Posts Tagged ‘Vitra’

Architektur Design Industrie – Vitra Campus. Ein Jubiläum im Aedes am Pfefferberg, Berlin

Monday, September 15th, 2014 http://www.smow.de/blog/2014/09/architektur-design-industrie-vitra-campus-ein-jubilaum-im-aedes-am-pfefferberg-berlin/">

Die Auswirkungen der kulturellen und politischen Umwälzungen des Jahres 1989 sind noch heute spürbar. Damals fiel die Berliner Mauer, George Bush wurde als 41. Präsident der USA vereidigt, Nirvana veröffentlichten ihr drittes Album “Bleach”, in Schottland wurde die Kopfsteuer eingeführt und die erste Folge der Simpsons wurde ausgestrahlt. Und, um auf den Punkt unserer Einleitung zu kommen, 1989 wurde auch das Vitra Design Museum in Weil am Rhein eröffnet. Ein Museum, das nicht nur zahlreiche von den Kritikern gefeierte Ausstellungen zu Design und Popkultur hervorgebracht hat, sondern das auch den eigentlichen Ausgangspunkt des Vitra Campus markiert. So steht das Vitra Design Museum auch für den Übergang der Firma Vitra vom reinen Möbelhersteller zum Kurator von zeitgenössischer Architektur und aktuellem Design.

Im November 2013 brachte Vitra anlässlich des bevorstehenden Geburtstages die Publikation “Vitra Campus – Architektur Design Industrie” heraus. Mehr oder weniger auf Grundlage dieses Buches entstand eine Ausstellung, die derzeit im Architekturforum Aedes am Pfefferberg gezeigt wird.

Vitra Campus Architektur Design Industrie Aedes Am Pfefferberg Berlin

Architektur Design Industrie - Vitra Campus. Ein Jubiläum bei Aedes am Pfefferberg, Berlin

“Architektur Design Industrie” wurde von Aedes konzipiert und von Chris Rehberger designt. Rehberger ist Mitarbeiter der Berliner Agentur Double Standards und auch für das Design des zugrundeliegenden Buches verantwortlich. Die Ausstellung präsentiert einen kompakten Überblick über die Objekte und Gebäude auf dem Vitra Campus sowie Videointerviews mit den verantwortlichen Architekten und Kataloge ausgewählter Ausstellungen im Vitra Design Museum. Besonders akademisch, technisch oder übermäßig kritisch ist die Ausstellung beim besten Willen nicht. Vielmehr handelt es sich um eine sehr zugängliche, klar designte offene Präsentation, die einerseits die nötigen Hintergrundinformationen bietet, um zu verstehen, was der Vitra Campus überhaupt ist, und zum anderen auch detaillierte Informationen für alle liefert, die mehr darüber wissen wollen.

Dem bisherigen Vitra Chef Rolf Fehlbaum zufolge wuchs der Vitra Campus sehr organisch ohne einen langfristigen Masterplan. Nach dem berüchtigten Feuer von 1981, das die ursprüngliche Vitra Produktionshalle in Weil am Rhein zerstörte, beschloss Fehlbaum das Gelände in Zusammenarbeit mit zunächst nur einem Architekten, und zwar Nicholas Grimshaw, neu zu gestalten. Nachdem er allerdings Frank Gehry kennengelernt und ihn mit dem Bau des Vitra Design Museums sowie einer Produktionshalle beauftragt hatte, sah er sich mit einer schwierigen Situation konfrontiert.

Gehrys Produktionshalle und Grimshaws Produktionshalle standen ganz nah beieinander, glichen sich auch in Sachen Größe, Preis und Funktion, sahen aber ansonsten absolut unterschiedlich aus. So traten die unterschiedlichen Möglichkeiten der Architektur auf einfache Weise offen zu Tage und inspirierten Fehlbaum zu einem Vorhaben, das die unterschiedlichen Gebäuden von Zaha Hadid, Álvaro Siza, Renzo Piano und vielen anderen zur Folge hatte. Mit dem Auftrag für die Skulptur “Balancing Tools” von Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen im Jahr 1984 erhielt der Vitra Campus dann sein erstes Kunstwerk, das außerhalb des Produktionsbereiches platziert wurde und so als erstes Objekt auch öffentlich zugänglich war. Nach der Eröffnung von Gehrys Museumsbau wurde der “öffentliche” Bereich erstmals 1993 wieder mit Tadao Andos Konferenzpavillon und später durch Herzog & de Meurons VitraHaus erweitert. So entstand der aktuelle Mix aus öffentlichen und industriellen Räumen. Ein Mischung, die auf wunderbare Weise durch die zwei jüngsten Neuheiten weitergeführt wurde – die SANAA Produktionshalle, eine saubere, funktionale, wenn nicht gar monumentale Konstruktion, und den Vitra Rutschturm.

Vitra Campus Architektur Design Industrie Aedes Am Pfefferberg Berlin

Architektur Design Industrie - Vitra Campus. Ein Jubiläum bei Aedes am Pfefferberg, Berlin

Ausgehend von einer Diskussion zwischen Aedes und dem Vitra Design Museum ist die Entscheidung, die Ausstellung “Architektur Design Industrie” im Aedes Berlin zu zeigen, sehr passend, da Aedes schon 1989 die erste Monografie zu Frank Gehrys damals brandneuem Vitra Design Museum veröffentlicht hat. Der passende Ort also für die “Geburtstagsausstellung”, wenn man so will.

Dem Chefkurator des Vitra Design Museums Mateo Kries zufolge ist “Architektur Design Industrie” vorerst nur als einmalige Präsentation im Aedes angedacht. Allerdings ist es nicht nur ziemlich sicher, sondern fast schon garantiert, dass der Erfolg aus der Ausstellung eine Wanderausstellung machen wird. Nicht zuletzt weil sie sich in Sachen Form und Inhalt doch auch perfekt als Ausstellung für die Räume von Vitras Flagship Stores und Händler-Netzwerk eignet.

Wir nehmen der zwangsläufigen und augenscheinlichen Frage die Antwort vorweg: Ja, zuweilen sieht die Ausstellung wie eine Verkaufsmasche von Vitra und, angesichts der Beleuchtung, von Artek aus. Es wäre allerdings auch komisch gewesen, alle kommerziellen Bezüge zu Vitra wegzulassen, sie machen Vitra schließlich auch aus. Vitra Campus und Vitra Design Museum sind ausgehend vom Möbelhersteller Vitra entstanden, insofern wäre es irgendwie verdreht den Ausstellungsraum mit anderen Möbeln als denen des Herstellers zu füllen.

OK, die Stühle aus der Miniaturen Kollektion des Vitra Design Museums, die auch ausgestellt sind, sind etwas unnötig, zumal ausschließlich Vitra Miniaturen gezeigt werden, obwohl die Miniaturenkollektion eigentlich wunderbar unabhängig und demokratisch auf die gesamte Geschichte des Möbeldesigns eingeht. Auch den “Vitra Home Collection”-Katalog auf dem Haupttisch hätte man weglassen können – der wirkte aufdringlich und hatte mit dem eigentlichen Thema nun wirklich nichts zu tun.

Abgesehen davon dreht sich die Ausstellung dezidiert um den Vitra Campus und das Vitra Design Museum.

Eine etwas grundsätzlichere Kritik an der Ausstellung wäre, dass die Texte ausschließlich auf deutsch sind. Wir verstehen schon warum, denken aber trotzdem, dass die Ausstellung so sehr begrenzt wird. Irgendeine Form von Übersetzung wäre einfach gut gewesen. Vor allem in einer so globalen Stadt wie Berlin, in der Deutsch in vielen Bereichen die inoffizielle zweite Amtssprache ist.

Lässt man diese Kritik mal beiseite, bleibt “Architektur Design Industrie” eine fesselnde Einführung zu einem wirklich faszinierenden Ort.

“Architektur Design Industrie – Vitra Campus. Ein Jubiläum” ist bis Sonntag, den 28. September, im Architekturforum Aedes am Pfefferberg, Christinenstrasse 18-19, 10119 Berlin zu sehen.

Weitere Details sind unter www.aedes-src.de zu finden.

Konstantin Grcic – Panorama @ Vitra Design Museum

Tuesday, July 29th, 2014 http://www.smow.de/blog/2014/07/konstantin-grcic-panorama-vitra-design-museum/">

Eines der ersten Telefonate, das Mateo Kries und Marc Zehnter, nachdem sie 2011 die Leitung des Vitra Design Museums übernommen haben, geführt haben, ging an Konstantin Grcic. Es ging dabei um die Möglichkeit einer Ausstellung. Grcic war grundsätzlich offen für die Idee, wollte allerdings keine “statische Ausstellung, die seine Arbeit in der Zeit einfrieren würde, sondern etwas dynamisches.”

Aus diesem “etwas dynamischem” wurde die Ausstellung “Konstantin Grcic – Panorama”, die im Vitra Design Museum in Weil am Rhein, am 21. März 2014 eröffnet wurde.

Konstantin Grcic Panorama Vitra Design Museum Netscape Swings

Die interaktive Installation Netscape von Konstantin Grcic vor dem Vitra Design Museum, Weil am Rhein

Panorama präsentiert in vier thematischen Abschnitten ungefähr 200 Objekte und umfasst eigentlich zwei Ausstellungen in einer. Der erste Teil im Untergeschoss des Museums behandelt Designthemen, die für Konstantin Grcic von besonderer Bedeutung sind, und seiner Meinung nach für uns alle bedeutend sein sollten.

Die Ausstellung wird dabei mit “Life Space”, einem Ausblick auf Konstantin Grcics Überlegungen zu zukünftigen Wohnsituationen, eröffnet, bevor im Abschnitt “Work Space” eine Erforschung von Konstantin Grcics Arbeitsprozess erfolgt. Dieser Punkt behandelt wiederum einerseits eine Diskussion zum Designprozess ganz allgemein und befasst sich andererseits mit der Zukunft urbaner Räume.

Im Obergeschoss befindet sich der mit “Object Space” betitelte zweite Hauptteil der Ausstellung, der detailliert auf Grcics Oeuvre eingeht. Es werden exemplarisch unterschiedliche Arbeiten von Grcic gezeigt, darunter Produkte für so unterschiedliche Hersteller wie Moormann, Magis, ClassiCon und Flos sowie Objekte, die in Kooperationen mit Galerien entstanden sind, und Projekte, die ohne Grcics Münchner Studio wohl niemals zustande gekommen wären. Zudem werden die Arbeiten anderen Objekten gegenübergestellt, die für Konstantin Grcic eine bestimmte Rolle spielen, die ihn z.B. für seine eigenen Arbeiten inspiriert haben.

Die Aufteilung der Ausstellung ist dabei nicht nur eine räumliche und konzeptuelle, sie gibt auch stilistisch unterschiedliche Richtungen vor. Getreu Grcics Motto, “meine Designs geben sich nicht sofort zu erkennen”, ist der Besucher in den ersten drei Abschnitten eher gefordert, eigene Antworten auf die thematisierten Fragestellungen zu finden. Der letzte Abschnitt ist hingegen ganz museale, trockene und oberflächliche Präsentation. So sprechen auch beide, Konstantin Grcic und der Chefkurator des Vitra Design Museums Mateo Kries, vom vierten Abschnitt als einer Ausstellung in der Ausstellung, die sie absichtlich so eingängig und anspruchslos konzipiert haben.

Irgendwie wirkt das auf uns ziemlich ironisch.

Alles in allem ist die Ausstellung eine wunderbare, klar strukturierte Präsentation, die einiges über Konstantin Grcic und seine Art zu arbeiten zu berichten weiß, die wir allerdings, um ehrlich zu sein, nicht wirklich ernst nehmen können – ein Umstand, den wir jedoch absolut gutheißen.

Konstantin Grcic Panorama Vitra Design Museum Object Space

Der Abschnitt Object Space, Konstantin Grcic - Panorama im Vitra Design Museum

Wie schon bei der Ausstellung “Lightopia” war der Platzmangel im Vitra Design Museum für uns das größte Problem. Zwar hält Konstantin Grcic Frank Gehrys Gebäude für eine Herausforderung – es habe Charakter mit seinen groben Ecken – es besteht allerdings auch kein Zweifel an der Tatsache, dass ein Charakteristikum des Vitra Design Museums der Platzmangel ist.

Für die konservativen Ausstellungsformate, wie auch den zweiten Ausstellungsteil “Object Space” mag der Platz ausreichen, ein ambitioniertes Projekt in der Größenordnung von “Panorama” benötigt jedoch eigentlich mehr Raum.

Jeder der vier Abschnitte hätte für sich genommen eine komplette Ausstellung werden können. Wir haben zwar schon Ausstellungen in sehr viel kleineren Räumlichkeiten gesehen, bei “Panorama” hat man aber, auch wenn der Umfang während der Ausstellungsplanung sicher bereits eingegrenzt wurde, ein explizit eingeengtes und unwillkommenes Gefühl. Als wünschten sich alle, man würde doch nur einen Text über die Ausstellung lesen, anstatt den Raum mit seiner Anwesenheit zu überfüllen.

Der Abschnitt “Life Space” beispielsweise hätte eindeutig so präsentiert werden müssen, dass man herumlaufen, alles untersuchen, anfassen und sich auf die Stühle setzen kann, anstatt sich die Ausstellung aus der Distanz von einer der komfortablen Bench B Bänke anzuschauen. Hingegen hätte “Work Space” gewissermaßen Platz zum arbeiten benötigt – die Anordnung  erinnert eher an ein Lager als an eine Werkstatt – eher einschläfernd als dynamisch. Und das liegt nicht daran, dass den Kuratoren keine bessere Lösung eingefallen wäre, der Platzmangel bot einfach keine bessere Möglichkeit, all die Themen unterzubringen.

All das sollte aber nicht für eine Kritik an der Ausstellung selbst gehalten werden!

“Panorama” ist keine Ausstellung, die Konstantin Grcics Arbeit grundsätzlich erklärt. Grcic selbst vielleicht schon, aber nicht seine Arbeit. Allerdings soll das auch gar nicht der Schwerpunkt sein. Die Ausstellung handelt weniger von Konstantin Grcics Arbeit als von ganz grundsätzlichen Fragen zum aktuellen Design und zeitgenössischen Designern.

Konstantin Grcic ist dabei lediglich der Kanal.

Der Begriff “Design” wird heute ziemlich inflationär gebraucht. Es gibt immer mehr “Design”, weil immer mehr Aspekte unseres Lebens als “Design” verstanden, präsentiert und verkauft werden. Folglich sind der Begriff “Design” und die Aufgabe des “Designers” unklar, verworren, widersprüchlich und letztlich bedeutungslos geworden. “Panorama” fokussiert, was Design wirklich ist bzw. was zeitgenössisches Design sein sollte.

Was ist wirklich wichtig für die Wohnräume der Zukunft? Wie können neue Technologien am besten integriert, statt einfach nur angewendet werden? Welche Formen werden neue Technologien ermöglichen? Welche wären wünschenswert und welche sind sinnvoll? Was bedeutet es heute an einem Ort zu “leben”? Was ist Arbeit? Sind wir bereit unsere Privatsphäre für den häuslichen Komfort zu opfern? Wie kann uns Design helfen zu erreichen, was wir wollen und was wir benötigen? Welche Verantwortung haben die Designer innerhalb solcher Prozesse?

Solche Fragen werden auf Schautafeln thematisiert und von Artikeln sowie wissenschaftlichen Arbeiten begleitet, die sich mit verwandten sozialen, kulturellen und ökonomischen Problemen befassen: Können Wüsten die Erde mit Strom versorgen? Ist eine Welt ohne Unternehmen und Fabriken vorstellbar? Was sind die Vorteile des Häuser-Besetzens? …

Die Ausstellung geht weder an einer Stelle sonderlich in die Tiefe noch streift sie alle Probleme des zeitgenössischen Designs oder wirft komplett neue Fragen auf – das ist aber auch nicht das Ziel. “Panorama” ist eine Ausstellung von Konstatin Grcic über Konstantin Grcic bzw. Dinge, die für ihn wichtig sind und über die nachzudenken er anregen will. Diesem Anliegen folgt “Panorama” auf sehr effektive Weise, mit einfachen Mitteln und in einer zugänglichen, aber fordernden Art.

“Panorama” macht dabei absolut deutlich, dass in Zukunft jeder von uns seinen persönlichen Anteil an einer kollektiven Verantwortung akzeptieren werden muss. Verantwortung kann man jedoch erst übernehmen, wenn man seine Umwelt versteht und zu schätzen weiß. Das wird besonders im Abschnitt “Public Space” deutlich, der im größten Raum des Vitra Design Museums präsentiert wird und den eine 30 Meter lange und 4,4 Meter hohe Fantasie-Stadtansicht des Londoner Künstlers Neil Campbell Ross dominiert. Vor dieser Stadtlandschaft sind einige Chair Ones auf  Betonsockeln und Gricics experimentelles Projekt “Landen” von 2007 zu sehen. Dazu kommt ein Zaun, von dem wir dachten, er wäre nur zu Dekorationszwecken installiert, der aber gewissermaßen eine 3D-Erweiterung des Gemäldes ist. Der eigentliche Gedanke dahinter ist allerdings ein ziemlich deprimierendes Klischee. Insofern ignorieren wir den Zaun mal.

Der Fokus des Raumes liegt ohnehin auf der Stadtansicht und den dadurch aufgeworfenen Fragen zum Stand der urbanen Umwelt und ihren Entwicklungen. Auf den Schautafeln wirft Grcic beispielsweise Fragen nach den Besitzverhältnissen urbaner Räume, der Notwendigkeit humaner urbaner Lebensformen und der zukünftigen Fortbewegung in Städten auf. Was erwarten wir von den Städten der Zukunft? Letztendlich haben die Antworten, die jeder für sich auf diese Fragen findet, Auswirkungen auf den Charakter unserer Städte und bestimmen, ob wir in einer Zukunft leben werden, die wir uns gewünscht haben. Wollen wir solche Entscheidungen wirklich Designern überlassen? Wer bezahlt eigentlich Designer?

Konstantin Grcic Panorama Vitra Design Museum Life Space

Life Space. Konstantin Grcic - Panorama, Vitra Design Museum

Konzeptuelle Ausstellungen wie “Panorama” laufen immer Gefahr zum intellektuellen Steckenpferd der Organisatoren zu werden. Die Kuratoren betreiben eine endlose Nabelschau und entwickeln ein großes Konzept aus den edelsten Theorien, gespickt mit Doktrinen und Ideologien, die Massen strömen hinzu und zeigen sich überwältigt vom Glanz des Spektakels. Aber am Ende bleibt nur ein enormer narzisstischer Pomp.

“Panorama” entkommt diesem Schicksal, indem vermieden wird alle Fragen zu beantworten, geschweige denn eine Vision der Zukunft zu präsentieren. Das bleibt Aufgabe der Besucher. “Ich hoffe”, so Grcic, “die Besucher verstehen die Ausstellung als Ausgangspunkt für eine Diskussion und denken darüber nach, was ihnen gezeigt wurde. Und entscheiden dann ob sie mit unseren Anschauungen einverstanden sind oder nicht.”

All das bedeutet natürlich, dass “Konstantin Grcic – Panorama” nichts für einen faulen, verkaterten Sonntagnachmittag ist – jedenfalls nicht die ersten drei Abschnitte. Aber mal ganz im Ernst, wenn man irgendetwas aus dieser Ausstellung mitnehmen möchte, sollte man Zeit und etwas Geistesanstrengung investieren.

Die Ausstellung läuft bis September – also keine faulen Ausreden.

“Konstantin Grcic – Panorama” ist bis Sonntag, den 14. September 2014, im Vitra Design Museum, Charles Eames Strasse 2, 79576 Weil am Rhein zu sehen. Alle Details, wie Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Informationen zum Begleitprogramm sind unter www.design-museum.de zu finden.

Der Vitra Campus wird erweitert: Vitra Rutschturm und Álvaro-Siza-Weg eröffnet

Friday, July 18th, 2014 http://www.smow.de/blog/2014/07/der-vitra-campus-wird-erweitert-vitra-rutschturm-und-alvaro-siza-weg-eroffnet/">

Im Jahr 2011 haben wir uns über den Zaun beschwert, der den Vitra Campus in Weil am Rhein durchkreuzt und daraufhin einen kleinen Aufruf an Vitras Vorsitzenden Rolf Fehlbaum veröffentlicht: “Herr Fehlbaum, reißen Sie diese Mauer ein!”, forderten wir und schlugen vor, “Oder verschieben sie den Zaun zumindest ein Stück.”

Rolf Fehlbaum hat tatsächlich reagiert, der Zaun wurde ein Stück verschoben. Danke!

Allerdings hat der weise Rolf Fehlbaum gleich etwas weiter gedacht und die Gunst der Stunde genutzt, und vom portugiesischen Architekten Álvaro Siza einen Weg zwischen VitraHaus und Zaha Hadids Feuerwehrhaus entwerfen lassen. Vor allem aber hat er den gewonnenen Platz für eine Installation von Künstler Carsten Höller genutzt. Versöhnlicherweise steht da, wo früher ein hässlicher Zaun die Sicht versperrt hat, jetzt ein Aussichtsturm – genauer der Vitra Rutschturm. Und der macht seinem Namen wirklich alle Ehre.

Vitra Campus Vitra Slide Tower

Der Zaun ist weg! Im Hintergrund der dafür entstandene Vitra Rutschturm

Die Entscheidung Álvaro Siza für die Gestaltung des neuen Weges anzufragen, fiel laut Fehlbaum nicht zufällig, sondern hing mit früheren Landschaftsprojekten Sizas, wie dem Swimmingpool Komplex in Leca da Palmeira und dem Museum für zeitgenössische Kunst in Santiago de Compostela, zusammen.

Der ungefähr 500 Meter lange, kurvenreiche Weg in die westliche Ecke des Vitra Campus ist gesäumt von Hainbuchenhecken. Die geordnete Reihe öffnet sich gelegentlich hin zu grünen Plätzen und gibt den Blick auf den Vitra Campus sowie Sitzbereiche mit Granitbänken frei. Der Álvaro-Siza-Weg kreuzt dabei Renzo Pianos Diogene und den neuen Vitra Rutschturm, bevor er durch eine schmale Lücke in einer Stein- und Granitmauer führt, von der aus man schließlich freie Sicht auf das Feuerwehrhaus hat.

Es handelt sich also tatsächlich nur um einen Weg – eine Strecke, die A mit B verbindet. Und die Frage, warum man dafür einen Pritzker-Preisträger engagiert, ist durchaus berechtigt.

Nun ja…

Álvaro Siza hat natürlich nicht einfach nur einen “Weg” entworfen. Auf einem einfachen Weg geht man entlang, als wäre es eine lästige Pflicht, die man erfüllen muss, um sein Ziel zu erreichen. Bei Sizas Weg sollte man gerade diese Orientierung auf das Ziel mal hinten anstellen und sich stattdessen auf seine Umgebung einlassen. Den Weg das Ziel sein lassen. Was man auf diese Weise entdecken wird, ist, dass sich Architektur und Natur nicht mühelos miteinander verbinden, sondern in Konkurrenz zueinander stehen. Natur und Architektur müssen ihre Position jeweils gegeneinander behaupten – und zeigen sich dadurch von ihrer besonders charmanten Seite.

Vitra Campus Vitra Slide Tower

Der Blick vom Vitra Rutschturm

Im Gegensatz dazu fügt sich Carsten Höllers Vitra Rutschturm ganz ohne jede Anstrengung in das Ensemble des Vitra Campus ein. Mit seinen ungefähr dreißig Metern Höhe ist er keine sonderlich attraktive Konstruktion und versprüht in ästhetischer Hinsicht ungefähr den Charme eines Strommastens. Allerdings strahlt der Rutschturm dabei eine gewisse Mischung aus Trash und amerikanischer 50er-Jahre-Nostalgie aus. Wir würden nicht gleich vom neuen Las Vegas in Weil am Rhein sprechen, aber wenn nachts die riesige, sich drehende Uhr leuchtet, hat der Rutschturm etwas zufriedenstellend Kitschiges. Ungefähr wie das erste Album der Manic Street Preachers… Wahrscheinlich sollte uns der Rutschturm eher an russische konstruktivistische Architektur wie den Tatlin-Turm erinnern, was er in gewisser Weise auch tut, aber vor allem…

Die äußere Erscheinung des Turms ist letztendlich aber auch zweitrangig. Was zählt, ist die Funktion. Die Idee zum Turm wurde durch Rolf Fehlbaum angestoßen, der darüber nachdachte, wie sich mehr Kunst auf dem Vitra Campus integrieren ließe. Ein Skulpturengarten missfiel ihm und schließlich schlug ihm die Kuratorin Theodora Vischer vor, bei Carsten Höller anzufragen. Von Carsten Höllers Ideen begeisterte Rolf Fehlbaum das Konzept eines Turms mit Rutsche am meisten, da die Installation zwar ein Kunstwerk ist, dabei aber architektonische und spielerische Elemente miteinbezieht. Und da schon Charles Eames dazu riet, “unser Vergnügen ernst zu nehmen”… Die 38 Meter lange mit Plexiglas überdachte Rutsche macht’s möglich! Und von der Aussichtsplattform aus lässt sich ganz in Ruhe das herrliche Panorama von Weil am Rhein, Basel, dem Tüllinger Hügel und natürlich vom Vitra Campus genießen.

Alles in allem also eine exzellente Erweiterung des Vitra Campus und eine Installation, die den Besuchern ganz neue Dimensionen eröffnet.

Der Álvaro-Siza-Weg ist für alle rund um die Uhr zugänglich und der Vitra Rutschturm täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, allerdings sollte man sich darauf einstellen, seinen Kindern erklären zu müssen, dass die Benutzung erst für Kinder ab sechs Jahren und 1,30 Metern erlaubt ist.

Neben diesen Neuheiten zeigt das Vitra Design Museum in der Vitra Design Museum Gallery derzeit außerdem die Ausstellung “Álvaro Siza – Visions of the Alhambra“, die bereits im Aedes Architekturforum Berlin zu sehen war. Interessierte Leser verweisen wir also auf unseren früheren Post zur Ausstellung. Und bis zum 14. September ist die Ausstellung “Konstantin Grcic – Panorama” im Vitra Design Museum zu sehen.

 

1. smow Architekten Kicker Cup

Thursday, July 3rd, 2014 http://www.smow.de/blog/2014/07/1-smow-architekten-kicker-cup/">

Zurzeit findet irgendwo in Argentinien – oder war es Uruguay? – irgendwo in Südamerika jedenfalls – so ein Fußballturnier statt. Aber egal wo genau, es findet auf jeden Fall zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt statt, denn es fällt mit dem Auftakt des smow Architekten Kicker Cups in den sagenumwobenen Räumlichkeiten von smow Stuttgart zusammen, der nämlich am 3. Juli stattfindet.

Nach dem Erfolg der Designermöbel Weltmeisterschaft von 2010, einem Turnier, bei dem Fritz Haller in einem wahrhaft epischen Finale gegen Egon Eiermann kämpfte, treten beim smow Architekten Kicker Cup 13 Teams aus 10 Stuttgarter Architektenbüros sowie das smow Team und, weil alles so fair, transparent und legal in der korruptionsfreien Welt des Tischfußballs ist, Teams vom Turniersponsor gegeneinander an.

Die Schweizer Fans feiern Fritz Hallers Sieg über Egon Eiermann bei der Designermöbel Weltmeisterschaft 2010

Anstoß ist pünktlich 16 Uhr. Alle sind als Zuschauer, Anfeuerer und La-Ola-Wellen-Anführer willkommen

Und während man bei anderen Fußballturnieren ständig mit der Werbung irgendwelcher Sponsoren-Produkte konfrontiert wird, die man weder will noch braucht, kann man beim smow Architekten Kicker Cup in den Werbeunterbrechungen selbst entscheiden, welche Produkte der bereits erwähnten Sponsoren Vitra, USM Haller und Acousticpearls man vor Ort ausprobieren möchte.

Der smow Architekten Kicker Cup findet am Donnerstag, den 03.07.2014 im smow Showroom Stuttgart, Sophienstrasse 17, 70178 Stuttgart statt.

Alle Ergebnisse demnächst hier.

kickercup

smow Architekten Kicker Cup

smow Blog kompakt Spezial: DMY Berlin – Flowers for Slovakia. Lost & Found by Vitra

Friday, June 27th, 2014 http://www.smow.de/blog/2014/06/smow-blog-kompakt-spezial-dmy-berlin-flowers-for-slovakia-lost-found-by-vitra/">

Man muss nicht immer verstehen, warum Designer und Designinstitutionen machen, was sie machen. Es ist einfach nicht immer möglich die Logik hinter ihrem Handeln nachzuvollziehen. Manchmal sollte man sich besser zurücklehnen, zusehen und staunen. Genau so erging es uns bei dem Projekt “Lost & Found by Vitra” der Designplattform Flowers for Slovakia aus Bratislava. Kern des Projekts sind die Arbeiten von 15 jungen slowakischen Designern, deren Aufgabe es war, historische Exemplare traditioneller, slowakischer Möbel mit Elementen aus der aktuellen Vitra Kollektion zu verbinden.

Das Resultat ist ein wirklich verwirrendes, irritierendes, amüsantes und sehr inspirierendes Kuriositätenkabinett, das einem ganz neue Perspektiven in Sachen Formgebung eröffnet und zeigt, wie wichtig Details für den Designprozess sind.

Wir nehmen an, dass die Sache vor allem so gut funktioniert, weil die losgelösten Vitra Elemente fast noch einsamer und verlassener wirken als die historischen Möbel. Separate Rückenlehnen von Bürostühlen, Tischrahmen, Stuhlbeine und ähnliches wirken von ihrem eigentlichen Bestimmungsort abgetrennt nicht besonders attraktiv oder interessant. Doch machen sie in ihrer neuen Verbindung absolut Sinn und entwickeln eine neue Funktion, für die sie, obwohl sie von ihrem ursprünglichen Zweck entbunden wurden, wie gemacht scheinen.

Das zeigt auch, welch enge Verwandtschaft zwischen dem traditionellen Handwerk mit seinen wohlüberlegten Formen und Konstruktionen und dem modernen Produktdesign (mit seinen wohlüberlegten Formen…) besteht. Wenn beide kompetent und klug umgesetzt werden, können sie problemlos miteinander kombiniert werden.

Letztlich kommt es im Produktdesign genau darauf an, mit welcher Aufmerksamkeit die einzelnen Komponenten im Detail geformt werden. Nur wenn man das richtig angeht, wird das Produkt gut.

Und das, was man am Ende sieht, ist in dem Sinne nur ein Teil eines Prozesses, der das Objekt wertvoll und nützlich macht. Eine Position, die uns natürlich an die Botschaft der Ausstellung “Wilhelm Wagenfeld: Die Form ist nur Teil des Ganzen” im Wilhelm Wagenfeld Haus in Bremen erinnert. Zudem handelt es sich dabei auch um etwas, das den Unterschied zwischen Lifestyle-Objekten, die von Scharlatanen vermarktet werden, und wirklichen Designprodukten ausmacht und unterstreicht.

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck @ Theater Rampe Stuttgart

Monday, May 12th, 2014 http://www.smow.de/blog/2014/05/der-hund-des-alten-mannes-von-oliver-kluck-theater-rampe-stuttgart/">

Am Donnerstagabend, den 8. Mai hatte das Stück ”Der Hund des alten Mannes” von Oliver Kluck in der Theater Rampe Stuttgart Weltpremiere.

Unter Regie von Marie Bues behandelt “Der Hund des alten Mannes” Fragen der modernen Gesellschaft, Probleme des Kapitalismus und die bittersüße Realität des aktuellen globalen Kapitalismus, und all das mit Blick auf die deutsche Automobilindustie. Letztendlich reflektiert das Stück aber vor allem den Zustand des zeitgenössischen Theaters bzw. der aktuellen Theaterindustrie.

Bei dieser Untersuchung spielt Sauerkraut eine ähnlich bedeutende Rolle wie die drei Protagonisten…

Neben dem Sauerkraut ist für die Inszenierung ein ziemlich wirres Bühnenbild charakteristisch. Dieses besteht aus drei Vitra RAR Schaukelstühlen, einer George Nelson Eye Clock, einem White Shell Beistelltisch von Sallvatore Indriolo für Zanotta und einer ganzen Reihe Moormann Möbel, darunter drei Kleine Lehner und eine Pin Coat Garderobe.

Die Möbel stellte (smow) Stuttgart, die alten Liebhaber gepflegter Hochkultur, zur Verfügung.

In den kommenden Wochen werden weitere Aufführungen gezeigt, einige mit Publikumsdiskussion im Anschluss. Sämtliche Details zu den Zeiten und Kartenpreisen sind unter zu http://theaterrampe.de finden.

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck Theater Rampe Stuttgart

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck @ Theater Rampe Stuttgart (Foto: Andreas Zauner, mit freundlicher Genehmigung der Theater Rampe Stuttgart)

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck Theater Rampe Stuttgart

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck @ Theater Rampe Stuttgart (Foto: Andreas Zauner, mit freundlicher Genehmigung der Theater Rampe Stuttgart)

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck Theater Rampe Stuttgart

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck @ Theater Rampe Stuttgart (Foto: Andreas Zauner, mit freundlicher Genehmigung der Theater Rampe Stuttgart)

(smow) Blog kompakt IMM Cologne Spezial: Stylepark Featured Editions

Friday, March 21st, 2014 http://www.smow.de/blog/2014/03/smow-blog-kompakt-imm-cologne-spezial-stylepark-featured-editions/">

Als wir die IMM Cologne 2014 in unserer Vorschau als Eröffnung des europäischen Designzirkus bezeichneten, war uns ja nicht klar, dass dieser Zirkus auch mit einem Rummel ausgestattet sein würde.

Leider konnte man auf dem Kettenkarussell, an dem die Sitzschalen des Pelle Stuhls befestigt waren, nicht wirklich eine Runde drehen. Das Karussell war Teil der Präsentation des “Featured Editions”-Programms 2014 und nur zum Anschauen gedacht.

Das Konzept “Featured Editions” wurde vom Onlineportal Stylepark kuratiert und hatte 2013 auf der IMM Cologne seine Premiere. “Featured Editions” ist eine Serie von Installationen, mit denen Designer/Künstler/Architekten auf spielerische, konzeptuelle Art ein Design präsentieren.

Einige Installationen eröffnen einen wirklich ernsthaften, künstlerischen Diskurs mit den Objekten, andere entstehen unter Zeitdruck und sind eher so konzipiert, dass man zeigt, was zum Termin fertig ist. Das ist jedoch eine Mischung, die den Unterhaltungswert des Konzeptes keineswegs mindert.

Neben dem Pelle Karussell gab es beispielsweise die Installation Sharky Jump mit einem tauchenden Kristalia Stuhl, ein Strickleiter-Regal und bestialisch aufgespießte Eames DKR Wire Chairs.

Die “Featured Editions”-Installationen sind nicht nur eine schöne Ablenkung vom Hochglanz der Firmenmessestände und ihrer häufig uninspirierten und trockenen Präsentationen, sondern bieten auch die wunderbare Gelegenheit, sich kurz niederzulassen und ein paar Minuten zu entspannen.

Alles in allem gute Unterhaltung und eine großartige Ergänzung zum IMM Cologne Komplettpaket.

Unsere Bilder:

Passagen Köln 2014: A&W Designer des Jahres 2014 – Werner Aisslinger. Die Ausstellung.

Monday, March 17th, 2014 http://www.smow.de/blog/2014/03/passagen-koln-2014-aw-designer-des-jahres-2014-werner-aisslinger-die-ausstellung/">

Was wäre die IMM Cologne ohne die offizielle Krönung des A&W Designers des Jahres?

Wir würden sagen, einen Tag kürzer und um eine Ausstellung ärmer.

Nach Patricia Urquiola im Jahr 2012 und Ronan & Erwan Bouroullec 2013, ist 2014 Werner Aisslinger A&W Designer des Jahres. Und wie es eben Tradition ist, wird seine Arbeit derzeit im Kölner Kunstverein mit einer Ausstellung gewürdigt.

Im Sommer 2013 zeigte der Berliner Ausstellungsort Haus am Waldsee eine Einzelausstellung Werner Aisslingers unter dem Titel Home of the Future.

Die A&W Ausstellung ist in so mancher Hinsicht eine verkürzte Version dieser Ausstellung.

Die in sieben Abschnitte unterteilte Ausstellung bietet einen interessanten Querschnitt der kommerziellen und konzeptuellen Projekte Aisslingers. Darunter beispielsweise der Juli Chair für Cappellini, das Level 34 Arbeitsplatzsystem für Vitra, das konzeptuelle “Kitchen Farming”-Projekt und die Chair Farm. So lernen die Besucher verschiedene Aspekte von Werner Aisslingers Designansatz kennen und erfahren eine ganze Menge zu Aisslingers Designverständnis und seiner Auffassung von gesellschaftlicher Verantwortung im Design.

Die Ausstellung macht nicht gänzlich klar, warum Werner Aisslinger macht, was er macht. Dazu fehlt es einfach an Tiefe und Umfang. Allerdings ist das auch nicht Ziel der Ausstellung. Vielmehr geht es um eine gute Einführungen und darum, Werner Aisslingers Errungenschaften der letzten zwanzig Jahre zu würdigen.

Unserer Meinung nach ist das die richtige Entscheidung, bedenkt man den Platzmangel im Kölner Kunstverein und den Kontext der Ausstellung – zu Beginn während der Kölner Möbelmesse, während der sich wohl nur wenige Besucher die Zeit nehmen, eine ausführliche Ausstellung genau anzusehen; und anschließend auf einer Tour durch die Stilwerk-”Design”-Kaufhäuser, in denen hauptsächlich Laufkundschaft die Ausstellung besichtigen wird. Und zwar neugierig, interessiert, aber eben nur beiläufig.

Dennoch hat die Ausstellung ausreichend Substanz, um alle Besucher anzustiften, sich selbst noch genauer zu informieren, was wir auch durchaus empfehlen würden.

Die “A&W Designer des Jahres”-Ausstellung ist im Kölner Kunstverein, Hahnenstraße 6, 50667 Köln bis zum Sonntag, den 19. Januar, und in den folgenden Wochen auf einer Tour durch die Stilwerk Kaufhäuser in Berlin, Düsseldorf und Hamburg zu sehen. Weitere Details finden sich in der lokalen Presse.

Neben den Arbeiten Werner Aisslingers sind auch Objekte der A&W Mentor Preisträgerin 2014 Gesa Hansen zu sehen.

Einige Eindrücke:

 

5 neue Designausstellungen im März 2014

Tuesday, March 4th, 2014 http://www.smow.de/blog/2014/03/5-neue-designausstellungen-im-marz-2014/">

Im März zu sehen: Eine Hommage an die ostdeutsche Architektur in Stuttgart, Ronan und Erwan Bouroullec in Tulsa, Henry van de Velde in Zürich, Ray Eames in Pasadena und Konstantin Grcics Vision für die Zukunft in Weil am Rhein.

“Ray Eames: In the Spotlight” in der Williamson Gallery im Art Center College of Design, Pasadena, Kalifornien, USA

In unserem Post zu Ehren von Ray Eames’ 100. Geburtstag 2012 haben wir unsere Leser ermutigt, ”die Arbeiten und das Talent einer bemerkenswerten Künstlerin und Designerin zu entdecken.

Die Williamson Gallery in Pasadena bietet nun eine solche Gelegenheit.

Kuratiert von der Enkelin der Eames, Carla Hartman, verspricht “Ray Eames: In the Spotlight” Briefe, Zeichnungen, Filme, Möbel, Fotografien usw. zu zeigen, die einen ehrlichen und tiefen Blick auf Ray Eames wiedergeben und so das Leben und die Arbeit einer Frau zugänglich machen, die viel zu oft – und unfairer Weise – so dargestellt wird, als wäre sie nur das ästhetische i-Tüpfelchen auf Charles Eames‘ technischem Genie gewesen. Besonders spannend finden wir, dass auch Zeichnungen und Malereien aus der Zeit vor ihrem Kennenlernen mit Charles Eames gezeigt werden sollen. Bilder also, die erklären sollten – oder könnten -, wie aus der New Yorker abstrakten Künstlerin Ray Kaiser die in Kalifornien lebende Modernistin Ray Eames wurde.

“Ray Eames: In the Spotlight” (“Ray Eames: Im Brennpunkt”) wurde am 25. Februar 2014 in der Williamson Gallery im Art Center College of Design, 1700 Lida Street, Pasadena, Kalifornien, USA eröffnet und ist dort bis Sonntag, den 4. Mai, zu sehen.

Ray Eames In the Spotlight at the Williamson Gallery at the Art Center College of Design, Pasadena, California, USA

"Ray Eames: In the Spotlight" in der Williamson Gallery im Art Center College of Design, Pasadena, Kalifornien, USA

“Henry van de Velde – Interieurs” im Museum Bellerive, Zürich, Schweiz

Eines der Probleme mit all den großen Talenten wie Henry van de Velde ist es, ihr umfassendes Werk in einer Ausstellung zu zeigen. Es gibt einfach zu viel und das ist auch noch so vielfältig.

Konsequenterweise ist die einzig realistische Lösung, die Themen zu reduzieren, um nur einem Aspekt nachzugehen, und dabei alle unausweichlichen Beschwerden über den mangelnden Kontext zu ignorieren.

Die Dépendance des Museums für Gestaltung Zürich, das Museum Bellerive, hat diesen Schritt gewagt und richtet eine Ausstellung über Henry van de Veldes Interieurdesigns aus. Die Ausstellung “Henry van de Velde – Interieurs” zeigt neben Möbeln, Essbesteck, Geschirr und Textilien auch Fotografien und Planungszeichnungen und verspricht dabei nicht nur einen Einblick in van de Veldes Arbeitsansatz zu zeigen, sondern auch zu erklären, wie er unser Verständnis von einer sich wandelnden Innenarchitektur, die sich von den dunklen, schweren Tagen des 19. Jahrhunderts löste und zu dem leichten, reduzierten Stil der frühen 20. Jahrhunderts entwickelte, mitprägte.

“Henry van de Velde – Interieurs” läuft seit dem 28. Februar im Museum Bellerive, Höschgasse 3, 8008 Zürich, Schweiz und ist dort noch bis Sonntag, den 1. Juni 2014, zu sehen.

Henry van de Velde Leidenschaft Funktion und Schönheit Klassik Stiftung Weimar

Einrichtung von Henry van de Velde, hier bei "Leidenschaft, Funktion und Schönheit" der Klassik Stiftung Weimar

“Ronan and Erwan Bouroullec – Album” im Philbrook Museum of Art, Tulsa, Oklahoma, USA

Als die Vitra Design Museum Gallery die Ronan und Erwan Bouroullec Ausstellung “Album” eröffnete, fühle sich das irgendwie, na ja, seltsam an. Eine Ausstellung mit Zeichnungen, Skizzen, Formen, Farben. Von Designern…

?

???

Seitdem wurde die Voraussicht des Projekts aber deutlich und immer mehr Texte, Bücher und Ausstellungen widmen sich dem analogen Kreativprozess und vor allem der Rolle von Zeichnungen und Skizzen im Design.

Mit über 300 Skizzen von Ronan und Erwan Bouroullec, die durch Fotografien und Modelle vervollständigt werden, bietet “Album” nicht nur einen erfreulichen Einblick in den kreativen Prozess der Brüder, sondern unterstreicht auch die Wichtigkeit, eine genaue Vorstellung davon zu haben, was man machen will und was das Ziel des Projekts ist, bevor man beginnt, an dem Design oder dem Produkt zu arbeiten. Und dass für so einen Prozess Computer nicht immer die beste Lösung sind.

“Ronan and Erwan Bouroullec – Album” ist vom 2. März bis 11. Mai 2014 im Philbrook Museum of Art, 2727 S. Rockford Road, Tulsa, Oklahoma, USA zu sehen.

bouroullec album vitra design museum weil am rhein

"Ronan and Erwan Bouroullec - Album", hier in der Vitra Design Museum Gallery, Weil am Rhein

“Ulrich Müther – In Beton gegossen” in der Architekturgalerie am Weißenhof, Stuttgart

Läuft man von Nord nach Süd entlang des Binzer Strands auf der deutschen Ostseeinsel Rügen, kommt man an etwas vorbei, das einen zum Anhalten bringen wird. Und zum Starren. Und vielleicht in Panik versetzen wird.

Ein Ufo.

1981 von dem ostdeutschen Ingenieur Ulrich Müther entworfen, ist das Binzer Ufo in Wahrheit eine Station für Rettungsschwimmer, die aus dünnen Betonschalen besteht und eine der glorreichsten Beispiele für Ulrich Müthers Handwerk ist.

Als Student in Dresden mit der “International Association for Shell and Spatial Structures” vertraut gemacht, entwickelte sich Ulrich Müther zu einem der führenden Protagonisten beim Gebrauch dünner Betonschalen in architektonischen Strukturen.

Eine Karriereentwicklung, die ohne Zweifel von seiner Nationalität unterstützt wurde. Auf der einen Seite waren seine dünnen, fast gewichtslosen Strukturen ein willkommener ästhetischer Kontrast zur massiven Architektur der DDR und bot auf der anderen Seite ein Stück Abwechslung im Stadtbild. Aber sie benötigten auch weniger Ressourcen. Was etwas war, das das notorisch ausgelastete DDR-Regime natürlich überzeugen musste.

Neben dem Binzer Ufo gibt es noch einige weitere Highlights von Ulrich Müther zu entdecken, so das sogenannte Teepott Restaurant in Warnemünde, das Café Seerose in Potsdam und das Zeiss Planetarium in Berlin.

Gleich neben der historischen Wichtigkeit und der ästhetischen Eleganz vieler seiner Projekte sind die Konstruktionsprinzipien, die von Ulrich Müther erfunden und entwickelt wurden, heute relevanter denn je – und eine Ausstellung wert.

“Ulrich Müther – In Beton gegossen” ist seit dem 27. Februar in der Architekturgalerie am Weißenhof, Am Weißenhof 30, 70191 Stuttgart zu sehen und läuft bis Montag, den 7. April 2014.

Ulrich Müther Binz

Das Binzer Ufo, äh die Rettungsstation von Ulrich Müther. Das Projekt wird bei "Ulrich Müther – In Beton gegossen" in der Architekturgalerie am Weißenhof, Stuttgart vorgestellt.

Konstantin Grcic – Panorama” im Vitra Design Museum, Weil am Rhein

Eine museale Designausstellung kann im Prinzip zwei Perspektiven haben – eine rückwärts oder eine vorwärts gewandte.

“Konstantin Grcic – Panorama” im Vitra Design Museum versucht beides, indem die Ausstellung einen Überblick über Grcics Kanon sowie einen Teil über seine Zukunftsvisionen verspricht. Der Teil über die Vision ist für uns dabei der verlockendere Aspekt der Ausstellung.

Trotz der offensichtlich reduzierten Übersichtlichkeit und einfachen Verständlichkeit seiner Designs geht es bei Konstantin Grcics Werk überwiegend nicht um das Objekt als solches, sondern um den Weg dahin, um die Daseinsberechtigung des Objekts und seinen Kontext. Als solches wird Konstantin Grcics Arbeit oft von einer konzeptuellen Komplexität unterstrichen, die in Kontrast zu der visuellen Einfachheit steht.

Wir freuen uns zu sehen, inwieweit Konstantin Grcic sein Designverständnis in eine kohärente Vision für die Zukunft umwandeln konnte.

“Konstantin Grcic – Panorama” wird am Samstag, den 22. März, im Vitra Design Museum, Charles-Eames-Str. 2, 79576 Weil am Rhein eröffnet und kann dort bis Sonntag, den 14. September September 2014, besucht werden.

Konstantin Grcic - Panorama at the Vitra Design Museum, Weil am Rhein, Germany

"Konstantin Grcic - Panorama" im Vitra Design Museum, Weil am Rhein

(smow) Blog Designkalender: 13. Februar 1926 – Happy Birthday, Verner Panton!

Friday, February 28th, 2014 http://www.smow.de/blog/2014/02/smow-blog-designkalender-13-februar-1926-happy-birthday-verner-panton/">

Wohl eher dem Zufall als dem Design ist es zu verdanken, dass in der Woche, in der Verner Panton seinen 88. Geburtstag gefeiert hätte, das Vitra Design Museum eine Ausstellung zu Verner Pantons einzigartiger Visiona 2 aus dem Jahr 1970 eröffnet hat.

“Visiona 1970: Revisiting the Future” ist gewissermaßen ein Teil des Warm Ups für die kommende Ausstellung “Panorama” von Konstantin Grcic und untersucht den Hintergrund und die Realisation der Ausstellung Visiona 2. Die Visiona 2 lieferte damals eine komplett neu erschaffene Fantasielandschaft – begehbar, zu benutzen und um sich niederzulassen. Das Element der “Fantasielandschaft” ist wahrscheinlich auch die berüchtigste Komponente von Pantons Visiona 2. Jedenfalls brachte die Visiona 2 die Ideen des Designers am deutlichsten zum Ausdruck und gehört deshalb heute auch zu Pantons nachhaltigsten Denkmälern.

Insofern ist ”Visiona 1970: Revisiting the Future” der beste Weg einen Designer zu feiern, dem wir wirklich vieles zu verdanken haben.

Als Beitrag zu den Festivitäten gibt es übrigens einen Kuchen aus Miniaturen des Panton Chairs, wie er zum 20. Jahrestag der Vitra Design Museum Miniatur-Kollektion bei Hugo Boss Mailand 2012 präsentiert wurde.

Alle Gute zum Geburtstag, Verner Panton!

happy birthday verner panton

Happy Birthday, Verner Panton (Der Kuchen ist eine Aufmerksamkeit des Vitra Design Museums und Hugo Boss Mailand)

25th January 1970 Visiona 2 Verner Panton Cologne

Fantasielandschaft von Verner Panton auf der Visiona 2, Köln 1970 (Foto: © Verner Panton Design)