Junge Ideen brauchen Raum – und vor allem die Chance, gesehen zu werden. Genau hier setzt der smow Design Contest an: smow fördert 2026 erstmals sechs Nachwuchstalente und übernimmt für sie die Standgebühr auf der Grassimesse Leipzig. Fünf Plätze waren ursprünglich vorgesehen – am Ende sind es sechs geworden. Denn die Qualität der eingereichten Arbeiten war so überzeugend, dass die Auswahlkommission einen weiteren Platz geschaffen hat. Ausgewählt wurden vom GRASSI Museum für Angewandte Kunst und smow sechs Arbeiten, die mit ihrer Qualität, Eigenständigkeit und ihrem innovativen Potenzial besonders überzeugt haben.
Was die Designer:innen verbindet, sind die Kriterien des smow Design Contests: Alle sind höchstens 35 Jahre alt und stehen noch am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn.

Ein gutes Möbel beginnt oft mit einer Frage: Wie wollen wir sitzen, wohnen, arbeiten oder Dinge benutzen? Manchmal steht am Anfang auch ein Material, eine Konstruktion oder eine Beobachtung aus dem Alltag. Gerade daraus entstehen Entwürfe, die vertraute Dinge neu denken.
Die Grassimesse Leipzig bietet dafür den passenden Rahmen. Als internationale Plattform für angewandte Kunst und Design bringt sie Gestalter:innen, Designer:innen und Manufakturen mit einem interessierten Fachpublikum zusammen. Für die sechs Newcomer bedeutet das: Ihre Entwürfe verlassen das Studio und treffen auf Menschen, die sie betrachten, hinterfragen und diskutieren.
Von einer ausziehbaren Sitzbank über ein vom Weltraum inspiriertes Wandregal bis zum modularen Sofa: Die sechs Projekte zeigen unterschiedliche Ansätze, Materialien und Konstruktionen.
Max Böhlken und Lucas Nonn studieren Industriedesign an der Burg Giebichenstein. Ihr Hocker „Patriq“ entsteht aus einer einzigen Fläche. Entlang präzise gefräster Linien wird die Platte gefaltet und erhält dadurch ihre Form und Stabilität.
Die Konstruktion kommt ohne zusätzliche Verstärkungen aus. Eine Platte, wenige Faltungen, ein Hocker: Patriq reduziert das Möbel auf sein konstruktives Prinzip.

Henriette Meyer-Stork studiert an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. „be aRound“ basiert auf einer einfachen Beobachtung: Je länger eine klassische Sitzbank wird, desto mehr Menschen finden Platz – gleichzeitig wächst die Distanz zwischen ihnen.
Meyer-Stork entwickelt dieses Prinzip weiter. Ihre runde Bank lässt sich ausziehen, wobei sich die Sitzenden einander zuwenden. Die Form unterstützt damit nicht nur das Sitzen, sondern auch die Kommunikation.

Der junge Designer Paul Vietz wurde 2025 mit dem Staatspreis Manufactum NRW für angewandte Kunst und Design im Handwerk in der Kategorie Möbel ausgezeichnet. Auf der Grassimesse präsentiert er „Fleco II“, ein frei stehendes Regal, das zugleich als Raumteiler eingesetzt werden kann.
Die Konstruktion kommt ohne Leim, zusätzliche Verbindungsmittel und Werkzeug aus. Eine Klemmverbindung hält Beine und Zargen zusammen, Quertraversen fixieren die Regalböden. Die verwendete Esche ermöglicht geringe Materialstärken. Konstruktion und Material bleiben dabei sichtbar und prägen die reduzierte Gestaltung des Möbels.

Karolin Pahlke ist 24 Jahre alt und studiert im Master Design Futures mit Schwerpunkt Produktdesign. Für „GripUp“ dienten die Food Trays von Astronaut:innen als Inspiration. Da Gegenstände unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit sicher fixiert werden müssen, sind die Trays durch eine integrierte Gummistruktur gestaltet.
Pahlke überträgt dieses Prinzip auf ein schlankes Wandregal für den Alltag und entwickelt daraus eine neue Interpretation des Haltens und Aufbewahrens.

Jona Kampelmann hat 2025 seinen Bachelor in Industrial Design an der Folkwang Universität der Künste in Essen abgeschlossen und studiert dort heute im Master Design Futures. Für die Grassimesse bringt er seine Bachelorarbeit „LEIA“ mit – einen 3D-gedruckten Stuhl aus PLA-Rezyklat.
Die Farbgebung entsteht bereits im Material: Kampelmann mischt Pigmentpulver in das Granulat, bevor es verarbeitet wird. Der Entwurf verbindet damit Möbelgestaltung mit digitaler Fertigung und neuen Möglichkeiten der Materialbearbeitung.

Der Industriedesigner Julius Mergen aus Münster arbeitet vor allem im Möbel- und Objektdesign. Sein Projekt „Roll“ beschäftigt sich mit der flexiblen Nutzung kleiner Wohnräume. Das modulare Sofa besteht aus einem aufgerollten Matratzentopper mit integriertem Bettzeug. Mit wenigen Handgriffen wird es zum Sofa, Doppelbett, zwei Einzelbetten oder zu separaten Sitzelementen. Ausgangspunkt war die Frage, wie ein Möbel auf unterschiedliche Alltagssituationen reagieren kann, ohne dabei an Charakter einzubüßen.

Die sechs Projekte zeigen unterschiedliche Antworten auf konkrete Fragen des Möbeldesigns: Wie kann eine Sitzbank Kommunikation fördern? Wie lässt sich ein Konstruktionsprinzip auf das Wesentliche reduzieren? Was ermöglicht digitale Fertigung? Und wie kann ein Möbel mehrere Funktionen auf kleinem Raum verbinden?
Mit der Übernahme der Standgebühr schafft smow dafür den passenden Rahmen. Die Grassimesse wird zum Ort, an dem die sechs Newcomer ihre Arbeiten einem größeren Publikum präsentieren, diskutieren und weiterentwickeln können.
Und genau darin liegt der Wert der Förderung: Nicht jeder Entwurf muss auf der Grassimesse bereits eine endgültige Antwort auf diese Fragen liefern. Aber mit der Übernahme der Standgebühr ermöglicht smow den Nachwuchstalenten, ihre Designs zur Diskussion zu stellen und durch den Austausch neue Perspektiven für die weitere Entwicklung zu gewinnen.