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Orgatec Köln 2014: Vitra

25. November 2014

Im Vergleich zur jährlichen Möbelmesse IMM Cologne erscheinen einem die Flure und Hallen der Kölner Messe, bei der alle zwei Jahre stattfindenden Orgatec merkwürdig leer – jedenfalls bis man den Stand von Vitra und so die Besuchermengen erreicht.

Vitras fast schon natürliche Anziehungskraft hängt ohne Frage mit den hochkarätigen internationalen Designern zusammen, die für das Vitra Portfolio im Bürobereich verantwortlich sind. Im Jahr 2014 wurde dieses Programm u.a. durch neue Kollaborationen mit Konstantin Grcic und Antonio Citterio sowie einer Reedition einiger Arbeiten von Jean Prouvé erweitert.

Orgatec Cologne 2014 Vitra Konstantin Grcic Allstar office chair Hack table

Allstar Bürostuhl und Hack Tisch von Konstantin Grcic für Vitra, gesehen auf der Orgatec Köln 2014

Das allgemeine Thema der Präsentation von Vitra auf der Orgatec 2014 war “Workstyles”. In diesem Sinne wurde der Stand in eine Reihe von Workstyles unterteilt, die jeweils die Arbeit eines Designers repräsentieren. Das mediale Highlight war dabei ohne Frage der Hacker Workshop mit Konstantin Grcics Allstar Bürostuhl und seinem Hack Tisch. 

Bekanntermaßen arbeitete Grcic ja mit Jasper Morrison zusammen, bevor er sein eigenes Studio eröffnete, und es ist irgendwie passend, dass genau dann, wenn das Bröhan-Museum Berlin einige Arbeiten von Jasper Morrison aus den 1980er Jahren zeigt, Konstantin Grcic einen Stuhl lanciert, der an dieses Jahrzehnt erinnert.

Für Konstantin Grcic war die Intention des Stuhls einfach: “Ich wollte einen Bürostuhl entwickeln, der nicht der Typologie eines Bürostuhls entspricht”, erklärt er, “um von der Idee des Bürostuhls als Maschine wegzukommen und etwas zu kreieren, das eher einem Stuhl gleicht, also einem weniger anspruchsvollen Stuhl, der problemlos an unterschiedlichen Orten genutzt werden kann.”

Auf den ersten Blick hat Grcic das sicherlich erreicht, zumindest denkt man nicht gleich: “Oh, ein Bürostuhl!” Allerdings erinnert die kurvige Form an die ersten Bürostühle der 1840er Jahre und ist gewissermaßen von einer dünnen Schicht 1980er-Jahre-Staub bedeckt.

Sehr gut gelungen ist es Konstantin Grcic allerdings, die Technik zu verstecken. Der Allstar Bürostuhl hat eine höhenverstellbare Rückenlehne, eine flexible Sitzhöhe, lässt sich nach vorn und zurück neigen und ist drehbar. Und darauf würde man beim Anblick des Stuhls wirklich nicht kommen.

Darüber hinaus präsentiert Vitra Konstantin Grcics neues Hack Tisch Konzept, so wie vor zwei Jahren das Cork Desk Konzept von Ronan und Erwan Bouroullec. Allerdings können wir uns vorstellen, dass der Hack Tisch vor dem Cork Desk auf den Markt kommen wird, weil Hack wirklich ein neues Konzept und nicht bloß ein neues Produkt für den Büromöbelbereich ist. Zusammengeklappt nimmt der Tisch als in sich geschlossene Kiste wenig Platz ein, ausgepackt ist Hack ein höhenverstellbarer Tisch mit eigenen Raumteilerwänden. Als solches definiert Hack “flexibles” Büromobiliar neu, weil der Tisch nicht nur hinsichtlich des Gebrauchs im Büro, sondern auch in Sachen Transport und Lagerung flexibel ist. Das heißt mit Hack können völlig neue Nutzungskonzepte entstehen.

Beide, Allstar und Hack, sind natürlich Produkte, die sich in erster Line an einen jüngeren Markt, Startups und dergleichen richten. Konstantin Grcic sieht das jedoch nicht zwangsläufig so: “Ich denke die beiden sind Objekte, die ihren Platz in modernen Büros haben, ganz egal wie groß oder neu das Unternehmen ist. Das moderne Büro ist nicht mehr das, was es mal war, und unterliegt heutzutage nicht selten einem ständigen Wandel. Und dieser Fakt trifft nicht nur auf junge Firmen, sondern genauso auf etablierte Unternehmen zu.”

Orgatec Cologne 2014 Vitra Konstantin Grcic Allstar office chair Hack table

Allstar Bürostuhl und Hack Tisch von Konstantin Grcic für Vitra, gesehen auf der Orgatec Köln 2014

Sehr viel klassischer ist der Industrial Workshop mit der Präsentation einer Reihe von Jean Prouvé Reeditionen, von denen der Fauteuil Direction Pivotant Bürostuhl ohne Frage das Highlight ist. Der Stuhl, eine wirklich monströse Konstruktion, ist höhenverstellbar, verfügt über einen Kippmechansimus, der auf das Gewicht reagiert, und steht so in fast perfektem Kontrast zu Grcics Allstar. Wir behaupten nicht, der eine wäre besser als der andere, es handelt sich einfach um zwei sehr unterschiedliche Herangehensweisen.

Darüber hinaus umfasst die neue Prouvé Kollektion den Bureau Métallique Tisch, den Fauteuil Direction Besucherstuhl, die Petite Potence Wandleuchte und die Tischlampe Lampe de Bureau. Insbesondere Letztere ist ein wirklich großartiges Stück. Alles in allem eine gute Erinnerung daran, dass gutes Design und die einfachste Lösung häufig eins sind, und dass man, will man Objekte entwickeln, die auch noch für kommende Generationen relevant sein sollen, über handwerkliche Grundlagen und ein gutes Gespür für Maßstab und Proportion verfügen sollte.

Überlasst “Style” und “Trends” der Modeindustrie und konzentriert euch auf eure Arbeit!

Orgatec Cologne 2014 Vitra Jean Prouve Lampe de Bureau

Lampe de Bureau von Jean Prouvé durch Vitra, gesehen auf der Orgatec Köln 2014

Die dritte große Workstyle Installation namens Innovation Workstyle Atelier ist Ronan & Erwan Bouroullecs Workbay Familie gewidmet; kein neues Produkt, aber ein Konzept, das je nachdem was die Bouroullecs daran tun, immer weiter wächst. Ein solches System verfügt über eine immanente Logik und die Art und Weise, wie die Bouroullecs dieses System entwickeln, macht diese Logik nicht nur sichtbar, sondern auch die Argumente für andere Systeme zunichte.

Neben den Workstyle Installationen nutzt Vitra die Orgatec 2014 auch für die Präsentation der Charles und Ray Eames Soft Pad Chairs in neuen Farben, um den neuen Grand Executive Bürostuhl von Antonio Citterio – eine Arbeit, die aus seinem Grand Repos Lounge Chair entstanden ist – vorzustellen und den Super Fold Table, ein Café-Tisch, der mit einer Hand zusammengeklappt werden kann, des eingangs erwähnten Jasper Morrison zu zeigen.

Hier ein paar Eindrücke vom Vitra Stand auf der Orgatec 2014:

Alvar Aalto – Second Nature im Vitra Design Museum

05. November 2014

Wer den finnischen Architekten und Designer Alvar Aalto kennt, denkt sofort an die fließenden, freien Formen seiner Gebäude und seiner Formsperrholzmöbel. Die sind ohne Frage toll, aber viel mehr scheint es über ihn nicht zu sagen geben.

Trotzdem widmet Vitra Aalto derzeit eine Ausstellung und die Frage, was es dort wohl – Neues – zu sehen gibt, drängt sich uns förmlich auf. Also haben wir uns mal wieder auf den Weg nach Weil am Rhein gemacht und uns selbst davon überzeugt, dass sich ein Besuch der Ausstellung “Alvar Aalto – Second Nature” im Vitra Design Museum durchaus lohnt.

Alvar Aalto Second Nature Vitra Design Museum

Alvar Aalto - Second Nature im Vitra Design Museum. (Und vielleicht ein Vorschlag Aaltos für eine Erweiterung des Museums ...)

Der 1898 im finnischen Kuortane geborene Alvar Aalto begann 1916 mit einem Architekturstudium in Helsinki, das er 1921 abschloss, und gründete 1923 sein eigenes Architekturbüro in Jyväskyla. Im Jahr 1927 zog Alvar Aalto nach Turku, wo er die Bekanntschaft des örtlichen Fabrikanten Otto Korhonen machte – eine Freundschaft, die ausschlaggebend für die Entwicklung von Alvar Aaltos Karriere als Möbeldesigner werden sollte. Ein internationales Publikum erreichte Alvar Aalto erstmals 1932 mit seinem Paimio Krankenhaus, bevor dann ein Jahr später eine Ausstellung in London auch die weltweite Erfolgsgeschichte seiner Formsperrholzmöbel auslöste. Diese Ausstellung führte gewissermaßen auch zur Gründung der Firma Artek, die ab 1935 Aaltos Möbelentwürfe produzieren und vertreiben sollte. Es folgten über 300 weitere Architekturprojekte (realisierte und nicht realisierte), zahlreiche Möbel, Lampen und Glaswaren sowie verschiedenste Preise, Ausstellungen, Gastprofessuren usw. Alvar Aalto starb am 11. Mai 1976 in Helsinki.

So viel wissen wohl die meisten.

“Alvar Aalto – Second Nature” will daher einen Schritt weitergehen und den Besuchern einen neuen Alvar Aalto vorstellen. Mit den Worten des Ausstellungskurators Jochen Eisenbrand soll so die “etablierte Vorstellung von Alvar Aalto als einen Architekten, der tief mit der finnischen Landschaft verwurzelt war und dessen Formensprache sich von dort aus entwickelt habe, hinterfragt werden.” Wenn man so will also ein Alvar Aalto, dessen Formen nicht nur auf die finnischen Wälder zurückgehen. Zu diesem Zweck wurde die Ausstellung in vier Abschnitte unterteilt – mit einer ziemlich holprigen thematisch-chronologischen Struktur.

Die Ausstellung beginnt mit einem Überblick über Alvar Aaltos früheste Architekturarbeiten, darunter das Bibliotheksgebäude in Vyborg, die Kirche in Muurame und das Gebäude der landwirtschaftlichen Genossenschaft in Turku, und endet mit dem Paimio Krankenhaus, also dem Projekt, das ganz offiziell Aaltos Übergang von eher historischen Architekturgenres zur europäischen Moderne und dem europäischen Funktionalismus markiert. Dieser Übergang wird in der Literatur häufig als ein sehr plötzlicher Schritt beschrieben. Wie plötzlich war er aber tatsächlich und was führte zu dieser Wandlung?

“Plötzlich’ ist natürlich eine Frage der Definition”, so Jochen Eisenbrand, “blickt man zurück, wird deutlich, dass sich diese Veränderung innerhalb relativ kurzer Zeit vollzogen hat. Für mich bilden Aaltos Reisen hier den Hintergrund. 1928 beispielsweise unternahm Aalto seine erste Europareise, im Jahr 1929 nahm er am CIAM Kongress in Frankfurt Teil, auf dem er viele der führenden modernen Architekten traf – diese Erfahrungen und Begegnungen beeinflussten seine Architektur. Zur gleichen Zeit entwickelte sich aber auch in Skandinavien eine moderne Bewegung. Aalto war zum Beispiel mit den Organisatoren der Ausstellung von 1930 in Stockholm befreundet, der ersten Manifestation der Moderne in Schweden, und verfolgte die Vorbereitungen zu dieser Veranstaltung sehr genau. Es gab also einen Prozess über einige Jahre, der von verschiedenen Ereignissen bestimmt war. Und wenn man beispielsweise seine Kirchenprojekte aus dieser Zeit studiert und die frühen Skizzen mit den späteren vergleicht, wird ganz deutlich, wie sich das Design der Kirchen sukzessive vom nordischen Klassizismus hin zu einer sehr viel reduzierteren, modernen und abstrakten Formensprache entwickelte.”

Einen weiteren Einfluss auf diesen Transformationsprozess und auch auf Aaltos Entwicklung während der darauffolgenden Jahrzehnte findet man im zweiten Ausstellungsraum. Dort geht es um Alvar Aaltos Beziehung zur zeitgenössischen Kunst der 1920er und 30er Jahre und wie diese seine Arbeit und sein Verständnis von Begriffen wie Raum, Licht, Volumen und Form beeinflusste. Dieses Verständnis entwickelte Aalto allerdings schon durch seine Untersuchung einer “multisensorischen” Architektur, wie sie im ersten Raum dokumentiert wird. In diesem Zusammenhang bezeichnete sich Aalto später auch einmal als ein Dirigent der Architektur, der die zahlreichen Aspekte koordiniert, die ein Gebäude zu einer einheitlichen Komposition werden lassen – ebenso wie ein Dirigent ein Orchester leitet.

Dieser Aspekt Alvar Aaltos und seine Entwicklung wird einerseits im Zusammenhang mit Künstlern präsentiert, mit denen Aalto bekannt war, beispielsweise Alexander Calder oder Jean Arp, aber auch anhand zweier Architekturprojekte, die Aalto während dieser Jahrzehnte beendete, die Villa Mairea und das Maison Louis Carré. Beide Gebäude wurden für Sammler zeitgenössischer Kunst entwickelt und so auch mit Ausstellungsräumen für die Sammlungen konzipiert.

Alvar Aalto Second Nature Vitra Design Museum

Alvar Aalto - Second Nature im Vitra Design Museum

Mit eher klassischem Ausstellungsdesign steht “Second Nature” in einem erfreulichen Kontrast zum anspruchsvolleren experimentellen Ausstellungskonzept von “Konstantin Grcic – Panorama”. Das heißt im dritten Raum werden Aaltos Möbel- und Glasdesigns überwiegend auf weißen Blöcken präsentiert. Eine kuratorische Sünde, die man beim Anblick der ausgestellten Objekte allerdings schnell vergibt.

Neben den bewährten Aalto Klassikern, wie dem Hocker 60, dem Servierwagen 900 oder dem Sessel Paimio, sind auch faszinierende weniger bekannte Stücke zu sehen; darunter der sogenannte Stuhl 26, ein Stuhl aus Stahlrohr und Formsperrholz für Paimio, und, am beeindruckendsten von allen Ausstellungsstücken, der Paimio Drehstuhl, ein wirklich verführerisches Objekt, das zudem eine unmittelbare und nicht zu ignorierende Ähnlichkeit mit Konstantin Grcics Rival Chair für Artek aufweist. Wir wollen damit gar nichts sagen, ist nur ein Vergleich …

Neben den fragwürdigen weißen Blöcken fanden wir auch die kuratorische Entscheidung, Altos Möbel und Lampen getrennt von der Architektur zu präsentieren, etwas kurios. Aaltos Möbel entstanden fast immer im Zusammenhang mit Architekturaufträgen, jedenfalls während der frühen Jahre, und so hätte es wohl auch mehr Sinn gemacht beides zusammen auszustellen. “Wir haben lange über diesen Punkt nachgedacht”, gesteht Jochen Eisenbrand, “aber schließlich entschieden wir, dass es im Kontext unserer Ausstellung wichtiger ist, das Serielle der Produktion zu betonen – Aaltos Möbel waren auch Produkte, die für ein Massenpublikum und die Serienproduktion geplant wurden. Dieser Punkt ist wichtig gerade im Hinblick auf den Einfluss der angewandten Kunst auf Aaltos Schaffen, den Kunsteinflüssen also, die Aalto halfen sich als Architekt und Designer weiterzuentwickeln.”

Das Obergeschoss wird schließlich dem Bereich der Ausstellung überlassen, der einen Blick auf Alvar Aaltos spätere Architekturprojekte wirft, vor allem auf diejenigen, die in Übersee realisiert wurden oder zumindest dafür geplant waren; darunter das Kulturzentrum Wolfburg, die Baker House Studentenwohnungen am MIT Cambridge, Massachusetts und sein Design für ein neues Kunstmuseum in Bagdad von 1957.

Im September 2013 kaufte Vitra den Hersteller Artek. Im Oktober 2014 präsentiert das Vitra Design Museum eine Alvar Aalto Ausstellung. Alles nur ein glücklicher Zufall? Mit etwas schiefem Lächeln meint Mateo Kries, Chefkurator des Vitra Design Museums, dazu: “Wie jeder sehen wird, hat die Organisation der Ausstellung länger als ein Jahr gedauert. Tatsächlich haben wir die Ausstellung während der letzten drei Jahre vorbereitet. Dass Vitra in dieser Zeit Artek übernommen hat, ist reiner Zufall.” Wir müssen auch sagen, dass die Ausstellung unseren “Thonet-Test” bestanden hat. Den haben wir im Zusammenhang mit der jüngsten Ausstellung, “Sitzen – Liegen – Schaukeln. Möbel von Thonet” im Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig entwickelt. Geprüft wird dabei, ob kommerzielle Interessen Einfluss auf den Inhalt einer musealen Ausstellung genommen haben. “Second Nature” ist jedenfalls in keiner Hinsicht als Werbeveranstaltung für Artek oder Iittala, die Firma produziert Aaltos Glasdesigns, zu verstehen. Beide Unternehmen werden natürlich erwähnt, alles andere wäre albern, aber die Ausstellung befasst sich ganz klar mit Alvar Aalto und nicht mit denen, die heute seine Möbeldesigns vermarkten.

Alvar Aalto Second Nature Vitra Design Museum furniture

Alvar Aaltos Möbel bei Alvar Aalto - Second Nature, Vitra Design Museum

Mit ungefähr 20 Architekturmodellen, 50 Originalskizzen, 60 Lampen bzw. Möbeldesigns sowie Briefen, Postern, Magazinen, Fotografien und ähnlichem Material ist “Second Nature” nicht bezüglich der Objekte, aber in Bezug auf den Umfang und die Tiefe der Informationen wohl die ausführlichste Ausstellung, die man jemals über Alvar Aalto zu sehen bekommen wird.

Eine sehr wichtige Komponente sind diesbezüglich Armin Linkes Fotografien von Alvar Aaltos Gebäuden bzw. das Zusammenspiel der Fotografien mit den ausgestellten Objekten. Die speziell für die Ausstellung in Auftrag gegebenen Arbeiten fokussieren, ähnlich wie die Fotografien Ola Kolehmainens, eher Details der Gebäude und ihren Kontext, als dass sie Aaltos Konstruktionen zu unberührbaren Monumenten stilisieren. Folglich sind Armin Linkes Bilder eine einmalige Bereicherung für Alvar Aaltos Architektur, und das gelingt ihnen auf sehr einfache und zugängliche Weise. So öffnet sich die Ausstellung durch die Fotografien, die zudem sehr zum Vergnügen beitragen.

Mit den Fotografien, Kunstwerken und den Referenzen auf die Kunst kann “Alvar Aalto – Second Nature” ganz klar als weitaus mehr als eine “simple” Designausstellung gesehen werden. Das erklärt vielleicht auch, warum es der Ausstellung gelingt ein so interessantes und einnehmendes Portrait Alvar Aaltos zu zeichnen. Mateo Kries sieht es folgendermaßen: “Ich denke, dass eine Kombination von Architektur und Designausstellung mit Kunstelementen vor beispielsweise 10 Jahren nicht möglich gewesen wäre, allerdings kommen sich Reflexionen und Gedanken über Kunst, Design und Architektur heute näher, und das erlaubt uns jetzt jemanden wie Alvar Aalto in seiner ganzen Reichweite unter die Lupe zu nehmen.” Bedeutet das eine Erweiterung des Aufgabenbereiches des Vitra Design Museums? Vor allem wenn man “Second Nature” im Kontext der “Pop Art Design”-Ausstellung im Jahr 2012 betrachtet. “Nein, nein”, antwortet Mateo Kries kategorisch. “Wir sind ein Designmuseum und nehmen diese Tatsache sehr Ernst, das bedeutet aber eben auch, dass wir uns verpflichtet fühlen, beispielsweise die Einflüsse der Kunst zu zeigen oder auf den Dialog zwischen Architektur und Urbanismus einzugehen. Ich denke, es wird für unsere Besucher interessanter, wenn sie etwas über solche Zusammenhänge erfahren und ich hoffe, dass wir in Zukunft weiter daran arbeiten können, wie wir Design und Designausstellungen präsentieren.”

Alvar Aalto Second Nature Vitra Design Museum

Alvar Aalto - Second Nature im Vitra Design Museum

Jeder kennt den finnischen Architekten und Designer Alvar Aalto. Aber kennt man die Möbel für die Muurame Kirche von 1928, seine experimentellen Designs für Kinosäle, die auf Avantgarde Filme abzielten? Sind einem Aaltos Pläne für das Büro der Turun Sanomat Zeitung in Turku bekannt, zu denen auch gehörte, dass die Titelseite jeden Tag an die Fassade projiziert werden sollte? Kennt man den Paimio Drehstuhl?

Der Besuch von “Alvar Aalto – Second Nature” macht deutlich, wie wenig wir doch über Alvar Aalto wissen und wie viel von ihm durch die gängigen, bequemen Einordnungen und Zuschreibungen verschleiert wird. “Second Nature” liefert einen neuen Eindruck von Alvar Aalto. Die Ausstellung geht über die populären Bilder hinaus, zeigt neue Facetten Alvar Aaltos und seiner Arbeit und bekräftigt den Besucher sich weiter in das Thema zu vertiefen. Alles, was einem vorher schon bekannt ist, wird ergänzt, erweitert und vertieft durch vieles, was man vorher nicht gewusst oder gesehen hat. Doch wie wir es uns schon gedacht hatten, fehlte die Geschichte vom Treffen Alvar Aaltos mit George Nelson in Cambridge Massachusetts 1948.

Alles andere kann und sollte man im Vitra Design Museum erfahren.

“Alvar Aalto – Second Nature” ist bis Sonntag, den 1. März 2015, im Vitra Design Museum, Charles-Eames-Straße 2, 79576 Weil am Rhein zu sehen.

 

 

 

Architektur Design Industrie – Vitra Campus. Ein Jubiläum im Aedes am Pfefferberg, Berlin

15. September 2014

Die Auswirkungen der kulturellen und politischen Umwälzungen des Jahres 1989 sind noch heute spürbar. Damals fiel die Berliner Mauer, George Bush wurde als 41. Präsident der USA vereidigt, Nirvana veröffentlichten ihr drittes Album “Bleach”, in Schottland wurde die Kopfsteuer eingeführt und die erste Folge der Simpsons wurde ausgestrahlt. Und, um auf den Punkt unserer Einleitung zu kommen, 1989 wurde auch das Vitra Design Museum in Weil am Rhein eröffnet. Ein Museum, das nicht nur zahlreiche von den Kritikern gefeierte Ausstellungen zu Design und Popkultur hervorgebracht hat, sondern das auch den eigentlichen Ausgangspunkt des Vitra Campus markiert. So steht das Vitra Design Museum auch für den Übergang der Firma Vitra vom reinen Möbelhersteller zum Kurator von zeitgenössischer Architektur und aktuellem Design.

Im November 2013 brachte Vitra anlässlich des bevorstehenden Geburtstages die Publikation “Vitra Campus – Architektur Design Industrie” heraus. Mehr oder weniger auf Grundlage dieses Buches entstand eine Ausstellung, die derzeit im Architekturforum Aedes am Pfefferberg gezeigt wird.

Vitra Campus Architektur Design Industrie Aedes Am Pfefferberg Berlin

Architektur Design Industrie - Vitra Campus. Ein Jubiläum bei Aedes am Pfefferberg, Berlin

“Architektur Design Industrie” wurde von Aedes konzipiert und von Chris Rehberger designt. Rehberger ist Mitarbeiter der Berliner Agentur Double Standards und auch für das Design des zugrundeliegenden Buches verantwortlich. Die Ausstellung präsentiert einen kompakten Überblick über die Objekte und Gebäude auf dem Vitra Campus sowie Videointerviews mit den verantwortlichen Architekten und Kataloge ausgewählter Ausstellungen im Vitra Design Museum. Besonders akademisch, technisch oder übermäßig kritisch ist die Ausstellung beim besten Willen nicht. Vielmehr handelt es sich um eine sehr zugängliche, klar designte offene Präsentation, die einerseits die nötigen Hintergrundinformationen bietet, um zu verstehen, was der Vitra Campus überhaupt ist, und zum anderen auch detaillierte Informationen für alle liefert, die mehr darüber wissen wollen.

Dem bisherigen Vitra Chef Rolf Fehlbaum zufolge wuchs der Vitra Campus sehr organisch ohne einen langfristigen Masterplan. Nach dem berüchtigten Feuer von 1981, das die ursprüngliche Vitra Produktionshalle in Weil am Rhein zerstörte, beschloss Fehlbaum das Gelände in Zusammenarbeit mit zunächst nur einem Architekten, und zwar Nicholas Grimshaw, neu zu gestalten. Nachdem er allerdings Frank Gehry kennengelernt und ihn mit dem Bau des Vitra Design Museums sowie einer Produktionshalle beauftragt hatte, sah er sich mit einer schwierigen Situation konfrontiert.

Gehrys Produktionshalle und Grimshaws Produktionshalle standen ganz nah beieinander, glichen sich auch in Sachen Größe, Preis und Funktion, sahen aber ansonsten absolut unterschiedlich aus. So traten die unterschiedlichen Möglichkeiten der Architektur auf einfache Weise offen zu Tage und inspirierten Fehlbaum zu einem Vorhaben, das die unterschiedlichen Gebäuden von Zaha Hadid, Álvaro Siza, Renzo Piano und vielen anderen zur Folge hatte. Mit dem Auftrag für die Skulptur “Balancing Tools” von Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen im Jahr 1984 erhielt der Vitra Campus dann sein erstes Kunstwerk, das außerhalb des Produktionsbereiches platziert wurde und so als erstes Objekt auch öffentlich zugänglich war. Nach der Eröffnung von Gehrys Museumsbau wurde der “öffentliche” Bereich erstmals 1993 wieder mit Tadao Andos Konferenzpavillon und später durch Herzog & de Meurons VitraHaus erweitert. So entstand der aktuelle Mix aus öffentlichen und industriellen Räumen. Ein Mischung, die auf wunderbare Weise durch die zwei jüngsten Neuheiten weitergeführt wurde – die SANAA Produktionshalle, eine saubere, funktionale, wenn nicht gar monumentale Konstruktion, und den Vitra Rutschturm.

Vitra Campus Architektur Design Industrie Aedes Am Pfefferberg Berlin

Architektur Design Industrie - Vitra Campus. Ein Jubiläum bei Aedes am Pfefferberg, Berlin

Ausgehend von einer Diskussion zwischen Aedes und dem Vitra Design Museum ist die Entscheidung, die Ausstellung “Architektur Design Industrie” im Aedes Berlin zu zeigen, sehr passend, da Aedes schon 1989 die erste Monografie zu Frank Gehrys damals brandneuem Vitra Design Museum veröffentlicht hat. Der passende Ort also für die “Geburtstagsausstellung”, wenn man so will.

Dem Chefkurator des Vitra Design Museums Mateo Kries zufolge ist “Architektur Design Industrie” vorerst nur als einmalige Präsentation im Aedes angedacht. Allerdings ist es nicht nur ziemlich sicher, sondern fast schon garantiert, dass der Erfolg aus der Ausstellung eine Wanderausstellung machen wird. Nicht zuletzt weil sie sich in Sachen Form und Inhalt doch auch perfekt als Ausstellung für die Räume von Vitras Flagship Stores und Händler-Netzwerk eignet.

Wir nehmen der zwangsläufigen und augenscheinlichen Frage die Antwort vorweg: Ja, zuweilen sieht die Ausstellung wie eine Verkaufsmasche von Vitra und, angesichts der Beleuchtung, von Artek aus. Es wäre allerdings auch komisch gewesen, alle kommerziellen Bezüge zu Vitra wegzulassen, sie machen Vitra schließlich auch aus. Vitra Campus und Vitra Design Museum sind ausgehend vom Möbelhersteller Vitra entstanden, insofern wäre es irgendwie verdreht den Ausstellungsraum mit anderen Möbeln als denen des Herstellers zu füllen.

OK, die Stühle aus der Miniaturen Kollektion des Vitra Design Museums, die auch ausgestellt sind, sind etwas unnötig, zumal ausschließlich Vitra Miniaturen gezeigt werden, obwohl die Miniaturenkollektion eigentlich wunderbar unabhängig und demokratisch auf die gesamte Geschichte des Möbeldesigns eingeht. Auch den “Vitra Home Collection”-Katalog auf dem Haupttisch hätte man weglassen können – der wirkte aufdringlich und hatte mit dem eigentlichen Thema nun wirklich nichts zu tun.

Abgesehen davon dreht sich die Ausstellung dezidiert um den Vitra Campus und das Vitra Design Museum.

Eine etwas grundsätzlichere Kritik an der Ausstellung wäre, dass die Texte ausschließlich auf deutsch sind. Wir verstehen schon warum, denken aber trotzdem, dass die Ausstellung so sehr begrenzt wird. Irgendeine Form von Übersetzung wäre einfach gut gewesen. Vor allem in einer so globalen Stadt wie Berlin, in der Deutsch in vielen Bereichen die inoffizielle zweite Amtssprache ist.

Lässt man diese Kritik mal beiseite, bleibt “Architektur Design Industrie” eine fesselnde Einführung zu einem wirklich faszinierenden Ort.

“Architektur Design Industrie – Vitra Campus. Ein Jubiläum” ist bis Sonntag, den 28. September, im Architekturforum Aedes am Pfefferberg, Christinenstrasse 18-19, 10119 Berlin zu sehen.

Weitere Details sind unter www.aedes-src.de zu finden.

Konstantin Grcic – Panorama @ Vitra Design Museum

29. Juli 2014

Eines der ersten Telefonate, das Mateo Kries und Marc Zehnter, nachdem sie 2011 die Leitung des Vitra Design Museums übernommen haben, geführt haben, ging an Konstantin Grcic. Es ging dabei um die Möglichkeit einer Ausstellung. Grcic war grundsätzlich offen für die Idee, wollte allerdings keine “statische Ausstellung, die seine Arbeit in der Zeit einfrieren würde, sondern etwas dynamisches.”

Aus diesem “etwas dynamischem” wurde die Ausstellung “Konstantin Grcic – Panorama”, die im Vitra Design Museum in Weil am Rhein, am 21. März 2014 eröffnet wurde.

Konstantin Grcic Panorama Vitra Design Museum Netscape Swings

Die interaktive Installation Netscape von Konstantin Grcic vor dem Vitra Design Museum, Weil am Rhein

Panorama präsentiert in vier thematischen Abschnitten ungefähr 200 Objekte und umfasst eigentlich zwei Ausstellungen in einer. Der erste Teil im Untergeschoss des Museums behandelt Designthemen, die für Konstantin Grcic von besonderer Bedeutung sind, und seiner Meinung nach für uns alle bedeutend sein sollten.

Die Ausstellung wird dabei mit “Life Space”, einem Ausblick auf Konstantin Grcics Überlegungen zu zukünftigen Wohnsituationen, eröffnet, bevor im Abschnitt “Work Space” eine Erforschung von Konstantin Grcics Arbeitsprozess erfolgt. Dieser Punkt behandelt wiederum einerseits eine Diskussion zum Designprozess ganz allgemein und befasst sich andererseits mit der Zukunft urbaner Räume.

Im Obergeschoss befindet sich der mit “Object Space” betitelte zweite Hauptteil der Ausstellung, der detailliert auf Grcics Oeuvre eingeht. Es werden exemplarisch unterschiedliche Arbeiten von Grcic gezeigt, darunter Produkte für so unterschiedliche Hersteller wie Moormann, Magis, ClassiCon und Flos sowie Objekte, die in Kooperationen mit Galerien entstanden sind, und Projekte, die ohne Grcics Münchner Studio wohl niemals zustande gekommen wären. Zudem werden die Arbeiten anderen Objekten gegenübergestellt, die für Konstantin Grcic eine bestimmte Rolle spielen, die ihn z.B. für seine eigenen Arbeiten inspiriert haben.

Die Aufteilung der Ausstellung ist dabei nicht nur eine räumliche und konzeptuelle, sie gibt auch stilistisch unterschiedliche Richtungen vor. Getreu Grcics Motto, “meine Designs geben sich nicht sofort zu erkennen”, ist der Besucher in den ersten drei Abschnitten eher gefordert, eigene Antworten auf die thematisierten Fragestellungen zu finden. Der letzte Abschnitt ist hingegen ganz museale, trockene und oberflächliche Präsentation. So sprechen auch beide, Konstantin Grcic und der Chefkurator des Vitra Design Museums Mateo Kries, vom vierten Abschnitt als einer Ausstellung in der Ausstellung, die sie absichtlich so eingängig und anspruchslos konzipiert haben.

Irgendwie wirkt das auf uns ziemlich ironisch.

Alles in allem ist die Ausstellung eine wunderbare, klar strukturierte Präsentation, die einiges über Konstantin Grcic und seine Art zu arbeiten zu berichten weiß, die wir allerdings, um ehrlich zu sein, nicht wirklich ernst nehmen können – ein Umstand, den wir jedoch absolut gutheißen.

Konstantin Grcic Panorama Vitra Design Museum Object Space

Der Abschnitt Object Space, Konstantin Grcic - Panorama im Vitra Design Museum

Wie schon bei der Ausstellung “Lightopia” war der Platzmangel im Vitra Design Museum für uns das größte Problem. Zwar hält Konstantin Grcic Frank Gehrys Gebäude für eine Herausforderung – es habe Charakter mit seinen groben Ecken – es besteht allerdings auch kein Zweifel an der Tatsache, dass ein Charakteristikum des Vitra Design Museums der Platzmangel ist.

Für die konservativen Ausstellungsformate, wie auch den zweiten Ausstellungsteil “Object Space” mag der Platz ausreichen, ein ambitioniertes Projekt in der Größenordnung von “Panorama” benötigt jedoch eigentlich mehr Raum.

Jeder der vier Abschnitte hätte für sich genommen eine komplette Ausstellung werden können. Wir haben zwar schon Ausstellungen in sehr viel kleineren Räumlichkeiten gesehen, bei “Panorama” hat man aber, auch wenn der Umfang während der Ausstellungsplanung sicher bereits eingegrenzt wurde, ein explizit eingeengtes und unwillkommenes Gefühl. Als wünschten sich alle, man würde doch nur einen Text über die Ausstellung lesen, anstatt den Raum mit seiner Anwesenheit zu überfüllen.

Der Abschnitt “Life Space” beispielsweise hätte eindeutig so präsentiert werden müssen, dass man herumlaufen, alles untersuchen, anfassen und sich auf die Stühle setzen kann, anstatt sich die Ausstellung aus der Distanz von einer der komfortablen Bench B Bänke anzuschauen. Hingegen hätte “Work Space” gewissermaßen Platz zum arbeiten benötigt – die Anordnung  erinnert eher an ein Lager als an eine Werkstatt – eher einschläfernd als dynamisch. Und das liegt nicht daran, dass den Kuratoren keine bessere Lösung eingefallen wäre, der Platzmangel bot einfach keine bessere Möglichkeit, all die Themen unterzubringen.

All das sollte aber nicht für eine Kritik an der Ausstellung selbst gehalten werden!

“Panorama” ist keine Ausstellung, die Konstantin Grcics Arbeit grundsätzlich erklärt. Grcic selbst vielleicht schon, aber nicht seine Arbeit. Allerdings soll das auch gar nicht der Schwerpunkt sein. Die Ausstellung handelt weniger von Konstantin Grcics Arbeit als von ganz grundsätzlichen Fragen zum aktuellen Design und zeitgenössischen Designern.

Konstantin Grcic ist dabei lediglich der Kanal.

Der Begriff “Design” wird heute ziemlich inflationär gebraucht. Es gibt immer mehr “Design”, weil immer mehr Aspekte unseres Lebens als “Design” verstanden, präsentiert und verkauft werden. Folglich sind der Begriff “Design” und die Aufgabe des “Designers” unklar, verworren, widersprüchlich und letztlich bedeutungslos geworden. “Panorama” fokussiert, was Design wirklich ist bzw. was zeitgenössisches Design sein sollte.

Was ist wirklich wichtig für die Wohnräume der Zukunft? Wie können neue Technologien am besten integriert, statt einfach nur angewendet werden? Welche Formen werden neue Technologien ermöglichen? Welche wären wünschenswert und welche sind sinnvoll? Was bedeutet es heute an einem Ort zu “leben”? Was ist Arbeit? Sind wir bereit unsere Privatsphäre für den häuslichen Komfort zu opfern? Wie kann uns Design helfen zu erreichen, was wir wollen und was wir benötigen? Welche Verantwortung haben die Designer innerhalb solcher Prozesse?

Solche Fragen werden auf Schautafeln thematisiert und von Artikeln sowie wissenschaftlichen Arbeiten begleitet, die sich mit verwandten sozialen, kulturellen und ökonomischen Problemen befassen: Können Wüsten die Erde mit Strom versorgen? Ist eine Welt ohne Unternehmen und Fabriken vorstellbar? Was sind die Vorteile des Häuser-Besetzens? …

Die Ausstellung geht weder an einer Stelle sonderlich in die Tiefe noch streift sie alle Probleme des zeitgenössischen Designs oder wirft komplett neue Fragen auf – das ist aber auch nicht das Ziel. “Panorama” ist eine Ausstellung von Konstatin Grcic über Konstantin Grcic bzw. Dinge, die für ihn wichtig sind und über die nachzudenken er anregen will. Diesem Anliegen folgt “Panorama” auf sehr effektive Weise, mit einfachen Mitteln und in einer zugänglichen, aber fordernden Art.

“Panorama” macht dabei absolut deutlich, dass in Zukunft jeder von uns seinen persönlichen Anteil an einer kollektiven Verantwortung akzeptieren werden muss. Verantwortung kann man jedoch erst übernehmen, wenn man seine Umwelt versteht und zu schätzen weiß. Das wird besonders im Abschnitt “Public Space” deutlich, der im größten Raum des Vitra Design Museums präsentiert wird und den eine 30 Meter lange und 4,4 Meter hohe Fantasie-Stadtansicht des Londoner Künstlers Neil Campbell Ross dominiert. Vor dieser Stadtlandschaft sind einige Chair Ones auf  Betonsockeln und Gricics experimentelles Projekt “Landen” von 2007 zu sehen. Dazu kommt ein Zaun, von dem wir dachten, er wäre nur zu Dekorationszwecken installiert, der aber gewissermaßen eine 3D-Erweiterung des Gemäldes ist. Der eigentliche Gedanke dahinter ist allerdings ein ziemlich deprimierendes Klischee. Insofern ignorieren wir den Zaun mal.

Der Fokus des Raumes liegt ohnehin auf der Stadtansicht und den dadurch aufgeworfenen Fragen zum Stand der urbanen Umwelt und ihren Entwicklungen. Auf den Schautafeln wirft Grcic beispielsweise Fragen nach den Besitzverhältnissen urbaner Räume, der Notwendigkeit humaner urbaner Lebensformen und der zukünftigen Fortbewegung in Städten auf. Was erwarten wir von den Städten der Zukunft? Letztendlich haben die Antworten, die jeder für sich auf diese Fragen findet, Auswirkungen auf den Charakter unserer Städte und bestimmen, ob wir in einer Zukunft leben werden, die wir uns gewünscht haben. Wollen wir solche Entscheidungen wirklich Designern überlassen? Wer bezahlt eigentlich Designer?

Konstantin Grcic Panorama Vitra Design Museum Life Space

Life Space. Konstantin Grcic - Panorama, Vitra Design Museum

Konzeptuelle Ausstellungen wie “Panorama” laufen immer Gefahr zum intellektuellen Steckenpferd der Organisatoren zu werden. Die Kuratoren betreiben eine endlose Nabelschau und entwickeln ein großes Konzept aus den edelsten Theorien, gespickt mit Doktrinen und Ideologien, die Massen strömen hinzu und zeigen sich überwältigt vom Glanz des Spektakels. Aber am Ende bleibt nur ein enormer narzisstischer Pomp.

“Panorama” entkommt diesem Schicksal, indem vermieden wird alle Fragen zu beantworten, geschweige denn eine Vision der Zukunft zu präsentieren. Das bleibt Aufgabe der Besucher. “Ich hoffe”, so Grcic, “die Besucher verstehen die Ausstellung als Ausgangspunkt für eine Diskussion und denken darüber nach, was ihnen gezeigt wurde. Und entscheiden dann ob sie mit unseren Anschauungen einverstanden sind oder nicht.”

All das bedeutet natürlich, dass “Konstantin Grcic – Panorama” nichts für einen faulen, verkaterten Sonntagnachmittag ist – jedenfalls nicht die ersten drei Abschnitte. Aber mal ganz im Ernst, wenn man irgendetwas aus dieser Ausstellung mitnehmen möchte, sollte man Zeit und etwas Geistesanstrengung investieren.

Die Ausstellung läuft bis September – also keine faulen Ausreden.

“Konstantin Grcic – Panorama” ist bis Sonntag, den 14. September 2014, im Vitra Design Museum, Charles Eames Strasse 2, 79576 Weil am Rhein zu sehen. Alle Details, wie Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Informationen zum Begleitprogramm sind unter www.design-museum.de zu finden.

Der Vitra Campus wird erweitert: Vitra Rutschturm und Álvaro-Siza-Weg eröffnet

18. Juli 2014

Im Jahr 2011 haben wir uns über den Zaun beschwert, der den Vitra Campus in Weil am Rhein durchkreuzt und daraufhin einen kleinen Aufruf an Vitras Vorsitzenden Rolf Fehlbaum veröffentlicht: “Herr Fehlbaum, reißen Sie diese Mauer ein!”, forderten wir und schlugen vor, “Oder verschieben sie den Zaun zumindest ein Stück.”

Rolf Fehlbaum hat tatsächlich reagiert, der Zaun wurde ein Stück verschoben. Danke!

Allerdings hat der weise Rolf Fehlbaum gleich etwas weiter gedacht und die Gunst der Stunde genutzt, und vom portugiesischen Architekten Álvaro Siza einen Weg zwischen VitraHaus und Zaha Hadids Feuerwehrhaus entwerfen lassen. Vor allem aber hat er den gewonnenen Platz für eine Installation von Künstler Carsten Höller genutzt. Versöhnlicherweise steht da, wo früher ein hässlicher Zaun die Sicht versperrt hat, jetzt ein Aussichtsturm – genauer der Vitra Rutschturm. Und der macht seinem Namen wirklich alle Ehre.

Vitra Campus Vitra Slide Tower

Der Zaun ist weg! Im Hintergrund der dafür entstandene Vitra Rutschturm

Die Entscheidung Álvaro Siza für die Gestaltung des neuen Weges anzufragen, fiel laut Fehlbaum nicht zufällig, sondern hing mit früheren Landschaftsprojekten Sizas, wie dem Swimmingpool Komplex in Leca da Palmeira und dem Museum für zeitgenössische Kunst in Santiago de Compostela, zusammen.

Der ungefähr 500 Meter lange, kurvenreiche Weg in die westliche Ecke des Vitra Campus ist gesäumt von Hainbuchenhecken. Die geordnete Reihe öffnet sich gelegentlich hin zu grünen Plätzen und gibt den Blick auf den Vitra Campus sowie Sitzbereiche mit Granitbänken frei. Der Álvaro-Siza-Weg kreuzt dabei Renzo Pianos Diogene und den neuen Vitra Rutschturm, bevor er durch eine schmale Lücke in einer Stein- und Granitmauer führt, von der aus man schließlich freie Sicht auf das Feuerwehrhaus hat.

Es handelt sich also tatsächlich nur um einen Weg – eine Strecke, die A mit B verbindet. Und die Frage, warum man dafür einen Pritzker-Preisträger engagiert, ist durchaus berechtigt.

Nun ja…

Álvaro Siza hat natürlich nicht einfach nur einen “Weg” entworfen. Auf einem einfachen Weg geht man entlang, als wäre es eine lästige Pflicht, die man erfüllen muss, um sein Ziel zu erreichen. Bei Sizas Weg sollte man gerade diese Orientierung auf das Ziel mal hinten anstellen und sich stattdessen auf seine Umgebung einlassen. Den Weg das Ziel sein lassen. Was man auf diese Weise entdecken wird, ist, dass sich Architektur und Natur nicht mühelos miteinander verbinden, sondern in Konkurrenz zueinander stehen. Natur und Architektur müssen ihre Position jeweils gegeneinander behaupten – und zeigen sich dadurch von ihrer besonders charmanten Seite.

Vitra Campus Vitra Slide Tower

Der Blick vom Vitra Rutschturm

Im Gegensatz dazu fügt sich Carsten Höllers Vitra Rutschturm ganz ohne jede Anstrengung in das Ensemble des Vitra Campus ein. Mit seinen ungefähr dreißig Metern Höhe ist er keine sonderlich attraktive Konstruktion und versprüht in ästhetischer Hinsicht ungefähr den Charme eines Strommastens. Allerdings strahlt der Rutschturm dabei eine gewisse Mischung aus Trash und amerikanischer 50er-Jahre-Nostalgie aus. Wir würden nicht gleich vom neuen Las Vegas in Weil am Rhein sprechen, aber wenn nachts die riesige, sich drehende Uhr leuchtet, hat der Rutschturm etwas zufriedenstellend Kitschiges. Ungefähr wie das erste Album der Manic Street Preachers… Wahrscheinlich sollte uns der Rutschturm eher an russische konstruktivistische Architektur wie den Tatlin-Turm erinnern, was er in gewisser Weise auch tut, aber vor allem…

Die äußere Erscheinung des Turms ist letztendlich aber auch zweitrangig. Was zählt, ist die Funktion. Die Idee zum Turm wurde durch Rolf Fehlbaum angestoßen, der darüber nachdachte, wie sich mehr Kunst auf dem Vitra Campus integrieren ließe. Ein Skulpturengarten missfiel ihm und schließlich schlug ihm die Kuratorin Theodora Vischer vor, bei Carsten Höller anzufragen. Von Carsten Höllers Ideen begeisterte Rolf Fehlbaum das Konzept eines Turms mit Rutsche am meisten, da die Installation zwar ein Kunstwerk ist, dabei aber architektonische und spielerische Elemente miteinbezieht. Und da schon Charles Eames dazu riet, “unser Vergnügen ernst zu nehmen”… Die 38 Meter lange mit Plexiglas überdachte Rutsche macht’s möglich! Und von der Aussichtsplattform aus lässt sich ganz in Ruhe das herrliche Panorama von Weil am Rhein, Basel, dem Tüllinger Hügel und natürlich vom Vitra Campus genießen.

Alles in allem also eine exzellente Erweiterung des Vitra Campus und eine Installation, die den Besuchern ganz neue Dimensionen eröffnet.

Der Álvaro-Siza-Weg ist für alle rund um die Uhr zugänglich und der Vitra Rutschturm täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, allerdings sollte man sich darauf einstellen, seinen Kindern erklären zu müssen, dass die Benutzung erst für Kinder ab sechs Jahren und 1,30 Metern erlaubt ist.

Neben diesen Neuheiten zeigt das Vitra Design Museum in der Vitra Design Museum Gallery derzeit außerdem die Ausstellung “Álvaro Siza – Visions of the Alhambra“, die bereits im Aedes Architekturforum Berlin zu sehen war. Interessierte Leser verweisen wir also auf unseren früheren Post zur Ausstellung. Und bis zum 14. September ist die Ausstellung “Konstantin Grcic – Panorama” im Vitra Design Museum zu sehen.

 

1. smow Architekten Kicker Cup

03. Juli 2014

Zurzeit findet irgendwo in Argentinien – oder war es Uruguay? – irgendwo in Südamerika jedenfalls – so ein Fußballturnier statt. Aber egal wo genau, es findet auf jeden Fall zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt statt, denn es fällt mit dem Auftakt des smow Architekten Kicker Cups in den sagenumwobenen Räumlichkeiten von smow Stuttgart zusammen, der nämlich am 3. Juli stattfindet.

Nach dem Erfolg der Designermöbel Weltmeisterschaft von 2010, einem Turnier, bei dem Fritz Haller in einem wahrhaft epischen Finale gegen Egon Eiermann kämpfte, treten beim smow Architekten Kicker Cup 13 Teams aus 10 Stuttgarter Architektenbüros sowie das smow Team und, weil alles so fair, transparent und legal in der korruptionsfreien Welt des Tischfußballs ist, Teams vom Turniersponsor gegeneinander an.

Die Schweizer Fans feiern Fritz Hallers Sieg über Egon Eiermann bei der Designermöbel Weltmeisterschaft 2010

Anstoß ist pünktlich 16 Uhr. Alle sind als Zuschauer, Anfeuerer und La-Ola-Wellen-Anführer willkommen

Und während man bei anderen Fußballturnieren ständig mit der Werbung irgendwelcher Sponsoren-Produkte konfrontiert wird, die man weder will noch braucht, kann man beim smow Architekten Kicker Cup in den Werbeunterbrechungen selbst entscheiden, welche Produkte der bereits erwähnten Sponsoren Vitra, USM Haller und Acousticpearls man vor Ort ausprobieren möchte.

Der smow Architekten Kicker Cup findet am Donnerstag, den 03.07.2014 im smow Showroom Stuttgart, Sophienstrasse 17, 70178 Stuttgart statt.

Alle Ergebnisse demnächst hier.

kickercup

smow Architekten Kicker Cup

smow Blog kompakt Spezial: DMY Berlin – Flowers for Slovakia. Lost & Found by Vitra

27. Juni 2014

Man muss nicht immer verstehen, warum Designer und Designinstitutionen machen, was sie machen. Es ist einfach nicht immer möglich die Logik hinter ihrem Handeln nachzuvollziehen. Manchmal sollte man sich besser zurücklehnen, zusehen und staunen. Genau so erging es uns bei dem Projekt “Lost & Found by Vitra” der Designplattform Flowers for Slovakia aus Bratislava. Kern des Projekts sind die Arbeiten von 15 jungen slowakischen Designern, deren Aufgabe es war, historische Exemplare traditioneller, slowakischer Möbel mit Elementen aus der aktuellen Vitra Kollektion zu verbinden.

Das Resultat ist ein wirklich verwirrendes, irritierendes, amüsantes und sehr inspirierendes Kuriositätenkabinett, das einem ganz neue Perspektiven in Sachen Formgebung eröffnet und zeigt, wie wichtig Details für den Designprozess sind.

Wir nehmen an, dass die Sache vor allem so gut funktioniert, weil die losgelösten Vitra Elemente fast noch einsamer und verlassener wirken als die historischen Möbel. Separate Rückenlehnen von Bürostühlen, Tischrahmen, Stuhlbeine und ähnliches wirken von ihrem eigentlichen Bestimmungsort abgetrennt nicht besonders attraktiv oder interessant. Doch machen sie in ihrer neuen Verbindung absolut Sinn und entwickeln eine neue Funktion, für die sie, obwohl sie von ihrem ursprünglichen Zweck entbunden wurden, wie gemacht scheinen.

Das zeigt auch, welch enge Verwandtschaft zwischen dem traditionellen Handwerk mit seinen wohlüberlegten Formen und Konstruktionen und dem modernen Produktdesign (mit seinen wohlüberlegten Formen…) besteht. Wenn beide kompetent und klug umgesetzt werden, können sie problemlos miteinander kombiniert werden.

Letztlich kommt es im Produktdesign genau darauf an, mit welcher Aufmerksamkeit die einzelnen Komponenten im Detail geformt werden. Nur wenn man das richtig angeht, wird das Produkt gut.

Und das, was man am Ende sieht, ist in dem Sinne nur ein Teil eines Prozesses, der das Objekt wertvoll und nützlich macht. Eine Position, die uns natürlich an die Botschaft der Ausstellung “Wilhelm Wagenfeld: Die Form ist nur Teil des Ganzen” im Wilhelm Wagenfeld Haus in Bremen erinnert. Zudem handelt es sich dabei auch um etwas, das den Unterschied zwischen Lifestyle-Objekten, die von Scharlatanen vermarktet werden, und wirklichen Designprodukten ausmacht und unterstreicht.

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck @ Theater Rampe Stuttgart

12. Mai 2014

Am Donnerstagabend, den 8. Mai hatte das Stück ”Der Hund des alten Mannes” von Oliver Kluck in der Theater Rampe Stuttgart Weltpremiere.

Unter Regie von Marie Bues behandelt “Der Hund des alten Mannes” Fragen der modernen Gesellschaft, Probleme des Kapitalismus und die bittersüße Realität des aktuellen globalen Kapitalismus, und all das mit Blick auf die deutsche Automobilindustie. Letztendlich reflektiert das Stück aber vor allem den Zustand des zeitgenössischen Theaters bzw. der aktuellen Theaterindustrie.

Bei dieser Untersuchung spielt Sauerkraut eine ähnlich bedeutende Rolle wie die drei Protagonisten…

Neben dem Sauerkraut ist für die Inszenierung ein ziemlich wirres Bühnenbild charakteristisch. Dieses besteht aus drei Vitra RAR Schaukelstühlen, einer George Nelson Eye Clock, einem White Shell Beistelltisch von Sallvatore Indriolo für Zanotta und einer ganzen Reihe Moormann Möbel, darunter drei Kleine Lehner und eine Pin Coat Garderobe.

Die Möbel stellte (smow) Stuttgart, die alten Liebhaber gepflegter Hochkultur, zur Verfügung.

In den kommenden Wochen werden weitere Aufführungen gezeigt, einige mit Publikumsdiskussion im Anschluss. Sämtliche Details zu den Zeiten und Kartenpreisen sind unter zu http://theaterrampe.de finden.

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck Theater Rampe Stuttgart

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck @ Theater Rampe Stuttgart (Foto: Andreas Zauner, mit freundlicher Genehmigung der Theater Rampe Stuttgart)

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck Theater Rampe Stuttgart

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck @ Theater Rampe Stuttgart (Foto: Andreas Zauner, mit freundlicher Genehmigung der Theater Rampe Stuttgart)

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck Theater Rampe Stuttgart

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck @ Theater Rampe Stuttgart (Foto: Andreas Zauner, mit freundlicher Genehmigung der Theater Rampe Stuttgart)

(smow) Blog kompakt IMM Cologne Spezial: Stylepark Featured Editions

21. März 2014

Als wir die IMM Cologne 2014 in unserer Vorschau als Eröffnung des europäischen Designzirkus bezeichneten, war uns ja nicht klar, dass dieser Zirkus auch mit einem Rummel ausgestattet sein würde.

Leider konnte man auf dem Kettenkarussell, an dem die Sitzschalen des Pelle Stuhls befestigt waren, nicht wirklich eine Runde drehen. Das Karussell war Teil der Präsentation des “Featured Editions”-Programms 2014 und nur zum Anschauen gedacht.

Das Konzept “Featured Editions” wurde vom Onlineportal Stylepark kuratiert und hatte 2013 auf der IMM Cologne seine Premiere. “Featured Editions” ist eine Serie von Installationen, mit denen Designer/Künstler/Architekten auf spielerische, konzeptuelle Art ein Design präsentieren.

Einige Installationen eröffnen einen wirklich ernsthaften, künstlerischen Diskurs mit den Objekten, andere entstehen unter Zeitdruck und sind eher so konzipiert, dass man zeigt, was zum Termin fertig ist. Das ist jedoch eine Mischung, die den Unterhaltungswert des Konzeptes keineswegs mindert.

Neben dem Pelle Karussell gab es beispielsweise die Installation Sharky Jump mit einem tauchenden Kristalia Stuhl, ein Strickleiter-Regal und bestialisch aufgespießte Eames DKR Wire Chairs.

Die “Featured Editions”-Installationen sind nicht nur eine schöne Ablenkung vom Hochglanz der Firmenmessestände und ihrer häufig uninspirierten und trockenen Präsentationen, sondern bieten auch die wunderbare Gelegenheit, sich kurz niederzulassen und ein paar Minuten zu entspannen.

Alles in allem gute Unterhaltung und eine großartige Ergänzung zum IMM Cologne Komplettpaket.

Unsere Bilder:

Passagen Köln 2014: A&W Designer des Jahres 2014 – Werner Aisslinger. Die Ausstellung.

17. März 2014

Was wäre die IMM Cologne ohne die offizielle Krönung des A&W Designers des Jahres?

Wir würden sagen, einen Tag kürzer und um eine Ausstellung ärmer.

Nach Patricia Urquiola im Jahr 2012 und Ronan & Erwan Bouroullec 2013, ist 2014 Werner Aisslinger A&W Designer des Jahres. Und wie es eben Tradition ist, wird seine Arbeit derzeit im Kölner Kunstverein mit einer Ausstellung gewürdigt.

Im Sommer 2013 zeigte der Berliner Ausstellungsort Haus am Waldsee eine Einzelausstellung Werner Aisslingers unter dem Titel Home of the Future.

Die A&W Ausstellung ist in so mancher Hinsicht eine verkürzte Version dieser Ausstellung.

Die in sieben Abschnitte unterteilte Ausstellung bietet einen interessanten Querschnitt der kommerziellen und konzeptuellen Projekte Aisslingers. Darunter beispielsweise der Juli Chair für Cappellini, das Level 34 Arbeitsplatzsystem für Vitra, das konzeptuelle “Kitchen Farming”-Projekt und die Chair Farm. So lernen die Besucher verschiedene Aspekte von Werner Aisslingers Designansatz kennen und erfahren eine ganze Menge zu Aisslingers Designverständnis und seiner Auffassung von gesellschaftlicher Verantwortung im Design.

Die Ausstellung macht nicht gänzlich klar, warum Werner Aisslinger macht, was er macht. Dazu fehlt es einfach an Tiefe und Umfang. Allerdings ist das auch nicht Ziel der Ausstellung. Vielmehr geht es um eine gute Einführungen und darum, Werner Aisslingers Errungenschaften der letzten zwanzig Jahre zu würdigen.

Unserer Meinung nach ist das die richtige Entscheidung, bedenkt man den Platzmangel im Kölner Kunstverein und den Kontext der Ausstellung – zu Beginn während der Kölner Möbelmesse, während der sich wohl nur wenige Besucher die Zeit nehmen, eine ausführliche Ausstellung genau anzusehen; und anschließend auf einer Tour durch die Stilwerk-”Design”-Kaufhäuser, in denen hauptsächlich Laufkundschaft die Ausstellung besichtigen wird. Und zwar neugierig, interessiert, aber eben nur beiläufig.

Dennoch hat die Ausstellung ausreichend Substanz, um alle Besucher anzustiften, sich selbst noch genauer zu informieren, was wir auch durchaus empfehlen würden.

Die “A&W Designer des Jahres”-Ausstellung ist im Kölner Kunstverein, Hahnenstraße 6, 50667 Köln bis zum Sonntag, den 19. Januar, und in den folgenden Wochen auf einer Tour durch die Stilwerk Kaufhäuser in Berlin, Düsseldorf und Hamburg zu sehen. Weitere Details finden sich in der lokalen Presse.

Neben den Arbeiten Werner Aisslingers sind auch Objekte der A&W Mentor Preisträgerin 2014 Gesa Hansen zu sehen.

Einige Eindrücke: