
1966: Die Beatles stürmen die Charts, das Twist-Fieber bricht aus – und während alle zu The Mamas and the Papas bei „Monday Monday“ durch die Wohnzimmer tanzten, wurde eine neue Designikone geboren: die Stapelliege von Rolf Heide. Kein Superstar aus Vinyl, aber ein kleiner Held für alle, die wenig Platz, aber große Pläne hatten...

Das Beste: Die Stapelliege wurde für Brigitte-Leserinnen entworfen – ja, richtig gelesen! Während die Frauen von „Brigitte“ über Mode, Rezepte und Wohntrends diskutierten, dachte Heide bereits daran, wie man ein Möbelstück entwirft, das gleichzeitig Bett, Sofa und Gästelösung sein kann – flexibel genug, um spontan Besuch zu empfangen, ohne dass der kleine Hamburger Wohnraum überläuft. Rolf Heide arbeitete damals als Autor und Designer für die Redaktion – gemeinsam entwickelten sie die Idee, clevere, zerlegbare Möbel per Versand zu verkaufen. Ein Möbelstück also, das so flexibel war wie die Lebenswelt der Leserinnen: Bett, Sofa und Gästelösung in einem, leicht zu transportieren und stapelbar, falls der Besuch spontan auftauchte. Kurz gesagt: das erste Multifunktionsmöbel (nicht nur) für Frauen, die alles unter einen Hut – oder besser gesagt auf eine Liege – bringen wollten. Und ein Star der Frauenmagazine, versteht sich von selbst.
Die Magie steckt in den Details: Schichtholz-Seitenteile mit den typischen Rundungen greifen perfekt ineinander, sodass man im Handumdrehen zwei, drei oder fünf Liegen stapeln kann. Minimaler Aufwand, maximale Wirkung – und das mit einem Augenzwinkern: Wer hätte gedacht, dass ein Bett so charmant stapelbar sein könnte?

Seit 1966 wird die Stapelliege von Müller Small Living (ehemals Müller Möbelwerkstätten) in Niedersachsen gefertigt. Aus dem einstigen „Studentenbett“ wurde ein Designklassiker, der Generationen begeistert – und das nicht nur wegen seines cleveren Stapelprinzips.
Zum 60. Geburtstag gibt’s jetzt einen kleinen Farbtupfer: fünf originale 60er-Jahre-Farben, die so charmant sind wie die Musik der Zeit. Aprikotbraun und Bambustiefgelb bringen Sonne ins Zimmer, Märchenblau beruhigt, Likörrot und Alexandritgrün setzen mutige Akzente. Retro? Ja, ein bisschen. Nostalgisch? Kaum. Flexibel und frisch? Absolut.


Wer die Stapelliege live im Museum erleben möchte, hat bis zum 7. Juni 2026 im Museum August Kestner in Hannover Gelegenheit dazu – in der Ausstellung „Fun Design | Circular Design“. Ein Fest für alle, die sehen wollen, wie cleveres Design sechs Jahrzehnte überdauern kann.
Rolf Heide, der kreative Kopf hinter dem Klassiker, hat mit seinen Möbeln und Leuchten das deutsche Verständnis von funktionaler Gestaltung geprägt. Seine Botschaft? Design muss dienen, nicht blenden. Die Stapelliege beweist: Manchmal genügt ein einfaches, durchdachtes Möbel, um ein kleines Stück Alltagsglück zu schaffen – und das seit 60 Jahren.

Fazit: Kleine Wohnung, großer Komfort – und eine Stapelliege, die beweist, dass gute Ideen niemals alt werden.