smow Bücherregal: A Taxonomy of Office Chairs von Jonathan Olivares

September 26th, 2014

Wie wir schon vor kurzem festgestellt haben, neigt sich der Sommer so langsam seinem Ende zu und anstatt langer sonniger Tage im Garten oder am See erwarten uns nun lange dunkle Tage, die wir in Bürostühlen zubringen werden. Aber mit dem Herbst 2014 kommt  auch die Orgatec auf uns zu. Also Europas größte Messe für Büromöbel und zwangsläufig eine große Flut “neuer” Bürostuhl-”designs”.

Folglich sollte es keine große Überraschung sein, dass wir kürzlich unsere Ausgabe von Jonathan Olivares “A Taxonomy of Office Chairs” aus dem smow Bücherregal gezogen haben.

Der 2011 veröffentlichte Band “A Taxonomy of Office Chairs” zeigt die Entwicklung der Bürostühle seit den 1840er Jahren auf und präsentiert, wie es der Titel schon vermuten lässt, eine Klassifikation des gesamten Möbeltyps.

Den Anfang macht dabei ein lockerer, sehr unterhaltsamer Bummel durch die Geschichte der Bürostühle, dem ein chronologischer Katalog der etwa 130 im Buch vertretenen Bürostühle folgt. Schließlich kommt der Band zum Kern der Sache, der Klassifikation – oder besser gesagt den Klassifikationen. Denn während  Pflanzen, Tiere oder Fadenwürmer das Resultat einer kontinuierlichen unbewussten Evolution sind, die zu großen Teilen von Umwelt- und Verhaltensfaktoren abhängig ist, ist der Bürostuhl eine künstliche Konstruktion, die aus zahlreichen, jeweils sehr bewusst gewählten Elementen besteht, von denen jedes über eine eigene Klassifikation verfügt.

Und Jonathan Olivares führt uns durch die Klassifikationen der Kopfstützen, Armlehnen, Lendenstützen etc. pp.

A Taxonomy of Office Chairs Jonathan Olivares Phaidon Press 

A Taxonomy of Office Chairs von Jonathan Olivares (Phaidon Press)

Leider ist es mit den Klassifikationen, und jeder Biologe wird einem das bestätigen, so eine Sache. Sie sind einfach phänomenal komplex und ebenso phänomenal langweilig!

Jonathan Olivares bestätigt das gewissermaßen stillschweigend in seiner Einleitung, wo er erwähnt, dass er beschlossen hat, Muttern, Schrauben, Textilien, Schaltknöpfe und Federspiralen zu ignorieren. Dadurch lässt er sich nicht nur auf die gleichen Zugeständnisse und Verallgemeinerungen wie alle Systematiker ein, um eine gewisse Kontrolle über den sich ausdehnenden Bereich zu behalten, sondern bewahrt die Leser auch vor akuter Narkolepsie.

Vor welchem Schicksal wir und wohl auch Jonathan Olivares bewahrt wurden, lässt sich im Bereich “Bodenkontakt” erahnen – ist es relevant, dass der Herman Miller Stuhl Aeron von 1994 der Erste war, dessen Bodengleiter mithilfe eines aus Spritzguss hergestellten Nylonsteckers am Fundament des Stuhls angebracht wurden? Ja, es ist relevant – langweiliger Weise! Weil mit solchen Innovationen nämlich andere Produktionsmethoden, Montageabläufe, Kostenstrukturen, Nachhaltigkeits- und Umweltprofile, Reparaturmöglichkeiten usw. verbunden sind.

All das mag dem Konsumenten unwichtig erscheinen, ist es allerdings nicht, weil es sich letztendlich auch auf den Preis auswirkt.

Die Frage der Bürostuhltextilien ist ähnlich, wenn nicht relevanter. Und lasst uns gar nicht erst anfangen mit den Hebeln zur Höhenverstellung…

Headline Mario Claudio Bellini Vitra

HeadLine von Mario and Claudio Bellini für Vitra. Wenn sich der Benutzer nach hinten lehnt, passt sich die Kopflehne automatisch so an, dass der Blick nach vorne gerichtet bleibt und Schulter und Nacken gleichzeitig gestützt werden - eine kleine Bürostuhlrevolution von 2005.

Weniger eine traditionelle Klassifizierung zur Identifikation und Einordnung, liefert Jonathan Olivares vielmehr eine Art evolutionäre Klassifikation. Ähnlich wie der Weg von kieferlosen Wirbeltieren über Fische zu Amphibien und Säugetieren lässt sich auch die Entwicklung der Bürostühle nachvollziehen. So ebneten die geschwungenen Bugholzarmlehnen des Thonet Schaukelstuhls von 1885 den Weg für die gegossene Schlaufe der Armlehnen von Charles und Ray Eames’ Aluminium Group, die wiederum die geschwungenen Armlehnen aus Spritzguss von Charles Pollocks gleichnamigen Stuhl für Knoll im Jahr 1965 vorbereiteten.

Also kein großer Spaß, und genauso interessant wie Handbücher für Autoreparatur oder Formschnittgärtnerei. Es handelt sich vielmehr um eine Art antiquiertes Telefonbuch für Leute mit einer Schwäche für Büromöbel. Wie gesagt, es ist keine große Überraschung, dass gerade wir kürzlich unsere Ausgabe von Jonathan Olivares Taxonomy of Office Chairs aus dem Bücherregal gezogen haben.

Wir würden meinen, es wäre besser gewesen, hätte Jonathan Olivares erst die Forschung gemacht und dann die fraglos sehr interessanten sozialen, kulturellen und politischen Faktoren diskutiert, die die Evolution der Bürostühle über die Jahrzehnte beeinflusst haben. Dort hätte er sich im Verlauf gelegentlich auf die wirklich begrenzte Anzahl von Entwicklungen beziehen können, die zu etablierten industriellen Standards führten, anstatt so minutiös jede einzelne Veränderung aufzuzählen.

In der Einleitung erfahren wir beispielweise etwas über die Einflüsse von Gesundheitsstandards und Sicherheitsvorschriften auf das Design von Bürodrehstühlen, wie Fortschritte in der Stuhlproduktionstechnik zu weniger Herstellern geführt haben, dass Chefs immer bessere Stühle als ihre Angestellten haben und dass die erste dokumentierte Erwähnung von Laufrollen an einem Bürostuhl einer selbst erstellten Konstruktion von Charles Darwin zugeschrieben wird.

Hätte sich Jonathan Olivares auf das, was nach Darwin kam, konzentriert, hätte er vielleicht ein alles in allem unterhaltsameres, zugänglicheres Buch geschrieben, das garantiert ein größeres Publikum erreicht hätte. “A Taxonomy of Office Chairs” bleibt also ein Buch für alle, die z.B. wissen wollen, wer zuerst von einem Spritzguss gefertigten Synthetikfundament Gebrauch gemacht hat. (Es war Mario Bellini mit seinem Persona Bürostuhl von 1984 für Vitra.)

Und für alle, deren Interesse wir immer noch nicht wirklich wecken konnten: “A Taxonomy of Office Chairs” von Jonathan Olivares erscheint bei Phaidon Press.

1875 Swivel Ofiice Chair by Gebrüder Thonet Vienna Grassi Leipzig

Ein Bürodrehstuhl der Gebrüder Thonet von 1875, gesehen bei Sitzen – Liegen – Schaukeln. Möbel von Thonet im Grassi Museum für Angewandte Kunst zu Leipzig

Egon Eiermann Stuhl 2014 verliehen für die Restaurierung des Wohnhaus Matthies, Potsdam. Ein Interview mit Architekt Eberhard Lange.

September 19th, 2014

Am Freitag, den 26. September, wird die Egon Eiermann Gesellschaft erstmals den Preis Egon Eiermann Stuhl mit einer Zeremonie in der Neuen Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin verleihen. Der Preis wurde ins Leben gerufen, um Personen zu würdigen, die einen besonderen Beitrag zum Erhalt der Arbeit Egon Eiermanns geleistet haben. So werden in diesem Jahr Barbara und Eckard Düwal für ihre Restaurierung des sogenannten Wohnhauses Matthies in Potsdam-Babelsberg mit dem ersten Egon Eiermann Stuhl ausgezeichnet. Das 1937 gebaute und seit 1977 denkmalgeschützte Wohnhaus Matthies ist einer der frühesten Bauten Eiermanns und steht für den Landhausstil, der so typisch war für viele seiner frühen Arbeiten.

Im Jahr 2002 beauftragten Barbara und Eckard Düwal das Architekturbüro Gerald Kühn-von Kaehne und Eberhard Lange mit der denkmalgerechten Wiederherstellung der Hausfassade, wofür im Großen und Ganzen der Egon Eiermann Stuhl verliehen wird. Vor der Verleihung sprachen wir mit dem Architekten Eberhard Lange über das Wohnhaus Matthies, Egon Eiermanns Erbe und den Erhalt desselben. Zuerst fragten wir allerdings nach seinem persönlichen Verhältnis zu Egon Eiermann.

Eberhard Lange: Mit meinem Architektur- und Denkmalpflegehintergrund bin ich natürlich an guter Architektur interessiert, und dazu zählen nicht nur Bauten aus Barock, Renaissance und anderen historischen Epochen, sondern auch moderne Gebäude, vor allem Gebäude der Nachkriegsmoderne. Aus der Zeit also, zu der Eiermann berühmt wurde. Egon Eiermann war mir schon früh ein Begriff, nicht zuletzt weil man als Architekturstudent in der DDR viel von seinen legendären Vorlesungen in Karlsruhe hörte, wo sich die Studenten anstellten, um rein zu kommen. Da wollte ich natürlich mehr über seine Arbeit wissen und entdeckte einen Mann, der wirklich mit Leib und Seele Architekt war. Er dachte nicht einfach nur stilistisch oder im Kontext des Standortes über ein Gebäude nach, sondern wägte wirklich alles bis ins kleinste Detail ab – das faszinierte mich. Als Architekt habe ich inzwischen an zwei Sanierungen von Egon Eiermann Gebäuden gearbeitet – zuerst am Wohnhaus Henckels in Kleinmachnow und später dann am Wohnhaus Matthies in Babelsberg.

smow Blog: Wie Sie schon sagten, haben Sie nicht nur an Egon Eiermann Gebäuden oder Arbeiten von Architekten wie Konrad Wachsmann oder Erich Mendelsohn gearbeitet, sondern auch an zahlreichen älteren Gebäuden, darunter an Arbeiten von Schinkel und an vielen der Königspaläste in Potsdam. Geht man an ältere historische Gebäude anders heran als an eher moderne?

Eberhard Lange: Zunächst einmal hat man immer Respekt vor den eigentlichen Architekten und ihren Arbeiten, insofern geht man alle Projekte erstmal auf die gleiche Weise an. Denkmalpflege beginnt außerdem immer mit einer Analyse, das heißt mit Forschungen und mit Fragen, wie “Um welchen Typ Gebäude handelt es sich?”, “Wie wurde das Gebäude konstruiert?”, “Was ist architektonisch relevant und interessant?” usw. Gleichzeitig muss man jedoch die Art des Auftrages im Auge behalten. Handelt es sich also einfach um Instandhaltung, Restaurierungen und Reparatur, kommen keine weiteren Arbeiten hinzu, oder gibt es weiterführende Aufgaben – ein typisches Beispiel wäre die Dämmung oder Fragen nach der Raumaufteilung und ähnliches. Insofern variiert die Arbeit eher hinsichtlich des Auftrages als in Bezug auf den Architekten und die Epoche.

Wohnhaus Matthies Egon Eiermann Potsdam Babelsberg

Wohnhaus Matthies von Egon Eiermann (Foto mit freundlicher Genehmigung vom Architekturbüro Gerald Kühn-von Kaehne und Eberhard Lange, Potsdam)

smow Blog: Die Gewinner des ersten Egon Eiermann Stuhls sind Barbara und Eckard Düwal für ihren Einsatz zum Erhalt des sogenannten Wohnhauses Matthies. Im Jahr 1938 schrieb Hans Josef Zechlin im Magazin Bauwelt: “Das Haus steht mit einer wie gewachsenen Selbstverständlichkeit da, wie aus sich selbst erstanden, als hätte niemand es entworfen – womit das Bau höchstes Lob gesagt sei”.1 Was macht das Gebäude für Sie so interessant?

Eberhard Lange: Als erstes muss man sagen, dass das Wohnhaus Matthies ein Sparbau ist. Es wurde für Heinz Matthies, später nannte er sich in Mathias Matties um, gebaut, der ein Jugendfreund Egon Eiermanns war. Er hatte damals erst geheiratet und wollte nun ein Wohnhaus für sich und seine Frau auf einem Teil des Grundstückes seiner Eltern errichten. Allerdings hatte Matthies als junger Künstler nicht viel Geld und so ist das Haus eine sehr einfache, klare Konstruktion, die aber in den Details – von denen drei besonders herausstechen – wirklich fantastisch ist und die das Haus so überaus interessant machen. Das erste Detail ist die Art, wie die Fenster in die Wand integriert sind. Um Arbeit und Kosten zu sparen, hat Eiermann gängige Konstruktionsprinzipien ignoriert und stattdessen einen simplen Stahlwinkel benutzt, um den Fensterrahmen zu fixieren und zu stützen – eine einfache Lösung und ein wunderbares, elegantes Detail. Bautechnisch ist diese Lösung allerdings hoch problematisch, weil sich das Kondenswasser zwangsläufig hinter den Stahlwinkeln sammelt und eine ganze Reihe an Problemen nach sich zieht. Allerdings wusste man solche Sachen in den 30er Jahren noch nicht so recht. Die Fenster wurden im Hinblick auf den Kontext also auf wunderbare Weise realisiert. Ähnlich fantastisch, wenn auch bautechnisch genauso problematisch, ist die sogenannte Quetschfuge an der Außenfassade. Für die unebene Oberfläche verwendete Eiermann den Mörtel, der heraustritt, wenn ein Stein auf den anderen gesetzt wird. Hinsichtlich des Designs eine fantastische Idee, weil der Bau so ein wirklich schönes, grafisches Detail erhält, bautechnisch jedoch auch furchtbar, weil der Regen an den Fugen herunterläuft, die dann über die Jahre bröckeln und brechen. Aber wie gesagt, ein wirklich schönes Design…

smow Blog: Das heißt Egon Eiermann hat den Maurern aufgetragen, den Mörtel zwischen den Steinen herausquellen zu lassen, um ihn dann formen und trocknen zu können? Die müssen doch gedacht haben, der spinnt…

Eberhard Lange: Mit ziemlicher Sicherheit! Wie auch bei dem dritten Detail, der sogenannten “wilden” Schieferdeckung, einem Verfahren, das man in Norddeutschland nicht wirklich kannte und eher üblich in Süddeutschland, Bayern, Tirol usw. war. Die örtlichen Handwerker konnten mit dem Konzept einfach nicht umgehen und so gaben es einige auf, bevor Eiermann schließlich den richtigen Mann in Berlin fand, der der Aufgabe gewachsen war und so dieses wundervolle Dach bauen konnte, das dem Haus seine einmalige Ästhetik verleiht.

smow Blog: Das hört sich, um ehrlich zu sein, so an, als mache all das eine gewissenhafte und gleichzeitig zeitgemäße Restaurierung des Gebäudes zu einer komplexen und kostspieligen Sache!?

Eberhard Lange: Absolut! Und ich bewundere die Entscheidung der Düwals, das in Angriff genommen zu haben. Das ist auch einer der Gründe für die Auszeichnung mit dem ersten Egon Eiermann Stuhl. Die Erneuerung der Quetschfuge kostet Zeit und Geld. Und man könnte sich die Arbeit sparen, vor allem wenn man bedenkt, dass die Fuge in Zukunft wieder erneuert werden muss. Auch die Fensterkonstruktion ist nicht ideal und könnte leichter durch eine andere ersetzt werden. Aber die Düwals entschieden sich alles beizubehalten. Wenn man solche Eigenheiten – obwohl man weiß, wie sie sich auf das Gebäude auswirken – zu schätzen weiß und respektiert, beschließt, dass sie zum Charakter des Hauses gehören und sie erhalten möchte, verdient das denke ich Respekt. Und man darf nicht vergessen, dass das Wohnhaus Matthies ein ziemlich kleines Haus ist, vor allem nach modernen Standards. Perfekt für ein Paar, aber klein. Die Düwals respektieren und lieben das Haus wie es ist und haben kein Interesse daran es zu verändern.

smow Blog: Andere Leute scheinen an Eiermann Gebäuden nicht immer gleichermaßen Gefallen zu finden. Unter anderem ist derzeit Eiermanns IBM Campus in Stuttgart bedroht und die Zukunft des Neckermann Versandhauses in Frankfurt ist nach wie vor ungeklärt. Sollten oder müssen alle Eiermann Gebäude erhalten werden? Ist das wichtig?

Eberhard Lange: Egon Eiermann war über viele Jahre aktiv und entwickelte sich als Architekt kontinuierlich weiter. Nimmt man nur mal die Privathäuser als Beispiel und vergleicht sein vor dem Krieg entstandenes Wohnhaus Matthies und sein eigenes in Baden-Baden von 1962, fällt auf, dass es sich um völlig unterschiedliche Bauten handelt, grundverschiedene Genres. Man braucht gar nicht erst anfangen beide miteinander zu vergleichen. Es ist also auf jeden Fall wichtig, Belege für die Entwicklung von den einfacheren Gebäuden aus der Zeit vor dem Krieg hin zu den größeren Nachkriegsgebäuden und den sehr viel moderneren Bauten zu finden. Nach Meinung der Egon Eiermann Gesellschaft müssten alle Egon-Eiermann-Gebäude erhalten werden, und das nach Möglichkeit in ihrem ursprünglichen Zustand. Wenn Gebäude bedroht sind, so wie es in Stuttgart der Fall ist, sollte man unserer Meinung nach gute Argumente für den Erhalt und eine zukünftige Nutzung finden. Denkmalpflege ist allerdings kein Dogma. Beispielsweise sagt auch die Charta von Venedig, der Grundstein der Denkmalpflege, dass ein Gebäude auf die sinnvollste Weise erhalten wird, wenn es zum Nutzen der Gesellschaft geschieht, und das erreicht man am besten, wenn das Gebäude aktuellen Anforderungen gerecht wird. Also ja, man muss zuweilen abwägen, welche Kompromisse beispielsweise in Sachen Dämmung oder Raumgröße gefunden werden können, um die sensible Entwicklung eines Gebäudes zu ermöglichen. Jede Veränderung kann schmerzen. Wenn man aber überzeugt ist, dass durch bestimmte Veränderungen ein Gebäude erhalten werden kann, das für neue Generationen auch nützlich sein kann, dann müssen diese Veränderungen durchgesetzt werden.

smow Blog: Man muss auch anfügen, dass Eiermann selbst nicht gerade schüchtern war, wenn es darum ging, Gebäude zu zerstören, die nicht in seine Pläne passten. Berühmtestes Beispiel ist da wahrscheinlich Erich Mendelsohns Kaufhaus Schocken. Sollte man nicht nach einem ähnlichen Maßstab mit Eiermanns Arbeiten verfahren?

Eberhard Lange: Nicht nur Eiermann, auch viele andere erfolgreiche und bekannte Architekten zerstörten ältere Gebäude (zum Teil auch immer wieder), um ihre eigenen Projekte realisieren zu können. Dazu wird es immer wieder kommen und davon ist auch Egon Eiermann betroffen. Beispielsweise wurde erst kürzlich die Taschentuchweberei in Blumberg abgerissen. Und das obwohl sie denkmalgeschützt war und zu Eiermanns interessantesten Industriebauten gehörte. Im Gegensatz dazu wurde Eiermann im Fall der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin durch den Druck der Öffentlichkeit gezwungen den Kirchturm, den er eigentlich abreißen lassen wollte, in sein Konzept zu integrieren. Was er schließlich akzeptierte. Auf der einen Seite hat man also den Denkmalpfleger, der natürlich alles erhalten möchte, und auf der anderen Seite soziale sowie ökonomische Interessen und die damit verbundenen Vorstellungen. Letztendlich muss man die beste Lösung für ein Gebäude in Abhängigkeit von der jeweiligen Zeit finden.

smow Blog: Und zum Schluss: Was denken Sie, können junge Architekten von Egon Eiermann lernen?

Eberhard Lange: Da ist zum einen Eiermanns Persönlichkeit. Er war jemand, der andere überzeugen konnte. Es ist sehr wichtig, dass man als Architekt eine Idee entwickeln kann und dann auch in der Lage ist, andere davon zu überzeugen, dass sie gut ist. Das machte Eiermann wirklich sehr gut. Zum anderen lernt man als Architekt von Eiermann, dass man Mut haben sollte neue Sachen auszuprobieren, neue Wege zu gehen, mit neuen Materialien zu arbeiten und neue Details zu entwickeln, dabei zwar das Traditionelle zu respektieren und zu würdigen, aber nicht nur nach hinten zu schauen.

1. Hans Josef Zechlin “Wohnhäuser von Egon Eiermann, Berlin” in Bauwelt Vol 29 Nr 36, 1938.

Wohnhaus Matthies Egon Eiermann Potsdam Babelsberg

Wohnhaus Matthies von Egon Eiermann (Foto mit freundlicher Genehmigung vom Architekturbüro Gerald Kühn-von Kaehne und Eberhard Lange, Potsdam)

smow Blog kompakt: O.M. Ungers – Morphologie – City Metaphors im Ungers Archiv für Architekturwissenschaft Köln

September 15th, 2014

Nach der Überführung des New Yorker Cooper Union Design Museums in die Smithsonian Institution unter dem neuen Namen Copper-Hewitt, National Design Museum plante die erste Direktorin eine Eröffnungsausstellung. Diese sollte nicht nur für den neuen Status des Museums stehen, sondern auch die neue Richtung des Museums vorgeben – es sollte eine Ausstellung werden, die die “Philosophie des neuen National Museums of Design der Smithsonian Institution”1 visuell zum Ausdruck bringen würde.

Zu diesem Zweck wurden im Jahr 1974 Designer und Architekten, darunter Richard Saul Wurman, Charles und Ray Eames sowie George Nelson darum gebeten Vorschläge einzureichen. Der Auftrag ging letztendlich an den österreichischen Architekten und Designer Hans Hollein und sein Konzept “MAN transFORMS”, mit dem die Ausstellung am 7. Oktober 1976 eröffnet wurde. Hans Hollein zufolge war die Schau nicht nur als eine Präsentation von Design, sondern auch als “ein Statement zu dem, was Design ist” konzipiert. In erster Linie sollte sich die Ausstellung mit dem Leben und unterschiedlichen Lebenssituationen befassen.2

Die Hauptausstellung umfasste, neben anderen Ausstellungsstücken, einen Tisch, auf dem unterschiedliche Sorten Brot präsentiert wurden, einen Raum, in dem Hämmer in verschiedenen Formen gezeigt wurden, und eine ganz genaue Dokumentation der Vielzahl von Nutzungsmöglichkeiten eines einfachen Kleidungsstücks. “MAN transFORMS” präsentierte speziell in Auftrag gegebene Beiträge von Peter M. Bode, Arata Isozaki, Ettore Sottsass, Richard Buckminster Fuller, Richard Meier, Nader Ardalan/Karl Schlamminger und Oswald M. Ungers.

Eine verkleinerte Version von Oswald M. Ungers Beitrag “Morphologie – City Metaphor” wird das Ungers Archiv für Architekturwissenschaft Köln jetzt im Zusammenhang mit dem Plan14 Architekturfestival zeigen. Mithilfe eines in eine idealisierte Straße verwandelten Korridors im Erdgeschoss des Copper-Hewitt Museums präsentierte “Morphologie – City Metaphors” eine Gegenüberstellung von Stadtansichten, Stadtplänen, gebauten Lebenswelten und natürlichen Organismen, natürlichen Netzwerken und Bildern des täglichen Lebens. Jeweils zwei Bilder aus den entgegengesetzten Bereichen wurden unter einem gemeinsamen Begriff vereint – wie zum Beispiel Kreuzungen, Regelmäßigkeit oder Wirbelsäule. Mit seiner Installation hoffte Ungers bei den Besuchern neue Perspektiven anzuregen, und das nicht nur in Bezug auf die sie umgebende Welt, sondern auch hinsichtlich der Möglichkeiten und Bedeutungen, wie Dinge entworfen und realisiert werden könnten.

Themen also, die wunderbar zum zentralen Motto des Plan14 Festivals “Architektur im Kontext” passen.

Neben dem maßstabsgetreuen Modell der ursprünglichen Ausstellung in New York umfasst die Ausstellung in Köln auch eine Auswahl von originalen Fotografien und Ausstellungstafeln. “Morphologie – City Metaphors” wird so nicht nur, wie die originale Installation, inspirierend und motivierend wirken, sondern auch helfen, den Besuchern die Arbeit und die Gedanken Oswald M. Ungers näher zu bringen.

“O.M. Ungers – Morphologie – City Metaphors” ist zu sehen im Ungers Archiv für Architekturwissenschaft, Belvederestrasse 60, 50933 Köln von Freitag, den 19. September, bis Freitag, den 26. September 2014, zu sehen.

Alle Detail gibt’s unter www.ungersarchiv.de.

1. Hans Hollein Design MAN transFORMS Konzepte einer Ausstellung , Löcker Verlag, Wien, 1989

2. ebd.

O M Ungers Morphologie  City Metaphors Ungers Archiv für Architekturwissenschaft Köln

O.M. Ungers - Morphologie - City Metaphors im Ungers Archiv für Architekturwissenschaft Köln (Foto mit freundlicher Genehmigung des UAA)

Architektur Design Industrie – Vitra Campus. Ein Jubiläum im Aedes am Pfefferberg, Berlin

September 15th, 2014

Die Auswirkungen der kulturellen und politischen Umwälzungen des Jahres 1989 sind noch heute spürbar. Damals fiel die Berliner Mauer, George Bush wurde als 41. Präsident der USA vereidigt, Nirvana veröffentlichten ihr drittes Album “Bleach”, in Schottland wurde die Kopfsteuer eingeführt und die erste Folge der Simpsons wurde ausgestrahlt. Und, um auf den Punkt unserer Einleitung zu kommen, 1989 wurde auch das Vitra Design Museum in Weil am Rhein eröffnet. Ein Museum, das nicht nur zahlreiche von den Kritikern gefeierte Ausstellungen zu Design und Popkultur hervorgebracht hat, sondern das auch den eigentlichen Ausgangspunkt des Vitra Campus markiert. So steht das Vitra Design Museum auch für den Übergang der Firma Vitra vom reinen Möbelhersteller zum Kurator von zeitgenössischer Architektur und aktuellem Design.

Im November 2013 brachte Vitra anlässlich des bevorstehenden Geburtstages die Publikation “Vitra Campus – Architektur Design Industrie” heraus. Mehr oder weniger auf Grundlage dieses Buches entstand eine Ausstellung, die derzeit im Architekturforum Aedes am Pfefferberg gezeigt wird.

Vitra Campus Architektur Design Industrie Aedes Am Pfefferberg Berlin

Architektur Design Industrie - Vitra Campus. Ein Jubiläum bei Aedes am Pfefferberg, Berlin

“Architektur Design Industrie” wurde von Aedes konzipiert und von Chris Rehberger designt. Rehberger ist Mitarbeiter der Berliner Agentur Double Standards und auch für das Design des zugrundeliegenden Buches verantwortlich. Die Ausstellung präsentiert einen kompakten Überblick über die Objekte und Gebäude auf dem Vitra Campus sowie Videointerviews mit den verantwortlichen Architekten und Kataloge ausgewählter Ausstellungen im Vitra Design Museum. Besonders akademisch, technisch oder übermäßig kritisch ist die Ausstellung beim besten Willen nicht. Vielmehr handelt es sich um eine sehr zugängliche, klar designte offene Präsentation, die einerseits die nötigen Hintergrundinformationen bietet, um zu verstehen, was der Vitra Campus überhaupt ist, und zum anderen auch detaillierte Informationen für alle liefert, die mehr darüber wissen wollen.

Dem bisherigen Vitra Chef Rolf Fehlbaum zufolge wuchs der Vitra Campus sehr organisch ohne einen langfristigen Masterplan. Nach dem berüchtigten Feuer von 1981, das die ursprüngliche Vitra Produktionshalle in Weil am Rhein zerstörte, beschloss Fehlbaum das Gelände in Zusammenarbeit mit zunächst nur einem Architekten, und zwar Nicholas Grimshaw, neu zu gestalten. Nachdem er allerdings Frank Gehry kennengelernt und ihn mit dem Bau des Vitra Design Museums sowie einer Produktionshalle beauftragt hatte, sah er sich mit einer schwierigen Situation konfrontiert.

Gehrys Produktionshalle und Grimshaws Produktionshalle standen ganz nah beieinander, glichen sich auch in Sachen Größe, Preis und Funktion, sahen aber ansonsten absolut unterschiedlich aus. So traten die unterschiedlichen Möglichkeiten der Architektur auf einfache Weise offen zu Tage und inspirierten Fehlbaum zu einem Vorhaben, das die unterschiedlichen Gebäuden von Zaha Hadid, Álvaro Siza, Renzo Piano und vielen anderen zur Folge hatte. Mit dem Auftrag für die Skulptur “Balancing Tools” von Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen im Jahr 1984 erhielt der Vitra Campus dann sein erstes Kunstwerk, das außerhalb des Produktionsbereiches platziert wurde und so als erstes Objekt auch öffentlich zugänglich war. Nach der Eröffnung von Gehrys Museumsbau wurde der “öffentliche” Bereich erstmals 1993 wieder mit Tadao Andos Konferenzpavillon und später durch Herzog & de Meurons VitraHaus erweitert. So entstand der aktuelle Mix aus öffentlichen und industriellen Räumen. Ein Mischung, die auf wunderbare Weise durch die zwei jüngsten Neuheiten weitergeführt wurde – die SANAA Produktionshalle, eine saubere, funktionale, wenn nicht gar monumentale Konstruktion, und den Vitra Rutschturm.

Vitra Campus Architektur Design Industrie Aedes Am Pfefferberg Berlin

Architektur Design Industrie - Vitra Campus. Ein Jubiläum bei Aedes am Pfefferberg, Berlin

Ausgehend von einer Diskussion zwischen Aedes und dem Vitra Design Museum ist die Entscheidung, die Ausstellung “Architektur Design Industrie” im Aedes Berlin zu zeigen, sehr passend, da Aedes schon 1989 die erste Monografie zu Frank Gehrys damals brandneuem Vitra Design Museum veröffentlicht hat. Der passende Ort also für die “Geburtstagsausstellung”, wenn man so will.

Dem Chefkurator des Vitra Design Museums Mateo Kries zufolge ist “Architektur Design Industrie” vorerst nur als einmalige Präsentation im Aedes angedacht. Allerdings ist es nicht nur ziemlich sicher, sondern fast schon garantiert, dass der Erfolg aus der Ausstellung eine Wanderausstellung machen wird. Nicht zuletzt weil sie sich in Sachen Form und Inhalt doch auch perfekt als Ausstellung für die Räume von Vitras Flagship Stores und Händler-Netzwerk eignet.

Wir nehmen der zwangsläufigen und augenscheinlichen Frage die Antwort vorweg: Ja, zuweilen sieht die Ausstellung wie eine Verkaufsmasche von Vitra und, angesichts der Beleuchtung, von Artek aus. Es wäre allerdings auch komisch gewesen, alle kommerziellen Bezüge zu Vitra wegzulassen, sie machen Vitra schließlich auch aus. Vitra Campus und Vitra Design Museum sind ausgehend vom Möbelhersteller Vitra entstanden, insofern wäre es irgendwie verdreht den Ausstellungsraum mit anderen Möbeln als denen des Herstellers zu füllen.

OK, die Stühle aus der Miniaturen Kollektion des Vitra Design Museums, die auch ausgestellt sind, sind etwas unnötig, zumal ausschließlich Vitra Miniaturen gezeigt werden, obwohl die Miniaturenkollektion eigentlich wunderbar unabhängig und demokratisch auf die gesamte Geschichte des Möbeldesigns eingeht. Auch den “Vitra Home Collection”-Katalog auf dem Haupttisch hätte man weglassen können – der wirkte aufdringlich und hatte mit dem eigentlichen Thema nun wirklich nichts zu tun.

Abgesehen davon dreht sich die Ausstellung dezidiert um den Vitra Campus und das Vitra Design Museum.

Eine etwas grundsätzlichere Kritik an der Ausstellung wäre, dass die Texte ausschließlich auf deutsch sind. Wir verstehen schon warum, denken aber trotzdem, dass die Ausstellung so sehr begrenzt wird. Irgendeine Form von Übersetzung wäre einfach gut gewesen. Vor allem in einer so globalen Stadt wie Berlin, in der Deutsch in vielen Bereichen die inoffizielle zweite Amtssprache ist.

Lässt man diese Kritik mal beiseite, bleibt “Architektur Design Industrie” eine fesselnde Einführung zu einem wirklich faszinierenden Ort.

“Architektur Design Industrie – Vitra Campus. Ein Jubiläum” ist bis Sonntag, den 28. September, im Architekturforum Aedes am Pfefferberg, Christinenstrasse 18-19, 10119 Berlin zu sehen.

Weitere Details sind unter www.aedes-src.de zu finden.

Milaneo und Gerber – Neue Shopping-Center für Stuttgart

September 14th, 2014

Am 23. September eröffnet in direkter Nachbarschaft zum smow Showroom in Stuttgart das Gerber sowie am 09. Oktober das Milaneo am Hauptbahnhof. Außerdem klafft hinter dem Breuninger noch eine große Lücke, in der bald das neue Dorotheen-Viertel entstehen soll. Dabei werben alle neuen Shoppingmeilen mit vielen neuen Geschäften – und auch Parkplätzen.
Bereits heute hat die Stuttgarter Innenstadt große Probleme mit der Parkplatzsituation und dem alltäglichen Stadtverkehr. Das Parkraummanagement der Stadt scheint hier wenig Wirkung zu zeigen. Auch bleibt abzuwarten, wie sich die beiden „Riesen“ auf die Nachbarn auswirken werden. Obwohl die Kaufkraft in den letzten Jahren stetig angestiegen ist, bleibt doch offen, ob Gerber und Milaneo mit ihren Konzepten Besuchermagnete oder nur eine weitere leere Passage in der Stuttgarter Innenstadt abgeben werden…

Wir warten ab und sind vor allem gespannt, wie sich unser Nachbar das Gerber schlagen wird!

In der Eröffnungswoche des Gerbers, am 27. September, findet das alljährliche Gerber-Viertel-Fest statt, wozu auch smow Sie herzlich im Ladengeschäft begrüßt.

 

GERBER Stuttgart an der Ecke Tübinger Straße Sophienstraße

GERBER Stuttgart an der Ecke Tübinger Straße Sophienstraße - das Tor zum Gerberviertel

smow Blog kompakt: aed Stuttgart präsentiert Zukunftslabor Weißenhofsiedlung

September 11th, 2014

Das Ziel der 1927 im Rahmen der Ausstellung “Die Wohnung” errichteten Weißenhofsiedlung in Stuttgart war “… eine Reduktion der Kosten beim Hausbau und der laufenden Kosten sowie eine Vereinfachung der Haushaltsarbeit und eine grundsätzliche Anhebung des Lebensstandards.” Aber sind diese Vorhaben tatsächlich Wirklichkeit geworden? Oder handelt es sich bei der Siedlung nur um eine Ansammlung von Gebäuden von Max Taut, Hans Poelzig, Mies van der Rohe, Le Corbusier, Mart Stam, Peter Behrens und ihresgleichen und damit um eine Möglichkeit für eine kleine Gruppe von Modernisten sich ein Denkmal zu setzen?

Im Rahmen einer speziell organisierten Tour über das gesamte Gelände werden die Kunsthistorikerinnen Carola Franke-Höltzermann und Anja Krämer vom Museum der Weißenhofsiedlung am 17. September die Geschichte, Bedeutung und das Erbe der Weißenhofsiedlung und der Ausstellung “Die Wohnung” genauer erläutern. Danach stellen Jonathan Busse von alphaEOS, einem Stuttgarter Spezialisten für Heizungssysteme, und Dr. Christian Bergmann von Werner Sobek Design die neueste Erweiterung der Weißenhofsiedlung vor – das B10 Active House. Eine Konstruktion die unserer Meinung ganz in der Tradition der ursprünglichen Ausstellung steht.

Die aed Stuttgart Tour “Zukunftslabor Weißenhofsiedlung” findet am Mittwoch, den 17. September um 19 Uhr statt. Jeder ist willkommen, jedoch wird um vorherige Anmeldung gebeten.

Alle Details sind unter www.aed-stuttgart.de zu finden.

weissenhofsiedlung stuttgart Ludwig Mies van der Rohe Jacobus Johannes Pieter Oud

Beiträge von Ludwig Mies van der Rohe (l) und Jacobus Johannes Pieter Oud (r), Weißenhofsiedlung Stuttgart

weissenhofsiedlung stuttgart mart stam

Häuser von Mart Stam, Weißenhofsiedlung Stuttgart

B10 Active House by Werner Sobeck Stuttgart

B10 Active House von Werner Sobeck, Weißenhofsiedlung Stuttgart

5 neue Designausstellungen im September 2014

September 9th, 2014

Eine trübe Kühle am Morgen und müde zur Schule trabende Kinder machen die Tatsache, dass sich der Sommer langsam seinem Ende zuneigt, zur bitteren Gewissheit. Und während der Frühling stets in die Natur lockt, ruft im Herbst stattdessen die kunstvolle Welt der Museen und Galerien. So können wir euch im September, sozusagen auch als kleine Wiedergutmachung für die mickrigen drei Architektur- und Designausstellungen im August, sage und schreibe 7 Ausstellungen präsentieren.

Sieben Ausstellungen, die nicht nur den Durchschnitt wieder anheben, sondern hoffentlich auch Inspiration und Hoffnung schenken. Und wir denken gerade in der Jahreszeit, die von einer gewissen Niedergeschlagenheit dominiert wird, kann das ja nicht schaden.

“Crafting Narrative” im Pitzhanger Manor House & Gallery, London, England

London ist beim besten Willen keine Stadt, der es an namhaften Galerien und Museen mangelt. Trotz dieser scheinbaren musealen Übersättigung macht sich eine kleine Galerie im westlichen Londoner Vorort Ealing langsam aber sicher einen Namen als eine der führenden Adressen in Sachen Designausstellungen in London. Nach der medienübergreifenden Ausstellung “Reason and Institution: Alvar Aalto & Ola Kolehmainen in Soane” zeigt das Pritzhanger Manor House & Gallery “Crafting Narrative”, eine Ausstellung, die sich mit Narration im Design beschäftigt. Die vom UK Crafts Council organisierte und von dem Londoner Designer Onkar Kular kuratierte Ausstellung “Crafting Narrative” ist eine Wanderausstellung, die zeigen will, wie zeitgenössische Designer den Designprozess und die Herstellung nutzen, um Erzählungen zu entwickeln, die kulturelle, historische und soziale Themen aufgreifen. Gezeigt werden Arbeiten von so unterschiedlichen Leuten wie Hilda Hellström, El Ultimo Grito oder Matino Gamper, darüber hinaus stellt die Ausstellung zahlreiche Projekte vor – darunter Zhenhan Haos Kleiderkollektion “Imitation, Imitation” oder “The Welsh Space Campaign” von Helfin Jones. Mit Arbeiten wie diesen hat “Crafting Narrative” das Potenzial eine wirklich unterhaltsame und provokante Ausstellung zu werden.

“Crafting Narrative” wird am Mittwoch, den 10. September, im Pitzhanger Manor House & Gallery, Walpole Park, Mattock Lane Ealing, London W5 5EQ eröffnet und läuft bis Sonntag, den 19. Oktober 2014.

Hefin Jones The Welsh Space Campaign Crafting Narrative

Hefin Jones - The Welsh Space Campaign, Teil der Ausstellung "Crafting Narrative" im Pitzhanger Manor House & Gallery (Foto © Dan Burn-Forti, mit freundlicher Genehmigung des Craft Council UK)

“100 Jahre Schweizer Design” im Museum für Gestaltung, Zürich, Schweiz

Im September 2014 öffnet das Museum für Gestaltung Zürich sein drittes Lagerhaus im Toni-Areal in Zürich. Neben mehr Platz für die Sammlung des Museums gibt es mit dem Schaudepot dann auch einen neuen Ausstellungsraum. Dieser wird mit der Ausstellung “100 Jahre Schweizer Design” eingeweiht. Mit Lichtschaltern und Gemüseschälern über Möbeldesignklassiker von Designern wie Le Corbusier, Max Bill oder Willy Guhl bis hin zu Kleidung und eher konzeptionellem Design präsentiert die Ausstellung über 800 Objekte, Prototypen, Modelle, Skizzen und Werbefilme. “100 Jahre Schweizer Design” verspricht so eine der offensten und weitgefasstesten Ausstellungen zur Schweizer Designtradition zu werden, die es bisher gegeben hat.

“100 Jahre Schweizer Design” ist vom 26. September 2014 bis 8. Februar 2015 im Museum für Gestaltung – Schaudepot, Toni-Areal, Pfingstweidstraße 96, CH-8005 Zürich zu sehen.

100 Jahre Schweizer Design Willy Guhl Scobalit-Stuhl mit abnehmbaren Sitzschalen

Der Scobalit Stuhl von Willy Guhl. Teil der Ausstellung 100 Jahre Schweizer Design, Museum für Gestaltung, Zürich

“Le Labo des héritiers” im Le Grand Hornu Images, Hornu, Belgien

Wir haben da keine direkten Erfahrungen, aber wir nehmen mal an, dass es nichts vertrackteres gibt als den Versuch als Sprössling eines international bekannten Kreativen eine Karriere im gleichen Bereich zu machen. Die Leute beschuldigen dich entweder am Rockzipfel deiner Eltern zu hängen oder sie sehen deine Arbeiten nur im Kontext deiner Eltern, und weigern sich hartnäckig dich als unabhängiges Individuum zu akzeptieren. Folglich denken die meisten Kinder und Enkel gar nicht erst daran. Manche trauen sich aber auch, und das mit großem Erfolg. Die Ausstellung “Le Labo des héritiers” widmet sich vier “kreative Dynastien” und untersucht anhand dieser Familien Fragen wie: “In welcher Beziehung stehen jüngere Generation zum Werk der älteren Generationen – und umgekehrt?”, “Ist der Drang einem Elternteil zu widersprechen größer als der Instinkt ihm zu folgen?”, “Sind Familienangehörige für eine Karriere ausschlaggebender als Lehrer, Kritiker, Kollegen und andere nicht familiärer Einflüsse?” Mit Objekten, Skizzen, Fotografien und Texten untersucht “Le Labo des héritiers” solche Fragen anhand der Biografien von Gijs Bakker und Emmy van Leersum mit ihrem Sohn Aldo Bakker; Pieter, Lowie, Tinus und Robin Vermeersch und ihrem Vater Rik sowie Großvater José; Tobia Scarpa und seinem Vater Carlo Scarpa sowie David und Hannes Van Severen, den Kindern von Maarten Van Severen und Enkeln des belgischen abstrakten Malers Dan Van Severen.

“Le Labo des héritiers” ist ab Sonntag, den 21. September 2014, bis Sonntag, den 4. Januar 2015, im Le Grand Hornu Images, Rue Sainte-Louise, 82, 7301 Hornu, Belgien zu sehen.

Le stock d’atelier de muller van severen Le Labo des héritiers

Le stock d’atelier de Muller Van Severen (Foto: Fien Muller, mit freundlicher Genehmigung von Le Grand Hornu Images)

“Copper Crossing” im Triennale Design Museum, Mailand, Italien

Kupfer kann in vielerlei Hinsicht als Brücke zwischen dem technischen Fortschritt der Jungsteinzeit, als unsere Vorfahren damit begannen Werkzeuge zu formen, und der Bronzezeit, als die gesteigerten technischen Fähigkeiten mit einem neuen, jedoch schwer biegsamen Material zusammentrafen, verstanden werden. Auch wenn die Kupferzeit nur um die 3000 Jahre angedauert hat, war sie ausschlaggebend für die kulturelle, soziale und intellektuelle Evolution der Menschheit. So nutzten die Römer Kupfer als eine ihrer frühesten Währungen; durch die besondere Flexibilität konnte Kupfer im Bau, vor allem beim Dachdecken und der Fassadenverkleidung eingesetzt werden; die Entwicklung von Wasserleitungen aus Kupfer steuerte den negativen Auswirkungen der üblichen Bleileitungen entgegen und die gute Leitfähigkeit des Kupfers ermöglichte die zunehmende Elektrisierung unseres alltäglichen Lebens. Wo wären wir also ohne Kupfer? In der Ausstellung “Copper Crossing” präsentiert das Triennale Design Museum den aktuellen Forschungsstand in dem Bereich und befasst sich mit Kupfer in der zeitgenössischen Kunst, Architektur und Technologie sowie im zeitgenössischen Design. Gezeigt werden dabei über 250 auf Kupfer basierende Projekte von Künstlern und Architekten wie Joseph Beuys, Anselm Kiefer, James Stirling und Renzo Piano sowie Designobjekte von beispielsweise Tom Dixon, Ron Arad und Oskar Zieta. Ein Teil am Ende der Ausstellung befasst sich außerdem genauer mit der technischen Nutzung von Kupfer, wie bei IT- und Kommunikationsanwendungen und mit den antibakteriellen Eigenschaften des Kupfers. Auf diese Weise untersucht “Copper Crossing” detailliert die zeitgemäße Relevanz eines der ältesten Materialien der Menschheit. Ja, das hört sich alles etwas nach einer teuren und dekadenten Werbekampagne für Kupfer an, aber hat Kupfer das nötig? Natürlich nicht!

“Copper Crossing” kann vom 16. September bis 9. November im Triennale Design Museum, Viale Alemagna 6, 20121 Mailand besucht werden.

Oskar Zieta Plopp Copper

Plopp Kupfer von Oskar Zieta, Teil von Copper Crossing im Triennale Design Museum, Mailand

“Spatial Positions 8: Kooperationen. Diener&Diener in Zusammenarbeit mit Martin Steinmann und Josef Felix Müller / Peter Märkli und Josephsohn” im Schweizer Architekturmuseum, Basel, Schweiz

2014 feiert das Schweizer Architekturmuseum in Basel seinen 30. Geburtstag und zeigt als Teil der Feierlichkeiten eine von der ersten Direktorin des Museums, Dr. Ulrike Jehle-Schulte Strathaus, kuratierte Ausstellung. Die Gebiete von Architektur und Kunst überschneiden sich häufig, wobei sich bisher entweder Künstler der Architektur zuwendeten oder Architekten auf einmal Kunst machten. Für “Spatial Positions 8″ hat das Schweizer Architekturmuseum Paare von Architekten und Künstlern gebildet, die an einem gemeinsamen Projekt arbeiten sollen, einem Projekt, das untersuchen soll, was eigentlich passiert, wenn beide Disziplinen zusammenkommen. So wurde der Baseler Architekt Roger Diener mit dem Künstler Josef Felix Müller aus St. Gallen zusammengebracht, während der in Zürich ansässige Architekt Peter Märkli mit dem Züricher Bildhauer Hans Josephson zusammenarbeitete. Neben der Präsentation der Resultate, also den entstandenen Prototypen, Skizzen und Entwicklungsstufen, wird die Ausstellung, so hoffen wir jedenfalls, Aufschluss darüber geben, inwiefern Architekten einfach nur Künstler mit einem Sinn für Ordnung sind und Künstler wiederum Architekten sind, die nicht an eine Begrenzung des Raumes durch Wände glauben.

“Spatial Positions 8: Kooperationen. Diener&Diener in Zusammenarbeit mit Martin Steinmann und Josef Felix Müller / Peter Märkli und Josephsohn” wird am Samstag, den 6. September im SAM Schweizer Architekturmuseum, Steinenberg 7, CH-4051 Basel eröffnet und ist dort bis Sonntag, den 19. Oktober 2014, zu sehen.

Spatial Positions 8: Kooperationen. Diener&Diener in Zusammenarbeit mit Martin Steinmann und Josef Felix Müller / Peter Märkli und Josephsohn" at the Swiss Architecture Museum, Basel, Switzerland

Spatial Positions 8: Kooperationen. Diener&Diener in Zusammenarbeit mit Martin Steinmann und Josef Felix Müller / Peter Märkli und Josephsohn" im Schweizer Architekturmuseum, Basel

“Future Stars?” in der Aram Gallery, London

Die Aram Gallery wurde im Jahr 2002 von Zeev Aram gegründet. Dieser ist Eigentümer des Aram Möbelgeschäfts für moderne Möbel und Besitzer der exklusiven globalen Rechte an den Möbeldesigns von Eileen Gray. Seine Galerie zeigt Ausstellungen mit zeitgenössischer Kunst und zeitgenössischem Design, Ausstellungen, die meist experimentell und konzeptionell angelegt sind. Als Teil ihres Beitrags zum London Design Festival 2014 zeigt die Aram Galerie neue Arbeiten von sieben jungen Designern. Designern, denen die Aram Gallery eine glorreiche Zukunft prophezeit. Mit Produktdesigns von Maria Jeglinska, Kim Thome, James Shaw und Lola Lely, Kleidung und Schuhen von Cat Potter, Schmuck von Sophie Thomas und, wir nehmen mal an, etwas konzeptionellerem vom Arnhemer Thor ter Kulve verspricht “Future Stars?” nicht nur eine faszinierende Ausstellung zu werden, sondern auch all das mitzubringen, was den meisten der eher kommerziellen und korporativen Veranstaltungen des London Design Festivals fehlt.

“Future Stars?” ist vom 13. September bis 25. Oktober in der Aram Gallery, 110 Drury Lane, Covent Garden, London, WC2B 5SG zu sehen.

aram gallery future stars

Future Stars? in der Aram Gallery London

“Alvar Aalto – Second Nature” im Vitra Design Museum, Weil am Rhein

Alvar Aalto steht wie kein Zweiter für das zugängliche Design des 20. Jahrhunderts. Er fragte für wen der Funktionalismus eigentlich funktional sein soll und machte auf diese Weise deutlich, dass die Moderne auch human sein kann. Schließlich war er maßgeblich daran beteiligt, Nachkriegsdesign und -architektur auf den uns bekannten Weg zu bringen. Darüber hinaus machte er das Formsperrholz im Möbeldesign salonfähig und lehrte uns, dass Designer auch Hersteller sein können. Mit der ersten großen Retrospektive von Alvar Aaltos Werk in diesem Jahrzehnt will das Vitra Design Museum nicht nur die wichtigsten Design- und Architekturarbeiten Aaltos untersuchen, sondern auch Einflüsse auf Aalto und sein Werk beleuchten. Dazu gehören Altos Korrespondenz mit Künstlern wie Hans Arp und Laszlo Moholy-Nagy sowie seine Kontakte und Beziehungen zu den international bedeutendsten Architekten jener Zeit. Wir können allerdings nicht versprechen, dass sie die unglaubliche Geschichte vom Treffen Alvar Aaltos mit George Nelson wiederholen.

“Alvar Aalto – Second Nature” wird am Samstag, den 27. September eröffnet und ist dann bis 1. März 2015 im Vitra Design Museum, Charles-Eames-Str. 2, D-79576 Weil am Rhein zu sehen.

Alvar Aalto on his boat Nemo Propheta

Alvar Aalto in seinem Boot Nemo Propheta in den 1960er Jahren (Foto Göran Schildt © Schildt Foundation, mit freundlicher Genehmigung des Vitra Design Museums)

Rudolf Horn im Grassi Museum für Angewandte Kunst zu Leipzig

September 6th, 2014

Wir haben es schon im Post zur diesjährigen Sommerausstellung der Burg Giebichenstein bemerkt: die Burg gehört derzeit zu den interessantesten Designschulen in Deutschland. Und das hängt vor allem mit der gewissenhaften Arbeit und dem guten Ruf der Schule vor dem Mauerfall zusammen, und damit wie diese Arbeit über die Wendezeit hinaus weitergeführt wurde.

Einer der interessantesten und wohl auch einflussreichsten Mitarbeiter der Burg Giebichenstein zu DDR-Zeiten war Rudolf Horn. Er trat im Jahr 1966 dem Fachbereich für Design der Burg Giebichenstein bei und blieb bis 1996. Fast im Alleingang war Horn für die Möblierung Ostdeutschlands verantwortlich und leistete so einen großen Beitrag zur deutschen Designgeschichte. Diesem Beitrag widmet sich derzeit eine sehr kleine, aber auch sehr informative Ausstellung im Grassi Museum für Angewandte Kunst zu Leipzig.

Rudolf Horn MDW Grassi Leipzig

Das modulare MDW-System für VEB Deutsche Werkstätten Hellerau von Rudolf Horn, gesehen im Grassi Museum für Angewandte Kunst zu Leipzig

Der 1929 im sächsischen Waldheim geborene Rudolf Horn ließ sich erst zum Tischler und anschließend zum Innendesigner ausbilden, bevor er eine Stellung beim Möbelhersteller VEB Möbelwerke in Heidenau annahm. Im Jahr 1952 wechselte er zum deutschen Ministerium für Lichtindustrie und blieb dort bis er 1962 dem “Büro für Entwicklung, Messen und Werbung” in der Möbelindustrie beitrat. Zwei Jahre später wurde Rudolf Horns erste modulare Möbelserie, die sogenannte “Leipzig IV”-Kollektion, veröffentlicht, der 1965 eine passende Kollektion von Stühlen, Tischen und Zubehörteilen folgte. Der wirkliche Durchbruch kam allerdings erst 1967 mit der Veröffentlichung des modularen Möbelsystems MDW durch die VEB Deutsche Werkstätten Hellerau. Das System sollte nämlich während der folgenden 24 Jahre produziert werden und zierte soweit wir wissen so ziemlich jedes Wohnzimmer in der ehemaligen DDR. Jedenfalls kennen wir nur wenige Ostdeutsche, die nicht mit dem MDW System vertraut wären. In späteren Jahren entwickelte Rudolf Horn weitere Möbeldesigns, die ebenso zum Standard in zahlreichen Wohnungen und Büros der gesamten DDR werden sollten. Darunter das modulare Büromöbelsystem Temaset, ein variables Sofasystem in Verbindung mit zahlreichen Wandmodulen aus Polyurethan.

Neben seiner Arbeit als Möbeldesigner war Rudolf Horn auch an zahlreichen Wohnbauprojekten beteiligt, insbesondere half er bei der Entwicklung und Umsetzung einer Reihe von Konzepten für Hochhauswohnungen in Berlin, Rostock und Dresden. Durch die Umsetzung modularer Prinzipien bei der Konstruktion des Pilotprojektes hatten die Bewohner die Möglichkeit den inneren Grundriss ihrer Wohnung entsprechend ihrer ständig wechselnden Bedürfnisse zu verändern.

Horns Faszination für modulare Systeme lag eine simple Überzeugung zugrunde, dass nämlich die Konsumenten die Möglichkeit haben müssten selbst zu entscheiden und ihnen niemand sagen dürfe, was sie brauchen und was sie kaufen sollten.

Wie um die Gültigkeit dieser Position zu untermauern, pflegte Rudolf Horn die Angewohnheit seine Kunden zu besuchen, um selbst zu sehen, wie sie das MDW-System nutzen. Dabei machte er in regelmäßigen Abständen besondere Entdeckungen: Kunden hatten die Bretter zersägt oder die vorgefertigten Elemente anderweitig manipuliert und bearbeitet, was Rudolf Horn allerdings gar nichts ausmachte – “genau auf diese Weise sollte solch ein System genutzt werden” sagt er mit breitem Grinsen, “jeder sollte genau das bekommen, was er möchte!”  Diese Auffassung von Möbeldesign macht ihn nicht gleich zum “Vater von Ikea”, wie ihn die ostdeutschen Medien gerne nannten, aber für uns macht sie ihn ganz klar zum “Vater des offenen Designs”. Neben seinem Anliegen den Kunden das passendste Mobiliar zu ermöglichen motivierte Rudolf Horn aber auch sein Job als solcher. Das Nachkriegs-Ostdeutschland hatte, wie auch der Rest Europas nach dem Krieg, chronische Probleme in Sachen Unterbringung und Möblierung und ebenso große Probleme bei der Lösung des Problems – es mussten also Entscheidungen her.

“Die zentralen Fragen waren, wohin gehen wir und wie sollte die neue Nachkriegsgesellschaft organisiert werden?”, so Horn, “die Gesellschaft, die wir vor dem Krieg kannten, die unserer Eltern, war bei allem Respekt nicht die, die wir wollten. Es war alles zerbrochen und es einfach ebenso wieder aufzubauen wäre nicht die richtige Antwort gewesen.” Folglich war die Aufgabe von Rudolf Horn und seinen Zeitgenossen nach einem Moment in der Geschichte zu suchen, an dem ähnliche Bedingungen vorherrschten, zu sehen, wie Designer und Architekten auf diesen Moment reagierten und dann herauszufinden, was neue Generationen daraus lernen könnten. Ihre Suche führte sie zum Bauhaus, der europäischen Moderne und dem europäischen Formalismus ganz allgemein – zu einer Bewegung also, die aus einer Situation heraus entstand, die in vielerlei Hinsicht große Ähnlichkeit mit der Situation in Ostdeutschland in den 1950er Jahren hatte. Für Rudolf Horn und seine Zeitgenossen blieb diese Bewegung jedoch durch die Aktionen der Nazis vor dem Krieg und durch die anschließenden Kriegsjahre weitestgehend unzugänglich. Hinzu kam, dass sie den Formalismus (als genau den passenden Moment in der Geschichte) entdeckten, als die ostdeutsche Regierung damit begann, den Formalismus eilig zu verbannen.

Die sogenannte Formalismusdebatte der frühen 1950er Jahre verurteilte alles, was mit der klassischen Moderne oder der Avantgarde während des Krieges in Zusammenhang stand als “zweckentfremdet und feindselig”, wenn nicht gar als “Waffe des Imperialismus”. Wie wir es bereits in unserem Post zur Ausstellung “Modelle für industrielle Gestaltung” von der Hochschule für Bildende Künste Dresden erwähnt haben, beschlossen die ostdeutschen Machthaber im Jahr 1951, dass formale Tendenzen vor allem in der Architektur sehr ausgeprägt seien und die wirklichen Bedürfnisse der Arbeiter ignorierten. Auch das spätere Staatsoberhaupt Walter Ulbricht verkündete bei der feierlichen Präsentation des MDW-Systems für alle hörbar, er sehe nichts als “Bretter”.

Was die ostdeutschen Oberen wollten, waren kräftige, solide, schön ornamental verzierte Möbel – Biedermeier, Gelsenkirchener Barock aus früheren Zeiten.

Aber wie reagierte ein junger Designer wie Rudolf Horn auf solche Debatten, auf die Anschuldigung, seine Arbeit ignoriere die tatsächlichen Bedürfnisse der Arbeiter. Konnte man die Autoritäten ernst nehmen? “Natürlich nahmen wir die ernst”, antwortet Horn, “es ging nur um die Arbeiter, die neue Klasse, die jetzt an der Macht war. Für die Arbeiter sollte etwas Neues entwickelt werden, ihnen sollte so deutlich gemacht werden, wie wichtig sie waren. Und da dachte man vor allem an reich dekorierte Möbel und ganz bestimmt nicht an einfache Kisten. Und das war eine Meinung, die wir nicht einfach ignorieren konnten.”

Rudolf Horn PUR Grassi Leipzig

Synthetische modulare Wandeinheiten mit einem sich spiegelnden Rudolf Horn im Grassi Museum für Angewandte Kunst zu Leipzig

Bekanntermaßen haben die Wünsche der Regierung ja aber häufig wenig mit der Realität zu tun. Während also die politische Führung für solide Holzmöbel eintrat, war die ostdeutsche Industrie verzweifelt mit der Frage beschäftigt, wie diese Möbel denn produziert werden können.

Ganz abgesehen von einem Mangel an Material, Maschinen und Fabriken war auch das schiere Volumen an Möbeln, das produziert werden musste, ein echtes Problem. Vor allem da die Produktion so schnell und effizient wie möglich vonstattengehen sollte.

Designer wie Rudolf Horn und seine Zeitgenossen standen ohne Frage unter dem Einfluss zahlreicher Designer und Architekten des Bauhauses. Von denen nach wie vor einige, wie beispielsweise Friedrich Engemann, Selman Selmanagic oder Walter Funkat, in der DDR lehrten. Und zum großen Glück für die ostdeutsche Industrie begannen Rudolf Horn und seine Kollegen so auch schnell damit die Wünsche der Obrigkeit zu ignorieren.

“Als wir also verstanden hatten, was wir genau wollten und uns von den Einwänden zugunsten der historischen Vorgaben befreit hatten, fingen wir einfach an zu arbeiten”, erklärt Horn, “und dann kam die Industrie. Und die wollte unsere Arbeiten.” Durch gute Kontakte zur Regierung bekamen sie die auch – und die Schrecken des Formalismus wurden ganz langsam vergessen.

Da stellt sich natürlich die Frage, warum Rudolf Horn und anderen erlaubt wurde an ihren Projekten zu arbeiten. Warum intervenierte niemand und stoppte sie?

Die Antwort ist so simpel wie naheliegend: “Wir waren jung, keiner kannte uns.”

Und auch heute kennen sie viele nicht. Horn und seine Kollegen entwickelten, vermarkteten und verkauften in der DDR, ohne dass sie als Designer einen Namen gehabt hätten. Die Ausstellung im Grassi Museum will das ändern. Für einen Designer von Rudolf Horns Rang ist die Präsentation im Grassi Museum jedoch viel zu klein. Sie liefert nicht mehr als eine Einführung zum Designer und seinem Werk, was wir sehr schade finden.

Wenn es nur ein anderes Museum gäbe, in dessen Lagern das Archiv der Hellerau Werkstätten schlummerte und das eine etwas detailliertere Untersuchung anstoßen würde…

Dass die Präsentation allerdings im Grassi Museum stattfindet, ist dann doch sehr passend. Hier begann nämlich die Geschichte von einem der interessantesten Projekte Horns, dem Loungesessel mit dem etwas unglücklichen Namen “Conferstar”. Ein Loungesessel mit einer erstaunlichen Ähnlichkeit zu Mies van der Rohes Barcelona Chair

Die Rudolf Horn Ausstellung ist bis 31. Dezember 2014 im Grassi Museum für Angewandte Kunst als Teil der Dauerausstellung “Jugendstil bis Gegenwart” zu sehen.

Rudolf Horn Conferstar Grassi Leipzig

Der Loungesessel Conferstar für Röhl von Rudolf Horn, gesehen im Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig

Form follows nature im Kunsthaus Kaufbeuren, Allgäu

September 4th, 2014

Über die besten strukturellen Formen verfügt bekanntlich die Natur. Folglich haben Ingenieure und Designer die Natur lange beobachtet und nach Inspiration gesucht. Die Resultate waren dabei so vielseitig, alltäglich und schließlich bedeutsam wie Klettverschlüsse, Turbinen oder auch die Spitzen von Zügen.

Das Geheimnis besteht natürlich darin zu wissen, wo man suchen muss. Beispielsweise dachte der erste “Vogelmann”, das Fliegen hinge nur mit dem Flügelschlag zusammen. Dabei dreht sich alles um Luftströme, kielförmige Brustbeine und hohle Knochen. Kaum hatte man das endlich verstanden, waren die Pioniere des Fliegens nicht mehr zu stoppen.

Architekten suchten offenbar ebenfalls in der Natur nach Inspiration und nach Lösungen für scheinbar unüberwindbare Probleme. Eine Ausstellung im Kunsthaus Kaufbeuren in der Nähe von Kempten im Allgäu feiert derzeit einen der Meister der Bionik in der Architektur, einer der genau wusste, wo er zu suchen hatte – den deutschen Architekten Frei Otto.

Der am 31. Mai 1925 in Chemnitz geborene Frei Otto studierte Architektur an der TU Berlin, bevor ihn 1950 ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes nach Amerika führte, wo er nicht nur Soziologie und Stadtplanung an der University of Virginia studierte, sondern auch Leute wie Eero Saarinen, Ludwig Mies van der Rohe, Frank Lloyd Wright oder Charles und Ray Eames kennenlernte. Nach seiner Rückkehr nach Berlin eröffnete Frei Otto 1952 sein eigenes Architekturbüro. Dem folgte 2 Jahre später der Abschluss seiner Doktorarbeit “Das hängende Dach”.

Inspiriert von den Ideen der jüngst in den USA kennengelernten Architekten interessierte sich Frei Otto zunehmend für organische, leichte Strukturen, die eher ein Teil der natürlichen Umgebung, als etwas künstlich Geschaffenes waren, vor allem hängende Strukturen erschienen ihm dabei interessant. In “Das hängende Dach” bemerkt Frei Otto: “Das moderne hängende Dach ist die jüngste Bauform. Vollendet und weitfassend beansprucht es seinen Platz. Es ist Architektur – ist Haus.”1 Danach verwendete Frei Otto die nächsten 150 Seiten sowie den Rest seiner Karriere darauf genau das unter Beweis zu stellen.

Im Jahr 1958 gründete Frei Otto die private Entwicklungsstätte für den Leichtbau in Berlin, bevor er 1968 nach Stuttgart umzog und dort die Entwicklungsstätte für den Leichtbau an der Technischen Hochschule Stuttgart gründete, die er bis zu seinem Eintritt in die Rente 1991 leitete.

Im Laufe seiner Tätigkeit arbeitete Otto mit Biologen, Anthropologen, Physikern und Wissenschaftlern aus anderen verwandten Disziplinen zusammen, um zu untersuchen, wie sich natürliche Strukturen am besten auf die Architektur übertragen lassen. Ähnlich wie Fritz Haller war Frei Otto größtenteils ein theoretischer Architekt. Einer, der viel plante, nachdachte und experimentierte, aber nur wenig wirklich baute. Allerdings stießen die wenigen realisierten Arbeiten grundsätzlich auf Anerkennung und Bewunderung bei allen, die sie zu sehen bekamen. Unter Frei Ottos berühmtesten Konstruktionen sind die sogenannte Tanzbrunnen Bühne für die Bundesgartenschau 1957 in Köln, der deutsche Pavillon auf der Expo 1967 in Montreal, Kanada und das Dach des Olympiastadions in München. In jüngerer Vergangenheit war Frei Otto beispielsweise am Entwurf des Daches für den neuen Hauptbahnhof in Stuttgart und am japanischen Pavillon auf der Expo 2000 beteiligt. Der Pavillon war dabei ein Projekt, das er in Zusammenarbeit mit Shigeru Ban realisierte.

Ottos “exotischste” Arbeit bleibt wahrscheinlich die Serie von dynamischen Sonnenschirmen, die er für die 1977er US-Tournee von Pink Floyd entwickelte. Neben seiner Lehre in Stuttgart war Frei Otto auch Gastdozent an so unterschiedlichen Institutionen, wie der Washington University in St. Louis, dem Massachusetts Institute of Technology und der Hochschule für Gestaltung Ulm tätig. Hinzu kommt die Veröffentlichung zahlreicher Standardwerke der Architektur.

Mit 25 Modellen von Projekten Frei Ottos und mit Skizzen, Fotos und einer Reihe von inspirierenden natürlichen Materialien will “Form follows nature” nicht nur untersuchen, wie Otto die Natur für seine Konstruktionen nutzte, sondern auch erklären, wie er durch seine Forschungen ein ganz eigenes Ideal eines Gebäudes entwickelte – in ökonomischer und ökologischer Hinsicht, und vor allem im Einklang mit der Natur. Neben Frei Otto präsentiert “Form follows nature” Arbeiten der in Stephanskirchen ansässigen Finsterwalder Architekten und des deutschen Künstlers Carsten Nicolai. So wird Frei Ottos Werk alternativen zeitgenössischen Methoden zur Nutzung von natürlichen Strukturen in kreativen Formfindungsprozessen gegenübergestellt.

“Form follows nature” läuft im Kunsthaus Kaufbeuren, Spitaltor 2, 87600 Kaufbeuren, Allgäu bis Sonntag, den 16.November.

Alle Details, darunter Informationen zum begleitenden Rahmenprogramm, sind unter www.kunsthaus-kaufbeuren.de zu finden.

1. Frei Otto, Das hängende Dach, Im Bauwelt Verlag, Berlin, 1954

Frei Otto Schäume  IL Uni Stuttgart

Eine Studie zu Schaum, Frei Otto (Foto: © IL Uni Stuttgart, mit freundlicher Genehmigung des Kunsthaus Kaufbeuren)

 

Frei Otto, Olympiastadion München 1972 Teilansicht IL Uni Stuttgart

Ein Teil des Daches vom Münchner Olympiastadion von Frei Otto, (Foto: © IL Uni Stuttgart, mit freundlicher Genehmigung des Kunsthaus Kaufbeuren)

Reihe Chemnitzer Kreativität: Silbærg Snowboards

September 1st, 2014

In der Vergangenheit haben wir uns zugegebenermaßen manchmal etwas harsch über Chemnitz geäußert. Unberechtigterweise, wie manche, oder eigentlich ziemlich viele, Leser anmerkten.

“Kommt schon. Chemnitz ist nicht so schlecht”, war die einhellige Meinung.

Also entschieden wir uns, mal etwas genauer hinzusehen und unsere Vorurteile hinter uns zu lassen. Kurzum, statt immer nur das Schlechte zu sehen, haben wir mal einen Blick auf die aktuelle Kreativszene in Chemnitz geworfen. Angefangen bei dem Snowboard-Hersteller Silbærg.

Im Rahmen eines Forschungsprojektes der TU Chemnitz ins Leben gerufen, machen die Silbærg Snowboards Gebrauch von der sogenannten Anisotropic Layer Design (A.L.D.) Technologie, mit der eine ganz neue Form von Snowboard geschaffen werden kann. Genau gesagt zeichnen sich die Boards dadurch aus, dass sich die Kanten entsprechend der Fahrsituation verformen. Wird mit dem Silbærg Snowboard eine Kurve gefahren, drückt sich die Kante in den Schnee und erhöht spürbar den Kantenhalt. Beim Boardslide dagegen hebt sich die Kante vom Rail ab, sodass ein Verkanten erschwert wird und sich die Kante nicht am Rail abnutzt.

Diese Innovation erfreut nicht nur die Boarder und Kritiker, sondern wurde auch mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Zuletzt gewann der Silbærg Carvomat Pro Carbon den Plus X Award für seine Innovativität, hohe Qualität, das Design und Funktionalität. 2014 wurde Silbærg beim Plus X Award außerdem in der Kategorie “Innovativste Marke” anerkannt.

silbaerg

Bis zur Forschungsarbeit von Silbæerg Gründer Jörg Kaufmann wurden derartige anisotropiebedingte Koppeleffekte nur in theoretischen Projekten betrachtet, welche den Prototypenstatus nicht verlassen haben. Laut Silbærg sind ihre Snowboards nun die ersten, die mit der Technologie in Serienproduktion gegangen sind.

Wir haben uns mit Jörg Kaufmann getroffen und mit ihm über die Boards, die Technik dahinter und Chemnitz als Ort für so ein Projekt gesprochen. Zuerst wollten wir jedoch wissen, ob am Anfang die Lust neue Snowboards zu entwickeln oder der Wunsch die A.L.D. Technologie anzuwenden stand.

Jörg Kaufmann: Ich boarde seit 1995 und je mehr Wissen über und Erfahrung mit der Technik ich gesammelt hatte, desto mehr wuchs der Wunsch in mir, die beiden Dinge miteinander zu verbinden. Die Möglichkeit bot sich dann im Rahmen meiner Doktorarbeit, in der ich anisotropiebedingte Koppeleffekte untersucht habe. Wir unternahmen unzählige Versuche mit Faserverbundplatten und als ich sah, wie die sich verformen können, war klar für mich, dass ich so eine Technologie auf Snowboards anwenden sollte.

(smow) blog: Anisotropiebedingte Koppeleffekte und Faserverbundplatten sind nichts, wovon viele Leute etwas verstehen. Ohne zu viel darüber zu verraten, was ist das Geheimnis der Funktionsweise eurer Boards?

Jörg Kaufmann: Das Geheimnis der Technologie liegt in der Ausrichtung der Fasern im Snowboard. Ein normales Snowboard hat  maschinell hergestellte Faserhalbzeuge, unsere Boards haben einen Kern, die aus bis zu 40 Stücken bestehen und von Hand in Chemnitz gefertigt werden. Die Anordnung der Fasern und die manuelle Fertigung machen den Unterschied und rufen den einzigartigen Effekt hervor.

(smow) blog: Klingt soweit ganz simpel. Aber sicher verlief die Entwicklung nicht problemlos, oder?

Jörg Kaufmann: Die Effekte, die wir in dem Board erzeugen, sind normalerweise auch von der Temperatur abhängig, wodurch es schwer war, ein Stadium zu erreichen, in dem die Boards gepresst werden konnten, ohne sich dabei zu verformen. Generell war es ein langer Prozess, den Effekt zu optimieren, weil er einen Gegenlauf beinhaltet, den richtig zu verstehen und zu integrieren, sehr kompliziert war. Im Zuge der Entwicklung haben wir über 1000 Modelle in Computersimulationen getestet, was mit klassischem Prototypen und den branchentypischen “Trail and Error”-Methoden nie möglich gewesen wäre.

(smow) blog: Aber am Ende muss man das Board mit auf einen echten Berg nehmen?

Jörg Kaufmann: Ja, wir haben sie in Zermatt in Form von anonymisierten weißen Boards, d.h. einer nicht zuordenbaren Mischung aus unseren und “normalen” Boards, getestet. Das Testteam bestand aus zehn Boardern, die jedes Board getestet und nach jeder Fahrt einen Evaluationsbogen ausgefüllt haben. Die abschließende Analyse der Daten hat eindeutig ergeben, dass die Boards mit A.L.D. Technologie besser als die herkömmlichen fuhren. Die Ergebnisse haben das gute Gefühl unserer Tester bestätigt und deutlich gemacht, dass es Sinn machen würde, eine Firma zu gründen und die Boards kommerziell herzustellen.

(smow) blog: Und was war leichter zu entwickeln, das Board oder die Firma?

Jörg Kaufmann: Sehr gute Frage! Die Entwicklung des Boards dauerte sechs Jahre und ich wusste, dass die Entwicklung der Marke, die Marktdurchdringung und die Internationalisierung schwieriger werden würden. Und wie sich herausstellte, ist es auch so. Aber es macht jeden Tag Spaß an der eigenen Marke und den eigenen Produkten zu arbeiten und in die leuchtenden Augen von begeisterten Kunden zu sehen.

(smow) blog: Die meisten Snowboarder wollen natürlich nicht nur gut fahren, sondern auch gut dabei aussehen. Wie viel Aufmerksamkeit schenkt ihr der äußeren Form eurer Boards?

Jörg Kaufmann: Im Moment werden die individuellen Faserhalbzeuge per Hand hier in Chemnitz hergestellt und die Boards selbst werden in Österreich von GST, einem der führenden Snowboardhersteller der Welt, gepresst. Zum Glück können wir dabei auf die Erfahrung von 20 Jahren Snowboardbau zurückgreifen und ihre Shapes nutzen. Die Formgestaltung ist auf jeden Fall ein wichtiger Aspekt der Boards und birgt für uns einiges Entwicklungspotential, da so nicht zuletzt der Widererkennungswert der Boards gesichert wird. Aus diesem Grund forschen wir auch an eigenen Shapes, die kommen aber erst auf den Markt, wenn sie wirklich perfekt sind – so wie unsere A.L.D. Technologie.

(smow) blog: “Entwicklungspotential”… Ihr habt in Chemnitz angefangen, weil ihr dort wart. Wenn alles etwas größer wird, wollt ihr bleiben?

Jörg Kaufmann: Für uns ist Chemnitz ein sehr guter Ort und ich sehe keinen Grund nicht hier zu bleiben. Mit der engen Zusammenarbeit mit der TU Chemnitz und vor allem mit dem Institut für Strukturleichtbau haben wir den perfekten Partner für Innovationen direkt vor unserer Haustür. Auch sind wir von Chemnitz aus relativ schnell in den Alpen, was sehr wichtig für den Verkauf und das Marketing während der Saison ist, und mit Oberwiesenthal haben wir den perfekten Ort für Tests gleich um die Ecke. Außerdem gibt es in Chemnitz relativ viele hochqualifizierte Studenten, was für die weitere Entwicklung des Projekts wichtig ist.

(smow) blog: Und am Ende müssen wir es einfach noch fragen: Hat man durch das Board einen Vorteil in Wettbewerben? Darf man es da überhaupt benutzen?

Jörg Kaufmann: Das Snowboard-Studenten-Team der TU Chemnitz hat bei der letzten deutschen Hochschulmeisterschaft auf Silbærg Boards in den Olympischen Disziplinen Halfpipe, Boardercross und Slopestyle je die Goldmedaille und weitere Platzierungen geholt. Ich denke, das ist Antwort genug…

Weitere Details zu silbærg Snowboards sind zu finden unter http://silbaerg.com/

 

silbaerg a l d snowboard

Das Prinzip der Silbærg A.L.D Snowboard Technologie