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Marianne Brandt in der Villa Esche Chemnitz

Wednesday, February 26th, 2014

Hier noch eine weitere Ergänzung zu unserem Post “5 neue Designausstellungen im Februar 2014“: bis zum 8. Juni 2014 zeigt die Villa Esche in Chemnitz eine Ausstellung, die ganz der Künstlerin und Produktdesignerin Marianne Brandt gewidmet ist.

Die 1903 von Henry van de Velde für den Chemnitzer Textilmagnaten Herbert Eugen Esche gebaute Villa Esche ist nicht nur ein wunderbares Beispiel für Henry van de Veldes Architekturansatz und sein Verständnis des Gesamtkunstwerks in der Architektur, sondern deutet als eines seiner früheren Projekte auch auf sehr schöne Weise den Übergang vom Jugendstil zur Moderne an, den van der Velde damals mit anstieß. Den Übergang also vom Dekorativen zum Funktionalen.

Und so ist die Villa ein sehr passender Ort für eine Präsentation der Arbeiten von Marianne Brandt.

Die 1893 in Chemnitz geborene Marianne Liebe studierte Zeichnung an der Hochschule für Bildende Kunst Weimar, bevor sie 1919 den norwegischen Maler Erik Brandt heiratete und nach Oslo zog. 1924 schloss sie sich dem Bauhaus Weimar an, zog ein Jahr später mit der Institution nach Dessau, wo sie 1926 eine Stellung in der Metallwerkstatt übernahm und mit Künstlern wie Wilhelm Wagenfeld und Christian Dell zusammenarbeitete. Nach ihrem Abschluss im Jahr 1929 arbeitete Marianne Brandt als Designerin für verschiedene Firmen und Designstudios, u.a. zusammen mit Walter Gropius und der Ruppelwerke GmbH Gotha. Nach dem Zweiten Weltkrieg unterrichtete sie kurz an der Hochschule für Werkkunst Dresden und der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, bevor sie 1954 nach Chemnitz zurückkehrte und dort als freischaffende Designerin arbeitete. Marianne Brandt starb am 18. Juni 1983 im sächsischen Kirchberg.

Zwar hinterlässt Marianne Brandt ein berauschendes Werk von Kunstwerken und Designarbeiten und ist zudem eine der wenigen wirklich erfolgreichen Frauen der Moderne, trotz allem aber gehört sie zu den eher unbekannten Bauhausschülerinnen und ihre Werke sind bis auf die merkwürdige Teekanne und den Aschenbecher in der Alessi Kollektion kaum vertreten.

Besonders traurig ist, dass man sie auch in Chemnitz kaum kennt.

Der alle drei Jahre stattfindende Marianne Brandt Wettbewerb tut zwar alles, um ihr Erbe und die Erinnerung an sie am Leben zu halten, aber abgesehen vom Wettbewerb selbst trägt dazu nicht viel bei.

Chemnitz ist ziemlich versessen darauf, sich als “Stadt der Moderne” zu präsentieren. Überfliegt man allerdings kurz die offizielle Website, zeigt sich, dass die Stadt neben einigen Häusern auf dem Kaßberg, der Villa Esche und Erich Mendelsohns Kaufhaus Schocken Mühe hat, noch etwas zu finden, was den Anspruch auf das Erbe der Moderne bekräftigt.

Und Marianne Brandt wird peinlicher Weise nicht mal erwähnt!

Allerdings scheint sich alles zum Guten zu wenden. Im Frühjahr 2015 wird im Industriemuseum der Stadt eine neue Dauerausstellung eröffnet werden, wo Marianne Brandt wahrscheinlich und hoffentlich ausreichend Raum gegeben wird. Die Ausstellung in der Villa Esche ist in vielerlei Hinsicht ein Vorgeschmack darauf.

Marianne Brandt in der Villa Esche ist keine riesige Ausstellung, aber immer noch eine der umfassendsten Präsentationen des Lebens und der Arbeit Marianne Brandts, die wir seit langem gesehen haben. Neben originalen Exemplaren ihrer Produktdesigns sind Fotografien von und mit Marianne Brandt zu sehen. Es werden Briefe und die derzeitige Marianne Brandt Alessi Kollektion gezeigt.

Zu den interessantesten Ausstellungsobjekten gehören ein handschriftlicher Lebenslauf, eine Metallkugel, die Marianne Brandt für fotografische Experimente benutzte, und ein Brief, der ihren Termin mit der Bauhausbelegschaft bestätigt. 150 Reichsmark pro Monat waren offenbar die übliche Bezahlung.

Zudem ist ein Brief von László Moholy-Nagy aus dem Jahr 1935 zu sehen, in dem er von einem Treffen mit Walter Gropius in London berichtet und davon erzählt, wie beide bedauert haben, Marianne nicht ausreichend Möglichkeiten eröffnet zu haben. Nagy ermutigt sie in dem Brief, Englisch zu lernen, sodass er versuchen könnte, ihr eine Stellung in Großbritannien zu organisieren.

Alle ausgestellten Produkte, außer einem Zigarettenetui aus dem Jahr 1923, stammen aus der Periode zwischen 1928 und 1932, also Brandts Zeit mit den Ruppelwerken in Gotha. Die Ausstellungsstücke zeigen, wie facettenreich Marianne Brandts Talent war und mit welchem außergewöhnlichen Vermögen es ihr gelang, Funktionalität durch formale Eleganz wiederzugeben. Wir werden auch daran erinnert, dass die Moderne durchaus farbig war. Das vergisst man schnell, da normalerweise sämtliche zur Verfügung stehenden Aufzeichnungen Schwarzweißfotografien sind.

Mit ungefähr 50 ausgestellten Objekten ist Marianne Brandt in der Villa Esche vielleicht zu klein, um extra wegen der Ausstellung nach Chemnitz zu fahren. Sollte man allerdings in Chemnitz sein, lohnt es sich die Zeit zu nehmen. Und allen Chemnitzern sollte der Besuch vorgeschrieben werden!

Ausführliche Details sind unter www.villaesche.de zu finden.

Und einige Eindrücke vorab gibt es schon mal hier:

 



5 neue Designausstellungen im Februar 2014

Friday, February 7th, 2014

Die Museen der Welt liefern im Februar 2014 eine Fülle an interessanten neuen Ausstellungen. Unsere Auswahl ist ziemlich architekturlastig. Von den neu eröffneten Ausstellungen würden wir empfehlen: “Arab Contemporary” im Louisiana Museum of Modern Art in Dänemark, Frank Lloyd Wright im MoMA, New York und Tel Avivs Weiße Stadt in Helsinki. Darüber hinaus präsentiert die belgische Galerie Grand Hornu Images eine Ausstellung, die sich den Lichtdesigns von Alvar Aalto widmet, und das Hofmobiliendepot in Wien zeigt uns die hässlicheren Seiten des Produktdesigns.

Arab Contemporary. Architecture, Culture and Identity” im Louisiana Museum of Modern Art, Humlebaek, Dänemark.

Der Ausdruck “Orient” entstand bekanntlich, um den westlichen Ländern zu helfen, mit der Fremdheit und Vielzahl der arabischen Länder fertig zu werden. Alles, was aus dem “Osten” kam, konnte unter “Orient” verbucht werden – und erschien dadurch verständlicher, romantisch, exotisch, gefährlich, abenteuerlich, aber auch kontrollierbar und sicher. So stößt man heute auch in jeder größeren europäischen Stadt auf zahlreiche orientalische Geschäfte, Restaurants und Cafés. Einige sind türkisch, manche syrisch, andere libanesisch oder nordafrikanisch – alle aber orientalisch. Als zweite Ausgabe der “Architecture, Culture and Identity”-Serie zeigt das Louisiana Museum of Modern Art eine Ausstellung, die versucht die zeitgenössische arabische Kultur über die arabische Architektur zu erforschen und so unserem allgemeinen Bild der arabischen Länder entgegenzuwirken. “Arab Contemporary” geht auf traditionelle arabische Architektur ein und beschäftigt sich ebenso mit der aktuellen Städteplanung wie auch den modernen hightech Glitzer-Konzepten, die wohl am spektakulärsten in der selbstherrlichen Metropole Dubai realisiert werden. Die Ausstellung hat sich so zum Ziel gesetzt, herauszufinden, was die arabischen Länder vereint und was sie auf der anderen Seite voneinander trennt.

“Arab Contemporary. Architecture, Culture and Identity” (Arabische Gegenwart. Architektur, Kultur und Identität) wurde am Freitag, den 31. Januar, im Louisiana Museum of Modern Art (Gl. Strandvej 13, 3050 Humlebæk, Dänemark) eröffnet und läuft noch bis Sonntag, den 4. Mai.

Contemporary Arab. Architecture, Culture and Identity at Louisiana Museum of Modern Art

Contemporary Arab. Architecture, Culture and Identity im Louisiana Museum of Modern Art

“Frank Lloyd Wright and the City: Density vs. Dispersal” im Museum of Modern Art MoMA, New York, USA

Der Vater der amerikanischen Moderne, Frank Lloyd Wright, präsentierte in seinem Buch “The Disappearing City” von 1932 erstmals sein urbanes Konzept “Broadacre City”, einen utopischen Vorort der Zukunft, in dem jede Familie ihre eigene Parzelle Land besitzen sollte und sich der Verkehr auf private Automobile beschränken würde. Darüber hinaus sollten die Bewohner von Broadacre City  mit Hilfe der neuen Möglichkeiten der Telekommunikation ständig informiert und vernetzt sein.

1935 baute Frank Lloyd Wright ein 4 mal 4 Meter großes, maßstabsgetreues Modell einer Einheit der Broadacre City, das im November 1940 auf der Ausstellung “Frank Lloyd Wright: American architect” im MoMA, New York gezeigt wurde. Im Februar 2014 wird es jetzt wieder zu sehen sein.

“Frank Lloyd Wright and the City: Density vs. Dispersal” erforscht Frank Lloyd Wrights Gedanken zur Städteplanung und den Voraussetzungen der Entwicklung des Wohnraums. Dazu wird eine Auswahl von Projekten Wrights gezeigt, die verschiedene Aspekte seines Denkens offenlegt – darunter das Call Building in San Francisco, Manhattens St.Mark`s-in-the-Bouwerie Towers und natürlich Broadacre City.

Schaut man zurück, erscheint es zu simple sich über einige von Frank Lloyd Wrights Ideen lustig zu machen; auch wenn er den Spott in manchen Fällen verdient hätte. Wie auch immer, man sollte über die realisierten Projekte hinaus schauen und der Logik folgen, die zu den Resultaten führte.

“Frank Lloyd Wright and the City: Density vs. Dispersal” (Frank Lloyd Wright und die Stadt: Dichte vs. Ausbreitung) wurde am 1. Februar im MoMA, New York eröffnet und ist dort noch bis Samstag, den 1. Juni 2014, zu sehen.

Frank Lloyd Wright Broadacre City. Project, 1934–35

Frank Lloyd Wright Broadacre City. Projekt, 1934–35. (Foto: The Frank Lloyd Wright Foundation Archives (The Museum of Modern Art | Avery Architectural & Fine Arts Library, Columbia University, New York))

“Alvar Aalto. Lightings” im Le Grand Hornu Images, Hornu, Belgien

Während das Licht der Ausstellung Lightopia im Vitra Design Museum am 9. März erlischt, eröffnet im Le Grand Hornu Images in Belgien eine weitere Ausstellung, die sich mit der eigentümlichen Welt des Lichtdesigns bzw. mit einem bestimmten Lampendesigner auseinandersetzt. Zwar sind seine Möbeldesigns fraglos am bekanntesten, als Freund des Gesamtkunstwerks entwarf Alvar Aalto aber auch die gesamte Ausstattung und sämtliches Zubehör für seine Gebäude – also auch die Lampen. Um  die Entwicklung und zentralen Aspekte des Lampendesigns Alvar Aaltos zu vergegenwärtigen, konzentriert sich das Ausstellungskonzept auf sieben Projekte: das Paimio Krankenhaus, das Savoy Restaurant in Helsinki, das National Pensions Gebäude, das Säynatsälo Rathaus, Jyväskyläs Universität sowie die Villa Mairea und das Privathaus des Kunstsammlers Louis Carré.

Auf diese Weise erklärt uns “Alvar Aalto. Lightings” die Hintergründen zu Objekten wie der “Golden Bell”- heute unter dem Namen A330 von Artek hergestellt -, der Stehlampe A809 und der Leuchte Beehive. So erschließt sich das Werk Alvar Aaltos den Besuchern im größeren Kontext des Lampendesigns des 20. Jahrhunderts.

Die Ausstellung wird mit einem besonders interessant scheinenden Feature eröffnet: Die Besucher laufen über eine Pontonbrücke, die sich über einen künstlichen See erstreckt – und es so erlaubt die Lampen und ihr Leuchten aus allen Winkeln zu bestaunen.

“Alvar Aalto. Lightings” (Alvar Aalto. Die Leuchten) wird am 9. Februar im Le Grand Hornu Images, Rue Sainte-Louise, 82 7301 Hornu, Belgien eröffnet und kann bis 4. Mai 2014 besucht werden.

Alvar Aalto Beehive A331 1953

Alvar Aalto, Beehive Lampe, A331 (1953) (© Foto: Maija Holma, Alvar Aalto Museum)

“The White City – Tel Aviv’s Modern Movement” im Finnischen Architekturmuseum, Helsinki, Finnland

Oft wird behauptet, Tel Avivs Weiße Stadt sei ein reines Bauhaus-Projekt – sie ist es nicht! Allerdings sind die Ursprünge des Projekts mit den Theorien der frühen, europäischen Bewegung der Moderne und den Lehren des Bauhauses verbunden. Und ungeachtet ihrer Vorsehung ist und bleibt die Weiße Stadt eines der faszinierendsten und schönsten Beispiele moderner Architektur und Stadtplanung.

Nach der Endscheidung der UNESCO, die Weiße Stadt als Weltkulturerbe anzuerkennen, wurde der Architekt Tal Eyal damit beauftragt, eine Ausstellung zu realisieren, die sich ganz der Weißen Stadt, ihrem Kontext und den Idealen ihrer Entwickler widmen sollte. Seit ihrer Premiere in Tel Aviv 2004 ist die Ausstellung fast dauerhaft auf Tournee. Sollte man sie noch nicht gesehen haben und in diesem Frühling nahe oder in Helsinki sein, ”The White City – Tel Aviv’s Modern Movement” ist einen Besuch wert.

Die Ausstellung “The White City – Tel Aviv’s Modern Movement” (Die Weiße Stadt – Tel Avivs moderne Bewegung) eröffnet am 12. Februar im Finnischen Architekturmuseum (Kasarmikatu 24, 00130 Helsinki, Finland) und ist dort bis Sonntag, den 30. März 2014, zu sehen.

The White City - Tel Aviv's Modern Movement at the Museum of Finnish Architecture, Helsinki

The White City - Tel Aviv's Modern Movement im Museum of Finnish Architecture, Helsinki

“Böse Dinge – Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks” im Hofmobiliendepot, Wien, Österreich 

Unter den Zitaten von Phillipe Starck aus unserem neuesten Designkalender-Post findet sich Starcks Kritik an Raymond Loewys Behauptung, “Hässlichkeit ließe sich nicht verkaufen.”

“Wir müssen verstehen, dass “Hässlichkeit verkauft sich nicht” bedeutet, Design schlichtweg zum Sklaven von Industrie und Produktion zu degradieren, dass seine Rolle nur darin besteht, Dinge gut verkäuflich zu machen.”

Die Ausstellung “Böse Dinge – Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks” macht klar, dass nicht nur Loewy falsch lag – sich Hässlichkeit nämlich durchaus verkauft-, sondern auch, dass Hässlichkeit ebenso Sklave der Industrie und Produktion ist.

Die vom Werkbundarchiv – Museum der Dinge Berlin entworfene Ausstellung hatte ihre Premiere 2012 in der deutschen Hauptstadt. Jetzt liefert sie im Hofmobiliendepot, Wien eine Untersuchung des schlechten Geschmacks im Design – vom achtzehnten Jahrhundert bis zum heutigen Tag. Dabei dient die Arbeit Gustav E. Pazaureks als Ausgangspunkt.

1909 eröffnete Pazaurek, der zu dieser Zeit Direktor des Stuttgarter Landesgewerbemuseums war, die Abteilung “Geschmacksverirrungen im Kunstgewerbe”, in der er nicht nur besondere Beispiele des schlechten Geschmacks ausstellte, sondern auch ein Klassifikationssystem entwickelte, das ihm helfen sollte diese Designverbrechen zu kategorisieren. Sein Credo: “Nur in der Abgrenzung zum schlechten Geschmack können wir erkennen, was guter Geschmack bedeutet.”

“Böse Dinge – Eine Enzyklopädie des schlechten Geschmacks” präsentiert 60 Gegenstände aus der originalen Kammer des Schreckens und paart sie mit Objekten aus der Sammlung des Museums der Dinge Berlin und der des Hofmobiliendepots. So entsteht eine Erforschung des schlechten Geschmacks im Design über die Jahrhunderte.

In Ergänzung dazu stellt die Ausstellung sowohl die modernen Objekte in Pazaureks Klassifikationssystem als auch die neuen Kategorien auf, um kulturelle, soziale und technologische Veränderungen zu reflektieren.

Die bittere Ironie bei allem: wenn wir die Pressefotos richtig verstehen ist Phillip Starck auf der Ausstellung vertreten. Mit einem Produkt, das sich außergewöhnlich gut verkauft…

“Böse Dinge – eine Enzyklopädie des schlechten Geschmacks eröffnet am 19. Februar im Hofmobiliendepot (Andreasgasse 7, 1070 Wien, Österreich) und läuft bis Sonntag, den 6. Juli 2014.

Salif citrus squeezer Philippe Starck Alessi

Salif Zitronenpresse von Philippe Starck für Alessi (Foto: Armin Herrmann. Copyright: Werkbundarchiv – Museum der Dinge)



Bauhaus Archiv Berlin: Mein Reklame-Fegefeuer. Herbert Bayer. Werbegrafik 1928 – 1938

Monday, January 20th, 2014

Bis Montag, den 24.Februar 2014, zeigt das Bauhaus Archiv Berlin die Ausstellung “Mein Reklame-Fegefeuer. Herbert Bayer. Werbegrafik 1928 – 1938.”

Der in Haag in Oberösterreich am 5. April 1900 geborene Herbert Bayer kam 1921 ans Bauhaus Weimar und zog mit der Institution 1925 nach Dessau, wo ihn Walther Gropius zum Leiter der neu etablierten Druck- und Reklamewerkstatt machte. 1928 verließ Bayer das Bauhaus und gründete sein eigenes Grafikdesign-Studio in Berlin, in dem er Aufträge für private und öffentliche Kunden realisierte, bevor er dann 1938 nach Amerika emigrierte. Herbert Bayer nahm 1964 an der Documenta 3 in Kassel teil und war 1968 für die Gestaltung der Bauhaus Retrospektive zum fünfzigsten Geburtstag der Institution in Stuttgart verantwortlich – sein letzter großer Auftrag. Im September 1985 starb Herbert Bayer in Santa Barbara, Kalifornien.

“Mein Reklame-Fegefeuer”, kuratiert von Prof. Dr. Patrick Rössler von der Universität Erfurt, präsentiert Grafikdesignprojekte Herbert Bayers, die er zwischen seinem Weggang aus Dessau, 1928, und seinem Umzug von Berlin nach Amerika, 1938, realisierte.

Obwohl es sich angeblich um eine Ausstellung zum Grafikdesign Herbert Bayers handelt, erzählt die Ausstellung doch weit mehr über die politischen und sozialen Entwicklungen in Deutschland dieser Zeit, in der sich bekanntermaßen die ereignisreichsten und global folgenschwersten Entwicklungen in der Geschichte des Landes abspielten.

Bauhaus Archiv Berlin Mein Reklame Fegefeuer Herbert Bayer Werbegrafik 1928 1938

Bauhaus Archiv Berlin: Mein Reklame Fegefeuer. Herbert Bayer .Werbegrafik 1928 - 1938

Die erste Arbeit, die man zu sehen bekommt, ist Bayers Poster für die Bauhaus Ausstellung 1927 im Grassi Museum Leipzig – eine Ausstellung, die erheblich dazu beitrug, das Bauhaus einem größeren Publikum bekannt zu machen. Fast schon in Gegenüberstellung zum Leipzig-Poster werden einige Banknoten präsentiert, die Bayer während der Inflation für das Land Thüringen entwarf. Der 50 Millionen Mark Schein mag einem zuerst etwas übertrieben erscheinen, bedenkt man allerdings, dass Eier zu dieser Zeit 320 Millionen Mark das Stück kosteten, kommt er einem dann doch immer noch zu klein geraten vor.

Die unschuldige Hoffnung des Bauhauses und die grausame Realität der Inflation – in dieser Zeit hatte Herbert Bayer vor sich durchzusetzen –  und das sollte ihm auch gelingen.

Als sich die Wirtschaft in den späten 1920er, frühen 1930er Jahren vom Schock der Inflation zu erholen begann, führte die verbesserte finanzielle Sicherheit zu steigendem Konsum in Deutschland – und natürlich wuchs so auch die Nachfrage nach einem talentierten Grafikdesigner wie Herbert Bayer. Folglich avancierte Herbert Bayer Mitte der 1930er Jahre zu einem der am besten bezahlten und profiliertesten Vertretern seines Handwerks.

Natürlich stellt sich die Frage, wie dieser Erfolg in einer Diktatur zustande kommen konnte. Mit seinem Bauhaus Hintergrund, einer jüdisch-amerikanischen Frau und einem sehr modernen Zugang zu Kunst und Design dürfte Herbert Bayer in Nazi-Deutschland eigentlich keine Chance gehabt haben, geschweige denn irgendwie mit dem Nazi-Regime verhandelt haben können. Und dennoch erhielt Herbert Bayer, auch wenn einige seiner Werke 1937 als “entartet” deklariert wurden, während der dreißiger Jahre hoch dotierte Aufträge von öffentlicher Seite.

Wir wissen viel zu wenig über Herbert Bayer, um auf die Frage nach seiner politischen Haltung die richtigen Antworten geben zu können. Alle vertrauenswürdigen Quellen behaupten allerdings, dass Herbert Bayer, obwohl er sich der NSDAP bereitwillig zur Verfügung stellte, standhaft unpolitisch gewesen wäre und weder der NSDAP beigetreten sei noch deren Manifest unterstützt hätte. Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, Projekte zugunsten des Parteiapparats zu realisieren, wie das Grafik- und Ausstellungsdesign für die Ausstellungen “Deutsches Volk, deutsche Arbeit” im Jahr 1934 und “Das Wunder des Lebens” 1935 oder das Buchcover für die Hitlerjugend 1936.

Wahrscheinlich wurde Bayer vom Regime akzeptiert, weil die NSDAP einfach clever genug war, seine Fähigkeiten für die Verbreitung ihrer bis dahin noch verhalteneren Propaganda zu missbrauchen. Dazu bedurfte es natürlich auch Bayers Bereitwilligkeit sich benutzen zu lassen. Mit Sicherheit taucht die heroische, germanische Bildsprache in vielen seiner Arbeiten aus der Mitte der dreißiger Jahre nicht rein zufällig auf.

Das bringt uns zu der Frage zurück, wie politisch Designer sein sollten. Im besonderen Grafikdesigner, zu deren Aufgaben es eben auch gehört Emotionen, Meinungen und folglich auch Entscheidungen zu formen. “Mein Reklame-Fegefeuer” greift diese Frage nicht direkt auf, liefert aber mehr als genug Diskussionsmaterial, um sich auch als unpolitischer Besucher eine Meinung zu bilden.

Die Ausstellung informiert über die Anstrengungen, die Herbert Bayer unternommen hat, um seine Beziehungen zu den Nazis aus späteren Biografien und Ausstellungen zu tilgen. (Herbert Bayer muss sich also im Klaren darüber gewesen sein, dass seine politische Haltung als Grafikdesigner die falsche war.) Um 1938 beschloss Herbert Bayer dann Deutschland zu verlassen, nachdem er wohl realisiert hatte, dass die sich anbahnenden Veränderungen keine positiven waren.

Die Möglichkeit ergab sich durch ein Angebot Walter Gropius’, die Bauhaus Retrospektive des Museum of Modern Art zu gestalten. Beispiele des Grafikdesigns für eben diese Ausstellung und Arbeiten seiner frühen Zeit in Amerika werden den Besuchern von “Mein Reklame-Fegefeuer” am Ende präsentiert.

Auch wenn wir uns etwas mehr Kontext gewünscht hätten, vor allem in Bezug auf die Art der Kontakte und Übereinkünfte mit der NSDAP liefert “Mein Reklame-Fegefeuer” doch mit ungefähr 200 Ausstellungsstücken eine gute Einführung zu Herbert Bayer, seiner Zeit und der frühen Entwicklung des modernen Grafikdesigns wie wir es heute kennen.

Die ausgestellten Arbeiten lassen die Besucher nicht nur Herbert Bayers Entwicklung als Künstler nachvollziehen, sondern zeigen auch, wie viel das moderne Grafikdesign diesem Pionier nach wie vor zu verdanken hat.

“Mein Reklame-Fegefeuer Herbert Bayer. Werbegrafik 1928 – 1938″ kann bis Montag, den 24. Februar 2014, im Bauhaus Archiv Berlin besucht werden. Alle Details sind unter www.bauhaus.de zu finden.



(smow) Blog 2013. Ein Rückblick in Bildern: Dezember

Sunday, January 5th, 2014

Aufgrund von Lebkuchen, die gegessen, Glühwein, der getrunken, und Reisen, die nicht geplant werden müssen, ist der Dezember im Allgemeinen ein recht ruhiger Monat.

Doch trotz aller anderen Ablenkungen haben wir es im Dezember 2013 geschafft, die Ausstellung ”Mensch Raum Maschine. Bühnenexperimente am Bauhaus” in der Stiftung Bauhaus Dessau und der kurzen “Rethinking The Product – Design ‘Made in Italy’ zu Gast in Berlin”-Ausstellung in Berlin zu besuchen. Außerdem wurde im Dezember 2013 das neue Buch vom Vitra Design Museum ”Der Vitra Campus – Architektur Design Industrie” veröffentlicht und wir wurden mit Ionna Vautrins Lampe Binic für Foscarini bekannt gemacht.

Jasper Morrison Bus Shelter Vitra Campus

Jasper Morrisons Bushaltestelle auf dem Vitra Campus, Weil am Rhein

VitraHaus Vitra Campus weil am rhein

VitraHaus, Weil am Rhein

Mensch Raum Maschine Stage Experiments at the Bauhaus Stiftung Bauhaus Dessau

Mensch Raum Maschine. Bühnenexperimente am Bauhaus @ Stiftung Bauhaus Dessau

Mensch Raum Maschine Stage Experiments at the Bauhaus Stiftung Bauhaus Dessau

Mensch Raum Maschine. Bühnenexperimente am Bauhaus @ Stiftung Bauhaus Dessau

Binic by Ionna Vautrin for Foscarini

Binic von Ionna Vautrin für Foscarini. Die Familie...



(smow) Blog 2013. Ein Rückblick in Bildern: März

Thursday, December 26th, 2013

Der März 2013 verging mit Rumfahren: Stuttgart, Chemnitz, Weimar, Dessau… Erstaunlich, dass da überhaupt Zeit blieb, etwas zu schreiben…

Porsche Museum Stuttgart

Porsche Museum Stuttgart

Wasserschloss Klaffenbach Chemnitz Eames by Vitra

Eames by Vitra, Wasserschloss Klaffenbach Chemnitz

Eames by Vitra Wasserschloss Klaffenbach Chemnitz Eames Elephants

Eames by Vitra, Wasserschloss Klaffenbach Chemnitz. Eames Elephants.

Henry van de Velde Leidenschaft Funktion und Schönheit Klassik Stiftung Weimar

Kindermöbel von Henry Van de Velde für Willy Engels. Gesehen bei "Leidenschaft, Funktion und Schönheit"

Henry van de Velde Leidenschaft Funktion und Schönheit Klassik Stiftung Weimar

Henry van de Velde, Kandelaber. Gesehen bei "Leidenschaft, Funktion und Schönheit"

Bauhaus Dessau Bauhaus in Calcutta A Meeting of the Cosmopolitan Avantgarde

Stiftung Bauhaus Dessau: Bauhaus in Kalkutta. Ein Treffen der internationalen Avantgarde



Stiftung Bauhaus Dessau: “Mensch Raum Maschine. Bühnenexperimente am Bauhaus.”

Tuesday, December 17th, 2013

Wir können nicht sicher sein, ob Oskar Schlemmer dem Spruch “Das Leben ist ein Kabarett” gänzlich zugestimmt hätte. Allerdings wissen wir, welchen Status das Kabarett im Bereich der kulturellen Darbietungen bei ihm hatte. Er stufte es etwas unter dem Theater und ein bisschen über dem Varieté ein.

1925 schrieb Schlemmer: “Die Bühne umfasst grundsätzlich alles zwischen religiöser Kulthandlung und naiver Volksbelustigung, jedoch ist sie weder ganz das eine noch das andere. Vielmehr geht es um die kalkulierte Wirkung naturgemäß abstrakter Darbietungen auf das Publikum.”1

Eine Beschreibung, die wunderbar auf die Bühne am Bauhaus zutrifft, die Oskar Schlemmer von 1923 bis 1929 leitete und auf die er wie kein zweiter großen Einfluss hatte.

Die 1921 von Walter Gropius gegründete Bauhaus Bühne gehört nach wie vor zu den wenig erforschten Aspekten der Bauhaus Geschichte – jedenfalls in der Öffentlichkeit. Das liegt nicht etwa an mangelndem Interesse, sondern vielmehr am Rechtsstreit der Erben Oskar Schlemmers um den Umgang mit seinem Nachlass. Dieser Streit erschwert die Organisation von Ausstellungen, die in irgendeiner Form mit Oskar Schlemmer im Zusammenhang stehen. Und solchen Hindernissen gehen die meisten Museen von vornherein lieber aus dem Weg.

Sicherlich wäre es auch möglich eine Ausstellung zur Bauhausbühne zu organisieren, die Oskar Schlemmer einfach nicht allzu oft erwähnt. Das wäre allerdings so sinnlos wie eine Arrabiata Soße ohne Chilli zu kochen.

Am 31. Dezember 2013 läuft das Urheberrecht von Schlemmers Nachlass aus und die Macht der eher negativ eingestellten Erben schwindet. So können wir wahrscheinlich in den nächsten Jahren mit sehr viel mehr Ausstellungen und Publikationen zu Oskar Schlemmer rechnen.

Die Bauhaus Stiftung Dessau hat die Initiative ergriffen und zeigt bis zum 21. April 2014 die Ausstellung “Mensch Raum Maschine. Bühnenexperimente am Bauhaus”, eine Ausstellung, die ganz der Bauhausbühne gewidmet ist.

Mensch Raum Maschine Stage Experiments at the Bauhaus Stiftung Bauhaus Dessau

"Mensch Raum Maschine. Bühnenexperimente am Bauhaus" @ Stiftung Bauhaus Dessau

Die in sieben Themenabschnitte, wie “Raumplastische Choreografien”, “Atmosphärenapparate” oder “Exzentrische Bühnenmechaniken”, unterteilte Ausstellung ist die erste konzentrierte Erforschung der Bauhausbühne und ihrer Protagonisten. Zum Großteil werden Grafiken, Fotos und anderes 2D-Material gezeigt. Darüber hinaus nutzt die Ausstellung Filme, Kostüme, Maschinen und Modelle, um zu erklären, was die Bühne am Bauhaus genau war und wie sie funktionierte. Neben Oskar Schlemmer sind Leute wie T. Lux Feininger, Johannes Itten, Herbert Bayer, Wassily Kandinsky, Marianne Brandt, László Moholy-Nagy und Walter Gropius mit “Beiträgen” vertreten.

Von der Geschichte der Bauhausbühne geht die Ausstellung dann über zu drei zeitgenössischen Künstlern und Kollektiven, die sich mit der Frage “Wie technisch wollen und sollten wir sein?” auseinandersetzten. Die Suche nach Antworten auf ebendiese Frage war letztendlich auch schon ein Hauptanliegen der Bühne am Bauhaus selbst und spielte in der gesamten Struktur des Bauhauses eine zentrale Rolle.

Während der Rest des Bauhauses in angewandter Form auf eine Verbindung zwischen Menschen und moderner Technologie hin arbeitete – Maschinen sollten in die Welt integriert werden – arbeitete die Bühne am Bauhaus auf eher abstrakte, konzeptuelle Weise. Man untersuchte die Beziehung zwischen Mensch und Maschine und die Mechanisierung des Menschen. Auf diese Art bot die Bauhausbühne eine Plattform für die Studenten am Bauhaus, auf der sie ihr eigenes Verhältnis zur modernen Welt untersuchen konnten und die ihnen so auch half ihre Arbeit besser zu verstehen. In diesem Sinne verstehen auch wir mehr über die Idee des Bauhauses, wenn wir mehr über die Praktiken und Projekte der Bauhausbühne erfahren.

“Mensch Raum Maschine” erklärt nicht nur auf prägnante Weise, was genau die Bauhausbühne war, sondern stellt vor allem auch klar, dass die Bühne mehr war als Oskar Schlemmer und dass es nicht nur um Vorführungen vor zahlendem Publikum ging. Die Bühne war Teil des Lehrplans vom Bauhaus, sie befaste sich mit der Entwicklung moderner Bühnengestaltung und Theaterarchitektur. 1925 schrieb beispielsweise Walter Gropius: “Als orchestrierte Einheit ist das Spiel in gegenseitigem Geben und Nehmen mit der Architektur der Umgebung verbunden.”Der Ausstellungsteil, der sich mit Gropius’ monströsem “Total Theater” von 1927 beschäftigt, unterstreicht diese Position ziemlich wortgewandt.

Nach Walter Gropius’ Abgang vom Bauhaus begann der Stern der Bauhausbühne zu verglühen und als Oskar Schlemmer schließlich 1929 Dessau verließ, um nach Breslau zu gehen, wurde die Bauhaus Bühne geschlossen.

Mensch Raum Maschine Stage Experiments at the Bauhaus Stiftung Bauhaus Dessau

"Mensch Raum Maschine. Bühnenexperimente am Bauhaus" @ Stiftung Bauhaus Dessau

Wie immer bei Ausstellungen im Bauhaus Dessau ist der Platz das größte Problem. Trotz all seiner Talente und Visionen hat Walter Gropius offenbar nie vorhergesehen, dass Jahrzehnte später jemand Ausstellungen in seiner Schule würde organisieren wollen und sich nicht um ausreichend Platz gekümmert.

Infolgedessen bietet die Ausstellung zwar einen guten Einblick in das Wesen und die Produktion der Bauhausbühne, ist aber weniger konkret in anderen Bereichen, wie dem historischen Kontext der Entstehung der Bühne, den Widersachern des Projektes innerhalb des Bauhauses, der weiteren Bedeutung der Bühne während der 1920er Jahre und in Bezug auf das Erbe der Institution.

Wenn es letztendlich also nur um eine Gruppe privilegierter Kreativer gehen soll, die sich ohne weitere soziale, politische oder ökonomische Intentionen amüsieren will, könnten wir auch eine Ausstellung über einige Berliner Cafés machen.

Die Organisatoren haben versprochen, dass der Ausstellungskatalog detailliertere Informationen bereithält. Wie auch immer – aus rechtlichen Gründen wird der nicht vor dem 1. Januar veröffentlicht und so müssen wir abwarten.

So ist ein Nachteil der nicht gerade ausführlichen Darstellung der Bauhausbühne, dass viele der Exponate fremd erscheinen. Man kann zwar sagen, was man da sieht, aber nicht wie man es einordnen soll. Es fehlen einfach die nötigen Bezüge. Leider gibt die Ausstellung zu wenig her, um all diese Lücken zu füllen. Das trennt einen nicht von der Ausstellung an sich, sondern heißt nur, dass das Thema nicht in der Tiefe, die es verdient hätte, verstanden werden kann.

In unserem Post zur Ausstellung von 2012 in der Barbican Art Gallery London - Bauhaus: Art as Life - schrieben wir: “Gibt es überhaupt noch irgendwas über das Bauhaus zu sagen?”. “Mensch Raum Maschine. Bühnenexperimente am Bauhaus” zeigt, dass es da fraglos noch einiges gibt.

“Mensch Raum Maschine. Bühnenexperimente am Bauhaus” läuft in der Stiftung Bauhaus Dessau (Gropiusallee 38, 06846 Dessau-Roßlau) bis Montag, den 21.April 2014.

Alle Details zur Ausstellung sind unter www.bauhaus-dessau.de zu finden.

1 Oskar Schlemmer “Mensch und Kunstfigur” in Bauhausbücher 4, München 1925, aus Schlemmer et al Die Bühne im Bauhaus, Neue Bauhausbücher Mainz, 1985

2 Walter Gropius zitiert bei Dirk Scheper “Oskar Schlemmer – das Triadische Ballett und die Bauhausbühne” Akademie der Künste, Berlin, 1988

 



5 neue Designausstellungen im Dezember 2013

Monday, December 9th, 2013

In dieser Jahreszeit interessieren sich wohl die meisten nur für die Geschenke unterm Weihnachtsbaum – jedenfalls gibt es nur einige wenige Eröffnungen von Designausstellungen im Dezember.

Nur wenige, aber immerhin einige. Hier eine Auswahl der Interessanteren:

“Mensch Raum Maschine. Bühnenexperimente am Bauhaus” in der Stiftung Bauhaus Dessau

Trotz des aktuellen Theaters um die Entscheidung, dass der Vertrag des Direktors Phillip Oswalt der Stiftung Bauhaus Dessau nicht verlängert wird, beschäftigt sich die Ausstellung in Dessau im Winter 2013/2014 ausschließlich mit historischen Theaterabenteuern.

Die 1921 von Walter Gropius gegründete Bauhaus Bühne hatte das Ziel, die bevorstehende technische Revolution im Kontext ihrer Auswirkungen auf die Menschen und ihre Psyche zu untersuchen. Anfänglich von Lothar Schreyer geleitet, nahm 1923 Oskar Schlemmer die Zügel in die Hand. Schlemmer bleibt vielleicht auch der, den man am engsten mit dem Projekt in Zusammenhang bringt – nicht zuletzt wegen der vielfältigen Kostüme und Maschinen, die er für die Produktionen der Institution entwickelte. Diese Kostüme und Maschinen zeigen auch, dass der Einfluss, den das Theater aufs Bauhaus und seine Studenten hatte, viel zu leicht in Vergessenheit gerät.

Mit “Mensch Raum Maschine” zeigt die Stiftung Bauhaus Dessau wohl die erste detaillierte Ausstellung zur Arbeit und zum Erbe der Bauhaus Bühne.

“Mensch Raum Maschine. Bühnenexperimente am Bauhaus” öffnet in der Stiftung Bauhaus Dessau, Gropiusallee 38, 06846 Dessau-Roßlau am Freitag, dem 6. Dezember, und läuft bis Montag, dem 21. April 2014.

Mensch Raum Maschine. Stage Experiments at the Bauhaus at Stiftung Bauhaus Dessau, Germany

Eines der Kostüme aus Oskar Schlemmers Triadic Ballett, gesehen bei Art as Life, Barbican Centre London

“The New Danish Cool” im Hôtel Droog, Amsterdam, Niederlande

Treue Leser werden wissen, dass, wenn es etwas gibt, das uns wirklich wütend macht, es der Begriff “Danish Design” ist. Der Begriff meint nämlich etwas, was es gar nicht gibt. Dänemark hat zwar eine lange, renommierte und wichtige Designtradition, aber keine spezifische “Signatur”, die eine Klassifikation außerhalb einer globalen Designtradition, die auf einem Gemisch sozialer, kultureller und politischer Entwicklungen gründet, erlauben würde.

Der unsinnige Mythos, Dänemark wäre irgendwie sui generis, wurde vor allem durch die Arbeiten von Architekten und Designern wie Arne Jacobsen, Hans Wegner oder Poul Henningsen geprägt. Aber wer führt diese angebliche Tradition heute fort? Und wodurch ist das aktuelle dänische Design geprägt? Die Leute vom Hôtel Droog liefern momentan einige gute Antworten darauf.

Obwohl die Ausstellung zum Großteil auf die kommerziellen Erscheinungsformen der dänischen Kreativität setzt – das zeigt sich in Form von Möbeln und Accessoires von Leuten wie Normann Copenhagen, Kvadrat oder Hay und der Kleidung des stets liebenswürdigen Henrik Vibskov, ist eine zentrale Komponente von “The New Danish Cool” doch die Präsentation von Fotografien und Videos. Diese dokumentieren und erklären, wie das Kopenhagener Büro BIG Architects den Stadtpark Superkilen Park, der als Teil einer urbanen Regenerierungsinitiative entstand, entwickelte.

Wir hoffen und glauben, dass alle, die auf der “Hôtel Droog”-Ausstellung nach den üblichen Klischees suchen, auf etwas Befriedigenderes stoßen werden, auf etwas Tatsächliches.

“The New Danish Cool” wurde im Hôtel Droog, Staalstraat 7B, 1011 JJ Amsterdam am Donnerstag, dem 28.11.2013, eröffnet und läuft noch bis Sonntag, dem 5.01.2014.

The New Danish Cool at Hôtel Droog, Amsterdam, Holland

Mode von Henrik Vibskov gesehen bei Nordische Botschaften Berlin

“Soziale Hilfsprojekte – Fragen/Antworten” in der Architekturgalerie am Weißenhof, Stuttgart

Indessen zum Thema der urbanen Regeneration…. Warum beteiligen sich die Leute an sozialen Hilfs- und Förderprojekten? Weil sie nett sind? Weil sie der Gesellschaft helfen möchten? Um durch ihren Beitrag unter Beweis zu stellen, dass sie gute, großzügige und gütige Individuen sind? Um ihr Selbstempfinden aufzubessern? Um den weniger Glücklichen zu helfen?

“Soziale Hilfsprojekte – Fragen und Antworten” präsentiert die Resultate eines Projektes des interdisziplinären Weißenhof-Instituts der Kunstakademie Stuttgart. Die Ausstellung geht über die naheliegenden Fragen zu sozialen Hilfsprojekten, also ”Was macht ein solches Projekt genau?”, hinaus und untersucht eher, wer über die Budgets solcher Projekte entscheidet und wann ein Projekt zukunftsträchtig ist. Die für uns interessanteste Frage des Projektes ist allerdings die nach dem Unterschied zwischen Architektur und sozialer Architektur. Eine Frage auf die natürlich automatisch die Frage folgt: “Warum ist Architektur nicht grundsätzlich sozial?”

“Soziale Hilfsprojekte – Fragen/Antworten” öffnet in der Architekturgalerie am Weißenhof, Am Weißenhof 30, 70191 Stuttgart am Donnerstag, dem 12.Dezember, und läuft bis Sonntag, dem 16.Februar.

Soziale Hilfsprojekte Fragen Antworten at Architekturgalerie am Weißenhof Stuttgart Germany

Die Architekturgalerie am Weißenhof, Stuttgart

“Skin to Skin. Über Haut und Häute” im Gewerbemuseum Winterthur, Schweiz

Die Haut ist nicht nur das größte menschliche Organ und der beste Schutz gegen Krankheiten und Infektionen, sie fasziniert und inspiriert auch seit Jahrzehnten Künstler, Designer und Architekten – sowohl direkt als auch als Metapher.

Das Gewerbemuseum Winterthur präsentiert in seiner Ausstellung “Skin to Skin” Arbeiten von Künstlern, Designern und Wissenschaftlern, die den Kuratoren zufolge nicht nur die Haut als Material untersuchen, sondern sich auch mit der sozialen, kulturellen und politischen Bedeutung von Haut beschäftigen. Mit Arbeiten von kreativen Talenten wie Simon Hasan, Fumie Sasabuchi oder Nandipha Mntambo verspricht “Skin to Skin” eine anspruchsvolle und höchst unterhaltsame Sammlung von Objekten und Philosophien zu sein.

Parallel zu “Skin to Skin” zeigt das Museum eine Ausstellung über Leder in all seinen Facetten und erlaubt so eine noch genauere Untersuchung des Themas.

“Skin to Skin. Über Haut und Häute” öffnet im Gewerbemuseum Winterthur, Kirchplatz 14, 8400 Winterthur am Sonntag, dem 1. Dezember 2013, und läuft bis Montag, dem 9. Juni 2014.

Skin to Skin. Über Haut und Häute at Gewerbemuseum Winterthur, Switzerland

Studio Formafantasma (IT/NL): Wasserkanister aus the Craftica series, 2012 (© Studio Formafantasma. Photo: Luisa Zanzani)

“52 Wochen, 52 Städte. Fotografien von Iwan Baan” im Museum Marta Herford

Es ist wahrscheinlich angemessen zu sagen, dass die meisten unserer liebsten Architekturfotografien Arbeiten des niederländischen Fotografen Iwan Baan sind. Und auch wenn Sie sich dessen nicht bewusst sind, es wird oder würde Ihnen wahrscheinlich genauso gehen. Mit einem beneidenswerten Portfolio atmosphärischer, narrativer Aufnahmen, einem Portfolio, dem kürzlich die phänomenalen Luftaufnahmen von Manhattan in der Folge des Hurrikans Sandy hinzugefügt wurden, hat Iwan Baan seine eigene reflektierte Oase inmitten eines Genres aufgebaut, das sich hauptsächlich durch todlangweilige Monotonie auszeichnet. In “52 Wochen 52 Städte” nimmt uns Iwan Baan mit auf eine Weltreise, die sich zum Ziel gesetzt hat, einen Eindruck unseres Verhältnisses zur Architektur und zur gebauten Umgebung zu präsentieren – sei es beispielsweise Zaha Hadids Heydar Aliyev Cultural Centre in Baku in seiner unverzeihlichen Dekadenz oder der verwahrloste Torre David Wolkenkratzer in Caracas.

“52 Wochen, 52 Städte. Fotografien von Iwan Baan” läuft im Marta Herford, Goebenstr. 2-10, 32052 Herford von Sonntag, dem 8. Dezember 2013, bis Sonntag, dem 16. Februar 2014.

52 Weeks, 52 Cities. Photographies by Iwan Baan at Marta Herford, Germany

Iwan Baan Hurricane Sandy, 2012. Das Foto wurde 24 Stunden nach dem Sturm aufgenommen.



5 neue Designausstellungen im November 2013

Wednesday, November 6th, 2013

Wir sind sicher, dass unsere Leser es sehr schätzen, wenn wir uns zurückhalten etwas zu empfehlen, was wir nicht gesehen haben. Doch folgende fünf Ausstellungen, die allesamt im November eröffnet werden, zogen unsere Aufmerksamkeit auf sich. Und ohne eine definitive Empfehlung aussprechen zu wollen, scheinen sie einen Besuch wert.

“mein reklame-fegefeuer. Herbert Bayer und die deutsche Werbegrafik 1928–1938″ im Bauhaus Archiv Berlin

1925 als erster Direktor der Druck- und Werbewerkstatt am Bauhaus Dessau angestellt, war der österreichische Künstler und Typograf Herbert Bayer nicht nur für das Design, die Typografie, das Layout und die Produktion aller Bauhaus Publikationen der späten 1920er Jahre verantwortlich, sondern war ganz nebenbei auch daran beteiligt einen neuen Beruf zu etablieren: den des professionellen Grafikdesigners.

1928 verließ Bayer das Bauhaus, um sein eigenes Büro in Berlin zu eröffnen, wo er die Stärken der mutigen neuen Branche mit einer Serie von Werbeverträgen für Kunden von der Vogue bis zur NSDAP demonstrierte.

Kuratiert von Prof. Dr. Patrick Rössler von der Universität Erfurt präsentiert “mein reklame-fegefeuer” eine Erkundung von Herbert Bayers kreativer Arbeit in der Zeit zwischen seinem Ausscheiden aus dem Bauhaus, 1928, und seiner unfreiwilligen Emigration nach New York, 1938, und verspricht dabei sowohl Bayers Beitrag zur Entwicklung des Grafikdesigns und der Typografie sowie der Widersprüchlichkeit, mit der er einigen seiner Projekte entgegentrat, zu untersuchen.

“mein reklame-fegefeuer. Herbert Bayer und die deutsche Werbegrafik 1928–1938″ beginnt am Mittwoch, den 20. November 2013, im Bauhaus Archiv, Klingelhöferstraße 14, Berlin und endet am Montag, den 24. Februar 2014.

5 New Design Exhibitions for November 2013 mein reklame fegefeuer herbert bayer werbegrafik 1928 1938 at Bauhaus Archiv Berlin, Germany

Katalogcover von "Das Wunder des Lebens", 1935 von Herber Bayer. Zu sehen bei "mein reklame fegefeuer. herbert bayer werbegrafik 1928 1938" im Bauhaus Archiv Berlin, Germany (Foto: © VG Bild-Kunst, Bonn 2013)

“Mastering Design. Design Academy Eindhoven and Royal College of Art London” im Mudac – Musée de design et d’arts appliqués contemporains, Lausanne, Schweiz

Unabhängig von allem anderen mögen wir die Launenhaftigkeit in der Ankündigung zu “Mastering Design” sehr: Wenn die Schweizer Behörden nicht den halbjährlich stattfindenden Swiss Design Award sponsern wollen, zeigt das Mudac eben Arbeiten von anderswo in Europa. Dabei haben sie sich für zwei der prominentesten und zurzeit besten europäischen Designschulen entschieden: für die Design Academy Eindhoven und das Royal College of Art London.

Mit 24 Projekten, 12 von jeder Schule, z.B. von Anton Alvarez, Thomas Thwaites, Tuomas Markunpoika Tolvanen oder dem Studio mischer’traxler geht es bei “Mastering Design” laut den Veranstaltern genauso um eine Bestandsaufnahme der Designausbildung wie um die Projekte und die Designer dahinter. Obwohl wir fast sicher sind, dass die Ausstellung auch als äußerst unterhaltsame Ausstellung über die Vielfalt und Tiefe von Arbeiten und Forschungen junger Studenten unserer Zeit durchgeht.

“Mastering Design. Design Academy Eindhoven and Royal College of Art London” kann zwischen dem 31. Oktober 2013 und dem 9. Februar 2014 im Mudac – Musée de design et d’arts appliqués contemporains, Pl. de la Cathédrale 6, Lausanne gesehen werden.

5 New Design Exhibitions for November 2013 Mastering Design Design Academy Eindhoven and Royal College of Art London at mudac Musée de design et d’arts appliqués contemporains Lausanne Switzerland

"Mastering Design. Design Academy Eindhoven and Royal College of Art London" im Mudac - Musée de design et d’arts appliqués contemporains Lausanne

“Cyclepedia, Iconic Bicycle Design” im Design Museum Holon, Israel

Fahrräder spielten nicht nur in der Geschichte des Möbeldesigns eine große Rolle, sondern haben sich auch als dauerhaft interessantes Gebiet für Produkt- und Industriedesigner erwiesen. Und nein, wir reden hier nicht über die hippen Fixies. Wir meinen, wie sich neue Technologien, Funktionen, Formen usw. auf das Fahrrad anwenden lassen.

Mit einer Ausstellung, die über 100 Fahrraddesigns zeigt, will das Design Museum Holon die Geschichte und Entwicklung des Fahrrads im Kontext von vier Kategorien aufzeigen: Inhalt, Technologie, Zeit und Design. Ein besonderer Fokus der Ausstellung liegt dabei auf israelischem Fahrraddesign und der Radkultur in Israel.

Neben der Ausstellung hat das Design Museum Holon ein Rahmenprogramm auf die Beine gestellt, das eine internationale Konferenz zum Thema “Stadtplanung und Fahrräder”, ein Fahrrad-Filmfestival in der Holon Cinematheque und eine Fahrrad-Schule (was auch immer das sein mag) beinhaltet.

“Cyclepedia, Iconic Bicycle Design” wird am 14. November 2013 eröffnet und ist bis zum 22. März 2014 im Design Museum Holon, Pinhas Eilon St. 8 Holon zu sehen.

Design Museum Holon, Israel.

“Patricia Urquiola und Rosenthal. Landscape” in der Neuen Sammlung – Neues Museum für Kunst und Design, Nürnberg

1961 entschied sich Philip Rosenthal, die Zeit sei reif, die Porzellanmanufaktur seiner Familie in eine neue Richtung zu führen. Ohne das Unternehmen von seinen traditionellen Produktlinien zu lösen, stellte er zeitgenössische Designer an, um eine neue Denkweise in das Portfolio des Unternehmens zu bringen. Unter der Marke “Studio-line” trugen Designer wie Walter Gropius, Andy Warhol, Jasper Morrison, Raymond Loewy oder H. Th. Baumann ihren Teil zum Portfolio Rosenthals bei. Die neueste Kooperation Rosenthals mit einem jungen Designer ist die Landscape Kollektion von der Mailänder Designerin Patricia Urquiola von 2008, einer Kollektion, die neben Porzellanobjekten mit 3D-Relief auch Gläser, Keramiken und Textilien beinhaltet. Man kann in diesem Zusammenhang also von einer Auseinandersetzung mit dem Tischservice als eine sich organisch entwickelnde künstliche Landschaft sprechen.

Die Ausstellung in Nürnberg will nicht nur Stücke der Kollektion zeigen, sondern verspricht vielmehr die Entwicklungsgeschichte der Kollektion und vor allem der technischen Veränderungen, die notwendig waren, um Patricia Urquiolas Vision in ein marktfertiges Produkt zu übersetzen, aufzuzeigen.

“Patricia Urquiola und Rosenthal. Landscape” eröffnet am Freitag, den 15. November 2013, und ist dann bis Sonntag, den 16. Februar 2014, in der Neuen Sammlung – Neues Museum für Kunst und Design, Klarissenplatz, Nürnberg zu sehen.

5 New Design Exhibitions for November 2013 Patricia Urquiola und Rosenthal Landscape at Die Neue Sammlung Neues Museum für Kunst und Design Nürnberg Germany

Gussform mit Schellack bedecktem Teekannenmodell aus der Landscape Kollektion von Patricia Urquiola für Rosenthal (Foto: Alessandro Paderni)

“Storage” und “Cupboards, Cabinets, Closets – Domestic Storage Furniture Through the Ages” im Danish Museum of Art & Design, Kopenhagen, Dänemark.

Es scheint eins der banalsten Themen für eine Designausstellung überhaupt zu sein, aber Aufbewahrung war immer auch eine der größten Herausforderungen und gleichzeitig fruchtbarsten Gegenstände für Designer sowie Handwerker.

“Cupboards, Cabinets, Closets” zeigt ungefähr 60 Objekte von mächtigen Barockschränken bis zu Aufbewahrungssystemen zeitgenössischer Designer. Dabei verspricht die Ausstellung sowohl die Entwicklung von Aufbewahrungskonzepten im Kontext sozialer Entwicklungen zu untersuchen sowie die Rolle, Wichtigkeit und Verwendung von Materialien bei Aufbewahrunglösungen über die Jahrzehnte zu beleuchten.

Dass das Danish Museum of Art & Design parallel zu ”Cupboards, Cabinets, Closets” die jährliche Ausstellung dänischer Tischler, die sich im Jahr 2013 mit über 42 zeitgenössische Objekten dem Thema “Aufbewahrung” widmet, zeigt, ist eine dieser glücklichen 2-für-1-Situationen. So bietet sich die Möglichkeit, nicht nur traditionelle mit zeitgenössischen Ansätzen in Sachen Aufbewahrung zu vergleichen, sondern auch designbasierte mit handwerklichen Lösungen.

“Cupboards, Cabinets, Closets – Domestic Storage Furniture Through the Ages” und “Storage” sind vom 1. November 2013 bis zum 30. März 2014 im Danish Museum of Art & Design, Bredgade 68, Kopenhagen zu sehen.

5 New Design Exhibitions for November 2013 Storage and Cupboards Cabinets Closets Domestic Storage Furniture Through the Ages at the Danish Museum of Art  Design Copenhagen Denmark

Unser letztes Foto für diesen Post ist...The Last Piece of Furniture von Søren Ulrik Petersen, zu sehen bei: Cupboards Cabinets Closets. Domestic Storage Furniture Through the Ages im Danish Museum of Art Design Kopenhagen (Foto: 2013 © Danish Crafts / jeppegudmundsen.com)



5 Jahre (smow), 5 Wochen Geburtstagslaune. Diese Woche mit: Thonet.

Saturday, October 26th, 2013

Es gibt nur wenige Möbelhersteller, die von sich behaupten können, bei zwei großen Revolutionen des Möbeldesigns ganz vorne mitgespielt zu haben.

Thonet ist so einer.

Und um ehrlich zu sein, fällt uns auch kein anderer ein.

Obwohl die Geschichte Thonets schon 1819 beginnt, wird sie erst 1859 so richtig interessant. Damals vollendete Michael Thonet sein Bugholzverfahren. Das Ergebnis von über 20 Jahren Entwicklung, Experimentieren, Blut, Schweiß und Tränen, Pleite, flüchtigem Erfolg und brutalem Scheitern ist ein auf Dampf basierendes Verfahren, das es ihm ermöglichte, solides Buchenholz zu biegen und ganz einfach Holzstühle zu einem vertretbaren Preis herzustellen.

Der Startschuss für die industrielle Produktion von Möbeln war gefallen.

Michael Thonets berühmtestes Modell ist ohne Frage der Stuhl Nr. 14, der heute als Stuhl 214 bekannte Klassiker ging als der archetypische Wiener Kaffeehausstuhl in die Möbelgeschichte ein – und als elegantes Beispiel dafür, wie unkompliziert gutes Stuhldesign sein kann.

Genauso genial wie das Bugholzverfahren war Michael Thonets Entscheidung den Stuhl Nr. 14 als flach verpacktes System, das aus sechs Elementen besteht, die von jedem Dummkopf zusammengebaut werden können, zu verpacken und verkaufen. Damit hat Michael Thonet den Prototypen für ein modernes Packsystem geliefert, das heute nicht nur für das Geschäft mit schwedischen Möbeln essentiell ist…

Dank der Fähigkeit 36 unmontierte Stühle in eine 1 m² große Kiste zu packen, konnten Thonet Stühle rundum den Globus verschickt werden und so produzierte das Unternehmen 1912 schon ungefähr 2 Millionen Stühle pro Jahr.

Bis heute werden die Rahmen der Thonet Klassiker, wie für den Stuhl 214, Michael Thonets 209 von 1900 oder den 233 von 1895, am Unternehmenshauptsitz im hessischen Frankenberg (Eder) noch immer von Hand gebogen – Stück für Stück, in einer Maschine, die mehr an ein mittelalterliches Foltergerät erinnert, als an etwas, mit dem einer der interessantesten und wichtigsten Stuhlentwürfe der Möbelgeschichte geschaffen wird.

Auf Biegen und Brechen Thonet

Biegen von Buchenholz. Genau wie es einst Michael Thonet tat...

Ungefähr 60 Jahre nach dem Durchbruch mit Bugholz kam Thonet durch das Biegen eines neuen Materials zu seinem zweiten großen Erfolg. Neu für Thonet und neu für das Möbeldesign: Stahlrohr.

Durch den engen Kontakt mit Designern und Architekten wie Mart StamMarcel BreuerMies van der Rohe und Le Corbusier war Thonet Teil einer neuen Strömung, die in den 1920ern Europa beherrschte. Und durch die Erfahrung mit dem Biegen von Holz war der Möbelhersteller außerdem der Ansprechpartner schlechthin für diese neue Generation von Designern, wenn es darum ging ihre neuen Ideen in eine neue Realität zu verwandeln – in die neuartigen Freischwinger aus Stahlrohr.

Nach der Übernahme von Marcel Breuers Möbelfirma Standard Möbel, 1929, hat sich Thonet an die ersten industriellen Verfahren zum Biegen von Stahlrohr gemacht. Nach einer anfänglichen Phase öffentlichen Misstrauens – man denke z.B. an die in How to live in Flat von W. Heath Robinson und K. R. G. Browne ausgerückten Vorstellungen – entwickelten sich Objekte wie Mart Stams Freischwinger S 43 und der Freischwinger S 33 oder Marcel Breuers Schreibtisch S 285 und die B 9 Satztische zum beliebten Klassiker. Oder besser gesagt, zum zeitlosen, beliebten Klassiker. Und festigten Thonets Stellung als einer der wichtigsten, innovativsten und glaubwürdigsten Möbelhersteller Europas.

Heute ruht sich das Unternehmen zum Glück nicht auf seinen Lorbeeren aus und durch die Zusammenarbeit mit jungen Designern wie Stefan Diez, Delphin Design oder Jehs+Laub ist Thonet auch heute noch einer von Europas größten Herstellern von Designermöbeln.

Sie mögen noch keine dritte Revolution ausgelöst haben, aber wir wollen nicht ausschließen, dass sie das noch tun werden…

Im Rahmen der Aktionswochen zum 5. Geburtstag vom (smow) Onlineshop gibt es bei allen Bestellungen von Thonet Möbeln einen Preisvorteil von 5% – nur zwischen Freitag, dem 25. bis Donnerstag, dem 31. Oktober 2013. Alle Informationen dazu gibt es auf smow.de.

Und wem es noch an Inspiration mangelt, sollte auf unserer Thonet Pinterest-Pinnwand fündig werden.

Auf Biegen und Brechen Michael Thonet

Biegen oder Brechen. Michael Thonet, der Vater aller Holzbieger.

 



Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb 2013: Ausstellung

Wednesday, October 16th, 2013

Wahrscheinlich sind nicht alle über unsere ständigen Besuche in Chemnitz erfreut. Auf jeden Fall weiß aber die Mehrheit, dass sich unser Benehmen irgendwo zwischen jugendlicher Unreife und dem Gerede eines verbitterten Häftlings bewegt. Und tatsächlich begann alles, als wir noch unreife Jugendliche waren. Seitdem haben wir schon lange den beneidenswerten Status gehässiger, älterer Bürger.

Aber mal davon abgesehen haben die meisten, auch wenn ihnen unsere Einwände nicht gefallen, akzeptiert und verstanden, dass es nichts Persönliches ist, sondern nur eine historische Wunde, die wir tragen.

Als wir uns also an einem Samstag von einem der Marianne-Brandt-Wettbewerbs-Organisatoren verabschieden wollten, erwiderte der mit wissendem Blick: “Bis zum nächsten Mal also. In Chemnitz”. Woraufhin ich, “Das wird dann in drei Jahren sein”, antwortete und es im nächsten Moment bereute.

Ich bereute es, weil es nicht nur die idiotischste aller Antworten war, sondern weil es an einem Tag wie dem 7. September 2013, mit Sonnenschein, den einladend leuchtenden Fassaden des neuen Museums und Karl Marx, der den Eindruck eines fürsorglichen alten Onkels mit einer Tüte Süßigkeiten machte, die er mit allen teilen würde, eigentlich Zeit gewesen wäre einen Schritt weiter zu gehen und Chemnitz eine Chance zu geben.

Einen gewissen Verdienst an unserem Meinungsumschwung hatte fraglos der Internationale Marianne Brandt Wettbewerb.

Bis zum 1. Oktober 2013 waren alle Nominierungen des Marianne Brandt Wettbewerbs in einer Ausstellung im Industriemuseum Chemnitz zu sehen.

International Marianne Brandt Contest 2013 Jury

Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb 2013: Die Jury in der Diskussion

Die Ausstellung des Marianne Brandt Wettbewerbs war eine verhältnismäßig simple Angelegenheit, eine kuratorische Entscheidung, die den Besuchern Zeit und Raum ließ die Objekte wirklich genau unter die Lupe zu nehmen.

Thema des Wettbewerbs war “Die Poesie des Funktionalen”, ein Slogan, der natürlich vor allem die Frage aufwirft, ob Funktionalität überhaupt poetisch sein kann. Verdrängt Funktion nicht die Poesie?

Die Antwort hängt natürlich von der jeweiligen Definition des Begriffs Poesie ab.

Die delikate Porzellankollektion “Lumos” von Claudia Biehne und Stefan Passig, ist beispielsweise eine feine Elegie in der Tradition von Percy Bysshe Shelley oder Thomas Gray. Alexander Penkins “Thinking outside the bag” spielt mit den feineren Aspekten satirischer Poesie, während Veronika Gruber mit dem Tisch “Janus” eine sehr erzählerische Arbeit zeigte.

Der scharfsinnige literarisch Gelehrte wird also eine Fülle an unausweichlichen Referenzen in der Ausstellung des Marianne Brandt Wettbewerbs gefunden haben.

Zu den Produktdesign-Highlights gehörte für uns Anna Albertine Baronius “2tables”. Der Tisch mit integrierter Lampe ist zwar in seiner Offensichtlichkeit ziemlich albern, das schön gearbeitete Stück bereitete uns allerdings ein zuvor unerreichtes Vergnügen. Es gab wohl Klagen, dass obwohl die beiden Formen des 2tables “offen” und “geschlossen” sind, man den Tisch in der geschlossenen Variante nicht nutzen könne, um Dinge darauf abzustellen, weil man sie dann, um die offene Form zu nutzen, erst beiseite räumen müsse. Für uns ist das eher Teil der Schönheit. Der Benutzer wird so gezwungen etwas ordentlicher zu sein und etwas genauer zu überlegen, wie er den Platz nutzt. Alle Objekte, die einen dazu bringen, werden uns immer gefallen.

Über das Kräuterregal “Kitchen Herbs 2.0″ von Tina Schönheit haben wir uns, trotz der etwas zu verspielten Idee, ähnlich gefreut. Und auch die “Modulare Parkgarage” von Thomas Wagner hat es uns angetan. Zudem war es sehr schön mal wieder auf so alte Bekannte zu treffen wie Sample Avenue von Karoline Fessner oder die Stuhl-Tischkombination Sam und Suzie von Gesine Hillmann und Jan Regett – Objekte, die in der exklusiven Atmosphäre des Industrie Museums Chemnitz wirklich brillierten.

Wie ja alle wissen, hatten wir so unsere Probleme die Regeln für die Kategorie Cradle-to-Cradle vollständig zu verstehen. Die Wettbewerbsausstellung machte allerdings alles einigermaßen klar. Einigermaßen insofern als der “Cradle-to-Cradle”-Aspekt nicht immer so ganz ersichtlich schien. Neben Objekten, die uns schon bekannt waren, darunter der wundervolle Max Trill Stuhl von Katharina Schwarz – ein Stück, das wir zuletzt in der sehr vermissten Galerie dieschönestadt in Halle gesehen haben, gehörten für uns zu den Cadle-to-Cradle-Highlights “AntikKOMBO” von Björn Kendelbacher und Stephan Eggers und BugBox von Franziska Callensee, Vera Aldejohann und Adrian Meseck.

International Marianne Brandt Contest 2013 Veronika Wildgrüber Janus

Janus von Veronika Wildgrüber in der Ausstellung des Internationalen Marianne Brandt Wettbewerbs 2013

Wenn die Wettbewerbsausstellung 2013 für uns einen Schwachpunkt hatte, dann war es zweifellos die Fotografie. Wir haben viel Zeit damit zugebracht uns Fotos anzuschauen, und es langweilt uns wirklich, Bilder zu sehen, die vielleicht technisch perfekt gemacht, in gleicherweise aber komplett stumpfsinnig sind – oder schlimmer noch: klischeehaft, offensichtlich, ermüdend. Warum quält ihr uns damit? Erst kürzlich haben wir uns über die Allgegenwart von Schwarzweißfotografien von Zigarre rauchenden Kubanern mit alten, faltigen Gesichtern beklagt. Metaphorisch gesehen zeigten für uns zu viele der in Chemnitz ausgestellten Arbeiten rauchende, zerknitterte Bewohner des alten Havannas.

Natürlich gab es Ausnahmen, die deutlich unter Beweis stellten, dass Fotografie möglich ist. “Eldorado” von Jan Mammy war sehr erfreulich, und das nicht nur wegen des mehr als offensichtlichen Bezugs zur Bauhaus Fotografie. Weitere Fotografieprojekte, die es Wert sind genannt zu werden, waren “Aprés une Architecture” von Marget Hoppe und die perverserweise süchtig machenden, dokumentarischen Aufnahmen aus Kirill Golovchenkos “Kachalka”-Projekt.

Um ehrlich zu sein haben uns die Nominierten von 2013 im Ganzen nicht so mitgenommen wie die des Wettbewerbs von 2010. Es gab für uns beispielweise nichts, das Objekten wie Damensattel oder Mechthild gleichgekommen wäre. Es geht aber nicht darum die Nominierten von 2013 schlecht zu machen. Die Qualität war fraglos sehr hoch und sicherlich besser als bei den meisten Designwettbewerben.

Neben der Tatsache, dass durch den Marianne Brandt Wettbewerb das Erbe einer der interessanteren Designerinnen/Künstlerinnen der Moderne am Leben erhalten wird, gibt es eine Menge Gründe den Wettbewerb zu würdigen: zum einen der sehr vernünftige Eintrittspreis und die wirklich nützlichen Nicht-Geld-Preise einiger Sponsoren, andererseits besteht kein Druck Lizenzgebühren zu zahlen, sollte man gewinnen und an erster Steller natürlich: das wunderbare Thema des Wettbewerbs.

Wahrscheinlich nahmen deshalb so viele, wirklich talentierte, innovative und aufmerksame junge Designer an dem Wettbewerb teil.

Alle Details zur Ausstellung gibt es unter http://marianne-brandt-wettbewerb.de. Für alle, die es nicht dorthin geschafft haben, außerdem ein paar unserer Eindrücke. Eine größere Auswahl an Bildern ist unter pinterest board zu finden.

Wie gewohnt der Offenheit und Transparenz zuliebe: (smow) Chemnitz ist ein Sponsor des Internationalen Marianne Brandt Wettbewerbs.