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Konstantin Grcic – Panorama @ Vitra Design Museum

29. Juli 2014

Eines der ersten Telefonate, das Mateo Kries und Marc Zehnter, nachdem sie 2011 die Leitung des Vitra Design Museums übernommen haben, geführt haben, ging an Konstantin Grcic. Es ging dabei um die Möglichkeit einer Ausstellung. Grcic war grundsätzlich offen für die Idee, wollte allerdings keine “statische Ausstellung, die seine Arbeit in der Zeit einfrieren würde, sondern etwas dynamisches.”

Aus diesem “etwas dynamischem” wurde die Ausstellung “Konstantin Grcic – Panorama”, die im Vitra Design Museum in Weil am Rhein, am 21. März 2014 eröffnet wurde.

Konstantin Grcic Panorama Vitra Design Museum Netscape Swings

Die interaktive Installation Netscape von Konstantin Grcic vor dem Vitra Design Museum, Weil am Rhein

Panorama präsentiert in vier thematischen Abschnitten ungefähr 200 Objekte und umfasst eigentlich zwei Ausstellungen in einer. Der erste Teil im Untergeschoss des Museums behandelt Designthemen, die für Konstantin Grcic von besonderer Bedeutung sind, und seiner Meinung nach für uns alle bedeutend sein sollten.

Die Ausstellung wird dabei mit “Life Space”, einem Ausblick auf Konstantin Grcics Überlegungen zu zukünftigen Wohnsituationen, eröffnet, bevor im Abschnitt “Work Space” eine Erforschung von Konstantin Grcics Arbeitsprozess erfolgt. Dieser Punkt behandelt wiederum einerseits eine Diskussion zum Designprozess ganz allgemein und befasst sich andererseits mit der Zukunft urbaner Räume.

Im Obergeschoss befindet sich der mit “Object Space” betitelte zweite Hauptteil der Ausstellung, der detailliert auf Grcics Oeuvre eingeht. Es werden exemplarisch unterschiedliche Arbeiten von Grcic gezeigt, darunter Produkte für so unterschiedliche Hersteller wie Moormann, Magis, ClassiCon und Flos sowie Objekte, die in Kooperationen mit Galerien entstanden sind, und Projekte, die ohne Grcics Münchner Studio wohl niemals zustande gekommen wären. Zudem werden die Arbeiten anderen Objekten gegenübergestellt, die für Konstantin Grcic eine bestimmte Rolle spielen, die ihn z.B. für seine eigenen Arbeiten inspiriert haben.

Die Aufteilung der Ausstellung ist dabei nicht nur eine räumliche und konzeptuelle, sie gibt auch stilistisch unterschiedliche Richtungen vor. Getreu Grcics Motto, “meine Designs geben sich nicht sofort zu erkennen”, ist der Besucher in den ersten drei Abschnitten eher gefordert, eigene Antworten auf die thematisierten Fragestellungen zu finden. Der letzte Abschnitt ist hingegen ganz museale, trockene und oberflächliche Präsentation. So sprechen auch beide, Konstantin Grcic und der Chefkurator des Vitra Design Museums Mateo Kries, vom vierten Abschnitt als einer Ausstellung in der Ausstellung, die sie absichtlich so eingängig und anspruchslos konzipiert haben.

Irgendwie wirkt das auf uns ziemlich ironisch.

Alles in allem ist die Ausstellung eine wunderbare, klar strukturierte Präsentation, die einiges über Konstantin Grcic und seine Art zu arbeiten zu berichten weiß, die wir allerdings, um ehrlich zu sein, nicht wirklich ernst nehmen können – ein Umstand, den wir jedoch absolut gutheißen.

Konstantin Grcic Panorama Vitra Design Museum Object Space

Der Abschnitt Object Space, Konstantin Grcic - Panorama im Vitra Design Museum

Wie schon bei der Ausstellung “Lightopia” war der Platzmangel im Vitra Design Museum für uns das größte Problem. Zwar hält Konstantin Grcic Frank Gehrys Gebäude für eine Herausforderung – es habe Charakter mit seinen groben Ecken – es besteht allerdings auch kein Zweifel an der Tatsache, dass ein Charakteristikum des Vitra Design Museums der Platzmangel ist.

Für die konservativen Ausstellungsformate, wie auch den zweiten Ausstellungsteil “Object Space” mag der Platz ausreichen, ein ambitioniertes Projekt in der Größenordnung von “Panorama” benötigt jedoch eigentlich mehr Raum.

Jeder der vier Abschnitte hätte für sich genommen eine komplette Ausstellung werden können. Wir haben zwar schon Ausstellungen in sehr viel kleineren Räumlichkeiten gesehen, bei “Panorama” hat man aber, auch wenn der Umfang während der Ausstellungsplanung sicher bereits eingegrenzt wurde, ein explizit eingeengtes und unwillkommenes Gefühl. Als wünschten sich alle, man würde doch nur einen Text über die Ausstellung lesen, anstatt den Raum mit seiner Anwesenheit zu überfüllen.

Der Abschnitt “Life Space” beispielsweise hätte eindeutig so präsentiert werden müssen, dass man herumlaufen, alles untersuchen, anfassen und sich auf die Stühle setzen kann, anstatt sich die Ausstellung aus der Distanz von einer der komfortablen Bench B Bänke anzuschauen. Hingegen hätte “Work Space” gewissermaßen Platz zum arbeiten benötigt – die Anordnung  erinnert eher an ein Lager als an eine Werkstatt – eher einschläfernd als dynamisch. Und das liegt nicht daran, dass den Kuratoren keine bessere Lösung eingefallen wäre, der Platzmangel bot einfach keine bessere Möglichkeit, all die Themen unterzubringen.

All das sollte aber nicht für eine Kritik an der Ausstellung selbst gehalten werden!

“Panorama” ist keine Ausstellung, die Konstantin Grcics Arbeit grundsätzlich erklärt. Grcic selbst vielleicht schon, aber nicht seine Arbeit. Allerdings soll das auch gar nicht der Schwerpunkt sein. Die Ausstellung handelt weniger von Konstantin Grcics Arbeit als von ganz grundsätzlichen Fragen zum aktuellen Design und zeitgenössischen Designern.

Konstantin Grcic ist dabei lediglich der Kanal.

Der Begriff “Design” wird heute ziemlich inflationär gebraucht. Es gibt immer mehr “Design”, weil immer mehr Aspekte unseres Lebens als “Design” verstanden, präsentiert und verkauft werden. Folglich sind der Begriff “Design” und die Aufgabe des “Designers” unklar, verworren, widersprüchlich und letztlich bedeutungslos geworden. “Panorama” fokussiert, was Design wirklich ist bzw. was zeitgenössisches Design sein sollte.

Was ist wirklich wichtig für die Wohnräume der Zukunft? Wie können neue Technologien am besten integriert, statt einfach nur angewendet werden? Welche Formen werden neue Technologien ermöglichen? Welche wären wünschenswert und welche sind sinnvoll? Was bedeutet es heute an einem Ort zu “leben”? Was ist Arbeit? Sind wir bereit unsere Privatsphäre für den häuslichen Komfort zu opfern? Wie kann uns Design helfen zu erreichen, was wir wollen und was wir benötigen? Welche Verantwortung haben die Designer innerhalb solcher Prozesse?

Solche Fragen werden auf Schautafeln thematisiert und von Artikeln sowie wissenschaftlichen Arbeiten begleitet, die sich mit verwandten sozialen, kulturellen und ökonomischen Problemen befassen: Können Wüsten die Erde mit Strom versorgen? Ist eine Welt ohne Unternehmen und Fabriken vorstellbar? Was sind die Vorteile des Häuser-Besetzens? …

Die Ausstellung geht weder an einer Stelle sonderlich in die Tiefe noch streift sie alle Probleme des zeitgenössischen Designs oder wirft komplett neue Fragen auf – das ist aber auch nicht das Ziel. “Panorama” ist eine Ausstellung von Konstatin Grcic über Konstantin Grcic bzw. Dinge, die für ihn wichtig sind und über die nachzudenken er anregen will. Diesem Anliegen folgt “Panorama” auf sehr effektive Weise, mit einfachen Mitteln und in einer zugänglichen, aber fordernden Art.

“Panorama” macht dabei absolut deutlich, dass in Zukunft jeder von uns seinen persönlichen Anteil an einer kollektiven Verantwortung akzeptieren werden muss. Verantwortung kann man jedoch erst übernehmen, wenn man seine Umwelt versteht und zu schätzen weiß. Das wird besonders im Abschnitt “Public Space” deutlich, der im größten Raum des Vitra Design Museums präsentiert wird und den eine 30 Meter lange und 4,4 Meter hohe Fantasie-Stadtansicht des Londoner Künstlers Neil Campbell Ross dominiert. Vor dieser Stadtlandschaft sind einige Chair Ones auf  Betonsockeln und Gricics experimentelles Projekt “Landen” von 2007 zu sehen. Dazu kommt ein Zaun, von dem wir dachten, er wäre nur zu Dekorationszwecken installiert, der aber gewissermaßen eine 3D-Erweiterung des Gemäldes ist. Der eigentliche Gedanke dahinter ist allerdings ein ziemlich deprimierendes Klischee. Insofern ignorieren wir den Zaun mal.

Der Fokus des Raumes liegt ohnehin auf der Stadtansicht und den dadurch aufgeworfenen Fragen zum Stand der urbanen Umwelt und ihren Entwicklungen. Auf den Schautafeln wirft Grcic beispielsweise Fragen nach den Besitzverhältnissen urbaner Räume, der Notwendigkeit humaner urbaner Lebensformen und der zukünftigen Fortbewegung in Städten auf. Was erwarten wir von den Städten der Zukunft? Letztendlich haben die Antworten, die jeder für sich auf diese Fragen findet, Auswirkungen auf den Charakter unserer Städte und bestimmen, ob wir in einer Zukunft leben werden, die wir uns gewünscht haben. Wollen wir solche Entscheidungen wirklich Designern überlassen? Wer bezahlt eigentlich Designer?

Konstantin Grcic Panorama Vitra Design Museum Life Space

Life Space. Konstantin Grcic - Panorama, Vitra Design Museum

Konzeptuelle Ausstellungen wie “Panorama” laufen immer Gefahr zum intellektuellen Steckenpferd der Organisatoren zu werden. Die Kuratoren betreiben eine endlose Nabelschau und entwickeln ein großes Konzept aus den edelsten Theorien, gespickt mit Doktrinen und Ideologien, die Massen strömen hinzu und zeigen sich überwältigt vom Glanz des Spektakels. Aber am Ende bleibt nur ein enormer narzisstischer Pomp.

“Panorama” entkommt diesem Schicksal, indem vermieden wird alle Fragen zu beantworten, geschweige denn eine Vision der Zukunft zu präsentieren. Das bleibt Aufgabe der Besucher. “Ich hoffe”, so Grcic, “die Besucher verstehen die Ausstellung als Ausgangspunkt für eine Diskussion und denken darüber nach, was ihnen gezeigt wurde. Und entscheiden dann ob sie mit unseren Anschauungen einverstanden sind oder nicht.”

All das bedeutet natürlich, dass “Konstantin Grcic – Panorama” nichts für einen faulen, verkaterten Sonntagnachmittag ist – jedenfalls nicht die ersten drei Abschnitte. Aber mal ganz im Ernst, wenn man irgendetwas aus dieser Ausstellung mitnehmen möchte, sollte man Zeit und etwas Geistesanstrengung investieren.

Die Ausstellung läuft bis September – also keine faulen Ausreden.

“Konstantin Grcic – Panorama” ist bis Sonntag, den 14. September 2014, im Vitra Design Museum, Charles Eames Strasse 2, 79576 Weil am Rhein zu sehen. Alle Details, wie Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Informationen zum Begleitprogramm sind unter www.design-museum.de zu finden.

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck @ Theater Rampe Stuttgart

12. Mai 2014

Am Donnerstagabend, den 8. Mai hatte das Stück ”Der Hund des alten Mannes” von Oliver Kluck in der Theater Rampe Stuttgart Weltpremiere.

Unter Regie von Marie Bues behandelt “Der Hund des alten Mannes” Fragen der modernen Gesellschaft, Probleme des Kapitalismus und die bittersüße Realität des aktuellen globalen Kapitalismus, und all das mit Blick auf die deutsche Automobilindustie. Letztendlich reflektiert das Stück aber vor allem den Zustand des zeitgenössischen Theaters bzw. der aktuellen Theaterindustrie.

Bei dieser Untersuchung spielt Sauerkraut eine ähnlich bedeutende Rolle wie die drei Protagonisten…

Neben dem Sauerkraut ist für die Inszenierung ein ziemlich wirres Bühnenbild charakteristisch. Dieses besteht aus drei Vitra RAR Schaukelstühlen, einer George Nelson Eye Clock, einem White Shell Beistelltisch von Sallvatore Indriolo für Zanotta und einer ganzen Reihe Moormann Möbel, darunter drei Kleine Lehner und eine Pin Coat Garderobe.

Die Möbel stellte (smow) Stuttgart, die alten Liebhaber gepflegter Hochkultur, zur Verfügung.

In den kommenden Wochen werden weitere Aufführungen gezeigt, einige mit Publikumsdiskussion im Anschluss. Sämtliche Details zu den Zeiten und Kartenpreisen sind unter zu http://theaterrampe.de finden.

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck Theater Rampe Stuttgart

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck @ Theater Rampe Stuttgart (Foto: Andreas Zauner, mit freundlicher Genehmigung der Theater Rampe Stuttgart)

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck Theater Rampe Stuttgart

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck @ Theater Rampe Stuttgart (Foto: Andreas Zauner, mit freundlicher Genehmigung der Theater Rampe Stuttgart)

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck Theater Rampe Stuttgart

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck @ Theater Rampe Stuttgart (Foto: Andreas Zauner, mit freundlicher Genehmigung der Theater Rampe Stuttgart)

(smow) Blog 2013. Ein Rückblick in Bildern: Februar

25. Dezember 2013

Die IMM Cologne hat uns bis in den Februar 2013 hinein beschäftigt, aber in dem Monat war auch die Eröffnung der Eileen Gray Retrospektive in Paris, wir besuchten die Louis Kahn Ausstellung im Vitra Design Museum und leider schied James Irvine von uns…

Antonio Citterio pivot orgatec vitra

Pivot Bürostuhl von Antonio Citterio für Vitra, hier auf der Orgatec in Köln, 2012

IMM Cologne 2013 PS 07 Bureau by Delphin Design for Müller Möbelfabrikation

IMM Cologne 2013: PS 07 Bureau von Delphin Design für Müller Möbelfabrikation

eileen gray Dressing table screen Centre Pompidou Paris

Friesiertischwand von Eileen Gray

IMM Cologne 2013 Wilde+Spieth Egon Eiermann SE 68 SE 42 Le Corbusier Les Couleurs

IMM Cologne 2013: Wilde+Spieth präsentieren Egon Eiermanns SE 68 und SE 42 in den neuen "Les Couleurs"-Farbtönen von Le Corbusier

Vitra Design Museum Louis Kahn The Power of Architecture National Assembly Building in Dhaka

Louis Kahn "The Power of Architecture" @ Vitra Design Museum

James Irvine

James Irvine 1958-2013

Watn Blech by Bernhard Osann for Moormann

Watn Blech von Bernhard Osann für Moormann

Mit Nils Holger Moormann beim Spinnereirundgang 2013

07. Oktober 2013

Wir haben es ja schon in unserem Barbecue-Post erwähnt: “… der Sommer sagt Lebwohl…”.

Die kühlen Herbstwinde erinnern uns bereits erbarmungslos an den bevorstehenden Winterschlaf. Zeit also, sich um die passende Unterkunft zu kümmern.

Im (smow)blog hatten wir dieses Jahr gewissermaßen eine Art “Jahr des kleinen Hauses” – mit dem Renzo Piano Building Workshop und Vitras Diogene oder Jean Prouvés Maison des Jours Meilleurs, die uns sehr beschäftigt haben. Die erste Begegnung mit “flächenmäßig beschränkten” Räumen gab es für uns aber schon im Mai, als (smow) zum ersten Mal beim Großen Frühjahrsrundgang der Baumwollspinnerei Leipzig vertreten war. Denn unsere Premiere wurde tatkräftig von einem kleinen Moormann-Haus unterstützt.

2006 entwarf Nils Holger Moormann das Walden, eine schnittige, aber dezente Konstruktion – inspiriert von Henry David Thoreaus “Walden oder Leben in den Wäldern”. Mit Stauraum, Feuerschale, Sitzkojen und sogar einem Hochsitz bietet Walden alles, was das Outdoorherz begehrt – egal ob in den Wäldern (wie Thoreau das empfiehlt), am See oder einfach im Garten.

Sein neues Produkt feierte Moormann auf der “Design Annual” 2006 in Frankfurt, mit einer abgewandelten – aber alles andere als bescheidenen – Version des Walden als Messestand. Vor ein paar Jahren wurde eben dieser Stand dann rechtmäßig von (smow) erworben. So durfte der ehemalige Moormann-Messestand auf dem Spinnereirundgang 2013  endlich wieder ans Licht der Öffentlichkeit – als Zentrum der (smow) (Selbst)präsentation.

Er musste allerdings nur noch aufgebaut werden…

Im Vorfeld machten Warnungen die Runde, der Aufbau wäre ein Akt biblischen Ausmaßes, es würde Wochen dauern, prophezeiten die Götter der Verdammnis… . Am Ende dauerte es etwas mehr als zweieinhalb Minuten:

Mailand 2013: Moormann tuttavia presente!!

12. April 2013

Auf der Saloni Milano 2010 erzählte uns Ronan Bouroullec von seinem Gefühl, dass das Internet und neue Technologien irgendwann die Ressourcen ersetzen können und sollten, die  in so ein Event wie die Mailänder Möbelmesse investiert, ja verschwendet, werden.

2013 nun hat der allseits beliebte deutsche Möbelhersteller Moormann den Anfang damit gemacht. Und damit bewiesen, dass man selbst von der idyllischen Ruhe des Örtchens Aschau im Chiemgau aus noch Teil des Wahnsinns in Mailand sein kann. In unseren Gesprächen mit Nils Holger Moormann im Voraus zu Mailand, bekamen wir einen Ausblick darauf, was sie anstelle ihres Saloni Milano Standes planen. Anstatt in die schwankende Wirtschaft Italiens zu investieren, hat Moormann in ein Meisterwerk aus Zelluloid investiert.

Um es etwas einfacher zu machen, haben wir den Film hier eingebunden. Das Original gibt es unter: www.youtube.com/watch?v=Z8GwMxAsHnc

Mailand 2013: Moormann non è presente

08. April 2013

Die Tore zur Hölle sind geöffnet. Es ist Möbelmesse in Mailand.

Die normalerweise recht angenehme, ruhige und zu Recht ausgezeichnete lombardische Metropole wird in dieser Woche von Strömen kollektiver Gier und naiver Studententräumereien überflutet, die die Kanäle, Parks und früheren Industriegegenden in brennende Gruben von Gegensätzen, Nachahmungen und purem Gold verwandeln werden.

Überleben ist hier eine Frage des Ausblendens der Realität und der Selbstmanipulation, alles sei brillant und man habe eine richtig großartige Zeit.

Also, the same procedure as every year…

Nur dass in diesem Jahr einer von den vernünftigeren Köpfen in diesem Chaos fehlen wird: Moormann stellt 2013 nicht auf der Mailänder Möbelmesse aus.

Milan Design Week 2013 Moormann non è presente

Möbelmesse Mailand 2013: Moormann non è presente

Im Wesentlichen ist der Grund für sein Fernbleiben seine Unzufriedenheit über die Standverteilung bei der Messe. Als wir 2011 mit Nils Holger Moormann sprachen, erzählte er uns bereits über die Probleme rund um das Thema.

Von Gesprächen mit anderen Chefs großer Möbelhersteller wissen wir auch, wie vertrackt und schleppend das Standverteilungssystem in Mailand funktioniert. Die Mehrheit der Aussteller sieht jedoch keine Alternative und erträgt so, was ertragen werden muss, um dabei sein zu können.

Bei Moormann ist damit jetzt aber Schluss.

Für uns liegt die bittere Ironie darin, dass nun die überwiegende Mehrheit in Halle 20, wo die jungen Möbelhersteller ihre Stände haben, von italienischen Herstellern dominiert wird, die nicht nur nichts annähernd Innovatives vorstellen, sondern deren “neue” Produkte nicht mal dazu bestimmt sind, in die Produktion zu gehen. Sie werden nur ausgestellt, um Aufmerksamkeit zu erregen. Es wird also Platz verschwendet, um ein bisschen Aufmerksamkeit zu erhaschen, statt der Branche die Möglichkeit zu bieten, zu wachsen und sich zu entwickeln.

Auch wenn wir Moormann natürlich vermissen, finden wir seinen Widerstand gut. Die Monopolstellung Mailands muss gebrochen werden und je mehr dabei mitmachen, desto schneller wird es die dringend benötigten Alternativen für die junge Designermöbelbranche geben.

Die eine, sehr positive Tatsache an Moormanns Entscheidung ist, dass, wenn Moormann eine Sache angeht, das immer mit sehr viel Einsatz, Herzblut und Kreativität geschieht. Der Bookinist Cup ist dafür so ein Beispiel. Und natürlich wissen wir auch, ohne dass Moormann auf der Messe ist, dass sie neue Produkte haben. Und wir können es kaum erwarten, sie zu sehen. Und natürlich wäre Moormann nicht Moormann, wenn sie ihre Abwesenheit in Mailand nur durch eine kleine Pressemitteilung bekannt geben würden. Nein, da lässt sich Moormann nicht lumpen und hat gleich mal ein Brettspiel entwickelt.

Und wir wären nicht wir, wenn wir nicht gleich eine Runde gespielt hätten und das fein säuberlich für euch dokumentiert hätten.

Watn Blech von Bernhard Osann für Moormann

04. März 2013

In den letzten paar Jahren haben wir oft über das Regal Das Brett vom belgischen Designer Kaspar Hamacher gesprochen, es aber nie gezeigt. (Das Regal hatte einen bleibenden Eindruck auf der Mailänder Möbelmesse 2010 hinterlassen. … genau wie das Beinahe-Ertrinken.) Das gerade in den Verkauf gebrachte Watn Blech von Bernhard Osann für Moormann bietet auf jeden Fall die perfekte Gelegenheit, das zu ändern.

kaspar hamacher das brett

Das Brett von Kaspar Hamacher hier bei der Schau "Le Belge", Mailand 2010.

Was uns an Das Brett gefallen hat und auch immer in Erinnerung geblieben ist, war das sehr simple Prinzip hinter dem Teil. Durch die sanfte Neigung des Regals hin zum Zentrum entsteht eine Fläche, die stabiler ist als das traditionelle gerade Bücherregal. Das Geheimnis des Designs liegt im Winkel der Neigung: gerade genug, um funktional zu sein, ohne aber bei den Proportionen einen Kompromiss einzugehen.

Watn Blech von Bernhard Osann für Moormann wendet ein ähnliches Prinzip an. Wenn auch bei Watn Blech die “Stabilität” nicht in erster Linie im Zusammenhang mit den Objekten auf dem Regal steht, sondern durch das Regal selbst erreicht wird.

Wenn wir uns recht an das erinnern, was wir in der Schule gelernt haben, sind “Magie” und “Physik” so ziemlich das gleiche. Also kann man genauso gut sagen, dass dank der dunklen Schönheit der Magie das sanfte Biegen eines Stücks Metallblech seine Stabilität erhöht. Daneben wird durch die leichte Neigung eine praktische und in sich stabile Ablagefläche geschaffen, die auf subtile Weise die starre lineare Homogenität eines Raums aufbricht.

Und weil es ein Moormann Produkt ist, bekommt man zu der praktischen und in sich stabilen Ablagefläche den Spaß kostenlos dazu: Das Regal sieht aus, als wäre es falsch aufgehangen worden.

Einfach schön.

Watn Blech by Bernhard Osann for Moormann

Watn Blech von Bernhard Osann für Moormann

 

 

Watn Blech by Bernhard Osann for Moormann

Watn Blech von Bernhard Osann für Moormann

 

Von Bücherregalen bis Corporate Identities. Moormann – Der One Stop Shop.

30. November 2012

Letzte Woche Freitag waren wir bei einer Diskussion in Potsdam. Nils Holger Moormann redete dort so eloquent und überzeugend wie gewohnt über die Vorteile von langen Lebenszyklen bei Möbeln sowie die Weiterentwicklung, die nur möglich ist, wenn man die Möbel als sich entfaltende Projekte – und nicht als Profit generierende Waren – begreift.

Bezogen auf das FNP Regalsystem zum Beispiel, sagte er so etwas wie: Sogar nach 25 Jahren entdeckt man immer noch neue Wege das System zu erweitern und weiterzuentwickeln.

Und es sind nicht nur die eigenen Produkte, die Moorman weiterentwickelt.

Inspiriert vom unsensiblen Umgang des (smow)Grafik-Teams mit dem Moormann-Logo (da hat wohl jemand mal was verwechselt und plötzlich war das Logo nicht mehr quadratisch…), war das Team von Moorman so gut und hat neben dem ganzen Weihnachtsstress (smow) dabei geholfen noch etwas an seiner Corporate Identity zu arbeiten.

Eines der neuen Logos sieht man oben links auf dieser Seite…

Und tatsächlich ist die (smow)Geschäftsführung so froh über die Arbeit, dass sie in Erwägung zieht, Moormann mit der Gestaltung eines Logos für den neuen (smow)room Stuttgart zu beauftragen. Die Frage ist nur, ob das nicht zu viel von der Aschauer Kreativschmiede verlangt wäre…

Ein früher Versuch vom (smow)blog das Nils Holger Moormann Logo zu verlängern.

(smow) möbliert jetzt auch den Süden – Eröffnung des Showrooms in Stuttgart

14. November 2012

Am 6. Dezember feiert (smow) 10-jähriges Jubiläum – und freut sich dabei gleich noch über Familienzuwachs. Wenige Tage vorher nämlich, am 26. November, eröffnet in Stuttgart der dritte (smow) Showroom.

Grund genug die letzten (smow) Jahre einmal Revue passieren zu lassen.

Am 6. Dezember 2002 eröffnete am Leipziger Burgplatz der (smow)room und sorgte fortan in sächsischen Haushalten für geschmackvolle Interieurs. Manche Orte schienen aber so abgelegen, dass sie nichts von dem Stil und der Grazie der Möbeldesigns abbekamen, sodass (smow) noch weiter ostwärts ziehen musste. An den Rand des Erzgebirges, in eine Stadt, die vor allem eines hat: ein überambitioniertes Stadtmarketing.

Chemnitz. Die „Stadt der Moderne“. Wie sie sagt. Und das immer und überall, wo sie die Gelegenheit wittert „an ihrem Image zu arbeiten“. (smow) fasste sich ein Herz und half – wo es eben ging… 2007 öffnete der (smow)pavillon, wurde wenig später zum (smow)studio auf dem – zugegebenermaßen schönen – Kaßberg und trägt seither mit einem ausgesuchten Repertoire an klassischen und modernen Designermöbeln zumindest in Sachen Innenausstattung zur Titelverteidigung bei.

2008 ging (smow) online und stattet seitdem auch deutschlandweit Wohnungen und Büros mit bewährten Designklassikern und innovativen Möbeldesigns aus. Über smow.com ist das Sortiment von Eames über Verner Panton und Arne Jacobsen bis Eiermann und Bouroullec sogar europaweit erhältlich.

Was sollte auf diese Erfolgsgeschichte noch folgen? Eine (smow) Zentrale in London? Ein Flagshipstore in New York? Oder irgendwas Cooles in Berlin?

Nun… Die (smow) Geschäftsführung entschied sich für Stuttgart.

Wir hätten uns zwar wahrscheinlich auch mit New York arrangieren können, aber die Nähe zu Vitra in Weil am Rhein und USM in Bühl ist auch nicht so übel. Wir sagen nur kurze Lieferwege…

Ein Besuch der Stuttgarter Kollegen lässt sich außerdem ziemlich gut mit einem Ausflug zum Vitra Campus verbinden.

Neben Stühlen, Tischen, Lounge Möbeln und Accessoires von Vitra sowie den Klassikern von USM Haller findet man bei (smow) Stuttgart außerdem die Designs von Nils Holger Moormann, Lampen von Belux, Nimbus und Tobias Grau, ergonomische Sitze von Aeris, Bürobedarf von Helit, innovative Designs von KABRÉ-Leipzig und hochwertiges Holzspielzeug von Kaden Holzgestaltung.

Einen Einblick in die bewegte Vergangenheit der 250 m² Geschäftsfläche in der Stuttgarter Innenstadt bietet übrigens Google Streetview. Aber keine Angst, die Aufnahme ist veraltet. Man muss also nicht extra Trenchcoat und Schlapphut überziehen, wenn man nur neue Esszimmerstühle kaufen will…

(smow) Stuttgart öffnet am 26. November 2012 in der Sophienstraße 17, 70178 Stuttgart und ist dann immer montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

 

smowS_Schaufenster

Coming soon... Der (smow) Showroom in Stuttgart. Keine Spur mehr von...

... den Vormietern in der Sophienstraße 17, einem namenhaften Erotikfachmarkt. Quelle: Google Streetview

Pressed Chair von Harry Thaler für Moormann. Der Film.

03. August 2012

Wenn es aktuell einen Stuhl auf dem Markt gibt, der besser verdeutlicht wie komplex Simplizität im Design ist als der Pressed Chair von Harry Thaler für Moormann, dann wollen wir den mal sehen.

In Mailand 2011 erzählte uns Nils Holger Moormann von der buchstäblichen und symbolischen Berg- und Talfahrt, die zurückgelegt werden musste bevor Harrys Idee in ein marktreifes, massenproduzierbares Produkt umgesetzt werden konnte.

Vor Mailand 2012 erzählte uns dann Harry Thaler vom langen Weg und den ersten Experimenten mit Holz bevor er endlich das Konzept hatte, das Nils Herz erobert hat.

Und jetzt haben wir einen echt tollen Film, der den Bau des Prototyps in einer Nordlondoner Metallwerkstatt zeigt.

Wir glauben kaum, dass Dieter Rams “Gutes Design ist harte Arbeit” in die Liste seiner Designthesen aufgenommen hat. Aber vielleicht sollte er das noch mal überdenken…