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Verner Pantons lebhafte Welt – Interview mit Carin Panton


Veröffentlicht am 05.02.2026

Am 13. Februar 2026 hätte Verner Panton seinen 100. Geburtstag gefeiert. Ein Datum, das weniger an ein Ende erinnert als an ein fortwährendes Leuchten. Denn Pantons Werk ist bis heute präsent – in Farben, die Räume verändern, in Formen, die Emotionen auslösen, und in einer Haltung, die Design als mutiges Spiel mit Wahrnehmung verstand. Bei smow feiern wir diesen Blick auf die Welt: auf Farbe, Form und die Freiheit, anders zu denken.

Flowerpot von Verner Panton in der Farbe Zesty Orange

Die Entwürfe von Verner Panton waren nie leise. Radikal, visionär, immer ihrer Zeit voraus – und genau das lässt sie bis heute strahlen. Dass seine Arbeiten auch Jahrzehnte später noch frisch wirken, zeigen Neuauflagen und Wiederbelebungen seiner Klassiker: Pünktlich zum Jubiläum feiern wir neue Farben, basierend auf den Originalen, bei der Flowerpot Leuchtenserie von &Tradition und eine Re-Edition der originalen Farben für die Panthella Leuchten von Louis Poulsen. Ihr neu eingeführter 70er-Jahre-Farbstil, kombiniert mit dem reflektierenden Chromfuß, entführt in eine Ära, in der Panton Design neu erfand – sinnlich, verspielt, voller Optimismus. Diese Neuauflagen beweisen: Designklassiker sind nicht starr oder vergangen, sie leben, entwickeln sich weiter und inspirieren noch immer moderne Räume – frisch, überraschend und zeitlos zugleich.

Ein Farbtupfer im Jahr 2026, Louis Poulsen Panthella Originals – Neuauflage

Hinter all diesen ikonischen Objekten steht ein Mensch – und darüber hinaus eine Familie, die sein Vermächtnis bis heute lebt, interpretiert und weiterträgt. Eine Familie, die in vielerlei Hinsicht von Verner Panton selbst geprägt wurde.

Pantons Tochter Carin lebt heute mit ihrer Familie in einem Haus in München – einem Zuhause, das die Philosophie ihres Vaters widerspiegelt und die Welt, in der sie aufwuchs. Jeder Raum entfaltet sich in einer einzigen, durchgehenden Farbe. Die Küche zum Beispiel erstrahlt vollständig in Sonnengelb – von den Wänden über die Möbel bis hin zu den Blumen. Ein anderer Raum ist ganz dem Rot gewidmet. Panton in Bestform – ein Zuhause, das seine Designprinzipien fühlbar macht, und eine Geschichte, die weiterlebt. Wir haben Carin zum Werk ihres Vaters, zu seinem radikalen Designansatz und der/zur Magie seiner Farben befragt.

smow Interview mit Carin Panton von Halem

Die lebendige, farbenfrohe Welt meines Vaters war für mich 'normal' und ist es immer noch.
Carin Panton mit ihrem Vater Verner

smow: Für Ihren Vater, Verner Panton, hatten Farben immer eine tiefe und spezifische Bedeutung. Wie erleben Sie das in Ihrem eigenen Leben?

Carin Panton: Ich bin in der lebendigen, farbenfrohen Welt meines Vaters aufgewachsen; das war für mich „normal” und ist es auch heute noch. Zu sehen, wie mein Vater sein Leben lebte, gab mir das Selbstvertrauen, Farben in meinem eigenen Leben mutig und bewusst einzusetzen, daher musste natürlich auch unser Zuhause lebendig sein. Farben beeinflussen uns und prägen unsere Stimmung, besonders wenn wir vollständig von ihnen umgeben sind. Für manche mag das extrem erscheinen, aber wir lieben es, so zu leben. Unsere Gäste reagieren unterschiedlich: Einige sind begeistert, andere ziemlich überrascht, und manche sagen einfach gar nichts.

smow: Haben Sie eine Lieblingsfarbe?

Carin Panton: Warme Rottöne haben mich schon immer angesprochen.

Carin Panton

smow: Viele sehen Ihren Vater als Design-Ikone. Wie war er für Sie im Alltag – jenseits der Objekte, die heute in Museen ausgestellt sind?

Seine Kreativität prägte nicht nur seine Arbeit, sondern auch unser Leben.

Carin Panton: Künstler zu sein war untrennbar mit seiner Person verbunden. Kreativität war nicht nur das, was er tat, sondern das, was er war. Gleichzeitig war er einfach mein Vater, liebevoll, aufmerksam und voll und ganz präsent. Seine Kreativität prägte nicht nur seine Arbeit, sondern auch unser Leben.

smow: Ihr Vater schuf Designs, die zu seiner Zeit als radikal galten. Erinnern Sie sich, wie er mit Kritik oder Skepsis umgegangen ist?

Carin Panton: Er begegnete Kritik und Skepsis nicht mit Abwehr, sondern mit einem sanften, verständnisvollen Lächeln. Mein Vater folgte niemals Trends oder Moden – er hatte seinen eigenen Stil. Verner sah seine Arbeit nie als radikal an; er wollte die Menschen nur dazu anregen, neugieriger zu sein und den Mut zu haben, etwas Neues auszuprobieren. Für ihn stand das Wohlbefinden der Menschen immer im Mittelpunkt seiner Arbeit, und das war ihm wirklich wichtig.

smow: Wenn Ihr Vater heute noch leben würde, welche Entwicklungen im Design oder in der Innenarchitektur würden ihn Ihrer Meinung nach am meisten inspirieren oder begeistern?

Carin Panton: Das ist schwer zu sagen. Ich bin mir sicher, dass er immer noch Wege finden würde, uns alle zu überraschen und zu inspirieren. Er war immer experimentierfreudig und ging gerne an Grenzen. Ich denke, alles, was Neugier und Entdeckungslust fördert, hätte ihn begeistert.

Familienporträt in Pantons Living Tower, eines der Lieblingsstücke aus Carins Kindheit

smow: Gibt es ein Objekt oder Design Ihres Vaters, das für Sie eine ganz persönliche Bedeutung hat, unabhängig von seiner Berühmtheit?

Carin Panton: Als Kind war mein Lieblingsstück die Living Sculpture. Ich liebte es, darauf zu klettern und die Welt von oben zu betrachten. Als ich älter wurde, lernte ich den Living Tower zu schätzen, weil er Menschen zusammenbringt und einen entspannten und informellen Raum für Begegnungen bietet, statt einen starren, strukturierten.

smow: Was ist ein häufiges Missverständnis in Bezug auf Verner Pantons Arbeit, das Sie gerne richtigstellen würden?

Carin Panton: Es wird oft gesagt, dass mein Vater nur mit Polymeren gearbeitet habe, aber das ist ein Mythos – vielleicht weil manche Menschen nur einige seiner bekanntesten Entwürfe wie den Panton Chair kennen. Tatsächlich hat er im Laufe seiner Karriere mit vielen verschiedenen Materialien gearbeitet: Glas, Spiegel, Stahl, Draht, Holz, Textilien und Emaille. Außerdem wurden seine Ideen nie von Materialien geprägt. Er war von Natur aus kreativ, hatte einen ausgeprägten Sinn für Humor und liebte es, Menschen herauszufordern und sie dazu anzuregen, ihre Fantasie zu nutzen. Seiner Arbeit entsprang Neugier, Mut und Verspieltheit.

Seien Sie neugierig, probieren Sie Neues aus und erleben Sie die Welt um Sie herum.

smow: Wenn Sie jungen Designern einen einzigen Ratschlag geben könnten – etwas, das nichts mit Technik oder Trends zu tun hat –, welcher wäre das?

Carin Panton: Ich bin keine Designerin, aber ich würde immer sagen: Seien Sie neugierig, probieren Sie Neues aus und erleben Sie die Welt um Sie herum.

smow: Viele der Entwürfe Ihres Vaters werden heute weltweit lizenziert und reproduziert. Wie entscheiden Sie, welche Kooperationen oder Lizenzen seiner ursprünglichen Vision treu bleiben?

Carin Panton: Die Grundlage für unsere Lizenznehmer sind nicht nur formelle Vereinbarungen, sondern auch Vertrauen und enge Zusammenarbeit. Ich frage mich immer, was mein Vater getan hätte. Wir ändern niemals das ursprüngliche Design.

smow: Vielen Dank und alles Gute!

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