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Das Prinzip Kramer: Design für den variablen Gebrauch im Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main

Sunday, April 20th, 2014

Um ganz ehrlich zu sein, haben wir Ferdinand Kramer und seiner Arbeit, auch wenn uns der Name ein Begriff war, lange Zeit keine große Beachtung geschenkt. Das änderte sich allerdings im Jahr 2012, als der Frankfurter Hersteller e15 in Mailand eine Serie von Kramer Re-Editionen vorstellte, für die wir heute sehr dankbar sind.

Der 1898 in Frankfurt geborene Ferdinand Kramer absolvierte einen Grundlagenkurs in Architektur in München, bevor er 1919 zum Bauhaus Weimar kam. Enttäuscht, weil eine formale Architekturausbildung nicht angeboten wurde, kehrte Kramer allerdings an die Technische Universität München zurück und graduierte dort im Jahr 1922. 1925 übernahm Kramer eine Stellung im Büro des Siedlungsdezernenten Enst May in Frankfurt an, die ihn mitten in das Stadtplanungsprogramm “Neues Frankfurt” brachte – nach der Weißenhofsiedlung wohl eines der wichtigsten modernen Architekturprojekte, das in Deutschland (bzw. Europa) realisiert wurde.

Unter den Nazis wurde Ferdinand Kramer, ein anerkannter Modernist mit einem Arbeitsverbot als Architekt belegt und emigrierte deshalb 1938 in die USA, wo er in den folgenden anderthalb Jahrzehnten zahlreiche Architektur-, Produktdesign- und Interieurdesignprojekte entwickelte und realisierte. 1952 wurde Kramer für die Position des Universitätsbaumeisters der Wolfgang Goethe Universität seiner Geburtsstadt Frankfurt vorgeschlagen. Eine Position, bei der es vor allem darum ging, die im Krieg zum Teil zerstörte Universität wieder aufzubauen, und die Kramer sofort annahm und auch bis zum Beginn seiner Rente 1964 inne hatte. Ferdinand Kramer starb am 4. November 1985.

Neben Gebäuden entwarf Ferdinand Kramer auch Möbel, Einbauten und Armaturen – häufig, aber nicht ausnahmslos, für seine eigenen Gebäude. Dieser Aspekt der Arbeit Kramers bildet den grundlegenden Schwerpunkt der Ausstellung “Das Kramer Prinzip: Design für den variablen Gebrauch”, die derzeit im Museum Angewandte Kunst Frankfurt am Main zu sehen ist.

The Kramer Principle Design for Variable Use Museum Angewandte Kunst Frankfurt am Main

Das Kramer Prinzip: Design für den variablen Gebrauch im Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main

Die Ausstellung ist in drei Bereiche unterteilt, die sich den drei großen Abschnitten in Kramers Leben und seiner Kariere widmen: 1924-1938 in Frankfurt, 1928-1952 in Amerika und 1952-1985 zurück in Frankfurt. Gezeigt werden um die 115 Objekte, darunter Stühle, Tische, Holzöfen, Regenschirme und Beispiele von Kramers zahllosen Möbelsystemen.

Wenn wir mit diesem Post so ehrlich weitermachen wollen wie wir angefangen haben, müssen wir sagen, dass das Kramer Prinzip nicht gerade eine Ausstellung ist, nach deren Besuch man unbedingt das Gefühl hat, mehr über Ferdinand Kramer erfahren und gelernt zu haben.

Für uns wird die Ausstellung letztendlich ihrer Ankündigung, eine umfassende Retrospektive zu sein, einfach nicht gerecht. Dafür sind die Objekte zu leblos und viel zu unkritisch präsentiert.

Allerdings ist die Ausstellung eine exzellente Einführung zur Designarbeit Ferdinand Kramers. Viele Designkonzepte, an deren Entwicklung er beteiligt war, spielen immerhin auch heute noch eine dominante Rolle in der Industrie, so beispielsweise modulare Möbelsysteme und Vertriebssysteme für Ladengeschäfte.

Das Kramer Prinzip bietet außerdem einen guten Einblick in die idealen Vorstellungen des deutschen (Gesellschafts-)designs der 1920er Jahre, wie es durch Kramers Möbelentwürfe für das “Neue Frankfurt” sehr gut repräsentiert wird. Hinzu kommen einige wirklich großartige, inspirierende und selten gesehene Designobjekte, darunter Kramers B 403 Bugholzstuhl für Thonet, ein undatierter Prototyp eines gepolsterten Freischwingers und der fantastisch simple “Drei in eins”, ein kombinierter, ausziehbarer Hocker/Beistelltisch von 1942.

So ist die Ausstellung also durchaus einen Besuch wert, auch wenn sie ihrem Ziel nicht ganz gerecht wird.

“Das Kramer Prinzip: Design für den variablen Gebrauch” ist bis Sonntag, den 7. September 2014, im Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, in 60594 Frankfurt am Main zu sehen.

Alle Details sind unter www.museumangewandtekunst.de zu finden.



“Sitzen – Liegen – Schaukeln. Möbel von Thonet” im Grassi Museum für Angewandte Kunst, Leipzig

Wednesday, April 16th, 2014

Umgeben von 150 Jahren Thonet Möbelgeschichte steht Peter Thonet, der x-te Enkel von Unternehmensgründer Michael Thonet und bis zu seiner Pensionierung kürzlich CEO von Thonet, im Leipziger Grassi Museum für Angewandte Kunst und wirkt sichtlich zufrieden, als er in Bezug auf die Ausstellung “Sitzen – Liegen – Schaukeln. Möbel von Thonet” sagte: “Es macht einen stolz, wenn man auf eine Sammlung von Objekten zurückblicken kann, die nicht nur wichtig für das Unternehmen ist, sondern mitunter auch Designgeschichte geschrieben hat.”

Sitzen Liegen Schaukeln Möbel von Thonet Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig 02

Sitzen – Liegen – Schaukeln. Möbel von Thonet im Grassi Museum für Angewandte Kunst, Leipzig

In den 1840er Jahren von Michael Thonet gegründet, entwickelte sich Thonet von einem Wiener Hinterhof aus zu einem der weltweit größten und kommerziell erfolgreichsten Möbelhersteller. Der Erfolg mit Bugholz (Fragt man einen beliebigen Mitarbeiter von Thonet, wird er einem freudestrahlend bestätigen, dass zwischen 1859 und 1930 weltweit ungefähr 50 Millionen von Thonets Vorreiterstuhl 14 verkauft wurden.) wurde vom Erfolg mit gebogenem Stalrohr und vor allem den Möbeln von Designern wie Mart Stam, Marcel Breuer und dem Pariser Trio Le Corbusier, Charlotte Perriand & Pierre Jeanneret gefolgt, bevor wie in so vielen europäischen Biografien der Krieg kam…

Von den sieben Thonet Produktionsstätten, die vor 1939 in Betrieb waren, blieb nach 1945 nur die in Frankenberg (Eder) nahe Kassel. Der Rest wurde entweder durch den Krieg zerstört oder durch das sozialistische Regime verstaatlicht.

Frankenberg wurde auch schwer durch alliierte Bomber beschädigt, doch blieb so viel übrig, dass die Thonet Familie noch einmal neu an dem Standort beginnen konnte.

Heute beschäftigt Thonet ungefähr 170 Mitarbeiter in Frankenberg, wo ein Mix aus Thonet Klassikern und modernen Designs produziert wird.

Mit 150 ausgestellten Objekten erkundet “Sitzen – Liegen – Schaukeln” die Geschichte der Thonet Stühle mit einem besonderen, aber nicht auschließlichen, Fokus auf den Arbeiten, die nach 1945 entstanden.

Organisiert nach Themen, Materialien und Funktionen anstelle einer rein chronologischen Reihenfolge, vermischt “Sitzen – Liegen – Schaukeln” historische mit zeitgenössischen Objekten und etablierte Thonet Klassiker mit unbekannteren Stücken, wobei gerade diese kuratorische Entscheidung hilft, die Gesichte der Thonet Sitzmöbel nachzuvollziehen.

In der ersten Hälfte der Ausstellung ist jeder Abschnitt um eine zentrale, beleuchtete Insel arrangiert, was einem zwar zuweilen den Eindruck vermittelt, man besuche eine Sushi Bar, aber auch alles sehr gut betrachten lässt. Der zweite Raum mit Blick in den Grassi Hof ist etwas konventioneller aufgebaut, jedoch so gut bestückt, dass man die Präsentation getrost ignorieren und sich auf die Objekte konzentrieren kann.

Wie treue Leser wissen werden, erzählen wir gerne davon, dass Thonet für zwei Revolutionen in der Möbelindustrie verantwortlich war – Thonet hat sowohl das Bugholzverfahren als auch das Stahlrohrbiegen in der industriellen Produktion etabliert. Außerdem sagen wir dann gerne, dass wir nun auf die dritte Revolution warten. “Sitzen – Liegen – Schaukeln” macht keine großen Hoffnungen darauf, dass die bald kommen wird, aber sie zeigt, dass der Grund dafür nicht ist, dass sich Thonet auf seinen Lorbeeren ausgeruht hat.

Vor allem seit 1945 hat Thonet mit einer beeindruckenden Riege deutscher und internationaler Designtalente, einschließlich z.B. Ferdinand Kramer, Verner Panton, Gerd Lange, James Irvine und Naoto Fukasawa, zusammengearbeitet. Diese Designer haben nicht nur zu dem aktuellen Portfolio beigetragen, sondern auch neue Ideen in die Unternehmensphilosophie eingeführt.

Jene, die unseren Post über Artek in Mailand gelesen haben, werden sich nun vielleicht fragen, warum es okay für uns ist, dass Thonet mit neuen Designern zusammenarbeitet, während Artek bei Alvar Aalto bleiben soll.

Nun, jene, die unseren Post über Artek in Mailand gelesen haben,werden wahrscheinlich verstehen, dass wir nichts dagegen haben, wenn traditionsreiche Firmen wie Thonet oder Artek mit neuen Designern zusammenarbeiten – solange sie ihre Kernkompetenzen nicht vergessen.

Mit Konstantin Grcic und Hella Jongerius hat Artek mit zwei Designern zusammengearbeitet, die Arteks Kernkompetenzen genutzt und erweitert haben. Und auch bei ”Sitzen – Liegen – Schaukeln” sieht man, dass die beeindruckendsten, überzeugendsten und erfolgreichsten Nachkriegsdesigns die sind, bei denen der Designer das Konzept “Thonet” verstanden und wenn auch etwas Neues, etwas, was immer noch “Thonet” ist, entwickelt hat. Es klingt vielleicht lächerlich, aber ein Unternehmen muss sich mit dem wohlfühlen, was es macht, wenn es neuen Boden betritt. Von Thonets jüngsten Kollaborationen sollen an dieser Stelle besonders die mit Läufer + Keichel, Delphin Design und Stefan Diez erwähnt werden.

Für uns war auch die umgekehrte Situation die Ursache, warum das Unternehmen in den 1980er Jahren etwas von seinem Weg abkam. Unserer Meinung nach sollten zu viele Stühle dieser Periode Thonet als neue Marke definieren, statt das bewährte Stuhldesign zeitgemäß weiterzuentwickeln. Und sowas funktioniert meistens nicht…

Sitzen Liegen Schaukeln Möbel von Thonet Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig 19

Sitzen – Liegen – Schaukeln. Möbel von Thonet im Grassi Museum für Angewandte Kunst, Leipzig

Geht man durch die Ausstellung “Sitzen – Liegen – Schaukeln. Möbel von Thonet” kommt es unausweichlich zu dem Moment, in dem man sich fragt, ab welchem Punkt eine Ausstellung über Thonet Stühle zur Verkaufsveranstaltung für Thonet Stühle wird. Wenn man alle paar Monate einen Thonet Messestand sieht, erst recht.

Im Falle von “Sitzen – Liegen – Schaukeln” muss man sich darüber allerdings keine Sorgen machen. Die kommerziellen Interessen des Unternehmens Thonet haben keinerlei Einfluss auf den musealen Inhalt. ”Sitzen – Liegen – Schaukeln” wurde allein vom Grassi Museum organisiert und lediglich das Archiv von Thonet ist in die Ausstellungsorganisation eingeflossen.

“Sitzen – Liegen – Schaukeln” ist die erste Ausstellung, die den Fokus auf Thonets Nachkriegsproduktion legt und ist dabei eine der umfangreichsten Ausstellungen über Thonet. Die Wahl des Grassi Museums, einer Institution mit einer Geschichte, fast so lang wie die von Thonet, und Mitwirkender bei der Etablierung des frischgebackenen Bauhauses, als Veranstaltungsort hätte nicht passender sein können.

Man muss bedenken, dass die Mehrheit der Stühle in der Ausstellung derzeit nicht produziert werden und wahrscheinlich auch nie wieder in Produktion gehen werden. Letztlich sind sie historische Artefakte in einer kuratierten Museumsumgebung – und sollten auch als solche wahrgenommen werden.

“Sitzen – Liegen – Schaukeln” ist eine recht simple Ausstellung, die nichts Kompliziertes versucht, das aber sehr kompetent umsetzt.

Wer nichts mit Stühlen im Museum anfangen kann, sollte um diese Ausstellung im Grassi Museum wohl einen Bogen machen. Wer Stühle jedoch mag, oder zumindest mehr über die Entwicklung des Sitzmöbels in den letzten 150 Jahren erfahren will, dem ist ein Besuch durchaus zu empfehlen.

“Sitzen – Liegen – Schaukeln. Möbel von Thonet” kann noch bis Sonntag, den 14. September 2014, im Grassi Museum für Angewandte Kunst, Johannisplatz 5-11, 04103 Leipzig besucht werden.

Mehr Informationen gibt es unter www.grassimuseum.de



5 neue Designausstellungen im April 2014

Tuesday, April 1st, 2014

April 2014. Das bedeuetet wie jedes Jahr im April: Die Mailand-Hölle steht an.

Angeblich soll das Fegefeuer ja unsere Seelen läutern und unsere Gedanken reinigen und so dafür sorgen, dass wir auf eine höhere Ebene gelangen. Bedenkt man aber, was für Höllenqualen wir schon in Mailand durchgemacht haben, müssen wir uns schwer versündigt haben. Sollten wir dieses Jahr wieder aus der Hölle von Mailand zurückkehren, hier sind die neuen Designausstellungen im April, die wir uns zur Erholung ansehen wollen.

“Sitzen – Liegen – Schaukeln. Möbel von Thonet” im Grassi Museum für Angewandte Kunst, Leipzig

Wie wir es schon so oft bemerkt haben, bringen der Katalog und das Archiv des deutschen Möbelherstellers Thonet selbst die Herzen der abgebrühtesten Designkritiker zum schmelzen. Das mag wohl auch daran liegen, dass Thonet gleich zwei Revolutionen im Möbeldesign mit anstieß: die serielle Produktion von Möbeln durch industriell gebogenes Holz im späten 19. Jahrhundert und die Verwendung von gebogenem Stahlrohr Anfang des 20. Jahrhunderts.

Das Grassi Museum für Angewandte Kunst zu Leipzig hat sich allerdings entschieden, diese einschneidenden Ereignisse, und so die ersten 130 Jahre der Firmengeschichte, mehr oder weniger zu ignorieren. Stattdessen legt die Ausstellung den Schwerpunkt auf Möbel, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs am Firmenstandort in Frankenberg (Eder) produziert wurden.

Eine Entscheidung, die so mutig wie lobenswert ist.

Mit ungefähr 130 Ausstellungstücken präsentiert die Ausstellung  neben bekannten Arbeiten wohl auch weniger bekannte und gänzlich unbekannte von Designern wie Stefan Diez, Konstantin Grcic, Sir Norman Foster, Verner Panton und Alfredo Häberli. Als erste größere Präsentation der aktuellen Thonet Möbel bietet “Sitzen – Liegen – Schaukeln” nicht nur die Möglichkeit, die moderneren Arbeiten im Zusammenhang mit der Tradition und der Geschichte des Unternehmens zu erleben, sondern zeigt wahrscheinlich auch, welche Rolle Thonet nach wie vor in der Entwicklung des Möbeldesigns spielt.

Wir vermuten mal, dass auch deutlich wird, wie und warum Thonet im Zuge der kulturellen und ästhetischen Neuorientierung während der 1980er Jahre etwas auf die schiefe Bahn geriet, bevor das Unternehmen dann in den vergangenen zehn Jahren wieder an Bodenhaftung gewann.

“Sitzen – Liegen – Schaukeln. Möbel von Thonet” wird am 17. April im Grassi Museum für Angewandte Kunst, Johannisplatz 5-11, 04103 Leipzig eröffnet und läuft bis zum Sonntag, den 14. September.

Sitting – Lying - Swinging. Furniture from Thonet at the Grassi Museum for Applied Arts, Leipzig, Germany

Barhocker 404H und Stuhl 404 von Stefan Diez vor ihrer Lackierung im Thonet Werk in Frankenberg (Eder)

“Otl Aicher – Ordnungssinn und Dolce Vita. Fotografien der 1950er Jahre” im HfG-Archiv Ulm

Auch wenn Otl Aicher als Grafikdesigner und vor allem durch seine Arbeit für Braun, Lufthansa und die Olympischen Spiele 1972 bekannt ist, war er auch ein klassisch ausgebildeter Bildhauer und dabei in verschiedenen künstlerischen Bereichen aktiv – darunter auch die Fotografie.

Die erste Ausstellung seit langer Zeit mit Fotografien Aichers ist “Ordnungssinn und Dolce Vita”- eigentlich zwei Ausstellungen in einer. Dem Ordnungssinn widmet sich eine Präsentation von fünfzig original Abzügen aus einer kürzlich wiederentdeckten Sammlung von Aichers Fotografien aus den 1950er Jahren. Größtenteils zeigen diese Arbeiten Landschaften und “Strukturen”. Die Ausstellungsmacher versprechen, dass die ausgestellten Arbeiten einerseits Aufschluss darüber geben, wie Aicher seine Umgebung wahrnahm und verstand, und dass sie andererseits den Geist der 1950er Jahren dokumentieren.

Neben diesen wiederentdeckten Arbeiten zeigt die Ausstellung außerdem Aichers Fotografien, die 1959 bereits im Ulmer Museum zu sehen waren und die, sofern wir die Ausstellungsinfo richtig verstanden haben, überwiegend aus Fotografien einer Italienreise Aichers bestehen, die das Dolce Vita der 1950er Jahre zum Thema haben – worauf ja nach wie vor zu einem großen Teil die deutschen Vorstellungen von Italien basieren.

Ein besonderes Highlight verspricht die Abbildung eines NICHT schiefen Turms von Pisa zu sein – ein Bild, das den Ordnungssinn mit dem Dolce Vita vereint.

“Otl Aicher – Ordnungssinn und Dolce Vita. Fotografien der 1950er Jahre” öffnet im HfG Studio, HfG-Archiv, Am Hochsträß 8, in 89081 Ulm am 11. April und läuft bis zum Sonntag, den 12. Oktober.

Otl Aicher Ordnungssinn und Dolce Vita. Fotografien der 1950er Jahre at the HfG-Archiv Ulm, Germany

Otl Aicher - Ordnungssinn und Dolce Vita. Fotografien der 1950er Jahre" im HfG-Archiv Ulm (Fotos: Otl Aicher © Florian Aicher / HfG-Archiv/Ulmer Museum, Deutschland)

“Okolo Offline” im Depot Basel, Basel, Schweiz

Nach einer gefühlten Ewigkeit ist das bekannte Lieblings-Designkollektiv aus Basel endlich mit einer neuen Ausstellung zurück. Einer Ausstellung, die wiederum ganz dem in Prag ansässigen Designkollektiv Okolo gewidmet ist.

Das im Jahr 2009 von Jakub Štěch, Matěj Činčera, Adam Štěch und Jan Kloss gegründete Kollektiv Okolo hat die letzten fünf Jahre damit verbracht zu designen, Ausstellungen zu kuratieren und zu veröffentlichen – online und offline.

Okolo Offline hat sich vorgenommen 25 Okolo-Blog-Posts aus den letzten 5 Jahren eine physische, taktile Form zu geben und den Besuchern hoffentlich so die Gruppe, ihren Ansatz und ihre zeitgenössischen, kreativen Ideen näher zu bringen. Das Kollektiv und seine Arbeit soll einem breiteren Publikum vorgestellt werden.

In Ergänzung zur Ausstellung zeigt “Okolo Offline” auch die Premiere von “Minute”, einer Serie von Kurzfilmen zur Designgeschichte, die von Okolo produziert wurde.

“Okolo Offline” wird im Depot Basel, Voltastrasse 43, 4056 Basel am Freitag, den 28. März, eröffnet und ist dort bis Sonntag, den 27. April, zu sehen.

Okolo Offline Depot Basel

Okolo Offline Depot Basel

“Ola Kolehmainen – Geometric Light” im Haus am Waldsee, Berlin

“Ich nutze die Architektur als Ausgangspunkt und Inspiration, nicht als endgültiges Resultat. Meine Arbeit ist vielmehr eine Untersuchung von Raum, Licht und Farbe, die unsere Art und Weise der Betrachtung reflektiert und befragt.”

So erklärt der finnische Fotograf Ola Kolehmainen seinen Arbeitsansatz. Einen Ansatz, der von einem strukturierten und methodischen Arbeitsprozess zu abstrakten und dekonstruierten Resultaten führt.

Bis 17. Mai zeigt die Berliner Galerie Haus am Waldsee Ola Kolehmainens neustes Projekt “Geometric Light”. Eine Serie von Fotografien, in denen Kolehmaines noch deutlicher als zuvor von den Gebäuden abrückt und sich konsequent auf Licht und Schatten innerhalb und im Umkreis der Gebäude konzentriert.

Initiiert und beeinflusst von einer Spanienreise im Jahr 2013 umfasst Geometric Light Arbeiten aus ebendieser Spanienreise und Fotos, die beispielsweise in der Hagia Sophia entstanden sind.

“Ola Kolehmainen – Geometric Light” ist von Samstag, den 5. April, bis Samstag, den 17. Mai, im Haus am Waldsee, Argentinische Allee 30, 14163 Berlin zu sehen.

Ola Kolehmainen Konstruktivizm Infantil XII 2013

Ola Kolehmainen, Konstruktivizm Infantil XII, 2013 © Ola Kolehmainen, mit freundlicher Genehmigung von der Gallery Taik

“Wegner – Just one good chair” im Designmuseum Dänemark, Kopenhagen, Dänemark

Hans J. Wegner gehört zu den wichtigsten Vertretern des modernen dänischen Designs. Wir sind uns da so sicher, weil genau das ausnahmslos in jeder Angabe zu Wegners Biografie die erste Information ist!

Bislang besteht allerdings ein echter Mangel an zuverlässigen und aufschlussreichen Informationen über Wegner. Er bleibt ein Designer, über den es sehr viel weniger Bücher und Ausstellungen gibt als über die meisten seiner Zeitgenossen.

Und so präsentiert das Designmuseum Dänemark in Kopenhagen pünktlich zum 100. Geburtstag die größte und tiefgründigste Ausstellung, die Hans J. Wegner und seinem Werk jemals gewidmet wurden.

Mit ungefähr 150 Ausstellungsstücken, darunter originale Möbel, Zeichnungen, Modelle und Fotografien, verspricht “Just one good chair” nicht nur eine gute Analyse von Wegners Leben und Werk, sondern erklärt auch, indem Wegners Beitrag zur dänischen Designtradition untersucht wird, wie sich die dänische Moderne und die Organische Moderne grundsätzlich entwickelt haben. Und wie all das zu dem beständigen Mythos, das dänische Design sei ein gänzlich eigenständiger Stil, geführt haben kann.

In Ergänzung zu den Objekten Wegners wurde angekündigt, die Ausstellung werde der Arbeit Wegners Arbeiten einiger seiner Zeitgenossen gegenüberstellen. Darunter Charles und Ray Eames, Finn Juhl oder Arne Jacobsen und zeitgenössische Designer wie Jasper Morrison oder Konstantin Gricic.

“Wegner – Just one good chair” ist ab 3. April im Designmuseum Dänemark, Bredgade 68, 1260 Kopenhagen zu sehen und kann dort bis Sonntag, den 2. November, besucht werden.

Hans J Wegner and Johannes Hansen JH550 PP550 The Peacock Chair

Hans J Wegner (l.) und Johannes Hansen (r.) begutachten einen JH550/PP550 "Peacock Chair" (Foto: Designmuseum Dänemark, Kopenhagen)



(smow) Blog kompakt IMM Cologne Spezial: Stylepark Featured Editions

Friday, March 21st, 2014

Als wir die IMM Cologne 2014 in unserer Vorschau als Eröffnung des europäischen Designzirkus bezeichneten, war uns ja nicht klar, dass dieser Zirkus auch mit einem Rummel ausgestattet sein würde.

Leider konnte man auf dem Kettenkarussell, an dem die Sitzschalen des Pelle Stuhls befestigt waren, nicht wirklich eine Runde drehen. Das Karussell war Teil der Präsentation des “Featured Editions”-Programms 2014 und nur zum Anschauen gedacht.

Das Konzept “Featured Editions” wurde vom Onlineportal Stylepark kuratiert und hatte 2013 auf der IMM Cologne seine Premiere. “Featured Editions” ist eine Serie von Installationen, mit denen Designer/Künstler/Architekten auf spielerische, konzeptuelle Art ein Design präsentieren.

Einige Installationen eröffnen einen wirklich ernsthaften, künstlerischen Diskurs mit den Objekten, andere entstehen unter Zeitdruck und sind eher so konzipiert, dass man zeigt, was zum Termin fertig ist. Das ist jedoch eine Mischung, die den Unterhaltungswert des Konzeptes keineswegs mindert.

Neben dem Pelle Karussell gab es beispielsweise die Installation Sharky Jump mit einem tauchenden Kristalia Stuhl, ein Strickleiter-Regal und bestialisch aufgespießte Eames DKR Wire Chairs.

Die “Featured Editions”-Installationen sind nicht nur eine schöne Ablenkung vom Hochglanz der Firmenmessestände und ihrer häufig uninspirierten und trockenen Präsentationen, sondern bieten auch die wunderbare Gelegenheit, sich kurz niederzulassen und ein paar Minuten zu entspannen.

Alles in allem gute Unterhaltung und eine großartige Ergänzung zum IMM Cologne Komplettpaket.

Unsere Bilder:



(smow) Blog kompakt: IMM Cologne Spezial – Thonet

Tuesday, February 11th, 2014

Eines unserer Highlights auf der IMM 2014 war die Entdeckung des Tischs S 1200 von Randolf Schott und dem Thonet Design Team.

Klassische Thonet Tische wie Marcel Breuers S 285 funktionieren zwar sehr gut als zeitgemäße Home-Office-Lösung oder zwanglose Arbeitsplätze in einem Wohnraum, sie bringen allerdings eine gewisse formale Schwere mit sich. Diese Schwere steht im Zusammenhang mit den eher traditionellen, quadratischen Holzmöbeln, deren Abstraktion Marcel Breuer und seine Bauhauskollegen einerseits überwinden wollten, von denen sie sich andererseits aber auch nicht ganz befreien konnten.

Mit dem S 1200 haben Thonet und Randolf Schott das Genre weiterentwickelt und ein Objekt entworfen, das dem gebogenen Stahlrohr eine neue Leichtigkeit und Ungezwungenheit verleiht.

Seinen Ursprung hat der S 1200 fraglos bei den zahllosen Stahlrohrtischen Marcel Breuers, allerdings ist der Tisch sehr viel zugänglicher. Das liegt unserer Meinung nach vor allem an dem nach innen geneigten Vorderbein, ein Feature, das den S 1200 weniger starr und dominant erscheinen lässt. In Verbindung mit der praktischen Fußstütze und der noch viel praktischeren Tischplatte mit zwei Ebenen macht diese Offenheit den S 1200 zu einem sehr einladenden Sitz- und Arbeitsplatz.

Auch wenn der Rahmen des S 1200 theoretisch aus einem einzigen Stück Stahlrohr hätte gebogen werden können, wurde er aus zwei Teilen geformt. Das hat den simplen Grund, dass die Verchromung eines einzigen massiven Stücks kaum machbar wäre. Die Fußstütze war ohnehin als zusätzliches Teil konzipiert und wird mit einer extra entwickelten Verbindung am Rahmen angebracht – nicht geschweißt, wie wir anfänglich dachten, aber sehr präzise angebaut.

Alles in allem ein sehr beeindruckendes Objekt und eine sehr willkommene Ergänzung des Thonet Portfolios.

Vervollständigt wird der Tisch durch eine von Thonet entwickelte Accessoire-Serie einschließlich einem Lesepult, einer Ablagebox und einer sogenannten Stiftebox. Die ist aber eigentlich eine Mehrzweckbox, die so gestaltet ist, dass auch das Ladekabel fürs Handy ordentlich und unauffällig durch einen Schlitz in der Ecke passt. In Sachen Kabelmanagement muss noch das patentierte magnetische Clip-Kabelorganisationssystem erwähnt werden, das sich an den Beinen anbringen lässt. Aber das nur für jene, die die simple Schönheit des gebogenen Stahlrohrs mit Kabeln ruinieren wollen…

Als zeitgemäßes Produkt gibt es den S 1200 natürlich in einer ganzen Reihe von Pastellfarben, so wie jetzt auch einige weitere Stahlrohrobjekte aus dem Thonet Portfolio; darunter Mart Stams S 43 Stuhl, Marcel Breuers Tisch B 9 und die Thonet B 97 Beistelltische. Nicht in farbigem Stahlrohr erhältlich, aber ebenso schön sind die neuen Ausführungen aus Glas der Tische B 9 und B 97. Diese Objekte verleihen dem reservierten Charme der Holzvarianten eine gediegene Dekadenz.

An anderer Stelle muss zudem das neue S 290 Programm von Sabine Hutter und dem Thonet Design Team erwähnt werden. Ein freistehendes Stahlrohr Sideboard-Programm, das aus vier Grundelementen besteht, die individuell genutzt werden können, oder aus denen man eine Einheit bilden kann. Da die Einheiten nicht senkrecht gestapelt werden können, kann das S 290 Programm im strengeren Sinne nicht modular genannt werden, aber ganz gleich wie man es definiert, als flexibles Sideboard-Programm für den Wohnraum oder das Büro ist das S 290 eine wichtige Ergänzung zum Thonet Programm.

Es ist sicher nicht einfach Thonet zu sein. Zweimal hat das Unternehmen das Möbeldesign revolutioniert und jetzt warten alle darauf, was als nächstes kommt. Die IMM Cologne liefert keine neue Revolution, zeigt aber auf wunderbare Weise, dass eine Weiterentwicklung von Design immer möglich ist. In unserem Interview mit Antonio Citterio auf der Orgatec 2012 erzählte uns der Designer, dass er es spannend findet, ein Projekt kontinuierlich weiterzuentwickeln, an ihm herumzubasteln und etwas Neues aus dem Bestehenden zu entwickeln. Allerdings betont er: “Das sind immer noch die gleichen Produkte, nur andere Optionen. Ich will nichts so weiterentwickeln, dass die vergangenen Versionen alt oder überholt wirken.

Dieser Geist war auch am Thonet Stand auf der IMM Cologne 2014 sichtbar.

Und das gefiel uns!

Einige Eindrücke:

(smow) blog compact IMM Cologne Special Thonet S 1200 desk Randolf Schott Thonet Design Team

Der S 1200 Tisch von Randolf Schott / Thonet Design Team für Thonet, gesehen auf der IMM Cologne 2014

(smow) blog compact IMM Cologne Special Thonet Mart Stam S 43 colour

Der S 43 Klassik von Mart Stam über Thonet. Jetzt mit farbigem Untergestell, gesehen auf der IMM Cologne 2014

(smow) blog compact IMM Cologne Special Thonet S 290 by Sabine Hutter Thonet Design Team

Das S 290 Sideboard-Programm von Sabine Hutter / Thonet Design Team für Thonet, gesehen auf der IMM Cologne 2014

(smow) blog compact IMM Cologne Special Thonet S 290 Sabine Hutter Thonet Design Team

Das S 290 Sideboard-Programme von Sabine Hutter / Thonet Design Team für Thonet, gesehen auf der IMM Cologne 2014



IMM Cologne 2014 und Passagen 2014. Vorschau

Thursday, January 9th, 2014

Am Montag, den 13. Januar, startet mit der Eröffnung der IMM Cologne 2014 und der daran angeschlossenen Interior Design Week Passagen 2014 auch der europäische Designzirkus ins neue Jahr und wir werden entgegen unserer natürlichen (Ab-)Neigungen dabei sein.

Ja, die Miete muss gezahlt werden, aber es gibt auch einfachere Wege, den Lebensunterhalt zu verdienen, als eine Woche im Januar auf einer Bank am Rhein zu sitzen und die eigene Existenz zu hinterfragen, nachdem man mit einem weiteren Stück seelenlosen Designs konfrontiert wurde, dessen einzige Daseinsberechtigung es ist, eine vermeintliche Lücke im Portfolio irgendeines Unternehmens zu füllen. Egal, was das für die Umwelt oder die globale soziale Harmonie bedeuten mag.

Ja, (smow) hat jetzt einen Laden in Köln, aber auch einen in Chemnitz und wir haben nie ein großes Bedürfnis verspürt, Zeit in der Wildnis des Südens von Sachsen zu verbringen.

Doch, und da verhält es sich genau wie mit Mailand, obwohl wir es nicht mehr “brauchen”, wollen wir. Wir wissen, dass sich unter all dem Unrat, Müll und sträflich Überflüssigem das ein oder andere Projekt befindet, das unseren Glauben an den Designberuf wiederherstellen kann – ein Projekt, das uns wahrhaft in Aufruhr versetzt und uns fordert. Diese Momente wollen wir.

Und obwohl wir nicht davon ausgehen, solche Momente auf der IMM Cologen selbst zu finden, wurden im Voraus bereits einige Produkte vorgestellt, die es Wert scheinen, sie näher zu betrachten – insbesondere der neue Schreibtisch von Thonet, der S 1200. Formal erinnert der uns an den PS 07 Bureau von Delphin Design, den die Müller Möbelfabrikation auf der IMM Cologne 2013 vorstellte; doch die Holztischplatte und der geteilte Stauraum machen ihn geeigneter für Wohnräume. Und er hat eine Fußstütze! Ein unterbewertetes, durchaus simples Feature eines guten, praktischen und benutzerfreundlichen Schreibtisches.

Artek verspricht währenddessen neben einigen anderen Neuheiten einen Re-Release von Yrjö Kukkapuros Karuselli Lounge Chair von 1964 und der 907B und 915 Tische von Alvar Aalto. Ein weiteres Highlight ist für uns zu sehen, wie Wilde+Spieth an ihren Erfolg von 2013 und der Vorstellung des CU! Stuhls von Avinash Shende anknüpfen wollen. Und dann sind da natürlich noch die schönen unangekündigten, unerwarteten Entdeckungen, die, wie wir alle wissen, oft die besten sind.

Thonet S 1200 IMM Cologne 2014

Der neue Thonet S 1200 wird auf der IMM Cologne 2014 vorgestellt werden.

Jenseits des Messegeländes fällt das Passagen Designfestival ein bisschen schwächer, dürftiger als in den letzten Jahren aus, verspricht aber immer noch einige interessante Ausstellungen. Vor allem länderspezifische Ausstellungen: Italian Style im Italienischen Kulturinstitut, Dutch Design in der Handwerkskammer zu Köln, modernes japanisches Design im Japanischen Kulturinstitut und im Belgischen Haus flanderisches Design von Cas Moor und dem liebenswürdigen Atelier Bonk.

Dann freuen wir uns zu sehen, dass die Organisatoren von “Objects for the Neighbour” aus dem letzten Jahr mit einer etwas größeren Ausstellung unter dem Titel “Objects and the Factory” zurück sind; die Ausstellung “Alle Metalle” verspricht zeitgenössische und klassische Metalldesigns zu präsentieren; der Jack in the Box e.V. wird einige interessant scheinende Präsentationen und einige Urban-Gardening-Boxen zeigen; und wir freuen uns wirklich auf Stefan Wewerkas Denkmöbel im Ungers Archiv für Architekturwissenschaft. Das Ungers Archiv ist sicher nicht der geräumigste Ausstellungsraum in Köln, aber die Ausstellung scheint eine der durchdachteren und bildenderen zu sein.

Und dann ist da noch die USM Haller Ausstellung “Facetten” im Showroom von (smow) Köln. Außerdem zeigt ”Mit Grüßen aus Istanbul” Arbeiten von Designstudenten der FH Dortmund, die in Istanbuls Handwerksviertel Sishane entstanden sind, und natürlich wird es Werner Aisslingers Amtsantritt als A&W  Designer des Jahres 2014 mit begleitenden Ausstellungen geben.

Wie wir bereits sagten, gibt es erfreulichere Dinge im Januar zu tun als nach Köln zu fahren, aber solche Ausflüge führen eben auch immer zu diesen kleinen, magischen Momente, die das ansonsten Unerträgliche erträglich machen und uns bewusst machen, wie privilegiert wir eigentlich sind.

Berichte mit Fotos folgen…

imm cologne

IMM Cologne 2014 auf der Kölner Messe



5 neue Designausstellungen im Januar 2014

Monday, December 30th, 2013

Die, die noch nach Vorsätzen fürs neue Jahr suchen, könnten sich Schlechteres vornehmen, als im nächsten Jahr mehr Designausstellungen zu besuchen. Und der Januar 2014 bietet ein paar wundervolle Gelegenheiten, um gleich damit zu beginnen.

Da im Januar wie immer die IMM Cologne und die begleitende Cologne Design Week stattfinden, haben wir zwei rheinseitige Ausstellungen gewählt. Daneben gibt es mehr über den Produktionsprozess als solchen zu erfahren und ein paar Ausstellungen über Dänemarks wichtigeren Design-”Altmeister”.

“BKULT Featuring Van Bo Le-Mentzel: Konstruieren statt Konsumieren” im AIT Architektursalon Köln

Treue Leser wird es bewusst sein, dass wir lange Zeit große Probleme mit dem Berliner Architekten Bo Le-Mentzels Entscheidung hatten, sein “Durchhbruchs”-Projekt “Hartz IV Möbel” zu nennen. Erfreuliches Projekt, erschreckender Name. Nachdem wir in den letzten Jahren einige Male mit Van Bo gesprochen haben, verstehen wir nun, warum es so benannt ist.

Wir finden den Namen immer noch wirklich entsetzlich, aber wir finden den Gedanken hinter dem Projekt immer noch wirklich gut. Also…

Ab Dienstag, den 16. Januar, bietet der AIT Architektursalon Köln die Möglichkeit, sich ein eigenes Bild davon zu machen. In Zusammenarbeit mit der Berliner Plattform BKULT veranstaltet der AIT Architektursalon eine Ausstellung, Workshops, aber vor allem eine Diskussion rund um die zentrale Idee Bo Le-Mentzels: Baue mehr, kaufe weniger. Können wir eine bessere, fairere Gesellschaft aufbauen, wenn wir unsere Konsumkultur verändern? Macht es einen glücklicher, wenn man seine Möbel selbst gebaut hat? Ist Hartz IV Möbel ein guter Name? Was ist Karma-Wirtschaft?

Antworten auf keine, einige oder alle dieser oder ähnlicher Fragen werden bei den Veranstaltungen diskutiert werden können.

“BKULT Featuring Van Bo Le-Mentzel: Konstruieren statt Konsumieren” wird am 16. Januar 2014 im AIT Architektursalon Köln, Vogelsanger Strasse 70, Barthonia Forum, 50823 Köln eröffnet und ist dort bis Donnerstag, den 20. Februar 2014, zu sehen.

Van Bo Le-Mentzel Hartz IV Moebel - Build More, Buy Less

Hartz IV Möbel - Baue mehr, kaufe weniger! Das Buch.

“Rolf Sachs ‘typisch deutsch?” im Museum für Angewandte Kunst Köln

Im Rahmen ihrer Hauptausstellung Winter/Frühjahr 2014 präsentiert das Kölner Museum für Angewandte Kunst den Blick des in London lebenden Designers und Künstlers Rolf Sachs auf deutsche Stereotypen. Ein Blick, der, wenn wir das Pressematerial richtig verstanden haben, verspricht etwas humorvoller als durchschnittliche Designausstellungen zu sein.

“Typisch deutsch?” verspricht eine Reihe von Objekten und Installationen zu präsentieren, die nicht nur die Wahrheit über die Natur des Deutschseins reflektieren, sondern die auch die Besucher inspirieren sollen, die einen umgebenden Objekte in einem neuen Licht zu sehen.

Rolf Sachs “typisch deutsch?” wird am 13.1.2014 im Museum für Angewandte Kunst, An der Rechtschule, 50667 Köln eröffnet und läuft bis 21.4.2013.

Rolf Sachs typisch deutsch Museum für Angewandte Kunst Köln

Rolf Sachs' Interpretation von Fleiß...

In the Making’ an exhibition curated by Edward Barber and Jay Osgerby” im Design Museum London, England

Einer der seltsamsten Aspekte der Designwelt ist, dass für den Designer das fertiggestellte, verkaufstaugliche Produkt, das im Regal steht, furchtbar uninteressant ist.

Der kreative Prozess, die Arbeit am Prototyp, die Formgebung und der Produktionsprozess sind es, was Designer interessiert. Und wenn es möglich wäre, würden sie all das auch ohne ein verkäufliches Produkt am Ende der Produktionskette machen.

Für das London Design Museum haben Edward Barber und Jay Osgerby eine Ausstellung kuratiert, die mehr als 20 vertraute Objekte in verschiedenen Produktionsetappen präsentiert. Angefangen bei Münzen über Tennisbälle bis hin zu Thonet Stühlen, “In the Making” hat das Ziel, den Zauber und das Wunder des Herstellungsprozesses sichtbar zu machen und so die Faszination der Designer für diese Entwicklung verständlich zu machen. Außerdem gibt es nichts, wodurch man ein Produkt mehr schätzen kann als durch das Wissen über seine Herstellung – und natürlich den Unterschied zwischen einem sorgfältig hergestellten Produkt und billigem Ramsch.

“In the Making’ an exhibition curated by Edward Barber and Jay Osgerby” wird am 22. Januar 2014 im Design Museum, Shad Thames, London SE1 2YD eröffnet und endet am 4. Mai 2014.

Auf Biegen und Brechen Thonet

Das im 19. Jahrhundert von Michael Thonet erfundene Verfahren zum Biegen von Holz mit Hitze wird bis heute angewandt.

“The Answer is Risom” im Silvermine Arts Center, New Canaan, Connecticut, USA

Obwohl die Geschichte und der Erfolg von Knoll International ohne Frage eng mit Mies van der RoheHarry Bertoia und Eero Saarinen in Verbindung steht, begann alles mit einem dänischen Designer, der nach Amerika kam, um zeitgenössisches amerikanisches Design zu verstehen und es schließlich definierte…

In Kopenhagen geboren, studierte Jens Risom an der Danish School of Arts and Crafts unter Lehrern wie dem großen Kaare Klint, bevor er 1939 nach Amerika reiste, 1941 wurde Jens Risom Hans Knoll vorgestellt und im selben Jahr entwarf er die ersten Stücke für Hans Knolls frischgebackene Möbelfirma. Und damit die allererste Knoll Kollektion. Eine Kollektion, die Knolls Hingabe zur Moderne bestätigt und die zweifellos den frühen Erfolg des Unternehmens begründete. 1943 wurde Jens Risom in die US-Armee einberufen, nach dem Krieg gründete er sein eigenes Designstudio.

Die Ausstellung in New Canaan will nicht nur Beispiele für Jens Risoms Möbel, sondern auch seine Grafik- und Werbearbeiten zeigen und wird damit hoffentlich dazu beitragen, dass mehr Menschen den hohen Wert Jens Risoms verstehen werden.

“The Answer is Risom” wird zwischen dem 8. Januar und 16. Februar 2014 im Silvermine Arts Center, 1037 Silvermine Road, New Canaan, CT 06840 gezeigt.

Jens Risom Lounge Chair Knoll

Jens Risom Lounge Stuhl für Knoll von 1943

“Børge Mogensen” im Trapholt – Museum of Modern Art, Applied Art, Design and Architecture, Kolding, Denmark

Am 13. April 2014 würde Børge Mogensen, einer der ganz Großen im dänischen Möbeldesign, seinen 100. Geburtstag feiern. Um das zu ehren, macht das Trapholt Museum of Modern Art, Applied Art, Design and Architecture in Kolding eine Ausstellung über den Mann und seine Antworten auf die Probleme seiner Zeit.

Als einer der ersten dänischen Designer, der industrielle Produktionsmethoden anwendete, war Børge Mogensen in der Lage, sein feines Verständnis der skandinavischen, englischen und amerikanischen Möbeltraditionen mit der Massenproduktion zu kombinieren, um ein gutes und erschwingliches Möbelstück herzustellen.

Dabei spielte er unbeabsichtigt eine wichtige Rolle bei der Herausbildung des allgegenwärtigen und bis heute äußerst beliebten Konzepts des “Danish Designs”.

In unser Einführung zu Børge Mogensen von 2012 schrieben wir, dass er “…nie die Berühmtheit oder die Anerkennung erlangt[e] wie ein Poul Henningsen, Arne Jacobsen oder Verner Panton“. Und auch wenn die Ausstellung im Trapholt das nicht grundlegend ändern wird, wird die Ausstellung hoffentlich vielen Menschen das Leben und das Werk von Børge Mogensens zumindest etwas näher bringen.

“Børge Mogensen” wird am Mittwoch, den 22. Januar, eröffnet und läuft bis Sonntag, den 5. Oktober 2014, im Trapholt – Museum of Modern Art, Applied Art, Design and Architecture, Æblehaven 23, DK-6000 Kolding.

Børge Mogensen FDB Chair Desk

Ein FDB Katalog von 1944 mit Børge Mogensens Schreibtisch- und Stuhldesign



(smow) Blog 2013. Ein Rückblick in Bildern: Januar

Tuesday, December 24th, 2013

Januar 2013 war, wie jeder Januar, von der IMM Cologne und allem, was damit zu tun hat, bestimmt. Insbesondere führte uns die IMM Cologne 2013 zu Ronan und Erwan Bouroullecs Ernennung als A&W Designer des Jahres und in eine gelungene Ausstellung über Alvar Aaltos Hocker 60 im Ungers Archiv für Architekturwissenschaft Köln. Außerdem wurde im Januar 2013 die Ausstellung “Extraordinary Stories About Ordinary Things” im Design Museum London eröffnet.

Extraordinary Stories About Ordinary Things Design Museum London

"Extraordinary Stories About Ordinary Things" im Design Museum London

London Design Museum Collection Extraordinary Stories About Ordinary Things British

"Extraordinary Stories About Ordinary Things" im Design Museum London. Ein Verkehrsschild in einem Museum fotografieren: Very British!

IMM Cologne 2013 Thonet S 1520 S 1521 S 1522

Thonet lanciert die S 1520, S 1521 & S 1522 Garderoben/Schuhablage auf der IMM Cologne 2013

A&W Designer of the year 2013 Ronan and Erwan Bouroullec

A&W Designer des Jahres 2013: Ronan und Erwan Bouroullec. Wie wir sie kennen, besprechen sie hier noch einmal ihre Arbeit.

A&W Designer of the year 2013 Ronan and Erwan Bouroullec A Collection Hay

Die A-Collection für die Universität Kopenhagen über Hay von Ronan und Erwan Bouroullec, hier bei der "A&W Designer des Jahres 2013"-Ausstellung

IMM Cologne 2013 Stool 60 by Alvar Aalto at Ungers Archiv für Architekturwissenschaft

IMM Cologne 2013: Hocker 60 von Alvar Aalto im Ungers Archiv für Architekturwissenschaft

IMM Cologne 2013 Stool 60 by Alvar Aalto at Ungers Archiv für Architekturwissenschaft

Die Produktionsstufen der Beine für den Hocker 60

IMM Cologne 2013 Museum für Angewandte Kunst Köln Isn’t it romantic Contemporary Design balancing between Poetry and Provocation

"Isn’t it romantic? Contemporary Design balancing between Poetry and Provocation", Museum für Angewandte Kunst Köln

IMM Cologne 2013 Museum für Angewandte Kunst Köln Isn’t it romantic Contemporary Design balancing between Poetry and Provocation Makkink Bey Birdwatch Cabinet for a girl

Vogelbeobachtungskasten für ein Mädchen von Makkink & Bey bei "Isn’t it romantic? Contemporary Design balancing between Poetry and Provocation", Museum für Angewandte Kunst Köln



Eine kleine Geschichte Thüringens: Der Kongress von Erfurt, 1808

Friday, November 15th, 2013

1808 hatte Napoleon ein Problem. Oder besser gesagt, einen ganzen Kontinent voller Probleme. Spanien, Österreich, Finnland, England, Russland, Deutschland und die Türkei – keiner wollte sich benehmen, wie es Napoleons großen Plänen entsprochen hätte.

Wie sollte er z.B. bloß Indien erobern, wenn Europa einfach nicht die französische Machtstellung akzeptieren wollte?

In einem Versuch, zumindest ein Stück weit aus dem Chaos herauszufinden, wurde ein Treffen mit Zar Alexander I. von Russland organisiert, in dem die Situation besprochen und ein neues Friedensabkommen zwischen den beiden Großmächten ausgehandelt werden sollte.

Auf Vorschlag von Zar Alexander wurde als Ort für dieses Treffen Erfurt gewählt.

Wenn auch zugegebenermaßen noch nie eine glamouröse europäische Metropole gewesen, bildete Erfurt damals die östliche Grenze zum französischen Reich und war als solche eine sinnvolle Wahl für das Treffen.

Napoleon Erfurt

"L'entrevue d'Erfurt, 27. September - 14. Oktober 1808: Napoleon I. empfängt Baron Vincent, den österreichischen Botschafter, in Erfurt, 1808" von Nicolas Gosse. Eines der wenigen Bilder, das den Kongress von Erfurt darstellt.

Der Kongress von Erfurt war für den späten September 1808 angesetzt und die französischen Gastgeber planten das Gipfeltreffen mit der gleichen Professionalität wie ihre Schlachten. Mit der Ausnahme, dass sie anstelle der Waffen “eine große Menge prachtvoller Möbel, Teppiche und Wandteppiche, sowohl Gobelin als auch la Savonnerie, Bronze, Lüster, Kerzenständer, Girandole, chinesisches Porzellan; jedes Stück für die luxuriösen Paläste beider Herrscher gleichermaßen geeignet…”bereitstellten.

Napoleon selbst verließ Paris am 22. September 1808 und erreichte Erfurt am 27. September. Nach einem Briefwechsel voller Höflichkeiten mit dem formalen Gastgeber König Friedrich August von Sachsen, brach er auf, um sich mit Alexander zu treffen.

Der Zar verließ St. Petersburg am 17. September, erreichte seine Schwester, die Großherzogin Maria Pawlowna, in Weimar am 25. September und befand sich nun auf dem Weg nach Erfurt.

Die beiden Herrscher trafen sich in der Nähe von Utzberg unter einem Birnenbaum und laut allen Berichten grüßten sie sich mit einer fast brüderlichen Herzlichkeit.

Während wir gegenüber Quellen, die älter sind als wir selbst, grundsätzlich misstrauisch sind, behält der Kongress von Erfurt den besten Beweis für die warme Natur der Beziehung zwischen Alexander und Napoleon bereit.

Z.B. erfährt man von Louis Constant Wairy, dass, neben den normalen Geschenken, die man einander übergab, Zar Alexander Napoleon jeden Morgen in seinem Schlafzimmer besuchte und eines Morgens “…die Eleganz und Strapazierfähigkeit des eisernen Bettgestells der Majestät bemerkte; und dass dieser schon am nächsten Tag anordnete, genau das gleiche Bett im Zimmer des russischen Machthabers aufzustellen, der hocherfreut über diese Aufmerksamkeit war.”2

Das ist so ein schöner Einblick in die Art von Smalltalk, die sich zwischen europäischen Führungskräften abspielt. Und natürlich dafür, mit welcher Leichtigkeit man im 19. Jahrhundert an moderne Möbel in Erfurt kam.

Der Kongress selbst verlief weniger brüderlich und endete am 14. Oktober 1808 ohne eindeutiges Ergebnis, so wie auch 200 Jahre später noch so oft. Doch die diplomatischen Gespräche machten nur einen Teil der Geschehnisse aus und so kommentierte John Holland Rose, mit leicht ironischem Unterton, dass “…Napoleons größte Triumphe in Erfurt soziale und literarische waren.”3

Bevor Napoleon Paris verließ – so ist es überliefert – stellte er sicher, dass die Gespräche von einem Unterhaltungsprogramm begleitet sein werden, das dem Format der Gäste entsprach. In Ergänzung zu den unerlässlichen Abendessen und Empfängen wurde das Ensemble Comédie francais nach Erfurt geholt, um “die Meisterwerke der französischen Bühne”4 aufzuführen. Aus diesem Anlass ordnete Napoleon an, dass das Ballhaus in der Futterstraße in Erfurt zu einem königlichen Theater umgestaltet werden sollte.

Das Stück begann jeden Abend um 19 Uhr. Zumindest in der Theorie: Wie Constant festhielt, “kamen die beiden Herrscher immer zusammen und das nie vor halb acht.”5

Mit einem Repertoire von Werken von etwa Racine, Corneille und Voltaire, begeisterte das Comédie francais nicht nur das Publikum, sondern, viel wichtiger, es spielte auch eine wichtige Rolle bei der Etablierung französischer Kultur in Deutschland. Kultur als Politik. In diesem Kontext ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass neben dem europäischen Königshaus die Glanzlichter aus Kunst und Literatur, wie Johann Wolfgang von Goethe, unter den ca. 300 Gästen waren.

Das Gebäude in der Futterstraße, wo es Napoleon gelang, zumindest ein Mindestmaß an Erfolg zu bewirken, existiert noch heute. In Gedenken an diese zwei Wochen von 1818, als Erfurt das “Zentrum europäischer Politik”6 war, umbenannt in Kaisersaal, ist es 200 Jahre nachdem Napoleon I., Alexander I., Goethe & Co. durch seine Gänge schritten, noch immer Veranstaltungsort für Kongresse, Theater und kulturelle Veranstaltungen aller Art.

Und seit der letzten Renovierung beherbergt es außerdem Möbel, so elegant und strapazierfähig wie einst Napoleons Eisenbett: USM Haller und der Thonet S 360 Stuhl von Delphin Design fanden an diesen geschichtsträchtigen Ort.

 

1. Constant, Louis Constant Wairy (1910) “Recollections of the private life of Napoleon” Übersetzt von Walter Clark. The Saalfield Publishing Company, Akron, Ohio

2. ebd.

3. Rose, John Holland (1901) “The Life of Napoleon I (Volume 2 of 2)” über Projekt Gutenberg http://www.gutenberg.org/ebooks/14290. Accessed 07.11.2013

4. ebd.

5. Constant (1910)

6. Wencker-Wildberg, Friedrich (Hg.) (1930) “Napoleon. Die Memoiren seines Lebens. Band 11. Das Kaiserreich auf dem Höhepunkt: Fürstenkongress zu Erfurt Feldzug in Spanien (1808)” Gutenburg-Verlag Christensen & Co. Hamburg



5 Jahre (smow), 5 Wochen Geburtstagslaune. Diese Woche mit: Thonet.

Saturday, October 26th, 2013

Es gibt nur wenige Möbelhersteller, die von sich behaupten können, bei zwei großen Revolutionen des Möbeldesigns ganz vorne mitgespielt zu haben.

Thonet ist so einer.

Und um ehrlich zu sein, fällt uns auch kein anderer ein.

Obwohl die Geschichte Thonets schon 1819 beginnt, wird sie erst 1859 so richtig interessant. Damals vollendete Michael Thonet sein Bugholzverfahren. Das Ergebnis von über 20 Jahren Entwicklung, Experimentieren, Blut, Schweiß und Tränen, Pleite, flüchtigem Erfolg und brutalem Scheitern ist ein auf Dampf basierendes Verfahren, das es ihm ermöglichte, solides Buchenholz zu biegen und ganz einfach Holzstühle zu einem vertretbaren Preis herzustellen.

Der Startschuss für die industrielle Produktion von Möbeln war gefallen.

Michael Thonets berühmtestes Modell ist ohne Frage der Stuhl Nr. 14, der heute als Stuhl 214 bekannte Klassiker ging als der archetypische Wiener Kaffeehausstuhl in die Möbelgeschichte ein – und als elegantes Beispiel dafür, wie unkompliziert gutes Stuhldesign sein kann.

Genauso genial wie das Bugholzverfahren war Michael Thonets Entscheidung den Stuhl Nr. 14 als flach verpacktes System, das aus sechs Elementen besteht, die von jedem Dummkopf zusammengebaut werden können, zu verpacken und verkaufen. Damit hat Michael Thonet den Prototypen für ein modernes Packsystem geliefert, das heute nicht nur für das Geschäft mit schwedischen Möbeln essentiell ist…

Dank der Fähigkeit 36 unmontierte Stühle in eine 1 m² große Kiste zu packen, konnten Thonet Stühle rundum den Globus verschickt werden und so produzierte das Unternehmen 1912 schon ungefähr 2 Millionen Stühle pro Jahr.

Bis heute werden die Rahmen der Thonet Klassiker, wie für den Stuhl 214, Michael Thonets 209 von 1900 oder den 233 von 1895, am Unternehmenshauptsitz im hessischen Frankenberg (Eder) noch immer von Hand gebogen – Stück für Stück, in einer Maschine, die mehr an ein mittelalterliches Foltergerät erinnert, als an etwas, mit dem einer der interessantesten und wichtigsten Stuhlentwürfe der Möbelgeschichte geschaffen wird.

Auf Biegen und Brechen Thonet

Biegen von Buchenholz. Genau wie es einst Michael Thonet tat...

Ungefähr 60 Jahre nach dem Durchbruch mit Bugholz kam Thonet durch das Biegen eines neuen Materials zu seinem zweiten großen Erfolg. Neu für Thonet und neu für das Möbeldesign: Stahlrohr.

Durch den engen Kontakt mit Designern und Architekten wie Mart StamMarcel BreuerMies van der Rohe und Le Corbusier war Thonet Teil einer neuen Strömung, die in den 1920ern Europa beherrschte. Und durch die Erfahrung mit dem Biegen von Holz war der Möbelhersteller außerdem der Ansprechpartner schlechthin für diese neue Generation von Designern, wenn es darum ging ihre neuen Ideen in eine neue Realität zu verwandeln – in die neuartigen Freischwinger aus Stahlrohr.

Nach der Übernahme von Marcel Breuers Möbelfirma Standard Möbel, 1929, hat sich Thonet an die ersten industriellen Verfahren zum Biegen von Stahlrohr gemacht. Nach einer anfänglichen Phase öffentlichen Misstrauens – man denke z.B. an die in How to live in Flat von W. Heath Robinson und K. R. G. Browne ausgerückten Vorstellungen – entwickelten sich Objekte wie Mart Stams Freischwinger S 43 und der Freischwinger S 33 oder Marcel Breuers Schreibtisch S 285 und die B 9 Satztische zum beliebten Klassiker. Oder besser gesagt, zum zeitlosen, beliebten Klassiker. Und festigten Thonets Stellung als einer der wichtigsten, innovativsten und glaubwürdigsten Möbelhersteller Europas.

Heute ruht sich das Unternehmen zum Glück nicht auf seinen Lorbeeren aus und durch die Zusammenarbeit mit jungen Designern wie Stefan Diez, Delphin Design oder Jehs+Laub ist Thonet auch heute noch einer von Europas größten Herstellern von Designermöbeln.

Sie mögen noch keine dritte Revolution ausgelöst haben, aber wir wollen nicht ausschließen, dass sie das noch tun werden…

Im Rahmen der Aktionswochen zum 5. Geburtstag vom (smow) Onlineshop gibt es bei allen Bestellungen von Thonet Möbeln einen Preisvorteil von 5% – nur zwischen Freitag, dem 25. bis Donnerstag, dem 31. Oktober 2013. Alle Informationen dazu gibt es auf smow.de.

Und wem es noch an Inspiration mangelt, sollte auf unserer Thonet Pinterest-Pinnwand fündig werden.

Auf Biegen und Brechen Michael Thonet

Biegen oder Brechen. Michael Thonet, der Vater aller Holzbieger.