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smow Blog kompakt: Open World in der Kazerne Eindhoven

27. April 2015

Wie wir schon oft bemerkt, beklagt und bespöttelt haben, findet man in Eindhoven, einer Stadt, die weithin als die kreativste des Universums gilt, tatsächlich nur wenige Anzeichen von Design, Kreativität und Innovation.

Oder zumindest nicht in Eindhovens Innenstadt.

Etwas außerhalb der Stadt allerdings, beim ehemaligen Philips Industrieanwesen in Strijp am westlichen Rand der Stadt oder dem Sectie C Komplex im Osten, findet man scheinbar unerschöpfliche Zusammenschlüsse von Kreativen, die abseits, verkrochen wie der Fuchs im Bau, mit unterschiedlichem Eifer und Erfolg arbeiten.

Aber das Stadtzentrum?

“Kazerne Eindhoven” ist ein Versuch des Wandels.

Die offiziell während der Dutch Design Week 2014 eröffnete “Kazerne” zielt als Kombination aus Restaurant, Bar, Veranstaltungsraum und Galerie darauf, Design und aktuelles kreatives Potential in das Zentrum Eindhovens zu bringen – und so einem größeren Publikum und vor allem Laien zugänglich zu machen.

Nach der Eröffnungsausstellung “Open Mind”, die ergründen sollte, wie Designer, oder zumindest Designer der Design Academy Eindhoven, denken, präsentiert “Kazerne” jetzt “Open World”, eine Ausstellung, die sich mit dem elementaren Wesen der Designforschung auseinandersetzt, d.h. mit der Frage, wie Designforschung uns helfen kann, die Welt zu verstehen und bessere Formen für eine zukünftige Gesellschaft zu finden. So hilft uns die Ausstellung auch in vielerlei Hinsicht Antworten auf die Frage zu finden, die wir in unserem Rückblick zur Ausstellung “How we Work” im Stedelijk Museum ‘s-Hertogenbosch aufgeworfen haben: “Ist die Arbeit zeitgenössischer niederländischer Designer sinnvoll und bedeutsam?”

Open World at Kazerne Eindhoven

Open World im Kazerne Eindhoven

Mit Beiträgen von über 20 dänischen Designstudios, wie beispielsweise Raw Color, Steven Banken, Nacho Carbonell oder Jeroen Wand, erreicht “Open World” die Zielstellung bisweilen auf grandiose Weise, aber nicht durchgehend – teilweise werden auch einfach interessante, provokant gedachte Projekte präsentiert.

Während Arbeiten wie beispielsweise “Momentum” von Jeffrey Heiligers (eine geschickte Visualisierung potentieller Energie und der relativen Bequemlichkeit, mit der kleine Mengen Elektrizität generiert werden können), “Light is a vector projecting a line”, der Skulptur von Arnout Meijer (eine schöne Untersuchung unserer Wahrnehmung von Licht), oder “CaCO3 – Stoneware” von Laura Lynn Jansen & Thomas Vaily (ein Versuch, die Kraft der Fossilisation und Versteinerung für den Produktionsprozess zu nutzen), interessante Visionen für eine mögliche Zukunft liefern, geht es bei anderen Projekten eher um eine Forschung um der Forschung willen – d.h. eher um Kunst als um Design und so, zumindest für uns, weniger darum, unser Verständnis zu erweitern oder darum, unsere Gesellschaft voranzubringen. Was diese Projekte nicht weniger gültig, interessant oder sehenswert macht, aber etwas zu weit vom eigentlichen Schwerpunkt der Ausstellung abrückt. Zu diesen Projekten gehören beispielsweise: “Unifixed” von New Window x Ola Lanko, Studio Drifts geniales Projekt “Fragile Future” oder die Collagenserie “2.0” von Joost van Bleiswijk, in der Überreste aus der industriellen Produktion zusammengefügt werden, um Objekte mit einer ganz eigenen Formensprache und einem individuellen Charakter entstehen zu lassen.

Sehr passend zum Fokus der Ausstellung ist “Mine Kafon” von Massoud Hassani ein Projekt, dem der größte Teil von “Open World” eingeräumt wurde. “Mine Kafon”, entwickelt als Massouds Design Academy Eindhoven Diplomprojekt, möchte eine simple, universale und vor allem sichere Methode zur Räumung von Landminen bieten und ist ein Projekt, das in letzter Zeit Gegenstand kontroverser Diskussionen war. Um es kurz zu halten: Manche zweifelten an dem Projekt und darüber hinaus am akademischen Ansatz, den die Design Academy Eindhoven vertritt. Ganz allgemein drehte sich alles um die Frage : “Mine Kafon. Kann man der Erfindung vertrauen?”. Mit Prototypen, Dokumentationsmaterial und älteren, aktuellen und zukünftigen Modellen des “Mine Kafon” liefert “Open World” aber nicht nur eine gute Gelegenheit, sich seine eigene Meinung zu bilden, sondern bietet Massoud auch eine Plattform, auf der er der derzeitigen Kritik begegnen kann und die Möglichkeit, klarzustellen, dass sich die Kritik höchstwahrscheinlich in den kommenden Monaten ohnehin erledigt haben wird – geht man davon aus, dass Massouds kommender “neuer” “Mine Kafon” hält, was er verspricht.

Die Zeit wird es zeigen!

In Kürze werden wir grundsätzlich mehr zum “Mine Kafon”, der Design Academy Eindhoven und dem “Kazerne”-Projekt in berichten; vorerst allerdings einige Eindrücke von “Open World”.

Solltet ihr also in der Nähe von Eindhoven sein – “Open World” anschauen und einen Espresso trinken könnt ihr in der “Kazerne”, Paradijslaan 2-8, 5611 KN Eindhoven bis Montag, den 8.Juni.

Alle Details sind unter www.kazerne.com zu finden.

smow Blog kompakt: 2.5.0. – Object is Meditation and Poetry. Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig im Grassi Museum für Angewandte Kunst zu Leipzig

24. April 2015

Die Geschichte der angewandten Kunst – wir glauben, es ist nicht zu impulsiv, das zu behaupten – ist eng verknüpft mit der aller anderen visuellen Kunstformen.

Insofern ist es auch nur logisch, dass die Geschichte des Grassi Museums für Angewandte Kunst zu Leipzig sehr eng mit der der Leipziger Kunsthochschule, der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB), verknüpft ist.
Um jetzt den 250. HGB-Geburtstag zu feiern, wurden HGB-Studenten und -Graduierte vom Grassi Museum eingeladen, die Dauerausstellung der Sammlung des Grassi Museums zu unterbrechen, das heißt: ihre Arbeiten zwischen, neben und anstatt der Objekte aus der ständigen Sammlung zu platzieren, und so einen Dialog zwischen dem Dekorativen und dem Praktischen, dem Funktionalen und dem Abstrakten, dem Mondänen und dem Lächerlichen entstehen zu lassen.

Private Universe collection by Silke Koch in a kitchen Ensemble by Erich Dieckmann, as seen at 2.5.0.Object is Meditation and Poetry, Grassi Museum for Applied Arts Leipzig

Private Universe Serie von Silke Koch in einem Küchenensemble von Erich Dieckmann, gesehen bei 2.5.0.Object is Meditation and Poetry, Grassi Museum für angewandte Kunst zu Leipzig

Mit einer Auswahl von Gemälden, Skulpturen, Videos, Installationen und Objekten von über 70 internationalen Künstlern präsentiert die von Alba D’Urbano und Olga Vostretsova kuratierte Ausstellung “2.5.0. – Object is Meditation and Poetry” eine Reihe von Arbeiten, die, und das ist gewissermaßen enttäuschend, nicht speziell für die Ausstellung entwickelt wurden, sondern in anderen, davon unabhängigen Kontexten entstanden sind, sich aber dennoch auf bestimmte Aspekte der Sammlung oder des Grassi Museums beziehen lassen. “Enttäuschend” nicht, weil die daraus resultierende Ausstellung nicht funktionieren würde, das tut sie nämlich, sondern weil eine direktere Konfrontation mit der Sammlungsausstellung, vor allem auch mit dem Ausstellungsstil des Grassi Museums und den dort präsentierten Positionen, möglicherweise zu einer die Gedanken anregenderen, letztlich lohnenderen Ausstellung geführt hätte. Stattdessen hat man eine Ausstellung innerhalb einer anderen Ausstellung, “zwei zum Preis von einer” – aber wer freut sich heutzutage nicht über ein solches Schnäppchen inmitten all der Entbehrungen und finanziellen Unsicherheiten …

Damit soll aber nicht behauptet werden, es bestünde keinerlei Verbindung zwischen den Objekten und der Sammlung: Es gibt durchaus einige ganz offensichtliche Zusammenhänge. So zum Beispiel Bea Meyers Installation “Utopia is a perfect social system in wich everyone is satisfied and happy”, die vor einem Wandteppich platziert ist, der wiederum auf  Raphaels “Schule von Athen” basiert, oder Varinka Schreurs Serie “DIY. All Tomorrows Parties” aus 3D-gedruckten Objekten, die anstelle von Lausitzer Steingut aus dem 10. Jahrhundert vor Christi gezeigt wird. Es gibt noch einige wenige weitere subtile Verbindungen, so zum Beispiel die Serie “Private Unsiverse” von Silke Koch – kleine raumschiffartige Gebilde, aus gesammelten Küchenutensilien zusammengebaut, die in Erich Dieckmanns Küchenensemble aus den späten 1920er Jahren präsentiert wird, das er am Bauhaus Weimar entwickelt hatte; oder Silke Wawros “most expensive jacket in the world”, das zwischen Exemplaren der Plauener Spitze ausgestellt ist. Dann gibt es wiederum Objekte, bei denen, zumindest für uns, die Verbindungen eher vage sind. Das spielt allerdings keine größere Rolle, wenn man sich die Projekte für sich genommen anschaut. So haben wir uns beispielsweise über Cindy Schmiedichens Gipsplanken inmitten einer Reihe von Tischen und Stühlen von Designern wie Marcel Breuer, über Anton Lorenz und Mies van der Rohe oder über Susan Winters zwangsläufig namenlose Komposition aus 10.000 Rasierklingen sehr gefreut.

Gewissermaßen macht das auch die subtile Schönheit von “2.5.0. – Object is Meditation and Poetry” aus. Wir denken nicht, dass irgendjemand ins Grassi Museum gehen wird, nur um HGB-Arbeiten zu sehen. Die meisten kommen wegen der Dauerausstellung der Sammlung, für die exzellente Tour von der Antike bis zum heutigen Tag – eine Reise, die beweist, wie grundsätzlich gleich und unverändert unsere Anforderungen in Sachen Möbel, Kleidung und Verbrauchsgüter über die Jahrhunderte geblieben sind und die zigtausende Jahre der kulturellen Entwicklung erforscht. Und während des Ganges durch die Dauerausstellung werden die Besucher eingeladen, nach Wunsch in die HGB-Projekte einzutauchen. Der Besucher steht nicht unter dem Druck, alle Projekte sehen oder verstehen zu müssen, geschweige denn, an allen Gefallen zu finden. Letztlich ist das der beste Weg, sich ein Museum anzuschauen, fällt doch so eine Menge an Zwang weg, den man häufig beim Besuch von Dauerausstellungen verspürt. Geht es nicht den meisten so? Rokoko muss man nicht schön finden, Marcel Breuers Stahlrohrstühle kann man auch als sinnlose Studentenabenteuer abtun – und was bitte macht Fernando und Humberto Campanas “Sushi”-Pouf so außergewöhnlich?

Ein besonderes Highlight von “2.5.0. – Object is Meditation and Poetry” waren für uns Alexej Meschtschanows Stühle – gefesselt von ungehobelten Stahlrohren. Stühle, die im ganzen Museum verteilt sind und die, ganz abgesehen von ihrer besonderen Verspieltheit, einen an die Gefahren von Museen erinnern, die sich allzu ernst nehmen, ihre Sammlungen als abgeschlossene Positionen begreifen und vergessen, auch mal etwas Luft in ihren Bestand zu lassen.

Mit “2.5.0. – Object is Meditation and Poetry” hat das Grassi Museum zu Leipzig einen sehr willkommenen frischen Wind in seine Ausstellungräume gelassen.

“2.5.0. – Object ist Meditation and Poetry” läuft im Grassi Museum für Angewandte Kunst zu Leipzig, Johannisplatz 5-11 04103 Leipzig, bis Sonntag, den 28.Juni.

Alle Details sind unter www.grassimuseum.de zu finden.

5 neue Designausstellungen im April 2015

14. April 2015

Nicht verpassen sollte man im April nicht nur die Auflösung der Aprilscherze, sondern auch diese 5 neuen Design- und Architekturausstellungen …

“Somewhat Different. Contemporary Design and Power of Convention” im Museum of Decorative Arts and Design in Riga, Lettlan

Im Zusammenhang mit seinem Autoprogrettazione-Projekt verkündete Enzo Mari mehr oder weniger grundlegend, dass jedes Objekt nur eine perfekte Form haben kann. Funktionalisten veränderten kontinuierlich die Form, um uns zu verwirren und die kommerzielle, industrielle Produktion zu rechtfertigen und so die ganze Möbelindustrie zu stützen. Oder wie Jasper Morris es so eloquent ausdrückte: “Marcel Breuer sah ein paar Fahrradlenker und kam auf die Idee, die gleiche Produktionsmethode für die Herstellung von Stühlen zu nutzen. Heute würde jeder Konstrukteur beschließen, die Lenker einfach so zu nutzen wie sie sind und sich die Mühe und Kosten zu sparen, das Stahlrohr zu biegen.” Die Ausstellung “Somewhat Different. Contemporary Design and the Power of Convention” nutzt die Idee der Zweckentfremdung als Ausgangspunkt für eine Ausstellung von Objekten, die von der Norm abweichen, populäre Konventionen anfechten und uns so hoffentlich deutlich machen, dass Konventionen eher Richtlinien als Gesetze sein sollten und dass eine echte Veränderung nur entstehen kann, wenn man Konventionen überwindet.

Die Ausstellung wurde vom deutschen Institut für Auslandsbeziehungen e.V. (ifa) organisiert und von Volker Abus, der natürlich selbst einer der jungen Vertreter der deutschen postmodernen Bewegung Neues Deutsches Design und ein anerkannter Meister in Sachen Zweckentfremdung von Objekten ist, kuratiert. “Somewhat Different” ist eine Wanderausstellung, die seit 2009 durch die Welt tourt und jetzt in Riga gelandet ist. Präsentiert wird einerseits die “übliche” Sammlung von 148 Objekten von 67 internationalen Designstudios – darunter beispielsweise: Pin Coat von Oliver Bahr für Moormann (konventioneller Garderobenständer: ein Haufen unbeugsamer Stäbe – Pin Coat: ein Haufen loser Stäbe), Algue von Ronan und Erwan Bouroullec für Vitra (üblicherweise: florales Dekor – Algue: florale Module); Re-tire & Re-babe von e27.BERLIN (konventionelle Variante: Stuhl für die Mutter steht fest, die Wiege schaukelt, e27.Berlin Entwurf: Stuhl schaukelt, genau wie die Wiege), oder das Polyurethan-Waschbecken von Hella Jongerius (normales Waschbecken: hart und kalt, Jongerius’ Entwurf: weich und warm).

“Somewhat Different. Contemporary Design and the Power of Convention” ist im Museum of Decorative Arts and Design, 10/20 Skarnu Street, 1050 Riga von  Samstag den 11. April, bis Sonntag den 14. Juni, zu sehen.

nils holger moormann patrick frey markus boge kant

Kant von Patrick Frey & Markus Boge für Nils Holger Moormann, normalerweise befinden sich die Aufbewahrungsmöglichkeit neben, unter oder hinter dem Tisch – bei Kant ist der Sturaum in die Tischplatte integriert.

“What is Luxury?” im V&A Museum, London, Großbritannien

Es gibt wohl nur weniges im Leben, das so heftig und universal begehrt ist wie der Luxus. Aber was genau ist Luxus? Was war Luxus und was wird Luxus sein? Bedenkt man Größe, Alter, Rang und Wert seiner Sammlung ist das V&A Museum in London der perfekte Ort um solche Fragen zu untersuchen. Die in Zusammenarbeit mit dem UK Crafts Council entwickelte Ausstellung “What is Luxury?” verspricht um die 100 Objekte: von handgemachten Uhren über feine Schneiderei und eine mit Diamanten und Smaragden verzierte Krone, bis hin zu eher abstrakteren Objekten, wie dem wirklich monumentalen Projekt Time Elapsed von Phillipe Malouin, dem weniger monumentale aber ebenso interessanten Hair Highway Projekt von Studio Swine oder Gabriel Barcia-Colombos DNA Vending Machine. Anhand solcher Objekte will die Ausstellung den Luxus in all seinen Facetten erkunden und, wie wir hoffen, dem Besucher eine Idee davon vermitteln, was wahrer Luxus (und was nur eine teure Verschwendung von Zeit und Ressourcen) ist.

“What is Luxury?” wird am Samstag, den 25. April, in der Porter Gallery, V&A, Cromwell Road, London SW7 2 RL eröffnet und läuft bis Sonntag, den 27. September.

Kunstgewerbemuseum Dresden WerkStadt Vienna Design Engaging the City Philippe Malouin Time Elapsed J & L Lobmeyr

Time Elapsed von Philippe Malouin durch J & L Lobmeyr, gesehen als Teil von WerkStadt Vienna Design Engaging the City im Kunstgewerbemuseum Dresden

“Le Corbusier. Mesures de l’homme” im Centre Pompidou, Paris, Frankreich

Aedium compositio constat ex symmetria, cuius rationem diligentissime architecti tenere debent – die Gestaltung von Tempeln ist abhängig von der Symmetrie – Regeln, die Architekten genauestens beachten sollten – so schrieb (sogar aufgefordert) der römische Autor Vitruvius in seiner Arbeit “De architectura”, im Jahr 15 vor Christus. Weiter heißt es dort: “Denn ohne Symmetrie und Proportion kann kein Tempel einen regelmäßigen Entwurf haben, das heißt, der Tempel muss exakten Proportionen folgen, die der Art des fein geformten, menschlichen Körpers nachempfunden sind.” Ungefähr seit dieser Zeit haben Architekten versucht die menschlichen Proportionen  als Basis für ihre Planungen und Konstruktionen zu nutzen, vielleicht am berüchtigsten Le Corbusiers mit seiner Modular-Theorie. Entwickelt während de 1940er und 1950er Jahre und unter dem Titel “Der Modulor: Darstellung eines in Architektur und Technik allgemein anwendbaren harmonischen Maßes im menschlichen Maßstab” veröffentlicht, sah Le Corbusiers Theorie eine Zukunft voraus, in der alle Konstruktionsentscheidungen auf einem Raster basieren würden, das aus den standardisierten Proportionen eines Mannes mit ausgestreckten Armen – 2,20 Meter – abgeleitet wird. Le Corbusier, als der der er war, beließ es natürlich nicht bei theoretischen Diskussionen, sondern baute Häuser nach seinen Maßstäben, darunter seine Unité d’Habitation in Marseille 1947 und die Unité d’Habitation von 1957 in Berlin. Mit Le Corbusiers Faszination für menschliche Proportionen als kuratorischem Ausgangspunkt verspricht das Centre Pompidou eine Präsentation von 300 Objekten, anhand derer die Organisatoren den vollen Umfang von Le Corbusiers Oeuvre beleuchten möchten, ohne den Fokus auf die gewohnten Gebäude und Möbeldesigns zu  legen.

“Le Corbusier. Mesures de l’homme” ist vom 29. April bis 3. August im Le Centre Pompidou, Place Georges-Pompidou, 75191 Paris zu sehen.

Le Corbusier Unité d Habitation Berlin

Unité d Habitation Berlin von Le Corbusier

“Pathmakers Women in Art, Craft and Design, Midcentury and Today” im Museum of Arts and Design (MAD), New York, USA

Ein altes Sprichwort lehrt: werde Koch oder Bestatter und du wirst nie Angst haben müssen, keine Arbeit zu finden – die Menschen werden immer essen und sterben. In diese Liste könnten inzwischen getrost auch die Genderstudies aufgenommen werden; haben doch in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Soziologen die Gendertheorie auf so ziemlich noch so kleinen Aspekt der zeitgenössischen Kultur angewendet. Die Kreativität, mit der immer neue Nischen erforscht werden, scheint kein Ende zu nehmen und so wird wohl auch die Arbeit für Genderexperten nicht abnehmen. Natürlich betrifft das auch die Bereiche Architektur und Design. Ein Glück – denn seit Jahren haben weibliche Kreative grundsätzlich einen schweren Stand. Auf diesen Seiten haben wir häufig über die untergeordnete Rolle von Frauen wie Ray Eames, Lilly Reich oder Charlotte Periand geschrieben, die diese Frauen zu akzeptieren hatten, oder über den Mangel an echten Möglichkeiten für Bauhausstudentinnen, trotz der vom Bauhaus proklamierten Gleichstellung. Und selbst wenn es Ausnahmen gegeben hat – für jede Marianne Brandt oder Eileen Gray gibt es etliche Edith Heaths, Ruth Asawas oder Alice Kagawa Parrots, um nur drei, der in der Ausstellung “Pathmakers” vertretenen Künstlerinnen zu nennen. Neben einem Blick auf die Karieren von Designerinnen der 1950er und 1960er Jahre wird die Ausstellung auch Arbeiten von aktuellen Designerinnen und Künstlerinnen zeigen, darunter beispielsweise von Magdalene Odundo, Hella Jongerius und Front Design. Pathmakers Women in Art, Craft an Design wird so versuchen den Diskurs zu Rolle, Einfluss und Position kreativer Frauen nicht nur rückblickend, sondern auch in der Gegenwart zu verorten.

“Pathmakers Women in Art, Craft and Design, Midcentury and Today” öffnet im Museum of Arts and Design (MAD), 2 Columbus Circle, New York, NY 10019 am Dienstag, den 28. April und läuft bis Sonntag, den 27. September.

Design Miami Basel 2014 Hella Jongerius Coloured Vases Priveekollektie

Coloured Vases von Hella Jongerius

“Hamster Hipster Handy. Under the Spell of the Mobile Phone” im Museum Angewandte Kunst, Frankfurt

Dass die ersten Mobiltelefone alles außer “mobil” waren, können nur die älteren Semester von uns noch wissen. Man sollte mal versuchen das den Kindern von heute zu erklären und ihnen dann noch verständlich machen, dass damals niemand voraus gesehen hat, was für eine zentrale Komponente des täglichen Lebens das Mobiltelefon einmal werden würde. Sie werden große Gesichter machen.

Die Ausstellung “Hampster Hipster Handy” untersucht jetzt das Mobiltelefon als kulturelles Phänomen und die einzigartige Rolle, die Handys bei der Definition und Formung unserer modernen Gesellschaft und unseres modernen Selbstbildes spielen. Den Schwerpunkt bilden die zwei Seiten unserer Abhängigkeit von Mobiltelefonen: die negative, wie sie durch Strahlungstests an Hamstern gut veranschaulicht wird, und die positive für die der mobil vernetzte, global aktive Hipster stehen soll.

Neben einer Sammlung von Fotografien, Kunstwerken, Videos und interaktiven Installationen von über 50 internationalen Künstlern, wie beispielsweise Arne Fries, Ai Weiwei und Peter Boettcher, verspricht “Hamster Hipster Handy” auch eine Präsentation von Artikeln des täglichen Lebens, die helfen sollen, die Entwicklung des Handys in einen kulturellen Kontext zu setzen. Zudem wird auch eine Reihe von Mobiltelefonen aus den vergangenen Jahren und Jahrzehnten gezeigt, die die Geschichte sehr gut für die bereits erwähnten Kinder von heute illustriert.

“Hamster Hipster Handy. Under the Spell of the Mobile Phone” ist zu sehen im Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt am Main, ab Samstag, den 25. April bis Sonntag, den 5. Juli.

kyle bean mobile evolution

Kyle Bean, Mobile Phone Evolution 1, 2009 (Foto © Kyle Bean Photographer: Kyle Bean mit freundlicher Genehmigung des Museums Angewandte Kunst, Frankfurt)

How We Work, new Dutch Design im Stedelijk Museum ‘s-Hertogenbosch

10. April 2015

So interessant viele Designobjekte ohne Frage auch sein mögen, die Geschichte ihrer Entstehung ist stets noch interessanter. Ganz besonders betrifft das zeitgenössische niederländische Designobjekte, denn wie wir in unserem Post zur Ausstellung “Domestic Affairs – New Voices in Dutch Design” in Köln schon bemerkt haben, gibt es momentan nur sehr wenige Designer in Holland, die einfach Produkte produzieren. Vielmehr neigen niederländische Designer derzeit dazu den Entwicklungsprozess sehr viel erzählerischer und heterogener zu gestalten als das im eher klassischen Produktdesign der Fall ist. Einblicke in die facettenreiche Gestalt solcher Designprozesse, die Art der Entscheidungen, die Designer fällen müssen und die Probleme, die bewältigt werden müssen, um ein Projekt zu realisieren oder ein Konzept zu entwickeln, werden bis 17. Mai in der Ausstellung “How We Work, new Dutch Design” im Stedelijk Museum in ‘s-Hertogenbosch präsentiert.

How We Work new Dutch Design Stedelijk Museum 's-Hertogenbosch

How We Work, new Dutch Design im Stedelijk Museum ‘s-Hertogenbosch

Die von Tatjana Quax vom Amsterdamer Studio Aandacht kuratierte Ausstellung “How We Work, new Dutch Design” präsentiert 14 Projekte, die repräsentativ für eine “neue Strömung im niederländischen Design” stehen sollen. Ein Ausstellungskonzept also, das vorgibt definieren zu können, was unter einer “neuen Strömung” zu verstehen ist. Tatjana Quax und das Stedelijk Museum haben beschlossen sich auf Arbeiten zu konzentrieren, die die “Rolle und Funktion des Designs in einer Welt voller Exzess” untersuchen. Genauer gesagt haben die Organisatoren den Schwerpunkt auf Projekte gelegt, die sich mit einer Kombination aus traditionellem Handwerk und neuen Produktionsprozessen beschäftigen und eher für Wiederverwendung als für Recycling stehen. Dazu gehören Arbeiten wie Dirk vander Kooijs genialer Melting Pot Table. Ein Projekt, das als Möglichkeit begann den während der Forschungs- und Produktionsarbeit von Dirk anfallenden Müll wiederzuverwenden und sich in eine täuschend einfache Methode für die Wiederverwendung von Plastikmüll entwickelt hat. Die in der Ausstellung gezeigte Version wurde aus geschmolzenen Plastikteilen ausgedienter Computer und Tastaturen hergestellt, die aus dem früheren Scryption Museum in Tilburg stammen und denen der Tisch so die herrlichen postindustriellen Graustufen zu verdanken hat. In ähnlicher Weise basiert auch Pepe Heykoops Projekt Skin Collection auf einem relativ simplen Konzept, das jedoch über eine Tiefe verfügt, die über die eigentlich sehr oberflächliche Einfachheit hinwegtäuscht. Pepe bezieht ausgediente Möbel mit Lederresten aus der industriellen Möbelproduktion und kreiert so Objekte, die eine charmante Desorientierung vermitteln und einem dennoch vage vertraut erscheinen.

How We Work new Dutch Design Stedelijk Museum 's-Hertogenbosch Melting Pot Table Dirk vander Kooij

Melting Pot Table von Dirk vander Kooij, gesehen bei  How We Work, new Dutch Design, Stedelijk Museum  im ‘s-Hertogenbosch

Bei einer Ausstellung über zeitgenössisches niederländisches Design fällt auf, dass ganz klar überwiegend konzeptuelle und experimentelle Projekte präsentiert werden. Red Wood vom Eindhovener Studio rENs beispielsweise untersucht, wie unterschiedliche Holzarten rotes Pigment aufnehmen. Warum nun gerade das erforscht werden muss, ist eine Frage, die natürlich viele stellen werden und stellen sollten. Nur ist manchmal das Warum unwichtiger als das Was – und abgesehen vom zugegebenermaßen abstrakten Hintergrund des Projektes selbst – fällt das Resultat, eine Tischkollektion mit Objekten in unterschiedlichen Formen, Größen, Hölzern und besagten individuellen Farbtönen, sehr charmant aus. Ähnlich abstrakt in seinem Ursprung, dennoch charmant im Ergebnis ist Drawn from Clay – Noordoostpolder von Lonny van Ryswyk und Nadine Sterk alias Atelier NL. Im Laufe eines Projektes, das gut zum Portfolio von Myvillages passen würde, haben die Designer von Atelier NL Lehmproben aus ungefähr 2000 Feldern in der Region Noordoostpolder in den Niederlanden entnommen und aus ihnen Kacheln, Geschirr und andere Accessoires kreiert – jedes einzelne Objekt mit der ursprünglichen Farbe und Textur des jeweiligen Lehms und so verbunden mit dem Geist des jeweiligen Ortes, der ein industriell gefertigtes Produkt in einen begehrten persönlichen Besitz verwandelt. Natürlich könnte man einfach Geschirr in einer Reihe von Lehmtönen produzieren und Holzbretter in unterschiedlichen Rotabstufungen anstreichen. Nur ist das wie gesagt einfach nicht das Ding zeitgenössischer niederländischer Designer. Um ehrlich zu sein glauben wir nicht, dass irgendwer in Eindhoven so etwas überhaupt für möglich halten würde. Ob die Sache der niederländischen Designer sinnvoll und bedeutsam, oder dann doch einfach Design ist, muss an anderer Stelle beantwortet werden.

How We Work new Dutch Design Stedelijk Museum 's-Hertogenbosch

How We Work, new Dutch Design im Stedelijk Museum ‘s-Hertogenbosch

“How We Work, new Dutch Design” umfasst allerdings auch Objekte, die man als eher zielgerichtete, absichtsvoll entwickelte Produkte bezeichnen könnte. Insbesondere betrifft das Chris Kabels Projekt Blue Sky Lamp, der Versuch mit einer Lampe gegen Winterdepressionen vorzugehen, und Joris Laarmans Makerchair, ein Open-Source-3D-gedruckter-Stuhl, der aus 77 Elementen besteht, die frei angepasst werden können, um ein persönliches, selbst produziertes und selbst gebautes Möbelstück zu kreieren. Ansonsten hat uns die interaktive Präsentation von Dyptych von Lex Pott sehr beeindruckt, bei dem die weicheren Sommerringe mittels Sandstrahler aus einem Stück Douglastanne entfernt werden, sodass nur die härteren Winterringe stehen bleiben – ein visueller Effekt, der eine völlig neue Perspektive auf das eigentliche Wesen des Holzes eröffnet und Valentin Loellmanns Projekt Herbst/Winterbank, das uns nach wie vor fasziniert, auch wenn wir es nicht wirklich verstanden haben. Wir hoffen jedoch, dass wir es bald begreifen werden. Eine besondere Erwähnung hat zudem Phenomenon von Pieke Ergmans verdient. Für uns eines der echten Highlights bei “How We Work” und ein Projekt, das Licht gewissermaßen verschwinden und dann wieder erscheinen lässt. Neben der Präsentation der 14 Projekte stellt “How We Work” auch einen Informationstisch mit etwas mehr Hintergrundinformationen zu den Designern zur Verfügung, während zudem eine Reihe von Kurzfilmen zu den Designern und ihren Arbeiten im Untergeschoss in Dauerschleife läuft und die Ausstellung wunderbar ergänzt.

How We Work new Dutch Design Stedelijk Museum 's-Hertogenbosch Phenomenon Pieke Bergmans

Phenomenon von Pieke Bergmans, gesehen bei How We Work, new Dutch Design, Stedelijk Museum ‘s-Hertogenbosch

Die geschickt aufgebaute, gut durchdachte und sehr unterhaltsame und informative Ausstellung “How We Work, new Dutch Design” fällt für uns allerdings an den Punkten, die sie vorgibt zu thematisieren, etwas zu knapp aus. Viele der Projekte werden für uns zu kurz erläutert. Ja, wir verstehen zwar, dass es in manchen Fällen nicht mehr geben mag, das sich bequem innerhalb der Beschränkung des Raumes präsentieren ließe – etwas mehr Input von Seiten der Designer wäre allerdings wirklich hilfreich gewesen: Motivation, die größten Probleme, Einflüsse, Erkenntnisse, begangene Fehler, Hilfen etc. Dann wäre es wirklich eine Ausstellung über “How we work” geworden – und, noch wichtiger, vielleicht eine zugängliche Einführung zu einigen sehr interessanten Protagonisten des zeitgenössischen, dänischen Designs. Das Stedelijk Museum ist übrigens im selben Komplex wie das Het Noordbrabants Museum, so kann man also beide Ausstellungen, “How we Work, new Dutch Design” und “Design from the Country of Potato Eaters – Designers meet van Gogh”, zusammen besuchen. Kauft das Kombiticket für beide Ausstellungen und verbringt den Tag auf dem Gelände, das wäre unser Tip. “How We Work, new Dutch Design” läuft im Stedelijk Museum ‘s-Hertogenbosch, De Mortel 4, 5211 HV ‘s-Hertogenbosch bis Sonntag, den 17. Mai.

Alle Details sind unter http://www.sm-s.nl zu finden.

Bauhaus Archiv Berlin: “Sammlung Bauhaus” & “100 Neue Objekte”

01. April 2015

Nach einer Unterbrechung der Dauerausstellung, notwendig, um die kürzlich beendete Ausstellung “Sensing the Future: László Moholy-Nagy, die Medien und die Künste” unterbringen zu können, hat das Bauhaus Archiv Berlin die Gelegenheit genutzt und sein Ausstellungskonzept umgestaltet.

Damit ist es dem Bauhaus Archiv gelungen, willkommenen frischen Wind in sein Museum zu lassen.

Bauhaus Archiv Berlin Sammlung Bauhaus

Bauhaus Archiv Berlin: Sammlung Bauhaus

Unter dem Titel “Sammlung Bauhaus” liefert die Dauerausstellung nach wie vor einen sehr vagen Überblick; die komplette Geschichte des Bauhauses auf den wenigen verfügbaren Quadratmetern des Ausstellungsraums im Bauhaus Archiv Berlin zu präsentieren, wäre einfach unmöglich. Nichtsdestotrotz erreicht das Bauhaus Archiv mit dem neuen Ausstellungskonzept sehr viel mehr als die frühere Dauerausstellung. Die Präsentation ist jetzt sehr viel unterhaltsamer und zugänglicher, als es zuvor der Fall war – und das, obwohl weniger gezeigt wird, wenn wir es richtig einschätzen. Ein gutes Beispiel also für “weniger ist mehr”, wie einer der berühmteren Bauhausanhänger sagte.

Die Ausstellung wirft einen Blick auf die drei Bauhausstandorte, die wichtigsten Protagonisten, die Bereiche, in denen das Bauhaus aktiv war, und untersucht, wie die Schule funktionierte. Die neue Dauerausstellung untersucht das Bauhaus aber auch im Zusammenhang mit zugehörigen und ähnlichen Institutionen, seien es vom Bauhaus inspirierte Institutionen wie das sogenannte New Bauhaus in Chicago und die HfG Ulm in Deutschland, oder Zeitgenossen des Bauhauses wie die Burg Giebichenstein Halle, eine Institution, die ungefähr vier Jahre vor dem Bauhaus gegründet wurde und hinsichtlich der Lehre und der Philosophie ebenso avantgardistisch und anspruchsvoll war. Zudem macht die neue Dauerausstellung deutlich, dass es sich beim Bauhaus nicht nur um eine Schule, sondern auch um eine Bewegung handelte, die als Vorreiter neuer Ideen und bei der Entwicklung des Bauens und Lebens eine entscheidende Rolle spielte. Man neigt dazu, das zu vergessen, wenn man zu sehr bei der populären Formensprache einiger weniger “Bauhaus-Klassiker” hängen bleibt und dabei übersieht, in welchem Kontext sie entstanden sind und vor allem: warum.

Bauhaus Archiv Berlin Sammlung Bauhaus Marcel Breuer Kitchen Vogler Surgery Berlin 1929 Kitchen Chair 1924

Eine Küche für die Praxis Vogler, Berlin (1929) und ein Küchenstuhl (1924) alle von Marcel Breuer, gesehen als Teil der neuen Sammlung Bauhaus, Bauhaus Archiv Berlin

Parallel zur Einweihung der neuen Dauerausstellung öffnet das Bauhaus Archiv Berlin auch eine neue Sonderausstellung mit 100 kürzlich erworbenen Ankäufen. Diese Präsentation unterstreicht unter dem Namen “100 Neue Objekte” einerseits geschickt den erneuernden Geist der Dauerausstellung und die Tatsache, dass ein Museum wie das Bauhaus Archiv eine dynamische und vorausblickende Institution ist; zugleich ist die Besichtigung der Ausstellung aber auch ein schöner Blick zurück in die Vergangenheit. Dafür sorgen Objekte, die in jüngerer Zeit im Kontext der interessanteren Sonderausstellungen erworben wurden. Zu diesen Ausstellungen gehören beispielsweise “Mein Reklame-Fegefeuer. Herbert Bayer. Werbegrafik 1928 – 1938“, “Katsura Imperial Villa. Fotografien von Ishimoto Yasuhiro”, oder die Ausstellung “Hajo Rose – Bauhaus Foto Typo” von 2010.

Unter einer  riesigen Abfolge von Fotografien, Malereien, Möbeldesigns, Spielzeugen , Keramiken und Kunstwerken gehörte ein faszinierender Stuhl von Hansgeorg Knoblauch aus dem Jahr 1932 für uns zu den absoluten Highlights – eine Arbeit, die gut in die Ausstellung “Klaarhamer according to Rietveld” im Museum Utrecht passen würde. Hinzu kam für uns der  Einwegregenschirm Rainbelle von Ferdinand Kramer und eine Schreibtischlampe, die Heinrich Siegfried Bormann 1932 für den Leipziger Hersteller Kadem designte, und die daran erinnert, dass Bauhausabsolventen für richtige Industriebetriebe industrielle Produkte entwickelten, die ihren ganz eigenen Charme haben, ohne notwendigerweise in besagte Kategorie “klassisch” zu fallen. Es handelt sich einfach um gute oder sehr gute Objekte.

Bauhaus Archiv Berlin Sammlung Bauhaus Lamp Heinrich Siegfried Bormann Kandem

Eine Lampe von Heinrich Siegfried Bormann für Kandem, gesehen bei “100 Neue Objekte”, Bauhaus Archiv Berlin

Kürzlich wurde bekannt gegeben, dass das Bauhaus Archiv nun endlich seine viel diskutierte und umstrittene Erweiterung erhält; beim Besuch der beiden Ausstellungen wird sehr deutlich, weshalb es diese Erweiterung dringend benötigt. Wenn alles nach Plan läuft – angenommen, die Bürokratie und aufgeblasene, streitsüchtige Architekten geraten nicht in den Weg – wird die Erweiterung 2019 abgeschlossen sein. Pünktlich also zum 100. Geburtstag des Bauhauses und nicht allzu bald.

Das Bauhaus ist weder A und O von Architektur und Design im 20. Jahrhundert noch handelt es sich um eine Bewegung, die das heilige Recht auf einen besonderen Stand hätte und bedeutender wäre als alle anderen. Jedoch war die Bewegung als Moment der europäischen Kulturgeschichte von großer Bedeutung und bleibt heute so relevant wie damals. Die Dauerausstellung des Bauhaus Archiv Berlin ist ein exzellenter Ort, um herauszufinden, welche Gründe es dafür gibt. Sie liefert die nötige Motivation für den Besucher, sich auf eine eigene Entdeckungsreise zu begeben – was genau das ist, was eine solche Ausstellung tun sollte.

“100 Neue Objekte” läuft im Bauhaus Archiv, Klingelhöferstraße 14, 10785 Berlin bis Montag, den 25. Mai. Die Dauerausstellung “Sammlung Bauhaus” läuft unter gleicher Adresse und – wie der Name es schon sagt – fortlaufend.

Alle Details, Öffnungszeiten und Informationen zu gesonderten Veranstaltungen und Führungen sind unter www.bauhaus.de zu finden.

smow Blog Designkalender: 27. März 1886 – Happy Birthday Ludwig Mies van der Rohe!

27. März 2015

Wie feiert man den Geburtstag eines Mannes, der ohnehin schon von allen gefeiert wird?

Was lässt sich zu Ehren des deutschen Architekten, Designers und ehemaligen Bauhausdirektors Ludwig Mies van der Rohe noch sagen?

Im Zweifelsfall wenden wir uns einfach einem Mann zu, der bei jeder Gelegenheit etwas passendes zu sagen hat, dem Designer und Architekten George Nelson.

Nach seinem Abschluss an der Yale University gewann George Nelson den sogenannten Rome Prize, ein Stipendium der American Academy in Rom für besonders talentierte Personen aus einer Fülle von Disziplinen, das, um es mit Nelsons eigenen Worten zu sagen, “zwei Jahre in Rom ohne Geldnot”1 bedeutete.

Während seiner Zeit in Italien nutzte Nelson seinen Studentenstatus und die damit verbundenen Kontakte, um Interviews mit 12 führenden europäischen Architekten zu arrangieren – darunter Giò Ponti, Le Corbusier und Walter Gropius. Die Interviews wurden anschließend im amerikanischen Architekturmagazin Pencil Points veröffentlicht: Die Septemberausgabe 1935 enthielt Nelsons Portrait von Ludwig Mies van der Rohe bzw. von – Nelson bestand darauf – Miës van der Rohe.

“Im Obergeschoss eines ziemlich heruntergekommenen Hauses in Berlin lebt ein Mann, der, auch wenn er wenig gebaut, noch weniger gesprochen und kein Wort geschrieben hat, als einer der größten Architekten seiner Zeit gelten kann. Ebenso groß ist die Kraft seiner Persönlichkeit und seiner Ideen.

Bis vor ungefähr zehn Jahren hatte er nahezu nichts eigenes gebaut und sein Einfluss war nur in bestimmten Gruppen in Deutschland zu spüren. Heute hat er eine einmalige Position – sogar in Deutschland – und er ist fast ebenso bekannt wie der sehr viel breiter publizierte Le Corbusier. Ungeachtet seines Widerwillens sich selbst zu dramatisieren – Miës ist keinesfalls ein verträumter Einsiedler, in dessen Dachkammer die Welt eingedrungen ist. Seine luxuriöse, simple Wohnung in Berlin ist alles andere als eine Einsiedlerstube. Das karge Leben ist für den großen, gut genährten Deutschen nicht attraktiv. Er liebt sein Essen und kennt seine Weine, und wenn er von beidem ausreichend zu sich genommen hat, erweist er sich als ein charmanter und heiterer Gesprächspartner.”2

Was erfreulich ist, denn Nelson formuliert weiter:

“Von allen möglichen Architekten war Miës der komplizierteste Interviewpartner. Er war freundlich, aber freiheraus sehr gelangweilt von der Aussicht mit einem Fremden zu sprechen und er tat rein gar nichts, um seinem Interviewer zu helfen, als der sich in den grässlichen Feinheiten der deutschen Grammatik verlor.”

Jedoch dann, wie schon gesagt:

“Als das Gespräch auf Angelegenheiten von beiderseitigem Interesse kam, entspannte sich Miës jedoch allmählich und so hatten wir schließlich doch noch eine gute gemeinsame Zeit. Als ich ging, verließ ich Miës van der Rohe schwer beeindruckt von seiner Leidenschaft und der außergewöhnlichen Wirkung seiner Person.”

Nicht dass man einen falschen Eindruck bekommt: Nelson war ein großer Bewunderer von Mies van der Rohe und seiner Kunst. So beschreibt Nelson die Villa Tugendhat in Brno als “Miës‘ Meisterwerk, verdientermaßen weltberühmt, vielleicht das beste moderne Haus, das je gebaut wurde.”

Nelson schließt mit einer wie wir finden wunderbaren Hommage an Mies van der Rohe. Nach Nelsons Text wünschten wir uns umso mehr wir hätten Mies van der Rohe doch auch einmal getroffen.

“Was den Mann Miës van der Rohe angeht: er war ein sicherer, sensibler Künstler. Sein Umgang mit dem Raum und sein Gefühl für Materialien ist unübertroffen. Er ist brilliant, langsam, freundlich und eitel.”

Happy Birthday, Ludwig Mies van der Rohe!

1. George Nelson, zitiert in Abercrombie, Stanley. “George Nelson. The design of modern design” MIT Press, Cambridge (Massachusetts) 1995

2 und alle nachfolgenden Zitate aus: George Nelson “Architects of Europe Today. 7 – Van Der Rohe, Germany”, Pencil Points – An Illustrated Monthly Journal for the Drafting Room, September 1935

Ludwig Mies van der Rohe Villa Tugendhat Brno

Villa Tugendhat Brno von Ludwig Mies van der Rohe. George Nelson zufolge “… vielleicht das beste moderne Haus, das je gebaut wurde” (Foto © David Židlický, mit freundlicher Genehmigung  des Villa Tugendhat Studien- und Dokumentationszentrum)

 

smow introducing reloaded

26. März 2015

Name: smow introducing

Geboren: Leipzig, 2010

Studium: Universität des Lebens

Designer:
Christoffer Martens

Erik Wester

Christian Lessing

Eva Marguerre

My Own Super Studio

maigrau

                           Stephan Schulz

smow Blog: smow introducing?

smow Blog: Das ist eine Reihe, die wir veröffentlicht haben, um junge, weniger bekannte, aber unserer Meinung nach sehr talentierte und interessante Designer einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.

smow Blog: Warum habt ihr damit aufgehört? Sind euch die jungen, talentierten, beeindruckenden Designer ausgegangen?

smow Blog: Ganz und gar nicht! Aber uns fehlten Zeit und Raum, um der Aufgabe weiterhin gewissenhaft nachzukommen.

smow Blog: … und das hat sich jetzt geändert??

smow Blog: Wir haben das geändert. Wir haben es immer bereut, dass wir mit der Reihe nicht weiter machen konnten und haben uns jetzt entschieden, der Sache wieder mit der gebührenden Ernsthaftigkeit und Gründlichkeit nachzukommen.

smow Blog: Dass ihr die Klammern aus dem Namen genommen habt, hat dabei wahrscheinlich auch geholfen?

smow Blog: Keine Frage! Das hat unseren Produktionsprozess gelockert und unserer Arbeit einen gewissen jugendlichen Elan und Esprit verliehen, der in letzter Zeit gefehlt hat.

smow Blog: So sehr euch smow introducing auch Spaß gemacht hat – hat es sich wirklich gelohnt? Was ist im Rückblick aus den Designern geworden, die ihr vorgestellt habt?

smow Blog: Das erste “smow introducing”-Interview haben wir mit dem Absolventen der Burg Giebichtenstein Halle Stephan Schulz geführt. Seit wir mit ihm gesprochen haben, hatte er ein Stipendium der Kunststiftung Sachsen-Anhalt und der Kolsterbergischen Stiftung und hat neue Projekte für Calvin Klein Home und Betoniu realisiert. Nach Stefan Schulz stellten wir den in Baden-Württemberg ansässigen Hersteller Maigrau, das heißt die Absolventen der Kunstakademie Stuttgart Nik Back & Alexander Stamminger vor. Beide haben ihr Versprechen gehalten und das Programm der Firma um Arbeiten externer Designer erweitert. Maigrau, bei unserem ersten Treffen ohnehin schon ein spannendes Projekt, ist für uns so eine umso interessantere Marke geworden. Unser beliebtester portugiesischer Designer TM Rui Alves fährt damit fort portugiesisches Design zeitgenössisch zu machen. Seine Produkte werden derzeit beim italienischen Hersteller Valsecchi1918 und dem dänischen Label Menu produziert. Menu hat auch die BookBinder Buchstütze des Berliner Designers Christoffer Martens, den wir auch bei smow introducing vorgestellt haben, produziert und vertrieben. Christian Lessing geht weiter der Aufgabe nach, den Spaß in den Wohnraum und auf die Balkone zu bringen. Darüber hinaus ist er Mitglied des Düsseldorfer Kreativ Kollektivs Teilmöbliert. Erik Wester aus Oslo sucht unerklärlicherweise immer noch nach einem Hersteller für seine Standing Task Lamp. Allerdings hat er sein Repertoire um Grafikdesign erweitert. Und die Absolventin der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe Eva Marguerre hat sich mit Marcel Besau unter dem fantasievollen Namen Studio Besau-Marguerre zusammengetan und neben anderen Projekten eine Serie von Lampen für den Frankfurter Hersteller e15 realisiert.

smow Blog: Das ist ja ganz beeindruckend. Aber bist du glücklich über den Weg, den die Designer mit ihren Karrieren eingeschlagen haben – wie sie sich entwickelt haben?

smow Blog: Grundsätzlich ja, sehr sogar. Schaut man allerdings zurück, stößt man kontinuierlich auf Objekte, von denen wir noch immer überzeugt sind, dass sie millionenfach verkaufte Standards sein müssten, was sie allerdings nicht sind. Eine Situation, die für uns wunderbar die Gemeinheiten der Designindustrie zusammenfasst und zeigt wie schwer es ist, sich selbst zu etablieren. Wir haben die Hoffnung allerdings noch nicht aufgegeben, dass einer der stetig zunehmenden kleinen Hersteller Interesse an dem ein oder anderen unveröffentlichten Design finden wird.

smow Blog: Was uns im Rückblick immer wieder auffällt, ist, dass smow introducing die einzige Gelegenheit zu sein scheint, bei der ihr offizielle Pressefotos anstatt eurer eigenen Fotos nutzt. Eine bewusste Entscheidung?

smow Blog: Ja. Wie gesagt ist es schwer genug sich als Designer zu etablieren, das müssen wir nicht noch mit unseren selbstgemachten Fotos sabotieren.

smow Blog: Und wann können wir mit der Fortsetzung von smow introducing rechnen?

smow Blog: Ab sofort jeden Tag………………

Design from the Country of The Potato Eaters – Designers meet van Gogh im Het Noordbrabants Museum, ’s-Hertogenbosch

24. März 2015

Während des gesamten Jahres 2015 werden um die dreißig Museen und kulturelle Institutionen in Europa den Geburtstag des niederländischen Künstlers van Gogh mit einer Reihe von Ausstellungen, Veranstaltungen und kulturellen Austauschprogrammen feiern.

Wie wir erst kürzlich bemerkt haben, sind wir automatisch misstrauisch, wenn es um Preise für Lebenswerke geht, und in ähnlicher Weise finden wir es auch eher makaber Tote zu feiern. Vor allem im Fall von Vincent van Gogh – bedenkt man wie tragisch und grausam er ums Leben gekommen ist.

Aber bekanntermaßen entscheiden wir ja nicht, wann was gefeiert wird, sondern berichten nur über die daraus resultierenden Festivitäten.

Eine der teilnehmenden Institutionen ist das Noordbrabants Museum in der Stadt mit dem großartigen Spitznamen ‘s-Hertogenbosch, und bis zum 26. April präsentiert das Noorbrabants Meuseum die Ausstellung “Design from the Country of Potato Eaters – Designers meet van Gogh”.

Design from the Country of The Potato Eaters Designers meet van Gogh Noordbrabants Museum

Natur mit u.a. Paard von Barbara Polderman und der Spaten von GBO Design, gesehen bei Design from the Country of The Potato Eaters – Designers meet van Gogh im Noordbrabants Museum

Der Ausstellungstitel ist inspiriert von van Goghs Gemälde “Die Kartoffelesser” von 1885. Viel mehr als die Ausstellung in direkten Dialog mit Vincent van Gogh und seiner Arbeit zu bringen, präsentiert die Ausstellung 85 Arbeiten von zeitgenössischen niederländischen Designern, von denen die Organisatoren meinen, dass sie drei der zentralen Elemente von van Goghs Gemälden aufgreifen: Einfachheit, Ackerland und Natur.

Der Part “Design aus dem Land der…” im Ausstellungstitel bezieht sich einerseits auf die Tatsache, dass Vincent van Gogh in Noord-Brabant, ‘s-Hertogenbosch ist die Hauptstadt dieser Region, geboren und aufgewachsen ist. Zum anderen spielt der Titel aber auch darauf an, dass Gemälde wie “Die Kartoffelesser” und andere direkt vom ländlichen Leben der Region inspiriert waren. Der Ausstellungstitel erinnert so nicht nur an van Goghs Tod, sondern weist auch auf die Vielfalt und Qualität von Designarbeiten hin, die derzeit in dieser Region produziert werden. Und so wird das Interesse an den regionalen Designern sowohl bei Laien als auch Spezialisten angeregt. Ein nobles Anliegen, und natürlich genau das, was regionale Museen tun sollten. Ja, wir wären die ersten, die sich beschweren, wenn ein Museum einzig die Arbeiten ortsansässiger Designer präsentieren würde. Vor allem wenn das nur in einem aufdringlichen Marketingkontext geschieht und es dabei weniger um die Positionierung der Objekte in einem relevanten und interessanten Diskurs geht. Allerdings ist es durchaus wichtig, dass Museen und kulturelle Institutionen auf die Talente ihrer Umgebung reagieren und mit ihnen zusammenarbeiten.

Mal vor dem Hintergrund dieser doppelten Einführung betrachtet, haben die Ausstellungskuratoren von Yksi Ontwerp ein sehr offenes und zugängliches Ausstellungskonzept entwickelt, in dem die drei Bereiche in getrennten Abschnitten aufgegriffen werden. All das haben sie mit einer sehr erfreulichen, selbstbewussten Einfachheit realisiert. Zudem liefert das Ausstellungskonzept ein wunderbares, wenn auch unserer Meinung nach nicht vollständiges, Who is Who der regionalen Designszene. Größtenteils sind das, wie zu erwarten, Eindhoven-Absolventen und in Eindhoven lebende Designer.

Neben etablierten smow Favoriten wie Steven Banken, Arnout Meijer, Dirk vander Kooij oder Daphne Laurens umfasst “Design from the Country of Potato Eaters” Arbeiten von Leuten wie beispielsweise Piet Hein Eek, Ma’ayan Pesach, Paul Heijnen, Lex Pott, Sander Wassink, Maarten Baas, Studio Job oder Earnest Studio & Emilie Pallard, und schafft so eine angenehme Mischung aus etablierten und unbekannteren Designern sowie eine exzellente Mischung der Genres und Designansätze. Das heißt es gibt viel zu entdecken und das reicht von rein industriellen Arbeiten über experimentelle Forschungsprojekte, Erforschungen innovativer Ansätze für zukünftige Technologien, Wiederbelebungen traditionellen Handwerks bis hin zu Projekten, die wir eigentlich unter Kunst verbuchen würden.

Das Resultat ist eine Ausstellung, die, auch wenn sie unter dem unsichtbaren Stern van Goghs und dessen Leidenschaft für das natürliche und einfache steht, sehr viel mehr von der Natürlichkeit und Einfachheit der ausgestellten Objekte handelt. Es geht um die Designprozesse vor den Objekten und die Motivation diese Objekte zu produzieren. Und so wird “Design from the Country of The Potato Eaters” zu einem exzellenten Ausgangspunkt für alle, die zeitgenössisches dänisches Design kennenlernen und verstehen möchten.

Design from the Country of The Potato Eaters Designers meet van Gogh Noordbrabants Museum

Schlichtheit bei Design from the Country of The Potato Eaters – Designers meet van Gogh im Noordbrabants Museum

Bisher beschränkten sich die meisten “van Gogh-Tributes” auf folgendes: unangemessene und unbedachte Nachbildungen seiner berühmtesten Gemälde oder unangemessene und unbedachte Aufnahmen von Starry Starry Nights.

“Design from the Country of Potato Eaters – Designers meet van Gogh” mag keine direkte Laudatio an Vincent van Gogh sein, aber gerade da die Ausstellung die Themen seiner Arbeit so mühelos in die heutige Welt transportiert, zeigt sich nicht nur wunderbar, wie wichtig seine Themen auch heute noch sind, sondern auch wie van Gogh seine Umgebung sah. Vincent van Gogh als ein Mann, der eher nach Antworten suchte, als die Schönheit des Gesehenen einzufangen und auf der Leinwand festhalten zu wollen. Ein Mann also, dessen Talent und Leben es eindeutig wert sind gefeiert zu werden.

Parallel zu “Design from the Country of Potato Eaters” präsentiert das Noordbrabandts Museum auch “Hockney, Picasso, Tinguely und andere Höhepunkte aus der Sammlung Würth”, eine Ausstellung, die den Künstlern und ihren Arbeiten sehr viel direkteren Tribut zollt. Darunter auch die faszinierende dreiteilige Arbeit “Three Trees near Thixendale” von David Hockney – eine Serie von Bildern, die nicht nur Hockneys Talent unter Beweis stellen, sondern in gewisser Weise auch Vincent van Gogh ehren.

“Design from the Country of Potato Eaters – Designers meet van Gogh” läuft im Het Noordbrabants Museum, Verwersstraat 41, ‘s-Hertogenbosch bis Sonntag, den 26.April. “Hockney, Picasso, Tinguely und andere Höhepunkte aus der Sammlung Würth” ist bis Sonntag, den 17. Mai zu sehen.

Alle Details sind unter www.hetnoordbrabantsmuseum.nl zu finden.

Reihe Chemnitzer Kreativität: Marcel Kabisch

20. März 2015

Wie wir an dieser Stelle schon oft bemerkt haben, verkauft sich die ostdeutsche Stadt Chemnitz gerne als “Stadt der Moderne”, was, wie wir genasuo oft bemerkt haben, eine etwas zu positive Behauptung ist. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und der Geburtsort von Marianne Brandt und ein Kaufhaus von Erich Mendelsohn in der Stadt noch keine “Stadt der Moderne”.

Das soll nicht heißen, Chemnitz hätte keinerlei kulturelle Relevanz. Historisch hat Chemnitz Arbeiten wie z. B. die Villa Esche von Henry van de Velde oder Lew Kerbels 7 Meter hohe Karl-Marx-Büste von 1971 zu bieten, zeitgenössisch hat sie die dank der großen Bemühungen von Institutionen wie des Kunstsammlungen Kunstmuseums oder des neuen Staatlichen Museums für Archäologie Chemnitz.

Aber ist das zeitgenössische Chemnitz wirklich ein krativer Ort? Wie viel Kreativität und Innovation steckt und gedeiht in der Wildnis des südlichen Sachsens? Werden künftige Stadtväter in der Lage sein, besser fundierte Stadtwerbung für die Rolle der Stadt als kreatives Zentrum zu machen?

Da gibt es wohl nur einen Weg, das herauszufinden – vor Ort sein und mit denen sprechen, die im kreativen Bereich tätig sind. Nach unserem Gespräch mit Jörg Kaufmann von Silbaerg Snowboards haben wir uns daher nun mit dem Designer Marcel Kabisch unterhalten.

Marcel Kabisch, ursprünglich als Tischler ausgebildet, lebt und arbeitet in seinem Heimatort Frankenberg, einem idyllisch gelegenen Städtchen gleich vor den historischen Stadtmauern Chemnitz’. Er studierte Holzgestaltung (Produkt-, Objektdesign) an der Fachhochschule für Angewandte Kunst in Schneeberg und wurde 2004 mit seinem Diplomprojekt, einer Serie von ergonomisch geformten Stühlen, für den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland nominiert. Nachdem Kabisch inzwischen zahlreiche Produkt- und Grafikdesigns sowie verschiedene künstlerische Arbeiten als freischaffender Designer/Holzgestalter realisiert hat, entschloss er sich 2012 sein eigenes Label, Feinserie, zu gründen, um seine Designs selbst herzustellen und zu verkaufen. Ein exzellenter Start gelang ihm dabei mit seinem Hocker und Beistelltisch Griffbereit, der 2014 mit dem zweiten Preis des Sächsischen Staatspreises für Design 2014 ausgezeichnet wurde.

Marcel Kabisch Griffbereit Feinserie

Griffbereit von Marcel Kabisch für Feinserie, ein reduzierter, stapelbarer Hocker und/oder Beistelltisch (Foto: Marcel Kabisch/Feinserie)

Kürzlich nahm Marcel Kabisch an einer Podiumsdiskussion in Chemnitz zum Thema “Designhandwerk – Handwerk im Design” teil und eine der Publikumsfragen, denen er sich stellen musste, lautete: “Kann ein Produkt eine Seele haben?” Was für ein exzellenter Ausgangspunkt für ein Gespräch, fanden wir … Kann ein Produkt also eine Seele haben?

Marcel Kabisch: Absolut. Eines meiner ersten Produkte heißt Feuerholz und ist eine moderne Interpretation des Räuchermännchens. Als ich das Produkt vorstellte, schrieb ich nebenbei eine Kurzgeschichte, ein richtiges kleines Märchen, mit einem Erzgebirgischen Schnitzer, der in den Wald geht, um Holz für sein Räuchermännchen zu sammeln. Auf dem Weg zurück ins Dorf traf ein Blitz seinen Karren, sodass er Feuer fing und verbrannte. Der Schnitzer dachte sich, “damit ist es jetzt vorbei!” Und so kam die Idee zu “Feuerholz”. Auf diese Art kann man einem Produkt eine Seele geben, indem man es persönlich macht. Weil letztendlich sind die wichtigsten Produkte nicht die teuersten, sondern die, mit denen man Assoziationen verknüpfen kann – die durch eine persönliche Assoziation eine Seele bekommen.

smow Blog: Du hattest einen abwechslungsreichen Berufsweg. Wie würdest du dich selbst bezeichnen – als Tischler, Designer, Künstler, Holzgestalter … ?

Marcel Kabisch: Man kann sich nicht selbst definieren, das müssen andere übernehmen. Ich wurde als Tischler ausgebildet und studierte dann Design/Holzgestaltung. Selbst habe ich mich immer nur als “kreativ” verstanden, aber um ehrlich zu sein, interessiert mich die Serienproduktion am meisten.

smow Blog: Und das war dann der Grund Design zu studieren?

Marcel Kabisch: Genau. Als ich anfing zu studieren, war unklar, was ich danach genau machen würde, aber die Serienproduktion, der Versuch ein Produkt mit einer bestimmten Intelligenz zu entwickeln, sodass es serienmäßig produziert werden kann – Effizienz im Design – das interessierte mich sehr. Und das nicht zwangsläufig nur in Verbindung mit dem Material Holz. Nach meinem Studium arbeitete ich beispielsweise für eine Firma, die grundsätzlich Metallprodukte produziert, und meine erste Kollektion war aus Stahl und Edelstahl. Nach wie vor arbeite ich neben Holz auch mit Metall und Glas.

smow Blog: Du hast an der Fachhochschule für Angewandte Kunst Schneeberg studiert. Hast du dich für diese Schule entschieden, weil sie einfach am nächsten gelegen ist, oder hattest du andere Gründe?

Marcel Kabisch: In erster Linie hab ich mich wegen Professor Gerd Kaden für Schneeberg entscheiden. Mir gefiel auch, dass sich die Schule zwischen Kunst und Design positioniert und für einen spielerischen Umgang mit dem Material steht. Das beeindruckte mich damals sehr. Schaut man sich andere Schulen mit ihren Trendscouts und dergleichen an, lässt sich sagen, dass das in Schneeberg keine Rolle spielte und spielt. Vielmehr lernt man sein Material und dessen Möglichkeiten zu verstehen und entwickelt dann einen organischen kreativen Prozess. Da ist es nicht relevant, was andere machen.

smow Blog: Du hast Professor Gerd Kaden erwähnt, einen der Großen in der Holzgestaltung. Beeinflusst er deine Arbeit immer noch?

Marcel Kabisch: Absolut. Ich habe erst kürzlich eine Serie von Schalen in verschiedenen Hölzern entwickelt. Also geformte Objekte aus Holz, die man beispielsweise als Fruchtschale nutzen kann. Es interessierte sich niemand dafür und ich bin sie nicht losgeworden. Gerd Kaden sagte uns mal, wenn etwas nicht funktioniert, macht es größer! Und das tat ich. Ich vergrößerte die Schale auf 4 Meter Länge, so dass sie sich in eine Bank verwandelte. Genau das gleiche Objekt, nur größer. Und jetzt verkauft sich die Arbeit.

Marcel Kabisch Bank mit Kindern

War mal eine Obstschale, ist nun eine Bank … von Marcel Kabisch (Foto: Marcel Kabisch)

smow Blog: Wir wissen, dass du aus Frankenberg kommst und deshalb persönliche Gründe hast, dort auch zu arbeiten. Hat Frankenberg darüber hinaus auch berufliche Vorteile für dich? Hast du nie darüber nachgedacht beispielsweise nach Berlin umzuziehen?

Marcel Kabisch: Der große Vorteil an Frankenberg und dem Erzgebirge allgemein ist, dass man hier sehr viel machen kann. Es gibt sehr viele Handarbeits- und Kunsthandwerksunternehmen, die einem behilflich sein können, bei der Entwicklung von Projekten und spezielle Arbeiten für einen übernehmen können. Hinzu kommt, dass es hier eine Menge Platz gibt und Arbeits- und Atelierräume sehr günstig sind. Unglaublich günstig! Natürlich gibt es nicht allzu viel Arbeit hier. Ich mache beispielsweise viele “Kunst am Bau”-Projekte und habe über viele Jahre mit der Blindenschule Chemnitz zusammengearbeitet, aber niemand kommt hierher und sucht nach Designern. Da hat man möglicherweise bessere Chancen in Berlin, nicht zuletzt weil es marketingtechnisch schon mal besser klingt. Aber man muss immer die Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen und dann das Beste daraus machen.

smow Blog: Aber lohnt es sich hier nach Designern Ausschau zu halten? Ist Chemnitz eine kreative Stadt?

Marcel Kabisch: Ich bin im Vorstand des Chemnitzer Künstlerbundes, einer deutschlandweiten Organisation von regionalen und lokalen Ortsverbänden, und Chemnitz ist der einzige Künstlerbund, der Mitglieder aus der Angewandten Kunst hat. Alle anderen sind reine bildende Künstler. In Chemnitz haben wir schon immer auch Designer und das hängt größtenteils mit Schneeberg und dem Anteil an Absolventen, die in der Gegend bleiben, zusammen. Insofern ist Chemnitz eine sehr kreative Stadt für mich.

smow Blog: Und “Ostdeutschland” im Allgemeinen?

Marcel Kabisch: Es gibt eine Menge Designer im Osten, aber nicht so viele Unternehmen, die sie beschäftigen können. Das deutsche Designmagazin “Form” hat 2012 eine Deutschlandkarte veröffentlicht, in der Firmen, die Design produzieren, eingezeichnet sind. Der ehemalige Westen war voll, im Osten große Leere. Sie haben sogar die Legende mit den diversen Kategorien über dem Ostteil platziert. Da gab es Platz genug.

Irritierend daran ist, dass wir hier gute Designer haben. Auch schon während der Teilung Deutschlands gab es die. Aber es gibt hier keine Industrie und welche Firma aus dem Westen sucht im Osten nach Designern, wo es dort ja genug talentierte Designer vor der Haustür gibt.

smow Blog: War das für dich die Motivation dein eigenes Label zu gründen?

Marcel Kabisch: Direkt nach dem Studium arbeitete ich für eine Firma und realisierte mit der Zeit, dass ich das Unternehmen weder wirklich brauche noch wollte und beschloss schließlich, es auf eigene Faust zu versuchen. Über einige Jahre habe ich einfach als normaler Freiberufler gearbeitet. Die eigentliche Motivation Feinserie als Label zu gründen kam dann erst, als ich Bernau, ein Dorf im Schwarzwald, besucht habe. Die Region gleicht in vielerlei Hinsicht der hiesigen, nur dass es in Bernau – in einem einzigen Dorf – drei Designfirmen gibt. Drei alte Häuser, allesamt Nachbarn und alle produzieren Designobjekte, die zu großen Teilen auf traditionellem Handwerk basieren. Als ich das gesehen habe, dachte ich mir, das muss ich auch im Erzgebirge machen.

smow Blog: Frankenberg als Zentrum der sächsischen Designrevolution also?

Marcel Kabisch: Warum nicht? Wir haben in Sachsen keinen Mangel an Designern, sondern an Labels, Herstellern und Händlern. Die fehlen! Wir haben qualifizierte Handwerker. Wir haben qualifiziert Designer. Aber es fehlen professionelle Leute aus dem industriellen Bereich, die über das nötige Know-how verfügen, dieses Potential zu promoten und zu managen.

smow Blog: Du hast Feinserie im Jahr 2012 gegründet. Jetzt wo deine Firma läuft – ist es so schwierig wie du gedacht hast?

Marcel Kabisch: Sehr viel schwieriger. Allerdings denke ich, dass es ganz gleich an welchem Ort genauso schwierig wäre. Momentan ist der Plan alle zwei Jahre auf der Ambiente Messe auszustellen, nicht zuletzt weil ich es nicht notwendig finde, jedes Jahr ein neues Produkt zu veröffentlichen. Zwei Jahre sind ein guter zeitlicher Rahmen, um ein neues Produkt zu entwickeln. Ich habe mit kleinen Objekten und Accessoires begonnen, letztes Jahr kam dann Griffbereit dazu, und als nächstes arbeite ich an der Entwicklung eines Stuhls. Der Plan ist, die Kollektion langsam, aber stetig und Schritt für Schritt aufzubauen.

Mehr Informationen zu Marcel Kabisch, seiner Arbeit und Feinserie sind unter www.holzgestaltung.com und www.feinserie.de zu finden.

5 neue Designausstellungen im März 2015

18. März 2015

Ja, im März scheint die Sonne, die Tage werden länger und der Frühling liegt in der Luft. Allerdings ist Vorsicht geboten, denn der März ist launisch – das Wetter unbeständig mit Hang zur Gereiztheit. So braucht es Mut und Standhaftigkeit sich nach draußen zu wagen.

Auch die folgenden fünf Museen haben das Risiko auf sich genommen … und wir finden, ihr Mut sollte anerkannt werden:

“Making Africa: A Continent of Contemporary Design” im Vitra Design Museum, Weil am Rhein.

In seiner Grundsatzrede auf der Designtage Brandenburg 2013 Designkonferenz bezog sich der Chefkurator des Vitra Design Museums, Mateo Kries, einige Male auf zeitgenössische Kunst und zeitgenössisches Design aus Afrika. Wir haben uns damals nichts weiter dabei gedacht, nur hatten wir bisweilen den Eindruck, die digitale Infrastruktur in Afrika sei besser ausgebaut als die im ländlichen Brandenburg. Jetzt wissen wir, weshalb Mateo Kries so gut informiert war in Sachen Afrika. Als große Sommerausstellung im Jahr 2015 wird das Vitra Design Museum den aktuellen kreativen Stand Afrikas unter die Lupe nehmen. Dazu werden Beispiele aus den Bereichen Bildende Kunst, Mode, Grafik, Architektur und Design gezeigt. “Making Africa” möchte zeigen, wie eine neue Generation von jungen Kreativen die Freiheit und Kraft der digitalen Technologie nutzt, um den Wandel im Afrika des 21. Jahrhunderts zu begleiten und anzustoßen.

“Making Africa: A Continent of Contemporary Design” ist im Vitra Design Museum, Charles-Eames-Str. 2, 79576 Weil am Rhein vom 14. März bis 13. September zu sehen.

Making Africa A Continent of Contemporary Design Vitra Design Museum

Vigilism, Idumota Market, Lagos 2081A.D. aus der Our Africa 2081A.D. Serie, Illustration für die I kiré Jones Heritage Menswear Collection, 2013 (Foto © mit freundlicher Genehmigung Olalekan (vigilism.com) und Walé Oyéjidé (ikirejones.com))

“Do It Yourself Design” im Museum für Gestaltung, Zürich, Schweiz

Was früher eine Verweigerung war, die Ablehnung sich helfen zu lassen, hat sich heute in einen Schlachtruf verwandelt. Do it yourself!

Sei es als Reaktion auf den Druck der zeitgenössischen Konsumgesellschaft, aus einer Sehnsucht nach Nachhaltigkeit heraus oder aufgrund steigender Selbstermächtigung durch die moderne, digitale Technologie, Do It Yourself infiltriert und dominiert zunehmend kulturelle und kreative Bereiche – eingeschlossen Design. Natürlich sind Do It Yourself und Design keine neuen Bekannten – die Geschichte des Designs ist durchtränkt mit “Do It Yourself”-Projekten. Die derzeitige Bewegung hat ihre Wurzeln allerdings nicht nur in absolut modernen Verhältnissen, die es wert wären genauer analysiert zu werden, sondern sie hat auch das Potential eine länger währende Veränderung anzustoßen als ihre Vorgänger. Mit den vier Bereichen “What is do it yourself?”,”Design for do it yourself”,”Consumer & Prosumer” und “Sustainability” will “Do It Yourself Design” einerseits den Hintergrund der derzeitigen Bewegung erforschen und zudem den Einfluss des “Do It Yourself”-Gedankens auf die Zukunft des Designs, der Designer und der Designindustrie untersuchen.

Entwickelt in Zusammenarbeit mit dem MAK Wien ist “Do It Yourself Design” eine aufgearbeitete, neu konzentrierte Version der Ausstellung “Nomadic Furniture 3.0. New Liberated Living” im MAK Wien aus dem Jahr 2013.

“Do it Yourself Design” wird am 20. März im Museum für Gestaltung – Schaudepot, Toni-Areal, Pfingstweidstrasse 96, CH-8005 Zürich eröffnet und ist dort bis Sonntag, den 31. Mai zu sehen.

Do It Yourself Design" at the Museum für Gestaltung, Zürich

Do It Yourself Design at the Museum für Gestaltung, Zürich (Image © ZHdK)

“IN-Possible by Alessi” im Design Museum Holon, Israel

Wie wir auf diesen Seiten schon berichtet haben, ist die Entwicklung eines Designprojekts häufig interessanter als letztlich das Produkt. Und die Entwicklung eines Designprojektes, das nicht in einem Produkt resultiert ist umso interessanter. Warum hat es nicht funktioniert? Wer hat das Projekt gestoppt? Wie weit war es gediehen? Hat es sich später in etwas anderes verwandelt? Als Teil einer Ausstellungsreihe zum 5. Geburtstag des Design Museums Holonwird die Institution 50 Projekte von Designern wie Ettore Sottsass, Phillipe Starck, Ronan and Erwan Bouroullec und Patricia Urquiola präsentieren, die für Alessi geplant, jedoch nie beendet wurden.

Bei einer gesponserten Ausstellung in Kooperation mit dem Alessi Museum rechnen wir nicht damit, dass sie sonderlich umfangreich ausfällt und denken mal, dass der Firmenbezug schwer wiegt. Wenn die Ausstellung allerdings bei den Gründen für den Abbruch der Projekte und den dafür Verantwortlichen ehrlich bleibt, könnte sie einige sehr interessante Einblicke in den Produktdesignprozess und die dazugehörige Industrie bieten – was wir sehr hoffen.

“IN-Possible by Alessi” ist vom 25. März bis 6. Juni im Design Museum Holon, Pinhas Eilon St. 8 Holon zu sehen.

"Cyclepedia, Iconic Bicycle Design" at Design Museum Holon, Israel

Design Museum Holon, Israel

“Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode” im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Auch auf das Risiko hin uns zu wiederholen und uns in immer neue Streitereien zu verwickeln: Fashion ist nicht Design! Und Styling ist nicht Design! Das heißt Fashion ist dem Produktdesign sehr nahe, insofern als die Kreationen produziert werden müssen. So wie die Bedingungen, unter denen die meisten Konsumprodukte hergestellt werden alles andere als fair und nachhaltig sind, so steht auch die Realität der Bekleidungsproduktion in krassem Gegensatz zum PR-kontrollierten Glamour der Kleider, die am Ende der Produktionskette stehen.

Jeder weiß, dass sich die Mehrheit der Konsumenten aktiv entscheidet, die Realität zu ignorieren, um die Freude an den neuen Kleidern nicht zu trüben. Mit Themen wie beispielsweise “Fashion und Opfer”, “Armut und Reichtum”, “neue Fasertechnologien” oder “Kleider und Chemikalien” will “Fast Fashion” im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg Licht auf die dunklen Bereiche der Modeindustrie werfen. Neben dem Blick auf die derzeitige Situation verspricht “Fast Fashion” auch alternative Modelle und mögliche neue Modi der Modeindustrie vorzustellen.

“Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode” im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Steintorplatz 20099 läuft von Freitag, den 20. März bis Sonntag, den 20. September.

Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode at the Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Frauen zerschneiden Pullover, Jacken und Mäntel mit traditionellen Gemüsemessern (Foto © Tim Mitchell, 2005)

“Wien. Die Perle des Reiches. Planen für Hitler” im Architekturzentrum Wien, Österreich

Es ist weit bekannt und gut erforscht, dass Adolf Hitler plante, Berlin in die Welthauptstadt Germania zu verwandeln und die Macht, Autorität und Überlegenheit seiner Nazihorde durch monumentale Architektur und Stadtplanung hervorzuheben. Dass Hitler aber auch große Pläne für Wien hatte, ist weniger bekannt und sehr viel schlechter erforscht. Bis jetzt! “Wien. Die Perle des Reiches. Planen für Hitler” präsentiert bisher unveröffentlichte Pläne, Dokumente und Fotografien, die größtenteils aus dem Klaus Steiner Archiv stammen und im Jahr 2011 in den Besitz des Architekturzentrums Wien übergingen. Die Ausstellung will Hitlers Pläne für Groß-Wien offenlegen. So sollte Wien wohl die zweite Stadt des dritten Reiches, eine Art kulturelles Zentrum, wenn man so will zwischen Ost und West, werden und war als administrative Pforte zu Südeuropa geplant. Neben dem Blick auf Hitlers Pläne für Wien will die Ausstellung auch neue Sichtweisen auf die Rolle von Architektur und Stadtplanung in der Naziphilosophie und Propaganda liefern und fragen, warum die Jahre der Nazidiktatur bisher grundsätzlich in den Diskussionen über die Architekturgeschichte Wiens ausgelassen wurden.

“Wien. Die Perle des Reiches. Planen für Hitler” wird vom 19. März bis 18. August im Architekturzentrum Wien, Museumsplatz 1, 1070 Wien gezeigt.

Vienna The Pearl of the Reich. Planning for Hitler at the Architekturzentrum Wien

Bebauungsmodel für die Umgestaltung Wiens mit dem Gauforum und der “Baldue von Schirach Insel”, 1941 (Foto © Architekturzentrum Wien, Sammlung)


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