5 Online-Architektur- & Designausstellungen: Teil I

Auch wenn Museen geschlossen sind, reisen nur beschränkt möglich ist und geraten wird das Haus nicht zu verlassen, ist das kein Grund nicht mehr am kulturellen Leben teilzunehmen und die eigenen Kenntnisse in Sachen Architektur und Design nicht weiter auszubauen.

Wenn Sie nicht ins Museum gehen können, lassen Sie das Museum zu sich kommen.

Wir haben fünf Tipps für Online-Architektur- und Designausstellungen sowie Museumssammlungen zusammengetragen, die Sie bequem vom Sofa, Bett, Garten oder Balkon aus erkunden können.

5 Online Architektur- & Designausstellungen: Teil I
Vitra Design Museum – Collection Online

In vielerlei Hinsicht handelt es sich um eine digitale Version des Schaudepots des Vitra Design Museums: Die Online-Sammlung präsentiert eine Mischung aus bekannten und weniger bekannten Möbelentwürfen des vergangenen Jahrhunderts. Genau genommen handelt es sich mit Werken von Karl Friedrich Schinkel und Michael Thonet um die letzten beiden Jahrhunderte. Hinzu kommen ausgewählte Designer- und Hersteller-Biographien.

Abgesehen von der Vielfalt der ausgestellten Werke und der verständlichen und übersichtlichen Anordnung und Bedienung, die einem das Vergleichen und Analysieren der Exponate erleichtern, sind an der Online-Sammlung des Vitra Design Museums vor allem die umfangreichen Texte und Referenzen erfreulich. Alle Text- und Literaturquellen werden detailliert ausgewiesen, was eine weitere Recherche erleichtert. Im Zusammenhang mit Möbeldesign sieht man das selten, dabei ist genau dieser Punkt so wichtig, jedenfalls wenn man die Untersuchung von Möbeldesign als Studium unserer Kultur verstehen möchte. Wenn wir von Allgemeinplätzen wie “ikonisch” oder “klassisch” wegkommen wollen, müssen wir uns vom Objekt selbst entfernen und anfangen ein Möbelobjekt als Ausdruck eines historischen Moments, einer bestimmten Position zu verstehen. Und das ist ohne ein wenig Lektüre nicht möglich.

Dank einer zweisprachigen deutsch/englischen Präsentation, die Sie entweder auf eigene Faust oder über die kuratierten Themen des Museums wie z. B. “Eigenschaften”, “Materialien”, “3D-Druck” oder “Recycling” erkunden können, ist die Online-Sammlung des Vitra Design Museums ein ebenso angenehmer Raum wie das Schaudepot selbst. Ein perfekter Ort um Möbel und Möbeldesign zu entdecken, darüber nachzudenken und mit passender und leichter Lektüre zu beginnen.

Vitra Design Museum – Collection Online

Vitra Design Museum - Collection Online

Vitra Design Museum – Collection Online

Museum für Gestaltung Zürich – eMuseum

Die Hauptattraktion des eMuseums für Gestaltung Zürich ist seine Größe: Rund 100.000 der 500.000 Objekte des Museums sind online zu finden, und das in einer Form, die es den BesucherInnen so einfach wie angenehm macht die Ausstellung zu erforschen.

Präsentiert werden Objekte aus den vier Sammlungsschwerpunkten des Museums: Design, Grafik, Kunstgewerbe, Plakat. Die beste Art ins eMuseum zu gelangen ist sich für eines der kuratierten Themen, wie z. B. “Biografien”, “Sammlungsschwerpunkte” oder “Ausstellungsarchiv” zu entscheiden. Bei letzterem handelt es sich um Sammlungen von Objekten aus vergangenen Ausstellungen. Lassen Sie sich von Ihrem Interesse und Ihrem Auge lenken. Der Weg durch die Ausstellung könnte lang werden, so groß ist der Umfang der Online-Sammlung und so komplex die Vernetzung. Besonders erfreulich dabei ist, dass das eMusuem regelmäßig auf das Schweizerische Material-Archiv verlinkt und so die Möglichkeit bietet Materialwissen zu vertiefen und gleichzeitig das Designverständnis zu verbessern.

Neben der klassischen Sammlung zeigt das eMuseum des Museums für Gestaltung auch eine Auswahl von Abschlussarbeiten von Studierenden der Zürcher Hochschule der Künste. Projekte also, die vielleicht nie kommerziell realisiert wurden, die aber Ideen enthalten und Designpositionen repräsentieren und die potentielle Quellen der Weiterentwicklung sind. Schade nur, dass die Texte zu den vorgestellten Diplomprojekten bzw. die verschiedenen Handouts zu den Ausstellungen nicht online zu lesen sind, das wäre eine echte Bereicherung des virtuellen Raums.

Mit seiner enormen Vielfalt an Objekten, Genres und Ebenen ist das eMuseum nicht nur eine nahezu endlose Ressource für die Erforschung der Designgeschichte, sondern bietet dank der  völlig korrekten Schweizer Ausrichtung vor allem auch eine einfache Einführung in die Geschichte des Designs in und aus der Schweiz.

Museum für Gestaltung Zürich – eMuseum

Museum für Gestaltung Zürich - eMuseum

Museum für Gestaltung Zürich – eMuseum

Design Museum Dänemark – furnitureindex

Es sind die Ausstellungsräume des Kopenhagener Kunstgewerbemuseums, in denen Künstler wie Hans J. Wegner, Børge Mogensen oder Ole Wanscher das Möbelhandwerk gelernt haben. Das Onlineangebot furnitureindex des Design Museums Dänemark bietet so ziemlich dieselben Möglichkeiten.

Zunächst einmal muss allerdings festgehalten werden, dass furntureindex keine besonders benutzerfreundliche Schnittstelle ist  –  das Projekt ist etwas gewöhnungsbedürftig. Um dem Designmuseum Dänemark gegenüber fair zu sein: Man hat den Eindruck, dass furnitureindex eher als Tool für die Forschung und nicht für die breite Öffentlichkeit  entwickelt wurde. Die Suchfunktion fällt zwar sehr klobig aus, ist aber einfach und intuitiv, denn man kann beispielsweise nach DesignerIn, Holz-, Metallart oder Jahrzehnt suchen. Wenn man den Dreh einmal raus hat, lässt sich dänisches Design mit furnitureindex in seiner ganzen Tiefe erforschen.

Denn es handelt sich ausschließlich um Möbeldesign von dänischen DesignerInnen – kein Aalto, kein Eames, kein Bouroullec. Thonet ist zwar einbezogen, taucht aber nur im Zusammenhang mit Verner Panton und einer Verbindung aus den 1930er Jahren mit Fritz Hansen auf.

In Anbetracht ihres Umfangs trägt die Onlinepräsentation dazu bei, dass einem klar wird, wie wenig man von dänischem Möbeldesign weiß und dass die einem bekannten Objekte nur einen Bruchteil ausmachen. Das Tool furnitureindex macht also deutlich, wie unmöglich es ist Möbeldesign aus Dänemark klar zu definieren, und dass wir unsere Kenntnisse in Sachen dänisches Möbeldesign ausbauen sollten.

Absolute Besonderheit: Das Projekt furnitureindex verrät uns auch, wie viele Klaviere Poul Henningsen entworfen hat!

Design Museum Dänemark – furnitureindex

Design Museum Danmark - furnitureindex

Design Museum Dänemark – furnitureindex

Alvar Aalto Foundation – “A Stool Makes History”

Präsentiert von Google Arts and Culture handelt es sich bei “A Stool Makes History” um die Online-Version der gleichnamigen Ausstellung der Alvar-Aalto-Stiftung aus dem Jahr 2013. Trotz des eindeutigen Titels geht es nicht nur um Aaltos Hocker 60. Die Geschichte des Hockers 60 dient vielmehr als Vermittler für eine breitere Erforschung des Werks von Alvar und Aino Aalto.

Die Ausstellung hilft nicht nur dabei besser zu verstehen, wie viel Forschung, Revolution und Design in dem unscheinbar aussehenden Hocker 60 stecken. Sie ermöglicht auch Einblicke zur Person Otto Korhonen, dem Direktor des Herstellers Huonekalutehdas Korhonen, dessen technisches Knowhow bei der Entwicklung der Holzmöbel von Aalto so wichtig war. Hinzu kommen Themen wie das Sanatorium Paimio – ein entscheidendes Projekt in der Karriere von Aino und Alvar Aalto, und ein nicht unwichtiges Projekt im zeitgenössischen Kontext. Oder die Frage, wie und warum Artek entstand. Deutlich wird vor allem auch, dass es damals immer Aino und Alvar Aalto gemeinsam waren, und dass die Vorherrschaft von Alvar Aalto in der Partnerschaft der beiden Designer weitestgehend ein Phänomen der Nachkriegszeit ist.

“A Stool Makes History” wird im Wesentlichen als Blog-Beitrag mit kurzen Textabschnitten und zahlreichen Fotos präsentiert und bietet eine leicht zugängliche und einfache Einführung in die verschiedenen Themen. Mit Google als Host gehen wir davon aus, dass Sie das Angebot in Ihre Landessprache übersetzen lassen können – auf Englisch ist es in jedem Fall verfügbar.

Alvar Aalto Foundation – A Stool Makes History

Alvar Aalto Foundation - A Stool Makes History

Alvar Aalto Foundation – “A Stool Makes History”

Stiftung Bauhaus Dessau et al – “Bauhaus Everywhere. Traces of a design school in everyday life”

So sehr das hundertjährige Jubiläum des Bauhaus Weimar eine Feier der Institution Bauhaus war, ging es doch auch darum, ein rationaleres und glaubwürdiges Verständnis der Institution zu vermitteln und voranzubringen. “Bauhaus Everywhere” ist in vielerlei Hinsicht ein Werkzeug, das ganz in diesem Sinne funktioniert.

Kuratiert von der Stiftung Bauhaus Dessau in Zusammenarbeit mit dem Museum of Fine Arts Boston, dem Guggenheim New York, dem Getty Research Institute Los Angeles, dem IIT Institute of Design Chicago, dem Museum of Design Excellence Mumbai und dem Fagus-Werk Alfeld, ist “Bauhaus Everywhere” eine überwältigende, wenn auch zuweilen etwas zu populistische, etwas zu glänzende Präsentation der Bauhaus-Geschichte. Die Präsentation besteht unter anderem aus virtuellen Rundgängen durch die Dessauer Gebäude, aus Videos, einschließlich zahlreicher Interviews, und vor allem aus einer Sammlung von Online-Ausstellungen, die zahlreiche Aspekte des Bauhaus, seinen Einfluss, sein Vermächtnis und seinen Standort im Zusammenhang mit Kunst, Architektur und Design untersuchen.

Die Online-Ausstellung scheint das Bauhaus in seiner Gänze zu erfassen. Sie liefert eine solche Vielzahl von Themen, dass zwangsläufig ein gewisses Maß an Oberflächlichkeit erforderlich ist. Was “Bauhaus Everywhere” gelegentlich an Tiefe fehlt, macht die Ausstellung in der Breite mehr als wett. “Bauhaus Everywhere” ermöglicht so nicht nur eine einfache und nicht unkritische Einführung zum Bauhaus, sondern dient auch als hervorragender Ausgangspunkt für weitergehende Recherchen, die zu einem rationaleren und glaubwürdigeren Verständnis der Institution führen können.

Stiftung Bauhaus Dessau et al – Bauhaus Everywhere. Traces of a design school in everyday life

Stiftung Bauhaus Dessau et al - Bauhaus Everywhere. Traces of a design school in everyday life

Stiftung Bauhaus Dessau et al – “Bauhaus Everywhere. Traces of a design school in everyday life”

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