aed neuland 2015: die Gewinner

Am Mittwochabend des 24. Juni wurden die Gewinner des aed neuland Nachwuchswettbewerbs für Gestalter mit einer Zeremonie in Stuttgart bekannt gegeben.

Der von aed Stuttgart organisierte Nachwuchspreis neuland ist ein alle zwei Jahre stattfindender, internationaler Wettbewerb, offen für Studenten und junge Absolventen unter 28. Den Organisatoren zufolge gingen für das Jahr 2015 330 Bewerbungen in den fünf Kategorien ein.

Eine Ausstellung aller 23 nominierten und ausgezeichneten Projekte ist im Nimbus Group Mock-Up Ausstellungsraum in Stuttgart bis zum 16.September zu sehen, bevor die Ausstellung dann in Düsseldorf, Leipzig, Wien und weiteren, noch nicht bekannt gegebenen Orten zu sehen sein wird.

Alle Details zum Wettbewerb und den Gewinnerprojekten des Jahres 2015 sind unter www.aed-neuland.de zu finden. Hier nun die Gewinnerprojekte des aed neuland Nachwuchswettbewerbs 2015 in aller Kürze. Gratulation an alle!

Architecture & Engineering: Der Utopist – eine architektonische Graphic Novel von Carolin Lahode von der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart

Kürzlich haben wir einen Beitrag eines Kollegen gelesen. Er beschwerte sich, dass Fiktion in der Architekturpresse immer seltener zum Einsatz komme. Uns war um ehrlich zu sein nicht klar, dass Fiktion jemals in Architekturmagazinen genutzt wird um Debatten und Ideen zu transportieren. Ohne Frage würde besagter Kollege großen Gefallen an Der Utopist von Carolin Lahode finden. Zwar sind wir keine großen Fans von Graphic Novels, allerdings leuchtet uns ein, dass viele der Auffassung sind, man erreiche ein größtmögliches Publikum am besten mit einem Medium und einer Sprache, die möglichst viele verstehen. Insofern ist eine Graphic Novel, in der ein japanischer Utopist nach dem Schlüssel für eine perfekte Gesellschaft und eine gerechtere Zukunft sucht, indem er vor allem eine Reihe von Diskursen zur Utopie, der zeitgenössischen japanischen Gesellschaft und Architektur anstößt, eine sehr interessante und absolut berechtigte Sache. Und mit Sicherheit auch eine sinnvollere Verwendung von Druckerschwärze als eine Graphic Novel, in der übergroße Zombiereptilien mit leichtbekleideten Frauen um die Vorherrschaft in einem verlassenen Freizeitpark kämpfen.

Der Utopist eine architektonische Graphic Carolin Lahode

Der Utopist – eine architektonische Graphic Novel von Carolin Lahode von der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (Foto mit freundlicher Genehmigung der aed Stuttgart e.V.)

Exhibition & Public Design: Doppelgänger von Vincent Krause, Jan Poneß & Nima Vakili von der Bauhaus Universität Weimar

Wir würden annehmen Doppelgänger ist so ein Projekt, bei dem es darum geht, wirklich etwas zu verstehen. Entwickelt wurde Doppelgänger von Vincent Krause, Jan Poneß und Nima Vakili als deren Abschlussprojekt an der Bauhaus Universität Weimar. Tatsächlich handelt es sich bei Doppelgänger um zwei 83 Meter lange, hölzerne Tunnel – einer in Weimar und einer in Buffalo, New York. Die Böden beider Tunnel sind mit Kontaktmikrophonen ausgestattet, die die Fußtritte aus einem Tunnel auf Mikrophone in dem anderen Tunnel übertragen – live und in Echtzeit. Vincent Krause zufolge geht es bei dem Projekt darum “das kommunikative Potential der akustischen Signale eines gehenden Menschen den bereits bestehenden visuellen, verbalen und textuellen Kommunikationskanälen entgegenzusetzen.”1 Uns ist zugegebenermaßen nicht klar, warum genau man das vorhaben sollte, allerdings haben wir vor, der Sache möglichst bald auf den Grund zu gehen.

1. Studentisches Projekt »Doppelgänger« im Förderpreis »neuland« erfolgreich, Press Release, Bauhaus Universität Weimar http://www.uni-weimar.de/de/medieninformationen/titel/studentisches-projekt-doppelgaenger-im-foerderpreis-neuland-erfolgreich-1/

Doppelgänger by Vincent Krause Jan Poneß Nima Vakili

Doppelgänger von Vincent Krause, Jan Poneß & Nima Vakili von der Bauhaus Universität Weimar (Foto mit freundlicher Genehmigung der aed Stuttgart e.V.)

Industrial & Product Design: ito – eine Transporthilfe für den urbanen Raum von Sebastian Stittgen & Steffen Fehlinger von der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd

Angenommen der Besitz und Nutzen von Autos sind nicht der große Sprung für den ihn unsere Vorväter gehalten haben, brauchen wir neue Lösungen; und zwar nicht nur für den persönlichen Gebrauch, sondern auch für den Transport von Waren. Ito von Sebastian Stittgen und Steffen Fehlinger ist wenig mehr als eine moderne Adaption des Einkaufstrollys. Wenn auch eine Adaption, die es, Sebastian und Steffen zufolge, Einzelnen durch ihre Form, ihr Reifenkonzept und den Elektromotor erlaubt, Ladungen bis zu 100 Kilogramm nicht nur durch die Stadt, sondern auch die Treppe hinauf zu transportieren. Ein schönes Beispiel dafür, ein bereits existierendes Konzept mit neuen Funktionen für ein neues Zeitalter weiterzuentwickeln. Ito macht den Anschein, als könnte es sich dabei um ein gut durchdachtes, zukunftsorientiertes Projekt handeln und, angenommen es hält, was die Designer versprechen, erscheint die Idee sehr viel intelligenter als die Luft mit mit Paketen und Pizza beladenen Drohnen zu füllen. Uns ist nur unklar, warum Ito nur in urbanen Räumen nützlich sein soll … .

 

ito Sebastian Stittgen Steffen Fehlinger

ito – eine Transporthilfe für den urbanen Raum von Sebastian Stittgen & Steffen Fehlinger von der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd (Foto mit freundlicher Genehmigung der aed Stuttgart e.V.)

Interaction Design: Mate – eine Vision für das Schulbuch der Zukunft von Rahel Flechtner von der Hochschule Magdeburg-Stendal

Wie der Titel des Projektes ganz klar macht, ist Mate von Rahel Flechtner eine Vision des Schulbuchs der Zukunft. Als elektronisches Gerät in Buchoptik will es Mate Schulkindern ermöglichen, ihr eigenes Schulbuch zu entwerfen und verspricht so individuelles Lernen auf Basis der jeweiligen Fähigkeiten des Kindes. Mate ist designt um den Nutzer zu ermutigen, sein Ziel durch interaktives Lernen zu erreichen. Interaktives Lernen umfasst hier auch einen elektronischen Stift, der nicht nur das digitale Zeitalter mit dem analogen verbindet, sondern auch sicherstellt, dass das Kind neben dem Lernen von Fakten auch grundlegende Schreib- und Zeichenfähigkeiten entwickelt.

Mate by Rahel Flechtner

Mate – eine Vision für das Schulbuch der Zukunft von Rahel Flechtner von der Hochschule Magdeburg-Stendal (Foto mit freundlicher Genehmigung von aed Stuttgart e.V.)

Communication & Graphic Design: D-facto von Piotr Zapasnik von der Fachhochschule Düsseldorf

Wie wir alle wissen und unbekümmert akzeptiert haben, ist die Stimme des öffentlichen urbanen Raums die des Werbers, seiner Nachrichten und Logos. Ganz egal wo man sich aufhält und was man tut – irgendjemand versucht einem etwas zu verkaufen. Im Rahmen seiner Bachelorarbeit an der Fachhochschule Düsseldorf hat sich Piotr Zapasnik vorgenommen, diesen endlosen Strom des Kommerz’ mit einer Reihe von Plakaten zu durchbrechen, die soziale, kulturelle und politische Themen von lokaler Bedeutung kommentieren. So hat Piotr zwischen Oktober 2014 und Februar 2015 um die 17 Plakate produziert, die sich beispielsweise mit folgenden Themen befassen: mit der Entscheidung der Regionalregierung, ihre Andy Warhols zu verkaufen und das Geld für den Neubau eines Kasinos und die Aufstockung des Budgets zu nutzen, mit den Defiziten in Düsseldorfs Fahrradinfrastruktur oder mit der Schulpolitik der Stadt.

Und auch wenn wir uns gerne vorstellen, wie Piotr seine Kreationen selbst angebracht hat, befürchten wir, dass das Projekt nur mit Hilfe der Besitzer der 41 betroffenen Plakatwände realisiert werden konnte. Und da Piotrs Arbeiten natürlich zwangsläufig die Aufmerksamkeit einer werbeerschöpften Öffentlichkeit auf sich ziehen, kommt natürlich die Frage auf, ob sie nicht eher dazu beitragen, die Werbeflächen attraktiver zu machen und so die Branche zu bestärken. Abgesehen aber von solchen Überlegungen sind wir froh über alles, was uns daran erinnert, dass wir den Status Quo nicht akzeptieren müssen und was uns alle dazu bringt, über unsere Umgebung nachzudenken, sie zu hinterfragen und auf sie zu reagieren.

D-facto by Piotr Zapasnik

D-facto by Piotr Zapasnik von der Fachhochschule Düsseldorf (Foto mit freundlicher Genehmigung der aed Stuttgart e.V.)

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