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Sensing the Future: László Moholy-Nagy, die Medien und die Künste im Bauhaus Archiv Berlin

Montag, 10. November 2014

In seinem Film “Moderne Zeiten” von 1936 gerät Charlie Chaplin bekanntermaßen in die Mühlen des Fortschritts. Der Film ist eine kurze, aber scharfe Kritik an den Problemen und Herausforderungen, die technologischer und sozialer Wandel für den “kleinen Mann” mit sich bringen.

Über ein Jahrzehnt später hatte auch der ungarische Künstler und Autor László Moholy-Nagy damit begonnen, die Probleme und Herausforderungen der Moderne zu studieren. Er setzte sich mit dem rasanten technischen Fortschritt und der damit verbundenen Flut an neuen sensorischen Erfahrungen auseinander. Jetzt präsentiert das Bauhaus Archiv Berlin in seiner Winterausstellung 2014/15 nicht nur eine tiefgründige Untersuchung László Moholy-Nagys und seiner Arbeit, sondern befasst sich auch mit der Relevanz dieser Arbeiten für unsere “Moderne”.

Sensing the Future Lászlo Moholy-Nagy die Medien und die Künste at Bauhaus Archiv Berlin

Sensing the Future: László Moholy-Nagy, die Medien und die Künste im Bauhaus Archiv Berlin

Anfänglich wollte der 1895 im ungarischen Bácsborsód geborene László Moholy-Nagy eine juristische Laufbahn einschlagen. Seine Pläne änderten sich jedoch, als er die Kunst der Avantgarde und die Literatur für sich entdeckte – zuerst durch die Budapester Aktivistenbewegung und danach durch den Dadaismus und russischen Konstruktivismus. Im Jahr 1920 zog Moholy-Nagy nach Berlin. Dort machte er sich mit den Ideen der Reformpädagogik vertraut, veröffentlichte seine ersten programmatischen Texte und nahm erstmals an Ausstellungen teil, bevor ihn Walter Gropius 1923 auswählte, Johannes Itten als Tutor des berühmten Vorkurses am Bauhaus Weimar zu ersetzten.

Moholy-Nagy zog zwar noch mit der Institution nach Dessau um, verließ das Bauhaus allerdings bereits 1928, um sein eigenes Studio in Berlin zu eröffnen. Mit dem Erstarken der NSDAP sah sich Moholy-Nagy, wie so viele andere seiner Zeitgenossen, zur Emigration gezwungen und ging über Amsterdam, London und Brünn schließlich nach Chicago.

1937 versuchte László Moholy-Nagy den Geist des Bauhauses mit dem sogenannten “New Bauhaus” College in Chicago wiederzubeleben – ein unglückliches Unterfangen, das wegen fehlender Mittel schon ein Jahr später wieder aufgegeben wurde. Daraufhin gründete Moholy-Nagy die Chicago School of Design, die sich schließlich in das heutige Illinois Institute of Technology, Institute of Design entwickeln sollte. László Moholy-Nagy starb am 24. November 1946 in Chicago.

Die von Professor Oliver Botar von der University of Manitoba, School of Art initiierte Ausstellung “Sensing Future” soll untersuchen, wie László Moholy-Nagy in seiner Kunst und Lehrtätigkeit einerseits versuchte, die exponentiellen technologischen Veränderungen der 1920er Jahre zu verstehen und wie er andererseits insgesamt dabei mitwirkte, die Bevölkerung auf die Zukunft vorzubereiten – vor allem dabei auf die Zukunft der Medien.

“László Moholy-Nagy fühlte, dass die Kunst das beste Mittel sei, um den Menschen beim Umgang mit dem Ansturm von Sinneseindrücken zu helfen”, erklärt Oliver Botar, “er wollte uns beibringen, wie wir unsere Sinne vollständig nutzen könnten. Aber auch die Kunst selbst sollte dabei helfen. Er meinte, wenn Kunst eine sinnliche Herausforderung wäre, könnte diese Herausforderung in einer kontrollierten Situation den Menschen helfen sich besser den Veränderungen ihrer Zeit anzupassen.”

Und so wie Fritz Haller eine Weltraumkolonie designte, um klarer über irdische Architektur und Stadtentwicklung nachdenken zu können, so dachte sich Moholy-Nagy, dass eine künstlerisch anspruchsvolle Umgebung uns helfen würde die technologische Realität anzunehmen und zu verstehen.

Ein Beispiel dafür, wie Moholy-Nagy die Rolle und Funktion der Kunst begriff, ist sein Poly Cinema, ein Raum, in dem mehrere Filme gleichzeitig auf eine gewölbte Oberfläche projiziert werden, und ein Konzept, das den Betrachter zunächst zwar überfordert, ihn schließlich aber dazu zwingt, einen Weg zu finden, die Informationsflut zu kontrollieren und Ordnung in das Chaos zu bringen. “Sensing the Future” zeigt eine Rekonstruktion eines solchen Poly Cinemas, das alle Besucher selbst ausprobieren können. Auf diese Weise erkennt man, dass László Moholy-Nagy und seine Zeitgenossen vor Problemen standen, die heute so relevant wie damals sind: zunehmende und schnellere Reproduzierbarkeit durch neue Medien, neue Produktionsprozesse, Werbung, Globalisierung … László Moholy-Nagy mag sich nicht über neue Apps, 3D-Drucker und virtuelle Viren den Kopf zerbrochen haben, dafür waren es damals eben die Fotografie, der Film und das Automobil.

Sensing the Future Lászlo Moholy-Nagy die Medien und die Künste at Bauhaus Archiv Berlin

Mobile Skulptur Floe von Erika Lincoln

Moholy-Nagy half nicht nur der Gesellschaft, die Zukunft besser zu verstehen, er dachte auch darüber nach, wie man neue Technologien für die Anpassung der Menschen nutzen könnte. Ein Beispiel dafür ist seine sogenannte Konstruktionsorgel, von der auch eine Nachbildung in der Ausstellung zu sehen ist. Bei einer Präsentation der Konstruktionsorgel im Jahr 1938 argumentierte László Moholy-Nagy, visuelle Bilder hätten derart an Bedeutung gewonnen, dass die Kommunikation durch visuelle Bilder ein alltäglicher Vorgang würde. Da jedoch die Kosten der Fotografie ungeheuer hoch seien, würden sich diejenigen, denen der Zugang zur Fotografie und damit die Erfahrung Bilder zu komponieren und zu entwickeln, verwehrt bliebe, zu den Analphabeten der Zukunft entwickeln. Folglich waren technische Hilfsmittel nötig, um die Bildkomposition für alle zugänglich zu machen. Die Konstruktionsorgel ist eines dieser Hilfsmittel. Gewissermaßen ist sie so etwas wie Photoshop anno 1938. Nur mit auf Lochkarten gesicherten Bildern.

Hier besteht auch eine Analogie zu unserer heutigen Situation der Smartphones und mobilen Computer: Diejenigen, denen der Zugang verwehrt bleibt, riskieren zurück zu bleiben bzw. nicht in der Lage zu sein, Hotels und Konzerttickets zu buchen oder herauszufinden, wann der nächste Zug fährt.

Heutzutage denkt man wahrscheinlich eher an Designer, wenn es um die Lösung sozialer und kultureller Probleme geht, eine der andauerndsten Hinterlassenschaften des Bauhauses ist jedoch auch die Entwicklung des Designs aus der Kunst mittels angewandter Kunst. Aber spielt die Kunst wirklich noch eine Rolle, wenn es darum geht, unsere Umwelt besser zu verstehen? Oder haben wir uns schon darüber hinaus entwickelt?

“Ich denke, Kunst ist in dieser Hinsicht immer noch sehr wichtig”, antwortet Oliver Botar unmissverständlich. Der Impetus, die Welt und ihre Veränderungen verstehen zu wollen, muss allerdings beim Künstler liegen. “László Moholy-Nagy meinte, Künstler müssten sich mit jeder neuen Technologie beschäftigen, ganz egal welcher”, fährt Oliver Botar fort. “Künstler sollten vor der Technik keine Angst haben und mit Wissenschaftlern zusammenarbeiten. Wenn Künstler dazu in der Lage sind, gibt uns das allen Mut, uns auf neue Technologien einzulassen.”

Daher zeigt “Sensing the Future” neben Gemälden, Skulpturen, Plänen, Installationen, Fotografien und Filmen von László Moholy-Nagy auch aktuelle Arbeiten von zeitgenössischen Künstlern, die die Philosophie László Moholy-Nagys fortführen.

Die sehr offen und klar strukturierte Ausstellung “Sensing the Future” liefert nicht nur eine exzellente Einführung zu László Moholy-Nagy, sondern hilft uns auch zu verstehen, dass egal, als wie schnell wir die Entwicklung unserer Gesellschaft einschätzen, sie vor 100 Jahren auch nicht langsamer war. Folglich können wir auch vieles von früheren Generationen lernen, wenn es darum geht, sich neuen Technologien anzupassen und sich auf die Zukunft einzulassen.

“László Moholy-Nagy meinte, es wäre sehr wichtig, dass der Mensch die Kontrolle über die Technologie behalte, bevor wir von der Technologie kontrolliert würden,” fügt Olivar Botar hinzu. “Das war einer seiner Grundsätze und ich denke, das ist auch heute ein wichtiger Grundsatz. Schließlich fühlen wir uns alle zeitweise überfordert.” Und wir alle geraten zeitweise zwischen die Räder wie damals Charlie Chaplin.

“Sensing the Future: László Moholy-Nagy, die Medien und die Künste” ist bis Montag, den 15. Januar 2015 im Bauhaus Archiv, Klingelhöferstraße 14, 10785 Berlin zu sehen.

Alle Details einschließlich der Informationen zum Rahmenprogramm sind unter www.bauhaus.de zu finden.

Bauhaus Archiv Berlin: Wassily Kandinsky – Lehrer am Bauhaus

Samstag, 02. August 2014

Bei dem ganzen Hype um “Bauhaus Stil”, “Bauhaus Klassik” und “Bauhaus Design” wird allzu oft vergessen, dass das Bauhaus eine Universität war. Und wenn auch viele, wenn nicht gar die meisten von uns, höchstens ein halbes Dutzend Bauhaus Absolventen nennen können, so waren es doch hunderte, die ein Studium am Bauhaus abgeschlossen haben.

Dabei ging es nicht nur um Partys und Theater – die Studenten lernten auch etwas. Aber was lernten sie? Wie lernten sie? Und was lernen wir daraus?

Mit dem Versuch solche Fragen zu beantworten, präsentiert das Bauhaus Archiv Berlin derzeit eine Ausstellung, die sich dem am längsten aktiven Mitglied des Lehrpersonals am Bauhaus widmet: Wassily Kandinsky.

Bauhaus Archiv Berlin Wassily Kandinsky Lehrer am Bauhaus

Wassily Kandinsky - Lehrer am Bauhaus im Bauhaus Archiv Berlin

Der am 4. Dezember 1866 in Moskau geborene Wassily Kandinsky studierte Jura, Wirtschaftslehre und Statistik in Moskau, bevor er 1896 nach München zog, wo er die Malereiklasse unter Leitung von Anton Ažbe besuchte. 1901 war Kandinsky Mitbegründer des progressiven Künstlerkollektivs und der privaten Malschule Phalanx, die 1904 geschlossen wurde, woraufhin Kandinsky eine Reihe von Studienreisen in die Niederlande, Frankreich, Tunesien, Italien und die Schweiz unternahm. Nach seiner Rückkehr nach Moskau im Jahr 1914 hatte Kandinsky zahlreiche Lehraufträge und administrative Positionen in Kultur- und Kunstinstitutionen inne – am bedeutendsten darunter wohl das Volkskommissariat für Bildungswesen (Narkompros) und das Institut für Künstlerische Kultur (INCHUK). Ans Bauhaus kam Kandinsky auf Walter Gropius’ Einladung hin im Jahr 1922. Nach der Schließung im Jahr 1933 emigrierte Kandinsky dann nach Paris, wo er am 13. Dezember im Alter von 78 Jahren starb.

Die Ausstellung präsentiert eine Mischung aus Arbeiten von Kandinsky selbst, von seinen Studenten und seinen Lehrerkollegen am Bauhaus, und wird durch Publikationen von Kandinsky, Original-Dokumenten und Lehrmaterialien untermauert und ergänzt. “Wassily Kandinsky – Lehrer am Bauhaus” zeigt so nicht nur, wie Kandinsky zahlreiche Kurse in Weimar, Dessau und Berlin leitete, und was er von seinen Studenten erwartete, sondern macht auch deutlich, wie sich Kandinsky als Künstler während seiner Jahre am Bauhaus entwickelte.

Wie zu erwarten bei einer Ausstellung, die Wassily Kandinsky und seiner Lehre am Bauhaus gewidmet ist, sind die Wände voll von geometrischen Formen und Primärfarben. Die Farben und Muster wurden von Kandinskys Studenten im Rahmen des Seminars “Abstrakte Elemente der Form” entwickelt und stehen zum einen für Kandinskys eigene Forschungen zu Form und Farbe, illustrieren aber andererseits auch, wie Kandinsky seine Studenten dazu anregte eigene Gedanken zu entwickeln.

Auf welche Art und Weise die Erkenntnisse aus solchen Untersuchungen in Kandinskys Arbeiten einflossen, lässt sich auf zahlreichen der ausgestellten Kandinsky Arbeiten nachvollziehen. Wie die Studenten allerdings mit dem, was sie bei Kandinsky lernten, in ihren Berufen nach dem Bauhaus umgingen – welche Rolle das Studium für ihre jeweilige Karriere spielte – ist leider nicht dokumentiert. Wäre allerdings ebenso interessant.

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung ist Kandinskys “analytisches Zeichnen”-Seminar, eine zentrale Komponente seiner Lehre und ein Seminar, das den Studenten zeigte, durch einen Prozess der Vereinfachung der Form die Verhältnismäßigkeiten zwischen Objekten besser zu verstehen. Auch hier illustriert wieder eine Reihe von Studentenarbeiten, wie die Studenten angehalten wurden sich durch den Prozess einer sequenziellen Reduktion auf das Essentielle zu konzentrieren und aufgerufen waren, von dort aus etwas neues zu entwickeln.

Ein Ansatz, von dem wir möglicherweise in allen Bereichen profitieren könnten.

Neben den eher abstrakten Arbeiten und Ideologien widmet sich “Wassily Kandinsky – Lehrer am Bauhaus” auch der Klasse für bildenden Kunst, die gemeinsam von Kandinsky und Paul Klee geleitet wurde. In diesem Zusammenhang ist eine beachtliche Arbeit von Hajo Rose aus dem Jahr 1932 zu sehen. In ähnlicher Manier endet die Ausstellung dann auch jeweils mit einer Arbeit von László Moholy-Nagy, Paul Klee, Georg Muche und Lyonel Feininger. Diese Arbeiten wurden zum 60. Geburtstag von Kandinsky präsentiert und machen gut deutlich, wie talentiert und kreativ das Lehrpersonal am Bauhaus war.

Bauhaus Archiv Berlin Wassily Kandinsky Lehrer am Bauhaus

Wassily Kandinskys Bildatlas, den er während seines Unterrichts benutzte...

Wassily Kandinsky war nicht nur wegen der Dauer seiner Beschäftigung ein wichtiger Lehrer des Bauhauses, sondern vor allem auch weil Kandinskys Vorkurs in der Zeit von 1922 bis 1930, also während der wichtigsten Bauhaus Jahre, für alle Studenten verpflichtend war.

Was sehr vereinfacht bedeutet, dass man das Bauhaus durch Kandinsky verstehen lernt.

“Wassily Kandinsky – Lehrer am Bauhaus” ist die umfassendste Untersuchung zu Kandinskys Lehre, die überhaupt jemals angestellt wurde, und wird rund 30 Jahre nach der letzten Ausstellung zu diesem Thema gezeigt. Die Ausstellung ist eine zeitgemäße und sehr unterhaltsame Untersuchung des Themas, vor allem ist sie aber auch eine sehr zugängliche, die mit einfachen, manchmal fast schon zu simplen Präsentationsmethoden auskommt.

“Wassily Kandinsky – Lehrer am Bauhaus” ist bis Montag, den 8. September 2014 im Bauhaus Archiv, Klingelhöferstr.14, 10785 Berlin zu sehen.

Neben der Ausstellung hat das Bauhaus Archiv Berlin ein begleitendes Programm mit Gesprächen und Führungen organisiert. Alle Details sind unter www.bauhaus.de zu finden.

 

Bewundert, verspottet, gehasst – Das Bauhaus Dessau im Medienecho der 1920er Jahre

Freitag, 16. Mai 2014

Das viel diskutierte Experiment Bauhaus kommt mit der Eröffnung seines eigenen Instituts am 4. Dezember 1926 in Dessau zu einem ersten Abschluss. Über die möglichen Auswirkungen der Gruppe von Architekten, zu der auch Gropius gehört, auf unsere Baukultur wird die Geschichte entscheiden. Dieser neue Stil, ein Stil, der für den Großteil unserer Bevölkerung ungewohnt ist und den die Mehrheit nicht annehmen wird, lässt keinen Platz für traditionelle Architektur, aber sehr viel Raum für den künstlerischen Ausdruck junger Studenten.1

So begrüßte das deutsche Magazin Die Bauwelt die Eröffnung des Bauhauses Dessau am 4. Dezember 1926. Wie andere Medien über das Event berichteten, wie das Bauhaus grundsätzlich in den Medien präsentiert wurde und wie es sich selbst darstellte, erfährt man in der Ausstellung “Bewundert, verspottet, gehasst – Das Bauhaus Dessau im Medienecho der 1920er Jahre”, die derzeit im Klee/Kandinsky Meisterhaus in Dessau zu sehen ist.

Zwischen dem riesigen Thema “Bauhaus und die Medien” und dem begrenzten Platz in den Dessauer Meisterhäusern besteht natürlich ein ziemlicher Kontrast – es muss also zwangsläufig eingeschränkt werden, was und auf welche Weise es präsentiert wird. Folglich haben sich die Organisatoren von “Bewundert, verspottet, gehasst” auf zwei grundlegende Ereignisse beschränkt: die Eröffnung des Bauhauses Dessau 1926 und das Metallische Fest, Teil der Karnevalsfeier 1929. Darüber hinaus beleuchtet die Ausstellung vier weitere, eher allgemeine Aspekte: die Moderne in Cartoons und Karikaturen, die Berichterstattung zum Bauhaus im Radio und die Präsentation des Bauhauses Dessau in der – und durch die Werbung. Ein letzter Abschnitt, der sich der aktuellen Berichterstattung über das Bauhaus widmet, bietet einen schönen Vergleich zur Berichterstattung während der 1920er Jahre. Dieser Abschnitt konzentriert sich vor allem auf die Entscheidung, den Vertrag des Direktors der Stiftung Bauhaus Dessau, Phillip Oswalt, nicht zu verlängern.

bewundert verspottet gehasst Das Bauhaus Dessau im Medienecho der 1920er Jahre

Bewundert, verspottet, gehasst - Das Bauhaus Dessau im Medienecho der 1920er Jahre

Die Eröffnung des Bauhauses Dessau zog sich formal über drei Tage und begann mit einer Presseführung am 3. Dezember 1926 und  wurde von der offiziellen Eröffnung am Samstag, den 4. Dezember, sowie einem Tag der offenen Tür am 5. Dezember gefolgt.

Neben über 1000 Gästen zog die Eröffnung über 100 Journalisten aus Deutschland und dem Ausland an. Das mag sich nicht gerade nach viel anhören, wir, die während des ganzen Jahres an Presseveranstaltungen teilnehmen, finden uns jedoch nur selten in Gesellschaft von 100 Kollegen. Für 1926 ist das demzufolge eine wahnsinnige Teilnehmerzahl. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Medienlandschaft damals sehr viel kleiner war als heute und dass das Bauhaus, so zumindest die heutige Annahme, während dieser Zeit gar nicht so populär und kulturell relevant war. – Offensichtlich war es das also doch.

Die Auswahl der in “Bewundert, verspottet, gehasst” präsentierten Artikel ist nicht gerade ausufernd, was mit dem begrenzten Raum im Klee/Kandinsky Meisterhaus zusammenhängt. Allerdings bietet sie mehr als genug Material, um den Besuchern einen guten, allgemeinen Überblick darüber zu geben, wie die Zeitungen und Fachmagazine jener Zeit auf das Ereignis reagiert haben. – Grundsätzlich sehr positiv, wenn man es mal ganz knapp zusammenfassen will.

Besonders erfreulich ist das Farbfoto in der Edition “Velhagen und Klasings Monatshefte” vom März 1927. Wie wir es schon in unserem Post zur Marianne Brandt Ausstellung in der Villa Esche in Chemnitz erwähnt haben, ist unser Eindruck der Moderne viel zu sehr von Schwarz-Weiß-Fotografien geprägt. Wir vergessen leicht, dass die Moderne voller Farben war. So ähnlich wie wir heute, wurden aber auch damals viele Menschen in Deutschland und Europa nur durch Zeitungen und Magazine – und damit monotonen Schwarz-Weiß-Fotografien – auf das Bauhaus aufmerksam. Dass den Lesern 1927 also auch Farbfotos vorlagen, ist eine neue und erfreuliche Information für uns.

Der zweite Fokus der Ausstellung liegt auf dem Metallischen Fest von 1929, das im Wesentlichen ein riesiger schriller Kostümball war. Harald Wetzel, der Vorsitzende des für die Ausstellung verantwortlichen Fördervereins Meisterhäuser Dessau, weist in diesem Zusammenhang auf einen Unterschied zwischen Weimar und Dessau hin. Er meint, im Gegensatz zu Weimar, wo vor allem die Bildung einer Gruppe, das Zusammenbringen von Tutoren und Studenten, im Mittelpunkt stand, habe Dessau eine viel größere soziale Bedeutung gehabt und wäre für führende Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft durchaus relevant gewesen. Diese Behauptung kratzt leider etwas am Mythos, das Bauhaus sei eine anarchische Gruppe von Außenseitern gewesen, die es mit dem Establishment und seinen überholten Traditionen aufnehmen wollte.

Im Mittelpunkt der Dokumentation des Metallischen Fests stehen sechs erst kürzlich wiederentdeckte Fotografien des Balls, die von einer Berliner Agentur aufgenommen wurden. Mal ganz abgesehen von den Fotografien selbst, zeigt allein schon die Tatsache, dass der Fotograf einer Agentur aus Berlin nach Dessau gereist ist, um eine Bauhausparty zu fotografieren, welche Bedeutung die Veranstaltung hatte.

bewundert verspottet gehasst Das Bauhaus Dessau im Medienecho der 1920er Jahre Metallische Fest

Fotografien vom Metallischen Fest, gesehen bei Bewundert, verspottet, gehasst - Das Bauhaus Dessau im Medienecho der 1920er Jahre

Neben der Berichterstattung zum Metallischen Fest und der Eröffnung hält “Bewundert, verspottet, gehasst” auch zahlreiche Momente bereit, die einen frischen, zumindest selten gezeigten Eindruck des Phänomens Bauhaus vermitteln. So waren wir ziemlich von der Werbung von und über das Bauhaus überrascht. Wer hätte gedacht, dass das Bauhaus in Zeitschriften um Studenten geworben hat… Aus diesen Werbeanzeigen erfährt man interessanter Weise auch von der Anstellung Hanns Riedels am Bauhaus Dessau als Tutor für BWL. BWL ist natürlich ein ziemliches Kontrastprogramm zum berühmten Bauhausmythos von “Kreativität und Freiheit über alles”. Spannend ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, wie Designschulen wohl heutzutage ihren Studenten die Wirtschaftslehre näherbringen. Wahrscheinlich machen es viele gar nicht, wenige nur in unzureichendem Maße und keine wird wohl damit werben!

Ein besonderes Highlight war für uns vor allem auch der Abschnitt zum Thema Satire und Karikatur, der uns mal wieder an das Buch “How to live in a flat” erinnerte. Mit W. Heath Robinsons und K.R.G. Brownes großartigem Band wird ein grundlegender Zug der deutschen Karikatur von modernem Design und moderner Architektur aus den 1920er Jahren sehr deutlich. Im Mittelpunkt stand offenbar die augenscheinliche Exklusivität, die Anmaßung und vor allem die Arroganz der modernen Bewegung – die unfassbare Distanz zwischen den Sehnsüchten und der täglichen Realität der “normalen” Bevölkerung und der Welt der Moderne.

Das führt natürlich zurück zu unserem Zitat vom Anfang, in dem die Moderne als ein Stil bezeichnet wird, der für einen Großteil der Bevölkerung ungewohnt war und den die Mehrheit nicht anzunehmen bereit war.

bewundert verspottet gehasst Das Bauhaus Dessau im Medienecho der 1920er Jahre satire Betrachtung der Karikaturen von modernem Design und moderner Architektur in “bewundert, verspottet, gehasst – Das Bauhaus Dessau im Medienecho der 1920er Jahre”

“Es ist eher eine kleine Ausstellung”, ließen uns die Organisatoren vor unserer Ankunft wissen. Im Gegenteil – es ist eine ziemlich beträchtliche Ausstellung. In den letzten Jahren sind wir für sehr viel kleinere und weniger informative Ausstellungen sehr viel weiter gereist. Wie gesagt, die Ausstellung ist in Sachen Umfang und Anzahl der Ausstellungsstücke begrenzt, allerdings kann man ein solches Thema auch nur vollständig durchleuchten oder sich eben auf das Wesentliche beschränken. Und die Dessauer Meisterhäuser haben beim besten Willen nicht die Kapazitäten, um es mit der vollständigen Thematik aufzunehmen.

Wem sich also die Gelegenheit bietet, “Bewundert, verspottet, gehasst” vermittelt einen guten Eindruck von dem, was in einer größeren Ausstellung möglich wäre. Und ist einen Besuch definitiv wert.

“Bewundert, verspottet, gehasst – Das Bauhaus Dessau im Medienecho der 1920er Jahre” ist im Meisterhaus Klee/Kandinsky, Ebertallee 69/71, 06846 Dessau-Rosslau bis zum Sonntag, den 18. Mai 2014 zu sehen.

Alle Informationen zur Ausstellung sind unter www.gropius-haus.de zu finden.

1.Die Bauwelt, 2. Dezember 1926

(smow) Blog kompakt: Meisterhausfest – Neue Meisterhäuser fürs Bauhaus Dessau

Mittwoch, 14. Mai 2014

Jeder, der mit uns schon einmal durch Potsdam spaziert ist, wird unsere Meinung zu originalgetreuen Nachbauten längst verschwundener Gebäude kennen. Aber auch wenn uns Entscheidungen wie die in Brandenburg geradezu deprimieren und wirklich verärgern, müssen wir wohl einsehen, dass sie häufig einfach getroffen werden müssen. So auch in Bezug auf die Meisterhäuser von László-Moholy-Nagy und Walter Gropius in Dessau.

Eineinhalb von vier geradezu identischen Gebäuden – von Gropius für das Lehrpersonal des Bauhaus Dessau entworfen – wurden während eines Alliiertenangriffs zerstört. Diese eineinhalb Gebäude waren früher die Behausungen von Walter Gropius und László Moholy-Nagy.

Ungefähr seitdem läuft die Debatte: Sollen die zerstörten Gebäude exakt rekonstruiert werden? Oder sollen sie nicht wiederaufgebaut werden und der Platz stattdessen für etwas anderes genutzt werden? Oder soll der Neubau lediglich eine Referenz zum Original darstellen? Die Stiftung Bauhaus Dessau entschied sich schließlich für Letzteres.

Die neuen Gebäude am Bauhaus Dessau werden am Wochenende vom 16. bis 18. Mai der Öffentlichkeit vorgestellt und offiziell eröffnet.

Die neuen Häuser, entworfen vom Berliner Architekturbüro Bruno Fioretti Marquez, basieren auf den Originalen und erinnern deutlich an diese. Sie sind allerdings keine exakten Repliken und im Falle der Gropius Villa wird auch jede Form einer verkitschten Hommage vermieden.

Absolut in der Bauhaustradition steht auch die Dauer der Festivitäten. So wie sich die Feier zur Eröffnung 1926 über das gesamte Wochenende hinzog, wird sich auch die für die neuen Meisterhäuser über mehrere Tage ziehen.

Die Feierlichkeiten beginnen am Mittwoch, den 14. Mai, mit der Eröffnung der Ausstellung “Dessau 1945: Moderne zerstört” in der Aula von Gropius’ Bauhaus Bau in Dessau. Durch die Arbeiten Henri Cartier-Bressons wird der zunächst langsame und schließlich recht schnell voranschreitende moralische und physische Untergang des Bauhauses Dessau während der Kriegsjahre dokumentiert.

Am Freitag, den 16. Mai, werden dann die neuen Häuser von Bundespräsident Gauck eröffnet und damit ein Wochenende voller Aktivitäten und Veranstaltungen in und um Dessau eingeleitet.

Ein besonderes Highlight verspricht eine Reihe von Diskussionen mit Nachfahren von prominenten Bauhäuslern am 17. Mai zu werden, darunter László Moholy-Nagys Tochter Hattula, Lyonel Feiningers Enkel Conrad und Monika Stadlers Tochter Gunta Stölzl. Auch die Party zu Walter Gropius’ 131. Geburtstag am Tag darauf gehört natürlich zu den Höhepunkten.

Außerdem bietet die Stiftung Bauhaus Dessau während des gesamten Wochenendes kostenlose Führungen durch die Bauhaus Meisterhäuser an.

Sämtliche Details sind unter www.bauhaus-dessau.de zu finden.

Meisterhausfest Bauhaus Dessau

Meisterhausfest - Neue Meisterhäuser in Dessau

Marianne Brandt in der Villa Esche Chemnitz

Mittwoch, 26. Februar 2014

Hier noch eine weitere Ergänzung zu unserem Post “5 neue Designausstellungen im Februar 2014“: bis zum 8. Juni 2014 zeigt die Villa Esche in Chemnitz eine Ausstellung, die ganz der Künstlerin und Produktdesignerin Marianne Brandt gewidmet ist.

Die 1903 von Henry van de Velde für den Chemnitzer Textilmagnaten Herbert Eugen Esche gebaute Villa Esche ist nicht nur ein wunderbares Beispiel für Henry van de Veldes Architekturansatz und sein Verständnis des Gesamtkunstwerks in der Architektur, sondern deutet als eines seiner früheren Projekte auch auf sehr schöne Weise den Übergang vom Jugendstil zur Moderne an, den van der Velde damals mit anstieß. Den Übergang also vom Dekorativen zum Funktionalen.

Und so ist die Villa ein sehr passender Ort für eine Präsentation der Arbeiten von Marianne Brandt.

Die 1893 in Chemnitz geborene Marianne Liebe studierte Zeichnung an der Hochschule für Bildende Kunst Weimar, bevor sie 1919 den norwegischen Maler Erik Brandt heiratete und nach Oslo zog. 1924 schloss sie sich dem Bauhaus Weimar an, zog ein Jahr später mit der Institution nach Dessau, wo sie 1926 eine Stellung in der Metallwerkstatt übernahm und mit Künstlern wie Wilhelm Wagenfeld und Christian Dell zusammenarbeitete. Nach ihrem Abschluss im Jahr 1929 arbeitete Marianne Brandt als Designerin für verschiedene Firmen und Designstudios, u.a. zusammen mit Walter Gropius und der Ruppelwerke GmbH Gotha. Nach dem Zweiten Weltkrieg unterrichtete sie kurz an der Hochschule für Werkkunst Dresden und der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, bevor sie 1954 nach Chemnitz zurückkehrte und dort als freischaffende Designerin arbeitete. Marianne Brandt starb am 18. Juni 1983 im sächsischen Kirchberg.

Zwar hinterlässt Marianne Brandt ein berauschendes Werk von Kunstwerken und Designarbeiten und ist zudem eine der wenigen wirklich erfolgreichen Frauen der Moderne, trotz allem aber gehört sie zu den eher unbekannten Bauhausschülerinnen und ihre Werke sind bis auf die merkwürdige Teekanne und den Aschenbecher in der Alessi Kollektion kaum vertreten.

Besonders traurig ist, dass man sie auch in Chemnitz kaum kennt.

Der alle drei Jahre stattfindende Marianne Brandt Wettbewerb tut zwar alles, um ihr Erbe und die Erinnerung an sie am Leben zu halten, aber abgesehen vom Wettbewerb selbst trägt dazu nicht viel bei.

Chemnitz ist ziemlich versessen darauf, sich als “Stadt der Moderne” zu präsentieren. Überfliegt man allerdings kurz die offizielle Website, zeigt sich, dass die Stadt neben einigen Häusern auf dem Kaßberg, der Villa Esche und Erich Mendelsohns Kaufhaus Schocken Mühe hat, noch etwas zu finden, was den Anspruch auf das Erbe der Moderne bekräftigt.

Und Marianne Brandt wird peinlicher Weise nicht mal erwähnt!

Allerdings scheint sich alles zum Guten zu wenden. Im Frühjahr 2015 wird im Industriemuseum der Stadt eine neue Dauerausstellung eröffnet werden, wo Marianne Brandt wahrscheinlich und hoffentlich ausreichend Raum gegeben wird. Die Ausstellung in der Villa Esche ist in vielerlei Hinsicht ein Vorgeschmack darauf.

Marianne Brandt in der Villa Esche ist keine riesige Ausstellung, aber immer noch eine der umfassendsten Präsentationen des Lebens und der Arbeit Marianne Brandts, die wir seit langem gesehen haben. Neben originalen Exemplaren ihrer Produktdesigns sind Fotografien von und mit Marianne Brandt zu sehen. Es werden Briefe und die derzeitige Marianne Brandt Alessi Kollektion gezeigt.

Zu den interessantesten Ausstellungsobjekten gehören ein handschriftlicher Lebenslauf, eine Metallkugel, die Marianne Brandt für fotografische Experimente benutzte, und ein Brief, der ihren Termin mit der Bauhausbelegschaft bestätigt. 150 Reichsmark pro Monat waren offenbar die übliche Bezahlung.

Zudem ist ein Brief von László Moholy-Nagy aus dem Jahr 1935 zu sehen, in dem er von einem Treffen mit Walter Gropius in London berichtet und davon erzählt, wie beide bedauert haben, Marianne nicht ausreichend Möglichkeiten eröffnet zu haben. Nagy ermutigt sie in dem Brief, Englisch zu lernen, sodass er versuchen könnte, ihr eine Stellung in Großbritannien zu organisieren.

Alle ausgestellten Produkte, außer einem Zigarettenetui aus dem Jahr 1923, stammen aus der Periode zwischen 1928 und 1932, also Brandts Zeit mit den Ruppelwerken in Gotha. Die Ausstellungsstücke zeigen, wie facettenreich Marianne Brandts Talent war und mit welchem außergewöhnlichen Vermögen es ihr gelang, Funktionalität durch formale Eleganz wiederzugeben. Wir werden auch daran erinnert, dass die Moderne durchaus farbig war. Das vergisst man schnell, da normalerweise sämtliche zur Verfügung stehenden Aufzeichnungen Schwarzweißfotografien sind.

Mit ungefähr 50 ausgestellten Objekten ist Marianne Brandt in der Villa Esche vielleicht zu klein, um extra wegen der Ausstellung nach Chemnitz zu fahren. Sollte man allerdings in Chemnitz sein, lohnt es sich die Zeit zu nehmen. Und allen Chemnitzern sollte der Besuch vorgeschrieben werden!

Ausführliche Details sind unter www.villaesche.de zu finden.

Und einige Eindrücke vorab gibt es schon mal hier:

 

5 neue Designausstellungen im Februar 2014

Freitag, 07. Februar 2014

Die Museen der Welt liefern im Februar 2014 eine Fülle an interessanten neuen Ausstellungen. Unsere Auswahl ist ziemlich architekturlastig. Von den neu eröffneten Ausstellungen würden wir empfehlen: “Arab Contemporary” im Louisiana Museum of Modern Art in Dänemark, Frank Lloyd Wright im MoMA, New York und Tel Avivs Weiße Stadt in Helsinki. Darüber hinaus präsentiert die belgische Galerie Grand Hornu Images eine Ausstellung, die sich den Lichtdesigns von Alvar Aalto widmet, und das Hofmobiliendepot in Wien zeigt uns die hässlicheren Seiten des Produktdesigns.

Arab Contemporary. Architecture, Culture and Identity” im Louisiana Museum of Modern Art, Humlebaek, Dänemark.

Der Ausdruck “Orient” entstand bekanntlich, um den westlichen Ländern zu helfen, mit der Fremdheit und Vielzahl der arabischen Länder fertig zu werden. Alles, was aus dem “Osten” kam, konnte unter “Orient” verbucht werden – und erschien dadurch verständlicher, romantisch, exotisch, gefährlich, abenteuerlich, aber auch kontrollierbar und sicher. So stößt man heute auch in jeder größeren europäischen Stadt auf zahlreiche orientalische Geschäfte, Restaurants und Cafés. Einige sind türkisch, manche syrisch, andere libanesisch oder nordafrikanisch – alle aber orientalisch. Als zweite Ausgabe der “Architecture, Culture and Identity”-Serie zeigt das Louisiana Museum of Modern Art eine Ausstellung, die versucht die zeitgenössische arabische Kultur über die arabische Architektur zu erforschen und so unserem allgemeinen Bild der arabischen Länder entgegenzuwirken. “Arab Contemporary” geht auf traditionelle arabische Architektur ein und beschäftigt sich ebenso mit der aktuellen Städteplanung wie auch den modernen hightech Glitzer-Konzepten, die wohl am spektakulärsten in der selbstherrlichen Metropole Dubai realisiert werden. Die Ausstellung hat sich so zum Ziel gesetzt, herauszufinden, was die arabischen Länder vereint und was sie auf der anderen Seite voneinander trennt.

“Arab Contemporary. Architecture, Culture and Identity” (Arabische Gegenwart. Architektur, Kultur und Identität) wurde am Freitag, den 31. Januar, im Louisiana Museum of Modern Art (Gl. Strandvej 13, 3050 Humlebæk, Dänemark) eröffnet und läuft noch bis Sonntag, den 4. Mai.

Contemporary Arab. Architecture, Culture and Identity at Louisiana Museum of Modern Art

Contemporary Arab. Architecture, Culture and Identity im Louisiana Museum of Modern Art

“Frank Lloyd Wright and the City: Density vs. Dispersal” im Museum of Modern Art MoMA, New York, USA

Der Vater der amerikanischen Moderne, Frank Lloyd Wright, präsentierte in seinem Buch “The Disappearing City” von 1932 erstmals sein urbanes Konzept “Broadacre City”, einen utopischen Vorort der Zukunft, in dem jede Familie ihre eigene Parzelle Land besitzen sollte und sich der Verkehr auf private Automobile beschränken würde. Darüber hinaus sollten die Bewohner von Broadacre City  mit Hilfe der neuen Möglichkeiten der Telekommunikation ständig informiert und vernetzt sein.

1935 baute Frank Lloyd Wright ein 4 mal 4 Meter großes, maßstabsgetreues Modell einer Einheit der Broadacre City, das im November 1940 auf der Ausstellung “Frank Lloyd Wright: American architect” im MoMA, New York gezeigt wurde. Im Februar 2014 wird es jetzt wieder zu sehen sein.

“Frank Lloyd Wright and the City: Density vs. Dispersal” erforscht Frank Lloyd Wrights Gedanken zur Städteplanung und den Voraussetzungen der Entwicklung des Wohnraums. Dazu wird eine Auswahl von Projekten Wrights gezeigt, die verschiedene Aspekte seines Denkens offenlegt – darunter das Call Building in San Francisco, Manhattens St.Mark`s-in-the-Bouwerie Towers und natürlich Broadacre City.

Schaut man zurück, erscheint es zu simple sich über einige von Frank Lloyd Wrights Ideen lustig zu machen; auch wenn er den Spott in manchen Fällen verdient hätte. Wie auch immer, man sollte über die realisierten Projekte hinaus schauen und der Logik folgen, die zu den Resultaten führte.

“Frank Lloyd Wright and the City: Density vs. Dispersal” (Frank Lloyd Wright und die Stadt: Dichte vs. Ausbreitung) wurde am 1. Februar im MoMA, New York eröffnet und ist dort noch bis Samstag, den 1. Juni 2014, zu sehen.

Frank Lloyd Wright Broadacre City. Project, 1934–35

Frank Lloyd Wright Broadacre City. Projekt, 1934–35. (Foto: The Frank Lloyd Wright Foundation Archives (The Museum of Modern Art | Avery Architectural & Fine Arts Library, Columbia University, New York))

“Alvar Aalto. Lightings” im Le Grand Hornu Images, Hornu, Belgien

Während das Licht der Ausstellung Lightopia im Vitra Design Museum am 9. März erlischt, eröffnet im Le Grand Hornu Images in Belgien eine weitere Ausstellung, die sich mit der eigentümlichen Welt des Lichtdesigns bzw. mit einem bestimmten Lampendesigner auseinandersetzt. Zwar sind seine Möbeldesigns fraglos am bekanntesten, als Freund des Gesamtkunstwerks entwarf Alvar Aalto aber auch die gesamte Ausstattung und sämtliches Zubehör für seine Gebäude – also auch die Lampen. Um  die Entwicklung und zentralen Aspekte des Lampendesigns Alvar Aaltos zu vergegenwärtigen, konzentriert sich das Ausstellungskonzept auf sieben Projekte: das Paimio Krankenhaus, das Savoy Restaurant in Helsinki, das National Pensions Gebäude, das Säynatsälo Rathaus, Jyväskyläs Universität sowie die Villa Mairea und das Privathaus des Kunstsammlers Louis Carré.

Auf diese Weise erklärt uns “Alvar Aalto. Lightings” die Hintergründen zu Objekten wie der “Golden Bell”- heute unter dem Namen A330 von Artek hergestellt -, der Stehlampe A809 und der Leuchte Beehive. So erschließt sich das Werk Alvar Aaltos den Besuchern im größeren Kontext des Lampendesigns des 20. Jahrhunderts.

Die Ausstellung wird mit einem besonders interessant scheinenden Feature eröffnet: Die Besucher laufen über eine Pontonbrücke, die sich über einen künstlichen See erstreckt – und es so erlaubt die Lampen und ihr Leuchten aus allen Winkeln zu bestaunen.

“Alvar Aalto. Lightings” (Alvar Aalto. Die Leuchten) wird am 9. Februar im Le Grand Hornu Images, Rue Sainte-Louise, 82 7301 Hornu, Belgien eröffnet und kann bis 4. Mai 2014 besucht werden.

Alvar Aalto Beehive A331 1953

Alvar Aalto, Beehive Lampe, A331 (1953) (© Foto: Maija Holma, Alvar Aalto Museum)

“The White City – Tel Aviv’s Modern Movement” im Finnischen Architekturmuseum, Helsinki, Finnland

Oft wird behauptet, Tel Avivs Weiße Stadt sei ein reines Bauhaus-Projekt – sie ist es nicht! Allerdings sind die Ursprünge des Projekts mit den Theorien der frühen, europäischen Bewegung der Moderne und den Lehren des Bauhauses verbunden. Und ungeachtet ihrer Vorsehung ist und bleibt die Weiße Stadt eines der faszinierendsten und schönsten Beispiele moderner Architektur und Stadtplanung.

Nach der Endscheidung der UNESCO, die Weiße Stadt als Weltkulturerbe anzuerkennen, wurde der Architekt Tal Eyal damit beauftragt, eine Ausstellung zu realisieren, die sich ganz der Weißen Stadt, ihrem Kontext und den Idealen ihrer Entwickler widmen sollte. Seit ihrer Premiere in Tel Aviv 2004 ist die Ausstellung fast dauerhaft auf Tournee. Sollte man sie noch nicht gesehen haben und in diesem Frühling nahe oder in Helsinki sein, ”The White City – Tel Aviv’s Modern Movement” ist einen Besuch wert.

Die Ausstellung “The White City – Tel Aviv’s Modern Movement” (Die Weiße Stadt – Tel Avivs moderne Bewegung) eröffnet am 12. Februar im Finnischen Architekturmuseum (Kasarmikatu 24, 00130 Helsinki, Finland) und ist dort bis Sonntag, den 30. März 2014, zu sehen.

The White City - Tel Aviv's Modern Movement at the Museum of Finnish Architecture, Helsinki

The White City - Tel Aviv's Modern Movement im Museum of Finnish Architecture, Helsinki

“Böse Dinge – Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks” im Hofmobiliendepot, Wien, Österreich 

Unter den Zitaten von Phillipe Starck aus unserem neuesten Designkalender-Post findet sich Starcks Kritik an Raymond Loewys Behauptung, “Hässlichkeit ließe sich nicht verkaufen.”

“Wir müssen verstehen, dass “Hässlichkeit verkauft sich nicht” bedeutet, Design schlichtweg zum Sklaven von Industrie und Produktion zu degradieren, dass seine Rolle nur darin besteht, Dinge gut verkäuflich zu machen.”

Die Ausstellung “Böse Dinge – Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks” macht klar, dass nicht nur Loewy falsch lag – sich Hässlichkeit nämlich durchaus verkauft-, sondern auch, dass Hässlichkeit ebenso Sklave der Industrie und Produktion ist.

Die vom Werkbundarchiv – Museum der Dinge Berlin entworfene Ausstellung hatte ihre Premiere 2012 in der deutschen Hauptstadt. Jetzt liefert sie im Hofmobiliendepot, Wien eine Untersuchung des schlechten Geschmacks im Design – vom achtzehnten Jahrhundert bis zum heutigen Tag. Dabei dient die Arbeit Gustav E. Pazaureks als Ausgangspunkt.

1909 eröffnete Pazaurek, der zu dieser Zeit Direktor des Stuttgarter Landesgewerbemuseums war, die Abteilung “Geschmacksverirrungen im Kunstgewerbe”, in der er nicht nur besondere Beispiele des schlechten Geschmacks ausstellte, sondern auch ein Klassifikationssystem entwickelte, das ihm helfen sollte diese Designverbrechen zu kategorisieren. Sein Credo: “Nur in der Abgrenzung zum schlechten Geschmack können wir erkennen, was guter Geschmack bedeutet.”

“Böse Dinge – Eine Enzyklopädie des schlechten Geschmacks” präsentiert 60 Gegenstände aus der originalen Kammer des Schreckens und paart sie mit Objekten aus der Sammlung des Museums der Dinge Berlin und der des Hofmobiliendepots. So entsteht eine Erforschung des schlechten Geschmacks im Design über die Jahrhunderte.

In Ergänzung dazu stellt die Ausstellung sowohl die modernen Objekte in Pazaureks Klassifikationssystem als auch die neuen Kategorien auf, um kulturelle, soziale und technologische Veränderungen zu reflektieren.

Die bittere Ironie bei allem: wenn wir die Pressefotos richtig verstehen ist Phillip Starck auf der Ausstellung vertreten. Mit einem Produkt, das sich außergewöhnlich gut verkauft…

“Böse Dinge – eine Enzyklopädie des schlechten Geschmacks eröffnet am 19. Februar im Hofmobiliendepot (Andreasgasse 7, 1070 Wien, Österreich) und läuft bis Sonntag, den 6. Juli 2014.

Salif citrus squeezer Philippe Starck Alessi

Salif Zitronenpresse von Philippe Starck für Alessi (Foto: Armin Herrmann. Copyright: Werkbundarchiv – Museum der Dinge)

Bauhaus Archiv Berlin: Mein Reklame-Fegefeuer. Herbert Bayer. Werbegrafik 1928 – 1938

Montag, 20. Januar 2014

Bis Montag, den 24.Februar 2014, zeigt das Bauhaus Archiv Berlin die Ausstellung “Mein Reklame-Fegefeuer. Herbert Bayer. Werbegrafik 1928 – 1938.”

Der in Haag in Oberösterreich am 5. April 1900 geborene Herbert Bayer kam 1921 ans Bauhaus Weimar und zog mit der Institution 1925 nach Dessau, wo ihn Walther Gropius zum Leiter der neu etablierten Druck- und Reklamewerkstatt machte. 1928 verließ Bayer das Bauhaus und gründete sein eigenes Grafikdesign-Studio in Berlin, in dem er Aufträge für private und öffentliche Kunden realisierte, bevor er dann 1938 nach Amerika emigrierte. Herbert Bayer nahm 1964 an der Documenta 3 in Kassel teil und war 1968 für die Gestaltung der Bauhaus Retrospektive zum fünfzigsten Geburtstag der Institution in Stuttgart verantwortlich – sein letzter großer Auftrag. Im September 1985 starb Herbert Bayer in Santa Barbara, Kalifornien.

“Mein Reklame-Fegefeuer”, kuratiert von Prof. Dr. Patrick Rössler von der Universität Erfurt, präsentiert Grafikdesignprojekte Herbert Bayers, die er zwischen seinem Weggang aus Dessau, 1928, und seinem Umzug von Berlin nach Amerika, 1938, realisierte.

Obwohl es sich angeblich um eine Ausstellung zum Grafikdesign Herbert Bayers handelt, erzählt die Ausstellung doch weit mehr über die politischen und sozialen Entwicklungen in Deutschland dieser Zeit, in der sich bekanntermaßen die ereignisreichsten und global folgenschwersten Entwicklungen in der Geschichte des Landes abspielten.

Bauhaus Archiv Berlin Mein Reklame Fegefeuer Herbert Bayer Werbegrafik 1928 1938

Bauhaus Archiv Berlin: Mein Reklame Fegefeuer. Herbert Bayer .Werbegrafik 1928 - 1938

Die erste Arbeit, die man zu sehen bekommt, ist Bayers Poster für die Bauhaus Ausstellung 1927 im Grassi Museum Leipzig – eine Ausstellung, die erheblich dazu beitrug, das Bauhaus einem größeren Publikum bekannt zu machen. Fast schon in Gegenüberstellung zum Leipzig-Poster werden einige Banknoten präsentiert, die Bayer während der Inflation für das Land Thüringen entwarf. Der 50 Millionen Mark Schein mag einem zuerst etwas übertrieben erscheinen, bedenkt man allerdings, dass Eier zu dieser Zeit 320 Millionen Mark das Stück kosteten, kommt er einem dann doch immer noch zu klein geraten vor.

Die unschuldige Hoffnung des Bauhauses und die grausame Realität der Inflation – in dieser Zeit hatte Herbert Bayer vor sich durchzusetzen –  und das sollte ihm auch gelingen.

Als sich die Wirtschaft in den späten 1920er, frühen 1930er Jahren vom Schock der Inflation zu erholen begann, führte die verbesserte finanzielle Sicherheit zu steigendem Konsum in Deutschland – und natürlich wuchs so auch die Nachfrage nach einem talentierten Grafikdesigner wie Herbert Bayer. Folglich avancierte Herbert Bayer Mitte der 1930er Jahre zu einem der am besten bezahlten und profiliertesten Vertretern seines Handwerks.

Natürlich stellt sich die Frage, wie dieser Erfolg in einer Diktatur zustande kommen konnte. Mit seinem Bauhaus Hintergrund, einer jüdisch-amerikanischen Frau und einem sehr modernen Zugang zu Kunst und Design dürfte Herbert Bayer in Nazi-Deutschland eigentlich keine Chance gehabt haben, geschweige denn irgendwie mit dem Nazi-Regime verhandelt haben können. Und dennoch erhielt Herbert Bayer, auch wenn einige seiner Werke 1937 als “entartet” deklariert wurden, während der dreißiger Jahre hoch dotierte Aufträge von öffentlicher Seite.

Wir wissen viel zu wenig über Herbert Bayer, um auf die Frage nach seiner politischen Haltung die richtigen Antworten geben zu können. Alle vertrauenswürdigen Quellen behaupten allerdings, dass Herbert Bayer, obwohl er sich der NSDAP bereitwillig zur Verfügung stellte, standhaft unpolitisch gewesen wäre und weder der NSDAP beigetreten sei noch deren Manifest unterstützt hätte. Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, Projekte zugunsten des Parteiapparats zu realisieren, wie das Grafik- und Ausstellungsdesign für die Ausstellungen “Deutsches Volk, deutsche Arbeit” im Jahr 1934 und “Das Wunder des Lebens” 1935 oder das Buchcover für die Hitlerjugend 1936.

Wahrscheinlich wurde Bayer vom Regime akzeptiert, weil die NSDAP einfach clever genug war, seine Fähigkeiten für die Verbreitung ihrer bis dahin noch verhalteneren Propaganda zu missbrauchen. Dazu bedurfte es natürlich auch Bayers Bereitwilligkeit sich benutzen zu lassen. Mit Sicherheit taucht die heroische, germanische Bildsprache in vielen seiner Arbeiten aus der Mitte der dreißiger Jahre nicht rein zufällig auf.

Das bringt uns zu der Frage zurück, wie politisch Designer sein sollten. Im besonderen Grafikdesigner, zu deren Aufgaben es eben auch gehört Emotionen, Meinungen und folglich auch Entscheidungen zu formen. “Mein Reklame-Fegefeuer” greift diese Frage nicht direkt auf, liefert aber mehr als genug Diskussionsmaterial, um sich auch als unpolitischer Besucher eine Meinung zu bilden.

Die Ausstellung informiert über die Anstrengungen, die Herbert Bayer unternommen hat, um seine Beziehungen zu den Nazis aus späteren Biografien und Ausstellungen zu tilgen. (Herbert Bayer muss sich also im Klaren darüber gewesen sein, dass seine politische Haltung als Grafikdesigner die falsche war.) Um 1938 beschloss Herbert Bayer dann Deutschland zu verlassen, nachdem er wohl realisiert hatte, dass die sich anbahnenden Veränderungen keine positiven waren.

Die Möglichkeit ergab sich durch ein Angebot Walter Gropius’, die Bauhaus Retrospektive des Museum of Modern Art zu gestalten. Beispiele des Grafikdesigns für eben diese Ausstellung und Arbeiten seiner frühen Zeit in Amerika werden den Besuchern von “Mein Reklame-Fegefeuer” am Ende präsentiert.

Auch wenn wir uns etwas mehr Kontext gewünscht hätten, vor allem in Bezug auf die Art der Kontakte und Übereinkünfte mit der NSDAP liefert “Mein Reklame-Fegefeuer” doch mit ungefähr 200 Ausstellungsstücken eine gute Einführung zu Herbert Bayer, seiner Zeit und der frühen Entwicklung des modernen Grafikdesigns wie wir es heute kennen.

Die ausgestellten Arbeiten lassen die Besucher nicht nur Herbert Bayers Entwicklung als Künstler nachvollziehen, sondern zeigen auch, wie viel das moderne Grafikdesign diesem Pionier nach wie vor zu verdanken hat.

“Mein Reklame-Fegefeuer Herbert Bayer. Werbegrafik 1928 – 1938″ kann bis Montag, den 24. Februar 2014, im Bauhaus Archiv Berlin besucht werden. Alle Details sind unter www.bauhaus.de zu finden.

(smow) Blog 2013. Ein Rückblick in Bildern: Dezember

Sonntag, 05. Januar 2014

Aufgrund von Lebkuchen, die gegessen, Glühwein, der getrunken, und Reisen, die nicht geplant werden müssen, ist der Dezember im Allgemeinen ein recht ruhiger Monat.

Doch trotz aller anderen Ablenkungen haben wir es im Dezember 2013 geschafft, die Ausstellung ”Mensch Raum Maschine. Bühnenexperimente am Bauhaus” in der Stiftung Bauhaus Dessau und der kurzen “Rethinking The Product – Design ‘Made in Italy’ zu Gast in Berlin”-Ausstellung in Berlin zu besuchen. Außerdem wurde im Dezember 2013 das neue Buch vom Vitra Design Museum ”Der Vitra Campus – Architektur Design Industrie” veröffentlicht und wir wurden mit Ionna Vautrins Lampe Binic für Foscarini bekannt gemacht.

Jasper Morrison Bus Shelter Vitra Campus

Jasper Morrisons Bushaltestelle auf dem Vitra Campus, Weil am Rhein

VitraHaus Vitra Campus weil am rhein

VitraHaus, Weil am Rhein

Mensch Raum Maschine Stage Experiments at the Bauhaus Stiftung Bauhaus Dessau

Mensch Raum Maschine. Bühnenexperimente am Bauhaus @ Stiftung Bauhaus Dessau

Mensch Raum Maschine Stage Experiments at the Bauhaus Stiftung Bauhaus Dessau

Mensch Raum Maschine. Bühnenexperimente am Bauhaus @ Stiftung Bauhaus Dessau

Binic by Ionna Vautrin for Foscarini

Binic von Ionna Vautrin für Foscarini. Die Familie...

(smow) Blog 2013. Ein Rückblick in Bildern: März

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Der März 2013 verging mit Rumfahren: Stuttgart, Chemnitz, Weimar, Dessau… Erstaunlich, dass da überhaupt Zeit blieb, etwas zu schreiben…

Porsche Museum Stuttgart

Porsche Museum Stuttgart

Wasserschloss Klaffenbach Chemnitz Eames by Vitra

Eames by Vitra, Wasserschloss Klaffenbach Chemnitz

Eames by Vitra Wasserschloss Klaffenbach Chemnitz Eames Elephants

Eames by Vitra, Wasserschloss Klaffenbach Chemnitz. Eames Elephants.

Henry van de Velde Leidenschaft Funktion und Schönheit Klassik Stiftung Weimar

Kindermöbel von Henry Van de Velde für Willy Engels. Gesehen bei "Leidenschaft, Funktion und Schönheit"

Henry van de Velde Leidenschaft Funktion und Schönheit Klassik Stiftung Weimar

Henry van de Velde, Kandelaber. Gesehen bei "Leidenschaft, Funktion und Schönheit"

Bauhaus Dessau Bauhaus in Calcutta A Meeting of the Cosmopolitan Avantgarde

Stiftung Bauhaus Dessau: Bauhaus in Kalkutta. Ein Treffen der internationalen Avantgarde

Stiftung Bauhaus Dessau: “Mensch Raum Maschine. Bühnenexperimente am Bauhaus.”

Dienstag, 17. Dezember 2013

Wir können nicht sicher sein, ob Oskar Schlemmer dem Spruch “Das Leben ist ein Kabarett” gänzlich zugestimmt hätte. Allerdings wissen wir, welchen Status das Kabarett im Bereich der kulturellen Darbietungen bei ihm hatte. Er stufte es etwas unter dem Theater und ein bisschen über dem Varieté ein.

1925 schrieb Schlemmer: “Die Bühne umfasst grundsätzlich alles zwischen religiöser Kulthandlung und naiver Volksbelustigung, jedoch ist sie weder ganz das eine noch das andere. Vielmehr geht es um die kalkulierte Wirkung naturgemäß abstrakter Darbietungen auf das Publikum.”1

Eine Beschreibung, die wunderbar auf die Bühne am Bauhaus zutrifft, die Oskar Schlemmer von 1923 bis 1929 leitete und auf die er wie kein zweiter großen Einfluss hatte.

Die 1921 von Walter Gropius gegründete Bauhaus Bühne gehört nach wie vor zu den wenig erforschten Aspekten der Bauhaus Geschichte – jedenfalls in der Öffentlichkeit. Das liegt nicht etwa an mangelndem Interesse, sondern vielmehr am Rechtsstreit der Erben Oskar Schlemmers um den Umgang mit seinem Nachlass. Dieser Streit erschwert die Organisation von Ausstellungen, die in irgendeiner Form mit Oskar Schlemmer im Zusammenhang stehen. Und solchen Hindernissen gehen die meisten Museen von vornherein lieber aus dem Weg.

Sicherlich wäre es auch möglich eine Ausstellung zur Bauhausbühne zu organisieren, die Oskar Schlemmer einfach nicht allzu oft erwähnt. Das wäre allerdings so sinnlos wie eine Arrabiata Soße ohne Chilli zu kochen.

Am 31. Dezember 2013 läuft das Urheberrecht von Schlemmers Nachlass aus und die Macht der eher negativ eingestellten Erben schwindet. So können wir wahrscheinlich in den nächsten Jahren mit sehr viel mehr Ausstellungen und Publikationen zu Oskar Schlemmer rechnen.

Die Bauhaus Stiftung Dessau hat die Initiative ergriffen und zeigt bis zum 21. April 2014 die Ausstellung “Mensch Raum Maschine. Bühnenexperimente am Bauhaus”, eine Ausstellung, die ganz der Bauhausbühne gewidmet ist.

Mensch Raum Maschine Stage Experiments at the Bauhaus Stiftung Bauhaus Dessau

"Mensch Raum Maschine. Bühnenexperimente am Bauhaus" @ Stiftung Bauhaus Dessau

Die in sieben Themenabschnitte, wie “Raumplastische Choreografien”, “Atmosphärenapparate” oder “Exzentrische Bühnenmechaniken”, unterteilte Ausstellung ist die erste konzentrierte Erforschung der Bauhausbühne und ihrer Protagonisten. Zum Großteil werden Grafiken, Fotos und anderes 2D-Material gezeigt. Darüber hinaus nutzt die Ausstellung Filme, Kostüme, Maschinen und Modelle, um zu erklären, was die Bühne am Bauhaus genau war und wie sie funktionierte. Neben Oskar Schlemmer sind Leute wie T. Lux Feininger, Johannes Itten, Herbert Bayer, Wassily Kandinsky, Marianne Brandt, László Moholy-Nagy und Walter Gropius mit “Beiträgen” vertreten.

Von der Geschichte der Bauhausbühne geht die Ausstellung dann über zu drei zeitgenössischen Künstlern und Kollektiven, die sich mit der Frage “Wie technisch wollen und sollten wir sein?” auseinandersetzten. Die Suche nach Antworten auf ebendiese Frage war letztendlich auch schon ein Hauptanliegen der Bühne am Bauhaus selbst und spielte in der gesamten Struktur des Bauhauses eine zentrale Rolle.

Während der Rest des Bauhauses in angewandter Form auf eine Verbindung zwischen Menschen und moderner Technologie hin arbeitete – Maschinen sollten in die Welt integriert werden – arbeitete die Bühne am Bauhaus auf eher abstrakte, konzeptuelle Weise. Man untersuchte die Beziehung zwischen Mensch und Maschine und die Mechanisierung des Menschen. Auf diese Art bot die Bauhausbühne eine Plattform für die Studenten am Bauhaus, auf der sie ihr eigenes Verhältnis zur modernen Welt untersuchen konnten und die ihnen so auch half ihre Arbeit besser zu verstehen. In diesem Sinne verstehen auch wir mehr über die Idee des Bauhauses, wenn wir mehr über die Praktiken und Projekte der Bauhausbühne erfahren.

“Mensch Raum Maschine” erklärt nicht nur auf prägnante Weise, was genau die Bauhausbühne war, sondern stellt vor allem auch klar, dass die Bühne mehr war als Oskar Schlemmer und dass es nicht nur um Vorführungen vor zahlendem Publikum ging. Die Bühne war Teil des Lehrplans vom Bauhaus, sie befaste sich mit der Entwicklung moderner Bühnengestaltung und Theaterarchitektur. 1925 schrieb beispielsweise Walter Gropius: “Als orchestrierte Einheit ist das Spiel in gegenseitigem Geben und Nehmen mit der Architektur der Umgebung verbunden.”Der Ausstellungsteil, der sich mit Gropius’ monströsem “Total Theater” von 1927 beschäftigt, unterstreicht diese Position ziemlich wortgewandt.

Nach Walter Gropius’ Abgang vom Bauhaus begann der Stern der Bauhausbühne zu verglühen und als Oskar Schlemmer schließlich 1929 Dessau verließ, um nach Breslau zu gehen, wurde die Bauhaus Bühne geschlossen.

Mensch Raum Maschine Stage Experiments at the Bauhaus Stiftung Bauhaus Dessau

"Mensch Raum Maschine. Bühnenexperimente am Bauhaus" @ Stiftung Bauhaus Dessau

Wie immer bei Ausstellungen im Bauhaus Dessau ist der Platz das größte Problem. Trotz all seiner Talente und Visionen hat Walter Gropius offenbar nie vorhergesehen, dass Jahrzehnte später jemand Ausstellungen in seiner Schule würde organisieren wollen und sich nicht um ausreichend Platz gekümmert.

Infolgedessen bietet die Ausstellung zwar einen guten Einblick in das Wesen und die Produktion der Bauhausbühne, ist aber weniger konkret in anderen Bereichen, wie dem historischen Kontext der Entstehung der Bühne, den Widersachern des Projektes innerhalb des Bauhauses, der weiteren Bedeutung der Bühne während der 1920er Jahre und in Bezug auf das Erbe der Institution.

Wenn es letztendlich also nur um eine Gruppe privilegierter Kreativer gehen soll, die sich ohne weitere soziale, politische oder ökonomische Intentionen amüsieren will, könnten wir auch eine Ausstellung über einige Berliner Cafés machen.

Die Organisatoren haben versprochen, dass der Ausstellungskatalog detailliertere Informationen bereithält. Wie auch immer – aus rechtlichen Gründen wird der nicht vor dem 1. Januar veröffentlicht und so müssen wir abwarten.

So ist ein Nachteil der nicht gerade ausführlichen Darstellung der Bauhausbühne, dass viele der Exponate fremd erscheinen. Man kann zwar sagen, was man da sieht, aber nicht wie man es einordnen soll. Es fehlen einfach die nötigen Bezüge. Leider gibt die Ausstellung zu wenig her, um all diese Lücken zu füllen. Das trennt einen nicht von der Ausstellung an sich, sondern heißt nur, dass das Thema nicht in der Tiefe, die es verdient hätte, verstanden werden kann.

In unserem Post zur Ausstellung von 2012 in der Barbican Art Gallery London - Bauhaus: Art as Life - schrieben wir: “Gibt es überhaupt noch irgendwas über das Bauhaus zu sagen?”. “Mensch Raum Maschine. Bühnenexperimente am Bauhaus” zeigt, dass es da fraglos noch einiges gibt.

“Mensch Raum Maschine. Bühnenexperimente am Bauhaus” läuft in der Stiftung Bauhaus Dessau (Gropiusallee 38, 06846 Dessau-Roßlau) bis Montag, den 21.April 2014.

Alle Details zur Ausstellung sind unter www.bauhaus-dessau.de zu finden.

1 Oskar Schlemmer “Mensch und Kunstfigur” in Bauhausbücher 4, München 1925, aus Schlemmer et al Die Bühne im Bauhaus, Neue Bauhausbücher Mainz, 1985

2 Walter Gropius zitiert bei Dirk Scheper “Oskar Schlemmer – das Triadische Ballett und die Bauhausbühne” Akademie der Künste, Berlin, 1988