Kategorie: smow


Es ist eine unumstrittene Tatsache, dass die kreative Arbeit des aus Boppard am Mittelrhein stammenden Tischlermeisters Michael Thonet und später des Unternehmens Thonet das Möbeldesign und -verständnis sowie die gesamte Möbelindustrie von der Produktion bis hin zum Handel und Vertrieb maßgeblich geprägt hat. Mit der Ausstellung “Thonet & Design” begibt sich Die Neue Sammlung München auf eine Reise durch die 200-jährige Unternehmens- und Designgeschichte Thonets.

Thonet & Design, Die Neue Sammlung - The Design Museum, Munich

August der Erste, mag auch August der Starke gewesen sein, August 2019 kommt jedenfalls genauso selbstbewusst daher, was nicht zuletzt mit den folgenden fünf neuen Architektur- und Designausstellungen in Osnabrück, Zürich, Dresden, Malmö und Glashütte Baruth zusammenhängt.

5 New Architecture and Design Exhibitions for August 2019

Am 14. Mai 2019 entschied der Europäische Gerichtshof, dass alle Arbeitgeber verpflichtet sind, “ein objektives, zuverlässiges und zugängliches System einzurichten, das es ermöglicht, die Dauer der täglich von jedem Arbeitnehmer geleisteten Arbeitszeit zu messen.”1

Am 15. Juli 1855 erhielt Johannes Bürk für ein solches System ein Patent.

Ein System, das, wie die Ausstellung “Zeit Freiheit und Kontrolle – Johannes Bürk und die Folgen” des Uhrenindustriemuseums Villingen-Schwenningen erklärt, vielen Entwicklungen im Bereich der Erfassung, Überwachung und Verwaltung der Zeit den Weg ebnete. Diese Entwicklungen verliefen im Zuge der Industrialisierung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts und waren für ihren Erfolg unerlässlich. Sie prägen unsere postindustrielle Gesellschaft nach wie vor.

 

Time, Freedom and Control. The Legacy of Johannes Bürk, the Uhrenindustriemuseum Villingen-Schwenningen

Nach all der Kontroverse um den Sieg von smow Tel Aviv (nicht zuletzt um die Frage, ob es smow Tel Aviv überhaupt gibt) beim smow Song Contest 2018, macht es der Durchführungsort des Contest 2019, Israel, möglich das zentrale Thema hervorzuheben.

smow song contest 2019

Nein, es sind nicht nur Schulterpolster und grelle Farbkontraste!

Die Ausstellung “1980s – A new era in furniture design” im Museum of Furniture Studies untersucht das Möbeldesign eines bewegten Jahrzehnts. Eines Jahrzehnts, das ein grundlegend neues Verständnis von Möbeldesign hervorbrachte, und einen so nachhaltigen Einfluss hatte wie zuvor nur die 1920er Jahre.

Works by Olle Anderson and First Chair Michele de Lucchi, as seen at 1980s - A new era in furniture design, The Museum of Furniture Studies, Stockholm

5 New Architecture & Design Exhibitions for March 2019

“Hüte dich vor den Iden des März” soll der Wahrsager Spurinna Julius Caesar angeblich gewarnt haben und wahrscheinlich bedauert dieser

Treue Leser wissen, dass wir uns häufig über die Monotonie und Homogenität auf Möbelmessen beklagen. Dieselbe Beobachtung machte aber auch jemand anderes. In seinem 2015 erschienenen Buch “Swedish Design: An Ethnography” beschreibt der Anthropologe Keith M. Murphy einen Besuch der Stockholm Furniture Fair sinngemäß mit den Worten: “Das Problem war, dass sich Vieles so sehr ähnelte und ich habe mich in der Ausstellung nur schwer zurechtgefunden.” Später fügt er hinzu: “Es werden nicht verschiedene Arten von Objekten gezeigt, sondern viele Objekte derselben Art.”2006 wie 2019. Interessanterweise bemerkt er weiterhin, man könne sich dem Eindruck nicht entziehen, Schweden stehe unter einer Tyrannei einfacher Formen und kräftiger Farben. Heutzutage sind es wahrscheinlich eher Pastelltöne, aber naja …

Das passiert nicht nur in Stockholm, sondern überall, wo sich die Möbelindustrie versammelt. Natürlich gibt es dafür diverse Gründe, die hier den Rahmen sprengen würden. Die Konsequenz ist jedenfalls, dass es auf jeder Möbelmesse zwar viele ansprechende Objekte gibt, sich diese aber wiederholen, stets die gleiche Sprache sprechen und so schnell langweilig werden. Trotzdem gibt es auch Produkte, die etwas Interessantes zu sagen haben und das auch noch intelligent, eloquent und ansprechend. Möglicherweise haben wir einige Schätze verpasst oder nicht verstanden, aber hier kommen unsere High 5 der Stockholm Furniture Fair.

Stockholm Furniture Fair 2019: High Five!!

Frankfurts damaliger Bürgermeister Ludwig Landmann schrieb 1926, eine neue Generation, ein neues Zeitalter, müsse Formen und Haltungen für ihre innere und äußere Welt entwickeln, die ihrem Wunsch nach Wohlbefinden und ihren Idealen entsprechen.1

Die Ausstellung “Moderne am Main 1919-1933” im Museum Angewandte Kunst Frankfurt zeigt diese Entwicklungen in Frankfurt und Umgebung und beleuchtet besonders den Beitrag, den die Region zum Verständnis von Architektur und Design zwischen den Kriegen geleistet hat und das Erbe davon.

Moderne am Main 1919-1933 @ Museum Angewandte Kunst Frankfurt

Die französische Designerin Ionna Vautrin erreichte mit ihrer Binic Leuchte für den italienischen Hersteller Foscarini erstmals ein breites, internationales Publikum. Binic gehört zu den glorreichen, freudigen Momenten in der Geschichte des Lichtdesigns – ein charakterstarkes, aber doch von Eitelkeit freies Werk, universell einsetzbar und doch individuell.

Ionna Vautrin ist jedoch mehr als Binic: Schon vorher hatte die Designerin eine abwechslungsreiche, internationale Karriere, arbeitete mit vielen Designstudios zusammen und sammelte Erfahrungen in verschiedenen Designbereichen.

Um mehr über die Designerin zu erfahren, trafen wir uns mit Ionna Vautrin in Paris.

Ionna Vautrin

Nicht nur unter Menschen, auch in der gesamten Tierwelt geht es beim Essen nicht nur um die Nahrungsaufnahme, sondern seit Urzeiten vor allem auch um soziale Kontakte und Bindungen. Man könnte also über die spirituellen Aspekte der Ernährung eben so viel sagen wie über die körperlichen. Doch während Tiere im Allgemeinen dort speisen, wo sie Nahrung finden, haben wir Menschen spezielle Räume als Tempel für die unzähligen Rituale, Dramaturgien und Codes menschlicher Esskultur entwickelt: Dazu gehören das Faulenzen und die Ruhe der alten Griechen oder das ausgelassene elisabethanische Bankett genauso wie die freizügigen “salles privées” im Paris des Zweiten Kaiserreichs oder eben unsere eigenen privaten, häuslichen Arrangements. Esstische, Stühle und Bänke werden so nicht nur zu Chronisten des individuellen Schicksals und gesellschaftlicher Konventionen, sondern reflektieren auch unser persönliches Verständnis von Esszimmern.

Im Rahmen der Passagen 2019 in Köln präsentiert smow Köln zeitgenössische Ansätze der deutschen Hersteller ASCO und KFF zum Thema “Dining Room”.

AXIS 3 von ASCO und Gaia von Monica Armani für KFF, gesehen @ Dining Room mit ASCO und KFF, smow Köln, Passagen Köln 2019

Genau wie immer populärer werdende Coworking-Konzepte Arbeit und Arbeitsplätze verändern, verändert das beliebter werdende Zusammenwohnen das Verständnis von Wohnraum. Die Ausstellung “Together! Die neue Architektur der Gemeinschaft” im Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig rückt das gegenwärtige gemeinschaftliche Wohnen in den Fokus. 

Poolhaus Vienna, as seen at Together. The new architecture of the collective the Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig

Es kommt nur selten vor, dass der Fokus einer Ausstellung nicht auf dem zentralsten, größten und am aufwendigsten inszenierten Objekt einer Ausstellung liegt, sondern stattdessen auf der Art und Weise wie der Besucher durch die Ausstellung geführt wird.

Man kann das ignorieren – sollte es aber nicht.

Dieser seltene Fall trifft jedoch auf die neue Ausstellung “Inside Out – Einsichten der Möbelkunst” des Kunstgewerbemuseums Berlin zu.

Inside Out. Understanding the art of furniture making at the Kunstgewerbemuseum Berlin

2016 veranstaltete Vitra mit einer eigenen Halle auf der Orgatec Köln gewissermaßen eine eigene Messe und teilte Raum und Ideen zur Zukunft der Arbeit mit vielen geladenen Gästen, Freunden und Familie. Das Konzept Work war offenbar erfolgreich, denn auf der Orgatec Köln 2018 wurde es erneut genutzt.

Vitra - Work, Orgatec Cologne 2018

Pünktlich zum Novemberanfang präsentieren wir euch fünf neue Architektur- und Designausstellungen. Mit dabei: Ditzel, von Borries, Japan, Lettland und Duchamp.

5 New Architecture & Design Exhibitions for November 2018

Es gab einmal eine Zeit, da wurde fast alles vor Ort produziert. Jede Gemeinschaft hatte ihr Netzwerk von Produzenten, die gleichzeitig auch Wissen über Prozesse, Materialien, lokale Gegebenheiten usw. anhäuften. Seit einiger Zeit ist die Produktion jedoch abseits gelegen. Waren werden in anonymen Fabriken produziert, über Kontinente und durch zahllose Zwischenstationen transportiert. Damit ist nicht nur die Verbindung zwischen Produzent und Kunde unterbrochen, immer weniger Menschen verstehen zudem nicht mehr, wie Dinge produziert werden. Aber ließe sich trotz kultureller, sozialer und ökologischer Erkenntnisse ein Weg in Richtung Rückkehr zur lokalen Produktion finden? Mit der Ausstellung “New Urban Production” erkundet die Halle 14 in Leipzig zukünftige Möglichkeiten.

Cow&Co by Ottonie von Roeder Anastasia Eggers, as seen at New Urban Production, Halle 14, Leipzig

Qu’est-ce que le design?

Was ist Design?

Die Frage ist so alt wie der Begriff selbst und gibt es darauf überhaupt eine Antwort? Auf der Suche danach fragte das Musée des Arts Décoratifs Paris Charles Eames, Verner Panton, Roger Tallon, Joe Colombo und Fritz Eichler.

Verner Panton @ Qu'est-ce que le design? Musée des Arts Décoratifs Paris (Foto Pierre Jahan © und mit freundlicher Genehmigung Musée des Arts Décoratifs Paris)

Sollte sich Jean-Claude Juncker durchsetzen, könnten die Uhren Europas im Oktober 2018 zum letzten Mal eine Stunde zurückgedreht werden. Damit würde auch eine lange Tradition der Lokalzeitungen enden. Die veröffentlichen nämlich halbjährlich Artikel, die die kuriosen Geschichten und Legenden der Uhren in ihrer Stadt dokumentieren. Geschichten aus dem Schwarzwald über die größten und kleinsten Kuckucksuhren und Fotos von Uhrmachern, die von den über 350 Uhren umgeben sind, die sie zurücksetzen müssen.

Wir werden sie vermissen.

Das ganze bedeutet auch, dass einem am letzten Sonntag im Oktober nicht mehr diese zusätzliche Stunde für einen besonders gemütlichen Besuch einer Architektur- und/oder Designausstellung gewährt wird. Nutzen Sie also die Gelegenheit, solange Sie noch können … Unsere fünf Empfehlungen für eine optimale Verwendung dieser Überstunde im Oktober 2018 finden Sie in Hamburg, Weil am Rhein, Zürich, Paris und Helsinki.

5 New Architecture & Design Exhibitions for October 2018

Systeme bringen Ordnung ins Chaos, ermöglichen das Verständnis von Beziehungen und Standardisierung. Und sie bedürfen eines sorgfältig durchdachten, gut gestalteten und konstruierten Verbindungselements. 1939 entwickelte der deutsche Architekt Konrad Wachsmann ein Verbindungselement aus Metall, das später zum zentralen Bestandteil des von Wachsmann in Zusammenarbeit mit Walter Gropius entwickelten General Panel Fertigbausystems wurde. Im Jahr 2018 hat sich das Bauhaus-Labor mit eben diesem Metallverbindungselement, dem sogenannten Universalknoten, mit Konrad Wachsmann und mit standardisierten, vorgefertigten Bausystemen auseinandergesetzt. Die Ergebnisse dieser Überlegungen wurden in einem eintägigen Symposium diskutiert und sind in der Ausstellung “Die Kunst des Fügens. Entwurf einer universellen Verbindung” in der Stiftung Bauhaus Dessau zu sehen.

Bauhaus Lab 2018. The Art of Joining: Designing the Universal Connector, Stiftung Bauhaus Dessau

“Welchen Fehler braucht ein System?” fragt die Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle in ihrer Jahresausstellung 2018.

Und mit dieser Frage sollte gleichsam die Bedeutung von Versuch und Irrtum, die Bedeutung der Poesie, der Unvollkommenheiten, des Unkorrekten, des Unbeabsichtigten, des Zufälligen und des Geplanten – letztlich aber Erfolglosen hervorgehoben werden. Schließlich benötigt jedes sonst gut organisierte, professionelle und zielgerichtete System einen “Belästigungsfaktor”, eine Quelle der Unvollkommenheit, des Chaos’, des Widerstands, des Experimentierens – eine Verirrung, um es frisch, aufregend, relevant und vital zu halten.

Kunsthochschule Burg Giebichenstein, Halle

Wer an die Schweiz denkt, der denkt an Schweizer Uhrwerk, Schweizer Eisenbahnen, Schweizer Schokolade, Schweizer Präzision. Umso erstaunlicher ist es, dass Dada seinen europäischen Ursprung in der Schweiz hat – und dann auch noch ausgerechnet im legendären Cabaret Voltaire in Zürich. Es blieb aber die Frage, ob sich die Absolventen der Zürcher Hochschule der Künste 2018 immer noch als anarchistisch, konfrontativ, temperamentvoll und revolutionär in ihrer Kreativität erweisen würden?

Zürcher Hochschule der Künste, Toni-Areal, Zürich.

Die Germanische Überlieferung “Ein guter Septemberregen kommt nie ungelegen” gilt dieses Jahr mehr denn je – übrigens auch für gute Architektur- und Designausstellungen.

Solange wir uns alle noch erinnern können, was Regen ist, bleiben wir bei den Regenmetaphern: Der September 2018 hält eine ganze Welle an neuen Ausstellungen bereit. Nach der Dürre im Juli mit mageren vier Architektur- und Designausstellungen haben wir ein anhaltendes Defizit in unserer jährlichen Quote zu verzeichnen, doch dank der aktuellen Überschwemmung können wir im September sechs Empfehlungen aussprechen.

Also schnappt euch euren Regenschirm und los geht’s – nach Kolding, München, London, Herford, Moskau und Weil am Rhein.

 

5 new Architecture & Design Exhibitions September 2018

Im August 1881 schrieb Friedrich Nietzsche an seinen Freund Heinrich Köselitz,”Nun, mein lieber guter Freund! Die Augustsonne ist über uns, das Jahr läuft davon, es wird stiller und friedlicher auf Bergen und in den Wäldern. An meinem Horizonte sind Gedanken aufgestiegen, dergleichen ich noch nicht gesehen habe….”

Man stelle sich vor, diese Gedanken seien durch den Besuch einer Architektur- und/oder Designausstellung angestoßen worden. Wäre Nietzsche noch unter uns, würden wir vorschlagen, dass er die folgenden Ausstellungen besucht, die in Sankt Petersburg, Weil am Rhein, Rostock, London und Hasselt eröffnet werden …
5 New Architecture & Design Exhibitions for August 2018

Das Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld wurde 1897 als Anlaufstelle für (angewandte) Kunst gegründet und spielte vor allem wegen des Gründers Friedrich Deneken eine wichtige Rolle im Diskurs über die Beziehung zwischen Kunst, Handwerk und Industrie um die Jahrhundertwende. Im Rahmen der Ausstellung “Von der Idee zur Form – Domeau & Pérès: Dialoge zwischen Design und Handwerk” wird der Diskurs weitergeführt.

From Idea to Form. Domeau & Pérès Design and Craftsmanship in Dialogue at the Kaiser Wilhelm Museum Krefeld

Während der heißen Sommertage ziehen sich die internationalen Kuratoren in kühlere Gefilde wie Lagerräume, Archive und Bibliotheken zurück, um dort auf den Herbst zu warten. Die logische Konsequenz ist, dass im Juli 2018 nur wenige Architektur- und Designausstellungen ihre Tore öffnen. Dennoch wurden wir an vier kulturellen und meteorologischen Hotspots der Welt fündig, wo die Kuratoren anscheinend an die Juli-Hitze gewöhnt sind.
five new architecture and design exhibitions july 2018

In der Ron-Arad-Monografie “Restless Furniture” bemerkt Deyan Sudjic, dass die möbelvernichtende Maschine Sticks and Stones, die Arad für die Ausstellung “Nouvelles Tendances” 1987 im Centre de Creation Industriel Paris entwickelte, nur durch das “beherzte Handeln eines freundlichen Schweizer Möbelherstellers” vor ihrer eigenen Zerstörung gerettet werden konnte.”1 Obgleich alle Schweizer Möbelhersteller freundlich sind, steht einer von ihnen besonders im Fokus, wenn es darum geht, dass Möbeldesign mehr ist als die Form eines Stuhls, um kulturelle Verpflichtungen und darum, Designerbe zu bewahren.

Als müsste dies bestätigt werden, begrüßt Sticks and Stones die Besucher der Ausstellung “Ron Arad: Yes to the Uncommon!” im Vitra Schaudepot.

Ron Arad. Yes to the Uncommon! @ the Vitra Design Museum Schaudepot