Konstantin Grcic – Panorama @ Vitra Design Museum

July 29th, 2014

Eines der ersten Telefonate, das Mateo Kries und Marc Zehnter, nachdem sie 2011 die Leitung des Vitra Design Museums übernommen haben, geführt haben, ging an Konstantin Grcic. Es ging dabei um die Möglichkeit einer Ausstellung. Grcic war grundsätzlich offen für die Idee, wollte allerdings keine “statische Ausstellung, die seine Arbeit in der Zeit einfrieren würde, sondern etwas dynamisches.”

Aus diesem “etwas dynamischem” wurde die Ausstellung “Konstantin Grcic – Panorama”, die im Vitra Design Museum in Weil am Rhein, am 21. März 2014 eröffnet wurde.

Konstantin Grcic Panorama Vitra Design Museum Netscape Swings

Die interaktive Installation Netscape von Konstantin Grcic vor dem Vitra Design Museum, Weil am Rhein

Panorama präsentiert in vier thematischen Abschnitten ungefähr 200 Objekte und umfasst eigentlich zwei Ausstellungen in einer. Der erste Teil im Untergeschoss des Museums behandelt Designthemen, die für Konstantin Grcic von besonderer Bedeutung sind, und seiner Meinung nach für uns alle bedeutend sein sollten.

Die Ausstellung wird dabei mit “Life Space”, einem Ausblick auf Konstantin Grcics Überlegungen zu zukünftigen Wohnsituationen, eröffnet, bevor im Abschnitt “Work Space” eine Erforschung von Konstantin Grcics Arbeitsprozess erfolgt. Dieser Punkt behandelt wiederum einerseits eine Diskussion zum Designprozess ganz allgemein und befasst sich andererseits mit der Zukunft urbaner Räume.

Im Obergeschoss befindet sich der mit “Object Space” betitelte zweite Hauptteil der Ausstellung, der detailliert auf Grcics Oeuvre eingeht. Es werden exemplarisch unterschiedliche Arbeiten von Grcic gezeigt, darunter Produkte für so unterschiedliche Hersteller wie Moormann, Magis, ClassiCon und Flos sowie Objekte, die in Kooperationen mit Galerien entstanden sind, und Projekte, die ohne Grcics Münchner Studio wohl niemals zustande gekommen wären. Zudem werden die Arbeiten anderen Objekten gegenübergestellt, die für Konstantin Grcic eine bestimmte Rolle spielen, die ihn z.B. für seine eigenen Arbeiten inspiriert haben.

Die Aufteilung der Ausstellung ist dabei nicht nur eine räumliche und konzeptuelle, sie gibt auch stilistisch unterschiedliche Richtungen vor. Getreu Grcics Motto, “meine Designs geben sich nicht sofort zu erkennen”, ist der Besucher in den ersten drei Abschnitten eher gefordert, eigene Antworten auf die thematisierten Fragestellungen zu finden. Der letzte Abschnitt ist hingegen ganz museale, trockene und oberflächliche Präsentation. So sprechen auch beide, Konstantin Grcic und der Chefkurator des Vitra Design Museums Mateo Kries, vom vierten Abschnitt als einer Ausstellung in der Ausstellung, die sie absichtlich so eingängig und anspruchslos konzipiert haben.

Irgendwie wirkt das auf uns ziemlich ironisch.

Alles in allem ist die Ausstellung eine wunderbare, klar strukturierte Präsentation, die einiges über Konstantin Grcic und seine Art zu arbeiten zu berichten weiß, die wir allerdings, um ehrlich zu sein, nicht wirklich ernst nehmen können – ein Umstand, den wir jedoch absolut gutheißen.

Konstantin Grcic Panorama Vitra Design Museum Object Space

Der Abschnitt Object Space, Konstantin Grcic - Panorama im Vitra Design Museum

Wie schon bei der Ausstellung “Lightopia” war der Platzmangel im Vitra Design Museum für uns das größte Problem. Zwar hält Konstantin Grcic Frank Gehrys Gebäude für eine Herausforderung – es habe Charakter mit seinen groben Ecken – es besteht allerdings auch kein Zweifel an der Tatsache, dass ein Charakteristikum des Vitra Design Museums der Platzmangel ist.

Für die konservativen Ausstellungsformate, wie auch den zweiten Ausstellungsteil “Object Space” mag der Platz ausreichen, ein ambitioniertes Projekt in der Größenordnung von “Panorama” benötigt jedoch eigentlich mehr Raum.

Jeder der vier Abschnitte hätte für sich genommen eine komplette Ausstellung werden können. Wir haben zwar schon Ausstellungen in sehr viel kleineren Räumlichkeiten gesehen, bei “Panorama” hat man aber, auch wenn der Umfang während der Ausstellungsplanung sicher bereits eingegrenzt wurde, ein explizit eingeengtes und unwillkommenes Gefühl. Als wünschten sich alle, man würde doch nur einen Text über die Ausstellung lesen, anstatt den Raum mit seiner Anwesenheit zu überfüllen.

Der Abschnitt “Life Space” beispielsweise hätte eindeutig so präsentiert werden müssen, dass man herumlaufen, alles untersuchen, anfassen und sich auf die Stühle setzen kann, anstatt sich die Ausstellung aus der Distanz von einer der komfortablen Bench B Bänke anzuschauen. Hingegen hätte “Work Space” gewissermaßen Platz zum arbeiten benötigt – die Anordnung  erinnert eher an ein Lager als an eine Werkstatt – eher einschläfernd als dynamisch. Und das liegt nicht daran, dass den Kuratoren keine bessere Lösung eingefallen wäre, der Platzmangel bot einfach keine bessere Möglichkeit, all die Themen unterzubringen.

All das sollte aber nicht für eine Kritik an der Ausstellung selbst gehalten werden!

“Panorama” ist keine Ausstellung, die Konstantin Grcics Arbeit grundsätzlich erklärt. Grcic selbst vielleicht schon, aber nicht seine Arbeit. Allerdings soll das auch gar nicht der Schwerpunkt sein. Die Ausstellung handelt weniger von Konstantin Grcics Arbeit als von ganz grundsätzlichen Fragen zum aktuellen Design und zeitgenössischen Designern.

Konstantin Grcic ist dabei lediglich der Kanal.

Der Begriff “Design” wird heute ziemlich inflationär gebraucht. Es gibt immer mehr “Design”, weil immer mehr Aspekte unseres Lebens als “Design” verstanden, präsentiert und verkauft werden. Folglich sind der Begriff “Design” und die Aufgabe des “Designers” unklar, verworren, widersprüchlich und letztlich bedeutungslos geworden. “Panorama” fokussiert, was Design wirklich ist bzw. was zeitgenössisches Design sein sollte.

Was ist wirklich wichtig für die Wohnräume der Zukunft? Wie können neue Technologien am besten integriert, statt einfach nur angewendet werden? Welche Formen werden neue Technologien ermöglichen? Welche wären wünschenswert und welche sind sinnvoll? Was bedeutet es heute an einem Ort zu “leben”? Was ist Arbeit? Sind wir bereit unsere Privatsphäre für den häuslichen Komfort zu opfern? Wie kann uns Design helfen zu erreichen, was wir wollen und was wir benötigen? Welche Verantwortung haben die Designer innerhalb solcher Prozesse?

Solche Fragen werden auf Schautafeln thematisiert und von Artikeln sowie wissenschaftlichen Arbeiten begleitet, die sich mit verwandten sozialen, kulturellen und ökonomischen Problemen befassen: Können Wüsten die Erde mit Strom versorgen? Ist eine Welt ohne Unternehmen und Fabriken vorstellbar? Was sind die Vorteile des Häuser-Besetzens? …

Die Ausstellung geht weder an einer Stelle sonderlich in die Tiefe noch streift sie alle Probleme des zeitgenössischen Designs oder wirft komplett neue Fragen auf – das ist aber auch nicht das Ziel. “Panorama” ist eine Ausstellung von Konstatin Grcic über Konstantin Grcic bzw. Dinge, die für ihn wichtig sind und über die nachzudenken er anregen will. Diesem Anliegen folgt “Panorama” auf sehr effektive Weise, mit einfachen Mitteln und in einer zugänglichen, aber fordernden Art.

“Panorama” macht dabei absolut deutlich, dass in Zukunft jeder von uns seinen persönlichen Anteil an einer kollektiven Verantwortung akzeptieren werden muss. Verantwortung kann man jedoch erst übernehmen, wenn man seine Umwelt versteht und zu schätzen weiß. Das wird besonders im Abschnitt “Public Space” deutlich, der im größten Raum des Vitra Design Museums präsentiert wird und den eine 30 Meter lange und 4,4 Meter hohe Fantasie-Stadtansicht des Londoner Künstlers Neil Campbell Ross dominiert. Vor dieser Stadtlandschaft sind einige Chair Ones auf  Betonsockeln und Gricics experimentelles Projekt “Landen” von 2007 zu sehen. Dazu kommt ein Zaun, von dem wir dachten, er wäre nur zu Dekorationszwecken installiert, der aber gewissermaßen eine 3D-Erweiterung des Gemäldes ist. Der eigentliche Gedanke dahinter ist allerdings ein ziemlich deprimierendes Klischee. Insofern ignorieren wir den Zaun mal.

Der Fokus des Raumes liegt ohnehin auf der Stadtansicht und den dadurch aufgeworfenen Fragen zum Stand der urbanen Umwelt und ihren Entwicklungen. Auf den Schautafeln wirft Grcic beispielsweise Fragen nach den Besitzverhältnissen urbaner Räume, der Notwendigkeit humaner urbaner Lebensformen und der zukünftigen Fortbewegung in Städten auf. Was erwarten wir von den Städten der Zukunft? Letztendlich haben die Antworten, die jeder für sich auf diese Fragen findet, Auswirkungen auf den Charakter unserer Städte und bestimmen, ob wir in einer Zukunft leben werden, die wir uns gewünscht haben. Wollen wir solche Entscheidungen wirklich Designern überlassen? Wer bezahlt eigentlich Designer?

Konstantin Grcic Panorama Vitra Design Museum Life Space

Life Space. Konstantin Grcic - Panorama, Vitra Design Museum

Konzeptuelle Ausstellungen wie “Panorama” laufen immer Gefahr zum intellektuellen Steckenpferd der Organisatoren zu werden. Die Kuratoren betreiben eine endlose Nabelschau und entwickeln ein großes Konzept aus den edelsten Theorien, gespickt mit Doktrinen und Ideologien, die Massen strömen hinzu und zeigen sich überwältigt vom Glanz des Spektakels. Aber am Ende bleibt nur ein enormer narzisstischer Pomp.

“Panorama” entkommt diesem Schicksal, indem vermieden wird alle Fragen zu beantworten, geschweige denn eine Vision der Zukunft zu präsentieren. Das bleibt Aufgabe der Besucher. “Ich hoffe”, so Grcic, “die Besucher verstehen die Ausstellung als Ausgangspunkt für eine Diskussion und denken darüber nach, was ihnen gezeigt wurde. Und entscheiden dann ob sie mit unseren Anschauungen einverstanden sind oder nicht.”

All das bedeutet natürlich, dass “Konstantin Grcic – Panorama” nichts für einen faulen, verkaterten Sonntagnachmittag ist – jedenfalls nicht die ersten drei Abschnitte. Aber mal ganz im Ernst, wenn man irgendetwas aus dieser Ausstellung mitnehmen möchte, sollte man Zeit und etwas Geistesanstrengung investieren.

Die Ausstellung läuft bis September – also keine faulen Ausreden.

“Konstantin Grcic – Panorama” ist bis Sonntag, den 14. September 2014, im Vitra Design Museum, Charles Eames Strasse 2, 79576 Weil am Rhein zu sehen. Alle Details, wie Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Informationen zum Begleitprogramm sind unter www.design-museum.de zu finden.

Direktorenhaus Berlin: Summer Break VA / Neue Arbeiten

July 26th, 2014

Als wollte die Sommerausstellung 2014 der Berliner Galerie Direktorenhaus unsere These aus dem Post ”5 neue Designausstellungen im Juli 2014“, Juli und August seien eher ruhige Monate in Sachen Design und Architektur, belegen, haben sie ihre aktuelle Ausstellung “Summer Break VA” (Sommerpause verschiedene Künstler) genannt.

“Wir sind nicht da”, scheinen sie damit sagen zu wollen, “wären wir aber da, gäbe es diese Schätze hier zu sehen.”

Direktorenhaus Berlin Summer Break VA Neue Arbeiten Mark Braun Fortune

Fortune von Mark Braun, gesehen bei Summer Break VA / Neue Arbeiten, Direktorenhaus Berlin

Das 2010 gegründete Direktorenhaus Berlin ist in erster Linie ein Ort für zeitgenössische Kunst. Seine Betreiber sind außerdem für das jährliche Illustrative Festival für Illustration und Grafik verantwortlich. Neben dem eher künstlerischen Fokus hat das Direktorenhaus über die Jahre aber auch zahlreiche Ausstellungen kuratiert, die sich zeitgenössischen Produktdesignern widmen, beispielsweise, und vielleicht am bedeutendsten, dem Wiener Studio Vandasye oder dem jungen britischen Designer Benjamin Hubert. Nennenswert ist auch die Ausstellung “Handmade in Germany” von 2012, in der Objekte von 30 Designern und Herstellern präsentiert wurden, deren Arbeiten nach Meinung der Kuratoren nicht nur für qualitativ hochwertige Handwerkskunst stehen, sondern auch für traditionelle Produktionsmethoden bzw. Produktion im kleineren Maßstab anstelle von Massenproduktion.

“Handmade in Germany” stellt auch mehr oder weniger den Kontext der Ausstellung “Summer Break VA / Neue Arbeiten” dar.

Im kommenden Herbst wird “Handmade in Germany” in St. Petersburg, als erste Station auf einer zweijährigen Welttournee, zu sehen sein. Das Direktorenhaus Berlin wird in dem Rahmen Arbeiten von acht mehr oder weniger jungen deutschen Produktdesignstudios zeigen, die, auch wenn sie bei “Handmade in Germany” nicht vertreten waren, den Fokus der Ausstellung unterstreichen, indem ihre Arbeiten zu einem Großteil den Versuch zeigen, zeitgemäße Anwendungen für traditionelle Produktionsprozesse zu finden und traditionelle Formen und Techniken neu zu interpretieren.

Direktorenhaus Berlin Summer Break VA Neue Arbeiten Rejon Armchair Valter

Rejon Armchair und Valter Regalsystem, gesehen bei Summer Break VA / Neue Arbeiten, Direktorenhaus Berlin

Auch wenn insgesamt acht Designstudios bei der Ausstellung vertreten sind, wurde der Löwenanteil der Ausstellung dem Potsdamer Studio Rejon überlassen. Eine Entscheidungen, mit der wir jedoch kein Problem haben.

Wir wissen nicht mehr genau, wann uns zum ersten Mal Arbeiten von Rejon vorgestellt wurden – wahrscheinlich aber im Zusammenhang mit der Studentenausstellung der Fachhochschule Potsdam. Auf jeden Fall haben uns Rejons Arbeiten von Anfang an fasziniert. Mit charakteristischer, fast schon brutalistischer Klarheit in Form und Material strahlen Rejons Arbeiten eine Leichtigkeit, Natürlichkeit und Zugänglichkeit aus, die es schwer machen, ihnen zu widerstehen. Neben Objekten wie “Tischlampe” oder dem “Topfpflanzen Tisch” bietet Rejon Produkte, die neue Perspektiven im Bereich Wohnmobiliar, und damit neue Möglichkeiten bei die Organisation des Wohnraums, eröffnen.

Für alle, die mit Rejon noch nicht bekannt sind, ist “Summer Break VA / Neue Arbeiten” ein hervorragender Ausgangspunkt. Darüber hinaus gibt es bei “Summer Break VA” Arbeiten von Florian Schmid, Daniel Becker, Maria Bruun, Rimma Tchilingarian und den bekannten smow-Blog-Lieblingen Uli Budde, Karoline Fesser und Mark Braun zu sehen. Die Möbel und Accessoires werden auf schöne Weise von den Malereien und Illustrationen des Berliner Künstlers Martin Haake begleitet.

Anders als der Ausstellungstitel vermuten lässt, sind nicht alle Arbeiten gerade neu, die eine oder andere ist sogar wirklich sehr alt. Was die Arbeiten aber verbindet, ist zum einen ihr handwerklicher Ansatz und zum anderen ihre tiefere Bedeutung. Auf den ersten Blick wirken alle Objekte recht simpel, als ginge es allein um ihren visuellen Charme. Auf den zweiten Blick entdeckt man jedoch Objekte, die in ihrer Entstehung, Funktionalität oder ihrem jeweiligen Produktionsprozess den Versuch des Designers offenbaren, den Fokus auf aktuelle Lebensstile, Konsumgewohnheiten und den Umgang mit Ressourcen zu richten.

Mark Brauns Fortune Karaffen beispielsweise sind schamlose Luxusobjekte, die den Besitzer jedoch dazu zwingen, über die Tatsache nachzudenken, dass auch Wasser selbst zunehmend ein Luxusobjekt wird, Mirror Mirror von Maria Bruun erweitert das traditionelle Sichtfeld des Spiegels und animiert seinen Nutzer so dazu, das Gleiche mit dem seinigen zu tun, während Rejon mit dem Fokus auf enge Kooperationen mit lokalen Handwerkern unter Beweis stellt, dass das Beste häufig vor der eigenen Haustür zu finden ist.

Direktorenhaus Berlin Summer Break VA Neue Arbeiten C58 dressing table Florian Schmid All Wood Stool Karoline Fesser

Carla von Florian Schmid - erhältlich bei Zeitraum - und All Wood Stool von Karoline Fesser, gesehen bei Summer Break VA / Neue Arbeiten, Direktorenhaus Berlin

So etwas wie die perfekte Sommer-Designausstellung ist “Summer Break VA / Neue Arbeiten”, weil sie weder zu umfangreich noch  ermüdend ist. In einem Raum, der fast so beeindruckend ist wie die ausgestellten Arbeiten selbst, präsentiert die Ausstellung eher eine Visitenkarte, Zeugnisse, der Designer, anstatt zeitgenössisches Design im Allgemeinen und in aller Tiefe zu untersuchen. Das ist gut so und unserer Meinung nach schließlich auch der Punkt solcher Gruppenausstellungen.

Das einzige Problem ist für uns, dass man die Ausstellung, so wie alle Ausstellungen im Direktorenhaus Berlin, nur nach Vereinbarung besuchen kann. Wir verstehen schon warum, nur denken wir, dass man für eine so leichte Sommerausstellung eine einfachere, sommerlichere Lösung hätte finden können.

“Summer Break VA / Neue Arbeiten” ist noch bis Mittwoch, den 30. Juli im Direktorenhaus Berlin, Am Krögel 2, 10179 Berlin zu sehen.

Alle Details und Kontaktinformationen für Besichtigungstermine sind unter www.direktorenhaus.com zu finden.

Bauhaus Universität Weimar: Summaery 2014

July 24th, 2014

Am Abend des 10. Julis eröffnete die Bauhaus Universität Weimar die 2014er Ausgabe ihrer jährlichen Studentenausstellung Summaery. In Sachen Produktdesign – und das sagen wir ohne böse Absicht – war es nicht die stärkste Summaery. Allerdings gab es einige Projekte, die uns mit dem Gefühl zurückließen, das Geld für die Zugfahrt nicht völlig umsonst ausgegeben zu haben. Diese hier in zufälliger Reihenfolge…

WOob von Lisa Kästner (Entstanden im Rahmen der Klasse: “Machen? – Anschluss 2014″)

Mit dem roten MDF und den kleinen Gummireifen sieht WOob aus, als gehöre er in die Kollektion eines berüchtigten Möbelherstellers aus Aschau im Chiemgau. Aber das ist nicht der Grund, warum er uns so gut gefällt. Momentan sind zahllose Objekte auf dem Markt, die sich als provisorische Tische nutzen lassen. Normalerweise werden diese jedoch an der Wand angebracht. WOob hingegen ist eher eine Art Rollkoffer. Und das bringt zahlreiche Vorteile mit sich. Einerseits lässt sich so ein breiteres Spektrum an Zubehör, wie Lautsprecher, integrieren, andererseits ist WOob nicht nur ein Objekt für kleine Wohnungen, sondern auch der ideale Teilzeit-Arbeitsplatz. In vielen, vor allem neu gegründeten Firmen gibt es Mitarbeiter, die nicht täglich im Büro sind, und dennoch einen Tisch brauchen. Für solche Kollegen ständig einen Tisch frei zu halten, ist in den meisten Fällen Luxus. WOob aber ist auch dann funktional, wenn er nicht als Tisch genutzt wird. An den Tagen nämlich kann er einfach zum Verstauen von Bürobedarf genutzt werden. Treue Leser werden sich vielleicht an das Projekt “Bedcrate” von Jack Brandsma in der Ausstellung “The Gronicles 4″ bei den Passagen Köln 2014 erinnern… Jack Brandsma und Lisa Kästner sollten sich dringend mal miteinander in Verbindung setzten. Ganz im Ernst!

Bauhaus University Weimar Summaery 2014 WOob by Lisa Kästner

WOob von Lisa Kästner, gesehen bei Bauhaus Universität Weimar Summaery 2014

Stance von Zhaowei Jia (“about:form – Porzellan/Funktion/Bedeutung”)

Das Seminar “about:form – Porzellan/Funktion/Bedeutung” hat sich für uns als eine kleine Schatzgrube herausgestellt. Vor allem wegen Projekten wie Stance von Zhaowei Jia. Abgesehen von dem nicht zu bestreitenden ästhetischen Charme der Arbeit, hat das Porzellanmesser etwas wunderbar bösartiges, wenn nicht sogar dadaistisches an sich. Ziemlich einmalig…

Bauhaus University Weimar Summaery 2014 Stance by Zhaowei Jia

Stance von Zhaowei Jia, gesehen bei Bauhaus University Weimar Summaery 2014

Gesten der Esskultur von Irene Nitz (Masterabschlussarbeit)

Projekte, bei denen es um nichts als perfekte Porzellanobjekte geht, waren in den letzten paar Jahren sehr populär. Das Konzept war dabei immer das gleiche; anspruchsvoll entwickelte, standardisierte Perfektion in einer postindustriellen Gesellschaft. Irene Nitz nähert sich dem Thema nun aus einer anderen Perspektive. Einen Großteil des Ressourcenverbrauchs macht das Heizen und Anfeuern von Brennöfen aus. Was würde also passieren, wenn man Objekte brennt, die ineinander gestapelt sind? Das ist zwar möglich, nur wird es laut Nitz grundsätzlich wegen der durch den Herstellungsprozess entstehenden Unregelmäßigkeiten in der Form abgelehnt. Aber was macht das schon? Ressourcen sind begrenzt. Wenn man also mehr Geschirr mit denselben Ressourcen brennen kann, ist das doch eine gute Sache? Müssen wir uns das eigentlich wirklich fragen? Wir hoffen nicht! “Gesten der Esskultur” experimentiert aber nicht nur mit unterschiedlichen Strategien des Brennens, sondern versucht auch die sogenannten Brennhilfsmittel wiederzuverwenden, die im Brennofen das Porzellan stützen, für Ordnung sorgen und die in regelmäßigen Abständen nach dem Brennen entsorgt werden.

Bauhaus University Weimar Summaery 2014 Gesten in der Esskultur by Irene Nitz

Gesten der Esskultur von Irene Nitz, gesehen bei Bauhaus Universität Weimar Summaery 2014

Akustik in biomorphen Formen von Felicia Schneeweis (“about:form – Porzellan/Funktion/Bedeutung”)

Über die Jahre haben wir verschiedene Porzellanlautsprecherprojekte gesehen, aber nie eines, das uns wirklich umgehauen hätte. Felicia Schneeweis’ Hasenohren brachten uns auch nicht gerade zum Ausflippen, aber wir konnten uns gut in die Arbeit hineinversetzen. Wahrscheinlich hält uns nur zurück, dass die Lautsprecher offensichtlich eher für sehr ordentliche Menschen gemacht sind. Nach zwei Wochen im smow Blog Büro wären die Hasenohren so eingestaubt, dass wir genauso gut die Musik vom Nachbarn mithören könnten. Aber für Menschen, die Ordnung halten, keine schlechte Sache.

Bauhaus University Weimar Summaery 2014 Akustik in biomorphen Formen by Felicia Schneeweis

Akustik in biomorphen Formen von Felicia Schneeweis, gesehen bei Bauhaus Universität Weimar Summaery 2014

Torus von Nils Brack (Unabhängiges Projekt)

Fragt man einen Autor nach Tipps für das Schreiben eines Bestsellers, wird er einem zweifellos raten, über etwas zu schreiben, das man kennt. Ideen entwickeln sich leichter aus vertrauten Situationen. In ähnlicher Weise entwickeln auch Studentenprojekte häufig Lösungen für Probleme, die Studenten und ihr Umfeld betreffen – weniger für die großen Probleme der Welt. Was nicht heißen soll, dass Studenten keine exzellenten Arbeiten produzieren könnten. Das stellt Torus sehr eloquent unter Beweis. Im Wesentlichen ist Torus ein System, das ein Bett, während es nicht in seiner eigentlichen Funktion als Schlafplatz genutzt wird, in eine anderweitig nutzbare Fläche verwandelt. Perfekt für Leute, die auf begrenztem Raum leben, wie in Studentenwohnungen also. Um ehrlich zu sein, haben wir Torus in wenigen Stunden, nachdem wir es gesehen haben, im Kopf schon weiterentwickelt, ein ganzes Stück weiterentwickelt. Und das nicht nur in Bezug auf Studentenwohnungen. Wir hoffen Nils Brack erhält die Chance bzw. nutzt die Chance, es uns gleich zu tun.

Bauhaus University Weimar Summaery 2014 Torus by Nils Brack

Torus von Nils Brack, gesehen bei Bauhaus Universität Weimar Summaery 2014

Handwerk Plus von Evelyn Reuß (Bachelorabschlussarbeit)

Grundsätzlich mögen wir weder gestrickte Möbel noch gestrickte Wohnaccessoires. Gestrickt werden sollen unserer Meinung nach einzig und allein Pullover! Projekte wie Iloz Ilots Lucille, ein Makramee Topfpflanzenständer oder Andrea Brenas armgestrickte Objekte sind Ausnahmen. Was uns an Handwerk Plus von Evelyn Reuß so gefällt, ist daher auch weniger die ach so heimelige gestrickte Optik, als die Tatsache, dass Evelyn über dem Experimentieren mit der Form auch angefangen hat, mit den Materialien zu experimentieren. Konkret bedeutet das, was hier aussieht wie modernes Seil, ist tatsächlich Seil, doch mit einem eisernen Kern. Die Sitze haben keine innere Stütze oder Skelettstruktur, die für Stabilität sorgen – die Konstruktion basiert allein auf dem mit Eisendraht gestärkten Seil. Das hat uns natürlich gefallen. Und wir wissen, dass es eine Menge Leute gibt, die auf die Strickoptik stehen… Insofern werden wir in den nächsten Monaten wohl noch mehr von Handwerk Plus zu sehen bekommen. Voraussichtlich unter einem neuen Namen.

Bauhaus University Weimar Summaery 2014 Handwerk Plus by Evelyn Reuß

Handwerk Plus von Evelyn Reuß, gesehen bei Bauhaus Universität Weimar Summaery 2014

Alle Details sind unter www.uni-weimar.de/summaery zu finden.

smow Blog kompakt Berlin Design Week Spezial: Reset Design – New Working Models in der spanischen Botschaft Berlin

July 22nd, 2014

Veranstaltungen wie die Berlin Design Week bieten eine attraktive Plattform für Länder und Regionen, um sich und ihre “Kreativen” zu präsentieren. Manche Ausstellungen machen das ziemlich gut – andere wiederum weniger.

Die Ausstellung “Reset Design – New Working Models”, derzeit in der spanischen Botschaft Berlin zu sehen, gehört eindeutig zur ersten Kategorie.

Die von Marcelo Leslabay kuratierte Ausstellung präsentiert zehn junge spanische Firmen, die alle innerhalb der letzten drei Jahre von Designern gegründet wurden und die nach neuen Möglichkeiten bei der Produktion und Vermarktung ihrer Arbeiten suchen. Wenn man so will, also Firmen, die aus dem Bedürfnis der Designer, sich von der Rolle eines Dienstleisters für die Industrie zu befreien, heraus entstanden sind und die sich statt für die Massenproduktion für kleinere, lokale Produktionen und relativ limitierte Serien entschieden haben.

Marcelo Leslabay bezeichnet diesen Prozess als Post-Handwerkskunst – ein Begriff, der uns gut gefallen hat, auch wenn wir ihm nicht zu hundert Prozent zustimmen würden.

“Reset Design” ist mit einer schönen Mischung aus Möbeln, Lampen, Geschirr und Accessoires mehr eine Vorstellung der Firmen als der Theorie der Post-Handwerkskunst, worunter die Ausstellung jedoch nicht leidet. Durch den Fokus auf die Firmen erfährt man, dass durch Eigenproduktion mehr Freiraum für die Designer entsteht, genau die Ansätze, Materialien und Produktionsmethoden zu realisieren, die ihnen wichtig sind. Das wäre unter einem globalen Hersteller nicht möglich.

Zu den Highlights gehörten für uns die in Valencia ansässige Firma Sagen Ceramics sowie Omelette-de, mit ihrer ansehnlichen Kollektion von Accessoires und Spiegeln, und Raúl Lauri, der unter dem Namen “Decafé” Objekte aus Kaffeesatz kreiert.

Aber wie immer, hört nicht zu sehr auf das, was wir sagen – was wissen wir schon? Schaut es euch selber an!

“Reset Design – New Working Models” ist noch bis Donnerstag, den 31. Juli, in der Kulturabteilung der spanischen Botschaft, Spanien-Kultur, Lichtensteinallee 1, 10787 Berlin zu sehen.

Der Vitra Campus wird erweitert: Vitra Rutschturm und Álvaro-Siza-Weg eröffnet

July 18th, 2014

Im Jahr 2011 haben wir uns über den Zaun beschwert, der den Vitra Campus in Weil am Rhein durchkreuzt und daraufhin einen kleinen Aufruf an Vitras Vorsitzenden Rolf Fehlbaum veröffentlicht: “Herr Fehlbaum, reißen Sie diese Mauer ein!”, forderten wir und schlugen vor, “Oder verschieben sie den Zaun zumindest ein Stück.”

Rolf Fehlbaum hat tatsächlich reagiert, der Zaun wurde ein Stück verschoben. Danke!

Allerdings hat der weise Rolf Fehlbaum gleich etwas weiter gedacht und die Gunst der Stunde genutzt, und vom portugiesischen Architekten Álvaro Siza einen Weg zwischen VitraHaus und Zaha Hadids Feuerwehrhaus entwerfen lassen. Vor allem aber hat er den gewonnenen Platz für eine Installation von Künstler Carsten Höller genutzt. Versöhnlicherweise steht da, wo früher ein hässlicher Zaun die Sicht versperrt hat, jetzt ein Aussichtsturm – genauer der Vitra Rutschturm. Und der macht seinem Namen wirklich alle Ehre.

Vitra Campus Vitra Slide Tower

Der Zaun ist weg! Im Hintergrund der dafür entstandene Vitra Rutschturm

Die Entscheidung Álvaro Siza für die Gestaltung des neuen Weges anzufragen, fiel laut Fehlbaum nicht zufällig, sondern hing mit früheren Landschaftsprojekten Sizas, wie dem Swimmingpool Komplex in Leca da Palmeira und dem Museum für zeitgenössische Kunst in Santiago de Compostela, zusammen.

Der ungefähr 500 Meter lange, kurvenreiche Weg in die westliche Ecke des Vitra Campus ist gesäumt von Hainbuchenhecken. Die geordnete Reihe öffnet sich gelegentlich hin zu grünen Plätzen und gibt den Blick auf den Vitra Campus sowie Sitzbereiche mit Granitbänken frei. Der Álvaro-Siza-Weg kreuzt dabei Renzo Pianos Diogene und den neuen Vitra Rutschturm, bevor er durch eine schmale Lücke in einer Stein- und Granitmauer führt, von der aus man schließlich freie Sicht auf das Feuerwehrhaus hat.

Es handelt sich also tatsächlich nur um einen Weg – eine Strecke, die A mit B verbindet. Und die Frage, warum man dafür einen Pritzker-Preisträger engagiert, ist durchaus berechtigt.

Nun ja…

Álvaro Siza hat natürlich nicht einfach nur einen “Weg” entworfen. Auf einem einfachen Weg geht man entlang, als wäre es eine lästige Pflicht, die man erfüllen muss, um sein Ziel zu erreichen. Bei Sizas Weg sollte man gerade diese Orientierung auf das Ziel mal hinten anstellen und sich stattdessen auf seine Umgebung einlassen. Den Weg das Ziel sein lassen. Was man auf diese Weise entdecken wird, ist, dass sich Architektur und Natur nicht mühelos miteinander verbinden, sondern in Konkurrenz zueinander stehen. Natur und Architektur müssen ihre Position jeweils gegeneinander behaupten – und zeigen sich dadurch von ihrer besonders charmanten Seite.

Vitra Campus Vitra Slide Tower

Der Blick vom Vitra Rutschturm

Im Gegensatz dazu fügt sich Carsten Höllers Vitra Rutschturm ganz ohne jede Anstrengung in das Ensemble des Vitra Campus ein. Mit seinen ungefähr dreißig Metern Höhe ist er keine sonderlich attraktive Konstruktion und versprüht in ästhetischer Hinsicht ungefähr den Charme eines Strommastens. Allerdings strahlt der Rutschturm dabei eine gewisse Mischung aus Trash und amerikanischer 50er-Jahre-Nostalgie aus. Wir würden nicht gleich vom neuen Las Vegas in Weil am Rhein sprechen, aber wenn nachts die riesige, sich drehende Uhr leuchtet, hat der Rutschturm etwas zufriedenstellend Kitschiges. Ungefähr wie das erste Album der Manic Street Preachers… Wahrscheinlich sollte uns der Rutschturm eher an russische konstruktivistische Architektur wie den Tatlin-Turm erinnern, was er in gewisser Weise auch tut, aber vor allem…

Die äußere Erscheinung des Turms ist letztendlich aber auch zweitrangig. Was zählt, ist die Funktion. Die Idee zum Turm wurde durch Rolf Fehlbaum angestoßen, der darüber nachdachte, wie sich mehr Kunst auf dem Vitra Campus integrieren ließe. Ein Skulpturengarten missfiel ihm und schließlich schlug ihm die Kuratorin Theodora Vischer vor, bei Carsten Höller anzufragen. Von Carsten Höllers Ideen begeisterte Rolf Fehlbaum das Konzept eines Turms mit Rutsche am meisten, da die Installation zwar ein Kunstwerk ist, dabei aber architektonische und spielerische Elemente miteinbezieht. Und da schon Charles Eames dazu riet, “unser Vergnügen ernst zu nehmen”… Die 38 Meter lange mit Plexiglas überdachte Rutsche macht’s möglich! Und von der Aussichtsplattform aus lässt sich ganz in Ruhe das herrliche Panorama von Weil am Rhein, Basel, dem Tüllinger Hügel und natürlich vom Vitra Campus genießen.

Alles in allem also eine exzellente Erweiterung des Vitra Campus und eine Installation, die den Besuchern ganz neue Dimensionen eröffnet.

Der Álvaro-Siza-Weg ist für alle rund um die Uhr zugänglich und der Vitra Rutschturm täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, allerdings sollte man sich darauf einstellen, seinen Kindern erklären zu müssen, dass die Benutzung erst für Kinder ab sechs Jahren und 1,30 Metern erlaubt ist.

Neben diesen Neuheiten zeigt das Vitra Design Museum in der Vitra Design Museum Gallery derzeit außerdem die Ausstellung “Álvaro Siza – Visions of the Alhambra“, die bereits im Aedes Architekturforum Berlin zu sehen war. Interessierte Leser verweisen wir also auf unseren früheren Post zur Ausstellung. Und bis zum 14. September ist die Ausstellung “Konstantin Grcic – Panorama” im Vitra Design Museum zu sehen.

 

Wilhelm Wagenfeld: Die Form ist nur Teil des Ganzen, Wilhelm Wagenfeld Haus Bremen

July 16th, 2014

“Der Zweck eines Objektes ist zweitrangig”, behauptete der deutsche Designer und Künstler Wilhelm Wagenfeld, “der Gebrauch ist allerdings viel relevanter, er beschreibt die vielfältige Beziehung zwischen Individuen und den Objekten, von denen sie umgeben sind. Aus dem Gebrauch heraus entwickelt sich Kultur, die Überwindung einer vermeintlichen Daseinsberechtigung.”1

Um ihren zwanzigsten Geburtstag zu feiern, zeigt die in Bremen beheimatete Wilhelm Wagenfeld Stiftung derzeit die Ausstellung “Die Form ist nur Teil des Ganzen”. Eine Ausstellung, die nicht nur zeigt, wie Wilhelm Wagenfeld mit der Herausforderung umging, “brauchbare” Objekte zu entwerfen, sondern die vor allem auch klar macht, dass Wagenfelds Arbeit, oder zumindest ein Großteil davon, heute ebenso zugänglich und zeitgenössisch ist wie damals – weil sich Wilhelm Wagenfeld dieser Herausforderung eben immer wieder mit großem Geschick stellte.

Wilhelm Wagenfeld Die Form ist nur Teil des Ganzen Wilhelm Wagenfeld Haus Bremen Biography

Wilhelm Wagenfeld: Die Form ist nur Teil des Ganzen im Wilhelm Wagenfeld Haus Bremen

Der am 15. April 1900 in Bremen geborene Wagenfeld wurde zunächst beim Bremer Silberschmied Koch & Bergfeld zum technischen Zeichner ausgebildet, absolvierte seine Ausbildung zum Silberschmied dann aber in Hanau. Im Jahr 1923 trat er der Metallwerkstatt des Bauhauses Weimar bei und zog anschließend mit dem Institut nach Dessau um, wo er 1926 als Assistent eingestellt und 1928 zum Werkstattleiter ernannt wurde. Im Jahr 1930 verließ Wagenfeld das Bauhaus und begann für eine Reihe von Industrieunternehmen als freischaffender Designer und Berater zu arbeiten, so z.B. für das Jenaer Glaswerk Schott, für Rosenthal und für die Vereinigten Glaswerke in Weißwasser – dort leitete er die Kreativabteilung während der Kriegsjahre. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog Wagenfeld nach Stuttgart, wo er u.a. zusammen mit WMF und Lindner arbeitete, zudem aber auch seine eigene experimentelle Werkstatt, die Werkstatt Wagenfeld, eröffnete. Neben seiner Tätigkeit als Designer war Wagenfeld auch als Autor tätig. Er war Mitbegründer des Designmagazins Form, war ein aktives und lautstarkes Mitglied des Deutschen Werkbundes und unterrichtete an der Hochschule für bildende Künste Berlin. Wagenfeld starb am 28. Mai 1990 in Stuttgart.

Mit “Die Form ist nur Teil des Ganzen” will die Wilhelm Wagenfeld Stiftung unter Leitung der Stiftungsdirektorin Beate Manske ein neues Bild von Wilhelm Wagenfeld zeichnen, indem seine Arbeit in einem neuen Licht betrachtet wird. “Bisher haben wir nur Ausstellungen gezeigt, die einen Überblick zu Wagenfelds Oeuvre präsentierten”, erklärt Frau Manske, “sie lieferten allerdings keine tiefgründigeren Antworten auf die Frage, warum Wagenfeld ‘tat, was er tat’. So konnte man nicht gänzlich nachvollziehen, wie Wagenfeld dachte und warum er letztlich einer von Deutschlands erfolgreichsten Produktdesignern wurde.”

Um dem ein Ende zu setzen, präsentiert die Stiftung Wagenfelds Werk anhand von fünf Themenabschnitten. Die Abschnitte “Gebrauch”, “Veränderung des Zeitgeschmacks und Formgebung”, “die Wagenfeld Werkstatt”, “Zusammenarbeit in Fabriken” und “technische Innovation”  werden jeweils mit relevanten Beispielen von Wagenfelds Arbeit illustriert, dazu kommen originale Skizzen, Prototypen und die Präsentation verschiedenster Entwicklungsphasen von Produkten und Produkttypen. Ein letzter Abschnitt zeigt einen sehr knappen Überblick über Wagenfelds Oeuvre. Dort sind Objekte zu sehen, die während seiner Zeit am Bauhaus entstanden sind und Arbeiten aus seinen kommerzielleren Projekten, die er für einige seiner wichtigsten Klienten, wie die Vereinigten Lausitzer Glaswerke, WMF, Rosenthal und das Jenaer Glaswerk Schott entwickelte.

Neben bekannten Wilhelm Wagenfeld Klassikern wie der Bauhaus Lampe, der Jenaer Glas Teetasse oder dem “Kubus Geschirr”-System zeigt die Ausstellung auch eine Reihe von Stücken, die so banal wie faszinierend sind. Dazu gehört beispielsweise eine Bowleschüssel, die über einen mittigen Glashohlraum verfügt, in den Eis gefüllt werden kann, um die Bowle zu kühlen. Da Eis und Bowle getrennt sind, kann das geschmolzene Eis die Bowle nicht verwässern, und wenn das Eis geschmolzen ist, kann es einfach durch neues ersetzt werden – ziemlich genial! Weitere Ausstellungsstücke sind z.B. Tintenfässchen, eine Apfelreibe, ein Senfbecher mit integriertem Löffel und zahllose Butterdosen. Wie gesagt: banal, aber faszinierend.

Eines der verblüffendsten Objekte der Ausstellung ist “Combi”, eine Verbindung aus Plattenspieler und Radio, die Wilhelm Wagenfeld 1955 für Braun entwickelt hat. Einem Zitat von Erwin Braun in der Ausstellung zufolge war Combi für ihn und seinen Bruder Arthur Braun “die erste Lektion im Produktdesign”. 1956 brachte Braun dann den heute als Klassiker, wenn nicht sogar Ikone geltenden SK4 Platten-/Radiospieler von Hans Gugelot und Dieter Rams raus. Hätten die Brauns beschlossen, bei ihrer “ersten Lektion” – und Wagenfelds Design – zu bleiben, wäre die Geschichte des deutschen Nachkriegsdesigns wohl völlig anders verlaufen. Und wahrscheinlich würden auch iPads ganz anders aussehen.

Wilhelm Wagenfeld Die Form ist nur Teil des Ganzen Wilhelm Wagenfeld Haus Bremen Bauhaus

Produkte aus Wilhelm Wagenfelds Zeit am Bauhaus

Was einem in der Ausstellung sofort auffällt, ist die berühmte, fast schon klischeehafte Unscheinbarkeit der Mehrheit von Wagenfelds Arbeiten. Das Geheimnis, mit dem Wagenfeld zu dieser “Weltlichkeit” fand, ist die Hingabe und Aufmerksamkeit, mit der er seine Produkte entwickelte. Damit ist nicht nur die handwerkliche Herstellung gemeint, sondern vor allem auch Wagenfelds Beobachtungen der Menschen. Er studierte, wie die Menschen Objekte benutzen und überlegte, wie sich die Art und Weise des Gebrauchs in Zukunft ändern würde. Diese Hingabe und Aufmerksamkeit führte gewissermaßen dazu, dass einem die Objekte nicht weiter auffallen, weil sie einfach so natürlich wirken. Für Wilhelm Wagenfeld waren Überlegungen zum Erreichen dieser Unauffälligkeit immer ein Ausgangspunkt in seinem Designprozess. Diese Gedanken formten auch während seiner ganzen Karriere Wagenfelds Verständnis von einer Verantwortung des Designers.

“Die Form ist nur Teil des Ganzen” macht das sehr deutlich.

Was der Ausstellung nicht so gut gelingt, ist die Person hinter dem Designer zu zeigen. Es wird nicht tiefergehend untersucht, was Wilhelm Wagenfeld antrieb. Dieser Punkt wäre unserer Meinung nach aber ebenso wichtig in einer Ausstellung, die sich vorgenommen hat, den “inneren Kern” zu erforschen. Einige Aspekte werden zwar kurz angeschnitten, allerdings bleibt die Person Wilhelm Wagenfeld hinter dem Designer bzw. dem Künstler Wilhelm Wagenfeld verborgen. Letztendlich kann aber auch nicht eins vom anderen getrennt werden. Person und Künstler haben sich natürlich gegenseitig beeinflusst. Vergessen werden darf auch nicht, dass Wilhelm Wagenfeld während einiger aufregender, turbulenter und wichtiger Abschnitte in der politischen, kulturellen und sozialen Geschichte Europas aktiv war. Es wäre gut zu wissen, wie sich das auf seine Arbeit auswirkte.

Gerade inspirierend ist die Ausstellung zudem auch nicht. Zumindest nicht von Anfang an.

Kurz gesagt präsentiert die Ausstellung Objekte in Glasvitrinen, beleuchtet von LED Spots, und all das in weißen Räumen. Ein Ausstellungskonzept, das den Objekten ihren Nutzen, den Wagenfeld ihnen so umsichtig verliehen hat, völlig entzieht, und den Eindruck hinterlässt, dass die Form tatsächlich nur ein Teil des Ganzen ist. Aber um fair zu sein – die Präsentation einer Sammlung, die zum Großteil aus Glas und Keramik besteht, wird wohl immer eine kuratorische Herausforderung sein. Zudem muss man sagen, und das ist nur gut gemeint, dass das Wilhelm Wagenfeld Haus nicht besonders geeignet als Museum ist. Die Räume sind zu steril, zu stickig und die Raumaufteilung und Architektur ist so angelegt, dass man fortwährend das Gefühl hat, sich durch einen Flur zu bewegen. Man hat einfach nicht das Bedürfnis, sich in den Räumen länger als irgend nötig aufzuhalten.

Lasst euch aber bitte nicht von dem trockenen Ausstellungsformat abschrecken. “Die Form ist nur Teil des Ganzen” ist eine wohlüberlegte und gut durchdachte Ausstellung, die bestimmte Aspekte von Wilhelm Wagenfelds Arbeitsansatz sehr gut darstellt und erklärt. Das tut die Ausstellung, ohne den Besucher zu überfordern, und wirkt dabei als eine Art Leitfaden, der erklärt, wie man Produkte entwirft, die ihren Charme, ihren Reiz und vor allem ihren Nutzen über Generationen hinweg beibehalten.

“Wilhelm Wagenfeld: Die Form ist nur Teil des Ganzen” ist bis zum 28. September im Wilhelm Wagenfeld Haus, Am Wall 209, in 18195 Bremen zu sehen.

Alle Details, wie Öffnungszeiten und Ticketpreise sind unter www.wwh-bremen.de zu finden.

1. nicht hinterlegtes Zitat aus der Ausstellung

 

Forschungsprojekt B10 in der Weißenhofsiedlung – Stuttgart zeigt zum 2. Mal die Zukunft des Wohnens

July 14th, 2014

Bereits im Jahr 1927 hatte die Stadt Stuttgart mit der Bauausstellung des Deutschen Werkbundes auf der Weißenhofsiedlung eine zentrale Rolle in der Entwicklung des modernen Wohnbaus. Die damals beteiligten Architekten, wie Le Corbusier, Ludwig Mies van der Rohe und Walter Gropius, gelten ebenso wie der Begriff “Weißenhofsiedlung” bis heute als Synonyme für die Moderne in Deutschland.

In diesem Jahr wird die Geschichte der Weißenhofsiedlung mit dem Energie-Musterhaus des Architekten Werner Sobek “B10“ weitererzählt. Inmitten der geschichtsträchtigen Lage, am Bruckmannweg 10, wird momentan ein 85 qm großes energieeffizientes und CO2-neutrales Wohnhaus gebaut. Seit der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg stand das Grundstück leer.

Das vom Land und diversen Stiftungen unterstützte Projekt wurde von Werner Sobek und der Fertigbaufirma Schwörer-Haus konzipiert. Zentral für das Konzept ist, dass das Gebäude 200 Prozent des eigenen Energiebedarfs erzeugen und damit das benachbarte Haus von Le Corbusier sowie zwei Elektrofahrzeuge mitversorgen wird. Eine weitere Besonderheit des 15 auf 6 Meter großen Hauses ist, dass es zu 100 Prozent recycelbar ist.

Sobek hatte bereits 1999 mit seinem privaten Wohnhaus “R128″ in der Römerstraße 128 an der Stuttgarter Weinsteige gezeigt, wie sich ein emissionsfreies Nullenergiehaus realisieren lässt. Mit dem zukunftsweisenden Konzept des „B10“ soll nun auf der Weißenhofsiedlung ein weiteres Mal gezeigt werden, wohin die Entwicklung des Wohnbaus gehen kann.

Das Wohnhaus soll nach seiner Fertigstellung ein Jahr lang öffentlich zugänglich sein, danach für ein weiteres Jahr von zwei Studenten bewohnt und anschließend wieder abgebaut werden.

Es ist also wohl mal wieder Zeit für uns, einen Abstecher nach Stuttgart zu machen… Wir halten euch auf dem Laufenden!

B10 by Werner Sobek

Forschungsprojekt B10 von Werner Sobek in der Weißenhofsiedlung Stuttgart

smow Blog kompakt Spezial: Berlin Design Week – Pepe Heykoop & Tiny Miracles Foundation in der DAD Galerie Berlin

July 12th, 2014

Ganz im Sinne des diesjährigen Schwerpunkts beim DMY Berlin 2014, “Social Design”, präsentierte die DAD Galerie Berlin eine Ausstellung, die sich den Arbeiten des dänischen Designers Pepe Heykoop widmet, die im Zusammenhang mit der in Mumbai ansässigen Tiny Miracles Stiftung entstanden sind.

Die 2010 von Laurien Meuter gegründete Stiftung arbeitet mit der Pardeshi Gemeinde, in der ungefähr 700 Menschen leben, die ein hartes Leben in Mumbais Rotlichtbezirk führen, zusammen und leitet eine Reihe von Projekten mit dem Ziel, die Gemeinde aus ihrer extremen Armut zu führen.

Um ihr bei der Umsetzung dieses Ziels behilflich zu sein, hat Laurien Meuter ihren aus Amsterdam stammenden Cousin, den Design Acadamy Eindhoven Absolventen Pepe Heykoop, engagiert. Er sollte der Stiftung helfen, Projekte zu entwickeln, die Einkommen generieren. Das Ziel waren also Produkte, die die Gemeinde selbst herstellen und verkaufen kann.

Eine Auswahl dieser Produkte wurde in der DAD Galerie Berlin gezeigt und konnte dort erworben werden.

Das bekannteste von Pepe Heykoops Mumbai Projekten ist wahrscheinlich das “Paper Vase Cover”, ein Bogen Papier mit einer eingestanzten Dreiecksstruktur. Der Bogen kann durch die komplexe Einstanzung so gefaltet werden, dass er um jede Flasche passt und so besagte Flasche in eine ansehnliche, individuelle Vase verwandelt. Zusätzlich zeigte die DAD Galerie Berlin Prototypen einer geplanten Papierlampenserie, die Pepe Heykoop bereits in Mailand vorstellte, sowie die Matka Vase als Weiterentwicklung aus der Skin Collection von 2011. Die Matka Vase besteht aus ausgedienten Wasserkanistern aus Metall, die mit Resten der lokalen Lederindustrie bedeckt sind, und gehört damit zu der Art von Objekten, die, um es mal mit den Worten der Ausstellung “Konzepte der Umnutzung” im Werkbundarchiv zu sagen, Wertloses in Wertvolles verwandeln.

Mindestens genauso wichtig wie die Arbeiten selbst ist aber, dass für die Pardeshi Gemeinde Einkommen generiert wurde, dass das Projekt also tatsächlich etwas bewirkt. Einige Fotografien und ein kurzes Video lieferten genauere Informationen zum Hintergrund der Pardeshi Gemeinde, der Tiny Miracles Stiftung und zur Herstellung der Produkte.

Horgenglarus: ess.tee.tisch von Jürg Bally in der Werkbund Galerie Berlin

July 11th, 2014

Die Werkbund Galerie Berlin präsentiert derzeit eine Ausstellung, die sich ganz dem ess.tee.tisch t-6500 des Schweizer Herstellers Horgenglarus widmet. Der ursprünglich 1951 von Jürg Bally entworfene ess.tee.tisch ist ein höhenverstellbarer Tisch, der durch einen genial simplen Mechanismus angetrieben wird, und 1955 für die Kombination aus praktischem, funktionalem und ästhetischem Charme mit dem Gute Form Preis durch den Schweizer Werkbund ausgezeichnet wurde.

Die Ausstellung in Berlin zeigt eine überarbeitete Version des Originals von Bally, die vom in Zürich ansässigen Designer und Ingenieur Daniel Hunziker entworfen, oder besser gesagt herausgegeben wurde. Den Reiz des Originals behält die Neuauflage bei, zeichnet sich jedoch durch eine langlebigere und stabilere Konstruktion aus.

Neben der Präsentation zweier Beispiele des ess.tee.tisches t-6500 und Fotografien, die die Essenz der Arbeit einfangen, ist das eigentliche Highlight der Ausstellung die detaillierte Dokumentation, die mittels eines informativen Kataloges den Hintergrund der Objekte erklärt sowie den Designer Jürg Bally vorstellt.

“ess.tee.tisch von Jürg Bally” ist in der Werkbund Galerie Berlin, Gorthestraße 13, 10623 Berlin bis Dienstag, den 3. Juni zu sehen.

ess.tee.tisch t-6500 by Jürg Bally updated by Daniel Hunziker through Horgenglarus at Werkbund Berlin Galerie

ess.tee.tisch t-6500 von Jürg Bally: Überarbeitete Version von Daniel Hunziker über Horgenglarus bei einer Ausstellung in der Werkbund Galerie Berlin

ess.tee.tisch t-6500 by Jürg Bally updated by Daniel Hunziker through Horgenglarus at Werkbund Berlin Galerie

ess.tee.tisch t-6500 von Jürg Bally: Überarbeitete Version von Daniel Hunziker über Horgenglarus bei einer Ausstellung in der Werkbund Galerie Berlin

ess.tee.tisch t-6500 by Jürg Bally updated by Daniel Hunziker through Horgenglarus at Werkbund Berlin Galerie

ess.tee.tisch t-6500 von Jürg Bally: Überarbeitete Version von Daniel Hunziker über Horgenglarus bei einer Ausstellung in der Werkbund Galerie Berlin

smow Blog kompakt Spezial: Berlin Design Week – Werkschau Sebastian Herkner bei Rosenthal Berlin

July 9th, 2014

Seit den späten 1950er Jahren hat der bayrische Porzellanhersteller Rosenthal mit einer beeindruckenden Liste internationaler Designer zusammengearbeitet, um neue Objekte und Produktfamilien zu entwickeln. Zu den bedeutendsten Kooperationen gehören unter anderem die mit Raymond Loewy, Walter Gropius, Wilhelm Wagenfeld, Jasper Morrison und Patricia Urquiola.

Eine der aktuellsten Kollaborationen ist die mit dem in Offenbach ansässigen Designer Sebastian Herkner.

Herkner, Absolvent der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main, gründete 2006 sein eigenes Studio und entwickelte dort neben seinem gefeierten Bell Coffe Table, Bell Side Table und der Bell Light Kollektion über ClassiCon auch Projekte für so verschiedene Hersteller wie Moroso, Pulpo, Böwer und La Chance.

Die Zusammenarbeit mit Rosenthal ist Herkners erster Ausflug in die Welt des Porzellandesigns. Die Resultate sind momentan in einer Ausstellung im Rosenthal Flagship-Store in Berlin zu sehen. Das mediale Highlight der Kooperation ist ohne Frage die Vasenserie Collana. Mit einer Kombination aus Glas und Porzellan hat Herkner Objekte kreiert, die zwar zunächst ziemlich dekadent wirken, schließlich aber durchaus unaufdringlich sind. Sie funktionieren als skulpturale Objekte wie auch als Vasen. Falda, der Collana Familie sehr verwandt, ist ein ähnliches Objekt. Nur das hier der unaufdringliche Charakter einer sehr viel pompöseren Dekadenz gewichen ist, indem Herkner einen goldenen “Kragen” in die Vase integriert hat. Um die Tradition zu wahren, hat Herkner seine Kooperation mit Rosenthal durch das Teeservice Wan abgeschlossen. Dieses verbindet wie auch seine anderen Designs Glas und Porzellan miteinander.

Neben Herkners Arbeiten für Rosenthal zeigt die Berliner Ausstellung auch weitere Beispiele aus Herkners Arbeit, beispielsweise den schon erwähnten Bell Table, den Unam Chair für Very Wood by Gervasoni oder den Container für Pulpo. Da die Objekte als fertige Produkte sowie in Form von Entwürfen und Prototypen gezeigt werden, erlaubt die Ausstellung einen tieferen, wenn auch allzu kurzen Einblick in die kreativen Prozesse von Sebastian Herkner.

“Werkschau Sebastian Herkner” ist bis Samstag, den 28. Juni, bei Rosenthal, Kurfürstendamm 200, 10719 Berlin zu sehen.