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smow Homestory: Zuhause bei Planer und Designer Wolfgang Kreser


Veröffentlicht am 04.09.2026

Wir sind ein paar Minuten zu spät. „Das ist genau richtig“, sagt Ute Kreser und lächelt. „Mir sind Gäste sogar lieber, wenn sie nicht ganz pünktlich sind.“ Ein Satz, der die Stimmung vor Ort sofort auf den Punkt bringt: entspannt, herzlich und ohne große Inszenierung.

Hinter einer historischen Fassade im Hallenser Paulusviertel öffnet sich eine Wohnung, die ihre Geschichte nicht versteckt. Auf rund 220 Quadratmetern treffen originaler Stuck, großzügige, originalbelassene Flügeltüren auf einen Alltag, der von Familie, Design und Gelassenheit geprägt ist. Dass die Räume einst eine Arztpraxis waren, ist bis heute spürbar – im ungewöhnlichen, zur Gründerzeit für Arzträume typischen U-förmigen Grundriss, in den vielen Verbindungstüren und in einer Architektur, die gleichermaßen repräsentativ wie funktional gedacht wurde.

Hier lebt Wolfgang Kreser mit seiner Familie. Als Mitgründer des Designkollektivs Dreipunkt4! entwarf er gemeinsam mit Martin Büdel, Achim Hack und Astrid Pankrath den Falter – einen Hocker, der seit mehr als 20 Jahren zeigt, wie viel Raffinesse in einer scheinbar einfachen Idee stecken kann. Doch wer verstehen möchte, wie ein solcher Entwurf entsteht, sollte nicht zuerst in die Werkstatt schauen, sondern in ein Zuhause, in dem Gestaltung ganz selbstverständlich zum Alltag gehört.

Gastfreundschaft heißt für Wolfgangs Frau Ute: nichts muss perfekt sein, nichts ist streng durchgetaktet. Hauptsache, man fühlt sich willkommen

At home with Wolfgang Kreser

Von einem Eames-Schaukelstuhl über skandinavische Klassiker wie die Muuto Dots und eine Kaiser-Idell-Leuchte bis hin zum Esstisch von Northern – die Einrichtung wirkt nie wie eine inszenierte Designsammlung. Vielmehr ist sie über die Jahre gewachsen und strahlt eine wohltuende Gelassenheit aus. Alles hat seinen Platz, nichts drängt sich in den Vordergrund.

Über dem Esstisch von Northern hängen originale Vintage-Leuchten von Louis Poulsen – sorgfältig ausgewählte Stücke, die dem Raum eine besondere Atmosphäre verleihen. Im Durchgang zum Wohnzimmer treffen die Pyramid-Stühle von Hay auf einen Vintage-Tisch und verbinden zeitgenössisches Design mit Geschichte. Über der Couch hängen Gemälde des Hallenser Künstlers Sebastian Herzau und bringen eine persönliche, lokale Note in den Raum.

Besonders ins Auge fällt die Echtholzküche. Mit ihren warmen Holzfronten wirkt sie hochwertig, zeitlos und wie selbstverständlich mit dem Altbau verwachsen. Dass sie aus dem Sortiment eines schwedischen Möbelhauses stammt, würde wohl kaum jemand vermuten. Seit fast einem Jahrzehnt ist sie Teil des Zuhauses – ein schönes Beispiel dafür, dass Qualität und gutes Design nicht vom Etikett abhängen.

Die Wohnung wirkt dabei angenehm bodenständig – genauso wie ihre Bewohner. Sie erzählt von Menschen, die Gestaltung nicht als Statussymbol verstehen, sondern als Teil ihres Alltags. Wertigkeit, ehrliche Materialien und langlebige Lösungen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Räume. Hier stehen keine Möbel, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, sondern Stücke, die mit den Menschen leben, Geschichten sammeln und auch nach vielen Jahren nichts von ihrer Selbstverständlichkeit verlieren. Genau diese Haltung macht das Zuhause der Kresers so besonders und so authentisch.

Zuhause bei Wolfgang Kreser

Wir haben Wolfgang in seinem Zuhause besucht und mit ihm über die Entstehung des Falter Klapphockers, seine Arbeit als Planer und Designer sowie seine Haltung zu zeitloser Gestaltung gesprochen.

About Wolfgang Kreser

smow: Mit Dreipunkt4! habt ihr den Falter Hocker entwickelt. Wie ist die Zusammenarbeit damals entstanden – und welche Bedeutung hat dieser Entwurf heute für dich?

Wolfgang Kreser: Entstanden ist das Ganze aus einer Studentengruppe, die sich Ende der 1990er-Jahre im Übergang vom Studium in den Beruf befand. Einige von uns waren bereits Assistenten an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Wir kannten uns aus gemeinsamen Wettbewerben und waren befreundet – an der Burg war der Umgang immer sehr familiär. Damals lag es einfach in der Luft, einfache Möbel zu entwickeln.

Der Auslöser war der „Outdoor Vision Award“ auf der Messe „Gäste '99“ in Leipzig. Wir fragten uns, was man für eine Gartenparty wirklich braucht. Die Idee kam aus dem Biergarten: Wenn man Getränke holt, müsste man eigentlich auch gleich eine Sitzgelegenheit mitbekommen. So entstand unser Wettbewerbsbeitrag „banklette“ – eine klappbare Bank, die sich möglichst einfach entfalten sollte. Auf der Suche nach einer Alternative zu herkömmlichen Scharnieren entwickelten wir das „3F-Board“: eine dreischichtige Platte, deren innere Schicht aus einem flexiblen Material besteht. Damit hält die Platte ein integriertes Textilscharnier bereit, das sich durch beidseitiges Einfräsen in die Platte aktivieren lässt. Die Platte kann so direkt aus der Fläche gefaltet werden.

Mit diesem Prinzip gewannen wir den Wettbewerb. Anschließend wurde das Projekt auf der Designmesse „Ante Prima“ gezeigt. Viele fanden die Idee spannend, hielten sie aber zunächst eher für eine Spielerei. Durch die Unterstützung der Kunsthochschule und des Landes Sachsen-Anhalt konnten wir das Material weiterentwickeln und seine Möglichkeiten an Regalen, Konsolen und anderen Möbeln erproben. Aus dieser Arbeit entstand schließlich der Hocker – und später auch unser preisgekröntes Faltmöbelsystem „Falter“.

Der Falter Klapphocker von Dreipunkt4!

smow: Wie kamt ihr zu dem Namen Dreipunkt4! – was oder wer verbirgt sich dahinter?

Wolfgang Kreser: Der Name entstand eigentlich aus der Not heraus. Für den Wettbewerb auf der Messe „Gäste '99“ mussten wir einen Teamnamen angeben – und wir hatten schlicht keinen. Wir waren zwar zu viert, aber „Vier“ allein war uns zu langweilig. Also haben wir erst einmal drei Punkte davorgesetzt, nach dem Motto: Den eigentlichen Namen finden wir später noch. Weil wir natürlich überzeugt waren, dass wir die Besten sind, kam hinten noch ein Ausrufezeichen dazu.

smow: Der Falter verbindet Ingenieurskunst mit einer klaren, reduzierten Formensprache. Welche gestalterischen Prinzipien waren euch damals wichtig – und begleiten sie dich heute noch?

Wolfgang Kreser: Für uns stand immer der Nutzen im Mittelpunkt. Oft wird von Funktionalität gesprochen, aber das trifft es nicht ganz. Entscheidend ist der Gebrauchsnutzen – schließlich entwickelt man Produkte für Menschen. Sie sollen intuitiv funktionieren und sich möglichst von selbst erklären, ohne lange Anleitungen oder Erklärungen. Genau dieses Prinzip war damals einer unserer wichtigsten gestalterischen Leitgedanken und begleitet mich bis heute.

smow: Also war für dich die Funktion noch vor der Form ausschlaggebend, kann man das so sagen?

Wolfgang Kreser: Ja, für das fertige Möbel war die Funktion ganz klar ausschlaggebend. Es sollte möglichst reduziert sein – wirklich nur auf das Notwendigste. Wir wollten keine vordergründigen formalen Spielereien, keine zusätzlichen Schwünge oder dekorativen Elemente. Das Möbel sollte so pur wie möglich sein, denn das allein war für uns schon Ausdruck genug. Alles Weitere wäre eher zu viel gewesen.

Über solche Details haben wir lange diskutiert. Deshalb finde ich den ursprünglichen Hocker eigentlich klarer als die heutige Version, weil er so pur in seiner formalen Aussage ist. Aber wir mussten feststellen, dass der Ablauf des Auf- und Zufaltvorgangs für den täglichen Gebrauch so zwingend wie möglich sein musste. Deshalb wurde die Geometrie der Fräsungen noch etwas angepasst und die Klappe in der Mitte des Hockers bekam eine Ausfräsung, die beim Zufalten automatisch in ein passendes Gegenstück am Hockerrahmen einrastet. Damit wird verhindert, dass sich die Klappe mit der Zeit weiter bewegt, als sie soll.

smow: Man könnte denken, das muss so.

Form und Funktion sind für Wolfgang ein unschlagbares Duo
Wenn man die Konstruktion auf das Wesentliche reduzieren kann, ist das genau richtig.

Wolfgang Kreser: Eigentlich war diese Änderung mehr eine sinnvolle pragmatische Lösung als eine gestalterische Intervention - wenngleich sie sich gut einfügt. Aber wir haben auf Messen gemerkt, wie notwendig diese Anpassung ist – zum Beispiel in Italien. Dort kamen Frauen mit unglaublich langen Fingernägeln, nahmen den Hocker hoch und klappten ihn zu. Dabei wurden ihre Fingernägel eingeklemmt oder brachen sogar ab. In der Regel sorgte das erstaunlicherweise immer für viel Gelächter. Probleme entstanden dadurch nie. Dennoch haben wir die Konstruktion angepasst und die Klappenarretierung entwickelt. Unser Ziel war dabei immer, die Gesamtkonstruktion so einfach wie möglich zu halten. Wenn man sie auf das Wesentliche reduzieren kann, ist das genau richtig.

smow: Was ist aus den anderen Dreipunkt4! Kolleg:innen geworden? Arbeitet ihr noch gemeinsam an Projekten?

Wolfgang Kreser: Heute sind wir über ganz Deutschland verstreut. Was uns bis heute verbindet, ist eine fränkische Freundschaft: Das bedeutet, wir müssen nicht ständig aufeinanderhängen, fühlen uns aber nach wie vor eng verbunden. Und wenn wir uns nach längerer Zeit wiedersehen, ist das immer etwas Besonderes.

Mit der Zeit gingen die Wege von Dreipunkt4! auseinander. Astrid Pankrath zog zurück nach Berlin und gründete dort ein eigenes Designbüro. Achim Hack wechselte als Professor nach Wismar und lehrt dort im Fachbereich Innenarchitektur. Martin Büdel blieb an der Burg, leitet die Designwerkstätten und wurde vor kurzem Professor. Ich selbst war ebenfalls lange in der Lehre tätig und gründete parallel dazu gemeinsam mit anderen Partnern das Büro Formgold hier in Halle, das von 2007 bis 2011 auch mit einer Niederlassung in Hamburg vertreten war. Aus dieser Zeit sind zahlreiche Verbindungen zu Hamburger und Berliner Planungsbüros geblieben, aus denen bis heute immer wieder spannende Konstellationen und gemeinsame Projekte entstehen.

Aluminium Chair von Vitra an Wolfgangs Arbeitsplatz zuhause

smow: Das ist dein jetziges Büro, oder?

Wolfgang Kreser: Ja, Formgold ist mein heutiges Büro. Wir arbeiten deutschlandweit. Als Planungsbüro realisieren wir Projekte für private und öffentliche Auftraggeber, unter anderem für Städte oder Unternehmen wie BMW oder Bugatti.

Dass das so gut funktioniert, liegt für mich auch daran, dass viele von uns an der Burg geprägt wurden. Diese gemeinsame Haltung zum Gestalten ist bis heute ein wichtiger Teil unserer Arbeit.

smow: Im Dunstkreis der Burg Giebichenstein handelt man Projekte anders als irgendwo anders?

Wolfgang Kreser: Sicher machen das andere genauso. Aber an der Burg wurden in meiner Zeit Projekte immer sehr grundsätzlich angegangen. Das haben wir mitgenommen. Statt sofort nach einer Lösung zu suchen, hinterfragen wir zunächst die Aufgabe ganz kritisch. Oft stellt sich heraus, dass das, was der Kunde für sein eigentliches Problem hält, vielleicht gar nicht der Kern der Sache ist – sondern nur ein Symptom und das eigentliche Problem woanders verborgen ist.

Aus dieser Herangehensweise entstehen oft Lösungen, an die wir und der Kunde zunächst gar nicht gedacht hätten. Anfangs gibt es dabei manchmal Skepsis. Aber wenn man sich darauf einlässt, zeigt sich häufig, dass genau dieser andere Blick am Ende zum Erfolg führt.

Die Kaiser Idell Schreibtischleuchte macht sein kleines Heimbüro komplett

smow: Du gestaltest öffentliche Räume, Museen und Ausstellungen. Was fasziniert dich daran, Räume zu entwerfen, die von vielen Menschen genutzt und erlebt werden?

Wolfgang Kreser: Das knüpft eigentlich an das an, was ich gerade gesagt habe. Uns interessiert zunächst nicht die schnelle Lösung, sondern die eigentliche Fragestellung.... Ein gutes Beispiel ist ein Optiker in Halle, den wir vor einigen Jahren umgestaltet haben. Die Lage am Marktplatz war hervorragend, der Grundriss dagegen extrem schwierig: ein schmales Schaufenster, ein sehr tiefer Laden und im hinteren Bereich kaum Tageslicht.

Die erste Annahme der Kunden war, möglichst viele Brillen zu zeigen. Wir haben das hinterfragt. Unsere Überlegung war: Wenn man schon von außen Hunderte Brillen sieht, entsteht eher Überforderung als Neugier. Also haben wir vorgeschlagen, im Schaufenster nur wenige ausgewählte Modelle zu präsentieren und das Sortiment erst im Laden selbst erlebbar zu machen – mit einer gezielten Lichtführung und einer klaren Raumdramaturgie. Das gesamte Einrichtungskonzept, von den Regalen bis zu den Präsentationstabletts, wurde als zusammenhängendes System entwickelt.

Die Kunden konnten sich das anfangs kaum vorstellen. Deshalb haben wir die Idee im Maßstab 1:1 mit Pappe aufgebaut. Sie haben sich darauf eingelassen – und seit dem Umbau hat sich ihr Umsatz extrem gut entwickelt.

Form kann uns berühren – deshalb sammle ich selbst auch Kunst.

Genau das fasziniert mich an solchen Projekten. Es geht nicht darum, Räume möglichst spektakulär zu gestalten, sondern darum, genau zu verstehen, wie Menschen einen Ort nutzen und erleben.

smow: Dann erstellt ihr eine Bedarfsanalyse im Vorhinein.

Wolfgang Kreser: Ich hoffe, das macht jeder - der für andere etwas plant.

Wenn ich sofort erfasse, wie etwas funktioniert, fühlt es sich richtig an. Dieses Prinzip gilt für mich eigentlich für alles – vom Möbelstück bis zum ganzen Raum.
Sonnentupfer Flowerpot Akkuleuchte auf dem Expand Esstisch von Northern

smow: Gibt es denn Dinge, die du durch das Zusammenleben in der Familie über Funktionalität oder gutes Design gelernt hast?

Wolfgang Kreser: Form und Funktion schließen sich nicht gegenseitig aus. Das ist mir auch hier zuhause wichtig. Es gibt Dinge, die vor allem durch ihre Schönheit wirken und gar nicht besonders funktional sein müssen. Auch sie haben ihre Berechtigung. Form kann uns berühren – deshalb sammle ich selbst auch Kunst.

Trotzdem ist mir besonders auch als Designer wichtig, dass Material ehrlich eingesetzt wird und seinen eigenen Charakter behält. Ein Raum oder ein Objekt ist für mich dann gelungen, wenn ich ihn intuitiv verstehe. Wenn ich sofort erfasse, wie etwas funktioniert oder wie ich mich darin bewegen soll, fühlt es sich richtig an. Verstehe ich es nicht, entsteht ein Störgefühl. Dieses Prinzip gilt für mich eigentlich für alles – vom Möbelstück bis zum ganzen Raum.

Die deckenhohe Echtholzküche aus einem schwedischen Möbelhaus harmoniert wunderbar mit den Vintage-Hängeleuchten von Louis Poulsen und der Como Akkuleuchte von &Tradition.

smow: Du lebst mit deiner Frau und deiner Familie in dieser Wohnung mit Garten in Halle. Was hat euch an diesem Ort überzeugt, und was bedeutet er heute für euch?

Wolfgang Kreser: Ich habe vor Jahren einmal einen Vortrag über das Wohnen gehalten. Dabei bin ich auf den Ursprung des Wortes gestoßen: Das altgermanische „wunian“ bedeutet so viel wie „bleiben“ oder „sich wohlfühlen“. Genau das beschreibt Wohnen für mich. Mein Zuhause ist mein Rückzugsort, mein Kraftort – ein Ort, an dem ich bleiben möchte.

Mit der Familie verändert sich so ein Zuhause natürlich ständig. Als wir eingezogen sind, waren die Kinder noch klein, heute hat jeder sein eigenes Zimmer und einen Ort, an den er sich zurückziehen kann. Auch meine Frau und ich haben jeweils ein eigenes Arbeitszimmer – das ist unglaublich wertvoll.

Eine Oase in der Stadt. Der Garten mit der Palissade Kollektion von Hay

smow: Wie war euer erster Eindruck von der Wohnung – war sofort klar, dass sie zu euch passt?

Wolfgang Kreser: Am Anfang fragt man sich natürlich immer, ob man sich in einem Zuhause wohlfühlen wird und ob es wirklich zu einem passt – nicht, ob man den Raum mit Dingen füllen kann, denn das passiert mit der Zeit ganz von allein. Entscheidend ist, ob die Räume zum eigenen Leben und zur Familie passen. Wir haben festgestellt, dass manche Räume für unsere Bedürfnisse eigentlich etwas zu groß sind – das ist eine typische Eigenheit eines Gründerzeitbaus. Gleichzeitig eignet sich die Wohnung aber hervorragend für unser Familienleben. Wir laden sehr gerne Freunde ein, und durch die miteinander verbundenen Räume können wir auch größere Runden problemlos unterbringen. Dass hier viele Menschen zusammenkommen können, ist uns wichtig – und zum Glück wird dieses Haus auch genauso genutzt.

Die besten Projekte entstehen selten unter Zeitdruck. Sie brauchen Zeit, damit sich Ideen entwickeln können und der Auftraggeber Teil dieses Prozesses wird.
"Gärtnern lehrt einen Demut und Geduld.", erklärt uns Wolfgang. „und dass man Dinge auch Zulassen können muss.“

smow: Inklusive des Gartens, nehmen wir an?

Wolfgang Kreser: Der Garten war uns immer wichtig – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Für meine Frau ist er ein Rückzugsort, für die Kinder war er eine Spielfläche. Ich selbst komme aus Franken, und mein Vater war leidenschaftlicher Gärtner und viele Jahre Vorsitzender des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins. Als Kind musste ich deshalb viel im Garten mitarbeiten, was zunächst eher zu einer gewissen Abneigung geführt hat. Heute sehe ich das ganz anders. Zu erleben, wie etwas wächst und sich mit den Jahreszeiten verändert – in Farben, Formen und Materialien –, hat mich stark geprägt. Dabei geht es gar nicht um die Größe des Gartens. Selbst auf einem Balkon kann man diese Erfahrung machen.

Gärtnern lehrt einen Demut und Geduld. Man merkt schnell, dass sich die Natur nicht erzwingen lässt. Wenn etwas nicht funktioniert, dann funktioniert es eben nicht – dafür wächst an anderer Stelle etwas Unerwartetes. Man kann schließlich auch nicht am Rasen ziehen, damit er schneller wächst.

Diese Erfahrung lässt sich gut auf Gestaltung übertragen. Die besten Projekte entstehen selten unter Zeitdruck. Sie brauchen Zeit, damit sich Ideen entwickeln können und der Auftraggeber Teil dieses Prozesses wird. Wenn ein Kunde nicht nur Empfänger einer Lösung ist, sondern den Weg mitgeht und mitdenkt, entstehen oft noch bessere Ergebnisse. Am Ende gestalten wir Räume als Hüllen für das Leben oder die Arbeit der Menschen. Ob Ausstellung, Geschäft oder Wohnung – diese Hülle muss passen. Sie sollte wie ein Maßanzug sein.

smow: Was macht denn eine Wohnung zu einem Zuhause?

Wolfgang Kreser: Dass es Rückzugsorte für jeden, aber auch Gemeinschaftsorte gibt. Also dieses Miteinander und auch diese Stille.

Hier geben sich Vintagestücke und Neuheiten die Hand, hier spürt man Designliebe und Designhintergrund gleichermaßen
Ob Ausstellung, Geschäft oder Wohnung – diese Hülle muss passen. Sie sollte wie ein Maßanzug sein.

smow: Wie beeinflusst denn dein Designhintergrund die Wohngestaltung?

Wolfgang Kreser: Solche Entscheidungen diskutieren wir in der Familie intensiv. Für mich ist das kein Streit, sondern ein Austausch von Argumenten. Deshalb bleiben manche Dinge auch bewusst länger provisorisch. Am Ende entscheiden wir gemeinsam.

So sind auch die Kinderzimmer entstanden. Uns war wichtig, Räume zu schaffen, die Individualität ermöglichen, ohne wie klassische Jugendzimmer zu wirken – Orte, die sich ein Stück weit wie die eigene kleine Wohnung anfühlen.

Für mich entsteht Zuhause eher dadurch, dass ich mich an vielen Orten wohlfühlen und zur Ruhe kommen kann.
Zur Familie gehört neben den drei Kindern und Ute auch die Hündin Emmi

smow: Hast du einen Lieblingsort hier in der Wohnung oder auch im Garten?

Wolfgang Kreser: Ich bin ein Frühaufsteher, und diese Morgenstunden sind für mich besonders wichtig. Ich mache den Kaffee, bereite die Brote für die Kinder, füttere den Hund – und habe dabei Zeit, über den Tag nachzudenken.

Dieser besondere Moment braucht aber keinen festen Ort. Er kann in der Küche sein, im Garten, auf dem Dachboden oder im Keller. Es gibt nicht diesen einen Stuhl oder diese eine Ecke, die dafür geschaffen ist. Für mich entsteht Zuhause eher dadurch, dass ich mich an vielen Orten wohlfühlen und zur Ruhe kommen kann.

smow shorts für Wolfgang

Form oder Funktion? Funktion.

Schwarz oder Weiß? Grau.

Bunt oder monochrom? Farbig.

Du sammelst? Kunst.

Dein Spleen? Schöne Dinge.

Der erste Satz bei Besuch. Hallo.

Vorhänge oder Rollos? Vorhänge.

Dein schlimmster Fehlkauf? [denkt nach] Finde keinen.

Kopenhagen oder Mailand? Kopenhagen.

smow: Ganz herzlichen Dank!

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