
Wer Willy Iffland über Instagram folgt, könnte meinen, sein Alltag spiele sich vor allem zwischen Sneakern, Kooperationen und der Kamera ab. Begegnet man ihm jedoch persönlich, wird schnell klar, dass diese Oberfläche nur einen kleinen Teil seiner Geschichte erzählt.
Aufgewachsen in Thüringen, nahe Jena, ohne klaren Masterplan, aber mit einem frühen Gespür für Medien, Ästhetik und Popkultur, entwickelte sich Willys Weg organisch in die Kreativbranche. Während seiner Ausbildung – damals noch weit entfernt von der Kreativszene – begann er aus Langeweile den Lifestyle-Blog *Dressed Like Machines*. Mit Beiträgen über Streetwear, Sneaker, Musik und Design traf er den Nerv der Zeit und zählte schon bald zu den meistgelesenen Lifestyle-Bloggern Deutschlands. Als Instagram an Bedeutung gewann, wurde aus dem Blogger ein Influencer: Mit seiner Leidenschaft für Sneaker und Streetstyle baute sich Willy eine große Community auf und arbeitete über Jahre mit internationalen Marken zusammen. Parallel sammelte er Erfahrungen in der Musikbranche, unter anderem beim Online-Musiksender TapeTV und für verschiedene Labels, bevor er sich als Content Creator selbstständig machte.

Heute lebt Willy mit seiner Freundin in Leipzig. Gemeinsam mit engen Freunden gründete er hier die Kreativagentur Pitch This und steht inzwischen auf der anderen Seite des Influencer-Geschäfts. Das Creator-Dasein ist geblieben, spielt heute aber nicht mehr die Hauptrolle. Stattdessen entwickelt er kreative Konzepte, berät Marken und setzt Kampagnen um – beruflich wie privat geht es für ihn inzwischen weniger um Reichweite als um Gestaltung.
Auch sein Zuhause erzählt diese Geschichte. Kein Showroom, kein durchinszeniertes Museum, sondern ein Ort, der gewachsen ist: geprägt von Ordnungssinn, einem feinen Gespür für Materialien und Qualität, aber auch von Vintage-Stücken und bewussten Entscheidungen. Wer Willy folgt, erwartet vielleicht perfekte Bilder. Wer ihn besucht, trifft auf einen bodenständigen Typen, der weiß, woher er kommt – und der sich genau deshalb erlaubt, seinen eigenen Weg zu gehen.

Wir haben Willy in seinem Zuhause in Leipzig besucht und mit ihm über Designklassiker, Kunst und persönliche Entwicklung gesprochen.
smow: Wie verbindest du denn deine Liebe zur Mode mit deiner Einrichtung? Also spielt das eine Rolle?
Willy Iffland: Ja, klar, voll. Also ich bin ein Mensch, der sehr auf Farben steht. Sowohl bei meinen Tattoos habe ich immer irgendwie viel Farbe mit drin, als auch bei meinen Klamotten war es immer sehr bunt. Eher weniger einfach, sondern sehr laut, und so war auch ein bisschen mein Einrichtungsstil, am Anfang. Aber ich glaube, dass die größten Parallelen, die man ziehen kann, sind die zu meinen Schuhen. Sneaker waren ja immer mein Steckenpferd, mir waren immer die Schuhform und die Qualität wichtig, Und das kann man eigentlich eins zu eins auf meinen Anspruch für Interior adaptieren. Und am Ende des Tages geht es halt darum, dass wir uns wohlfühlen.
Und so war es halt bei Klamotten auch. Das ist generell ein Prozess, der nie zu Ende sein wird. Ich glaube, wir sind jetzt gerade an einem Punkt, an dem wir richtig happy sind, wie alles aussieht bei uns in der Bude. Veränderungen wird es immer geben - ja, das ist das Leben.

smow: Wie beeinflusst denn dein berufliches Umfeld deinen Geschmack oder deine Einrichtung?
Willy Iffland: Gar nicht so sehr, denke ich. Ich merke aber schon hier und da natürlich immer weiter im Freundeskreis, dass mich Leute auch mal nach meiner Meinung fragen. Also habe ich eher das Gefühl, dass ich vielleicht ein bisschen die Leute auch beeinflusse mit dem, was ich mache.
smow: Da kommt der Influencer durch.
Willy Iffland: Genau, da kommt meine Berufung wieder durch, die ich hatte. Aber ich ziehe meine Inspo weniger von Freunden oder von meinem Beruf, sondern vielmehr so von Sachen, die ich im Netz sehe, auf einer Webseite, Pinterest. Was mir gefällt, speichere ich mir ab, für den Fall, dass man es vielleicht nochmal irgendwie nutzen könnte. Wenn wir irgendwann mal ein Kind haben sollten, habe ich schon eine Lesezeichenliste mit 50 Artikeln, die eben nicht das klassische Spielzeug oder die klassischen Kindersachen sind, sondern die auch trotzdem einen ästhetischen Anspruch haben.
smow: In deinem Zuhause ist einiges an Kunst zu sehen. Wie beeinflusst denn Kunst deine Einrichtung oder die Einrichtung deine Kunst, und was bedeutet dir das generell?
Willy Iffland: Also Kunst ist neben Interior, glaube ich, eine richtig wichtige Säule in meinem Leben geworden, weil es einfach etwas ist, was du für immer hast, so wie bei bestimmten Möbeln. Womit wir beim Thema Qualität wären, und so ist es bei Kunst auch. Ich könnte mir hier auch Poster hinhängen, was auch seine Daseinsberechtigung hätte, was auch okay ist, völlig legitim. Aber ich mag Individualismus und den kriegst du eben nur, wenn du wirklich bei Künstlern anklopfst. Ich muss ehrlich sagen, bei den ganzen Bildern die hier hängen in der Wohnung, habe ich nie so wirklich darauf geachtet, ob sie vielleicht so farblich passen. Und trotzdem passen sie - im Schlafzimmer der Aichinger, der da hängt, der passt halt gut zu dem Kopfteil. Natürlich geht es aber vorrangig einfach um den Stil des Künstlers oder der Künstlerin. Zum Beispiel der Mühlenbrink - ich mag einfach diese Stilistik. Ich mag dieses Verschwommene. Und wenn du mal genau drauf guckst, sieht es aus, als seien irgendwelche Tropfen runtergelaufen. Aber es ist halt alles gemalt. Und das ist so individuell. Das ist einfach schön.
smow: Du meintest ja, dass man natürlich aufpassen muss, dass aus einer Wohnung kein Museum wird. Wie habt ihr es geschafft, dass daraus ein Zuhause wird?
Willy Iffland: Einfach einen bunten Mix finden. Also man muss sich einfach davon freimachen, dass das alles Möbel sind, die einfach ein gewisses Geld kosten. Tun sie. Auch ich habe am Anfang immer, wenn sich jemand auf den Lounge Chair in Jeans gesetzt hat, geschaut, ob da Knöpfe dran sind, die irgendwas kaputtmachen könnten. Trotzdem sind es am Ende des Tages Alltagsgegenstände, die genutzt werden sollen. Und bei gewissen Dingen hat ja auch eine Patina etwas Schönes. Und wenn da mal irgendwo ein kleiner Kratzer ist, mein Gott, dann ist es halt so. Irgendwann wird es sowieso passieren.

smow: Wie würdest du denn deinen Einrichtungsstil beschreiben?
Willy Iffland: [lacht]
smow: Du hattest bestimmt schon auf die Frage gewartet...
Willy Iffland: [lacht weiter] Ja, schon irgendwie. In einem Wort ist das schwer zu beschreiben. Sarah und Willy – wir sind beide irgendwie ein bisschen loco im Kopf, auf eine gewisse Art und Weise, aber harmonieren auch auf der anderen Seite so richtig gut miteinander, und das beschreibt unseren Einrichtungsstil, ein kunterbunter Mix aus Gedanken und Ideen, die wir beide im Kopf haben, gepaart mit ein bisschen Verrücktheit. Uns ist Individualität wichtig. Ich bin auch kein Mensch, der ein krasses Knowledge über diese ganzen Epochen des Designs hat. Also ich interessiere mich dafür und ich kenne natürlich auch viele Sachen, aber ich würde sagen, mein Wissen über Interior und Möbelgeschichte ist vielleicht bei 5-10 % von dem, was es halt alles zu wissen gibt. Klar, ich habe hier schicke Bücher rumliegen beispielsweise von Dieter Rams und natürlich die smow-Kataloge, aber ich bin der letzte Mensch, der behaupten würde, richtig viel Plan davon zu haben.

smow: Was macht denn für dich ein gutes Möbelstück aus?
Willy Iffland: Also allen voran muss es erstmal zum Stil der Wohnung passen. Dann muss es halt einfach gut verarbeitet sein. Und es muss individuell sein, ich mag keine Möbel die ahnbar sind und das gibt es immer, du kannst es nicht verhindern - eine Küche sieht nun mal aus wie eine Küche. Ich mag beispielsweise den Tisch, den sieht man vielleicht nicht so oft.

Was uns hier wichtig war, ist, dass die Stühle nicht alle gleich sind. Dass wir halt einfach so einen Mix drin haben und das ist mir wichtig, dass es sich gut ergänzt in der Wohnung mit den anderen Sachen, dass es im besten Fall auch irgendeine Farbe hat und jetzt nicht irgendwie schwarz oder weiß ist und dass es einfach auch eine gewisse Qualität mit sich bringt.
smow: Gibt es in deinem Zuhause irgendeinen Raum oder eine Ecke, die besonders du bist?
Willy Iffland: Ja, das Schlafzimmer. Das ist genauso, wie ich mir für mich persönlich ein perfektes Schlafzimmer vorstelle, von der Kombination der Farben her, mit dem Schrank. Das sind alles Sachen, die ich mir immer gewünscht habe, seitdem ich denken kann.

smow: Wie bewahrst du dir deine Authentizität?
Willy Iffland: Eine schöne Wohnung kommt auf Social Media grundsätzlich gut an. Aber bestimmte Designklassiker – etwa ein USM-Möbel – sind zusätzlich echte Reichweitenmagneten. Wenn man als Influencer arbeitet, hat man diese Mechanismen automatisch im Hinterkopf. Irgendwann habe ich gemerkt, als wir dann umgezogen sind, dass meine Sachen einfach gar nicht mehr das widerspiegeln, was ich eigentlich gut finde. Da haben wir uns von vielen Sachen getrennt. Ich mache das jetzt für mich - das ist der Unterschied. Ja, man wird halt älter [lacht] Wir wohnen hier auf 130 Quadratmetern. In der heutigen Zeit ist es wirklich ein Privileg, in so einer Wohnung zu wohnen und auch Möbel zu kaufen, die irgendwie ein bisschen teurer sind. Würden meine Eltern wissen, dass ich beispielsweise eine Papierleuchte für 700 Euro kaufe, dann hätten die gesagt: „Spinnst du?“ Das ist eine andere Generation - andere Generation, andere Interessen. Auch anderes Einkommen. Und andere Herkunft.
smow: Für viele Leute, gerade für die, die keinen Bezug zum Thema haben, ist das schon speziell…
Willy Iffland: Das ist natürlich immer noch eine Bubble. Wer durch Instagram scrollt, vergleicht sich schnell mit dem, was dort gezeigt wird – und das kann Druck erzeugen. Gleichzeitig können schöne Räume auch inspirieren und Ideen liefern. Ich weiß, dass ich als Creator Teil dieser Dynamik bin. Trotzdem bin ich stolz auf das, was wir hier geschaffen haben, weil es eben nicht einfach da war, sondern über Jahre gewachsen ist und wir uns alles selbst erarbeitet haben.

smow: Das Schöne ist ja auch, dass die Möbel bleiben.
Willy Iffland: Ja, so ein Stuhl steht auch in 20 Jahren noch da, Minimum. Das ist so wie mit Kunst. Das ist eine Investition.
smow: Wenn du einen Wunsch jetzt bei smow beispielsweise frei hättest, welcher Designklassiker dürfte einziehen, oder steht er schon hier?
Willy Iffland: Ja, der Eames Lounge Chair steht schon hier… Ich glaube, das ist so mein Holy-Grail irgendwie. Der wird auch, egal was passiert, immer da sein. Und wenn ich irgendwann gar nichts mehr habe, dann schlafe ich da drauf. Was ich mir noch wünschen würde, wäre der Noguchi-Table.

Es klingelt spontan an der Tür. Was ist dein erster Satz? Hallo.
Akkuleuchte oder mit Kabel? Akkuleuchte, ich mag keine Kabel.
Stilbruch oder alles aus einem Guss? Stilbruch, definitiv.
High-End oder Möbelschwede? High-End.
Sicherheit oder Risiko? Risiko, glaube ich.
Wohnzimmer oder Ankleidezimmer? Da ich kein Ankleidezimmer mehr habe, ist es jetzt das Wohnzimmer auf jeden Fall.
Sneakers oder Hausschuhe? Mittlerweile Hausschuhe tatsächlich, weil Filzpantoffeln beste. Wir haben unsere Filzpantoffeln, wenn es kalt ist. Und das Geile ist, bei den Filzpantoffeln kannst du nämlich immer rumrutschen, so wie „Kevin allein zu Haus“. Wird überraschen, weil ich ja aus dem Sneaker-Bereich komme [lacht].
Online Shop oder smow Store? Ich bin Team Online-Shop immer.


Der schönste Ort für Kunst? Spinnerei.
Das coolste Café? 292.
Das beste Brot? Backstein.
Dein Lieblingsverein? SV Schleusig.
Dein Lieblingsplatz in der Stadt? Fockeberg.
smow: Vielen Dank!
