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Light + Building Frankfurt 2016: Top Five!

Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich bei der Light + Bulding in Frankfurt größtenteils um eine Messe für Architekturbeleuchtung als für Wohnbereichs- oder Bürobeleuchtung. Ansonsten hieße sie ja „Light + Living“ oder „Light + Working“.

Sie heißt aber Light + Building.

So werden die größten Ausstellungsbereiche von Unternehmen beansprucht, von denen Sie noch nie gehört haben werden, es sei denn, Sie verbringen Ihre Zeit mit der Planung von Hotels, Krankenhäusern, Einkaufszentren, Designerparkhäusern oder Sportstadien usw. und suchen die passende Beleuchtung.

Es ist aber nicht so, als würde sich die Light + Building Frankfurt nur technischer Beleuchtung und Objektbeleuchtung widmen. Auch zeitgenössische Beleuchtungslösungen für den Wohnbereich oder das Büro sind vertreten.

Für den Wohnbereich präsentierte die Light + Building 2016 in Frankfurt jede Menge Leuchten, die aus Glas und einem anderen – natürlichen – Material, vorzugsweise aus Holz, Beton oder Marmor,  bestehen. Wir vermuten, dass so ihre Wärme und Häuslichkeit betont werden soll. Ausgestellt wurden auch wahnsinnig, aber auch wirklich wahnsinnig viele Leuchten in Tränenform oder mit Leuchtenschirmen aus verwobenen Kupferelementen in verschiedenen Formen, idealerweise in Tränenform. Allerdings waren erfreulicherweise nur wenige Glühlampen mit ach so filigranen Glühfäden dabei, die sich als Designelement ausgeben. Ein paar gab es bedauerlicherweise an einem Stand, dessen Ausstellungsobjekte zunächst unser Interesse geweckt hatten, bis wir merkten, dass jedes einzelne so etwas Abscheuliches hatte. Also liefen wir weiter. Das Leben ist hart. Viel zu hart und viel zu kurz, um es mit filigranen Glühfäden in Glühlampen zu vergeuden.

Es war aber nicht alles schlecht. Hier sind unsere Top Five der Light + Building 2016 in Frankfurt.

Overlay und Ginkgo von Tim Brauns/e27 für B.lux

Zwei Aspekte sind an dem baskischen Leuchtenhersteller B.lux besonders interessant für uns. Erstens gleicht der Name phonetisch dem des Schweizer Herstellers, der zu einem großen Konzern gehört, der weit größer ist als der der Basken und der vermutlich Schwierigkeiten mit der Ähnlichkeit hat. Zweitens ist es die Anzahl an Berliner Designern, die für B.lux arbeiten. Mit dem ersten Aspekt sollten wir uns näher beschäftigen, mit dem zweiten haben wir uns auseinandergesetzt und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es mit der Menge an Netzwerken zusammenhängt, die die Berliner Design Community durchlaufen. Als wollte B.lux die Relevanz von Berlin für das Unternehmen betonen, zeigt der Hersteller auf der Light + Building 2016 in Frankfurt neue Objekte der in Berlin ansässigen Designer Werner Aisslinger, Fabien Dumas und Tim Brauns/e27, wobei Tim Brauns Arbeiten für uns die Highlights darstellten.

Zum ersten Mal sahen wir die Leuchte Overlay als fortgeschrittenen Prototypen letztes Jahr im e27 Atelier. Sie gefiel uns gut und gefällt uns auch heute noch sehr. Ja, formal erinnert sie stark an Poul Hennigsens PH-Leuchten, wurde aber von einem bzw. mehreren Besuchen auf einem Berliner Flohmarkt und den dort entdeckten Objekten inspiriert. Der zentrale Aspekt bei Overlay ist nicht wie bei Poul Hennigsens Leuchten die wissenschaftlich optimierte Größe und der Winkel der Reflektoren, sondern der zentrale Glaskörper, über den jede Anzahl an Reflektoren gelegt werden und je nach Stimmung und Situation nach oben oder unten zeigen kann. Das System hinter dieser Flexibilität ist so simpel, dass ihr es nicht glauben würdet, wenn wir euch davon erzählen würden …

Neuer ist Ginkgo, eine Hängeleuchte im Stile eines Ginkgoblatts, die aussieht, als wäre ein Faden durch die Zwischenräume gefädelt worden, um die komplette Konstruktion zum Trocknen aufzuhängen. Ginkgo wird aus Aluminium hergestellt, ist auch in einer größeren oder breiteren Variante erhältlich und stellt für uns ein wunderbares Beispiel für Tim Brauns Beobachtungsansatz in Bezug auf Design dar. Es handelt sich um ein Objekt, das so einfach wie effizient und so zurückhaltend wie stimmungsvoll ist.

Overlay Tischleuchte von Tim Brauns/e27 für B.lux, gesehen auf der Light + Building Frankfurt 2016

Ginkgo von Tim Brauns/e27, gesehen auf der Light + Building Frankfurt 2016

Overlay Pendelleuchte von Tim Brauns/e27 für B.lux, gesehen auf der Light + Building Frankfurt 2016

Mit Windkraft betriebene Straßenbeleuchtung von Vulkan

Eine wunderbar einfache Idee, gut umgesetzt anhand so etwas unschönem wie einer Straßenlaterne.

Die Idee, die hinter der mit Windkraft betriebenen Straßenbeleuchtung von dem deutschen Hersteller Vulkan steckt, ist nicht neu und auch die verbauten Bestandteile nicht. Neu ist, wie alles verbunden wurde, der Gedanke hinter dem Konzept. Besonders, zumindest Vulkan zufolge, ist das elektronische System, das solch ein kompaktes und doch kraftvolles System ermöglicht: Ohne Wind kann ein komplett aufgeladener Akku bis zu zehn Tage lang Licht spenden. Auch dies ist Vulkans Aussage, die wir nicht anzweifeln, die wir aber auch nicht überprüfen konnten.

Wir fragten, ob man auch Solarmodule auf der oberen Oberfläche des Leuchtenkopfes anbringen könne, um so bei Sonne Solarenergie und bei Wind Windenergie zu nutzen. Wir erhielten darauf die perfekt begründete Antwort, dass sich Vulkans Firmensitz in Norddeutschland befindet, wo es sehr windig, aber nur selten sonnig ist … Außerdem liegt und lag der Fokus in dieser Phase des Projekts darauf, das Windkraftsystem sinnvoll und nützlich zu integrieren, zukünftige Entwicklungen sind offen.

In Bezug auf das System hat uns ein Aspekt besonders angesprochen. Normalerweise verwenden Ingenieure gern eher robuste, monumentale Turbinen für solche Projekte. Diese Turbinen scheinen immer eher zeigen zu wollen, wie wichtig sie sind, als sich einfach mit der Stromerzeugung zu beschäftigen. Das verursacht unweigerlich Probleme mit Ortsansässigen und Planern vor Ort und erschwert so die Umsetzung einer äußerst vernünftigen Idee. Vulkans bescheidene, wohlüberlegte Lösung löst viele dieser Probleme und macht mit Windkraft betriebene Straßenbeleuchtung somit zu einer realistischen Option. Das können ja nur gute Neuigkeiten sein.

Viele von euch werden uns hier jetzt gedanklich voraus sein … Was man auf einer Laterne anbringen kann, kann man wahrscheinlich auch in der Mitte platzieren. So könnte man Laternen an Hauptstraßen betreiben, denn die vorbeifahrenden Fahrzeuge erzeugen sicherlich genügend Zugluft, die die sehr leichten Turbinen antreiben kann, sodass die Akkus aufgeladen werden.

Mit Windkraft betriebene Straßenbeleuchtung  von Vulkan, gesehen auf der Light + Building Frankfurt 2016

Curtain von Arik Levy für Vibia

Obgleich die Italiener neben anderen seit Jahrhunderten ähnliche Objekte herstellen, hat das beleuchtete Raumteilersystem Curtain von Arik Levy für den katalanischen Hersteller Vibia etwas sehr Erfreuliches an sich. Es ist in verschiedenen Längen erhältlich und ersetzt die traditionellen Glasperlen der Italiener durch einen robusteren, synthetischen „Curtain“ (dt. Vorhang). An Arik Levys Ansatz ist für uns besonders interessant, dass die kombinierten Elemente einerseits als Abtrennung funktionieren und andererseits auch eine akustische Funktion haben. Drittens lässt sich ein Raum mit ihrer Hilfe auch optisch gestalten und aufbrechen, ohne geteilt zu werden. Ein Objekt mit vier Funktionen, die im Wohnbereich sowie im Handel, Hotelgewerbe oder im Büro Anwendung finden. Außerdem wird das Licht sehr angenehm ausgeblendet, da es „klettert“ und es so einen schönen, sanften Übergang vom Raum gen Himmel gibt.

Curtain von Arik Levy für Vibia, gesehen auf der Light + Building Frankfurt 2016

Curtain von Arik Levy für Vibia, gesehen auf der Light + Building Frankfurt 2016

Infra-Structure von Vincent Van Duysen für Flos

Bei der Innenbeleuchtung von Objekten geht es größtenteils um technische Aspekte und Funktionalität und somit eher um Punkte wie zukünftige Instandhaltung, Ausbau, Ausweitung, Betriebskosten und letztlich den Preis, als um die Form. So sehen die meisten Projekte im Bereich der Innenbeleuchtung von Objekten gleich aus. Nicht nur, weil sie sich formal nicht von Mitbewerbern unterscheiden muss, sondern auch, weil die meisten derjenigen, die solche Installationen durchführen, glauben, dass Menschen sich wohler fühlen, wenn alles überall gleich aussieht. Der viktorianisch-touristische Blick ist längst auf unsere städtische Umgebung übertragen worden: All unsere Stadtzentren, Coffee-Shop-Ketten, Buchcover und Objektbeleuchtungssysteme sehen gleich aus. Form folgt gewissermaßen wahrgenommener Akzeptanz. Das modulare System Infra-Structure von Vincent Van Duysen für Flos haben wir als etwas selbstbewusster, etwas mutiger und etwas gewillter, seinen Charakter zu zeigen, wahrgenommen. Und somit viel ansprechender. Noch dazu ist es ein sehr gut proportioniertes und formal gut durchdachtes System, das eine gewisse Eleganz und Grazie und angenehmes Licht ausstrahlt. Das modulare Beleuchtungssystem Infra-Structure ist mit einer Reihe verschiedener LED-Leuchtmittel ausgestattet und kann so speziellen Gegebenheiten angepasst und auch verändert werden, sollten sich die Anforderungen ändern.

 

Infra-Structure von Vincent Van Duysen für Flos, gesehen auf der Light + Building Frankfurt 2016

Infra-Structure von Vincent Van Duysen für Flos, gesehen auf der Light + Building Frankfurt 2016

Kuula von Uli Budde für Oligo (und Thonet)

Thonet stellte die Leuchte auf der IMM 2016 stellvertretend für den Teil des Leuchtenmarkts vor, der von Thonet bedient wird. Auf der Light + Building 2016 präsentiert Mitproduzent Oligo seinen Kunden die Kuula Leuchte von Uli Budde. Ja, wir wussten das vorher. Ja, die Chancen standen immer gut, dass es so kommen würde. Nein, sicher war es nicht. Nur wahrscheinlich. Und ja, nun ist es so. Denn nachdem wir die Light + Building besucht und die Ausstellungsobjekte gesehen haben, denken wir, dass sie ihren Platz verdient …

Kuula von Uli Budde für Oligo (& Thonet), gesehen auf der Light + Building Frankfurt 2016