Posts Tagged ‘Vitra’

Der Vitra Campus wird erweitert: Vitra Rutschturm und Álvaro-Siza-Weg eröffnet

Friday, July 18th, 2014 http://www.smow.de/blog/2014/07/der-vitra-campus-wird-erweitert-vitra-rutschturm-und-alvaro-siza-weg-eroffnet/">

Im Jahr 2011 haben wir uns über den Zaun beschwert, der den Vitra Campus in Weil am Rhein durchkreuzt und daraufhin einen kleinen Aufruf an Vitras Vorsitzenden Rolf Fehlbaum veröffentlicht: “Herr Fehlbaum, reißen Sie diese Mauer ein!”, forderten wir und schlugen vor, “Oder verschieben sie den Zaun zumindest ein Stück.”

Rolf Fehlbaum hat tatsächlich reagiert, der Zaun wurde ein Stück verschoben. Danke!

Allerdings hat der weise Rolf Fehlbaum gleich etwas weiter gedacht und die Gunst der Stunde genutzt, und vom portugiesischen Architekten Álvaro Siza einen Weg zwischen VitraHaus und Zaha Hadids Feuerwehrhaus entwerfen lassen. Vor allem aber hat er den gewonnenen Platz für eine Installation von Künstler Carsten Höller genutzt. Versöhnlicherweise steht da, wo früher ein hässlicher Zaun die Sicht versperrt hat, jetzt ein Aussichtsturm – genauer der Vitra Rutschturm. Und der macht seinem Namen wirklich alle Ehre.

Vitra Campus Vitra Slide Tower

Der Zaun ist weg! Im Hintergrund der dafür entstandene Vitra Rutschturm

Die Entscheidung Álvaro Siza für die Gestaltung des neuen Weges anzufragen, fiel laut Fehlbaum nicht zufällig, sondern hing mit früheren Landschaftsprojekten Sizas, wie dem Swimmingpool Komplex in Leca da Palmeira und dem Museum für zeitgenössische Kunst in Santiago de Compostela, zusammen.

Der ungefähr 500 Meter lange, kurvenreiche Weg in die westliche Ecke des Vitra Campus ist gesäumt von Hainbuchenhecken. Die geordnete Reihe öffnet sich gelegentlich hin zu grünen Plätzen und gibt den Blick auf den Vitra Campus sowie Sitzbereiche mit Granitbänken frei. Der Álvaro-Siza-Weg kreuzt dabei Renzo Pianos Diogene und den neuen Vitra Rutschturm, bevor er durch eine schmale Lücke in einer Stein- und Granitmauer führt, von der aus man schließlich freie Sicht auf das Feuerwehrhaus hat.

Es handelt sich also tatsächlich nur um einen Weg – eine Strecke, die A mit B verbindet. Und die Frage, warum man dafür einen Pritzker-Preisträger engagiert, ist durchaus berechtigt.

Nun ja…

Álvaro Siza hat natürlich nicht einfach nur einen “Weg” entworfen. Auf einem einfachen Weg geht man entlang, als wäre es eine lästige Pflicht, die man erfüllen muss, um sein Ziel zu erreichen. Bei Sizas Weg sollte man gerade diese Orientierung auf das Ziel mal hinten anstellen und sich stattdessen auf seine Umgebung einlassen. Den Weg das Ziel sein lassen. Was man auf diese Weise entdecken wird, ist, dass sich Architektur und Natur nicht mühelos miteinander verbinden, sondern in Konkurrenz zueinander stehen. Natur und Architektur müssen ihre Position jeweils gegeneinander behaupten – und zeigen sich dadurch von ihrer besonders charmanten Seite.

Vitra Campus Vitra Slide Tower

Der Blick vom Vitra Rutschturm

Im Gegensatz dazu fügt sich Carsten Höllers Vitra Rutschturm ganz ohne jede Anstrengung in das Ensemble des Vitra Campus ein. Mit seinen ungefähr dreißig Metern Höhe ist er keine sonderlich attraktive Konstruktion und versprüht in ästhetischer Hinsicht ungefähr den Charme eines Strommastens. Allerdings strahlt der Rutschturm dabei eine gewisse Mischung aus Trash und amerikanischer 50er-Jahre-Nostalgie aus. Wir würden nicht gleich vom neuen Las Vegas in Weil am Rhein sprechen, aber wenn nachts die riesige, sich drehende Uhr leuchtet, hat der Rutschturm etwas zufriedenstellend Kitschiges. Ungefähr wie das erste Album der Manic Street Preachers… Wahrscheinlich sollte uns der Rutschturm eher an russische konstruktivistische Architektur wie den Tatlin-Turm erinnern, was er in gewisser Weise auch tut, aber vor allem…

Die äußere Erscheinung des Turms ist letztendlich aber auch zweitrangig. Was zählt, ist die Funktion. Die Idee zum Turm wurde durch Rolf Fehlbaum angestoßen, der darüber nachdachte, wie sich mehr Kunst auf dem Vitra Campus integrieren ließe. Ein Skulpturengarten missfiel ihm und schließlich schlug ihm die Kuratorin Theodora Vischer vor, bei Carsten Höller anzufragen. Von Carsten Höllers Ideen begeisterte Rolf Fehlbaum das Konzept eines Turms mit Rutsche am meisten, da die Installation zwar ein Kunstwerk ist, dabei aber architektonische und spielerische Elemente miteinbezieht. Und da schon Charles Eames dazu riet, “unser Vergnügen ernst zu nehmen”… Die 38 Meter lange mit Plexiglas überdachte Rutsche macht’s möglich! Und von der Aussichtsplattform aus lässt sich ganz in Ruhe das herrliche Panorama von Weil am Rhein, Basel, dem Tüllinger Hügel und natürlich vom Vitra Campus genießen.

Alles in allem also eine exzellente Erweiterung des Vitra Campus und eine Installation, die den Besuchern ganz neue Dimensionen eröffnet.

Der Álvaro-Siza-Weg ist für alle rund um die Uhr zugänglich und der Vitra Rutschturm täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, allerdings sollte man sich darauf einstellen, seinen Kindern erklären zu müssen, dass die Benutzung erst für Kinder ab sechs Jahren und 1,30 Metern erlaubt ist.

Neben diesen Neuheiten zeigt das Vitra Design Museum in der Vitra Design Museum Gallery derzeit außerdem die Ausstellung “Álvaro Siza – Visions of the Alhambra“, die bereits im Aedes Architekturforum Berlin zu sehen war. Interessierte Leser verweisen wir also auf unseren früheren Post zur Ausstellung. Und bis zum 14. September ist die Ausstellung “Konstantin Grcic – Panorama” im Vitra Design Museum zu sehen.

 

1. smow Architekten Kicker Cup

Thursday, July 3rd, 2014 http://www.smow.de/blog/2014/07/1-smow-architekten-kicker-cup/">

Zurzeit findet irgendwo in Argentinien – oder war es Uruguay? – irgendwo in Südamerika jedenfalls – so ein Fußballturnier statt. Aber egal wo genau, es findet auf jeden Fall zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt statt, denn es fällt mit dem Auftakt des smow Architekten Kicker Cups in den sagenumwobenen Räumlichkeiten von smow Stuttgart zusammen, der nämlich am 3. Juli stattfindet.

Nach dem Erfolg der Designermöbel Weltmeisterschaft von 2010, einem Turnier, bei dem Fritz Haller in einem wahrhaft epischen Finale gegen Egon Eiermann kämpfte, treten beim smow Architekten Kicker Cup 13 Teams aus 10 Stuttgarter Architektenbüros sowie das smow Team und, weil alles so fair, transparent und legal in der korruptionsfreien Welt des Tischfußballs ist, Teams vom Turniersponsor gegeneinander an.

Die Schweizer Fans feiern Fritz Hallers Sieg über Egon Eiermann bei der Designermöbel Weltmeisterschaft 2010

Anstoß ist pünktlich 16 Uhr. Alle sind als Zuschauer, Anfeuerer und La-Ola-Wellen-Anführer willkommen

Und während man bei anderen Fußballturnieren ständig mit der Werbung irgendwelcher Sponsoren-Produkte konfrontiert wird, die man weder will noch braucht, kann man beim smow Architekten Kicker Cup in den Werbeunterbrechungen selbst entscheiden, welche Produkte der bereits erwähnten Sponsoren Vitra, USM Haller und Acousticpearls man vor Ort ausprobieren möchte.

Der smow Architekten Kicker Cup findet am Donnerstag, den 03.07.2014 im smow Showroom Stuttgart, Sophienstrasse 17, 70178 Stuttgart statt.

Alle Ergebnisse demnächst hier.

kickercup

smow Architekten Kicker Cup

smow Blog kompakt Spezial: DMY Berlin – Flowers for Slovakia. Lost & Found by Vitra

Friday, June 27th, 2014 http://www.smow.de/blog/2014/06/smow-blog-kompakt-spezial-dmy-berlin-flowers-for-slovakia-lost-found-by-vitra/">

Man muss nicht immer verstehen, warum Designer und Designinstitutionen machen, was sie machen. Es ist einfach nicht immer möglich die Logik hinter ihrem Handeln nachzuvollziehen. Manchmal sollte man sich besser zurücklehnen, zusehen und staunen. Genau so erging es uns bei dem Projekt “Lost & Found by Vitra” der Designplattform Flowers for Slovakia aus Bratislava. Kern des Projekts sind die Arbeiten von 15 jungen slowakischen Designern, deren Aufgabe es war, historische Exemplare traditioneller, slowakischer Möbel mit Elementen aus der aktuellen Vitra Kollektion zu verbinden.

Das Resultat ist ein wirklich verwirrendes, irritierendes, amüsantes und sehr inspirierendes Kuriositätenkabinett, das einem ganz neue Perspektiven in Sachen Formgebung eröffnet und zeigt, wie wichtig Details für den Designprozess sind.

Wir nehmen an, dass die Sache vor allem so gut funktioniert, weil die losgelösten Vitra Elemente fast noch einsamer und verlassener wirken als die historischen Möbel. Separate Rückenlehnen von Bürostühlen, Tischrahmen, Stuhlbeine und ähnliches wirken von ihrem eigentlichen Bestimmungsort abgetrennt nicht besonders attraktiv oder interessant. Doch machen sie in ihrer neuen Verbindung absolut Sinn und entwickeln eine neue Funktion, für die sie, obwohl sie von ihrem ursprünglichen Zweck entbunden wurden, wie gemacht scheinen.

Das zeigt auch, welch enge Verwandtschaft zwischen dem traditionellen Handwerk mit seinen wohlüberlegten Formen und Konstruktionen und dem modernen Produktdesign (mit seinen wohlüberlegten Formen…) besteht. Wenn beide kompetent und klug umgesetzt werden, können sie problemlos miteinander kombiniert werden.

Letztlich kommt es im Produktdesign genau darauf an, mit welcher Aufmerksamkeit die einzelnen Komponenten im Detail geformt werden. Nur wenn man das richtig angeht, wird das Produkt gut.

Und das, was man am Ende sieht, ist in dem Sinne nur ein Teil eines Prozesses, der das Objekt wertvoll und nützlich macht. Eine Position, die uns natürlich an die Botschaft der Ausstellung “Wilhelm Wagenfeld: Die Form ist nur Teil des Ganzen” im Wilhelm Wagenfeld Haus in Bremen erinnert. Zudem handelt es sich dabei auch um etwas, das den Unterschied zwischen Lifestyle-Objekten, die von Scharlatanen vermarktet werden, und wirklichen Designprodukten ausmacht und unterstreicht.

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck @ Theater Rampe Stuttgart

Monday, May 12th, 2014 http://www.smow.de/blog/2014/05/der-hund-des-alten-mannes-von-oliver-kluck-theater-rampe-stuttgart/">

Am Donnerstagabend, den 8. Mai hatte das Stück ”Der Hund des alten Mannes” von Oliver Kluck in der Theater Rampe Stuttgart Weltpremiere.

Unter Regie von Marie Bues behandelt “Der Hund des alten Mannes” Fragen der modernen Gesellschaft, Probleme des Kapitalismus und die bittersüße Realität des aktuellen globalen Kapitalismus, und all das mit Blick auf die deutsche Automobilindustie. Letztendlich reflektiert das Stück aber vor allem den Zustand des zeitgenössischen Theaters bzw. der aktuellen Theaterindustrie.

Bei dieser Untersuchung spielt Sauerkraut eine ähnlich bedeutende Rolle wie die drei Protagonisten…

Neben dem Sauerkraut ist für die Inszenierung ein ziemlich wirres Bühnenbild charakteristisch. Dieses besteht aus drei Vitra RAR Schaukelstühlen, einer George Nelson Eye Clock, einem White Shell Beistelltisch von Sallvatore Indriolo für Zanotta und einer ganzen Reihe Moormann Möbel, darunter drei Kleine Lehner und eine Pin Coat Garderobe.

Die Möbel stellte (smow) Stuttgart, die alten Liebhaber gepflegter Hochkultur, zur Verfügung.

In den kommenden Wochen werden weitere Aufführungen gezeigt, einige mit Publikumsdiskussion im Anschluss. Sämtliche Details zu den Zeiten und Kartenpreisen sind unter zu http://theaterrampe.de finden.

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck Theater Rampe Stuttgart

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck @ Theater Rampe Stuttgart (Foto: Andreas Zauner, mit freundlicher Genehmigung der Theater Rampe Stuttgart)

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck Theater Rampe Stuttgart

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck @ Theater Rampe Stuttgart (Foto: Andreas Zauner, mit freundlicher Genehmigung der Theater Rampe Stuttgart)

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck Theater Rampe Stuttgart

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck @ Theater Rampe Stuttgart (Foto: Andreas Zauner, mit freundlicher Genehmigung der Theater Rampe Stuttgart)

(smow) Blog kompakt IMM Cologne Spezial: Stylepark Featured Editions

Friday, March 21st, 2014 http://www.smow.de/blog/2014/03/smow-blog-kompakt-imm-cologne-spezial-stylepark-featured-editions/">

Als wir die IMM Cologne 2014 in unserer Vorschau als Eröffnung des europäischen Designzirkus bezeichneten, war uns ja nicht klar, dass dieser Zirkus auch mit einem Rummel ausgestattet sein würde.

Leider konnte man auf dem Kettenkarussell, an dem die Sitzschalen des Pelle Stuhls befestigt waren, nicht wirklich eine Runde drehen. Das Karussell war Teil der Präsentation des “Featured Editions”-Programms 2014 und nur zum Anschauen gedacht.

Das Konzept “Featured Editions” wurde vom Onlineportal Stylepark kuratiert und hatte 2013 auf der IMM Cologne seine Premiere. “Featured Editions” ist eine Serie von Installationen, mit denen Designer/Künstler/Architekten auf spielerische, konzeptuelle Art ein Design präsentieren.

Einige Installationen eröffnen einen wirklich ernsthaften, künstlerischen Diskurs mit den Objekten, andere entstehen unter Zeitdruck und sind eher so konzipiert, dass man zeigt, was zum Termin fertig ist. Das ist jedoch eine Mischung, die den Unterhaltungswert des Konzeptes keineswegs mindert.

Neben dem Pelle Karussell gab es beispielsweise die Installation Sharky Jump mit einem tauchenden Kristalia Stuhl, ein Strickleiter-Regal und bestialisch aufgespießte Eames DKR Wire Chairs.

Die “Featured Editions”-Installationen sind nicht nur eine schöne Ablenkung vom Hochglanz der Firmenmessestände und ihrer häufig uninspirierten und trockenen Präsentationen, sondern bieten auch die wunderbare Gelegenheit, sich kurz niederzulassen und ein paar Minuten zu entspannen.

Alles in allem gute Unterhaltung und eine großartige Ergänzung zum IMM Cologne Komplettpaket.

Unsere Bilder:

Passagen Köln 2014: A&W Designer des Jahres 2014 – Werner Aisslinger. Die Ausstellung.

Monday, March 17th, 2014 http://www.smow.de/blog/2014/03/passagen-koln-2014-aw-designer-des-jahres-2014-werner-aisslinger-die-ausstellung/">

Was wäre die IMM Cologne ohne die offizielle Krönung des A&W Designers des Jahres?

Wir würden sagen, einen Tag kürzer und um eine Ausstellung ärmer.

Nach Patricia Urquiola im Jahr 2012 und Ronan & Erwan Bouroullec 2013, ist 2014 Werner Aisslinger A&W Designer des Jahres. Und wie es eben Tradition ist, wird seine Arbeit derzeit im Kölner Kunstverein mit einer Ausstellung gewürdigt.

Im Sommer 2013 zeigte der Berliner Ausstellungsort Haus am Waldsee eine Einzelausstellung Werner Aisslingers unter dem Titel Home of the Future.

Die A&W Ausstellung ist in so mancher Hinsicht eine verkürzte Version dieser Ausstellung.

Die in sieben Abschnitte unterteilte Ausstellung bietet einen interessanten Querschnitt der kommerziellen und konzeptuellen Projekte Aisslingers. Darunter beispielsweise der Juli Chair für Cappellini, das Level 34 Arbeitsplatzsystem für Vitra, das konzeptuelle “Kitchen Farming”-Projekt und die Chair Farm. So lernen die Besucher verschiedene Aspekte von Werner Aisslingers Designansatz kennen und erfahren eine ganze Menge zu Aisslingers Designverständnis und seiner Auffassung von gesellschaftlicher Verantwortung im Design.

Die Ausstellung macht nicht gänzlich klar, warum Werner Aisslinger macht, was er macht. Dazu fehlt es einfach an Tiefe und Umfang. Allerdings ist das auch nicht Ziel der Ausstellung. Vielmehr geht es um eine gute Einführungen und darum, Werner Aisslingers Errungenschaften der letzten zwanzig Jahre zu würdigen.

Unserer Meinung nach ist das die richtige Entscheidung, bedenkt man den Platzmangel im Kölner Kunstverein und den Kontext der Ausstellung – zu Beginn während der Kölner Möbelmesse, während der sich wohl nur wenige Besucher die Zeit nehmen, eine ausführliche Ausstellung genau anzusehen; und anschließend auf einer Tour durch die Stilwerk-”Design”-Kaufhäuser, in denen hauptsächlich Laufkundschaft die Ausstellung besichtigen wird. Und zwar neugierig, interessiert, aber eben nur beiläufig.

Dennoch hat die Ausstellung ausreichend Substanz, um alle Besucher anzustiften, sich selbst noch genauer zu informieren, was wir auch durchaus empfehlen würden.

Die “A&W Designer des Jahres”-Ausstellung ist im Kölner Kunstverein, Hahnenstraße 6, 50667 Köln bis zum Sonntag, den 19. Januar, und in den folgenden Wochen auf einer Tour durch die Stilwerk Kaufhäuser in Berlin, Düsseldorf und Hamburg zu sehen. Weitere Details finden sich in der lokalen Presse.

Neben den Arbeiten Werner Aisslingers sind auch Objekte der A&W Mentor Preisträgerin 2014 Gesa Hansen zu sehen.

Einige Eindrücke:

 

5 neue Designausstellungen im März 2014

Tuesday, March 4th, 2014 http://www.smow.de/blog/2014/03/5-neue-designausstellungen-im-marz-2014/">

Im März zu sehen: Eine Hommage an die ostdeutsche Architektur in Stuttgart, Ronan und Erwan Bouroullec in Tulsa, Henry van de Velde in Zürich, Ray Eames in Pasadena und Konstantin Grcics Vision für die Zukunft in Weil am Rhein.

“Ray Eames: In the Spotlight” in der Williamson Gallery im Art Center College of Design, Pasadena, Kalifornien, USA

In unserem Post zu Ehren von Ray Eames’ 100. Geburtstag 2012 haben wir unsere Leser ermutigt, ”die Arbeiten und das Talent einer bemerkenswerten Künstlerin und Designerin zu entdecken.

Die Williamson Gallery in Pasadena bietet nun eine solche Gelegenheit.

Kuratiert von der Enkelin der Eames, Carla Hartman, verspricht “Ray Eames: In the Spotlight” Briefe, Zeichnungen, Filme, Möbel, Fotografien usw. zu zeigen, die einen ehrlichen und tiefen Blick auf Ray Eames wiedergeben und so das Leben und die Arbeit einer Frau zugänglich machen, die viel zu oft – und unfairer Weise – so dargestellt wird, als wäre sie nur das ästhetische i-Tüpfelchen auf Charles Eames‘ technischem Genie gewesen. Besonders spannend finden wir, dass auch Zeichnungen und Malereien aus der Zeit vor ihrem Kennenlernen mit Charles Eames gezeigt werden sollen. Bilder also, die erklären sollten – oder könnten -, wie aus der New Yorker abstrakten Künstlerin Ray Kaiser die in Kalifornien lebende Modernistin Ray Eames wurde.

“Ray Eames: In the Spotlight” (“Ray Eames: Im Brennpunkt”) wurde am 25. Februar 2014 in der Williamson Gallery im Art Center College of Design, 1700 Lida Street, Pasadena, Kalifornien, USA eröffnet und ist dort bis Sonntag, den 4. Mai, zu sehen.

Ray Eames In the Spotlight at the Williamson Gallery at the Art Center College of Design, Pasadena, California, USA

"Ray Eames: In the Spotlight" in der Williamson Gallery im Art Center College of Design, Pasadena, Kalifornien, USA

“Henry van de Velde – Interieurs” im Museum Bellerive, Zürich, Schweiz

Eines der Probleme mit all den großen Talenten wie Henry van de Velde ist es, ihr umfassendes Werk in einer Ausstellung zu zeigen. Es gibt einfach zu viel und das ist auch noch so vielfältig.

Konsequenterweise ist die einzig realistische Lösung, die Themen zu reduzieren, um nur einem Aspekt nachzugehen, und dabei alle unausweichlichen Beschwerden über den mangelnden Kontext zu ignorieren.

Die Dépendance des Museums für Gestaltung Zürich, das Museum Bellerive, hat diesen Schritt gewagt und richtet eine Ausstellung über Henry van de Veldes Interieurdesigns aus. Die Ausstellung “Henry van de Velde – Interieurs” zeigt neben Möbeln, Essbesteck, Geschirr und Textilien auch Fotografien und Planungszeichnungen und verspricht dabei nicht nur einen Einblick in van de Veldes Arbeitsansatz zu zeigen, sondern auch zu erklären, wie er unser Verständnis von einer sich wandelnden Innenarchitektur, die sich von den dunklen, schweren Tagen des 19. Jahrhunderts löste und zu dem leichten, reduzierten Stil der frühen 20. Jahrhunderts entwickelte, mitprägte.

“Henry van de Velde – Interieurs” läuft seit dem 28. Februar im Museum Bellerive, Höschgasse 3, 8008 Zürich, Schweiz und ist dort noch bis Sonntag, den 1. Juni 2014, zu sehen.

Henry van de Velde Leidenschaft Funktion und Schönheit Klassik Stiftung Weimar

Einrichtung von Henry van de Velde, hier bei "Leidenschaft, Funktion und Schönheit" der Klassik Stiftung Weimar

“Ronan and Erwan Bouroullec – Album” im Philbrook Museum of Art, Tulsa, Oklahoma, USA

Als die Vitra Design Museum Gallery die Ronan und Erwan Bouroullec Ausstellung “Album” eröffnete, fühle sich das irgendwie, na ja, seltsam an. Eine Ausstellung mit Zeichnungen, Skizzen, Formen, Farben. Von Designern…

?

???

Seitdem wurde die Voraussicht des Projekts aber deutlich und immer mehr Texte, Bücher und Ausstellungen widmen sich dem analogen Kreativprozess und vor allem der Rolle von Zeichnungen und Skizzen im Design.

Mit über 300 Skizzen von Ronan und Erwan Bouroullec, die durch Fotografien und Modelle vervollständigt werden, bietet “Album” nicht nur einen erfreulichen Einblick in den kreativen Prozess der Brüder, sondern unterstreicht auch die Wichtigkeit, eine genaue Vorstellung davon zu haben, was man machen will und was das Ziel des Projekts ist, bevor man beginnt, an dem Design oder dem Produkt zu arbeiten. Und dass für so einen Prozess Computer nicht immer die beste Lösung sind.

“Ronan and Erwan Bouroullec – Album” ist vom 2. März bis 11. Mai 2014 im Philbrook Museum of Art, 2727 S. Rockford Road, Tulsa, Oklahoma, USA zu sehen.

bouroullec album vitra design museum weil am rhein

"Ronan and Erwan Bouroullec - Album", hier in der Vitra Design Museum Gallery, Weil am Rhein

“Ulrich Müther – In Beton gegossen” in der Architekturgalerie am Weißenhof, Stuttgart

Läuft man von Nord nach Süd entlang des Binzer Strands auf der deutschen Ostseeinsel Rügen, kommt man an etwas vorbei, das einen zum Anhalten bringen wird. Und zum Starren. Und vielleicht in Panik versetzen wird.

Ein Ufo.

1981 von dem ostdeutschen Ingenieur Ulrich Müther entworfen, ist das Binzer Ufo in Wahrheit eine Station für Rettungsschwimmer, die aus dünnen Betonschalen besteht und eine der glorreichsten Beispiele für Ulrich Müthers Handwerk ist.

Als Student in Dresden mit der “International Association for Shell and Spatial Structures” vertraut gemacht, entwickelte sich Ulrich Müther zu einem der führenden Protagonisten beim Gebrauch dünner Betonschalen in architektonischen Strukturen.

Eine Karriereentwicklung, die ohne Zweifel von seiner Nationalität unterstützt wurde. Auf der einen Seite waren seine dünnen, fast gewichtslosen Strukturen ein willkommener ästhetischer Kontrast zur massiven Architektur der DDR und bot auf der anderen Seite ein Stück Abwechslung im Stadtbild. Aber sie benötigten auch weniger Ressourcen. Was etwas war, das das notorisch ausgelastete DDR-Regime natürlich überzeugen musste.

Neben dem Binzer Ufo gibt es noch einige weitere Highlights von Ulrich Müther zu entdecken, so das sogenannte Teepott Restaurant in Warnemünde, das Café Seerose in Potsdam und das Zeiss Planetarium in Berlin.

Gleich neben der historischen Wichtigkeit und der ästhetischen Eleganz vieler seiner Projekte sind die Konstruktionsprinzipien, die von Ulrich Müther erfunden und entwickelt wurden, heute relevanter denn je – und eine Ausstellung wert.

“Ulrich Müther – In Beton gegossen” ist seit dem 27. Februar in der Architekturgalerie am Weißenhof, Am Weißenhof 30, 70191 Stuttgart zu sehen und läuft bis Montag, den 7. April 2014.

Ulrich Müther Binz

Das Binzer Ufo, äh die Rettungsstation von Ulrich Müther. Das Projekt wird bei "Ulrich Müther – In Beton gegossen" in der Architekturgalerie am Weißenhof, Stuttgart vorgestellt.

“Konstantin Grcic – Panorama” im Vitra Design Museum, Weil am Rhein

Eine museale Designausstellung kann im Prinzip zwei Perspektiven haben – eine rückwärts oder eine vorwärts gewandte.

“Konstantin Grcic – Panorama” im Vitra Design Museum versucht beides, indem die Ausstellung einen Überblick über Grcics Kanon sowie einen Teil über seine Zukunftsvisionen verspricht. Der Teil über die Vision ist für uns dabei der verlockendere Aspekt der Ausstellung.

Trotz der offensichtlich reduzierten Übersichtlichkeit und einfachen Verständlichkeit seiner Designs geht es bei Konstantin Grcics Werk überwiegend nicht um das Objekt als solches, sondern um den Weg dahin, um die Daseinsberechtigung des Objekts und seinen Kontext. Als solches wird Konstantin Grcics Arbeit oft von einer konzeptuellen Komplexität unterstrichen, die in Kontrast zu der visuellen Einfachheit steht.

Wir freuen uns zu sehen, inwieweit Konstantin Grcic sein Designverständnis in eine kohärente Vision für die Zukunft umwandeln konnte.

“Konstantin Grcic – Panorama” wird am Samstag, den 22. März, im Vitra Design Museum, Charles-Eames-Str. 2, 79576 Weil am Rhein eröffnet und kann dort bis Sonntag, den 14. September September 2014, besucht werden.

Konstantin Grcic - Panorama at the Vitra Design Museum, Weil am Rhein, Germany

"Konstantin Grcic - Panorama" im Vitra Design Museum, Weil am Rhein

(smow) Blog Designkalender: 13. Februar 1926 – Happy Birthday, Verner Panton!

Friday, February 28th, 2014 http://www.smow.de/blog/2014/02/smow-blog-designkalender-13-februar-1926-happy-birthday-verner-panton/">

Wohl eher dem Zufall als dem Design ist es zu verdanken, dass in der Woche, in der Verner Panton seinen 88. Geburtstag gefeiert hätte, das Vitra Design Museum eine Ausstellung zu Verner Pantons einzigartiger Visiona 2 aus dem Jahr 1970 eröffnet hat.

“Visiona 1970: Revisiting the Future” ist gewissermaßen ein Teil des Warm Ups für die kommende Ausstellung “Panorama” von Konstantin Grcic und untersucht den Hintergrund und die Realisation der Ausstellung Visiona 2. Die Visiona 2 lieferte damals eine komplett neu erschaffene Fantasielandschaft – begehbar, zu benutzen und um sich niederzulassen. Das Element der “Fantasielandschaft” ist wahrscheinlich auch die berüchtigste Komponente von Pantons Visiona 2. Jedenfalls brachte die Visiona 2 die Ideen des Designers am deutlichsten zum Ausdruck und gehört deshalb heute auch zu Pantons nachhaltigsten Denkmälern.

Insofern ist ”Visiona 1970: Revisiting the Future” der beste Weg einen Designer zu feiern, dem wir wirklich vieles zu verdanken haben.

Als Beitrag zu den Festivitäten gibt es übrigens einen Kuchen aus Miniaturen des Panton Chairs, wie er zum 20. Jahrestag der Vitra Design Museum Miniatur-Kollektion bei Hugo Boss Mailand 2012 präsentiert wurde.

Alle Gute zum Geburtstag, Verner Panton!

happy birthday verner panton

Happy Birthday, Verner Panton (Der Kuchen ist eine Aufmerksamkeit des Vitra Design Museums und Hugo Boss Mailand)

25th January 1970 Visiona 2 Verner Panton Cologne

Fantasielandschaft von Verner Panton auf der Visiona 2, Köln 1970 (Foto: © Verner Panton Design)

(smow) Blog Designkalender: 31. Januar 1961 – Charles Eames erhält das Patent für den Side Flexing Shock Mount

Friday, January 31st, 2014 http://www.smow.de/blog/2014/01/smow-blog-designkalender-31-januar-1961-charles-eames-erhalt-das-patent-fur-den-side-flexing-shock-mount/">

“Bei der Entwicklung und Gestaltung von Möbeln ist eine der größten Herausforderungen, das richtige Mittel zu finden, um einzelne Möbelteile zusammen zu halten – vor allem dann, wenn diese aus dünnen Materialien wie Sperrholz oder Metall bestehen. Besonders problematisch wird es, wenn eine bestimmte Drehung oder ein spezieller Abstand zwischen den Teilen gewünscht wird, um Elastizität zu erzeugen. Im Allgemeinen waren alle Anstrengungen dieses Problem zu lösen bisher vergebens.”1

So beginnt ein Patentantrag von Charles Eames vom 28. Juli 1958. Allerdings hat Charles Eames auch gute Nachrichten: “Dieses Problem habe ich gelöst, indem ich den Side Flexing Shock Mount entwickelt habe.”

Das amerikanische Patentamt stimmte seinem Antrag zu, und so erhielt Charles Eames am 31. Januar 1961 das US-Patent Nr. 2,969,831 für den “Side Flexing Shock Mount.”

Man mag es nicht glauben, wenn man die verklärten Artikel zum Design liest, aber Design heißt nicht einfach schöne Dinge in hübschen Farben für Doppelseiten in schicken Magazinen zu entwickeln, die dann von gut aussehenden Menschen gelesen werden. Häufig bedeutet Design wirklich eine Menge harter Arbeit, Drecksarbeit.

Das größte Hindernis bei der Entwicklung einer bestimmten Funktionalität ist dabei häufig, dass kein passendes System für die Umsetzung existiert und man als Designer selbst etwas erfinden muss.

In diesem speziellen Fall bestand für Charles Eames das Problem darin, den Sitz und die Rückenlehne seines Lounge Chairs so miteinander zu verbinden, dass die Lehne frei beweglich bleibt und sich dem Körper des Sitzenden anpassen kann. Diese Art der Verbindung sollte den Komfort des Sessels erheblich verbessern.

Charles Eames hatte sich schon früher den Shock Mount für die Plywood Chair Group patentieren lassen – US Patent 2,667,210. Allerdings war dieser Dämpfer, wie seine Patentanmeldung für den Side Flexing Shock Mount erklärt, nur für statische Fälle geeignet, für Fälle, in denen “der Shock Mount nur Vibration und Erschütterungen abfangen soll.”

Beim Lounge Chair brauchten und wollten Charles und Ray Eames Bewegung. Es musste also eine neue Erfindung her.

Die Funktionsweise des Side Flexing Shock Mounts beruht auf einem “länglichen Block aus einem belastbaren Material, der mit einem länglichen, robusten Element bzw. einem Einsatz versehen ist.” Der “Einsatz” aus Stahl nimmt die Bewegung der Rückenlehne auf, wird aber von dem “Block” aus Gummi gesichert und unterstützt. Dieses System ermöglicht die “gewünschte Flexibilität der Rückenlehne, ist aber zu gleicher Zeit dauerhaft und stabil genug, um die jeweilige Verteilung der Last aufzunehmen.”

Eine einfache und effektive Lösung für ein ernstes Problem – und bestes Beispiel für das unromantische, alltägliche und bürokratische Schicksal eines Designers.

Wir raten ausdrücklich davon ab, seinen Eames Lounge Chair auseinander zu nehmen, um den Shock Mount zu untersuchen! Seid einfach dankbar, dass Charles Eames sein Handwerk so gut verstanden hat!

1 und alle folgenden Zitate, United States Patent Office, Patent-Nr. 2,969,831 http://pdfpiw.uspto.gov/.piw?Docid=2969831 Accessed 30.01.2014

Charles Eames US Patent Nr 2,969,831 Side Flexing Shock Mount

Zeichnungen von Charles Eames' Patentanmeldung für den Side Flexing Shock Mount. (Quelle: United States Patent Office)

(smow) Blog Designkalender: 25. Januar 1970 – Visiona 2 von Verner Panton eröffnet in Köln

Saturday, January 25th, 2014 http://www.smow.de/blog/2014/01/smow-blog-designkalender-25-januar-1970-visiona-2-von-verner-panton-eroffnet-in-koln/">

“Der Rohstoff Holz wird aus der Behausung verdrängt: sogar Metal und Glas, viel jünger im Wohnbereich, verlieren an Bedeutung. Die Kunststoffe sind im Vormarsch…”1

Warum hat sich das Magazin Stern im Februar 1970 wohl so eindeutig zur Zukunft des Wohnmobiliars geäußert?

Der Stern-Autor hatte Verner Pantons Ausstellung Visiona 2 auf der internationalen Einrichtungsmesse Köln gesehen und sah genau dort die Zukunft.

“Es ist sicher, dass ein neues Zeitalter auch in unsere Häuslichkeit drängt. Was nun kommt, ist nicht nur ein Wandel im Stil, sondern eindeutig der Bruch mit dem seit tausend Jahren Gewohnten.”²

25th January 1970 Visiona 2 Verner Panton Cologne

Visiona 2 von Verner Panton, Köln 1970 (Foto: © Verner Panton Design)

Die 12. Kölner Einrichtungsmesse eröffnete am 25. Januar 1970. Den über 75.000 Zuschauern wurden die neusten Produkte von 1200 Ausstellern aus 26 Ländern gezeigt. Allerdings war das mediale Highlight der IMM Cologne 1970 ohne Frage Verner Pantons Ausstellung Visiona 2. Realisiert in Verbindung mit dem Chemiekonzern Bayer wurde die Visona 2 auf einem Schiff gezeigt, das in direkter Nähe zur Hauptausstellungshalle angelegt hatte.

Oder mit den Worten Carol Clarkes im Architectural Design: “Der Bayer Konzern herrscht über der Einrichtungsmesse Köln mit einen völlig neuen Umgang mit der Inneneinrichtung seines Rheinbootes.”3

Initiiert wurde die Visiona, um Bayers Sammlung moderner, synthetischer Produkte zu zeigen. Gedacht als jährliche Ausstellungsreihe, sollte die Visiona von unterschiedlichen Architekten und Designern kuratiert werden und dem Kurator die Freiheit geben, seine eigene, fleischgewordene Zukunftsvision vorzustellen.

Verner Panton war für die erste Visiona verantwortlich und natürlich hatte sich Bayer nicht zufällig an ihn gewandt. Der Architekt hatte eine beachtliche Reputation aufgebaut.

Sein Cone Chair von 1958 überwand nicht nur die übliche, konventionelle Stuhlform und damit etablierte Vorstellungen, sondern erfand mit der irgendwie riskanten Präsentation im Dänischen Magazin Mobilia auch die übliche Ästhetik der Möbelwerbung völlig neu. 1960 verband Panton dann den Cone Chair und geometrische Textilien in seinem Design für das Hotel Astoria in Trondheim und kreierte hypnotisierende Räume, die allerdings in ihrer physischen Wirkung noch nicht so imposant waren wie die späteren Räume auf der Visiona. Im gleichen Jahr veröffentlichte der dänische Hersteller Plus-linje Pantons aufblasbaren Plastikstuhl – das erste transparente, aufblasbare Plastikmöbel und das sieben Jahre bevor Zanotta den aufblasbaren Sessel “Blow” von Paolo Lamazzi, Donato D’Urbino und Jonathan De Pas herausbrachte.

Im Jahr 1965 überwältigte Panton Köln mit seinem Flying-Chair-Konzept, bevor dann 1967 mit dem Panton Chair bei Vitra der entscheidende Punkt seiner Kariere erreicht war. Dieser Stuhl änderte unsere Vorstellungen von Möbeln so gewaltig, dass sein Einfluss, auch wenn er zunächst nur bis 1979 produziert wurde, bis heute ungebrochen bleibt.

Mit seiner krassen Pop Art sprengte Panton das ursprüngliche Visiona-Konzept auf der Ausstellung 1968. Zwar widmete Panton einen Teil des Ausstellungsraums den Bayer-Produkten, durch die Integration von Licht und Möbeln verwandelte er allerdings den Großteil des Schiffes in eine grundsätzliche Erforschung des zukünftigen Wohnraumes. Der italienische Architekt Joe Colombo schloss sich diesem Thema an und erweiterte Pantons Idee für die Visiona 1 1969, bevor Panton das Konzept schließlich mit der Visiona 2 auf die Spitze trieb.

Eine 3D-Collage aus Licht, Farbe, Sound und Geruch. Die Visiona 2 erzählte zweifelsfrei mehr von Verner Pantons persönlicher Zukunftsvision als von Bayers Produkten.

1967 erläuterte Verner Panton seine Vision in einem Interview mit dem Stern: Häuser sollten aus variablen Modulen konstruiert werden, die aus einer einzigen Form bestehend vom Fließband kommen sollten und über besondere Eigenschaften verfügen würden. ”Es wird besondere Zimmer für Fernsehübertragungen geben, wo die Betrachter mitten im Geschehen sitzen werden. Die Bilder werden sie an den Wänden, an der Decke und auf dem Fußboden sehen.”4 Ein zentrales Merkmal der Panton’schen Zukunftsvision war die Farbe: “Die Grundfarbe der Räume wird Silber oder Weiß sein. Trotzdem wird die Umwelt sehr farbig sein, denn der neutrale Grund wird von einer Vielzahl von Farben belebt, die durch Licht erzeugt werden. Das wird das Wohlbefinden steigern: wie man ja weiß, haben Farben eine enorme psychologische Wirkung.”5

Viele dieser Ideen fanden sich auf der Visiona 2. In den drei Ausstellungsabschnitten zeigte Panton nicht nur eine Reihe von Räumen mit spezifischen Funktionen, sondern auch eine Landschaft aus wohlüberlegten Kontrasten, Farben, Formen und Texturen. “Der Raum ist komplett in Stoff eingehüllt, ohne eine Unterscheidung zwischen Böden, Wänden und Decke” informiert uns Carol Clarke, “aus diesem Kokon wachsen Gebilde, die wiederum Körperstützen, Aquarien, Lampen etc… formen.”6

Und tatsächlich, schaut man sich Videos der Visiona 2 an, kommt es einem vor als würde man die Originalversion des Films “The Wicker Man” von 1973 sehen. Bewegung, Sound und Licht schienen einen gegen den Willen in einen psychotischen, pseudo-erotischen Zustand zu treiben. Das erklärt wahrscheinlich auch die überbordende Euphorie des Sterns.

25th January 1970 Visiona 2 Verner Panton Cologne

Visiona 2 von Verner Panton, Köln 1970 (Foto: © Verner Panton Design)

Verner Pantons majestätische Komposition für die Visiona 1970 zeigt auch, dass es trotz des zügellosen Hypes um die neuen “Space Age”-Möbel der späten 1960er und frühen 70er Jahre neben Panton und Colombo kaum andere gab, die in der Lage gewesen wären solche Visionen derart perfekt zu artikulieren.

Allerdings stellte sich trotz des Medienhypes um die “Space Age”-Möbel ein Mangel an Konsumenten ein. Was mal wieder zeigt, dass ein Medienhype nicht zwangsläufig etwas mit dem kommerziellen Erfolg zu tun haben muss.

Die Kölner Ausstellung 1970 zeigte beispielsweise auch Bulthaupts Typ 1 Küche. Ein Ensemble, das der Brücke auf der USS Enterprise gleicht und das im Gegensatz zu den kulinarischen Tempeln, die Bulthaupt heute verkauft, nur für das Aufwärmen von Fertiggerichten vorgesehen war. Ähnlich auch die Küche “Experiment 70″ von Luigi Colani für Poggenpohl, die für eine Zukunft stand, in der das Zubereiten von Mahlzeiten überflüssig ist und in der die Küche eher als häusliche Kommandozentrale dient.

Aber von diesen und anderen Projekten ist nichts übrig geblieben.

Auch von den Objekten, die Panton für die Visiona 2 entwarf, sind nur noch der Sessel Amoebe, das Cloverleaf Sofa und die Lampen Spiral, Ball und VP-Globe in Produktion.

Vieles von Pantons Vision hat allerdings überlebt, wenn auch in einer matteren Variante und aus sehr viel mehr Holz, Metall und Glas, als es der Stern damals angenommen hätte.

Verner Panton ging es bei der Visiona 2 vor allem darum, den Wohnraum als einen Ort zu zeigen, an dem man den Spannungen und dem Stress einer zunehmend leistungsorientierten Gesellschaft entkommen kann – der Wohnraum also nicht mehr als passives Domizil, sondern als ein aktiver Ort der Entspannung und Wiederherstellung, als ein privates Refugium, in dem die moderne Welt mit all ihren Erfindungen, dem Individuum und nicht dem ökonomischem Vorteil dienen sollte.

Schade dass Panton das Internet nicht vorhersehen konnte – Man stelle sich eine komplett vernetzte Visiona 2 vor!

In vielerlei Hinsicht kann man die Visona 2 auch als einen Ausgangspunkt für die Entwicklung der “Raum im Raum”-Konzepte betrachten – als einen Ausgangspunkt für eine größere Flexibilität in der Innenarchitektur, die es möglich macht, den verfügbaren Raum optimal zu nutzen. Die Überlegungen auf diesem Gebiet sind erst in der letzten Zeit wirklich ausgereift und populär geworden.

Wir wollen nicht behaupten, dass unser derzeitiges Verständnis von Inneneinrichtung und Möbeln ohne die Visiona 2 nicht zu Stande gekommen wäre, aber ohne Pantons Ausstellungen wäre es sehr viel mühsamer gewesen, diese Auffassung zu entwickeln.

Letztendlich fasst ein Statement Pantons abgesehen vom ganzen Hype seine eigentlichen Intentionen für die Visiona 2 vielleicht am besten zusammen: ”Man mag derartige Experimente als utopisch bezeichnen; sie helfen uns jedoch, unsere Erfahrungen zu erweitern, und darauf kommt es an.”7 Was uns zurückbringt zu Fritz Haller, seiner Space Kolonie und Dr. Georg Vrachliotis Behauptung, dass “Fritz Haller im Grunde genommen in den Weltraum geflogen sei, um besser über die Welt nachdenken zu können.” Verner Panton ist vielleicht in einer grellen Alice-im-Wunderland-Hölle versunken, um uns die Harmonie des  Wohnraums in all ihren Facetten näher zu bringen.

1 Stern Nr. 8, 15. Februar 1970

2 “Das Möbel kommt in die Dimension des Konsums” Form 49 März 1970

3 Carol Clarke, “Panton at Cologne”, A.D. Architectural Design Mai 1970

4 Stern Nr. 30, 23. Juli 1967

5 ebd.

6 Carol Clarke, “Panton at Cologne”, A.D. Architectural Design Mai 1970

7 Stern Nr. 8, 15. Februar 1970

25th January 1970 Visiona 2 Verner Panton Cologne

Visiona 2 von Verner Panton, Köln 1970 (Foto: © Verner Panton Design)

25th January 1970 Visiona 2 Verner Panton Cologne

Visiona 2 von Verner Panton, Köln 1970 (Foto: © Verner Panton Design)