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Highlights der 3daysofdesign 2026: Kopenhagen in Farbe gedacht


Veröffentlicht am 23.06.2026

Wir sind zurück aus Kopenhagen – zumindest körperlich. In Gedanken hängen wir noch immer in der Designbubble zwischen Showrooms, Installationen und Innenhöfen der diesjährigen 3daysofdesign. Nach drei Tagen voller Eindrücke fällt der Sprung zurück in den Alltag nicht ganz leicht. Wie ein Schwamm haben wir die Stadt, ihre Ausstellungen und Neuheiten aufgesogen, ganz nebenbei Designer wie Sebastian Herkner oder Lise Vester getroffen, mit Knud Erik Hansen geplaudert – und einige Themen haben sich dabei besonders deutlich herauskristallisiert.

Wire Regal von Verner Panton perfekt in Szene gesetzt mit den Trend-Tönen Orange und Aubergine

Farbe zurück im Interior

Allen voran: Farbe. Kopenhagen war 2026 alles andere als „Greige“. Statt zurückhaltender Neutrals dominierten kräftige Töne wie Burgundy, Plum, Flieder, Orange und Moosgrün – oft in Kombination mit Chrom, mal glänzend, mal gebürstet. Die Farbakzente zeigten sich an Wänden, Leuchten, Möbeln und Accessoires. Passend zum 100. Geburtstag von Verner Panton war die Freude an Farbe und Experiment überall spürbar.

Ein Beispiel ist die Special Edition des Flowerpot VP9 mit warmem, orangefarbenem Licht. Auch der Pedestal Table Stand wird stärker als Teil des Interieurs gedacht, das sich in dessen Farbigkeit an Raum- und Wandfarben anpasst.

Orange is the new Black: Flowerpot Pendelleuchte Konglomerat in Orange & Chrom

Räume in Farbe gedacht

Möbel und Architektur wurden vielerorts konsequent zusammen gedacht. Besonders auffällig: Wandfarben als zentrales Gestaltungselement, nicht als Hintergrund, sondern als vollflächige Raumdefinition.

Tiefe Wandfarben, die mit Accessoires und Möbeln verschmelzen
Coltre Modular Sofa von Studiopepe in Moosgrün - wir können uns nicht sattsehen!

Sofas treten entsprechend als farbige Centrepieces auf. Das runde Coltre Sofa von Muuto überzeugte dabei als in sich ruhender Pol im Raum – beispielsweise in Burgundy oder Moosgrün.

Neuheiten in Farbe und Material

Auch bei den Neuheiten setzte sich das Thema Farbe konsequent fort. Hay präsentierte mit dem neuen Chisel Bar Stool und dem Chisel Dining Chair zwei aktuelle Entwürfe, die in Burgundy gezeigt wurden und die Farbigkeit als zentrales Gestaltungselement betonen. Montana Furniture bringt zudem sein Montana Regal in einer Limited Edition mit drei historischen Sonderfarben zurück.

Ergänzt wurde das durch Materialneuheiten im Klassikersegment: Der CH24 Wishbone Chair wurde mit einem Ledersitz neu interpretiert und zeigte sich dadurch in einer deutlich materialbetonteren, ruhigeren Anmutung. Auch die Ikonen von Fritz Hansen wurden neu inszeniert – unter anderem mit einem gestreiften Stoffbezug, der den klassischen Entwürfen eine grafische, fast textilmodische Ebene hinzufügt.

CH 24 mit Ledersitz und Egg Chair modisch gestreift

Besonders präsent war der neue Lounge Chair Bascule von Vitra. Der Sessel wirkt wie eine übergeworfene Jacke – geprägt vom großzügigen Bezug von Studio OE, einem 2021 in Berlin gegründeten Studio von Anne-Sophie Oberkrome und Lisa Ertel, die bereits seit ihrem Studium an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe gemeinsam arbeiten. Seit 2025 arbeitet das Studio mit Vitra zusammen.

Bascule Chair von OE Studio

Der Bezug überträgt bewusst eine Modeperspektive auf Möbel: weich, groß geschnitten, abnehmbar und in verschiedenen Farb- und Materialkombinationen gedacht. Auch die Präsentation folgte dieser Idee – Materialmuster hingen wie Jacken am Kleiderhaken, farblich bewusst inszeniert, als würde sich das Objekt erst im „Anziehen“ zusammensetzen.

Panton im Fokus

Das Jubiläumsjahr von Verner Panton war überall in den Showrooms der Hersteller bis hin zum Danish Designmuseum präsent. Seine ikonischen Designs fühlten sich überall ein wenig wie der Design-Himmel an. Besonders sichtbar: die 100th Anniversary Edition des Panton Wire Systems in neuen Sonderfarben.

Jubiläumsedition des Wire Regals in kräftigem Orange von Montana
Panton-Himmel im Danish Designmuseum, Kopenhagen

Jubiläen und Ikonen neu inszeniert

Auch das Dreischirmsystem von Poul Henningsen feiert 100 Jahre. Die neue PH 5 320 Opal wurde als Preview in drei Farben gezeigt und erscheint im September. Die Opal-Variante wirkt deutlich weicher und atmosphärischer als das Original.

PH 5 320 Opal

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Neuinterpretationen von Designklassikern. Dazu zählt auch der Peacock Chair von Verner Panton, der im Rahmen des Zusammenspiels von Cassina und Karakter neu aufgelegt wurde.

Der Ende der 1950er Jahre entworfene Wire-Sessel gehört zu Pantons frühen Experimenten mit Konstruktion und Leichtigkeit. Cassina hat Karakter übernommen; beide Marken agieren inzwischen innerhalb derselben Unternehmensstruktur. Während Cassina die Produktion und industrielle Umsetzung verantwortet, bringt Karakter die kuratorische Perspektive auf das Panton-Erbe ein. So entsteht eine enge Verzahnung von Herstellung und Einordnung, die dem Original sehr nahe bleibt.

Neu gelaunchter Peacock Sessel von Cassina x Karakter

Aalto als Installation

Ein absolutes Highlight war die überdimensionale Aalto Vase, die an die immersiven Installationen der Milan Design Week erinnerte. Die Vase wurde hier nicht als Objekt gezeigt, sondern als begehbare, metallische Raumskulptur inszeniert.

Aalto Vase in monumental

Man trat hinein, und der Maßstab kippte sofort: Aus der vertrauten Silhouette wurde ein Raum, der sich um den Körper legt. Die geschwungenen Konturen der Vase wurden zu Wänden, die nicht trennen, sondern führen – man bewegte sich durch die Form, statt sie nur zu betrachten. Licht reflektierte auf der Metalloberfläche, sodass sich die Grenzen zwischen Innen und Außen ständig verschoben. Je nach Blickwinkel wirkte die Installation offen oder geschlossen, weich oder monumental.

Das Erlebnis lebte genau von dieser Irritation: ein ikonisches Objekt, das man zu kennen glaubt, wird plötzlich durch den Aalto 90 Pavilion körperlich erfahrbar – ein kurzer Moment des Eintauchens, der den vertrauten Maßstab komplett auflöst.

Von außen einfach fast brutalistisch immersiv
... von innen erfahr- und begehbar

3daysofdesign 2026 zwischen Leichtigkeit und Inszenierung

Kopenhagen zeigte sich erstaunlich leicht – trotz großer Themen. Zwischen Farben, Neuheiten und Jubiläen entstand eine Atmosphäre zwischen Verdichtung und spielerischer Selbstverständlichkeit. Gerade die Jubiläen rund um Verner Panton und das PH-System von Poul Henningsen lieferten einen historischen Rahmen, der nicht museal wirkte, sondern neue Perspektiven öffnete. Dazu kamen immersive Installationen wie die Aalto Vase, die Design als räumliche Erfahrung lesbar machen.

Das Motto: Make This Moment Matter war Programm, jeder Moment hat gezählt

Am Ende bleibt weniger eine Sammlung einzelner Eindrücke als ein Gefühl: Kopenhagen als Designstadt, die sich nicht über Lautstärke definiert, sondern über das Zusammenspiel von Farbe, Raum und Inszenierung. Produkte wurden zu Szenen, Objekte zu Situationen – und genau darin entstand diese besondere Mischung aus Leichtigkeit und Konzentration, die noch nachwirkt, wenn man längst wieder zurück ist. Für uns ist Kopenhagen tatsächlich ein „happy place“: eine Stadt, in der nicht nur das Designherz zu hüpfen beginnt, sondern in der sich eine grundsätzliche Offenheit und Gelassenheit spüren lässt – im Stadtraum ebenso wie in den Ausstellungen.

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