Kategorie: Designer


Der Winter ist kurz davor die Oberhand zugewinnen. Wir können uns deshalb im Dezember kaum einen besseren Zufluchtsort als eine Architektur- oder Designausstellung vorstellen: die ist nämlich nicht nur sicher und warm, sondern auch lehrreich, unterhaltsam und inspirierend.

Unsere fünf Empfehlungen für neu eröffnende Architektur- und Designausstellungen im Dezember umfassen Zufluchtsorte in Winterthur, Barcelona, New York, München und Moskau.

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5 New Design Exhibitions for December 2017

Kann Innovation ein Selbstzweck sein? Führen wir ein Leben im Exzess? Können uns Dinge immer noch verblüffen und inspirieren? Verliert eine Museumssammlung mit der Zeit automatisch ihren Bezug zur Realität? Was macht “gutes Design” aus? Die Ausstellung “Hella Jongerius & Louise Schouwenberg – Beyond the New” in der Neuen Sammlung, Design Museum München, formuliert eine Menge fragen. Fragen, die nicht notwendigerweise eine Antwort finden, die aber Inspiration und Anstoß zu weiteren Fragen liefern und so einen tiefgreifenden Diskurs über Design anstoßen.

Hella Jongerius & Louise Schouwenberg - Beyond the New, Die Neue Sammlung - The Design Museum, Munich

So bunt wie die Gärten und Parks im Herbst ist auch die Auswahl an Design- und Architekturausstellungen, die im November 2017 eröffnet werden. Diesmal hätten wir mehrere Listen veröffentlichen können und haben das auch ernsthaft in Erwägung gezogen. Am Ende haben wir uns aber entschieden, es ungefähr bei der gewohnten Anzahl zu belassen. Da wir im August nur vier Empfehlungen hatten, versuchen wir den sommerlichen Engpass zu kompensieren und präsentieren sechs – streng genommen sieben – neue Ausstellungen statt der üblichen fünf (es hätten auch 15 sein können.)

Keine faulen Ausreden für unsere werten Leser also – ganz egal, wo man sich auch aufhält – es gibt eine Eröffnung in der Nähe! Macht euch also auf den Weg und fangt mit den Ausstellungsbesuchen an.

5 New Design Exhibitions for November 2017

“Das Problem der Errichtung von Wohnungen zu tragbaren Mieten für die mindestbemittelte Schicht der Bevölkerung steht heute im Vordergrund des Interesses in fast allen zivilisierten Ländern”. Mit diesen Worten lud der “Congrès Internationaux d’Architecture Moderne”, kurz CIAM,  zu seinem zweiten Kongress, einem dreitägigen Event ein, das am Donnerstag, den 24.Oktober 1929 im Palmengarten Frankfurt am Main begann, und bei dem einige der führenden Vertreter der Architektur aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen nach potentiellen Lösungen für dieses so drängende Problem suchten. Der Erfolg des Frankfurter Kongresses wird besonders deutlich, wenn man sieht welche Bedeutung einer Einladung heutzutage hat.

Furniture for Neue Frankfurt by Ferdinand Kramer, as seen at Germany versus France. The Struggle over Style 1900-1930, Bröhan Museum Berlin

So wie das Eames‘sche Sprichwort verkündet, dass “die Details nicht die Details sind, sondern das Produkt ausmachen”, so sind auch die Lehrkräfte einer Designschule nicht das Lehrpersonal, sie machen die Schule aus.

Folglich ist es für ein besseres Verständnis nicht nur einer einzelnen Institution, sondern auch des allgemeinen gegenwärtigen Zustands und möglicher zukünftiger Richtungen der Designausbildung wichtig, mit den Lehrkräften der Designschule zu sprechen und sie zu verstehen; sowohl mit den Vollzeit- Professoren als auch mit den praktizierenden Designern, die die Verantwortung übernommen haben, künftigen Generationen zu lehren.

Praktizierende Designer wie Patrick Frey, Vertretungsprofessor an der Hochschule Hannover.

Patrick Frey. Designer and Assistant Professor, Hochschule Hannover

Aufgewachsen nahe Quimper in der Bretagne, zog Ronan Bouroullec 1989 nach Paris, um Industriedesign zu studieren. In der französischen Hauptstadt hat er aber nicht nur sein Studium abgeschlossen, sondern auch sein eigenes Studio gegründet, seinen ersten kommerziellen Erfolg verbuchen können und zusammen mit seinem Bruder Erwan zahlreiche Projekte für eine Reihe von internationalen Klienten entwickelt, unter anderem für Vitra, Magis, Flos, Kvadrat und Samsung. Zudem kam es zu zahlreichen Kooperationen mit Galerie kreo.

Wir haben Ronan Bouroullec getroffen, um über Paris, seine Erfahrungen mit Paris und seine Beziehung zu dieser Stadt zu sprechen. Das Gespräch driftete allerdings schnell ab – über die Grenzen der Stadt hinaus.

Erwan & Ronan Bouroullec in their atelier in Paris Belleville (Photo courtesy Studio Bouroullec)

Bei dem Besuch der Werkschau-Ausstellung der Peter Behrens School of Arts in Düsseldorf werden wir an die Zeit des Namensgebers der Schule erinnert. Wenn auch nicht wegen der Gründe, die vielleicht auf der Hand liegen…

Peter Behrens School of Arts Düsseldorf

Etwas enttäuschend ist es schon, dass die Behörden der süddeutschen Stadt Schwäbisch Gmünd dem derzeitigen Einhorn-Wahnsinn nachgegeben haben und eins von ihnen in das Stadtwappen platziert haben. Ob man sich darauf verlassen kann, dass die Studierenden der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd diesem (hoffentlich) kurzweiligen Trend widerstehen? Der Rundgang in diesem Jahr sollte die Antwort geben…

Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd @ Rektor-Klaus-Straße

Während der Fokus des Ludwig Forums Aachen zeitgenössische Kunst ist, gewährt das Museum seit März dieses Jahres zeitgenössischen Künstlern und dem Projekt “LuForm” einigen Platz. Die Designabteilung erweitert damit nicht nur den Umfang des Museums, sondern bietet lokalen Designern zudem eine neue Plattform für ihre Werke.

LuForm @ Ludwig Forum Aachen

Im nächsten Jahr wird die Design Fakultät der Hochschule München umziehen: Von ihrem derzeitigem Zuhause, das sie mehr als 40 Jahre bewohnt hat, in das gegenüberliegende, neu erbaute Gebäude. Demnach war die diesjährige Jahresausstellung eine der letzten Möglichkeiten die Fakultät in ihrem (demnächst) alten Zuhause zu besuchen.

Aber wurde die Ausstellung diesem Anlass gerecht? Oder was es eher ein unzufriedener Abschied von einem alten Freund?

Hochschule München Design Department

Aufgrund der einzigartigen Gesichte sowi weltpolitischen Relevanz sind die Geschichten der kulturellen Institutionen der Stadt Berlin unfassbar komplex. Und die Anzahl dieser kulturellen Institutionen ist weitaus höher als in so manch anderer Metropole. Nur wenig Städte können von sich behaupten zwei öffentliche Zoos, drei Opernhäuser und 4 staatliche Universitäten zu haben. Während drei dieser Universitäten individuelle Kurse in Fächern wie Architektur, Theaterwissenschaften oder Musik anbieten, so gibt es nur eine unter ihnen an der man all das – neben Design – studieren kann: Die Universität der Künste Berlin.

Universität der Künste Berlin Design Department

Kaum ein zweites Material hatte einen derartigen Einfluss auf Architektur und Design und ist zudem so anonym geblieben wie das Furniersperrholz. Ein Material, das in der Öffentlichkeit leicht übersehen wird und in einem akademischen Kontext bisher kaum erforscht wurde. Das V&A Museum London will jetzt mit der Ausstellung “Plywood: Material of the Modern World” Abhilfe schaffen.

Plywood: Material of the Modern World at the V&A London

Obwohl sie älter als das Bauhaus ist, hat die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle nie dieselbe Anerkennung wie ihr hochgelobter Nachbar erfahren. Nichtsdestotrotz existiert die Burg noch und das nicht aufgrund ihrer Lorbeeren, sondern dank der Bemühungen und Ideen ihrer Mitarbeiter und Studierenden, die die Burg ständig weiterentwickeln. Die alljährliche Sommerausstellung zeigt, wie diese Bemühungen aussehen können.

Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle: The Goldbau

Der Vorläufer der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart aus dem 18. Jahrhundert wurde als ein Ort gegründet, “an dem die Jugend kultiviert werden würde, wie Pflanzen in einer Gärtnerei.” Während Gärtnereien jedoch starke und edle Bäume, zart blühende Blumen und widerstandsfähige Stauden produzieren, bringen sie doch auch immer wieder instabile, experimentelle Hybriden hervor und bieten den perfekten Nährboden für Parasiten und Krankheiten. Wie gut es um die Aufzucht der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bestellt ist, lässt sich auf der “Rundgangs- und Sommerausstellung 2017” in Erfahrung bringen.

Akademie der Bildenden Künste Stuttgart

Es war einmal vor langer Zeit, da lebten in der Stadt Kassel zwei Brüder mit dem Namen Grimm. Der Legende nach reisten Jakob und Wilhelm, so lauteten die Vornamen der Brüder, nach Marburg, um dort reiche Anwälte zu werden. Aber anstatt ihre Zeit damit zu verbringen Gesetzestexte und Rechtsprechung zu studieren und zu lernen, wie man möglichst hohe Rechnungen schreibt, verbrachten die Brüder ihre Tage mit den Hexen, Königen, Königinnen und Elfen der nordischen Volkssagen. Die Bürger von Kassel waren verärgert, als sie erfuhren, was die Brüder trieben, und so versammelte sich eine große Gruppe, um sie bei ihrer Rückkehr in Empfang zu nehmen. „Warum verschwendet ihr eure Zeit mit diesem romantischen Blödsinn?“, wollten sie wissen, denn immerhin war ihnen der kulturelle Kontext jener Periode durchaus bekannt. „Das ist kein romantischer Blödsinn“, protestierten die Brüder, „diese Geschichten enthalten die Weisheiten der Generationen vor uns, Weisheiten, die wir längst vergessen haben, obwohl sie uns doch helfen könnten unsere Zeit besser zu verstehen und uns auf die Zukunft vorzubereiten.“

Und dann wurden sie vom Wolf gegessen.

Romantische Träumereien? Zeitgenössische Neuinterpretationen von Traditionen? Oder doch lediglich autonome Fahrzeuge und Apps, die einem sagen, wann man zu viel getrunken hat, oder wer die bösen Stiefschwestern unter den Social Media Nutzern sind? Welches Märchen der Zukunft präsentiert uns wohl die Kunsthochschule Kassel?

Kunsthochschule Kassel @ Rundgang 2017Kunsthochschule Kassel @ Rundgang 2017

Die schwedische Stadt Lund ist berühmt als Geburtsort des Tetra Packs und so der  Ausgangspunkt einer globalen Revolution hinsichtlich unserer Konsummuster und des Vertriebs von Nahrungsmitteln. Ob sich unter den Abschlussprojekten der Lunder Universität School of Industrial Design auch welche finden, die zu so simplen, logischen und Ressourcen schonenden Lösungen finden – idealerweise natürlich ohne die zusätzlichen Recyclingprobleme – lässt sich jetzt auf der Abschlussausstellung 2017 der Institution herausfinden.

 

Lund University School of Industrial Design Degree Exhibition 2017

Grün, grün, grün sind alle meine Kleider…

Wie einfach das Leben doch ist, wenn man ein Kind ist. In fast allen Bereichen des Lebens wird dieses immer komplexer und komplexer. Wenn es jedoch um unser Farbverständnis geht, bleibt uns unser inneres Kind doch irgendwie ewig erhalten. Mit der Ausstellung “Breathing Colour” im Design Museum London bringt die niederländische Designerin Hella Jongerius uns dazu, diesem inneren Kind freien Lauf zu lassen.

Noon colour catchers, as seen at Breathing Colour by Hella Jongerius, London Design Museum

Als im letzten Jahr die Ausstellung “Rêveries Urbaines” der Brüder Ronan & Erwan Bouroullec im Vitra Design Museum eröffnet wurde, haben wir angedeutet, dass sich die ersten Projekte, die die Brüder im Rahmen ihrer Untersuchung von städtischen Räumen präsentierten, bereits im fortgeschritten Planungsstadium befinden.

Mit „Oui“ präsentiert die Kunsthal Aarhus das erste realisierte Projekt.

Oui Fireplace by Ronan and Erwan Bouroullec at Kunsthal Aarhus Die “Oui” Feuerstelle von Ronan und Erwan Bouroullec vor der Kunsthal Aarhus.

Die Zeit ist ein komisches Ding: Sie begleitet unser Universum seit Anbeginn, hat die Entwicklung unserer zivilen und sozialen Gesellschaft ermöglicht, sie ist die Grundlage unserer ökonomischen, industriellen und kommerziellen Systeme und führt uns durch jeden Tag, jede Woche, jeden Monat, jedes Jahr und das ganze Leben.

Und trotz allem ist noch immer unklar, ob sie tatsächlich existiert.

Und wenn sie existiert, dann in welcher Form? Wie können wir sie visualisieren und dokumentieren? Hat sie einen inhärenten Wert?

Einige Vorschläge für mögliche Antworten liefert die Ausstellung Designpreis Halle 2017.

Designpreis Halle 2017. White

Mit Much More Than One Good. Chair Design & Gesellschaft in Dänemark, präsentiert die Dänische Botschaft in Berlin eine Ausstellung über die Entwicklung des Designs in Dänemark seit 1945 und so im übertragenen Sinne auch eine Untersuchung der dänischen Gesellschaft und ihrer Entwicklung seit 1945.

Much More Than One Good Chair @ Felleshus Berlin

Sehr geehrter Richter Tessin:

Ich möchte Ihnen hiermit meine Freude darüber ausdrücken, Florence diesen Sommer bei uns zu haben. Sicher wird es ihr gut tun, etwas mehr von der Welt zu sehen. Wir werden nach Schweden, Finnland, Dänemark, Deutschland und Holland reisen und uns sehr gut um sie kümmern.

Mit den allerbesten Grüßen,

Eliel Saarinen1

Und gut gekümmert um Florence Knoll hat sich Eliel Saarinen tatsächlich: Schließlich wurde sie eine der wichtigsten Protagonistinnen in der Entwicklung von Möbel-,Textil- und Interiordesign während der Nachkriegszeit.

Hairpin Stacking Table by Florence Knoll for Knoll produced 1948-1966. Reintroduced by 2017

Am 1. Mai 1851 eröffnete Queen Victoria die Great Exhibition im Londoner Hyde Park: Die erste „Weltausstellung“ – ein Event, das die Vorzüge des Industriezeitalters feierte und dessen Einflüsse auf Industrie, Wirtschaft, Wissenschaft, Architektur und Gesellschaft noch Jahrzehnte danach weltweit spürbar sein sollten. Man kann zurecht behaupten, dass mit der Great Exhibition der Grundstein für sämtliche technischen Fortschritte im 18. und 19. Jahrhundert gelegt wurde. Der Gewinn aus den Eintrittsgeldern – 6 Millionen Besuchern sei Dank – ermöglichte dabei den Bau des Londoner Wissenschaftsmuseums, des Naturkundemuseums und des benachbarten Victoria and Albert Museums.

Auch diesen Mai öffnen wieder zahlreiche Architektur- und Designausstellungen ihre Pforten. Unsere fünf Favoriten sind Ausstellungen in Hamburg, Atlanta, Amsterdam, London und Stuttgart.

5 New Design Exhibitions for March 2017

Wie die treuen Leser unseres Blogs sicher wissen werden, machen uns nur wenige Dinge so fertig wie die Möbelmesse Mailand. Jedes Jahr ist unser einziger Wunsch auf dem Weg über die Alpen, dass wir etwas finden werden, für das sich der Weg gelohnt haben wird. Die Möbelmesse Mailand 2017 hat sehr viel mehr solcher Momente hervorgebracht als üblich und so werden wir wohl auch im nächsten Jahr wieder dabei sein!

Unsere High Five der Mailänder Möbelmesse 2017!

Obgleich noch kein endgültiger Beweis vorliegt, hat sich in den letzten Jahren die Annahme durchgesetzt, dass sich langes Sitzen negativ auf die Gesundheit auswirken kann und dass diejenigen, die berufsbedingt viel sitzen, regelmäßig stehen, sich bewegen und ihre Arbeitsposition ändern sollten.

Aber was ist mit denen, die das nicht können? Mit denen, deren Jobs nun einmal langes Sitzen voraussetzen?

Wilde+Spieth Musikerstuhl (Photo Wilde+Spieth)

Mit der Ausstellung “Full House: Design by Stefan Diez” präsentiert das Museum für Angewandte Kunst Köln, MAKK, den ersten musealen Überblick über das Gesamtwerk des deutschen Designers Stefan Diez.

Und eine Ausstellung, die in vielerlei Hinsicht einen Einblick ins Produktdesign gewährt, oder zumindest in die aktuellen Produktdesignprozesse.

Yard by Stefan Diez for emu, as seen at FULL HOUSE: Design by Stefan Diez, Museum für Angewandte Kunst Cologne