck für den Preis des Objekts. Uns ist sehr daran gelegen, dass sich unsere Produkte da mit der Wahrnehmung ihrer Konsumenten treffen. Bei uns erscheinen die Arbeiten als “Editionen”, der Vertrieb über Galerien ist aber nicht unser Ziel.

(smow)blog: Das kkaarrlls-Sortiment wächst jährlich, besteht die Möglichkeit, dass die Sammlung zu groß wird, dass ihr gezwungen sein werdet Arbeiten wieder raus zu nehmen?

Volker Albus: Was drin ist, bleibt drin! Wenn sich eine Arbeit zu einem bestimmten Zeitpunkt ihren Platz verdient hat, bleibt sie auch Bestandteil des Sortiments.

(smow)blog: Noch kurz: es ist klar, dass kkaarrlls weiter besteht, wohin soll es aber in Zukunft mit der Plattform gehen?

Volker Albus: Uns ist bewusst, dass wir immer ernster genommen werden und nach fünf Jahren sind wir an einem Punkt, an dem wir ernsthaft überlegen müssen, wie das Konzept weiterentwickelt werden kann. Ob wir die Dinge beispielsweise weiter kommerzialisieren, oder den Editionscharakter mehr betonen. In jedem Fall wollen wir kein Label werden. Wir sind eine Hochschulplattform und wollen es bleiben. kkaarrlls versteht sich nicht als kommerzielle Marke. Allerdings sind wir offen für Kooperationen mit kommerziellen Labels, deren Philosophie mit unserer korrespondiert und kompatibel ist. Die Kooperation mit Echtwald ist da ein gutes Beispiel. Für den Fall, dass ein etabliertes Label an uns heran treten würde, um Arbeiten in ihr Sortiment aufzunehmen, sagen wir mal als Tochtermarke, wären wir offen dafür.

(smow)blog: Das heißt, Sie würden die Vorteile einer stärker kontrollierten Eigenproduktion ignorieren?

Volker Albus: Nein, davon kann gar nicht die Rede sein. Es gibt Produkte, bei denen ich mir denken kann, dass wir sie selbst produzieren. Beispielweise kann ich mir vorstellen, das eine oder andere Objekt in, sagen wir, einer hunderter Auflage zu produzieren, zu vermarkten und so auch zu vertreiben. Dann müssten wir aber auch darauf vorbereitet sein, das kommerzielle Risiko auf uns zu nehmen. Vorstellbar wäre auch die Zusammenarbeit mit einem Laden, an einem Ort, der über das notwendige Kundenpotential verfügt, in, sagen wir, München, Frankfurt oder Berlin. Das bedeutet wiederum einen kleinen kommerziellen Apparat zu integrieren. Aber wie gesagt, das sind alles Dinge, die wir momentan nur überdenken. Durch die Auseinandersetzung versuchen wir herauszufinden, welche Möglichkeiten es gibt weiter zu machen. Und zuerst kommt Mailand 2014!

Mehr dazu unter kkaarrlls.com

Design Miami/Basel 2013 Interview: Carwan Gallery

01. Juli 2013

2010 von den Architekten Pascale Wakim und Nicolas Bellavance-Lecompte gegründet, ist und war die Beiruter Carwan Gallery die erste Galerie für zeitgenössisches Design im Nahen Osten. Nach beinahe drei Jahren als Pop-Up-Galerie haben Pascale und Nicolas Ende Juni endlich ihren ersten festen Raum in Beirut eröffnet.

Was danach klingt, als würde alles gut laufen.

Wir kamen das erste mal in Mailand bei der MiArt 2013 auf die Carwan Gallery und waren nicht nur von den präsentierten Objekten, sondern auch von der frischen, unkonventionellen und unkomplizierten Art der Arbeiten und den verschiedenen Traditionen dahinter begeistert. Oder um es anders zu sagen, da gab es keine Überheblichkeit in dem Gezeigten.

Auf der Design Miami/Basel 2013 präsentierte die Carwan Gallery, die extra in Auftrag gegebene Landscape Series mit Vasen und Tischen von der Pariser Architektin und Designerin India Mahdavi.

Das alles schien für uns Anlass genug, ein bisschen mehr darüber zu erfahren und so trafen wir uns bei der Design Basel mit Nicolas Bellavance-Lecompte, um über die Carwan Gallery und Design im Nahen Osten im Allgemeinen zu sprechen. Aber zu allererst: Warum Beirut?

Nicolas Bellavance-Lecompte: Als ich das erste mal Beirut besuchte, war ich sehr von der kosmopolitischen Natur, dem Stil der Stadt beeindruckt und sah die Energie und den Enthusiasmus, der in Interieurs wie z.B. Restaurants und Clubs, aber auch privaten Räumen, zu finden ist und es schien mir ein interessanter Ort für eine Galerie für die gesamte Region zu sein.

(smow)blog: Und für solche wie uns, die es nicht wissen: Wie ist die Designszene in Beirut? Kann man überhaupt von einer Szene sprechen?

Nicolas Bellavance-Lecompte: Ich denke, die Stadt hat eine enorme Designkultur. Beirut ist eine relativ kleine Stadt – verglichen mit z.B. Istanbul oder Kairo -, doch die Designszene ist relativ groß. Sei es bezogen auf die Anzahl der Designer oder die Qualität ihrer Arbeiten, ich würde sagen, Beirut ist die Design-Hauptstadt des Nahen Ostens.

(smow)blog: Sollten oder müssen die Objekte in eurer Galerie eine Verbindung zur Region haben oder spielt das keine Rolle?

Nicolas Bellavance-Lecompte: Wir haben eine Richtung, eine Linie in der Galerie, und zwar, dass wir Arbeiten wollen, die im Nahen Osten hergestellt werden können. Es gibt großartige Handwerker in der Region, die einzigartige, lokale Techniken und Ansätze haben und es gibt einen enormen Reichtum im Nahen Osten, der in Sachen zeitgenössischen Designs noch nicht erforscht wurde. Und ich denke, es ist immer möglich, neue Wege zu finden, dieses traditionelle Handwerk zu interpretieren, um es lebendig und zeitgemäß zu machen. Es ist auch ein Weg es zu schützen – ansonsten besteht das Risiko, dass es verloren geht.

(smow)blog: Kann man sagen, dass der europäische Markt die östlichen Traditionen schätzt oder gibt es Arbeiten, die hier weniger angenommen werden?

Nicolas Bellavance-Lecompte: Was interessant ist, ist, dass wir bis letztes Jahr hauptsächlich Designer aus dem Westen in unserer Ausstellung hatten, die Arbeiten präsentierten, die, sagen wir, Re-Interpretationen von Handwerk aus dem Nahen Osten waren, was im Nahen Osten sehr gut ankam. Dieses Jahr legten wir den Fokus mehr auf Designer aus dem Nahen Osten, was in Europa und den USA auf viel Resonanz stieß. Der Markt verändert sich also langsam, was überraschend, aber positiv ist.

(smow)blog: Wenn wir richtig informiert sind, sind die meisten Designer, mit denen ihr arbeitet, Architekten. Ist das beabsichtigt?

Nicolas Bellavance-Lecompte: Dass die meisten Leute, mit denen wir zusammenarbeiten, Architekten sind, liegt sicher an Pascales und meinem Hintergrund, aber auch daran, dass wir den Designansatz und die Umsetzung eines Projekts von Architekten mögen. Wir arbeiten auch mit reinen Produktdesignern wie Khalid Shafar zusammen. Aber weil es keine wirkliche industrielle Produktion im Nahen Osten gibt, ist es zurzeit sehr schwer als reiner Produktdesigner im Nahen Osten zu bestehen.

(smow)blog: Ganz kurz zu der Kollektion, die hier gezeigt wird. Was ist der Hintergrund zur Landscape Series?

Nicolas Bellavance-Lecompte: Wir haben mit India Mahdavi über ein Jahr an dem Projekt gearbeitet und die Kollektion dreht sich um eine Erkundung von Landschaften im Kontext von Iznik Foundation Kacheln. Die Iznik Foundation stellt Keramiken nach osmanischer Tradition des 16. Jahrhunderts her, was heißt, dass die individuellen Kacheln zu 85% aus Quarz bestehen, weshalb sie so weiß und strahlend sind und so sehr leuchten. Und was India hergestellt hat, ist eine Synthese von Vorstellungen von Landschaftszeichnungen, überwiegend auf ihren Erfahrungen von und in verschiedenen Kulturen und Länder, in denen sie lebte, basierend.

(smow)blog: Diese Synthese wird durch eine Serie von Tischen und Vasen repräsentiert. Inwiefern waren solche Objekte Teil des Ausgangsmaterials?

Nicolas Bellavance-Lecompte: Mit India hatten wir einige Gespräche z.B. darüber, wie wir die Kollektion, die Typologie der Objekte strukturieren sollen und am Ende dieses Prozesses kam die Idee, dass Vasen und Tische interessante Objekte für so eine Kollektion sein könnten, auch weil sie Objekte sind, die drinnen und draußen genutzt werden können. Dieses Wechselspiel zwischen Interieur- und Exterieur-Landschaften halten wir für eine interessante Idee.

(smow)blog: Du hast das Leuchten erwähnt, ein anderer Faktor ist natürlich die Farbe…

Nicolas Bellavance-Lecompte: Tatsächlich. Und diese intensive Vibration zwischen den Farben, wie India selbst es beschreibt, zu kuratieren, das Spiel zwischen Farbe und Identität ist ein zentraler Aspekt der Kollektion. Die Vasen z.B. gibt es in sechs verschiedenen Formen, innen entweder aus reinem Gold oder als dichte, lebhafte monochrome Version. Und das Zusammenspiel von Form, Material, der Lichtbrechung des Materials und der Farben erzeugt einen Effekt, ein Modell, das die Vorstellungskraft anregt.

Orgatec 2012 Interview: Michel Charlot über die U-Turn für Belux

13. November 2012

Geht man durch die Vitra Ausstellung auf der Orgatec, kommt man an einem Produkt einfach nicht vorbei. Auf jedem Tisch, in jedem Workbay, in jedem Alcove steht eine Lampe.

Eine Vitra Lampe?

Eigentlich nicht. Eigentlich ist es eine Lampe des Schweizer Herstellers Belux.

Seit 2001 ist Belux jedoch Teil der Vitra Familie und auf der Orgatec 2012 haben sie ihre Familienbeziehung genutzt, um den letzten Neuzugang im Sortiment des Lampenherstellers, U-Turn vom ECAL Lausanne Absolventen Michel Charlot, vorzustellen.

Treue Leser werden sich an unsere totale Begeisterung für die Standing Task Light von Erik Wester erinnern. Das ist eine Lampe, deren Fuß und Schirm durch ein innovatives Kugelgelenk ganz nach Gusto ausgerichtet werden können.

U-Turn von Michel Charlot für Belux erinnert uns stark an die Standing Task Light – nur mit ein paar kleinen Unterschieden. Unterschiede, die so technisch brillant wie poetisch sind und vor allem die Schönheit der Standing Task Light auf eine ganz andere Ebene transportieren.

Bei der U-Turn ist der Lampenkopf durch einen Magnet mit dem Fuß verbunden und kann nicht nur ausgerichtet werden, sondern der Kopf kann auch abgenommen und andersherum wieder aufgesteckt werden. Das Licht kann so nach oben oder unten gerichtet werden. Eine Lampe also, die echte Flexibilität bietet und die Atmosphäre eines Raumes immer wieder neu definieren kann, z.B. indem sie während der Arbeit am Schreibtisch direktes Licht auf die Arbeitsfläche und später, am Abend, angenehmes indirektes Licht nach oben, an die Decke wirft.

Im Moment ist die U-Turn als Schreibtisch-, Hänge-, Wand- und Stehlampe erhältlich, 2013 wird es außerdem eine Klipplampe und eine dimmbare Version geben.

Um etwas mehr über die U-Turn Lampe und ihren Designer herauszufinden, haben wir mit Michel Charlot gesprochen. Als erstes wollten wir wie immer die Hintergründe zum Projekt erfahren….

Michel Charlot: Nachdem ich mein eigenes Studio in Basel eröffnet hatte, kam ich in Kontakt mit Vitra, Belux ist ein Teil von Vitra, die Hilfe bei einem Projekt brauchten und glücklicherweise mich fragten. Sie hatten bereits eine Vorstellung von einer Lampe, die auf einer Kugel und einem Magnet basieren sollte, aber noch funktionierte es nicht und sie wussten nicht, wie sie weitermachen sollten. Es ist die eine Sache eine Idee zu haben, aber eine andere, eine Produktfamilie darum zu entwickeln und dem Ganzen einen eigenen Charakter und eine Identität zu verleihen.

(smow)blog: Und was hast du als erstes getan? Alles über den Haufen geworfen und von vorne begonnen?

Michel Charlot: Mehr oder weniger. Das ursprüngliche Objekt war ziemlich groß, hatte zwei Spots und arbeitete mit einer anderen Technik. Also ja, ich habe so ziemlich alles verändert und was wir jetzt haben, hat nichts mehr mit dem zu tun, was Belux damals hatte. Die Grundidee mit der Kugel und dem Magneten ist die gleiche, aber sonst ist alles neu.

(smow)blog: Als junger, relativ unbekannter Designer zu Unternehmen wie Belux oder Vitra zu sagen “Das ist alles Müll. Wir fangen nochmal von vorne an.” klingt nicht als wäre es so leicht…

Michel Charlot: Es ist natürlich schwierig, wenn man so jung ist und es ist auch schwierig für die Leute, mit denen man zusammenarbeitet. Design und Designentwicklung hat viel mit Vertrauen zu tun und es ist natürlich einfacher Leuten wie Antonio Citterio oder Jasper Morrison zu vertrauen, die mehr Erfahrungen haben. Wenn man noch so jung und unerfahren ist, kann es ziemlich schwierig sein, jemanden von einer Idee zu überzeugen, vor allem dann, wenn sie riskant ist. Aber ich denke, im Design ist es wichtig, dass man Risiken eingeht, weil man nur so zu spannenden Ergebnissen kommt. Glücklicherweise hat mich Belux sehr dabei unterstützt und war offen für die Ideen, die ich in das Projekt eingebracht habe.

(smow)blog: Wie lange hat es gedauert das Design zu überarbeiten?

Michel Charlot: Insgesamt hat es zwei Jahre gedauert. Die Herausforderung in der Lichtindustrie ist, dass sich die Technologie so schnell verändert und man es sich nicht leisten kann, zu lange an einem Projekt zu arbeiten, weil das Risiko besteht, dass z.B. die LED Technologie schon wieder überholt ist, wenn man das Produkt auf den Markt bringt, weil man zu lange gebraucht hat. Aber genau weil es diesen Wandel gibt, haben wir die U-Turn entwickelt, deren LED-Technik in Zukunft angepasst werden kann. Die U-Turn, die man in zwei oder drei Jahren kaufen wird, wird zwar noch die gleiche sein, aber mit der modernsten LED Technik. Das ist eine Möglichkeit den Lebenszyklus eines Produktes zu verlängern.

(smow)blog: Du hast dich einer bereits existierenden Idee angenommen und daraus ein Produkt entwickelt. Bist du mit dem Ergebnis zufrieden?

Michel Charlot: Ja, ich bin sehr zufrieden damit. Die Idee ist sehr simpel und es ist ein stimmiges Objekt. Ein Ziel ist es immer für mich, ein Produkt eindeutig zu gestalten, d.h. im Sinne von “Natürlich sieht es so aus.” oder “Wie könnte es anders sein?”. Ich mag es, wenn Menschen ein Objekt sehen und es “normal” finden. Das ist nämlich gar nicht so leicht zu erreichen, das setzt eine Menge versteckte Arbeit voraus. Um z.B. sicherzustellen, dass sich der Leuchtenkopf geschmeidig über die Kugel bewegt, dann aber an einer Stelle stoppt und nicht verrutscht, war eine Menge Entwicklungsarbeit notwendig.

(smow)blog: Ein Projekt mit Belux ist ein prima Start für dein eigenes Studio. Wie soll es nun weitergehen, können wir mit weiteren Projekten von dir in naher Zukunft rechnen?

Michel Charlot: Ich arbeite zurzeit an einem Projekt mit dem italienischen Taschenhersteller Nava, das eigentlich ein Industriedesignprojekt ist, da es Spritzguss, Schweißen und andere industrielle Verfahren beinhaltet. Mein wahres Interesse gilt dem Industriedesign. Für mich macht der Industrieaspekt ein Projekt zu einer wirklichen Herausforderung, aber auch faszinierend und bereichernd. Viele Designer neigen heutzutage zu handwerklichen Galerieprojekten, aber das ist keine Richtung, die für mich interessant wäre.

(smow)blog: Unsere letzte, unvermeidliche Frage: Die Orgatec ist eine Büromöbelmesse, wie sieht dein Büro aus?

Michel Charlot: Ich habe einen alten Industrie-Tisch, den ich als Schreibtisch aufpoliert habe und ein paar Vitra Stühle von Maarten van Severen. Und hoffentlich werde ich bald eine neue Schreibtischlampe haben!

Orgatec 2012 Michel Charlot U-Turn Belux

U-Turn von Michel Charlot für Belux. Eine Lampe, eine Welt voller Möglichkeiten.

Orgatec 2012 Michel Charlot U-Turn Belux clip

Die Clip Version der U-Turn von Michel Charlot für Belux

Orgatec 2012 Michel Charlot U-Turn Belux workbay

U-Turn von Michel Charlot in Aktion in einem Vitra Workbay

Fritz Haller: Designer eines Systems. Ein Interview mit Georg Vrachliotis

28. September 2012

Man stelle sich einmal vor, man hat seine ganze Karriere dafür genutzt ein modulares Bausystem zu entwickeln. Man stelle sich vor, man hat der Welt damit zu radikal neuen Ansätzen im Konstruktionsdesign verholfen und daran mitgewirkt Computertechnologie in der Architektur anzuwenden. Und dann stelle man sich mal vor, dass einen die meisten Menschen nur in Verbindung mit einem Büromöbelsystem kennen. Dieses Büromöbelsystem hat man irgendwann einmal im Rahmen eines Vertrages für eine Firma, die ihren Sitz in einem kleinen Schweizer Ort hat, entwickelt.

Das System wurde trotz seines bescheidenen Ursprungs zu einem weltweiten Erfolg und einem wortwörtlich universalen, weil einfachen und funktionalen Aufbewahrungsmöbel.

Man stelle sich vor, diese Bekanntheit überschattet alle Bemühungen als Architekt.

Das ist das Schicksal des Schweizer Architekten Fritz Haller.

Wir haben hier schon in aller Ausführlichkeit über das USM Haller Möbelbausystem berichtet. Aber wer in unseren Ausführungen kaum vorkam, ist Fritz Haller mit seiner Architektur. Das liegt vor allem daran, dass es kaum seriöse Quellen zu ihm gibt. Eine vertrauenswürdige Quelle gibt es aber, Dr. Georg Vrachliotis, Vertretungsprofessor für Architekturtheorie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Nach seinem Abschluss in Architektur an der UdK Berlin, studierte Georg Vrachliotis Philosophie an der TU Berlin. Schließlich fand er seine Bestimmung in der Architekturtheorie und hatte verschiedene Positionen an den Universitäten Freiburg, Bremen und Berkeley inne und war Gastdozent für Architekturtheorie an der TU Wien, bevor er an der ETH Zürich seine Promotion über das Thema “Geregelte Verhältnisse. Architektur und Technisches Denken in der Epoche der Kybernetik” (Springer Wien/BewYork, 2011) abschloss. Zurzeit arbeitet er an dem Forschungsprojekt “Fritz Haller als Forscher. Eine Architekturgeschichte der Abstraktion”.

Im März 2012 organisierte Georg Vrachliotis das Symposium “Fritz Haller. Architekt und Forscher” in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Architekturtheorie an der ETH Zürich. Kurz danach trafen wir Georg Vrachliotis, um mit ihm über Fritz Haller, seine Architektur, sein Erbe sowie über die Tatsache, dass Haller vor allem für das USM Haller System Bekanntheit erlangte, zu diskutieren. Anfangen wollen wir aber mit der Frage, wie Georg selbst Fritz Haller “entdeckt” hat….

Georg Vrachliotis: Mein erster Berührungspunkt mit Fritz Haller war, wie für so viele Leute, dieses eine bestimmte Möbelstück, das in der Schweiz geradezu omnipräsent ist. Was mich damals interessiert hat, waren der Mensch und der Architekt  hinter dem Möbel. Fritz Haller war und ist in erster Linie ein Architekt, kein Möbeldesigner, und es war mir sehr schnell klar, dass er so etwas wie ein Rohdiamant der Architekturgeschichte ist. Fritz Haller hatte Kontakt mit Konrad Wachsmann und Charles Eames, er entwickelte verschiedene exzellente Bausysteme und seine eigene Software, die ihm half seine Projekte zu planen. Dennoch verschwand er mehr oder weniger aus der Architekturgeschichte und ich begann mich für ihn zu interessieren.

(smow)blog: Wie hast du dann begonnen diesen rohen Diamanten zu polieren?

Georg Vrachliotis: Anfangs arbeitete ich ziemlich unsystematisch. In den ersten paar Jahren reiste ich alle paar Monate zu ihm nach Hause, woraus eine Serie transkribierter Interviews entstanden ist, aus denen schließlich ein noch relativ unsystematischer, biografischer Text hervorging. Dann übergab Fritz Haller sein Archiv an die ETH Zürich. Dieser Prozess begann vor ungefähr zwei Jahren und ich war von Anfang an darin involviert. Das stellte den Ausgangspunkt für meine systematische Forschung dar.

(smow)blog: “Fritz Hallers Archiv”, das klingt nach einer Herausforderung….

Georg Vrachliotis: …. besonders wenn man bedenkt, dass wir darin Dokumente von 50, 60 Jahren Arbeit haben. Zum Glück ist alles sehr gut organisiert. Fritz Haller war der Designer eines Systems und so entwickelte er natürlich auch ein System für sein Archiv….

(smow)blog: Designer eines Systems ist ein gutes Stichwort. Warum System?

Georg Vrachliotis: Fritz Hallers Systeme sind Antworten auf Fragen, die er sich selbst gestellt hat. Haller hatte immer ein unglaubliches Erkenntnisinteresse an der Architektur. Zentral für ihn ist die Frage, was ein Haus ist; er möchte ein Haus verstehen. Man entwirft etwas, um etwas zu verstehen. Es ging ihm nie um das Objekt als Fetisch. Ihm ging es mehr darum, zu reflektieren, zu reevaluieren und zu erforschen, wie man baut. Er fragte, welche Art von System können wir entwickeln? Dann entstand das Gebäude, dann entwickelte er das System weiter und dann kam das nächste Gebäude und so weiter und so fort. Fritz Hallers Intention war es, wie er sagt, Systeme zu entwickeln, die komplett flexibel sind.

(smow)blog: Eines der flexibelsten seiner Systeme war und ist sein Mini/MidiMaxi Bausystem. Ist das System heute noch relevant oder nur ein nettes historisches architektonisches Artefakt?

Georg Vrachliotis: Obwohl wir in Sachen industrieller Architektur, Energieeffizienz usw. viel, viel weiter sind als damals, ist die Eleganz mit der man das Mini/MidiMaxi System kombinieren kann immer noch relevant, denke ich.

(smow)blog: Wenn wir das richtig sehen, hat Fritz Haller immer nur in der Schweiz gebaut, wir konnten jedenfalls kein Projekt außerhalb der Schweiz finden. Ist das tatsächlich so und wenn ja, weiß man warum? War er nicht daran interessiert in anderen Ländern zu arbeiten oder hat ihn niemand gefragt?

Georg Vrachliotis: Es stimmt, dass all seine Bauten in der Schweiz stehen; warum das so ist, ist allerdings zurzeit noch eine Frage ohne Antwort. Er hat auch an sehr vielen Architekturwettbewerben für Deutschland teilgenommen, jedoch ohne Erfolg. Mir ist nicht ganz klar, warum das so ist, aber ich vermute, dass es etwas mit den Architektur- und Ingenieurkammern zu tun hat. Man müsste dort genau nachforschen, warum Haller in Europa nichts gebaut hat.

(smow)blog: …aber auch in den USA. Fritz Haller verbrachte sechs, sieben Jahre an Konrad Wachsmanns Institut für Bauforschung in Kalifornien, aber hat scheinbar nie etwas gebaut?

Georg Vrachliotis: Während seiner Zeit in Kalifornien hat er sich ausschließlich auf fundamentale Forschungsfragen konzentriert, eine Arbeit, die nur sehr wenig mit Architektur als “Bauen” zu tun hat. Es war reine Geometrie-Forschung, Montageüberlegungen, also wie die einzelnen Elemente zusammengebracht werden könnten. Eine sehr grundlegende Forschung.

(smow)blog: In den späten 1960ern führte Fritz Hallers Forschung ihn dazu eine “Weltraumkolonie”, eine “Weltraumstadt” zu entwickeln. War das nur eine Spielerei oder kann man das als interessante und nützliche Forschung betrachten?

Georg Vrachliotis: Fritz Haller war immer sehr an der Zukunft intressiert, wie unsere Welt in 20, 50 Jahren aussehen wird und wie wir uns darauf vorbereiten können. Er forschte an Themen, wie Überbevölkerung, Ökologie, Infrastruktur oder Kommunikationsnetzwerke. Bezogen auf die Arbeit, die er am MIT für die “Weltraumkolonie” gemacht hat, würde ich sagen, dass es eine systematische und strategische Überlegung war. Fritz Haller war der Meinung, dass man, wenn man an einen Ort wie den Weltraum geht, an dem nichts ist wie auf der Erde und man dort Architektur entwickeln will, mit den gleichen Problemen konfrontiert wird, auf die man auch auf der Erde stößt, nur in extremerer Form. Folglich muss man den Details viel mehr Aufmerksamkeit schenken und man muss z.B. genauer überlegen, was heißt Funktion, was heißt Energie, was heißt Kontext usw. So ist Fritz Haller im Prinzip in den Weltraum gegangen, um besser über die Erde nachdenken zu können.

(smow)blog: Kurz zum Schluss, warum kennen wir Fritz Haller besser für seine Möbel als für seine Gebäude?

Georg Vrachliotis: Fritz Haller verstand einen Architekten nie als Autor, war nie interessiert an den Ideen eines “Autoren-Architekten”. Fritz Haller entwickelte Systeme und nicht Gebäude und letztlich war Fritz Haller anonym, die Antithese des modernen Stararchitekten also. Durch seine Arbeit verschwand der Architekt Fritz Haller und was blieb, war nur die Struktur.

totale stadt Buch-Cover totale stadt 1975 Copyright Fritz Haller gta Archiv ETH Zürich

Fritz Haller "Totale Stadt - ein globales Modell" 1975 (Copyright Fritz Haller /gta Archiv ETH Zürich). So weit weg vom modularen Möbelsystem wie man es sich nur vorstellen kann.

A&W Audi Mentorpreis 2012: Benjamin Hubert

20. August 2012

Benjamin Hubert wurde im Januar mit dem A&W Audi Mentorpreis 2012 ausgezeichnet. Zusammen mit dem A&W Designer of the Year Award präsentiert, kann der Mentorpreis in vielerlei Hinsicht als die Kategorie für “Junge Designer” angesehen werden. Das Interessante am A&W Audi Mentorpreis ist, dass der Gewinner vom A&W Designer of the Year nominiert wird – 2012 war das Patricia Urquiola.

Nach der Preisverleihung trafen wir uns mit Benjamin auf einen kurzen Plausch. Allerdings haben wir es clevererweise irgendwie geschafft, das Interview zu verbummeln und es erst jetzt wieder gefunden. Daher auch der verspätete Post…

Als Absolvent des Industrial and Technology Programms an der Loughborough University fiel uns Benjamin Hubert als erstes durch seine Spinning-Leuchten für &tradition bei CODE10 in Kopenhagen auf; ein Produkt, das unsere Aufmerksamkeit wegen seiner schlichten, unkomplizierten Eleganz auf sich gezogen hat. Als Objekt tun sie zwar nicht sonderlich viel, aber dank ihrer Form und Präsenz sorgen sie dafür, dass man mit sich selbst und der Welt, die einen umgibt, einfach zufrieden ist.

Neben &tradition arbeitet Benjamin Hubert aktuell mit einer beeindruckenden Reihe internationaler Hersteller zusammen, darunter De La Espada, Cappellini und De Vorm, die auch seine geniale Pebble-Serie und seine Pod-Stühle produziert haben. Im April gewann Juliet den Poltrona Frau Centenary Armchair Contest in Mailand und wurde seither von Poltrona Frau übernommen.

Im Januar sprachen wir mit Benjamin Hubert über den A&W Audi Mentorpreis 2012 und seine bisherige Karriere.

(smow)blog: Zunächst erstmal herzlichen Glückwunsch zum Preis! Wie kam es denn dazu?

Benjamin Hubert: Ich bekam eine Mail, in der stand, dass ich den Preis gewonnen hätte…

(smow)blog: …also wusstest du noch nicht mal, dass du überhaupt im Rennen warst?

Benjamin Hubert: Nein. Was eigentlich ganz schön ist. Bei den meisten Preisen weiß man ja vorher schon Bescheid, weil die Leute sichergehen wollen, dass man auch wirklich zur Preisverleihung erscheint, also weiß man im Prinzip schon vorher, was passieren wird. Aber hier bekam ich einfach eine E-Mail aus dem Nichts, die besagte, dass Patricia mich nominiert und gemeinsam mit Audi zum Sieger gewählt hat und ob ich den Preis annehmen möchte. Die Antwort war natürlich ja! Es ist wirklich schön zu wissen, dass Patricia unsere Arbeit zu schätzen weiß. Also ist das alles in allem super!

(smow)blog: Wenn wir das Ganze richtig verstanden haben, hast du dich zuerst mehr auf “industrielle” Projekte konzentriert und erst später damit begonnen, stärker in Richtung Möbel zu gehen…

Benjamin Hubert: Das Studio wurde 2007 eröffnet und in den ersten drei Jahren oder so haben wir hauptsächlich für andere Studios gearbeitet. An den Wochenenden und am Abend beschäftigte ich mich dann mit meinen eigenen Projekten bis ich 2009/2010 einfach in den sauren Apfel biss und meinen “Tagesjob” kündigte, um mich ganz auf meine eigenen Projekte zu konzentrieren. Zuerst ging es dabei hauptsächlich um Leuchten, aber dann kamen immer mehr Möbel dazu. Heute arbeiten wir mit ganz verschiedenen Produkten von Modeaccessoires über Leuchten und Möbel bis hin zu kleinen Installationen, die schon eher in eine künstlerische Richtung gehen. Das ist für mich auch das Tolle am Design: Man kann einfach ganz verschiedene Disziplinen mit einbringen.

(smow)blog: Hattest du eigentlich schon immer den Plan, ein eigenes Studio zu eröffnen, oder…?

Benjamin Hubert: Nein, überhaupt nicht! Ich wollte die Karriereleiter im Corporate Design hinaufklettern, wenn es so was überhaupt gibt, Chef einer Firma werden und alles was dazu gehört. Aber ich glaube, dass ich nach meinem Studienabschluss und als ich meine Abschlussarbeit auf einigen Ausstellungen präsentiert und Salone Milano besucht habe, meine Augen erst für eine Industrie geöffnet habe, der ich mir gar nicht so bewusst war. Ich wusste natürlich, dass es da eine Industrie gab, aber ich war mir überhaupt nicht bewusst, wie groß sie ist, wie viele Möglichkeiten sie bietet und genau das war es, worin ich mich einfach verliebt habe.

(smow)blog: In Anbetracht der Firmen, mit denen du arbeitest, lernst du gerade wahrscheinlich ständig dazu, oder?

Benjamin Hubert: Ja, ständig. Wenn ich in die Fabriken und Werkstätten gehe und sehe wie die Leute tatsächlich Dinge herstellen ist das für mich das Befriedigenste an der ganzen Sache. Die Firmen, mit denen man am besten arbeiten kann, sind die, die offen für neue Ideen und Denkweisen sind und die uns zum Beispiel auch mal ein neues Material vorstellen oder Ideen annehmen, wenn wir ihnen etwas Neues zeigen. So entstehen auch die besten Projekte: In Zusammenarbeit mit den Herstellern und den Werkstätten.

(smow)blog: Kommen wir zurück auf den A&W Audi Mentorpreis. Oscar Zieta, quasi dein Vorgänger, ist ja in der aktuellen Audi-Werbung zu sehen. Wenn sie auf dich zukommen würden, wärst du dann verfügbar?

Benjamin Hubert: Klar, solange ich nichts total Lächerliches machen muss. Wieso nicht?!

benjamin hubert de vorm zurich

Die Pebble-Serie und der Pod-Stuhl von Benjamin Hubert für de vorm. Hier bei Neue Raüme Zurich 2011

benjamin hubert spinning &tradition copenhagen

Unser erster Eindruck von Benjamin Huberts Arbeit. Spinning für &tradition bei CODE10 Kopenhagen

Knax und ZJUP von LoCa. Ein Interview mit Nicolai Sørensen von Studio Harrit & Sørensen

16. August 2012

Wir wollen ja nicht wie Dieter Rams klingen, aber gutes Design muss wirklich nicht kompliziert oder total außergewöhnlich sein. Eines der besten Beispiele dafür ist sicher das Kleiderhakensystem Knax von LoCa. Von Thomas Harrit und Nicolai Sørensen entworfen, könnte die Idee kaum simpler und der Effekt kaum deutlicher sein. Durch den Einbau von selbst einklappenden Metallhaken in ein Stück Holz erhält man eine Garderobe, die fast keinen Platz wegnimmt, selbst wenn sie benutzt wird.

Und nun wollen Studio Harrit & Sørensen die Erfolgsstory des Knax mit ZJUP wiederholen – ein Schuhhaltesystem für die Wand, das weitaus leichter zu benutzen als zu erklären ist. Im Prinzip werden Schuhe mit ZJUP mithilfe einer Kunststoffstange fixiert, die ohne Federn funktioniert und so keinen Druck auf die Schuhe ausübt. Das Wandelement aus Kunststoff hält dabei nicht nur die Schuhe fest, sondern verhindert auch, dass schmutzige und/oder nasse Schuhe mit der Wand in Kontakt kommen. Heraus kommt dabei ein sicheres Verstausystem für Schuhe an einem Platz, der kaum größer ist als der Schuh selbst. Außerdem gibt es dann nichts mehr, worüber man im Flur stolpern kann.

Auf der IMM Cologne haben wir uns mit Nicolai Sørensen getroffen, um kurz über die Entwicklung von Knax, ZJUP und Studio Harrit & Sørensen zu sprechen.

(smow)blog: Wie kam Knax denn eigentlich zustande? Habt ihr LoCa kontaktiert oder sind sie auf euch zugekommen?

Nicolai Sørensen: Damals gab es LoCa noch gar nicht! Deshalb war es eher so, dass Thorkild Lundsgaard, der Gründer von LoCa, auf uns zukam und sagte, er bräuchte einen Kleiderhaken. Knax war 1993 also das erste Projekt, das unser Studio in Angriff nahm.

(smow)blog: Super! Also kamt ihr damals ganz frisch von der Uni…?

Nicolai Sørensen: Nein, nein, wir hatten beide schon drei Jahre in verschiedenen Studios gearbeitet und dann beschlossen, uns zusammen zu tun und ein eigenes Studio zu gründen.

(smow)blog: Hat Thorkild euch dann eigentlich ein Konzept vorgelegt oder konntet ihr entwerfen was ihr wolltet?

Nicolai Sørensen: Er hatte ein paar vage Vorstellungen davon was er wollte und sogar ein eigenes Modell gestaltet, um zu zeigen wie das Ganze mal aussehen könnte. Wir lachen heute immernoch darüber! Es war ganz furchtbar…

(smow)blog: Wie kamt ihr dann, als ihr wusstet wie niedrig die Messlatte lag, auf die Idee, ein Stück Holz aufzuschneiden?

Nicolai Sørensen: Die ursprüngliche Idee kam uns, weil wir beide damals noch in ziemlich kleinen Wohnungen in Kopenhagen wohnten und die Flure dort sehr eng waren. Der Grundgedanke bei Knax ist also, dass es in genau solchen engen Fluren benutzt werden kann, ohne zu viel Platz wegzunehmen oder im Weg zu sein.

(smow)blog: Wie war denn die Entwicklungsphase? Wie lange habt ihr daran gearbeitet?

Nicolai Sørensen: Die Entwicklung hat ungefähr ein Jahr gedauert, aber es wurde im Laufe der Jahre noch mehrmals geändert. Zum Beispiel gab es ursprünglich nur kleine Holzstücke zwischen den Metallhaken, aber nach zwei Jahren haben wir das Ganze so weit abgeändert, dass es aus einem Stück Holz geschnitten werden konnte, so dass die Holzmaserung sich durch das ganze Objekt zieht. Später kam dann noch der Kleiderständer dazu und jetzt haben wir mit ZJUP das erste völlig neue Projekt mit LoCa seit 1993.

(smow)blog: Eine tolle Überleitung, vielen Dank! War es auch hier so, dass LoCa ankam und sagte, wir haben die Kleiderhaken, wir haben die Taschenhaken, und jetzt brauchen wir was wo wir Schuhe aufhängen können, oder…?

Nicolai Sørensen: Wir wollten ja schon seit ungefähr zehn Jahren zusammen mit LoCa einen Schuhhalter entwickeln, konnten uns aber bis jetzt nicht auf eine wirklich gute Idee einigen, die nicht nur Thorkild gefiel, sondern die auch die Leute mögen würden – und natürlich wir selbst. Aber bei ZJUP sind wir zuversichtlich, dass wir das geschafft haben. Das größte Problem beim Verstauen von Schuhen ist ja, dass sie alle verschiedene Größen und Formen haben, also brauchten wir etwas, das alle Arten von Schuhen halten kann. Und ZJUP kann schätzungsweise 95% aller Schuhtypen problemlos halten.

(smow)blog: Noch kurz zum Schluss… Knax war ja euer erstes Projekt und seitdem habt ihr an vielen Projekten in allen möglichen Disziplinen gearbeitet. Welche Art von Arbeit gefällt euch denn am besten? Was findet ihr am interessantesten?

Nicolai Sørensen: Ich finde, die Mischung aus Projekten ist das interessanteste an der ganzen Sache. Aber ich muss auch sagen, dass Knax trotz seines fortgeschrittenen Alters noch immer das wichtigste Produkt ist, das wir haben.

Harrit and Sørensen knax loca

Knax von Harrit & Sørensen für LoCa

Harrit and Sørensen LoCa ZJUP

ZJUP von Harrit & Sørensen für LoCa


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