smow Blog kompakt: O.M. Ungers – Morphologie – City Metaphors im Ungers Archiv für Architekturwissenschaft Köln

September 15th, 2014

Nach der Überführung des New Yorker Cooper Union Design Museums in die Smithsonian Institution unter dem neuen Namen Copper-Hewitt, National Design Museum plante die erste Direktorin eine Eröffnungsausstellung. Diese sollte nicht nur für den neuen Status des Museums stehen, sondern auch die neue Richtung des Museums vorgeben – es sollte eine Ausstellung werden, die die “Philosophie des neuen National Museums of Design der Smithsonian Institution”1 visuell zum Ausdruck bringen würde.

Zu diesem Zweck wurden im Jahr 1974 Designer und Architekten, darunter Richard Saul Wurman, Charles und Ray Eames sowie George Nelson darum gebeten Vorschläge einzureichen. Der Auftrag ging letztendlich an den österreichischen Architekten und Designer Hans Hollein und sein Konzept “MAN transFORMS”, mit dem die Ausstellung am 7. Oktober 1976 eröffnet wurde. Hans Hollein zufolge war die Schau nicht nur als eine Präsentation von Design, sondern auch als “ein Statement zu dem, was Design ist” konzipiert. In erster Linie sollte sich die Ausstellung mit dem Leben und unterschiedlichen Lebenssituationen befassen.2

Die Hauptausstellung umfasste, neben anderen Ausstellungsstücken, einen Tisch, auf dem unterschiedliche Sorten Brot präsentiert wurden, einen Raum, in dem Hämmer in verschiedenen Formen gezeigt wurden, und eine ganz genaue Dokumentation der Vielzahl von Nutzungsmöglichkeiten eines einfachen Kleidungsstücks. “MAN transFORMS” präsentierte speziell in Auftrag gegebene Beiträge von Peter M. Bode, Arata Isozaki, Ettore Sottsass, Richard Buckminster Fuller, Richard Meier, Nader Ardalan/Karl Schlamminger und Oswald M. Ungers.

Eine verkleinerte Version von Oswald M. Ungers Beitrag “Morphologie – City Metaphor” wird das Ungers Archiv für Architekturwissenschaft Köln jetzt im Zusammenhang mit dem Plan14 Architekturfestival zeigen. Mithilfe eines in eine idealisierte Straße verwandelten Korridors im Erdgeschoss des Copper-Hewitt Museums präsentierte “Morphologie – City Metaphors” eine Gegenüberstellung von Stadtansichten, Stadtplänen, gebauten Lebenswelten und natürlichen Organismen, natürlichen Netzwerken und Bildern des täglichen Lebens. Jeweils zwei Bilder aus den entgegengesetzten Bereichen wurden unter einem gemeinsamen Begriff vereint – wie zum Beispiel Kreuzungen, Regelmäßigkeit oder Wirbelsäule. Mit seiner Installation hoffte Ungers bei den Besuchern neue Perspektiven anzuregen, und das nicht nur in Bezug auf die sie umgebende Welt, sondern auch hinsichtlich der Möglichkeiten und Bedeutungen, wie Dinge entworfen und realisiert werden könnten.

Themen also, die wunderbar zum zentralen Motto des Plan14 Festivals “Architektur im Kontext” passen.

Neben dem maßstabsgetreuen Modell der ursprünglichen Ausstellung in New York umfasst die Ausstellung in Köln auch eine Auswahl von originalen Fotografien und Ausstellungstafeln. “Morphologie – City Metaphors” wird so nicht nur, wie die originale Installation, inspirierend und motivierend wirken, sondern auch helfen, den Besuchern die Arbeit und die Gedanken Oswald M. Ungers näher zu bringen.

“O.M. Ungers – Morphologie – City Metaphors” ist zu sehen im Ungers Archiv für Architekturwissenschaft, Belvederestrasse 60, 50933 Köln von Freitag, den 19. September, bis Freitag, den 26. September 2014, zu sehen.

Alle Detail gibt’s unter www.ungersarchiv.de.

1. Hans Hollein Design MAN transFORMS Konzepte einer Ausstellung , Löcker Verlag, Wien, 1989

2. ebd.

O M Ungers Morphologie  City Metaphors Ungers Archiv für Architekturwissenschaft Köln

O.M. Ungers - Morphologie - City Metaphors im Ungers Archiv für Architekturwissenschaft Köln (Foto mit freundlicher Genehmigung des UAA)

Architektur Design Industrie – Vitra Campus. Ein Jubiläum im Aedes am Pfefferberg, Berlin

September 15th, 2014

Die Auswirkungen der kulturellen und politischen Umwälzungen des Jahres 1989 sind noch heute spürbar. Damals fiel die Berliner Mauer, George Bush wurde als 41. Präsident der USA vereidigt, Nirvana veröffentlichten ihr drittes Album “Bleach”, in Schottland wurde die Kopfsteuer eingeführt und die erste Folge der Simpsons wurde ausgestrahlt. Und, um auf den Punkt unserer Einleitung zu kommen, 1989 wurde auch das Vitra Design Museum in Weil am Rhein eröffnet. Ein Museum, das nicht nur zahlreiche von den Kritikern gefeierte Ausstellungen zu Design und Popkultur hervorgebracht hat, sondern das auch den eigentlichen Ausgangspunkt des Vitra Campus markiert. So steht das Vitra Design Museum auch für den Übergang der Firma Vitra vom reinen Möbelhersteller zum Kurator von zeitgenössischer Architektur und aktuellem Design.

Im November 2013 brachte Vitra anlässlich des bevorstehenden Geburtstages die Publikation “Vitra Campus – Architektur Design Industrie” heraus. Mehr oder weniger auf Grundlage dieses Buches entstand eine Ausstellung, die derzeit im Architekturforum Aedes am Pfefferberg gezeigt wird.

Vitra Campus Architektur Design Industrie Aedes Am Pfefferberg Berlin

Architektur Design Industrie - Vitra Campus. Ein Jubiläum bei Aedes am Pfefferberg, Berlin

“Architektur Design Industrie” wurde von Aedes konzipiert und von Chris Rehberger designt. Rehberger ist Mitarbeiter der Berliner Agentur Double Standards und auch für das Design des zugrundeliegenden Buches verantwortlich. Die Ausstellung präsentiert einen kompakten Überblick über die Objekte und Gebäude auf dem Vitra Campus sowie Videointerviews mit den verantwortlichen Architekten und Kataloge ausgewählter Ausstellungen im Vitra Design Museum. Besonders akademisch, technisch oder übermäßig kritisch ist die Ausstellung beim besten Willen nicht. Vielmehr handelt es sich um eine sehr zugängliche, klar designte offene Präsentation, die einerseits die nötigen Hintergrundinformationen bietet, um zu verstehen, was der Vitra Campus überhaupt ist, und zum anderen auch detaillierte Informationen für alle liefert, die mehr darüber wissen wollen.

Dem bisherigen Vitra Chef Rolf Fehlbaum zufolge wuchs der Vitra Campus sehr organisch ohne einen langfristigen Masterplan. Nach dem berüchtigten Feuer von 1981, das die ursprüngliche Vitra Produktionshalle in Weil am Rhein zerstörte, beschloss Fehlbaum das Gelände in Zusammenarbeit mit zunächst nur einem Architekten, und zwar Nicholas Grimshaw, neu zu gestalten. Nachdem er allerdings Frank Gehry kennengelernt und ihn mit dem Bau des Vitra Design Museums sowie einer Produktionshalle beauftragt hatte, sah er sich mit einer schwierigen Situation konfrontiert.

Gehrys Produktionshalle und Grimshaws Produktionshalle standen ganz nah beieinander, glichen sich auch in Sachen Größe, Preis und Funktion, sahen aber ansonsten absolut unterschiedlich aus. So traten die unterschiedlichen Möglichkeiten der Architektur auf einfache Weise offen zu Tage und inspirierten Fehlbaum zu einem Vorhaben, das die unterschiedlichen Gebäuden von Zaha Hadid, Álvaro Siza, Renzo Piano und vielen anderen zur Folge hatte. Mit dem Auftrag für die Skulptur “Balancing Tools” von Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen im Jahr 1984 erhielt der Vitra Campus dann sein erstes Kunstwerk, das außerhalb des Produktionsbereiches platziert wurde und so als erstes Objekt auch öffentlich zugänglich war. Nach der Eröffnung von Gehrys Museumsbau wurde der “öffentliche” Bereich erstmals 1993 wieder mit Tadao Andos Konferenzpavillon und später durch Herzog & de Meurons VitraHaus erweitert. So entstand der aktuelle Mix aus öffentlichen und industriellen Räumen. Ein Mischung, die auf wunderbare Weise durch die zwei jüngsten Neuheiten weitergeführt wurde – die SANAA Produktionshalle, eine saubere, funktionale, wenn nicht gar monumentale Konstruktion, und den Vitra Rutschturm.

Vitra Campus Architektur Design Industrie Aedes Am Pfefferberg Berlin

Architektur Design Industrie - Vitra Campus. Ein Jubiläum bei Aedes am Pfefferberg, Berlin

Ausgehend von einer Diskussion zwischen Aedes und dem Vitra Design Museum ist die Entscheidung, die Ausstellung “Architektur Design Industrie” im Aedes Berlin zu zeigen, sehr passend, da Aedes schon 1989 die erste Monografie zu Frank Gehrys damals brandneuem Vitra Design Museum veröffentlicht hat. Der passende Ort also für die “Geburtstagsausstellung”, wenn man so will.

Dem Chefkurator des Vitra Design Museums Mateo Kries zufolge ist “Architektur Design Industrie” vorerst nur als einmalige Präsentation im Aedes angedacht. Allerdings ist es nicht nur ziemlich sicher, sondern fast schon garantiert, dass der Erfolg aus der Ausstellung eine Wanderausstellung machen wird. Nicht zuletzt weil sie sich in Sachen Form und Inhalt doch auch perfekt als Ausstellung für die Räume von Vitras Flagship Stores und Händler-Netzwerk eignet.

Wir nehmen der zwangsläufigen und augenscheinlichen Frage die Antwort vorweg: Ja, zuweilen sieht die Ausstellung wie eine Verkaufsmasche von Vitra und, angesichts der Beleuchtung, von Artek aus. Es wäre allerdings auch komisch gewesen, alle kommerziellen Bezüge zu Vitra wegzulassen, sie machen Vitra schließlich auch aus. Vitra Campus und Vitra Design Museum sind ausgehend vom Möbelhersteller Vitra entstanden, insofern wäre es irgendwie verdreht den Ausstellungsraum mit anderen Möbeln als denen des Herstellers zu füllen.

OK, die Stühle aus der Miniaturen Kollektion des Vitra Design Museums, die auch ausgestellt sind, sind etwas unnötig, zumal ausschließlich Vitra Miniaturen gezeigt werden, obwohl die Miniaturenkollektion eigentlich wunderbar unabhängig und demokratisch auf die gesamte Geschichte des Möbeldesigns eingeht. Auch den “Vitra Home Collection”-Katalog auf dem Haupttisch hätte man weglassen können – der wirkte aufdringlich und hatte mit dem eigentlichen Thema nun wirklich nichts zu tun.

Abgesehen davon dreht sich die Ausstellung dezidiert um den Vitra Campus und das Vitra Design Museum.

Eine etwas grundsätzlichere Kritik an der Ausstellung wäre, dass die Texte ausschließlich auf deutsch sind. Wir verstehen schon warum, denken aber trotzdem, dass die Ausstellung so sehr begrenzt wird. Irgendeine Form von Übersetzung wäre einfach gut gewesen. Vor allem in einer so globalen Stadt wie Berlin, in der Deutsch in vielen Bereichen die inoffizielle zweite Amtssprache ist.

Lässt man diese Kritik mal beiseite, bleibt “Architektur Design Industrie” eine fesselnde Einführung zu einem wirklich faszinierenden Ort.

“Architektur Design Industrie – Vitra Campus. Ein Jubiläum” ist bis Sonntag, den 28. September, im Architekturforum Aedes am Pfefferberg, Christinenstrasse 18-19, 10119 Berlin zu sehen.

Weitere Details sind unter www.aedes-src.de zu finden.

smow Blog kompakt: aed Stuttgart präsentiert Zukunftslabor Weißenhofsiedlung

September 11th, 2014

Das Ziel der 1927 im Rahmen der Ausstellung “Die Wohnung” errichteten Weißenhofsiedlung in Stuttgart war “… eine Reduktion der Kosten beim Hausbau und der laufenden Kosten sowie eine Vereinfachung der Haushaltsarbeit und eine grundsätzliche Anhebung des Lebensstandards.” Aber sind diese Vorhaben tatsächlich Wirklichkeit geworden? Oder handelt es sich bei der Siedlung nur um eine Ansammlung von Gebäuden von Max Taut, Hans Poelzig, Mies van der Rohe, Le Corbusier, Mart Stam, Peter Behrens und ihresgleichen und damit um eine Möglichkeit für eine kleine Gruppe von Modernisten sich ein Denkmal zu setzen?

Im Rahmen einer speziell organisierten Tour über das gesamte Gelände werden die Kunsthistorikerinnen Carola Franke-Höltzermann und Anja Krämer vom Museum der Weißenhofsiedlung am 17. September die Geschichte, Bedeutung und das Erbe der Weißenhofsiedlung und der Ausstellung “Die Wohnung” genauer erläutern. Danach stellen Jonathan Busse von alphaEOS, einem Stuttgarter Spezialisten für Heizungssysteme, und Dr. Christian Bergmann von Werner Sobek Design die neueste Erweiterung der Weißenhofsiedlung vor – das B10 Active House. Eine Konstruktion die unserer Meinung ganz in der Tradition der ursprünglichen Ausstellung steht.

Die aed Stuttgart Tour “Zukunftslabor Weißenhofsiedlung” findet am Mittwoch, den 17. September um 19 Uhr statt. Jeder ist willkommen, jedoch wird um vorherige Anmeldung gebeten.

Alle Details sind unter www.aed-stuttgart.de zu finden.

weissenhofsiedlung stuttgart Ludwig Mies van der Rohe Jacobus Johannes Pieter Oud

Beiträge von Ludwig Mies van der Rohe (l) und Jacobus Johannes Pieter Oud (r), Weißenhofsiedlung Stuttgart

weissenhofsiedlung stuttgart mart stam

Häuser von Mart Stam, Weißenhofsiedlung Stuttgart

B10 Active House by Werner Sobeck Stuttgart

B10 Active House von Werner Sobeck, Weißenhofsiedlung Stuttgart

5 neue Designausstellungen im September 2014

September 9th, 2014

Eine trübe Kühle am Morgen und müde zur Schule trabende Kinder machen die Tatsache, dass sich der Sommer langsam seinem Ende zuneigt, zur bitteren Gewissheit. Und während der Frühling stets in die Natur lockt, ruft im Herbst stattdessen die kunstvolle Welt der Museen und Galerien. So können wir euch im September, sozusagen auch als kleine Wiedergutmachung für die mickrigen drei Architektur- und Designausstellungen im August, sage und schreibe 7 Ausstellungen präsentieren.

Sieben Ausstellungen, die nicht nur den Durchschnitt wieder anheben, sondern hoffentlich auch Inspiration und Hoffnung schenken. Und wir denken gerade in der Jahreszeit, die von einer gewissen Niedergeschlagenheit dominiert wird, kann das ja nicht schaden.

“Crafting Narrative” im Pitzhanger Manor House & Gallery, London, England

London ist beim besten Willen keine Stadt, der es an namhaften Galerien und Museen mangelt. Trotz dieser scheinbaren musealen Übersättigung macht sich eine kleine Galerie im westlichen Londoner Vorort Ealing langsam aber sicher einen Namen als eine der führenden Adressen in Sachen Designausstellungen in London. Nach der medienübergreifenden Ausstellung “Reason and Institution: Alvar Aalto & Ola Kolehmainen in Soane” zeigt das Pritzhanger Manor House & Gallery “Crafting Narrative”, eine Ausstellung, die sich mit Narration im Design beschäftigt. Die vom UK Crafts Council organisierte und von dem Londoner Designer Onkar Kular kuratierte Ausstellung “Crafting Narrative” ist eine Wanderausstellung, die zeigen will, wie zeitgenössische Designer den Designprozess und die Herstellung nutzen, um Erzählungen zu entwickeln, die kulturelle, historische und soziale Themen aufgreifen. Gezeigt werden Arbeiten von so unterschiedlichen Leuten wie Hilda Hellström, El Ultimo Grito oder Matino Gamper, darüber hinaus stellt die Ausstellung zahlreiche Projekte vor – darunter Zhenhan Haos Kleiderkollektion “Imitation, Imitation” oder “The Welsh Space Campaign” von Helfin Jones. Mit Arbeiten wie diesen hat “Crafting Narrative” das Potenzial eine wirklich unterhaltsame und provokante Ausstellung zu werden.

“Crafting Narrative” wird am Mittwoch, den 10. September, im Pitzhanger Manor House & Gallery, Walpole Park, Mattock Lane Ealing, London W5 5EQ eröffnet und läuft bis Sonntag, den 19. Oktober 2014.

Hefin Jones The Welsh Space Campaign Crafting Narrative

Hefin Jones - The Welsh Space Campaign, Teil der Ausstellung "Crafting Narrative" im Pitzhanger Manor House & Gallery (Foto © Dan Burn-Forti, mit freundlicher Genehmigung des Craft Council UK)

“100 Jahre Schweizer Design” im Museum für Gestaltung, Zürich, Schweiz

Im September 2014 öffnet das Museum für Gestaltung Zürich sein drittes Lagerhaus im Toni-Areal in Zürich. Neben mehr Platz für die Sammlung des Museums gibt es mit dem Schaudepot dann auch einen neuen Ausstellungsraum. Dieser wird mit der Ausstellung “100 Jahre Schweizer Design” eingeweiht. Mit Lichtschaltern und Gemüseschälern über Möbeldesignklassiker von Designern wie Le Corbusier, Max Bill oder Willy Guhl bis hin zu Kleidung und eher konzeptionellem Design präsentiert die Ausstellung über 800 Objekte, Prototypen, Modelle, Skizzen und Werbefilme. “100 Jahre Schweizer Design” verspricht so eine der offensten und weitgefasstesten Ausstellungen zur Schweizer Designtradition zu werden, die es bisher gegeben hat.

“100 Jahre Schweizer Design” ist vom 26. September 2014 bis 8. Februar 2015 im Museum für Gestaltung – Schaudepot, Toni-Areal, Pfingstweidstraße 96, CH-8005 Zürich zu sehen.

100 Jahre Schweizer Design Willy Guhl Scobalit-Stuhl mit abnehmbaren Sitzschalen

Der Scobalit Stuhl von Willy Guhl. Teil der Ausstellung 100 Jahre Schweizer Design, Museum für Gestaltung, Zürich

“Le Labo des héritiers” im Le Grand Hornu Images, Hornu, Belgien

Wir haben da keine direkten Erfahrungen, aber wir nehmen mal an, dass es nichts vertrackteres gibt als den Versuch als Sprössling eines international bekannten Kreativen eine Karriere im gleichen Bereich zu machen. Die Leute beschuldigen dich entweder am Rockzipfel deiner Eltern zu hängen oder sie sehen deine Arbeiten nur im Kontext deiner Eltern, und weigern sich hartnäckig dich als unabhängiges Individuum zu akzeptieren. Folglich denken die meisten Kinder und Enkel gar nicht erst daran. Manche trauen sich aber auch, und das mit großem Erfolg. Die Ausstellung “Le Labo des héritiers” widmet sich vier “kreative Dynastien” und untersucht anhand dieser Familien Fragen wie: “In welcher Beziehung stehen jüngere Generation zum Werk der älteren Generationen – und umgekehrt?”, “Ist der Drang einem Elternteil zu widersprechen größer als der Instinkt ihm zu folgen?”, “Sind Familienangehörige für eine Karriere ausschlaggebender als Lehrer, Kritiker, Kollegen und andere nicht familiärer Einflüsse?” Mit Objekten, Skizzen, Fotografien und Texten untersucht “Le Labo des héritiers” solche Fragen anhand der Biografien von Gijs Bakker und Emmy van Leersum mit ihrem Sohn Aldo Bakker; Pieter, Lowie, Tinus und Robin Vermeersch und ihrem Vater Rik sowie Großvater José; Tobia Scarpa und seinem Vater Carlo Scarpa sowie David und Hannes Van Severen, den Kindern von Maarten Van Severen und Enkeln des belgischen abstrakten Malers Dan Van Severen.

“Le Labo des héritiers” ist ab Sonntag, den 21. September 2014, bis Sonntag, den 4. Januar 2015, im Le Grand Hornu Images, Rue Sainte-Louise, 82, 7301 Hornu, Belgien zu sehen.

Le stock d’atelier de muller van severen Le Labo des héritiers

Le stock d’atelier de Muller Van Severen (Foto: Fien Muller, mit freundlicher Genehmigung von Le Grand Hornu Images)

“Copper Crossing” im Triennale Design Museum, Mailand, Italien

Kupfer kann in vielerlei Hinsicht als Brücke zwischen dem technischen Fortschritt der Jungsteinzeit, als unsere Vorfahren damit begannen Werkzeuge zu formen, und der Bronzezeit, als die gesteigerten technischen Fähigkeiten mit einem neuen, jedoch schwer biegsamen Material zusammentrafen, verstanden werden. Auch wenn die Kupferzeit nur um die 3000 Jahre angedauert hat, war sie ausschlaggebend für die kulturelle, soziale und intellektuelle Evolution der Menschheit. So nutzten die Römer Kupfer als eine ihrer frühesten Währungen; durch die besondere Flexibilität konnte Kupfer im Bau, vor allem beim Dachdecken und der Fassadenverkleidung eingesetzt werden; die Entwicklung von Wasserleitungen aus Kupfer steuerte den negativen Auswirkungen der üblichen Bleileitungen entgegen und die gute Leitfähigkeit des Kupfers ermöglichte die zunehmende Elektrisierung unseres alltäglichen Lebens. Wo wären wir also ohne Kupfer? In der Ausstellung “Copper Crossing” präsentiert das Triennale Design Museum den aktuellen Forschungsstand in dem Bereich und befasst sich mit Kupfer in der zeitgenössischen Kunst, Architektur und Technologie sowie im zeitgenössischen Design. Gezeigt werden dabei über 250 auf Kupfer basierende Projekte von Künstlern und Architekten wie Joseph Beuys, Anselm Kiefer, James Stirling und Renzo Piano sowie Designobjekte von beispielsweise Tom Dixon, Ron Arad und Oskar Zieta. Ein Teil am Ende der Ausstellung befasst sich außerdem genauer mit der technischen Nutzung von Kupfer, wie bei IT- und Kommunikationsanwendungen und mit den antibakteriellen Eigenschaften des Kupfers. Auf diese Weise untersucht “Copper Crossing” detailliert die zeitgemäße Relevanz eines der ältesten Materialien der Menschheit. Ja, das hört sich alles etwas nach einer teuren und dekadenten Werbekampagne für Kupfer an, aber hat Kupfer das nötig? Natürlich nicht!

“Copper Crossing” kann vom 16. September bis 9. November im Triennale Design Museum, Viale Alemagna 6, 20121 Mailand besucht werden.

Oskar Zieta Plopp Copper

Plopp Kupfer von Oskar Zieta, Teil von Copper Crossing im Triennale Design Museum, Mailand

“Spatial Positions 8: Kooperationen. Diener&Diener in Zusammenarbeit mit Martin Steinmann und Josef Felix Müller / Peter Märkli und Josephsohn” im Schweizer Architekturmuseum, Basel, Schweiz

2014 feiert das Schweizer Architekturmuseum in Basel seinen 30. Geburtstag und zeigt als Teil der Feierlichkeiten eine von der ersten Direktorin des Museums, Dr. Ulrike Jehle-Schulte Strathaus, kuratierte Ausstellung. Die Gebiete von Architektur und Kunst überschneiden sich häufig, wobei sich bisher entweder Künstler der Architektur zuwendeten oder Architekten auf einmal Kunst machten. Für “Spatial Positions 8″ hat das Schweizer Architekturmuseum Paare von Architekten und Künstlern gebildet, die an einem gemeinsamen Projekt arbeiten sollen, einem Projekt, das untersuchen soll, was eigentlich passiert, wenn beide Disziplinen zusammenkommen. So wurde der Baseler Architekt Roger Diener mit dem Künstler Josef Felix Müller aus St. Gallen zusammengebracht, während der in Zürich ansässige Architekt Peter Märkli mit dem Züricher Bildhauer Hans Josephson zusammenarbeitete. Neben der Präsentation der Resultate, also den entstandenen Prototypen, Skizzen und Entwicklungsstufen, wird die Ausstellung, so hoffen wir jedenfalls, Aufschluss darüber geben, inwiefern Architekten einfach nur Künstler mit einem Sinn für Ordnung sind und Künstler wiederum Architekten sind, die nicht an eine Begrenzung des Raumes durch Wände glauben.

“Spatial Positions 8: Kooperationen. Diener&Diener in Zusammenarbeit mit Martin Steinmann und Josef Felix Müller / Peter Märkli und Josephsohn” wird am Samstag, den 6. September im SAM Schweizer Architekturmuseum, Steinenberg 7, CH-4051 Basel eröffnet und ist dort bis Sonntag, den 19. Oktober 2014, zu sehen.

Spatial Positions 8: Kooperationen. Diener&Diener in Zusammenarbeit mit Martin Steinmann und Josef Felix Müller / Peter Märkli und Josephsohn" at the Swiss Architecture Museum, Basel, Switzerland

Spatial Positions 8: Kooperationen. Diener&Diener in Zusammenarbeit mit Martin Steinmann und Josef Felix Müller / Peter Märkli und Josephsohn" im Schweizer Architekturmuseum, Basel

“Future Stars?” in der Aram Gallery, London

Die Aram Gallery wurde im Jahr 2002 von Zeev Aram gegründet. Dieser ist Eigentümer des Aram Möbelgeschäfts für moderne Möbel und Besitzer der exklusiven globalen Rechte an den Möbeldesigns von Eileen Gray. Seine Galerie zeigt Ausstellungen mit zeitgenössischer Kunst und zeitgenössischem Design, Ausstellungen, die meist experimentell und konzeptionell angelegt sind. Als Teil ihres Beitrags zum London Design Festival 2014 zeigt die Aram Galerie neue Arbeiten von sieben jungen Designern. Designern, denen die Aram Gallery eine glorreiche Zukunft prophezeit. Mit Produktdesigns von Maria Jeglinska, Kim Thome, James Shaw und Lola Lely, Kleidung und Schuhen von Cat Potter, Schmuck von Sophie Thomas und, wir nehmen mal an, etwas konzeptionellerem vom Arnhemer Thor ter Kulve verspricht “Future Stars?” nicht nur eine faszinierende Ausstellung zu werden, sondern auch all das mitzubringen, was den meisten der eher kommerziellen und korporativen Veranstaltungen des London Design Festivals fehlt.

“Future Stars?” ist vom 13. September bis 25. Oktober in der Aram Gallery, 110 Drury Lane, Covent Garden, London, WC2B 5SG zu sehen.

aram gallery future stars

Future Stars? in der Aram Gallery London

“Alvar Aalto – Second Nature” im Vitra Design Museum, Weil am Rhein

Alvar Aalto steht wie kein Zweiter für das zugängliche Design des 20. Jahrhunderts. Er fragte für wen der Funktionalismus eigentlich funktional sein soll und machte auf diese Weise deutlich, dass die Moderne auch human sein kann. Schließlich war er maßgeblich daran beteiligt, Nachkriegsdesign und -architektur auf den uns bekannten Weg zu bringen. Darüber hinaus machte er das Formsperrholz im Möbeldesign salonfähig und lehrte uns, dass Designer auch Hersteller sein können. Mit der ersten großen Retrospektive von Alvar Aaltos Werk in diesem Jahrzehnt will das Vitra Design Museum nicht nur die wichtigsten Design- und Architekturarbeiten Aaltos untersuchen, sondern auch Einflüsse auf Aalto und sein Werk beleuchten. Dazu gehören Altos Korrespondenz mit Künstlern wie Hans Arp und Laszlo Moholy-Nagy sowie seine Kontakte und Beziehungen zu den international bedeutendsten Architekten jener Zeit. Wir können allerdings nicht versprechen, dass sie die unglaubliche Geschichte vom Treffen Alvar Aaltos mit George Nelson wiederholen.

“Alvar Aalto – Second Nature” wird am Samstag, den 27. September eröffnet und ist dann bis 1. März 2015 im Vitra Design Museum, Charles-Eames-Str. 2, D-79576 Weil am Rhein zu sehen.

Alvar Aalto on his boat Nemo Propheta

Alvar Aalto in seinem Boot Nemo Propheta in den 1960er Jahren (Foto Göran Schildt © Schildt Foundation, mit freundlicher Genehmigung des Vitra Design Museums)

Rudolf Horn im Grassi Museum für Angewandte Kunst zu Leipzig

September 6th, 2014

Wir haben es schon im Post zur diesjährigen Sommerausstellung der Burg Giebichenstein bemerkt: die Burg gehört derzeit zu den interessantesten Designschulen in Deutschland. Und das hängt vor allem mit der gewissenhaften Arbeit und dem guten Ruf der Schule vor dem Mauerfall zusammen, und damit wie diese Arbeit über die Wendezeit hinaus weitergeführt wurde.

Einer der interessantesten und wohl auch einflussreichsten Mitarbeiter der Burg Giebichenstein zu DDR-Zeiten war Rudolf Horn. Er trat im Jahr 1966 dem Fachbereich für Design der Burg Giebichenstein bei und blieb bis 1996. Fast im Alleingang war Horn für die Möblierung Ostdeutschlands verantwortlich und leistete so einen großen Beitrag zur deutschen Designgeschichte. Diesem Beitrag widmet sich derzeit eine sehr kleine, aber auch sehr informative Ausstellung im Grassi Museum für Angewandte Kunst zu Leipzig.

Rudolf Horn MDW Grassi Leipzig

Das modulare MDW-System für VEB Deutsche Werkstätten Hellerau von Rudolf Horn, gesehen im Grassi Museum für Angewandte Kunst zu Leipzig

Der 1929 im sächsischen Waldheim geborene Rudolf Horn ließ sich erst zum Tischler und anschließend zum Innendesigner ausbilden, bevor er eine Stellung beim Möbelhersteller VEB Möbelwerke in Heidenau annahm. Im Jahr 1952 wechselte er zum deutschen Ministerium für Lichtindustrie und blieb dort bis er 1962 dem “Büro für Entwicklung, Messen und Werbung” in der Möbelindustrie beitrat. Zwei Jahre später wurde Rudolf Horns erste modulare Möbelserie, die sogenannte “Leipzig IV”-Kollektion, veröffentlicht, der 1965 eine passende Kollektion von Stühlen, Tischen und Zubehörteilen folgte. Der wirkliche Durchbruch kam allerdings erst 1967 mit der Veröffentlichung des modularen Möbelsystems MDW durch die VEB Deutsche Werkstätten Hellerau. Das System sollte nämlich während der folgenden 24 Jahre produziert werden und zierte soweit wir wissen so ziemlich jedes Wohnzimmer in der ehemaligen DDR. Jedenfalls kennen wir nur wenige Ostdeutsche, die nicht mit dem MDW System vertraut wären. In späteren Jahren entwickelte Rudolf Horn weitere Möbeldesigns, die ebenso zum Standard in zahlreichen Wohnungen und Büros der gesamten DDR werden sollten. Darunter das modulare Büromöbelsystem Temaset, ein variables Sofasystem in Verbindung mit zahlreichen Wandmodulen aus Polyurethan.

Neben seiner Arbeit als Möbeldesigner war Rudolf Horn auch an zahlreichen Wohnbauprojekten beteiligt, insbesondere half er bei der Entwicklung und Umsetzung einer Reihe von Konzepten für Hochhauswohnungen in Berlin, Rostock und Dresden. Durch die Umsetzung modularer Prinzipien bei der Konstruktion des Pilotprojektes hatten die Bewohner die Möglichkeit den inneren Grundriss ihrer Wohnung entsprechend ihrer ständig wechselnden Bedürfnisse zu verändern.

Horns Faszination für modulare Systeme lag eine simple Überzeugung zugrunde, dass nämlich die Konsumenten die Möglichkeit haben müssten selbst zu entscheiden und ihnen niemand sagen dürfe, was sie brauchen und was sie kaufen sollten.

Wie um die Gültigkeit dieser Position zu untermauern, pflegte Rudolf Horn die Angewohnheit seine Kunden zu besuchen, um selbst zu sehen, wie sie das MDW-System nutzen. Dabei machte er in regelmäßigen Abständen besondere Entdeckungen: Kunden hatten die Bretter zersägt oder die vorgefertigten Elemente anderweitig manipuliert und bearbeitet, was Rudolf Horn allerdings gar nichts ausmachte – “genau auf diese Weise sollte solch ein System genutzt werden” sagt er mit breitem Grinsen, “jeder sollte genau das bekommen, was er möchte!”  Diese Auffassung von Möbeldesign macht ihn nicht gleich zum “Vater von Ikea”, wie ihn die ostdeutschen Medien gerne nannten, aber für uns macht sie ihn ganz klar zum “Vater des offenen Designs”. Neben seinem Anliegen den Kunden das passendste Mobiliar zu ermöglichen motivierte Rudolf Horn aber auch sein Job als solcher. Das Nachkriegs-Ostdeutschland hatte, wie auch der Rest Europas nach dem Krieg, chronische Probleme in Sachen Unterbringung und Möblierung und ebenso große Probleme bei der Lösung des Problems – es mussten also Entscheidungen her.

“Die zentralen Fragen waren, wohin gehen wir und wie sollte die neue Nachkriegsgesellschaft organisiert werden?”, so Horn, “die Gesellschaft, die wir vor dem Krieg kannten, die unserer Eltern, war bei allem Respekt nicht die, die wir wollten. Es war alles zerbrochen und es einfach ebenso wieder aufzubauen wäre nicht die richtige Antwort gewesen.” Folglich war die Aufgabe von Rudolf Horn und seinen Zeitgenossen nach einem Moment in der Geschichte zu suchen, an dem ähnliche Bedingungen vorherrschten, zu sehen, wie Designer und Architekten auf diesen Moment reagierten und dann herauszufinden, was neue Generationen daraus lernen könnten. Ihre Suche führte sie zum Bauhaus, der europäischen Moderne und dem europäischen Formalismus ganz allgemein – zu einer Bewegung also, die aus einer Situation heraus entstand, die in vielerlei Hinsicht große Ähnlichkeit mit der Situation in Ostdeutschland in den 1950er Jahren hatte. Für Rudolf Horn und seine Zeitgenossen blieb diese Bewegung jedoch durch die Aktionen der Nazis vor dem Krieg und durch die anschließenden Kriegsjahre weitestgehend unzugänglich. Hinzu kam, dass sie den Formalismus (als genau den passenden Moment in der Geschichte) entdeckten, als die ostdeutsche Regierung damit begann, den Formalismus eilig zu verbannen.

Die sogenannte Formalismusdebatte der frühen 1950er Jahre verurteilte alles, was mit der klassischen Moderne oder der Avantgarde während des Krieges in Zusammenhang stand als “zweckentfremdet und feindselig”, wenn nicht gar als “Waffe des Imperialismus”. Wie wir es bereits in unserem Post zur Ausstellung “Modelle für industrielle Gestaltung” von der Hochschule für Bildende Künste Dresden erwähnt haben, beschlossen die ostdeutschen Machthaber im Jahr 1951, dass formale Tendenzen vor allem in der Architektur sehr ausgeprägt seien und die wirklichen Bedürfnisse der Arbeiter ignorierten. Auch das spätere Staatsoberhaupt Walter Ulbricht verkündete bei der feierlichen Präsentation des MDW-Systems für alle hörbar, er sehe nichts als “Bretter”.

Was die ostdeutschen Oberen wollten, waren kräftige, solide, schön ornamental verzierte Möbel – Biedermeier, Gelsenkirchener Barock aus früheren Zeiten.

Aber wie reagierte ein junger Designer wie Rudolf Horn auf solche Debatten, auf die Anschuldigung, seine Arbeit ignoriere die tatsächlichen Bedürfnisse der Arbeiter. Konnte man die Autoritäten ernst nehmen? “Natürlich nahmen wir die ernst”, antwortet Horn, “es ging nur um die Arbeiter, die neue Klasse, die jetzt an der Macht war. Für die Arbeiter sollte etwas Neues entwickelt werden, ihnen sollte so deutlich gemacht werden, wie wichtig sie waren. Und da dachte man vor allem an reich dekorierte Möbel und ganz bestimmt nicht an einfache Kisten. Und das war eine Meinung, die wir nicht einfach ignorieren konnten.”

Rudolf Horn PUR Grassi Leipzig

Synthetische modulare Wandeinheiten mit einem sich spiegelnden Rudolf Horn im Grassi Museum für Angewandte Kunst zu Leipzig

Bekanntermaßen haben die Wünsche der Regierung ja aber häufig wenig mit der Realität zu tun. Während also die politische Führung für solide Holzmöbel eintrat, war die ostdeutsche Industrie verzweifelt mit der Frage beschäftigt, wie diese Möbel denn produziert werden können.

Ganz abgesehen von einem Mangel an Material, Maschinen und Fabriken war auch das schiere Volumen an Möbeln, das produziert werden musste, ein echtes Problem. Vor allem da die Produktion so schnell und effizient wie möglich vonstattengehen sollte.

Designer wie Rudolf Horn und seine Zeitgenossen standen ohne Frage unter dem Einfluss zahlreicher Designer und Architekten des Bauhauses. Von denen nach wie vor einige, wie beispielsweise Friedrich Engemann, Selman Selmanagic oder Walter Funkat, in der DDR lehrten. Und zum großen Glück für die ostdeutsche Industrie begannen Rudolf Horn und seine Kollegen so auch schnell damit die Wünsche der Obrigkeit zu ignorieren.

“Als wir also verstanden hatten, was wir genau wollten und uns von den Einwänden zugunsten der historischen Vorgaben befreit hatten, fingen wir einfach an zu arbeiten”, erklärt Horn, “und dann kam die Industrie. Und die wollte unsere Arbeiten.” Durch gute Kontakte zur Regierung bekamen sie die auch – und die Schrecken des Formalismus wurden ganz langsam vergessen.

Da stellt sich natürlich die Frage, warum Rudolf Horn und anderen erlaubt wurde an ihren Projekten zu arbeiten. Warum intervenierte niemand und stoppte sie?

Die Antwort ist so simpel wie naheliegend: “Wir waren jung, keiner kannte uns.”

Und auch heute kennen sie viele nicht. Horn und seine Kollegen entwickelten, vermarkteten und verkauften in der DDR, ohne dass sie als Designer einen Namen gehabt hätten. Die Ausstellung im Grassi Museum will das ändern. Für einen Designer von Rudolf Horns Rang ist die Präsentation im Grassi Museum jedoch viel zu klein. Sie liefert nicht mehr als eine Einführung zum Designer und seinem Werk, was wir sehr schade finden.

Wenn es nur ein anderes Museum gäbe, in dessen Lagern das Archiv der Hellerau Werkstätten schlummerte und das eine etwas detailliertere Untersuchung anstoßen würde…

Dass die Präsentation allerdings im Grassi Museum stattfindet, ist dann doch sehr passend. Hier begann nämlich die Geschichte von einem der interessantesten Projekte Horns, dem Loungesessel mit dem etwas unglücklichen Namen “Conferstar”. Ein Loungesessel mit einer erstaunlichen Ähnlichkeit zu Mies van der Rohes Barcelona Chair

Die Rudolf Horn Ausstellung ist bis 31. Dezember 2014 im Grassi Museum für Angewandte Kunst als Teil der Dauerausstellung “Jugendstil bis Gegenwart” zu sehen.

Rudolf Horn Conferstar Grassi Leipzig

Der Loungesessel Conferstar für Röhl von Rudolf Horn, gesehen im Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig

Form follows nature im Kunsthaus Kaufbeuren, Allgäu

September 4th, 2014

Über die besten strukturellen Formen verfügt bekanntlich die Natur. Folglich haben Ingenieure und Designer die Natur lange beobachtet und nach Inspiration gesucht. Die Resultate waren dabei so vielseitig, alltäglich und schließlich bedeutsam wie Klettverschlüsse, Turbinen oder auch die Spitzen von Zügen.

Das Geheimnis besteht natürlich darin zu wissen, wo man suchen muss. Beispielsweise dachte der erste “Vogelmann”, das Fliegen hinge nur mit dem Flügelschlag zusammen. Dabei dreht sich alles um Luftströme, kielförmige Brustbeine und hohle Knochen. Kaum hatte man das endlich verstanden, waren die Pioniere des Fliegens nicht mehr zu stoppen.

Architekten suchten offenbar ebenfalls in der Natur nach Inspiration und nach Lösungen für scheinbar unüberwindbare Probleme. Eine Ausstellung im Kunsthaus Kaufbeuren in der Nähe von Kempten im Allgäu feiert derzeit einen der Meister der Bionik in der Architektur, einer der genau wusste, wo er zu suchen hatte – den deutschen Architekten Frei Otto.

Der am 31. Mai 1925 in Chemnitz geborene Frei Otto studierte Architektur an der TU Berlin, bevor ihn 1950 ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes nach Amerika führte, wo er nicht nur Soziologie und Stadtplanung an der University of Virginia studierte, sondern auch Leute wie Eero Saarinen, Ludwig Mies van der Rohe, Frank Lloyd Wright oder Charles und Ray Eames kennenlernte. Nach seiner Rückkehr nach Berlin eröffnete Frei Otto 1952 sein eigenes Architekturbüro. Dem folgte 2 Jahre später der Abschluss seiner Doktorarbeit “Das hängende Dach”.

Inspiriert von den Ideen der jüngst in den USA kennengelernten Architekten interessierte sich Frei Otto zunehmend für organische, leichte Strukturen, die eher ein Teil der natürlichen Umgebung, als etwas künstlich Geschaffenes waren, vor allem hängende Strukturen erschienen ihm dabei interessant. In “Das hängende Dach” bemerkt Frei Otto: “Das moderne hängende Dach ist die jüngste Bauform. Vollendet und weitfassend beansprucht es seinen Platz. Es ist Architektur – ist Haus.”1 Danach verwendete Frei Otto die nächsten 150 Seiten sowie den Rest seiner Karriere darauf genau das unter Beweis zu stellen.

Im Jahr 1958 gründete Frei Otto die private Entwicklungsstätte für den Leichtbau in Berlin, bevor er 1968 nach Stuttgart umzog und dort die Entwicklungsstätte für den Leichtbau an der Technischen Hochschule Stuttgart gründete, die er bis zu seinem Eintritt in die Rente 1991 leitete.

Im Laufe seiner Tätigkeit arbeitete Otto mit Biologen, Anthropologen, Physikern und Wissenschaftlern aus anderen verwandten Disziplinen zusammen, um zu untersuchen, wie sich natürliche Strukturen am besten auf die Architektur übertragen lassen. Ähnlich wie Fritz Haller war Frei Otto größtenteils ein theoretischer Architekt. Einer, der viel plante, nachdachte und experimentierte, aber nur wenig wirklich baute. Allerdings stießen die wenigen realisierten Arbeiten grundsätzlich auf Anerkennung und Bewunderung bei allen, die sie zu sehen bekamen. Unter Frei Ottos berühmtesten Konstruktionen sind die sogenannte Tanzbrunnen Bühne für die Bundesgartenschau 1957 in Köln, der deutsche Pavillon auf der Expo 1967 in Montreal, Kanada und das Dach des Olympiastadions in München. In jüngerer Vergangenheit war Frei Otto beispielsweise am Entwurf des Daches für den neuen Hauptbahnhof in Stuttgart und am japanischen Pavillon auf der Expo 2000 beteiligt. Der Pavillon war dabei ein Projekt, das er in Zusammenarbeit mit Shigeru Ban realisierte.

Ottos “exotischste” Arbeit bleibt wahrscheinlich die Serie von dynamischen Sonnenschirmen, die er für die 1977er US-Tournee von Pink Floyd entwickelte. Neben seiner Lehre in Stuttgart war Frei Otto auch Gastdozent an so unterschiedlichen Institutionen, wie der Washington University in St. Louis, dem Massachusetts Institute of Technology und der Hochschule für Gestaltung Ulm tätig. Hinzu kommt die Veröffentlichung zahlreicher Standardwerke der Architektur.

Mit 25 Modellen von Projekten Frei Ottos und mit Skizzen, Fotos und einer Reihe von inspirierenden natürlichen Materialien will “Form follows nature” nicht nur untersuchen, wie Otto die Natur für seine Konstruktionen nutzte, sondern auch erklären, wie er durch seine Forschungen ein ganz eigenes Ideal eines Gebäudes entwickelte – in ökonomischer und ökologischer Hinsicht, und vor allem im Einklang mit der Natur. Neben Frei Otto präsentiert “Form follows nature” Arbeiten der in Stephanskirchen ansässigen Finsterwalder Architekten und des deutschen Künstlers Carsten Nicolai. So wird Frei Ottos Werk alternativen zeitgenössischen Methoden zur Nutzung von natürlichen Strukturen in kreativen Formfindungsprozessen gegenübergestellt.

“Form follows nature” läuft im Kunsthaus Kaufbeuren, Spitaltor 2, 87600 Kaufbeuren, Allgäu bis Sonntag, den 16.November.

Alle Details, darunter Informationen zum begleitenden Rahmenprogramm, sind unter www.kunsthaus-kaufbeuren.de zu finden.

1. Frei Otto, Das hängende Dach, Im Bauwelt Verlag, Berlin, 1954

Frei Otto Schäume  IL Uni Stuttgart

Eine Studie zu Schaum, Frei Otto (Foto: © IL Uni Stuttgart, mit freundlicher Genehmigung des Kunsthaus Kaufbeuren)

 

Frei Otto, Olympiastadion München 1972 Teilansicht IL Uni Stuttgart

Ein Teil des Daches vom Münchner Olympiastadion von Frei Otto, (Foto: © IL Uni Stuttgart, mit freundlicher Genehmigung des Kunsthaus Kaufbeuren)

Reihe Chemnitzer Kreativität: Silbærg Snowboards

September 1st, 2014

In der Vergangenheit haben wir uns zugegebenermaßen manchmal etwas harsch über Chemnitz geäußert. Unberechtigterweise, wie manche, oder eigentlich ziemlich viele, Leser anmerkten.

“Kommt schon. Chemnitz ist nicht so schlecht”, war die einhellige Meinung.

Also entschieden wir uns, mal etwas genauer hinzusehen und unsere Vorurteile hinter uns zu lassen. Kurzum, statt immer nur das Schlechte zu sehen, haben wir mal einen Blick auf die aktuelle Kreativszene in Chemnitz geworfen. Angefangen bei dem Snowboard-Hersteller Silbærg.

Im Rahmen eines Forschungsprojektes der TU Chemnitz ins Leben gerufen, machen die Silbærg Snowboards Gebrauch von der sogenannten Anisotropic Layer Design (A.L.D.) Technologie, mit der eine ganz neue Form von Snowboard geschaffen werden kann. Genau gesagt zeichnen sich die Boards dadurch aus, dass sich die Kanten entsprechend der Fahrsituation verformen. Wird mit dem Silbærg Snowboard eine Kurve gefahren, drückt sich die Kante in den Schnee und erhöht spürbar den Kantenhalt. Beim Boardslide dagegen hebt sich die Kante vom Rail ab, sodass ein Verkanten erschwert wird und sich die Kante nicht am Rail abnutzt.

Diese Innovation erfreut nicht nur die Boarder und Kritiker, sondern wurde auch mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Zuletzt gewann der Silbærg Carvomat Pro Carbon den Plus X Award für seine Innovativität, hohe Qualität, das Design und Funktionalität. 2014 wurde Silbærg beim Plus X Award außerdem in der Kategorie “Innovativste Marke” anerkannt.

silbaerg

Bis zur Forschungsarbeit von Silbæerg Gründer Jörg Kaufmann wurden derartige anisotropiebedingte Koppeleffekte nur in theoretischen Projekten betrachtet, welche den Prototypenstatus nicht verlassen haben. Laut Silbærg sind ihre Snowboards nun die ersten, die mit der Technologie in Serienproduktion gegangen sind.

Wir haben uns mit Jörg Kaufmann getroffen und mit ihm über die Boards, die Technik dahinter und Chemnitz als Ort für so ein Projekt gesprochen. Zuerst wollten wir jedoch wissen, ob am Anfang die Lust neue Snowboards zu entwickeln oder der Wunsch die A.L.D. Technologie anzuwenden stand.

Jörg Kaufmann: Ich boarde seit 1995 und je mehr Wissen über und Erfahrung mit der Technik ich gesammelt hatte, desto mehr wuchs der Wunsch in mir, die beiden Dinge miteinander zu verbinden. Die Möglichkeit bot sich dann im Rahmen meiner Doktorarbeit, in der ich anisotropiebedingte Koppeleffekte untersucht habe. Wir unternahmen unzählige Versuche mit Faserverbundplatten und als ich sah, wie die sich verformen können, war klar für mich, dass ich so eine Technologie auf Snowboards anwenden sollte.

(smow) blog: Anisotropiebedingte Koppeleffekte und Faserverbundplatten sind nichts, wovon viele Leute etwas verstehen. Ohne zu viel darüber zu verraten, was ist das Geheimnis der Funktionsweise eurer Boards?

Jörg Kaufmann: Das Geheimnis der Technologie liegt in der Ausrichtung der Fasern im Snowboard. Ein normales Snowboard hat  maschinell hergestellte Faserhalbzeuge, unsere Boards haben einen Kern, die aus bis zu 40 Stücken bestehen und von Hand in Chemnitz gefertigt werden. Die Anordnung der Fasern und die manuelle Fertigung machen den Unterschied und rufen den einzigartigen Effekt hervor.

(smow) blog: Klingt soweit ganz simpel. Aber sicher verlief die Entwicklung nicht problemlos, oder?

Jörg Kaufmann: Die Effekte, die wir in dem Board erzeugen, sind normalerweise auch von der Temperatur abhängig, wodurch es schwer war, ein Stadium zu erreichen, in dem die Boards gepresst werden konnten, ohne sich dabei zu verformen. Generell war es ein langer Prozess, den Effekt zu optimieren, weil er einen Gegenlauf beinhaltet, den richtig zu verstehen und zu integrieren, sehr kompliziert war. Im Zuge der Entwicklung haben wir über 1000 Modelle in Computersimulationen getestet, was mit klassischem Prototypen und den branchentypischen “Trail and Error”-Methoden nie möglich gewesen wäre.

(smow) blog: Aber am Ende muss man das Board mit auf einen echten Berg nehmen?

Jörg Kaufmann: Ja, wir haben sie in Zermatt in Form von anonymisierten weißen Boards, d.h. einer nicht zuordenbaren Mischung aus unseren und “normalen” Boards, getestet. Das Testteam bestand aus zehn Boardern, die jedes Board getestet und nach jeder Fahrt einen Evaluationsbogen ausgefüllt haben. Die abschließende Analyse der Daten hat eindeutig ergeben, dass die Boards mit A.L.D. Technologie besser als die herkömmlichen fuhren. Die Ergebnisse haben das gute Gefühl unserer Tester bestätigt und deutlich gemacht, dass es Sinn machen würde, eine Firma zu gründen und die Boards kommerziell herzustellen.

(smow) blog: Und was war leichter zu entwickeln, das Board oder die Firma?

Jörg Kaufmann: Sehr gute Frage! Die Entwicklung des Boards dauerte sechs Jahre und ich wusste, dass die Entwicklung der Marke, die Marktdurchdringung und die Internationalisierung schwieriger werden würden. Und wie sich herausstellte, ist es auch so. Aber es macht jeden Tag Spaß an der eigenen Marke und den eigenen Produkten zu arbeiten und in die leuchtenden Augen von begeisterten Kunden zu sehen.

(smow) blog: Die meisten Snowboarder wollen natürlich nicht nur gut fahren, sondern auch gut dabei aussehen. Wie viel Aufmerksamkeit schenkt ihr der äußeren Form eurer Boards?

Jörg Kaufmann: Im Moment werden die individuellen Faserhalbzeuge per Hand hier in Chemnitz hergestellt und die Boards selbst werden in Österreich von GST, einem der führenden Snowboardhersteller der Welt, gepresst. Zum Glück können wir dabei auf die Erfahrung von 20 Jahren Snowboardbau zurückgreifen und ihre Shapes nutzen. Die Formgestaltung ist auf jeden Fall ein wichtiger Aspekt der Boards und birgt für uns einiges Entwicklungspotential, da so nicht zuletzt der Widererkennungswert der Boards gesichert wird. Aus diesem Grund forschen wir auch an eigenen Shapes, die kommen aber erst auf den Markt, wenn sie wirklich perfekt sind – so wie unsere A.L.D. Technologie.

(smow) blog: “Entwicklungspotential”… Ihr habt in Chemnitz angefangen, weil ihr dort wart. Wenn alles etwas größer wird, wollt ihr bleiben?

Jörg Kaufmann: Für uns ist Chemnitz ein sehr guter Ort und ich sehe keinen Grund nicht hier zu bleiben. Mit der engen Zusammenarbeit mit der TU Chemnitz und vor allem mit dem Institut für Strukturleichtbau haben wir den perfekten Partner für Innovationen direkt vor unserer Haustür. Auch sind wir von Chemnitz aus relativ schnell in den Alpen, was sehr wichtig für den Verkauf und das Marketing während der Saison ist, und mit Oberwiesenthal haben wir den perfekten Ort für Tests gleich um die Ecke. Außerdem gibt es in Chemnitz relativ viele hochqualifizierte Studenten, was für die weitere Entwicklung des Projekts wichtig ist.

(smow) blog: Und am Ende müssen wir es einfach noch fragen: Hat man durch das Board einen Vorteil in Wettbewerben? Darf man es da überhaupt benutzen?

Jörg Kaufmann: Das Snowboard-Studenten-Team der TU Chemnitz hat bei der letzten deutschen Hochschulmeisterschaft auf Silbærg Boards in den Olympischen Disziplinen Halfpipe, Boardercross und Slopestyle je die Goldmedaille und weitere Platzierungen geholt. Ich denke, das ist Antwort genug…

Weitere Details zu silbærg Snowboards sind zu finden unter http://silbaerg.com/

 

silbaerg a l d snowboard

Das Prinzip der Silbærg A.L.D Snowboard Technologie

 

Unter Zwischen im Ampelhaus, Oranienbaum

August 28th, 2014

Im Jahr 2011 gründete eine Gruppe von dänischen Künstlern und Designern die Orangemann Stiftung und machte sich daran ein altes, verlassenes Haus im Zentrum von Oranienbaum in eine Galerie für zeitgenössische Kunst und zeitgenössisches Design zu verwandeln.

Da Oranienbaum ein Dorf mit 3000 Einwohnern ist, zudem 150 Kilometer südlich von Berlin und 80 Kilometer nördlich von Leipzig liegt und Lichtjahre vom nächsten Bahnhof entfernt ist, könnte man diesen Ort für ein solches Projekt für überaus fragwürdig halten – könnte man. Wäre da nicht die Tatsache, dass das heutige Oranienbaum 1660 vom Haus Oranien-Nassau erworben wurde und im Jahr 1683 die dänische königliche Familie mit dem Bau einer Palast- und Gartenanlage in der Mitte des Dorfes begann. Die Anlage etablierte sich schnell als Sommer- und Jagdresidenz dänischer Adliger und ihrer Gefolgsleute.

Dann kam der Krieg, die Weimarer Republik, der nächste Krieg, die DDR, dann die Wiedervereinigung und mit ihr die Chance die zerbröckelte und baufällige Hülle des einstigen Schlosses Oranienbaum zu renovieren.

Nach fast abgeschlossener Instandsetzung zeigte das Schloss Oranienbaum im Jahr 2012 die Ausstellung “Dänisches Design – Huis van Oranje”, eine Ausstellung, die sich gleich 400 Jahren dänischer Kreativität widmete. Und 500 Meter die Straße runter zeigte die Orangemann Stiftung ihre Eröffnungs- und Sommerausstellung in der neu gegründeten Galerie Ampelhaus.

2014 präsentiert das Ampelhaus “Unter Zwischen im Ampelhaus”, die dritte Sommerausstellung der Galerie und eine Ausstellung, die wunderbar unter Beweis stellt, dass das Ampelhaus auf dem besten Weg ist, ein ebenso populäres Sommerausflugsziel zu werden wie es das benachbarte Schloss einmal war.

Bram Braam Zwei Türen Birgit Severin Geheel gebroken Unter Zwischen im Ampelhaus Oranienbaum

Zwei Türen von Bram Braam und Geheel gebroken von Birgit Severin, gesehen bei Unter Zwischen im Ampelhaus, Oranienbaum

Nach ihrer Ausstellung “Use it Again” im Jahr 2012, die sich mit Wiederverwendung und Recycling in unterschiedlichsten Kontexten befasste, und der 2013 unter dem Titel “King Size: Art and Design fit for a King” stattfindenden Ausstellung mit ihrer eher königlichen Perspektive auf die gleichen Themen, geht die Galerie im Jahr 2014 mit “Unter Zwischen im Ampelhaus” zu einer Diskussion über, bei der es eher um die Auseinandersetzung mit Ästhetik, Erinnerung, Semantik und Gefühlen im Kontext von gefundenen und recycelten Objekten gehen soll. Am besten demonstriert das vielleicht die monströse Tree Trunk Bench vom Studio Makkink & Bey. Die Arbeit zählt zu den passendsten der Ausstellung, weil sie nicht nur ein Beispiel für originelle Weiterverwendung ist, sondern auch von einem niederländischen Designer in Oranienbaum entwickelt wurde. Nur eben ein Dutzend Jahre bevor das Ampelhaus in Oranienbaum entstand. Im Jahr 1999 besuchte Jurgen Bey den Ort und stieß auf die zahllosen umgefallenen Bäume, die auf dem Gelände des Schlosses Oranienbaum lagen. Deren zwangsläufige und bestechende Ähnlichkeit mit Parkbänken ließen Jurgen Bey Rückenlehnen aus Bronze entwerfen, die sich an historischen Stuhldesigns aus dem Schloss orientieren und einfach als Lehne in den als Sitz fungierenden Baumstamm gesteckt werden können. Wie es der Zufall so will, wurde nun im vergangenen Jahr auf der gegenüberliegenden Straße des Ampelhauses ein Baum gefällt. Den Stamm konnte sich das Ampelhaus-Team sichern und so in diesem Jahr ihre eigene Tree Trunk Bench präsentieren. Und das fast direkt an ihrem Entstehungsort.

Tree Trunk Bench Jurgen Bey Unter Zwischen im Ampelhaus Oranienbaum

Tree Trunk Bench von Studio Makkink & Bey, gesehen bei Unter Zwischen im Ampelhaus, Oranienbaum

Die allererste Tree Trunk Bench wurde im Rahmen des Projektes “Coleur Locale” des Studios Droog entwickelt. Das Projekt, das auch Arbeiten von Hella Jongerius, Marcel Wanders und Marti Guixé umfasste, ist eine beneidenswerte Ansammlung der vielversprechendsten niederländischen Designer unserer Zeit. “Unter Zwischen im Ampelhaus” spiegelt und erweitert in vielerlei Hinsicht diese Liste, indem Arbeiten von Designern gezeigt werden, die wohl zu den interessantesten und progressivsten Designern gehören, die die Niederlande derzeit zu bieten haben.

Dirk van der Kooij beispielsweise ist mit seinem Chubby Chair von 2013 vertreten. Für diese Arbeit nutze er ein 3D-Druck-Konzept, das er für sein Endless Projekt entwickelte, und kreierte damit einen recycelten Styroporstuhl mit einer überaus einnehmenden, comicartigen Form. Der in Amsterdam ansässige Pepe Heykoop ist hingegen mit zwei Projekten vertreten, der anarchischen Reihe “Bits of Wood” von 2012, bei der unbrauchbares Holz und wertloses Blech zu neuen Produkten verbunden werden, und mit zwei Objekten aus seiner fortlaufenden Skin Collection – einer Serie, bei der alte, vernachlässigte Objekte mit Lederresten bezogen werden. So werden unbrauchbar gewordene Gegenstände und Materialien zu neuem Leben erweckt und erhalten einen neuen Zweck und einen neuen ästhetischen Charme. Darüber hinaus zeigt “Unter Zwischen im Ampelhaus” Arbeiten von ungefähr 20 weiteren Künstlern und Designern, darunter z.B. Olaf Mooij, Isaac Monté, Bram Braam und Tejo Remy & René Veenhuizen, deren Accidental Carpet aus in Streifen geschnittenen Wolldecken an ein langsam schmelzendes Keith-Haring-Gemälde erinnert.

Allerdings kommen nicht alle Designer und Künstler aus den Niederlanden. Da gibt es beispielsweise die Installation “Geheel gebroken” der in Bielefeld geborenen und in Berlin wohnhaften Designerin Birgit Severin. Für diese Arbeit überzog sie altes angebrochenes Porzellan mit schwarzem Gummi und konservierte das Alte so in einer stabilen und sicheren Form. Allerdings bleibt das Porzellan trotz der neuen, unzerstörbaren Hülle so fragil und vergänglich wie zuvor. Lässt man es fallen wird es zerbrechen – auch wenn man es nicht sehen kann.

Oder die koreanische Designerin Bora Hong mit ihrem “Cosmetic Surgery Kingdom”-Projekt, in dem sie die Welt der Schönheitschirurgie auf die Welt des Designs überträgt. Cosmetic Surgery Kingdom ist ein weit gedachtes Projekt mit vielen Facetten. Zu sehen im Ampelhaus ist nur ein kleiner Teil davon, namentlich ein Eames DCW und ein Rietveld Rot-Blau Stuhl – beide zusammengebaut aus den dekonstruierten, unzusammenhängenden Überresten eines anderen, weniger illustren Stuhls, eines Stuhls, der gewissermaßen auf eine Schönheitsoperation angewiesen ist, um interessant, attraktiv und illuster zu wirken.

Beide, Bora Hong und Birgit Severin, sind Absolventinnen der Design Academy Eindhoven und so gibt es, auch wenn beide selbst keine Niederländerinnen sind, auch hier eine direkte Verbindung zu den Niederlanden.

Accidental Carpet Tejo Remy René Veenhuizen Unter Zwischen im Ampelhaus Oranienbaum

Accidental Carpet von Tejo Remy & René Veenhuizen und Chubby Chair von Dirk van der Kooij, gesehen bei Unter Zwischen im Ampelhaus, Oranienbaum

Von früheren Ausstellungen ist im Ampelhaus nur wenig übrig geblieben und so ist “Unter Zwischen im Ampelhaus” vor allem erfrischend, sehr passend und neu. Hinzu kommt die Erweiterung der Ausstellung in den Hof, die Ställe und Nebengebäude. Aus den vergangen Jahren wurde offensichtlich nur die Erfindung des Leerdamer Künstlers Oscar Prinsen “Überraschendes Gespräch” beibehalten. Für diese Arbeit wurden zwei Löcher in die Decke des Erdgeschosses geschnitten, unter denen ein sehr hoher Stuhl platziert wurde, sodass die Besucher über den ersten Stock hinaus miteinander kommunizieren konnten. Die Öffnung im ersten Stock blieb ohne Abgrenzungen für die Besucher. So ermöglichte “Überraschendes Gespräch” Zugang und Interaktion. Für “Unter Zwischen im Ampelhaus” ist Oscar Prinsen nun nach unten gegangen. Dieses Mal hat er das Loch in den Boden des Erdgeschosses geschnitten. Über die Öffnung erreicht man einen Stuhl im Keller und so wird diesmal, so wie ein Jahr zuvor der erste Stock, der Keller für den Besucher geöffnet, ohne tatsächlich für die Öffentlichkeit zugänglich zu sein. Der Besucher befindet sich gewissermaßen in einem Käfig, der an die für Taucher zum Beobachten von Haien erinnert. Außerdem wurde der Boden des Ampelhaus Kellers mit 1080 Keramikblumen des Rotterdamer Künstlers Onno Poiesz übersäht. Schöne fragile Keramikblumen, die zwar einladen sich wie auf einer Wiese niederzulassen und zu verweilen, einen paradoxerweise aber genau daran hindern. Folglich ist man allein gelassen und isoliert mit einem betörenden Ausblick auf die Freiheit.

Mit der Mischung aus Kunst und Design ist “Unter Zwischen im Ampelhaus” nicht gerade eine einfache Ausstellung. Es gibt zwar einfache, sehr zugängliche Teile, bei denen sehr sehr klar ist, was der Designer bzw. der Künstler demonstrieren, erklären oder auch bemängeln will, doch andere Arbeiten benötigen sehr viel mehr Zeit, Mühe und Überlegungen, die man allerdings durch die entspannte Atmosphäre des Ampelhauses und das offene Ausstellungskonzept leicht aufbringen kann.

Und ganz abgesehen von theoretischen und philosophischen Aspekten kann man “Unter Zwischen im Ampelhaus” auch auf einem recht simplen Niveau erfahren. Martijn Hesselings Kunstwerke entstehen beispielsweise aus einer faszinierenden Mischung von Zeitungen und Lack und auch vor Ron van der Endes reliefartige Wandskulpturen oder Claudy Jongstras Wandverkleidungen und -teppichen kann man sich einfach niederlassen und staunen, was wir wärmstens empfehlen würden.

“Unter Zwischen im Ampelhaus” ist bis Samstag, den 20. September, im Ampelhaus, Brauerstraße 33, 06785 Oranienbaum zu sehen.

Alle Details gibt’s unter http://ampelhaus.nl.

 

Space @ Pulpo Galerie, Lörrach

August 19th, 2014

Seit dem 4. Juni 2014 ist die Region Basel um eine zeitgenössische Designinstitution reicher: die Pulpo Galerie in Lörrach.

Geführt wird die Galerie vom Licht- und Accessoirehersteller Pulpo im Pulpo Hauptquartier. Im Grunde ist die Pulpo Galerie nicht nur Galerie, sondern auch Pulpo Showroom, Büro, Zeitschriftenladen und Pulpo Café.

In erster Line aber Pulpo Galerie.

Die Eröffnungsausstellung “Space” zeigt aktuelle Arbeiten des Malers Daniel Richter, des Bildhauers Tobias Rehberger und des aus Basel stammenden Künstlers und Grafikdesigners Christoph Göttel, darunter eine Serie von sieben Drucken, die Pulpo bei Christoph Göttel in Auftrag gegeben hat und die für die ersten vorsichtigen Schritte der Galerie in Richtung Kunst stehen.

Dazu kommen logischerweise Objekte aus dem Pulpo Portfolio.

Space Pulpo Galerie Samuel Treindl Christoph Göttel

Samuel Treindl und Christoph Göttel, gesehen bei Space, Pulpo Galerie

Die im Jahr 2006 von Ursula und Patrick L’hoste gegründete Galerie Pulpo hat sich schnell einen Namen auf dem aktuellen europäischen Designmarkt gemacht und konnte ebenso schnell eine sehr beeindruckende Reihe von Designern für sich gewinnen, darunter Samuel Treindl, e27 Berlin, Sebastian Herkner und Peter Raacke. Pulpo ist so auch eine dieser jungen Firmen, denen es gelungen ist, die jährliche IMM Cologne von ein paar anstrengenden Januartagen in etwas zu verwandeln, auf das man sich fast schon freuen kann.

Mit der einfachen, fast schon logischen Mischung aus traditionellem Handwerk und heutigen, schnellen Produktionsmethoden hat Pulpo einen Nerv getroffen. Das wird vielleicht am deutlichsten, wenn man von der Pulpo Galerie 9 Kilometer die Straße runter zum VitraHaus fährt. Dort stehen Pulpo Objekte, wie die Container Vase oder die Oda Lampe von Sebastian Herkner ganz entspannt zwischen alten und neuen Vitra Klassikern.

Und glaubt uns, man bekommt seine Produkte nicht einfach im VitraHaus zu sehen, nur weil man um die Ecke einen Laden hat.

Nach dem Anfang mit exklusiven Metallblechprodukten hat sich Pulpo entschlossen, auch Glas ins Portfolio aufzunehmen, und in Zukunft soll die Auswahl an Materialien noch um Holz, Plastik, Keramik und Sandstein erweitert werden.

Diese Entwicklung lässt sich auch in der Ausstellung “Space” nachvollziehen. Neben den ausgestellten Kunstwerken sind nämlich auch Prototypen von zukünftigen Pulpo-Produkten und experimentelle Objekte, für die sich Ursula & Patrick L’hoste interessieren, zu sehen. Diese Offenheit unterscheidet viele der neuen Designermöbel-, Lampen- und Accessoirehersteller von ihren eher konservativen Gegenspielern. Uns fällt kein etablierter Hersteller ein, der so offen zugeben würde, in Kontakt mit einem bestimmen Designer zu stehen, geschweige denn der bereit wäre, ein Produkt zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen, das offiziell noch gar nicht veröffentlicht wurde.

Space Pulpo Galerie

Space @ Pulpo Galerie

Als Ursula und Patrick L’hoste ihre frühere Musikschule in die Pulpo Galerie verwandelt haben, wurde sämtlicher Putz von den Wänden entfernt, um die natürlichen Steinwände sichtbar zu machen. Was sich erst mal etwas abgedroschen anhört, funktioniert ziemlich gut, weil die raue Struktur einerseits etwas von der Ausstellung ablenkt und so eine eher ungezwungene Atmosphäre entsteht – alles also weniger klinisch wirkt als in den üblichen Galerien – und weil die kleinen Farbnuancen in den Wänden wunderbar mit den ausgestellten Arbeiten korrespondieren. Die Räume sind ein angenehm “vorindustrieller” Ort für Pulpos grundsätzlich “postindustrielle” Kollektion und eine gute Umgebung für die Ausstellung “Space”. Eine Ausstellung, die für uns vor allem deshalb so gut funktioniert, weil sich die ausgestellten Kunstwerke, Prototypen und Produkte fast mühelos gegenseitig ergänzen und erweitern.

Phasenweise scheint es einen beinahe unbeschränkten Austausch zwischen den Objekten zu geben, und das obwohl jede offensichtliche Verbindung fehlt.

Alles in allem eine sehr erfreuliche Eröffnung.

Während “Space” abgesehen von einem kleinen Abstecher ins Design eine Kunstausstellung ist, ist für die Zukunft ein höherer Designanteil für die Ausstellungen geplant. Sobald wir genaueres wissen, lassen wir es euch wissen.

Neben der Pupo Eröffnung sind in Basel und Umgebung momentan noch einige andere Ausstellungen zu sehen, darunter “Fritz Haller. Architekt und Forscher” im Schweizerischen Architekturmuseum Basel, “Konstantin Grcic – Panorama” im Vitra Design Museum, “Álvaro Siza – Visions of the Alhambra” in der Vitra Design Museum Gallery und “Craft & Bling Bling – Fake” im Depot Basel. All das lässt sich mit einem Gang auf den Vitra Rutschturm abrunden.

Und als wäre all das nicht schon genug für einen Sommer, spielt am Samstag, den 19. Juli auch noch Billy Bragg in Lörrach…

Alle Details zur Pulpo Galerie sind unter www.pulpo-galerie.com zu finden.

 

smow Blog kompakt: Pegasus Home Desk von Ippolito Fleitz Group / Tilla Goldberg für ClassiCon

August 14th, 2014

Der erste, hoffentlich kurze Post, in unserer Reihe “Sachen, die wir auf der IMM Cologne verpasst haben” ist dem neuen Pegasus Home Desk von Ippolito Fleitz Group / Tilla Goldberg für den Münchner Hersteller ClassiCon gewidmet. Wir wissen schon, warum wir den Tisch in Köln verpasst haben – aus jugendlicher Überheblichkeit nämlich. Jetzt verstehen wir allerdings nicht mehr, wie uns das passieren konnte.

Der Pegasus Home Desk strahlt nicht nur eine formale Ähnlichkeit mit einem Pferdesattel aus, sondern funktioniert auch noch wie eine Art Home-Office-Satteltasche: die Tischoberfläche aus Leder kann von der linken und der rechten Seite aufgerollt werden und enthüllt so das innere Aufbewahrungssystem.

Der Innenraum wurde speziell als sichere Obhut für all die elektronischen Geräte entwickelt, die inzwischen unser modernes Leben bestimmen. Auch wenn wir uns ziemlich sicher sind, dass man auch ein paar Bücher darin aufbewahren kann – zumindest die, die mit “analog” noch etwas anfangen können.

Der Pegasus Home Desk ist ein eher seltener Vorstoß der Stuttgarter Ippolito Fleitz Group ins kommerzielle Möbeldesign. Entwickelt wurde er von einem betriebsinternen Team unter der Leitung von Tilla Goldberg, die für den Bereich Produktdesign zuständig ist. Als Objekt gefällt uns der Tisch vor allem wegen der erfrischenden Verbindung aus zugänglicher, vertrauter Formensprache und unaufdringlicher Funktionalität. Mit Sicherheit wird sich der Pegasus Home Desk als eine echte Bereicherung für den stetig wachsenden Bereich der Home-Office-Tische, die nicht aussehen wie Home-Office-Tische, erweisen. Auch wenn wir einige Vorbehalte bezüglich der Lederverkleidung des Rahmens haben – man kann es auch übertreiben mit den sichtbaren Analogien. Aber die Lederverkleidung ist sowieso optional…

Und wie gesagt, wir haben nur Fotos gesehen und werden deshalb wie gewohnt mit unserem endgültigen Urteil warten, bis wir den Tisch leibhaftig vor uns stehend gesehen haben – vor allem was die Lederverkleidung angeht.

Pegasus Home Desk by Ippolito Fleitz Group Tilla Goldberg for classicon

Pegasus Home Desk von Ippolito Fleitz Group / Tilla Goldberg für ClassiCon (Fotos © ClassiCon GmbH)

Pegasus Home Desk by Ippolito Fleitz Group Tilla Goldberg for classicon

Pegasus Home Desk von Ippolito Fleitz Group / Tilla Goldberg für ClassiCon (Fotos © ClassiCon GmbH)

Pegasus Home Desk by Ippolito Fleitz Group Tilla Goldberg for classicon

Pegasus Home Desk von Ippolito Fleitz Group / Tilla Goldberg für ClassiCon (Fotos © ClassiCon GmbH)