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In der nördlichen Hemisphäre ist der Mai ein Monat der Rituale. Rituale, die vor allem mit dem Erwachen der Natur, dem Herannahen des Sommers und der damit verbundenen Hoffnung auf eine erfolgreiche und reiche Ernte verbunden sind. Zu diesen Ritualen gehören unter anderem Maibäume, Lagerfeuer und eine Vielzahl von Tänzen in verschiedenen Zusammenhängen. Einschließlich des traditionellen englischen Kindertanzes oder Kinderspiels “Nuts in May”, das die Wiederholung der Zeile „Here we come collecting nuts in May“ mit einschließt. Das wirft natürlich die Frage auf, welche Nüsse man in England im Mai sammeln kann. Bzw. welche Nüsse man überhaupt irgendwo in Nordeuropa im Mai sammeln kann? Ist das Sammeln von Nüssen im Spätsommer und Frühherbst nicht sehr viel ertragreicher?

Also, liebe Kinder und Erwachsene, vergeudet eure Zeit nicht mit der Suche nach essbaren Nüssen im Mai und investiert sie stattdessen in den Besuch einer Architektur- und/oder Designausstellung, und gewinnt so im Mai neue Perspektiven und Erkenntnisse.

Unsere fünf Empfehlungen für neue Ausstellungen, die im Mai 2023 eröffnet werden, führen Sie nach Hamburg, Rotterdam, Helsinki, Friedrichshafen und – wieder noch einmal – nach Rotterdam.

5 New Architecture & Design Exhibitions for May 2023

Wir feiern die Rückkehr eines alten Favoriten! Statt “smow stellt vor” müsste es also “wilkommen zurück!” heißen. Beim Rowac-Schemel handelt es sich um ein Objekt, das 1909 als eines der ersten Stahlblechmöbel der Welt auf den Markt kam. Ein Möbelobjekt, das einst nicht nur unzählige Werkstätten und Lehranstalten zierte, sondern auch die Werkstätten und Ateliers des Bauhaus in Weimar und Dessau und ein Werk, das in den Wirren der Nachkriegszeit in Ostdeutschland verloren ging.

Im Jahr 2023, rund 80 Jahre nach Produktionsende, kehrt der Rowac-Schemel zurück: und zwar aus und in seine Heimatstadt Chemnitz.

Möglich gemacht hat das ein Kickstarter-Crowdfundingprojekt.

Um mehr darüber zu erfahren, haben wir uns mit Alide und Dieter Amick von Rowac unterhalten.

The Rowac-Schemel, Rowac Stool

Wann ist ein Bügelbrett, kein Bügelbrett?

Wenn es Cinderella ist von Anna Kraitz für Design House Stockholm.

Cinderella by Anna Kraitz for Design House Stockholm, as seen during Stockholm Design Week 2023

Stockholm Furniture Fair 2023: Say Hej! to... VS Stakki by Martin Ballendat for VS Vereinigte Spezialmöbelfabriken

Ondulé by Anton Björsing for Karl Andersson & Söner, as seen at Stockholm Design Fair 2023

The Historia Supellexalis G for Grcic

Grcic

The Historia Supellexalis: “F” for Front Design

Front

Eine Anna; Eine Sofia; Eine Charlotte; Eine Katja.

The Historia Supellexalis E for England

England

An Island; A Notion; A Context

Der Titel von Hella Jongerius‘ im Jahr 2016 erschienenem Buch erklärt es kurz und bündig: Hella Jongerius hat keine Lieblingsfarbe.

Das heißt jedoch nicht, dass Hella Jongerius Farben gleichgültig wären – ganz im Gegenteil.

Indem Hella Jongerius uns erklärt, warum Farben für sie wichtig sind und warum sie keine Lieblingsfarbe hat, hilft sie uns, Farben, unser Verhältnis zu Farben und die Funktionen von Farben besser zu verstehen.

The Polder Sofa by Hella Jongerius for Vitra... Proof, were it needed, that Hella Jongerius doesn't have a favourite colour...

Mit der Ausstellung “Stühle. Nur für Kinder!” erkundet das Grassi Museum für Angewandte Kunst, Leipzig, die Geschichte und Entwicklung von Sitzmöbeln für Kinder. Dabei werden nicht nur Einblicke in eine häufig unterschätzte Möbelgattung gewährt, die Ausstellung zwingt den Besucher auch neue Antworten auf die vermeintlich sehr einfache Frage “Was ist ein Stuhl?” zu suchen.

Chairs. For children only!, Grassi Museum für Angewandte Kunst, Leipzig

„Ich frage mich, wie es wäre, in einer Welt zu leben, in der immer Juni ist“, sinniert Anne Shirley in Lucy Maud Montgomerys 1915 erschienenem Roman Anne in Kingsport.

„Du würdest es bald satthaben“, antwortet ihre Adoptivmutter Marilla Cuthbert seufzend.

Daraufhin Anne: „im Moment habe ich das Gefühl, dass ich lange brauchen würde, um dessen müde zu werden …“

Und genauso geht es uns in Anbetracht der Fülle neuer Architektur- und Designausstellungen, die im Juni 2021 aus dem Boden sprießen. Wer könnte sich daran schon satt sehen?

Unsere fünf Empfehlungen aus diesem frühsommerlichen Ausstellungs-Bouquet finden Sie in Leipzig, Hornu, Berlin, Bloomfield Hills und Chemnitz…

5 New Architecture & Design Exhibitions for June 2021

The Historia Supellexalis: "B" for Bouroullec

Bouroullec

Ronan und Erwan Bouroullec – zwei Brüder und eine schlichte, poetische Verbindung.

1935 meinte George Nelson, dass „die Geschichte der Kunst in Italien [von dem] erstaunliche[n] Schauspiel einer Reihe von Männern [bestimmt sei], die keine Grenzen zwischen den Künsten kannten“. Diese Geschichte und diese Tradition setzte sich laut Nelson im Italien der 1930er Jahre durch „das ermutigende Beispiel von Gio Ponti“ fort, „der schon früh im Leben feststellte, dass kein einziger Beruf ausreichte, um seine Energie zu verbrauchen oder seine Interessen zu erschöpfen, und der andere [Interessen] mit der Nonchalance eines kleinen Jungen [aufnahm], der seine Murmelsammlung vergrößert“.1

Diese grenzenlose, unerschöpfliche Sammlung von Interessen wird in der neuen Gio-Ponti-Monografie des TASCHEN Verlags erforscht und diskutiert.

Gio Ponti, with two Superleggera chairs (Photo Dan Wynn © Gio Ponti Archives/Historical Archive of Ponti’s Heirs, courtesy Taschen Verlag)

„Man sitzt bequemer auf einer Farbe, die man mag“, erklärt Verner Panton in seinem 1997 erschienenen Buch „Lidt om Farver/Notes on Colour“.1

Panton bringt damit sehr prägnant ein Verständnis von Farbe zum Ausdruck, das über Farbe als rein dekoratives Element hinaus geht. Er liefert eine von vielen Überlegungen zur Funktion und Relevanz von Farbe jenseits des rein Dekorativen, die in vielfältiger Form im Verlauf der Geschichte des Möbel- und Produktdesigns auftauchen.

In den kommenden Wochen möchten wir uns anhand einer Auswahl von Texten und Äußerungen diverser, internationaler Gestalter, kontrastierende und manchmal komplementäre Überlegungen anschauen und nachvollziehen.

Auch wenn nicht alle Quellen, die wir uns aussuchen, als Theorie, geschweige denn Farbtheorie im klassischen Sinne gelten, können die Äußerungen und Dokumente der jeweiligen Gestalter über die Beziehungen zwischen Farbe und Form, Farbe und Funktion, Farbe und Benutzer, Farbe und Kunstfertigkeit, etc. doch als Beiträge zu einer formaleren Design-Farb-Theorie betrachtet werden.

Wir beginnen mit Verner Panton und seinem Buch „Lidt om Farver/Notes on Colour“.

The Panton Chair by Verner Panton for Vitra .... but on which one would you sit most comfortably......?

Fast so hat es der englische Dichter Robert Browning im 19. Jahrhundert bereits formuliert:

Oh jetzt, wo der April gekommen ist, in Berlin, Wien, Chemnitz, ’s-Hertogenbosch oder Berlin zu sein. Denn wer in Berlin, Wien, Chemnitz, ’s-Hertogenbosch, oder Berlin erwacht,
der wird eines Morgens eine höchst interessante, unterhaltsam und lehrreich klingende Architektur- und/oder Designausstellung entdecken, und das während der Buchfink im Obstbaum singt…

5 New Architecture & Design Exhibitions for April 2021

Zu den wichtigsten Werkzeugen, die dem Team vom smow Blog zur Verfügung stehen, gehört ohne Frage unser Exemplar der Historia Supellexalis, eine der ältesten und umfangreichsten Enzyklopädien über Möbel und Beleuchtung. Darüber hinaus handelt es sich auch um eine der seltensten: Ihre außergewöhnliche Länge macht diese Enzyklopädie nämlich für Verlage unattraktiv, es stehen der Welt deshalb nur eine Handvoll Ausgaben der Historia Supellexalis zur Verfügung. Von diesen Ausgaben nimmt man an, dass sie von der Autorin des Werkes, einer Person namens Nessoz, über die wenig bekannt ist, selbst kopiert wurden.

Auch wenn nicht mehr klar ist wann, wie, warum und wieso wir eine Ausgabe der Historia Supellexalis besitzen, die Antworten auf diese Fragen sind in den unendlichen Tiefen des smow Blog Archivs verloren gegangen, sind wir doch auch heute noch dankbar, dass wir sie erhalten haben, bildet die Enzyklopädie doch die Grundlage unseres Blogs.

Vor zehn Jahren beauftragte das Google-Imperium seine Bot-Armee, die Historia Supellexalis zu scannen. Ein selbstloser Akt, dessen Ausmaß von Google stark unterschätzt wurde und dessen Abschluss sich daher immer weiter in eine ungewisse Zukunft verschiebt.

Diese Situation ist in dem Maße unbefriedigend, wie die Historia Supellexalis wichtig ist, und deshalb haben wir uns vorgenommen, das Problem zu beheben.

Uns fehlen die Ressourcen, um euch das ganze Buch in einem Zug oder gar in einer einzigen Ausgabe zu liefern. Wir können und werden jedoch ausgewählte Einträge aus der Historia Supellexalis veröffentlichen, bis schließlich das gesamte Werk für alle frei zugänglich sein wird.

Und wir beginnen mit A für Artemide.

artemide design

„Das Auflegen von Schaumstoffmatratzen, Federkernmatratzen od. dgl. auf Bettgestelle aus Holz oder Metall ist bekannt“, heißt es berechtigterweise in einer Pantentanmeldung aus dem Juli 1966. Allerdings heißt es weiter: „Bettgestelle dieser Art sind schwer, nehmen ständig dieselben Plätze im Raume ein, lassen sich bei schonendem Benutzen nur nach einem Zerlegen in ihrem Standort verändern und stellen ein ziemlich großes Hindernis beim Reinigen des Schlafraumes dar.“1 All das war in den frühen 1960er Jahren absolut zutreffend. Was war also zu tun? Verner Panton hatte eine Idee, die vielleicht nicht zu seinen bekanntesten Projekten zählt, die es einem allerdings erlaubt, seine Arbeit und Karriere besser zu verstehen.

Lost Furniture Design Classics: The Panton Bed

Hvis jeg får et nyt liv, vil jeg være gartner“ – „In einem anderen Leben wäre ich Gärtner geworden“, so einst der dänische Architekt und Designer Arne Jacobsen.

Das heißt natürlich nicht, dass die Ausstellung „Arne Jacobsen – Dänemarks Designer“ im Trapholt Museum in Kolding den BesucherInnen nahelegen würde, Jacobsen habe den falschen Beruf gewählt.

Arne Jacobsen - Designing Denmark, Trapholt, Kolding

Der deutsche Designer und Grafiker Otl Aicher sagte einmal: „Ein Theoretiker war Hans Gugelot nicht. Aber auch kein Praktiker. Ja, was ist man dann, wenn man weder Theoretiker noch Praktiker ist?“1

Ja, was…?

Die Ausstellung „Hans Gugelot: Die Architektur des Design“ im HfG-Archiv Ulm nähert sich einer Antwort auf diese Frage an.

Hans Gugelot. The Architecture of Design, HfG-Archiv Ulm

Während sich unsere Auffassung bezüglich der Form und Schönheit von Objekten, mit denen wir uns umgeben, ständig weiterentwickelt und verändert, ist unsere Auffassung von Funktionalität im Allgemeinen recht stabil. Zumindest, wenn die jeweilige Funktion einmal benannt und verstanden wurde, und so zur Norm geworden ist. Dieser Prozess lässt sich am sogenannten Centripetal Spring Chair von Thomas E. Warren bestens nachvollziehen.

A Centripetal Spring Chair by Thomas E. Warren for the American Chair Company with tapered back and armrests (Image © and courtesy Brooklyn Museum, Brooklyn)

„Es ist nicht möglich, einen Stil in meinem Werk zu definieren“1, sagte einst die italienische Architektin und Designerin Gae Aulenti. Das Schaudepot des Vitra Design Museums widerspricht ihr da mit der Ausstellung „Gae Aulenti. Ein kreatives Universum“ zwar nicht, gibt allerdings einen Kontext vor, innerhalb dessen man überlegen kann, wie richtig die Designerin mit ihrer Aussage lag.

Gae Aulenti: A Creative Universe, Vitra Design Museum Schaudepot

Ursprünglich Mitte der 1960er Jahre als Büromöbelsystem entworfen, hat sich das USM Haller Möbelbausystem dank seiner Flexibilität stetig weiterentwickelt. Ehemals starre Arbeitsumgebungen wurden in den letzten Jahrzehnten immer offener, das Home Office etablierte sich und kürzlich reagierte der Hersteller mit den USM Haller Security Screens, die unkompliziert an USM Theken angebracht werden können, auf die aktuelle Corona-Pandemie.

Dieselbe Entwicklung ist im Wohnbereich zu beobachten: Auch hier passte sich USM Haller flexibel an die über die Jahre aufgetretenen Veränderungen an und zwar sowohl im privaten Bereich mit all seinem Kommen und Gehen, Hochs und Tiefs und all seinen Unvorhersehbarkeiten als auch in der Gesellschaft mit ihren steigenden kollektiv vernetzten, digitalen Strukturen.

Allerdings hat USM trotz seines Erfolgs in Innenräumen bisher noch nicht den Weg nach draußen gefunden. Noch nicht.

USM Haller: Garden, Terrace, Balcony.....

Mit der Ausstellung „Citizen Office“ realisierte das Vitra Design Museum nicht nur seine erste konzeptionelle, forschungsbasierte Ausstellung, sondern auch eine der ersten Museumsausstellungen zum Thema „Arbeitswelten“. Eine Ausstellung, die damals neue Wege und Reflexionen anstieß und auch heute noch interessante Einsichten und Erkenntnisse zu bieten hat.

Citizen Office as visualised by James Irvine

Während seiner diversen Leben und Karrieren war Isamu Noguchi als Künstler, Bühnenbildner, Gartendesigner, Möbeldesigner, Lichtdesigner, etc. aktiv. Aber so unterschiedlich diese Bereiche auch sind, blieb er doch immer Bildhauer. Sein bekanntestes Werk sind unbestreitbar die Akari Leuchten. Vor den Akari Light Sculptures entstand jedoch eine andere Leuchte, die vielleicht viel besser zu Isamu Noguchi und in den Kontext seiner Kunst passt.

Lost Furniture Design Classics: Model 9 Table Lamp by Isamu Noguchi for Knoll Associates

„Es wird vielfach angestrebt, für die Beleuchtung von Werkstatt- und Büroräumen die unmittelbare oder halbmittelbare Beleuchtung durch einzelne große Lichtquellen einzuführen, also nur mit einer reichlich allgemeinen Beleuchtung zu arbeiten. So angenehm diese Beleuchtungsart auch ist, wird die aber doch in vielen Fällen nur zum Teil befriedigen, weil sich gewisse Mängel bei ihr zeigen“1

Diese Meinung äußerte der deutsche Ingenieur Curt Fischer im Jahr 1926. Das Zitat erweist sich als rhetorisch, bedenkt man, dass sich Fischer bereits 1919 eine Lösung zur Behebung jener „gewissen Mängel“ hatte patentieren lassen.

Wohin seine Überlegungen das zeitgenössische Lichtdesign geführt haben, wird in der Ausstellung „100 Jahre lenkbares Licht“ im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg diskutiert und erforscht.

100 Years of Positionable Light, Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg