Schrill-Bizarr-Brachial-Das-Neue-Deutsche-Design-der-80er-Jahre-Bröhan-Museum-Berlin-Pentagon-Wolfgang-Laubersheimer-Detlef-Meyer-Voggenreither
Dezember 8th, 2015 nach smow

In unserem Post zur Ausstellung “Schrill Bizarr Brachial. Das Neue Deutsche Design der 80er Jahre” im Bröhan Museum Berlin bemerkten wir, dass das größte Vermächtnis der postmodernen Bewegung Neues Deutsches Design in den 1980er Jahren, zumindest für uns, die Anzahl der Vertreter ist, die anschließend Lehraufträge an Deutschlands führenden Designhochschulen erhielten. Vertreter wie Wolfgang Laubersheimer, der seit 1991 Professor für Produktionstechnologie an der KISD, Köln International School of Design, ist, und die seit 2013 auch leitet.

Geboren in Bad Kreuznach, studierte Wolfgang Laubersheimer Metallbildhauerei an der Werkkunstschule Köln, später Fachbereich Design der Fachhochschule Köln, und nutze die Zeit und die Freiheit des Studentendaseins, um parallel das Möbel- und Ladenbaugeschäft “Unikate” zu gründen. Wolfgang Laubersheimer war Gründungsmitglied der im Jahr 1985 gegründeten Designgruppe Pentagon – eine der bekanntesten Gruppen in den Jahren des Neuen Deutschen Designs, mit der er an Events wie “Wohnen von Sinnen” in Hamburg, an der “Documenta 8” in Kassel und der “Bienale São Paolo” in, nun ja, São Paolo teilnahm. Nach der Auflösung der Gruppe Pentagon im Jahr 1991 gründete Wolfgang Laubersheimer sein eigenes Designstudio, in dem er Projekte für so unterschiedliche Kunden wie Swatch, Mercedes Benz oder AEG realisierte – zusätzlich zu seiner Lehrtätigkeit in Köln.

Kürzlich trafen wir Wolfgang Laubersheimer, um über die Bewegung Neues Deutsches Design und die gegenwärtige Designausbildung zu sprechen, begannen aber mit der Frage, worin seine Motivation lag Metallbildhauerei zu studieren …

Wolfgang Laubersheimer: Ich hatte keine klare Vorstellung davon, was ich wollte. Kunst interessierte mich, ich wollte Kunst studieren, das war aber auch alles, was ich wusste. Nur Malerei war nicht so wirklich mein Fall. Ein Freund von mir studierte Steinbildhauerei an der Werkkunstschule und so kam ich mit Professor Anton Berger in Kontakt, der für den Fachbereich Metallbildhauerei zuständig war und bei dem die Studenten einfach Objekte herstellten. Ich fand das sehr spannend, bewarb mich für Metallbildhauerei und wurde angenommen.

smow Blog: Hat das Studium Ihre Erwartungen erfüllt?

Wolfgang Laubersheimer: Es war sensationell, es war die große Freiheit. Ich habe täglich 14 Stunden in der Werkstatt verbracht und es als Urlaub angesehen. Einfach die Freiheit zu haben, das zu machen, was ich wollte und was mir Spaß machte, war wundervoll und so verbrachte ich die nächsten fünf Jahre fast komplett in der Werkstatt.

smow Blog: Ging es rein um die Kunst oder gab es auch einen Anwendungsbezug bei Ihrer Arbeit?

Wolfgang Laubersheimer: Das ist eine schwierige Frage. Ich bin kein Intellektueller, mein Bezug zur Kunst ist eher der eines Handwerkers und mich hat schon immer mehr beeindruckt und beeinflusst, was ich sah und erlebte, als was man mir erzählte. Zu dieser Zeit hatte ich den Eindruck, dass die Diskussionen rund um Kunst von Marketingleuten geführt wurden, besonders aus Düsseldorfer Agenturen, die Kunst als ein Mittel entdeckt hatten, um Geld zu verdienen. Ich fand das alles sehr komisch und wollte eigentlich nichts damit zu tun haben, weil ich dachte, die Kunst ginge so kaputt. Aufgrund meiner eigenen unreflektierten Gedanken entschied ich dann, dass Kunst sozial relevant und gut sein müsste, um nützlich zu sein. Ein maßgeblicher Einfluss waren in diesem Zusammenhang die drei großen Hintertüren des Kölner Doms aus Bronzeguss. Ewald Mataré wurde mit der Gestaltung der Türen beauftragt und für eine von ihnen war Joseph Beuys zuständig, der zu jener Zeit einer seiner Schüler war. Beuys fügte in die von ihm entworfene Tür einen Spiegel ein, damit sich die Obdachlosen und die Bettler, die sich rund um den Kölner Dom aufhielten, vor diesem Spiegel rasieren konnten. Für mich war das eine wunderbare Umsetzung von Kunst mit einem sozialen Nutzen.

smow Blog: Was hat Sie letztlich zu Ihren ersten Designarbeiten gebracht?

Wolfgang Laubersheimer: Ein Freund hatte mich damit beauftragt, einen Schreibtisch für ihn herzustellen. Planmäßig sollte er aus 4 cm dickem Plexiglas gefertigt werden, aber das war unheimlich teuer – der Preis, nur für das Plexiglas, lag bei etwa 800 DM, was für mich eine absurd hohe Summe war. Es gab ein alternatives Material, die sogenannten Doppelstegplatten, die zum Beispiel oft für Carports oder Wintergärten verwendet werden und auch 4 cm dick, aber hohl sind, und die man nicht verkleben konnte, weil sie im Extruder Verfahren hergestellt wurden. Dieses Material ist spröde und bekommt leicht Risse bei thermischer Verformung. Und beim Kleben mit herkömmlichen Plexiglasklebern entsteht viel Hitze. Deshalb funktionierte das nicht. Das Material ist allerdings sehr, sehr kostengünstig. Also entschied ich mich dazu, es auszuprobieren und zu sehen, was möglich ist. So entwickelte ich zusammen mit Hans Roller, einem Plexiglasverarbeiter hier in Köln, einen Prozess, mit dem man die Doppelstegplatten sicher verbinden konnte und daraus resultierte dann eine ganze Möbelserie.

smow Blog: Was, wie wir vermuten, auch der Beginn von “Unikate” war?

Wolfgang Laubersheimer: Nein, Unikate hatte ich mit Ralph Sommer, einem Kommilitonen, etwas früher gegründet. Allerdings haben die Möbel aus Doppelstegplatten “Unikate” sehr beeinflusst.

smow Blog: War der Name auch Programm – gab es nur Unikate? Sollte der Name auch ausdrücken, dass Sie sich selbst vielleicht eher als Künstler denn als Designer sahen?

Wolfgang Laubersheimer: Nein, nein. Das hört sich alles etwas banal an, aber wir haben uns nicht überlegt, was wir sein wollten, wir wollten einfach Möbel herstellen, die wir verkaufen konnten. Wir wollten reich werden, nicht nur berühmt, auch reich. Bezüglich des Namens dachten wir, dass “Unikate” sich gut anhört, dahinter gab es aber keine großartige Theorie. Massenproduktion konnten wir uns gar nicht vorstellen. Eher teure Einzelstücke. Deshalb der Name.

smow Blog: Worauf lag bei “Unikate” der Fokus?

Wolfgang Laubersheimer: Mit “Unikate” haben wir viele Ladenbauprojekte durchgeführt. Mithilfe des besagten Doppelstegplattenprozesses haben wir zum Beispiel Jeans Stores in ganz Europa ausgestattet, genauso wie mit Raupenblechböden aus Aluminium und Regalen aus mit farbigem Papier gefülltem Plexiglas. Damals war das optisch wie aus einer anderen Welt. Trotzdem und vielleicht wegen meines Metallbildhauerei-Hintergrundes begann Plexiglas irgendwann zu nerven. Es ist ein edles Material, aber auch sehr anfällig für Kratzer, weshalb es regelmäßig Reklamationen gab. Also schaute ich mich ein bisschen um, guckte, was es sonst noch so gab und entdeckte Ettore Sottsass und die Memphis Group. Ich fand das, was sie machten unglaublich, aber auch ein bisschen mickymausmäßig und war der Ansicht, dass man auch noch anders müsste vorgehen können. Etwa zur gleichen Zeit kam ich mit Ideen zur Stahlverarbeitung in Berührung und zwar durch Arbeiten von Menschen wie Richard Serra, Bernhard Luginbühl und Jean Tinguely – ein Mann, der mein größtes Vorbild bleiben wird. Für mich brachten ihre Arbeiten eine viel breitere Ausdrucksmöglichkeit von Kunst und Bildhauerei mit sich und hatten etwas “Designhaftes” an sich. So begann ich damit, Möbel aus Stahl zu fertigen. Das erste Objekt war “Verspanntes Regal“.

smow Blog: Und das war dann der Beginn von Pentagon?

Wolfgang Laubersheimer: Mehr oder weniger. “Unikate” gehörte Ralph Sommer und mir, aber es gab zusätzlich noch eine Gruppe von Kollegen, mit denen wir regelmäßig zusammenarbeiteten, sodass “Unikate” praktisch aus fünf Personen bestand. Ich hatte vorgeschlagen, dass die anderen Mitinhaber von “Unikate” werden könnten, Ralph war der Meinung, dass es besser wäre, alles so zu lassen, wie es war und so beschlossen wir, stattdessen ein neues Unternehmen zu gründen. Eines, das sich mit Designforschung und der Entwicklung von Designprojekten beschäftigte und das auch eine kleine Galerie betreute und das war dann Pentagon.

smow Blog: Pentagon spielte eine nicht unwesentliche Rolle in der Geschichte des Neuen Deutschen Designs. Wie haben Sie diese Jahre wahrgenommen, waren das alles nur wilde Jahre oder gab es auch trockene, ernste Theorie hinter der Bewegung und gemeinsam erarbeitete Zielvorstellungen?

Wolfgang Laubersheimer: Bei Pentagon hatten wir abgesehen von Meyer Voggenreiter alle einen handwerklichen, bildhauerischen Hintergrund – wir stellten Dinge her, wir taten etwas, wir dachten nicht so sehr nach. Meyer Voggenreiter hatte Germanistik auf Lehramt studiert; er wusste, dass man denken musste, bevor man handelte, was ich damals nicht wusste. Es gab aber Menschen, die sich von Anfang an sehr stark mit den theoretischen Möglichkeiten beschäftigten. Volker Albus beschäftigte sich zum Beispiel sehr mit den theoretischen Zusammenhängen und konnte die theoretische Basis seiner Werke auch wundervoll formulieren. Das war einfach nicht meine Welt, Volker war mir sympathisch aber mich interessierte, was er machte und nicht, warum. Für mich waren seine Arbeiten Objekte, die immer erklärt werden mussten, die auf einer Theorie basierten, die man dem fertigen Objekt nicht offensichtlich ansah und das ist für mich kein gangbarer Weg. Objekte, die nicht selbsterklärend sind und bei denen der Designer erklären muss, dieses ist so und so gedacht, interessieren mich einfach nicht.

Im Gegensatz dazu bestand die Berliner Szene für mich immer mehr aus Leuten, die Sachen einfach zusammengehauen haben, oft sehr schön. Ja, mit Andreas Brandolini hatte Berlin einen der führenden Theoretiker, aber generell waren sie Macher, keine Denker.

Aber ob es einen gemeinsamen Ansatz gab? Es gab auch viele Nicklichkeiten. Zum Beispiel als Pentagon zusammen mit einigen anderen Gruppen 1987 zur Documenta 8 eingeladen wurde. Das hat bei denen, die nicht eingeladen waren, für Unmut gesorgt. Jeder hat immer darauf geachtet, wer in welcher Zeitung oder in welchem Magazin auftauchte. Es waren nicht alles edle Freundschaften, obwohl sich natürlich einige gute Freundschaften und enge Beziehungen entwickelt haben.

smow Blog: Hat das Neue Deutsche Design das Design in Deutschland Ihrer Ansicht nach verändert?

Wolfgang Laubersheimer: Absolut. Es hat den Designbegriff stark geöffnet. Plötzlich war Design nicht mehr nur Gestaltung, es war eine Haltung, zeitweise sogar ein politisches Statement. In den 1930er Jahren mag es ähnlich gewesen sein, aber dieses Importieren von groben Formen und Rohmaterialien ins Design war ein politisches Statement, diese Abkehr vom schönen Schein. Was mir persönlich besonders gefiel, war das Augenzwinkern, das Nichternstnehmen. Wenn man zum Beispiel die Stühle von Siegfried Michael Syniuga ansieht, muss man unweigerlich lächeln und ich mag es, wenn ein Produkt einen zum Lächeln bringt, wenn das Anschauen ehrlich Freude bereitet.

smow Blog: Was ist geblieben, was ist das Vermächtnis des Neuen Deutschen Designs?

Wolfgang Laubersheimer: Um diese Frage hinreichend beantworten zu können, bräuchte ich einen kompletten Überblick über zeitgenössisches deutsches Design, den ich nicht besitze. Abgesehen davon habe ich das Gefühl, dass heutige Designer viel bewusster designen, dass sie sich nicht mehr als missverstandene Künstler fühlen, so wie wir damals, sondern selbstbewusst als Designer agieren. Ich denke, dieses Gefühl entstand aus der Bewegung des Neuen Deutschen Designs. Außerdem habe ich auch das Gefühl, dass Designer heute cleverer und viel besser informiert sind, auch wenn das ebenso negativ sein kann. Uninformiertsein kann nämlich den positiven Effekt haben, einem die Freiheit zu lassen, zu Experimentieren und eigene Antworten zu finden.

smow Blog: Ein kleiner Themenwechsel, Sie sind seit 1991 hier an der KISD, wie sind Sie hierhergekommen?

Wolfgang Laubersheimer: Das war sicherlich nie Teil meiner Lebensplanung! Im Jahre 1990 fragte mich die Technische Universität München, ob ich interessiert wäre, mich für eine offene Professur zu bewerben und meine erste Reaktion war, wie kommen die auf mich? Die haben sich geirrt. Aber ich war begeistert von dem Angebot und freute mich auf die Möglichkeiten, also bewarb ich mich. Parallel dazu fragte Michael Erlhoff mich, ob ich Interesse daran hätte, bei der Gründung eines neuen Designstudiengangs mitzuwirken, den er für die FH organisierte, das sogenannte “Kölner Modell”, das eine Fortsetzung der ehemaligen Werkkunstschule darstellen sollte und dieses Angebot nahm ich dankbar an.

smow Blog: Sie sind nun seit 25 Jahren an der KISD, hat sich die Spezies Designstudent über die Jahre verändert?

Wolfgang Laubersheimer: Da gibt es einen stetigen Wandel. Ganz subjektiv kommt es mir so vor, als gäbe es alle zwei oder drei Jahre eine neue Generation, ein verändertes Verhalten. Zurzeit haben wir zum Beispiel eine Generation, die sehr aufmerksam ist, die sehr genau zuhört und die mich dazu verpflichtet, ihr etwas mitzuteilen, ihr etwas beizubringen und nicht nur einfach mit ihr zu sprechen. Außerdem haben wir zurzeit eine große Anzahl an Studenten, die etwas gestalten möchten, die etwas herstellen möchten, nicht unbedingt ein Produkt, aber sie möchten etwas kreieren. Im Gegensatz dazu hatten wir vor vier oder fünf Jahren ziemlich viele Studierende, die glaubten Design sei eine Form der Soziologie und dass man mit Nachdenken über Design die Welt verändern könnte. Plötzlich waren alle eifrig dabei Konzepte zu erstellen und hier an der KISD gab es eine gewisse Ablehnung gegenüber der Praxis. Die Studenten dieser Generation dachten, sie bräuchten nichts zu produzieren. Heute, in Zeiten der 3D-Drucker, Laser Cutter und CNC-Maschinen ist Modellbau die aufstrebende Säule unserer Institution. Unsere Werkstätten sind täglich voll mit Studierenden, die etwas bauen, etwas produzieren. Das war vor fünf Jahren unvorstellbar, da saßen alle zu Hause und schrieben Konzepte! Das Machen ist jetzt zurück, das ist toll und sicherlich etwas, das die Designszene noch einmal verändern wird.

smow Blog: Hat sich die Designausbildung hier in Köln auch verändert?

Wolfgang Laubersheimer: Das Studium in Köln ist ein Projektstudium, es ist nicht so, dass wir jedes Jahr dieselben Vorlesungen über dieselben Themen anbieten. Die Studenten arbeiten an Projekten mit Titeln wie “Nutzlos, teuer, aber geil” oder “Die Metamorphose des Lagerfeuers” und die Projekte werden immer von dem vorherrschenden Zeitgeist bestimmt. Insofern ändert sich die Ausbildung schon, da sich der Zeitgeist verändert. Heute bieten wir außerdem Projekte an, die wir vor 20 Jahren nicht in Betracht gezogen hätten und die in 20 Jahren aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr relevant sein werden.

smow Blog: Wenn wir uns mit Designstudenten oder frischen Absolventen unterhalten, dann beklagen sie sich oft über fehlende kaufmännische Elemente an Designschulen. Werden in Köln Inhalte aus den Bereichen Wirtschaft und Handel angeboten?

Wolfgang Laubersheimer: Hier in Köln haben wir das Lehrgebiet “Design and Economy”, in dessen Rahmen die wirtschaftlichen Komponenten gelehrt werden. Aber nicht nur das – die Studenten lernen auch etwas zu den Themen Marx, Wirtschaftskritik, Ökonomiekritik, Hannah Arendt und Entwicklung der Arbeit. Ich denke schon, dass das der richtige Weg ist, Betriebswirtschaftler lernen auch nicht nur, wie man ein Unternehmen führt. Außerdem sind die Studiengänge hier in Köln so strukturiert, dass die Studierenden das lernen können, was sie interessiert und was sie für ihre zukünftige Karriere für relevant halten – sei das Photoshop, Farbenlehre, Maschinenbau oder die Wirtschaftselemente der Designindustrie inklusive der wirtschaftlichen Aspekte, die für ein eigenes Designstudio wichtig sind, also Akquise oder wie viel Geld man für ein Projekt verlangen kann. Allerdings machen sich nicht alle Studenten zunutze, was wir alles anbieten.

smow Blog: Wir haben oft den Eindruck, dass es immer mehr Designabsolventen, aber nicht immer mehr Designjobs gibt. Wie schätzen Sie die Situation ein, gibt es heutzutage zu viele Designabsolventen?

Wolfgang Laubersheimer: Ich denke nicht, dass die Situation so ist, dass es zu viele Absolventen für zu wenige Jobs gibt. Hier in Köln bieten wir zum Beispiel vier Studiengänge an und die überwiegende Mehrheit unserer Studenten findet nach dem Abschluss Arbeit. Wir bieten zum Beispiel einen Master in Produktdesign und Prozessentwicklung an, eine Mischung aus Maschinenbau, Betriebswirtschaft und Design. Das ist ein zweijähriges Programm und nach einem Jahr haben alle Studenten einen Job gefunden, weil das Programm alle Elemente beinhaltet, die für die Industrie wichtig sind. Zusätzlich bieten wir viele Kooperationsprojekte mit Partnern aus der Industrie und der Wirtschaft an und in solchen Projekten kann man seine Chancen nutzen, Kontakte knüpfen und sich für Jobs nach dem Studium empfehlen. Dazu gehört natürlich auch, dass man Initiative zeigen und das Potential der Situation erkennen muss.

smow Blog: Noch zum Ende, Sie haben als Bildhauer begonnen, sehen Sie sich nach all den Erfahrungen, die Sie gemacht haben, und all den Erlebnissen noch immer als Bildhauer oder mittlerweile mehr als Designer, Pädagoge oder etwas ganz anderes?

Wolfgang Laubersheimer: Mich selbst als Künstler zu bezeichnen, wäre furchtbar. Ich produziere gelegentlich etwas, aber Künstler kann man nur sein, wenn man das zu 100 Prozent betreibt. Kunst als Hobby ist ein grauenhafter Gedanke. Aber ich sehe mich auch nicht als Designer, weil ich mich selbst nicht im Kontext des Industriedesigns sehe. Am treffendsten fände ich die Bezeichnung “ein experimentierender, interessierter Bastler”. Freuen würde ich mich über den Zusatz: “nicht dumm und mit etwas Talent”.

smow Blog: Gibt es etwas, das Sie Ihren Studenten immer mit auf den Weg geben?

Wolfgang Laubersheimer: Ja, das gibt es. Das sage ich denen aber sowieso immer: Nutzen Sie Ihre Zeit hier um alles auszuprobieren, was Sie ausprobieren möchten und machen Sie immer etwas, von dem Sie denken, dass Sie später keine Gelegenheit mehr dazu bekommen werden. Hier können Sie alles designen und alles ausprobieren. Nutzen Sie die Zeit hier um Träume aufkommen zu lassen, sie werden Ihnen in der Zukunft nützlich sein.

Schrill-Bizarr-Brachial-Das-Neue-Deutsche-Design-der-80er-Jahre-Bröhan-Museum-Berlin-Pentagon-Wolfgang-Laubersheimer-Detlef-Meyer-Voggenreither

Verspanntes Regal von Wolfgang Laubersheimer und Mai ’68 von Detlef Meyer Voggenreither, beide Pentagon Design Cologne, @ Schrill Bizarr Brachial. Das Neue Deutsche Design der 80er Jahre, Bröhan Museum Berlin

Gepostet inDesign, Interview, Kreatives Köln Getagged mit:, , , , ,

Schrill Bizarr Brachial Das Neue Deutsche Design der 80er Jahre Bröhan Museum Berlin Pentagon Wolfgang Laubersheimer Detlef Meyer Voggenreither
Februar 12th, 2015 nach smow

In unserem Post zur Ausstellung “Schrill Bizarr Brachial. Das Neue Deutsche Design der 80er Jahre” im Bröhan Museum Berlin haben wir festgehalten, welche beiden Hinterlassenschaften der Bewegung “Neues deutsches Design” aus den 1980er Jahren für uns am bedeutendsten sind. Dazu gehört einmal die hohe Anzahl an Protagonisten aus dieser Zeit, die heute an deutschen Designschulen unterrichten, und zum anderen die Möbelhersteller, die aus dem Dunstschleier dieser Periode hervorgegangen sind. Einer dieser Hersteller ist Nils Holger Moormann.

Gegründet wurde das Unternehmen in den frühen 1980er Jahren vom gelangweilten, ansonsten aber aufrechten Jurastudenten Nils Holger Moormann, der einige jugendliche Erfahrungen im Bereich Design gesammelt hatte. Die gleichnamige Firma hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten so entwickelt, dass man sie heute getrost zu den interessantesten und anspruchsvollsten europäischen Möbelherstellern der Gegenwart zählen kann.

Auf der Ambiente Messe 2015 wird Nils Holger Moormann vom Rat für Formgebung der “Personality”-Preis für sein Lebenswerk verliehen. Zwar scheint unsere Skepsis, was Designpreise, und vor allem Preise für Lebenswerke, angeht, unumstößlich zu sein, aber die Verbindung aus Preisverleihung und Ausstellung bietet in diesem Fall den besten Vorwand, um einmal mit Nils Holger Moormann über Möbeldesign und die Möbelindustrie von damals, heute und der Zukunft zu sprechen. Begonnen haben wir unser Gespräch jedoch mit der Frage, wie Nils Holger Moormann denn überhaupt seinen Weg zum Möbeldesign fand …

Nils Holger Moormann: Reiner Zufall. Ich studierte 8 Semester Jura und hatte nicht sonderlich Freude daran. Dann, wie so oft, auf Umwegen und über Bekannte, wurde ich mit der Welt des zeitgenössischen Designs vertraut und fing sofort Feuer. Es gab schreckliche Sachen und fantastische, Hightech-Kreationen, Bauhaus und eher traditionelle Möbel, gemischt mit Arbeiten, die aus jedem Rahmen fielen. All das fand ich hochspannend. Ich verstand nicht wirklich etwas davon, aber ein abenteuerlicher Geist und das Gefühl von Freiheit erlaubten es auch Leuten ohne relevante akademische Ausbildung oder professionellen Hintergrund sich einzubringen und einfach durch Learning by Doing den eigenen Weg zu finden.

smow Blog: Hast du so etwas wie eine bestimmte Szene wahrgenommen oder wie hast du die Situation erlebt?

Nils Holger Moormann: Eine Szene als solche habe ich nicht bewusst wahrgenommen. Es gab eine relativ kleine, informelle Gruppe, von der man ein loser Teil war. Man traf Leute, von denen man irgendwohin eingeladen wurde, traf dort neue Leute, erfuhr, was sie so machten, und hörte wiederum von neuen Designern. Für mich war das ein großes Fest mit unzähligen Überraschungen: alles war möglich, man hat gestaunt, sich gewundert, nichts verstanden und hatte einfach das Gefühl, Teil von etwas Neuem und Lebendigem zu sein.

smow Blog: Da du ja nun über das Neue deutsche Design zum Design gefunden hast – bedeutet das auch, dass du kein Interesse an eher funktionalem Design hattest, beispielsweise an der sogenannten Guten Form, die bis dahin das deutsche Design ja sehr dominiert hat?

Nils Holger Moormann: Nein, absolut nicht. Für mich war dieses Neue deutsche Design wunderbar schrill und bizarr. Man war sich bewusst, dass man eine Revolution anstieß. Mich interessierte aber grundsätzlich ein reduziertes Design, das einen zusätzlichen Wert hatte. Design, dem eine Idee zugrunde liegt, die meine Fantasie in Schwung bringt. Und auch wenn ich mich wirklich oft in schrille und abgefahrene Objekte verlieben könnte, könnte ich mich doch nur für eher zurückhaltendes Design einsetzen.

smow Blog: Hast du damals auch selbst designt?

Nils Holger Moormann: Anfänglich nein. Ich sah mich selbst eher als Händler, fuhr durch Deutschland und Europa und traf Designer und Architekten, die ihre Designs selbst produzierten, um für sie den Vertrieb zu übernehmen. Die Idee war, so etwas wie ein Verleger für besondere Büchern zu sein.

smow Blog: Das einzige Objekt aus der Anfangszeit, das bei dir noch immer in Produktion ist, ist das Gespannte Regal von Wolfgang Laubersheimer. Das einzige “besondere Buch”, das den Lauf der Zeit überlebt hat? Oder anders gefragt, warum hat gerade dieses Regal überlebt?

Nils Holger Moormann: Im Hinblick auf diese Zeit ist das Gespannte Regal grundsätzlich eines von ein paar wenigen Stücken, die noch produziert werden. Das Gespannte Regal ist eines der Stücke, die mich vom ersten Moment an fasziniert haben: eine instabile Konstruktion, die sich selbst nicht tragen kann, die dann aber durch ein einfaches Drahtseil ihre Spannung, Stabilität und Funktion erhält. Das Regal ist nicht nur genauso frisch und relevant wie damals, sondern steht auch nach wie vor für unsere Philosophie.

smow Blog: Das wirft die Frage auf, ob heute überhaupt noch irgendetwas vom damaligen Geist in der aktuellen deutschen Möbelindustrie zu finden ist.

Nils Holger Moormann: Leider nicht. Das war ein Aufbegehren und eine Revolution, eine komplette Durchmischung und der Versuch eines Neuanfangs. Aber das ist Geschichte und wir befinden uns heute in einer Situation, die größtenteils von der Industrie bestimmt wird. Viele der aktuellen Hersteller haben nicht einmal Besitzer, sondern sind nur Teil von größeren Konzernen und existieren eigentlichen nur, um Gewinne abzuwerfen. Das führt dazu, dass alle Möbel, die angeboten werden, gleich aussehen. Alles ist sehr homogen geworden.

Mal ganz böse gesagt: Würde man nachts auf die IMM Cologne gehen und die Möbel durcheinander bringen, die Möbel eines Stands an einen anderen stellen, würde das wohl nicht mal jemand bemerken. Das ist wirklich Schade, weil es bedeutet, dass Esprit, Neugier und Sehnsucht einfach fehlen! Manchmal habe ich den Eindruck, die einzige echte Leidenschaft besteht darin verkäufliche Produkte herzustellen. Und so geht es nicht weiter. Natürlich muss man erstmal das Glück haben, Profit zu machen und finanzielle Stabilität zu erlangen, aber man muss auch nach neuen Ideen und neuen Ansätzen suchen; und meiner Meinung nach passiert das derzeit viel zu selten. Es gibt zu wenig Aufbegehren, zu wenige Versuche etwas Neues zu probieren, selbst wenn einem klar sein sollte, dass es möglicherweise nicht funktionieren wird. Meiner Meinung nach brauchen wir dringend eine neue Revolution!

smow Blog: Brauchen wir, aber wird die auch kommen?

Nils Holger Moormann: Ich bin grundsätzlich sehr positiv eingestellt und denke, sie wird kommen. Nicht zuletzt weil die jungen Designer heutzutage alles selbst in die Hände nehmen müssen, und so gezwungen sind neue Wege, Lösungen und neue Systeme zu entwickeln. Und wie in den achtziger Jahren wird sich durch diese Suche das Aufbegehren entwickeln!

smow Blog: Wir haben allerdings den Eindruck, dass der Geist von damals nach wie vor eine Menge von dem, was du bist und wie du vorgehst, ausmacht?

Nils Holger Moormann: Gott sei Dank! Der Moment, an dem die jugendliche Suche, die Neugier und die Leidenschaft aufhören, ist der Moment, an dem du pragmatisch wirst und anfängst Dinge auf einem rein ökonomischen Level zu optimieren. Vor dem finanziellen Teil muss aber immer eine Erforschung, Esprit und Leidenschaft stehen.

Nils Holger Moormann

Nils Holger Moormann. Designer. Unternehmer. Verleger. (Photo ©Dirk Bruniecki)

Schrill Bizarr Brachial Das Neue Deutsche Design der 80er Jahre Bröhan Museum Berlin Pentagon Wolfgang Laubersheimer Detlef Meyer Voggenreither

Gespannte Regal von Wolfgang Laubersheimer (l.)) und Mai '68 von Detlef Meyer Voggenreither, @ Schrill Bizarr Brachial. Das Neue Deutsche Design der 80er Jahre, Bröhan Museum Berlin

Gepostet inDesign, Hersteller, Moormann Getagged mit:, , , ,

Konstantin Grcic Panorama Vitra Design Museum Work Space 360 Degree Chair
Juli 29th, 2014 nach smow

Eines der ersten Telefonate, das Mateo Kries und Marc Zehnter, nachdem sie 2011 die Leitung des Vitra Design Museums übernommen haben, geführt haben, ging an Konstantin Grcic. Es ging dabei um die Möglichkeit einer Ausstellung. Grcic war grundsätzlich offen für die Idee, wollte allerdings keine “statische Ausstellung, die seine Arbeit in der Zeit einfrieren würde, sondern etwas dynamisches.”

Aus diesem “etwas dynamischem” wurde die Ausstellung “Konstantin Grcic – Panorama”, die im Vitra Design Museum in Weil am Rhein, am 21. März 2014 eröffnet wurde.

Konstantin Grcic Panorama Vitra Design Museum Netscape Swings

Die interaktive Installation Netscape von Konstantin Grcic vor dem Vitra Design Museum, Weil am Rhein

Panorama präsentiert in vier thematischen Abschnitten ungefähr 200 Objekte und umfasst eigentlich zwei Ausstellungen in einer. Der erste Teil im Untergeschoss des Museums behandelt Designthemen, die für Konstantin Grcic von besonderer Bedeutung sind, und seiner Meinung nach für uns alle bedeutend sein sollten.

Die Ausstellung wird dabei mit “Life Space”, einem Ausblick auf Konstantin Grcics Überlegungen zu zukünftigen Wohnsituationen, eröffnet, bevor im Abschnitt “Work Space” eine Erforschung von Konstantin Grcics Arbeitsprozess erfolgt. Dieser Punkt behandelt wiederum einerseits eine Diskussion zum Designprozess ganz allgemein und befasst sich andererseits mit der Zukunft urbaner Räume.

Im Obergeschoss befindet sich der mit “Object Space” betitelte zweite Hauptteil der Ausstellung, der detailliert auf Grcics Oeuvre eingeht. Es werden exemplarisch unterschiedliche Arbeiten von Grcic gezeigt, darunter Produkte für so unterschiedliche Hersteller wie Moormann, Magis, ClassiCon und Flos sowie Objekte, die in Kooperationen mit Galerien entstanden sind, und Projekte, die ohne Grcics Münchner Studio wohl niemals zustande gekommen wären. Zudem werden die Arbeiten anderen Objekten gegenübergestellt, die für Konstantin Grcic eine bestimmte Rolle spielen, die ihn z.B. für seine eigenen Arbeiten inspiriert haben.

Die Aufteilung der Ausstellung ist dabei nicht nur eine räumliche und konzeptuelle, sie gibt auch stilistisch unterschiedliche Richtungen vor. Getreu Grcics Motto, “meine Designs geben sich nicht sofort zu erkennen”, ist der Besucher in den ersten drei Abschnitten eher gefordert, eigene Antworten auf die thematisierten Fragestellungen zu finden. Der letzte Abschnitt ist hingegen ganz museale, trockene und oberflächliche Präsentation. So sprechen auch beide, Konstantin Grcic und der Chefkurator des Vitra Design Museums Mateo Kries, vom vierten Abschnitt als einer Ausstellung in der Ausstellung, die sie absichtlich so eingängig und anspruchslos konzipiert haben.

Irgendwie wirkt das auf uns ziemlich ironisch.

Alles in allem ist die Ausstellung eine wunderbare, klar strukturierte Präsentation, die einiges über Konstantin Grcic und seine Art zu arbeiten zu berichten weiß, die wir allerdings, um ehrlich zu sein, nicht wirklich ernst nehmen können – ein Umstand, den wir jedoch absolut gutheißen.

Konstantin Grcic Panorama Vitra Design Museum Object Space

Der Abschnitt Object Space, Konstantin Grcic - Panorama im Vitra Design Museum

Wie schon bei der Ausstellung “Lightopia” war der Platzmangel im Vitra Design Museum für uns das größte Problem. Zwar hält Konstantin Grcic Frank Gehrys Gebäude für eine Herausforderung – es habe Charakter mit seinen groben Ecken – es besteht allerdings auch kein Zweifel an der Tatsache, dass ein Charakteristikum des Vitra Design Museums der Platzmangel ist.

Für die konservativen Ausstellungsformate, wie auch den zweiten Ausstellungsteil “Object Space” mag der Platz ausreichen, ein ambitioniertes Projekt in der Größenordnung von “Panorama” benötigt jedoch eigentlich mehr Raum.

Jeder der vier Abschnitte hätte für sich genommen eine komplette Ausstellung werden können. Wir haben zwar schon Ausstellungen in sehr viel kleineren Räumlichkeiten gesehen, bei “Panorama” hat man aber, auch wenn der Umfang während der Ausstellungsplanung sicher bereits eingegrenzt wurde, ein explizit eingeengtes und unwillkommenes Gefühl. Als wünschten sich alle, man würde doch nur einen Text über die Ausstellung lesen, anstatt den Raum mit seiner Anwesenheit zu überfüllen.

Der Abschnitt “Life Space” beispielsweise hätte eindeutig so präsentiert werden müssen, dass man herumlaufen, alles untersuchen, anfassen und sich auf die Stühle setzen kann, anstatt sich die Ausstellung aus der Distanz von einer der komfortablen Bench B Bänke anzuschauen. Hingegen hätte “Work Space” gewissermaßen Platz zum arbeiten benötigt – die Anordnung  erinnert eher an ein Lager als an eine Werkstatt – eher einschläfernd als dynamisch. Und das liegt nicht daran, dass den Kuratoren keine bessere Lösung eingefallen wäre, der Platzmangel bot einfach keine bessere Möglichkeit, all die Themen unterzubringen.

All das sollte aber nicht für eine Kritik an der Ausstellung selbst gehalten werden!

“Panorama” ist keine Ausstellung, die Konstantin Grcics Arbeit grundsätzlich erklärt. Grcic selbst vielleicht schon, aber nicht seine Arbeit. Allerdings soll das auch gar nicht der Schwerpunkt sein. Die Ausstellung handelt weniger von Konstantin Grcics Arbeit als von ganz grundsätzlichen Fragen zum aktuellen Design und zeitgenössischen Designern.

Konstantin Grcic ist dabei lediglich der Kanal.

Der Begriff “Design” wird heute ziemlich inflationär gebraucht. Es gibt immer mehr “Design”, weil immer mehr Aspekte unseres Lebens als “Design” verstanden, präsentiert und verkauft werden. Folglich sind der Begriff “Design” und die Aufgabe des “Designers” unklar, verworren, widersprüchlich und letztlich bedeutungslos geworden. “Panorama” fokussiert, was Design wirklich ist bzw. was zeitgenössisches Design sein sollte.

Was ist wirklich wichtig für die Wohnräume der Zukunft? Wie können neue Technologien am besten integriert, statt einfach nur angewendet werden? Welche Formen werden neue Technologien ermöglichen? Welche wären wünschenswert und welche sind sinnvoll? Was bedeutet es heute an einem Ort zu “leben”? Was ist Arbeit? Sind wir bereit unsere Privatsphäre für den häuslichen Komfort zu opfern? Wie kann uns Design helfen zu erreichen, was wir wollen und was wir benötigen? Welche Verantwortung haben die Designer innerhalb solcher Prozesse?

Solche Fragen werden auf Schautafeln thematisiert und von Artikeln sowie wissenschaftlichen Arbeiten begleitet, die sich mit verwandten sozialen, kulturellen und ökonomischen Problemen befassen: Können Wüsten die Erde mit Strom versorgen? Ist eine Welt ohne Unternehmen und Fabriken vorstellbar? Was sind die Vorteile des Häuser-Besetzens? …

Die Ausstellung geht weder an einer Stelle sonderlich in die Tiefe noch streift sie alle Probleme des zeitgenössischen Designs oder wirft komplett neue Fragen auf – das ist aber auch nicht das Ziel. “Panorama” ist eine Ausstellung von Konstatin Grcic über Konstantin Grcic bzw. Dinge, die für ihn wichtig sind und über die nachzudenken er anregen will. Diesem Anliegen folgt “Panorama” auf sehr effektive Weise, mit einfachen Mitteln und in einer zugänglichen, aber fordernden Art.

“Panorama” macht dabei absolut deutlich, dass in Zukunft jeder von uns seinen persönlichen Anteil an einer kollektiven Verantwortung akzeptieren werden muss. Verantwortung kann man jedoch erst übernehmen, wenn man seine Umwelt versteht und zu schätzen weiß. Das wird besonders im Abschnitt “Public Space” deutlich, der im größten Raum des Vitra Design Museums präsentiert wird und den eine 30 Meter lange und 4,4 Meter hohe Fantasie-Stadtansicht des Londoner Künstlers Neil Campbell Ross dominiert. Vor dieser Stadtlandschaft sind einige Chair Ones auf  Betonsockeln und Gricics experimentelles Projekt “Landen” von 2007 zu sehen. Dazu kommt ein Zaun, von dem wir dachten, er wäre nur zu Dekorationszwecken installiert, der aber gewissermaßen eine 3D-Erweiterung des Gemäldes ist. Der eigentliche Gedanke dahinter ist allerdings ein ziemlich deprimierendes Klischee. Insofern ignorieren wir den Zaun mal.

Der Fokus des Raumes liegt ohnehin auf der Stadtansicht und den dadurch aufgeworfenen Fragen zum Stand der urbanen Umwelt und ihren Entwicklungen. Auf den Schautafeln wirft Grcic beispielsweise Fragen nach den Besitzverhältnissen urbaner Räume, der Notwendigkeit humaner urbaner Lebensformen und der zukünftigen Fortbewegung in Städten auf. Was erwarten wir von den Städten der Zukunft? Letztendlich haben die Antworten, die jeder für sich auf diese Fragen findet, Auswirkungen auf den Charakter unserer Städte und bestimmen, ob wir in einer Zukunft leben werden, die wir uns gewünscht haben. Wollen wir solche Entscheidungen wirklich Designern überlassen? Wer bezahlt eigentlich Designer?

Konstantin Grcic Panorama Vitra Design Museum Life Space

Life Space. Konstantin Grcic - Panorama, Vitra Design Museum

Konzeptuelle Ausstellungen wie “Panorama” laufen immer Gefahr zum intellektuellen Steckenpferd der Organisatoren zu werden. Die Kuratoren betreiben eine endlose Nabelschau und entwickeln ein großes Konzept aus den edelsten Theorien, gespickt mit Doktrinen und Ideologien, die Massen strömen hinzu und zeigen sich überwältigt vom Glanz des Spektakels. Aber am Ende bleibt nur ein enormer narzisstischer Pomp.

“Panorama” entkommt diesem Schicksal, indem vermieden wird alle Fragen zu beantworten, geschweige denn eine Vision der Zukunft zu präsentieren. Das bleibt Aufgabe der Besucher. “Ich hoffe”, so Grcic, “die Besucher verstehen die Ausstellung als Ausgangspunkt für eine Diskussion und denken darüber nach, was ihnen gezeigt wurde. Und entscheiden dann ob sie mit unseren Anschauungen einverstanden sind oder nicht.”

All das bedeutet natürlich, dass “Konstantin Grcic – Panorama” nichts für einen faulen, verkaterten Sonntagnachmittag ist – jedenfalls nicht die ersten drei Abschnitte. Aber mal ganz im Ernst, wenn man irgendetwas aus dieser Ausstellung mitnehmen möchte, sollte man Zeit und etwas Geistesanstrengung investieren.

Die Ausstellung läuft bis September – also keine faulen Ausreden.

“Konstantin Grcic – Panorama” ist bis Sonntag, den 14. September 2014, im Vitra Design Museum, Charles Eames Strasse 2, 79576 Weil am Rhein zu sehen. Alle Details, wie Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Informationen zum Begleitprogramm sind unter www.design-museum.de zu finden.

Gepostet inAusstellungen, ClassiCon, Design, Hersteller, Magis, Moormann, Uncategorized, Vitra Getagged mit:, , , , , , , , ,

Mai 12th, 2014 nach smow

Am Donnerstagabend, den 8. Mai hatte das Stück “Der Hund des alten Mannes” von Oliver Kluck in der Theater Rampe Stuttgart Weltpremiere.

Unter Regie von Marie Bues behandelt “Der Hund des alten Mannes” Fragen der modernen Gesellschaft, Probleme des Kapitalismus und die bittersüße Realität des aktuellen globalen Kapitalismus, und all das mit Blick auf die deutsche Automobilindustie. Letztendlich reflektiert das Stück aber vor allem den Zustand des zeitgenössischen Theaters bzw. der aktuellen Theaterindustrie.

Bei dieser Untersuchung spielt Sauerkraut eine ähnlich bedeutende Rolle wie die drei Protagonisten…

Neben dem Sauerkraut ist für die Inszenierung ein ziemlich wirres Bühnenbild charakteristisch. Dieses besteht aus drei Vitra RAR Schaukelstühlen, einer George Nelson Eye Clock, einem White Shell Beistelltisch von Sallvatore Indriolo für Zanotta und einer ganzen Reihe Moormann Möbel, darunter drei Kleine Lehner und eine Pin Coat Garderobe.

Die Möbel stellte (smow) Stuttgart, die alten Liebhaber gepflegter Hochkultur, zur Verfügung.

In den kommenden Wochen werden weitere Aufführungen gezeigt, einige mit Publikumsdiskussion im Anschluss. Sämtliche Details zu den Zeiten und Kartenpreisen sind unter zu http://theaterrampe.de finden.

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck Theater Rampe Stuttgart

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck @ Theater Rampe Stuttgart (Foto: Andreas Zauner, mit freundlicher Genehmigung der Theater Rampe Stuttgart)

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck Theater Rampe Stuttgart

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck @ Theater Rampe Stuttgart (Foto: Andreas Zauner, mit freundlicher Genehmigung der Theater Rampe Stuttgart)

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck Theater Rampe Stuttgart

Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck @ Theater Rampe Stuttgart (Foto: Andreas Zauner, mit freundlicher Genehmigung der Theater Rampe Stuttgart)

Gepostet insmow Getagged mit:, , , , , , , ,

Dezember 25th, 2013 nach smow

Die IMM Cologne hat uns bis in den Februar 2013 hinein beschäftigt, aber in dem Monat war auch die Eröffnung der Eileen Gray Retrospektive in Paris, wir besuchten die Louis Kahn Ausstellung im Vitra Design Museum und leider schied James Irvine von uns…

Antonio Citterio pivot orgatec vitra

Pivot Bürostuhl von Antonio Citterio für Vitra, hier auf der Orgatec in Köln, 2012

IMM Cologne 2013 PS 07 Bureau by Delphin Design for Müller Möbelfabrikation

IMM Cologne 2013: PS 07 Bureau von Delphin Design für Müller Möbelfabrikation

eileen gray Dressing table screen Centre Pompidou Paris

Friesiertischwand von Eileen Gray

IMM Cologne 2013 Wilde+Spieth Egon Eiermann SE 68 SE 42 Le Corbusier Les Couleurs

IMM Cologne 2013: Wilde+Spieth präsentieren Egon Eiermanns SE 68 und SE 42 in den neuen "Les Couleurs"-Farbtönen von Le Corbusier

Vitra Design Museum Louis Kahn The Power of Architecture National Assembly Building in Dhaka

Louis Kahn "The Power of Architecture" @ Vitra Design Museum

James Irvine

James Irvine 1958-2013

Watn Blech by Bernhard Osann for Moormann

Watn Blech von Bernhard Osann für Moormann

Gepostet inArchitektur, Design, Hersteller, Interview, Jahresrückblick, Moormann, Müller Möbelfabrikation, smow, Wilde + Spieth Getagged mit:, , , , , , , , , , , , ,

Oktober 7th, 2013 nach smow

Wir haben es ja schon in unserem Barbecue-Post erwähnt: “… der Sommer sagt Lebwohl…”.

Die kühlen Herbstwinde erinnern uns bereits erbarmungslos an den bevorstehenden Winterschlaf. Zeit also, sich um die passende Unterkunft zu kümmern.

Im (smow)blog hatten wir dieses Jahr gewissermaßen eine Art “Jahr des kleinen Hauses” – mit dem Renzo Piano Building Workshop und Vitras Diogene oder Jean Prouvés Maison des Jours Meilleurs, die uns sehr beschäftigt haben. Die erste Begegnung mit “flächenmäßig beschränkten” Räumen gab es für uns aber schon im Mai, als (smow) zum ersten Mal beim Großen Frühjahrsrundgang der Baumwollspinnerei Leipzig vertreten war. Denn unsere Premiere wurde tatkräftig von einem kleinen Moormann-Haus unterstützt.

2006 entwarf Nils Holger Moormann das Walden, eine schnittige, aber dezente Konstruktion – inspiriert von Henry David Thoreaus “Walden oder Leben in den Wäldern”. Mit Stauraum, Feuerschale, Sitzkojen und sogar einem Hochsitz bietet Walden alles, was das Outdoorherz begehrt – egal ob in den Wäldern (wie Thoreau das empfiehlt), am See oder einfach im Garten.

Sein neues Produkt feierte Moormann auf der “Design Annual” 2006 in Frankfurt, mit einer abgewandelten – aber alles andere als bescheidenen – Version des Walden als Messestand. Vor ein paar Jahren wurde eben dieser Stand dann rechtmäßig von (smow) erworben. So durfte der ehemalige Moormann-Messestand auf dem Spinnereirundgang 2013  endlich wieder ans Licht der Öffentlichkeit – als Zentrum der (smow) (Selbst)präsentation.

Er musste allerdings nur noch aufgebaut werden…

Im Vorfeld machten Warnungen die Runde, der Aufbau wäre ein Akt biblischen Ausmaßes, es würde Wochen dauern, prophezeiten die Götter der Verdammnis… . Am Ende dauerte es etwas mehr als zweieinhalb Minuten:

Gepostet inAusstellungen, Design, Hersteller, Moormann, Veranstaltungen und Messen Getagged mit:, ,

April 12th, 2013 nach Anne-Christin

Auf der Saloni Milano 2010 erzählte uns Ronan Bouroullec von seinem Gefühl, dass das Internet und neue Technologien irgendwann die Ressourcen ersetzen können und sollten, die  in so ein Event wie die Mailänder Möbelmesse investiert, ja verschwendet, werden.

2013 nun hat der allseits beliebte deutsche Möbelhersteller Moormann den Anfang damit gemacht. Und damit bewiesen, dass man selbst von der idyllischen Ruhe des Örtchens Aschau im Chiemgau aus noch Teil des Wahnsinns in Mailand sein kann. In unseren Gesprächen mit Nils Holger Moormann im Voraus zu Mailand, bekamen wir einen Ausblick darauf, was sie anstelle ihres Saloni Milano Standes planen. Anstatt in die schwankende Wirtschaft Italiens zu investieren, hat Moormann in ein Meisterwerk aus Zelluloid investiert.

Um es etwas einfacher zu machen, haben wir den Film hier eingebunden. Das Original gibt es unter: www.youtube.com/watch?v=Z8GwMxAsHnc

Gepostet inHersteller, Milan Design Week, Moormann, Veranstaltungen und Messen Getagged mit:

April 8th, 2013 nach Anne-Christin

Die Tore zur Hölle sind geöffnet. Es ist Möbelmesse in Mailand.

Die normalerweise recht angenehme, ruhige und zu Recht ausgezeichnete lombardische Metropole wird in dieser Woche von Strömen kollektiver Gier und naiver Studententräumereien überflutet, die die Kanäle, Parks und früheren Industriegegenden in brennende Gruben von Gegensätzen, Nachahmungen und purem Gold verwandeln werden.

Überleben ist hier eine Frage des Ausblendens der Realität und der Selbstmanipulation, alles sei brillant und man habe eine richtig großartige Zeit.

Also, the same procedure as every year…

Nur dass in diesem Jahr einer von den vernünftigeren Köpfen in diesem Chaos fehlen wird: Moormann stellt 2013 nicht auf der Mailänder Möbelmesse aus.

Milan Design Week 2013 Moormann non è presente

Möbelmesse Mailand 2013: Moormann non è presente

Im Wesentlichen ist der Grund für sein Fernbleiben seine Unzufriedenheit über die Standverteilung bei der Messe. Als wir 2011 mit Nils Holger Moormann sprachen, erzählte er uns bereits über die Probleme rund um das Thema.

Von Gesprächen mit anderen Chefs großer Möbelhersteller wissen wir auch, wie vertrackt und schleppend das Standverteilungssystem in Mailand funktioniert. Die Mehrheit der Aussteller sieht jedoch keine Alternative und erträgt so, was ertragen werden muss, um dabei sein zu können.

Bei Moormann ist damit jetzt aber Schluss.

Für uns liegt die bittere Ironie darin, dass nun die überwiegende Mehrheit in Halle 20, wo die jungen Möbelhersteller ihre Stände haben, von italienischen Herstellern dominiert wird, die nicht nur nichts annähernd Innovatives vorstellen, sondern deren “neue” Produkte nicht mal dazu bestimmt sind, in die Produktion zu gehen. Sie werden nur ausgestellt, um Aufmerksamkeit zu erregen. Es wird also Platz verschwendet, um ein bisschen Aufmerksamkeit zu erhaschen, statt der Branche die Möglichkeit zu bieten, zu wachsen und sich zu entwickeln.

Auch wenn wir Moormann natürlich vermissen, finden wir seinen Widerstand gut. Die Monopolstellung Mailands muss gebrochen werden und je mehr dabei mitmachen, desto schneller wird es die dringend benötigten Alternativen für die junge Designermöbelbranche geben.

Die eine, sehr positive Tatsache an Moormanns Entscheidung ist, dass, wenn Moormann eine Sache angeht, das immer mit sehr viel Einsatz, Herzblut und Kreativität geschieht. Der Bookinist Cup ist dafür so ein Beispiel. Und natürlich wissen wir auch, ohne dass Moormann auf der Messe ist, dass sie neue Produkte haben. Und wir können es kaum erwarten, sie zu sehen. Und natürlich wäre Moormann nicht Moormann, wenn sie ihre Abwesenheit in Mailand nur durch eine kleine Pressemitteilung bekannt geben würden. Nein, da lässt sich Moormann nicht lumpen und hat gleich mal ein Brettspiel entwickelt.

Und wir wären nicht wir, wenn wir nicht gleich eine Runde gespielt hätten und das fein säuberlich für euch dokumentiert hätten.

Gepostet inHersteller, Milan Design Week, Moormann, Veranstaltungen und Messen Getagged mit:, ,

März 4th, 2013 nach Anne-Christin

In den letzten paar Jahren haben wir oft über das Regal Das Brett vom belgischen Designer Kaspar Hamacher gesprochen, es aber nie gezeigt. (Das Regal hatte einen bleibenden Eindruck auf der Mailänder Möbelmesse 2010 hinterlassen. … genau wie das Beinahe-Ertrinken.) Das gerade in den Verkauf gebrachte Watn Blech von Bernhard Osann für Moormann bietet auf jeden Fall die perfekte Gelegenheit, das zu ändern.

kaspar hamacher das brett

Das Brett von Kaspar Hamacher hier bei der Schau "Le Belge", Mailand 2010.

Was uns an Das Brett gefallen hat und auch immer in Erinnerung geblieben ist, war das sehr simple Prinzip hinter dem Teil. Durch die sanfte Neigung des Regals hin zum Zentrum entsteht eine Fläche, die stabiler ist als das traditionelle gerade Bücherregal. Das Geheimnis des Designs liegt im Winkel der Neigung: gerade genug, um funktional zu sein, ohne aber bei den Proportionen einen Kompromiss einzugehen.

Watn Blech von Bernhard Osann für Moormann wendet ein ähnliches Prinzip an. Wenn auch bei Watn Blech die “Stabilität” nicht in erster Linie im Zusammenhang mit den Objekten auf dem Regal steht, sondern durch das Regal selbst erreicht wird.

Wenn wir uns recht an das erinnern, was wir in der Schule gelernt haben, sind “Magie” und “Physik” so ziemlich das gleiche. Also kann man genauso gut sagen, dass dank der dunklen Schönheit der Magie das sanfte Biegen eines Stücks Metallblech seine Stabilität erhöht. Daneben wird durch die leichte Neigung eine praktische und in sich stabile Ablagefläche geschaffen, die auf subtile Weise die starre lineare Homogenität eines Raums aufbricht.

Und weil es ein Moormann Produkt ist, bekommt man zu der praktischen und in sich stabilen Ablagefläche den Spaß kostenlos dazu: Das Regal sieht aus, als wäre es falsch aufgehangen worden.

Einfach schön.

Watn Blech by Bernhard Osann for Moormann

Watn Blech von Bernhard Osann für Moormann

 

 

Watn Blech by Bernhard Osann for Moormann

Watn Blech von Bernhard Osann für Moormann

 

Gepostet inDesign, Hersteller, Moormann Getagged mit:, ,

November 30th, 2012 nach Anne-Christin

Letzte Woche Freitag waren wir bei einer Diskussion in Potsdam. Nils Holger Moormann redete dort so eloquent und überzeugend wie gewohnt über die Vorteile von langen Lebenszyklen bei Möbeln sowie die Weiterentwicklung, die nur möglich ist, wenn man die Möbel als sich entfaltende Projekte – und nicht als Profit generierende Waren – begreift.

Bezogen auf das FNP Regalsystem zum Beispiel, sagte er so etwas wie: Sogar nach 25 Jahren entdeckt man immer noch neue Wege das System zu erweitern und weiterzuentwickeln.

Und es sind nicht nur die eigenen Produkte, die Moorman weiterentwickelt.

Inspiriert vom unsensiblen Umgang des (smow)Grafik-Teams mit dem Moormann-Logo (da hat wohl jemand mal was verwechselt und plötzlich war das Logo nicht mehr quadratisch…), war das Team von Moorman so gut und hat neben dem ganzen Weihnachtsstress (smow) dabei geholfen noch etwas an seiner Corporate Identity zu arbeiten.

Eines der neuen Logos sieht man oben links auf dieser Seite…

Und tatsächlich ist die (smow)Geschäftsführung so froh über die Arbeit, dass sie in Erwägung zieht, Moormann mit der Gestaltung eines Logos für den neuen (smow)room Stuttgart zu beauftragen. Die Frage ist nur, ob das nicht zu viel von der Aschauer Kreativschmiede verlangt wäre…

Ein früher Versuch vom (smow)blog das Nils Holger Moormann Logo zu verlängern.

Gepostet inHersteller, Moormann, smow Getagged mit:, ,

fff
November 14th, 2012 nach Anne-Christin

Am 6. Dezember feiert (smow) 10-jähriges Jubiläum – und freut sich dabei gleich noch über Familienzuwachs. Wenige Tage vorher nämlich, am 26. November, eröffnet in Stuttgart der dritte (smow) Showroom.

Grund genug die letzten (smow) Jahre einmal Revue passieren zu lassen.

Am 6. Dezember 2002 eröffnete am Leipziger Burgplatz der (smow)room und sorgte fortan in sächsischen Haushalten für geschmackvolle Interieurs. Manche Orte schienen aber so abgelegen, dass sie nichts von dem Stil und der Grazie der Möbeldesigns abbekamen, sodass (smow) noch weiter ostwärts ziehen musste. An den Rand des Erzgebirges, in eine Stadt, die vor allem eines hat: ein überambitioniertes Stadtmarketing.

Chemnitz. Die „Stadt der Moderne“. Wie sie sagt. Und das immer und überall, wo sie die Gelegenheit wittert „an ihrem Image zu arbeiten“. (smow) fasste sich ein Herz und half – wo es eben ging… 2007 öffnete der (smow)pavillon, wurde wenig später zum (smow)studio auf dem – zugegebenermaßen schönen – Kaßberg und trägt seither mit einem ausgesuchten Repertoire an klassischen und modernen Designermöbeln zumindest in Sachen Innenausstattung zur Titelverteidigung bei.

2008 ging (smow) online und stattet seitdem auch deutschlandweit Wohnungen und Büros mit bewährten Designklassikern und innovativen Möbeldesigns aus. Über smow.com ist das Sortiment von Eames über Verner Panton und Arne Jacobsen bis Eiermann und Bouroullec sogar europaweit erhältlich.

Was sollte auf diese Erfolgsgeschichte noch folgen? Eine (smow) Zentrale in London? Ein Flagshipstore in New York? Oder irgendwas Cooles in Berlin?

Nun… Die (smow) Geschäftsführung entschied sich für Stuttgart.

Wir hätten uns zwar wahrscheinlich auch mit New York arrangieren können, aber die Nähe zu Vitra in Weil am Rhein und USM in Bühl ist auch nicht so übel. Wir sagen nur kurze Lieferwege…

Ein Besuch der Stuttgarter Kollegen lässt sich außerdem ziemlich gut mit einem Ausflug zum Vitra Campus verbinden.

Neben Stühlen, Tischen, Lounge Möbeln und Accessoires von Vitra sowie den Klassikern von USM Haller findet man bei (smow) Stuttgart außerdem die Designs von Nils Holger Moormann, Lampen von Belux, Nimbus und Tobias Grau, ergonomische Sitze von Aeris, Bürobedarf von Helit, innovative Designs von KABRÉ-Leipzig und hochwertiges Holzspielzeug von Kaden Holzgestaltung.

Einen Einblick in die bewegte Vergangenheit der 250 m² Geschäftsfläche in der Stuttgarter Innenstadt bietet übrigens Google Streetview. Aber keine Angst, die Aufnahme ist veraltet. Man muss also nicht extra Trenchcoat und Schlapphut überziehen, wenn man nur neue Esszimmerstühle kaufen will…

(smow) Stuttgart öffnet am 26. November 2012 in der Sophienstraße 17, 70178 Stuttgart und ist dann immer montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

 

smowS_Schaufenster

Coming soon... Der (smow) Showroom in Stuttgart. Keine Spur mehr von...

... den Vormietern in der Sophienstraße 17, einem namenhaften Erotikfachmarkt. Quelle: Google Streetview

Gepostet inBelux, Hersteller, Moormann, smow, USM Haller, Vitra Getagged mit:, , , , , , ,

August 3rd, 2012 nach smow

Wenn es aktuell einen Stuhl auf dem Markt gibt, der besser verdeutlicht wie komplex Simplizität im Design ist als der Pressed Chair von Harry Thaler für Moormann, dann wollen wir den mal sehen.

In Mailand 2011 erzählte uns Nils Holger Moormann von der buchstäblichen und symbolischen Berg- und Talfahrt, die zurückgelegt werden musste bevor Harrys Idee in ein marktreifes, massenproduzierbares Produkt umgesetzt werden konnte.

Vor Mailand 2012 erzählte uns dann Harry Thaler vom langen Weg und den ersten Experimenten mit Holz bevor er endlich das Konzept hatte, das Nils Herz erobert hat.

Und jetzt haben wir einen echt tollen Film, der den Bau des Prototyps in einer Nordlondoner Metallwerkstatt zeigt.

Wir glauben kaum, dass Dieter Rams “Gutes Design ist harte Arbeit” in die Liste seiner Designthesen aufgenommen hat. Aber vielleicht sollte er das noch mal überdenken…

Gepostet inDesign, Hersteller, Moormann Getagged mit:, ,

Harry Thaler Pressed Chair Nils Holger Moormann
April 18th, 2012 nach smow

2011 präsentierte Moormann in Mailand den Prototypen des Pressed Chair von Harry Thaler. Und nun wurde auf der Messe der Vorhang für die marktreife Version des Stuhls gelüftet.

Letztes Jahr hat sich ja Nils Holger Moormann ausführlich zum Pressed Chair geäußert. Und um das Puzzle zu vervollständigen haben wir uns dieses Jahr vor der Messe mit Harry Thaler in seinem Londoner Atelier getroffen um mehr über ihn und den Pressed Chair zu erfahren.

harry thaler pressed chair moormann london

Harry Thaler, Pressed Chair, Moormann, London

(smow)blog: Fangen wir mit deinem Hintergrund an. Wenn wir richtig informiert sind, bist du gelernter Goldschmied?

Harry Thaler: Ja, ich komme aus dem Schmuckbereich, habe zehn Jahre als Goldschmied in meiner Heimatstadt Meran gearbeitet bevor ich nach Wien zog und schließlich an der Hochschule für Gestaltung Pforzheim einen Schmuckkurs belegt habe. Diese Zeit in Pforzheim hat mich dann bewegt Design zu studieren – also in größeren Dimensionen zu arbeiten.

(smow)blog: Und wie bist du zum Royal College of Art nach London gekommen?

Harry Thaler: Nach Pforzheim habe ich Design in Bozen studiert, aber dort gab es einen Kurs den ich in Englisch absolvieren musste. Nachdem ich 8 mal durch die Prüfung gefallen war, hab ich mir gedacht “Ok, du musst nach London gehen um Englisch zu lernen!”. Also hab ich mich am RCA beworben, wurde angenommen, habe zwei Jahre studiert und 2010 mein Studio hier in London aufgemacht.

(smow)blog: Vor dem Hintergrund, dass du Goldschmied bist: Arbeitest du als Designer mehr mit Modellen und handwerklichen Entwürfen oder entstehen die ersten Schritte am Computer?

Harry Thaler: Das hängt sehr vom Projekt ab. Ich arbeite gerade an einem Haus, da wird natürlich viel am Computer gemacht. Aber dann gibt es auch Projekte wie den Pressed Chair, der überhaupt nicht am Computer entstanden ist sondern reines Experimentieren war.

(smow)blog: Ein guter Übergang zu unserer nächsten Frage. Wenn wir uns deine früheren Arbeiten anschauen, sehen wir keinen offensichtlichen Weg hin zum Pressed Chair. War das ein komplett neues Projekt für dich oder gibt es eine Verbindung zu früheren Arbeiten?

Harry Thaler: Der Pressed Chair hat schon einen Bezug zu meiner Vergangenheit. Wenn ich nicht als Goldschmied gearbeitet hätte, wäre ich nie auf den Stuhl gekommen. Natürlich sind die Dimensionen ganz anders, aber das Formen der Metall- und Blechteile ist ein typischer Goldschmiedprozess.

(smow)blog: Erinnerst du dich an die ursprüngliche Idee? Gab es da eine bestimmte Eingebung?

Harry Thaler: Es gibt durchaus Projekte, wo man aufwacht und eine Idee hat. Aber der Pressed Chair war mehr ein Prozess. Es hat mit einer kleinen Gabel aus einem Stück Holz angefangen. Daraus wurde dann ein Tisch, Stuhl, Hocker aus einem Stück Holz. Die Holzplatte wurde in die Form eines Stuhls gebogen…

(smow)blog: Und dann dachtest du, ok, wenn es mit Holz funktioniert, kann ich es auch mit Metall probieren?

Harry Thaler: Nicht ganz. Der ursprüngliche Plan war etwas aus nur einem Stück Material zu machen, letzten Endes war das Metall. Nachdem wir die Grundform hatten, wollten wir das ausreifen um das Blatt so dünn wie möglich zu gestalten. Wenn wir einfach ein 1cm starkes Stück Metall genommen hätten, wäre es viel einfacher und man bräuchte die Rillen nicht. Aber die Rillen machen im Grunde auch den Stuhl aus.

(smow)blog: Wie war die erste Begegnung mit Nils Holger Moormann?

Harry Thaler: Das war im Januar 2011 in Köln. Ich hatte den Interior Innovation Award gewonnen und Nils kam auf der IMM auf mich zu.

(smow)blog: Kannte er deine Arbeit schon oder hat er das in Köln zum ersten Mal gesehen?

Harry Thaler: Er hat gesagt, dass er meine Arbeit schon eine Weile verfolgt hatte. Und ich werde nie vergessen, wie er in Köln ankam. Er ging direkt auf mich zu, schaute nicht nach rechts oder links, nur geradeaus, fokussiert, zu mir!

(smow)blog: Wie ist das für dich als Designer? Du entwicklest einen Stuhl, gewinnst Preise und dann kommt eine Firma wie Moormann und sagt “Super, wir möchten das produzieren, aber wir müssen Veränderungen vornehmen.” Macht dich das nervös? Hast du dabei ein ungutes Gefühl?

Harry Thaler: Überhaupt nicht. Die Zusammenarbeit mit Moormann war wunderbar. Sie haben mir Bilder geschickt und ich habe gesehen dass es im Grunde der selbe Stuhl ist. Es wurden zwar kleine Veränderungen vorgenommen aber im Prinzip war der Geist der gleiche. Und ich wurde die ganze Zeit auf dem Laufenden gehalten. Sie haben nicht einfach die Idee genommen und damit gemacht was sie wollen ohne mich zu fragen. Sie haben viel gemacht aber mich dabei immer informiert und konsultiert, sodass ich den Prozess begleiten konnte.

(smow)blog: Jetzt ist er nun auf dem Markt. Ist das Projekt damit für dich abgeschlossen und du wartest nur noch auf die Schecks? Oder denkst du noch darüber nach und verfolgst die Entwicklung?

Harry Thaler: Das schöne am Design ist, dass ich den Stuhl vielleicht in einem Café hier in London sehe oder bei jemandem zuhause, also irgendwo wo er ein eigenes Leben hat. Wenn sich die Leute am Stuhl erfreuen und ihn wirklich benutzen, dann macht mich das glücklich. Aber ich möchte das Konzept natürlich auch weiterentwickeln in andere Objekte wie einen Tisch oder einen Hocker.

Harry Thaler Pressed Chair Nils Holger Moormann

Pressed Chair von Harry Thaler für Nils Holger Moormann

Harry Thaler Pressed Chair Nils Holger Moormann

Der Moormannstand in Mailand ist ganz dem neuen Stern am Moormannhimmel gewidmet. Eine schöne Mischung aus biblischer Allegorie und Hollywood-Glanz (unserer Meinung nach).

Gepostet inDesign, Hersteller, Interview, Milan Design Week, Moormann, Veranstaltungen und Messen Getagged mit:, , ,

Februar 27th, 2012 nach smow

Bei der Summaery-Ausstellung im Juli 2011 fragten wir Professor Bernd Rudolf, Dekan der Fakultät Architektur an der Bauhaus Uni Weimar, nach der Motivation heutiger Architekturstudenten. “Es ist immer noch so”, antwortete er scherzhaft, “dass sie alle dazu beitragen wollen, die Welt ein bisschen besser zu machen. Das bleibt nach wie vor der Hauptgrund für ein Architekturstudium…” Und Designer? Können Designer die Welt zu einem besseren Ort machen? Wollen sie das überhaupt? Oder was ist ihre Motivation?

“Warum gestalten?” war die Frage beim Design-Symposium an der HFBK Hamburg. Der Versuch darauf eine oder gerne auch mehrere Antworten zu finden, war in diesem Fall die Motivation. Dafür luden sechs Professoren des Instituts für Design an der HFBK je einen Design-Experten ein, der seine Ansichten zum Thema Design vorstellen sollte. Das hochkarätige Line-up umfasste Andrej Kupetz, Axel Kufus, Jaime Hayon, Nienke Klunder, Christoph Schäfer, Andreas Brandolini und Peter Kubelka.

(Kleine Anmerkung der Redaktion: Da die Veranstaltung etwas – oder besser: ganz schön – überzogen wurde und wir Mühe hatte unseren Zug nach Berlin noch zu erwischen, haben wir Peter Kubelka verpasst. Seine Erkenntnisse zum Thema sind hier also leider nicht enthalten.)

Warum Gestalten HFBK Hamburg

HFBK Hamburg

Los ging es mit dem Hauptgeschäftsführer des Rates für Formgebung, Andrej Kupetz. In unseren Augen ein guter Auftakt, da er als “nicht praktizierender Designer” nicht über seine eigene Motivation sprach, sondern über Design in einem weiteren Sinne – z.B. darüber, wo Design zu Veränderungen führen kann.

“Warum gestalten?” legte Kupetz also eher im Sinne von  “Was bringt Design?” als “Aus den und den Gründen mache ich was mit Design.” aus.

Ein großer Teil seines Vortrags drehte sich dann um Materialien in verschiedenen Zusammenhängen und insbesondere darum, was er als den (alten) Traum des Designers bezeichnete: eine “Weightless World”. Das meint eine Dematerialisierung, eine Produktherstellung, die weniger Rohstoffe erfordert. Die “Weightless World” ist für Designer das Synonym für eine bessere, nachhaltigere Welt und meint auch das  Bild eines Designers, der dabei hilft globale Probleme zu lösen. Das ist definitiv eine mögliche Antwort auf die Frage nach dem “Warum?”.

Dieser Traum wird laut Andrej Kupetz jedoch unerfüllt bleiben; und das liegt im Wesentlichen an der Industrie. Die Industrie nämlich, so erklärt es Kupetz, macht das meiste Geld durch Produktdifferenzierung, sei es hinsichtlich der Oberflächen, Farben oder Materialien. Das behindere Innovation und originelles Design, die nicht zu den erwünschten Gewinne führen würden.

Diese Sicht passt sehr gut zu dem, was uns ein Bereichsleiter eines führenden Herstellers von Designermöbeln erzählt hat: Er war bei der IMM Cologne 2012 entsetzt darüber, wie wenig wirklich neue Produkte es gab und wie viele Hersteller ihre bekannten Produkte nur hinsichtlich des Stoffes oder der Farben weiterentwickelt hatten. Was wiederum die Frage aufwirft, wer eigentlich entscheidet, was hergestellt wird und was nicht. Wer entscheidet, welche Designs umgesetzt werden? Dieses Thema domininierte fast alle Vorträge.

Für Andrej Kupetz wird Design vom Marketing gesteuert. Die Rolle des Designers besteht nur darin, dem Kunden dabei zu helfen, die Kluft zwischen Gruppenzugehörigkeit und Individualität zu überbrücken. In diesem Sinne brachte Christoph Schärer das Konzept der “Royal Participation” zur Sprache, wonach Individuen weisgemacht wird, sie wirkten auf den Prozess ein. In Wahrheit aber sind sie nichts als  Schachfiguren auf einem lebensgroßen Spielfeld und halten – unschuldig wie sie sind – gerade einmal als Werkzeug zur Gewinnsteigerung her.

Jaime Hayon sprach leidenschaftlich über seine Verachtung gegenüber der Marktforschung im Produktdesign. Das Festlegen der “Wünsche der Konsumenten” trübe den Blick der Hersteller, ersticke neue Ideen schon im Keim und schaffe vor allem Unsicherheit.

Das würde bedeuten, dass die meisten Designer kaum mehr tun, als das zu entwerfen, was ihnen die Marketingabteilungen vorschreiben. Das könnte einen dazu bringen die Designer zu fragen: Warum gestalten? Könnte… Denn waren die versammelten Designer nicht einstimmig der Meinung, dass die Hauptbeschäftigung oder, wenn man so will, die Aufgabe eines Designers das Experimentieren sei? Kommerzielle Produkte sind ein durchaus wünschenswertes Ergebnis von Experimenten, aber keineswegs die Daseinsberechtigung des Experimentierens schlechthin.

Axel Kufus sprach beispielsweise vom Workshop als Labor und von Produkten als Ergebnis von Prozessen. Sein ehemaliger Kumpane Andreas Brandolini erinnerte daran, wie im Bellefast-Workshop Produkte für den Verkauf produziert wurden, allein um an Geld fürs Experimentieren zu kommen. Die Produkte selbst hatten für die Designer kaum oder gar keine Bedeutung.

Andrej Kupetz illustrierte das Prinzip der “Weightless World” anhand des Pressed Chairs von Harry Thaler für Moormanneinem kommerziellen Produkt, das das Resultat der Experimente von Fanatikern ist, deren einzige Motivation es war, zu sehen, ob es möglich ist. Das schafft wiederum eine Verbindung zu Axel Kufus’ Ansicht, dass Designer viel mehr Prozesse als Produkte schaffen.

Warum Gestalten HFBK Hamburg

Jaime Hayon, Nienke Klunder und Julia Lohmann bei "Warum Gestalten?", HFBK Hamburg

Alles in Allem kamen wir uns ein wenig so vor als wären wir in einer Art Penrose-Dreieck gefangen: Die Industrie braucht Design, um Gewinne zu erzielen. Designer können die Lösungen bringen, was sie auch tun, um ihre Experimente finanzieren zu können. Die Gesellschaft braucht Design, um Probleme bewältigen zu können. Designer können die Lösungen bringen, da sie experimentieren; eine Arbeit, für die sie zwar oft nicht direkt bezahlt werden, die sie aber als ihre Hauptaufgabe betrachten. Im Gegensatz zur Gesellschaft, die Designer als Erzeuger kommerzieller Produkte sieht; Produkte, die wiederum der Industrie Gewinne bringen.

Natürlich kam es uns während dieses Nachmittags einige Male in den Sinn, dass, wenn weniger Geld in die Herstellung übermäßig vieler neuer Stühle, Tische und Leuchten investiert werden würde, nur um einen schon jetzt übersättigten Markt zu überschwemmen, mehr Designer fürs Experimentieren bezahlt werden könnten. Das könnte nicht nur der Gesellschaft helfen, sondern auch wirklich innovative neue Stühle, Tische und Leuchten hervorbringen, die mehr bewirken könnten, als nur zusätzlichen Müll zu produzieren.

Doch dann haben wir realisiert, wie dumm das wäre. Worüber würden denn dann die ganzen Designblogs und Hochglanzmagazine schreiben? Und Designer. Warum brauchen Designer Design? Design mag für sie Experimentieren sein. Doch was ist ihre Motivation, ihr Antrieb?

Damit wären wir wieder bei Professor Rudolf und der Frage: Werden Designer ebenso wie Architekten von dem Wunsch angetrieben, die Welt zu verändern, zu verbessern? Jesko Fezer sah seinem Gast Andreas Brandolini geradewegs in die Augen und fragte: “Warum gestalten?”. “Weil es Spaß macht!”, antwortete Brandolini. “Ich bin nicht glücklich, wenn ich nichts zu tun habe!” Lauter Applaus von den versammelten Designstudenten und professionellen Designern…

Gepostet inDesign, Moormann Getagged mit:, , , , , ,

Februar 15th, 2012 nach smow

Auf der Qubique in Berlin sprachen wir mit Nils Holger Moormann darüber, wie viele Tage wir nach dem Bookinist Cup im Bett verbracht haben – der Durchschnitt lag unter allen Teilnehmern ungefähr bei drei Tagen. Ganz nebenbei erwähnte Herr Moormann, dass er aktuell an der Umgestaltung eines Autos arbeitete. Damals konnte er leider noch nicht mehr verraten; im Dezember war es dann aber so weit und das fertige Projekt wurde in Bilbao bei der Markteinführung des neuen Renault Twingos der gespannten Öffentlichkeit – wozu insbesondere wir uns zählten – präsentiert.

Inspiriert vom wagon-lit, was die französische Bezeichnung für Schlafwagen ist, kreierte Nils Holger Moormann den Wagon-Lire – einen Lese-Wagen. Und nicht nur der Name, sondern auch das Design beschwören die Romantik des goldenen Zeitalters herauf, in dem man noch mit luxuriösen Dampfloks gereist ist, und übertragen diese romantischen Reisevorstellungen auf unsere moderne, so sehr auf Funktionalität ausgerichtete Welt der Autoreisen.

Indem er das Heck des Twingos mit einem angepassten FNP Regalsystem, einem Klapptisch und sogar einem kleinen Kamin ausgestattet hat, hat Nils Holger Moormann ein Auto geschaffen, das schon fast auf Stau hoffen lässt. Der mit allen notwendigen Utensilien für ein schönes Tässchen Tee am Straßenrand bestückte Kofferraum versüßt garantiert jeden Stopp.

Neben den ganzen spielerischen Elementen kann der Wagon-Lire aber vor allem auch durch technische Raffinesse punkten. So verfügt er über einen einfachen, aber genialen Mechanismus, der die vordere Sitzbank umklappen und sowohl nach vorne als auch hinten ausrichten lässt. Spätestens solch ein Detail zeigt, dass der Wagon-Lire von einem Designer mit einem überaus professionellen Blick fürs Detail entworfen wurde.

Renault konnte uns leider noch nicht bestätigen, wann der Twingo Wagon-Lire auf den Markt kommt, aber wir werden euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten.

Für alle, die noch nicht so ganz verstanden haben, worüber wir hier eigentlich reden, gibt es einen kurzen Werbespot:

Nils Holger Moormann: Wagon-Lire

Gepostet inDesign, Hersteller, Moormann Getagged mit:, ,

Februar 6th, 2012 nach smow

Vor einigen Jahren saßen wir eines Freitagabends in der Küche der Berge von Moormann in Aschau im Chiemgau als Nils Holger Moormann freudestrahlend hereinkam.

Er kam gerade mit einem “Deutschen Designpreis” in Gold fürs Berge in der Tasche von der Designpreisverleihung zurück und schwärmte nun davon, dass der Gewinn des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland im Vergleich zu anderen Designpreisen so ist, als würde man olympisches Gold gewinnen.

Vielleicht hat er ihn auch nicht wirklich mit den Olympischen Spielen verglichen – unsere Erinnerung daran kann auch etwas verschwommen sein -, doch es bedeutete auf jeden Fall ein großes Lob. Und er strahlte bis über beide Ohren.Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 20121969 ins Leben gerufen, ist der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland der offizielle nationale Designpreis des Landes und wurde bisher im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie vom Rat für Formgebung verwaltet und organisiert. Ab 2012 soll DMY Berlin diese Aufgaben übernehmen – offenbar eine recht umstrittene Entscheidung.

Bei der ersten Pressekonferenz hat Hans-Joachim Otto, der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, mehrfach betont, dass die Entscheidung DMY mit dem Wettbewerb zu betrauen, keinesfalls eine Beleidigung gegenüber dem Rat für Formgebung darstellen solle. Das tat er mit einer Bestimmtheit und unmissverständlichen “hör ganz genau zu”-Deutlichkeit, die darauf schließen ließ, dass sich jemand gewaltig vor den Kopf gestoßen gefühlt hat.

Ob sich der Rat für Formgebung tatsächlich beleidigt fühlt, kann man vielleicht am besten daran sehen, dass sie ihren eigenen Wettbewerb ins Leben gerufen haben: den German Design Award. Oder wie wir solche Entscheidungen verstehen: “Wenn wir kein Stürmer sein können, nehmen wir unseren Ball eben mit nach Hause und spielen alleine”.

Soweit wir das beurteilen können, ist es nicht gerechtfertigt, dass der Rat für Formgebung seinen eigenen Wettbewerb startet. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das zu Missmut führt und eine klar definierte Einordnung der derzeitigen Designqualität in Deutschland im Rest der Welt verhindert, woran der Rat für Formgebung rein theoretisch ebenfalls interessiert sein sollte.

german design award 2012

German Design Award 2012: Nicht zu verwechseln mit dem Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2012

Und nicht nur der Rat für Formgebung scheint durch die Entscheidung verstimmt zu sein. Ein Kollege wirkte auf der Pressekonferenz sehr sehr verärgert darüber, dass der Rat für Formgebung nicht länger die Organisation innehat. Sofern wir das richtig verstanden haben, lag das wohl daran, dass er Angst hatte, der Wettbewerb könnte zu kommerziell werden und irgendwie seine bisherige Reinheit verlieren.

Ohne die Kompetenz unseres Kollegen in Sachen deutsches Design offen anzweifeln zu wollen – denn wir fürchten, das könnte damit enden, dass wir winselnd und mit eingezogenen Schwänzen in den Wald flüchten -, so sollte er vielleicht mal einen Blick auf die Teilnahmebedingungen des Wettbewerbs werfen, als er noch vom Rat für Formgebung organisiert wurde und sich dann fragen, wieso der Rat für Formgebung sich dazu gezwungen fühlte, seinen eigenen Wettbewerb ins Leben zu rufen? Mal abgesehen von Neid und verletztem Stolz… Außerdem sollte er etwas kritischer beäugen, wie der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland in letzter Zeit unter der Leitung des Rates für Formgebung vergeben wurde. Das hat das Wirtschaftsministerium auf jeden Fall getan…

Beim Versuch das Konzept des Rates neu auszurichten, ließ der Parlamentarische Staatssekretär auch verlauten, dass das Ministerium der Ansicht war, dass das Abhalten der Preisverleihungszeremonie während der Ambiente nicht die erforderliche Resonanz gebracht hat.

So sieht’s aus.

Nichts gegen die Frankfurter Messe, aber die Ambiente ist einfach keine Designmesse, sondern eine Messe für Wohnaccessoires und Geschenke. Am meisten mit Design zu tun, haben dort wahrscheinlich die Tapeten – mit Grafikdesign…

Der in Frankfurt ansässige Rat für Formgebung scheint oft nicht in der Lage über die Ufer des Mains hinauszudenken. Beispielsweise besteht der Stiftungsrat für das neue Deutsche Design Museum, das eigentlich für Berlin geplant ist, ausschließlich aus Frankfurtern. Das liegt vermutlich daran, dass der Rat für Formgebung keine kompetenten Leute kennt, die in Berlin wohnen.

Hätten sie von einem Designfestival in Berlin gewusst, hätten sie die Kooperation vermutlich früher begonnen und ihre Preisverleihung und -ausstellung zumindest parallel zum oder direkt beim DMY Festival veranstaltet. Das hätte auf jeden Fall ein größeres Medienecho hervorgerufen als die Teller, Handtuchhalter und Maniküreprodukte der Ambiente.

Was die Medienwirksamkeit betrifft, braucht man nur einmal den Umfang unserer Berichterstattung hier betrachten und dann googeln, wer noch darüber berichtet…

messe frankfurt messeturm

Der Messeturm auf der Frankfurt Messe beherbert seit Januar 2012 das Hauptquartier von... man kann es sich wahrscheinlich denken (Foto: Messe Frankfurt Exhibition GmbH / Helmut Stettin )

Wir vermuten mal, dass die Verehrung alles Hessischen durch den Rat für Formgebung mit ein Grund dafür war, wieso der Vertrag DMY zugesprochen wurde. Wenn das tatsächlich der Fall ist, können sie sich nur selbst die Schuld in die Schuhe schieben. Wir jedenfalls begrüßen die Entscheidung, DMY Berlin mit der Organisation des Wettbewerbs betraut zu haben.

Bei der Pressekonferenz hörten wir die Bezeichnung “Generationswechsel”, die wir überaus passend finden. Viele Menschen haben Angst vor Generationswechseln, doch sie sind wichtig, wenn eine Organisation, ein Event oder eine Beziehung sich entwickeln und zukünftige Herausforderungen meistern muss.

Wenn man so oft mit jungen und alten, etablierten und weniger etablierten deutschen Designern spricht wie wir, hört man oft die Kritik, dass die bestehenden Designinstitutionen Deutschlands sich zu sehr auf die “gute Form” konzentrieren und noch immer in einer Welt agieren, in der Dieter Rams bestimmt, was deutsches Design überhaupt ist. Außerdem verbringen sie viel Zeit damit, Designern zu sagen, was sie tun sollten, anstatt ihnen dabei zu helfen, das zu fördern, was sie eigentlich tun. Das liegt im Wesentlichen daran, dass die Organisation von einer Generation dominiert wird, die aus einer Zeit stammt, in der die Dinge noch so liefen. Das ist gut so. Doch heute ist das eben nicht mehr so. Und auch das ist gut so.

Mit DMY als Organisator des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland wird der Wettbewerb wahrscheinlich nicht nur moderner, sondern auch demokratischer und offener gestaltet werden – vor allem durch den All-Inclusive-Preis von 350 Euro. Durch diese relativ geringe Gebühr wird es viel mehr kleineren Firmen und Designstudios möglich sein sich zu bewerben als bei den vielen anderen Designpreisen, bei denen Designer oft tausende Euro für den Gewinn zahlen müssen.

(Eine kurze Anmerkung für alle, die das nicht wissen: Einen Designwettbewerb zu gewinnen ist sehr teuer. Es gibt beispielsweise einen Wettbewerb, bei dem die Sieger eine “Gewinngebühr” in Höhe von 2800 Euro zusätzlich zu obligatorischen Kosten für Katalogeinträge bezahlen müssen – und natürlich die Teilnahmegebühr. Das stellt natürlich für jeden, der nur über ein eingeschränktes Budget verfügt, eine große Hürde dar.)

Es ist natürlich auch möglich, dass DMY Berlin den Wettbewerb verbockt und das Ganze in einem Disaster endet. Dieses Risiko besteht immer, wenn man den Partner wechselt. Das werden wir aber erst Mitte Mai wissen, wenn Details darüber bekannt gegeben werden, wie viele Anmeldungen eingegangen sind, von wem und aus welchen Disziplinen.

Doch wenn man sich das vom DMY entwickelte Konzept mal ansieht und es sowohl mit dem, was vorher war, vergleicht als auch mit all den anderen Designpreisen in Deutschland, so sehen wir eine reale Chance den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland wiederzubeleben und dem deutschen Design sowie den deutschen Designern dabei zu helfen, sich besser auf dem Weltmarkt zu präsentieren.

Wir schlagen vor, der Rat für Formgebung lässt den Ball einfach da liegen, wo er ist, und akzeptiert seine Postion am Flügel…

Gepostet inDesignpreis der Bundesrepublik Deutschland, DMY Berlin, Moormann, smow, Wettbewerbe Getagged mit:, ,

weltmöbeltag 2012
Januar 20th, 2012 nach smow

Es war vielleicht nicht ganz richtig, als wir sagten, es gäbe bei der IMM Cologne keine Möbel von Moormann. Einen tapferen, kleinen Vertreter konnten wir nämlich finden: den Strammen Max.

Allerdings fungierte er hier einmal nicht als Vertreter seines Designers oder Herstellers, er stand vielmehr stellvertretend als globaler Botschafter einer Idee, die so genial, so unfassbar einfach und notwendig ist, dass wir mehr als nur ein wenig neidisch sind, dass wir selbst nicht darauf gekommen sind: die Idee des Weltmöbeltages.

Die Veranstalter des Weltmöbeltags versuchen mithilfe zahlreicher Events am Sonntag, den 22. Januar, Spaß und Möbel wieder zusammenzubringen und unsere Bindung zu unseren Möbeln zu stärken.

Denn obwohl sich derzeit tausende “Trendsucher” ihren Weg durch die IMM Cologne bahnen, um nach irgendwas zu suchen, das sie als den Trend im Herbst 2012 abstempeln können, geht es bei Möbeln genau genommen ja weniger um Trends und ständig neue Kollektionen. Manche Teile der Möbelindustrie wollen uns das aber glauben machen. Sie versuchen uns davon zu überzeugen, dass Möbel lediglich saisonal rotierende Modeobjekte sind, auf denen man sitzen kann. Und das nur, um ihren Profit zu erhöhen. Diese Leute sind Scharlatane.

Möbel sind eine lebenslange Verpflichtung und nichts für ein nettes Wochenende, das nur darauf wartet durch etwas Frischeres abgelöst zu werden.

Die beiden Highlights des ersten Weltmöbeltages sind der Chair Slam in Berlin und der Möbelflashmob in Köln. Bei ersterem soll der Besucher seinen eigenen Stuhl mitbringen und das Publikum davon überzeugen, wieso gerade sein Stuhl der beste ist. Beim Flashmob sollen alle ein Möbelstück mit ins Kölner Stadtzentrum bringen und damit neben dem Dom ein “Freiluft-Wohnzimmer” gestalten. Einfach genial!

Und natürlich sind alle dazu angehalten, ihr eigenes, lokales Event zu organisieren und den Weltmöbeltag so zu feiern, wie man es gerne möchte. Und wenn nicht in diesem Jahr, dann eben im nächsten.

Denn natürlich wird eine Idee wie die des Weltmöbeltages eine alljährliche Wiederholung finden und immer wieder aufs neue das ehren, was an Möbeln gut, lustig und persönlich ist. Oder um es kürzer auszudrücken: Der Weltmöbeltag 2013 ist bereits in Planung.

Mehr Details und Hintergrundinfos zum Weltmöbeltag 2012 gibt’s unter http://www.weltmoebeltag.de.

weltmöbeltag 2012

Weltmöbeltag 2012 Botschafter Strammer Max im IMM Cologne Presseraum

Gepostet inDesign, Hersteller, Moormann Getagged mit:, , ,

Januar 9th, 2012 nach Anne-Christin

Obwohl als Firmenfeier angedacht, bei der Moormann seinen Partnern, Händlern, Designern usw. für die gute Zusammenarbeit im vergangenen Jahr danken wollte, war die Die Hölle von Aschau viel mehr so etwas wie ein Familienfest und die Stimmung so warm wie ofenfrischer Apfelstrudel.

Und das trotz Schneeregen und Wind!

Diese Wärme offenbarte sich dem Zuschauer besonders als sich Nils Holger Moormann höchstpersönlich auf die Piste schwang und das Fotografenaufgebot umgehend auf ein Level anstieg, das man eher von Auftritten von George Clooney oder Brad Pitt gewohnt ist.

Das war wirklich ergreifend.

In einer Woche oder so werden wir in Köln bei der IMM sein, in einer Welt also, wo harte Geschäfte auf den Bezügen von Ledersofas fragwürdiger Qualität von unangemessen selbstüberzeugten Außendienstmitarbeitern ausgehandelt werden. In diesem Jahr mit Tablets, selbstverständlich.

Der Bookinist Cup hat uns daran erinnert, dass es so aber nicht laufen muss.

Wenn wir einmal schätzen, was der Spaß wohl gekostet hat, sind wir uns ziemlich sicher, dass das Geld, das Moorman in Die Hölle von Aschau investiert hat, gut und gerne auch für einen schönen Stand auf einer Messe gereicht hätte.

Aber wir kennen Nils Holger und seine fröhliche Schar von Moormännern gut genug, um zu wissen, dass die Wahl zwischen einer Messe und einem Rennen mit einem ihrer Möbelstücke immer auf das Rennen fallen würde.

So etwas ist nur in einer Welt möglich, in der Qualität mehr als Profit zählt – auch wenn Profit unweigerlich zu den notwendigen Dingen im Geschäft gehört; in einer Welt, in der Qualität entsteht, wenn man eine Sache mit Leidenschaft verfolgt, wenn das, was man tut, mehr als bloße Arbeit ist und wenn das einen glücklich macht.

Weil uns also Die Hölle von Aschau so nachhaltig daran erinnert, dass die Designermöbelindustrie etwas ist, das von Zeit zu Zeit wahrhaft froh stimmen kann, erhält das Rennen ganz klar einen Platz auf unserer Highlights-2011-Liste.

Für alle, die nicht dabei gewesen sind, gibt es hier den offiziellen Film vom Rennen.

 

Gepostet inDesign, Hersteller, Moormann Getagged mit:, , ,

Dezember 21st, 2011 nach smow

Abseits der Rennstrecke war ein wahres Highlight der “Hölle von Aschau” der Concours d’Élégance.

Vor dem Event hatte Moormann seinen Kunden, Partnern und Freunden Bastelsets zum Nachbau von Miniatur-Bookinisten geschickt, die “gepimpt”  zum Wettbewerb “Concours d’Élégance” eingereicht werden konnten. Sie hatten wahrscheinlich nicht erwartet, dass es so viele Einsendungen geben würde. So war die Moormann-Jury nicht nur von der hohen Resonanz beeindruckt, sondern auch von der sehr hohen Qualität der Einsendungen.

Vom Lebkuchen-Bookinisten übers Papamobil bis hin zum unsäglich plumpen und doch coolen “Bookimist” von Jehs + Laub – die Fantasie und das künstlerische Talent der Moormann-Familie scheint grenzenlos.

Es war wirklich die reinste Freude. Und die gesamte Galerie gibt’s hier.

Die Hölle von Aschau 2011 Concours d'Élégance

Die Hölle von Aschau 2011: Concours d'Élégance

Ein Bastelset landete auch im (smow)Hauptquartier.

Doch wären wir nicht (smow), wenn wir blind den Regeln folgen würden. Auch wenn die Regeln von Nils Holger Moormann persönlich stammen. Und so individualisierte auch (smow) einen Bookinisten – allerdings im Maßstab 1:1.

In den Tälern Südsachsens von ortsansässigen Handwerkern mithilfe traditioneller Herstellungsverfahren gefertigt und ganz im Gegensatz zu Moormanns Ozonschicht zerstörenden und offen gesagt total veralteten Dieselmotoren mit einem umweltfreundlichen Elektromotor ausgestattet, wurde der (smow)Bookinist…

…sofort vom Rennen disqualifiziert! Und das obwohl er mit echten Büchern bestückt war und nicht nur mit Aufklebern wie die anderen Renn-Bookinisten!

Doch nach mehrfachem Bitten und Flehen zeigte sich die Jury gnädig und entschied sich für die Einrichtung einer Extra-Kategorie für außergewöhnliche Beispiele ostdeutscher Ingenieurskunst und das (smow)Team durfte endlich in die Boxengasse, um sich für die Schlacht zu rüsten.

Als die Zeit dann kam, zeigte sich auf der engen Strecke von Aschau der unschätzbare Wert der vielen Trainingsstunden. Unter dem Jubel von Tausenden Zuschauern schaffte der (smow)Pilot die Strecke mit seinem Mobil in der beachtlichen Zeit von 1:17.65. Das wäre in einer gerechten Welt immerhin der 8. Platz gewesen.

Und als sich die übrigen Teilnehmer die Nacht um die Ohren schlugen, war das (smow)Racingteam noch immer auf den Beinen und übte auf den regennassen Pflastersteinen Aschaus.

Wie sollte es auch anders sein?

Die Hölle von Aschau 2011 smow bookinist

Die Hölle von Aschau 2011: Der (smow) Bookinist nimmt Gestalt an.

Die Hölle von Aschau 2011 smow bookinist test

Noch eine Testrunde auf dem Moormann-Parkplatz ....

Die Hölle von Aschau 2011 smow bookinist race

...und dann auf die Rennstrecke um den Bookinist Cup 2011.

Die Hölle von Aschau 2011 smow bookinist meat

Als die anderen das Essen mit allen Beteiligten am Rennen voll auskosteten...

Die Hölle von Aschau 2011 smow bookinist night

...raste (smow) noch immer durch die Nacht.

Gepostet inDesign, Hersteller, Moormann, smow Getagged mit:, , ,

November 11th, 2011 nach smow

Vom Yeti oder vom Monster von Loch Ness gibt es ja Beweise in Form von Fotos, die zumindest die mögliche Existenz dieser Kreaturen belegen. Von einem anderen Fabelwesen hingegen, das ungefähr doppelt so scheu und achtmal so behaart ist,  gab es bis jetzt kein einziges Foto.

Mit seinen ca. 60 Jahren Erfahrung und einem natürlichen Misstrauen Kameras gegenüber kann der (smow)Blog-Fotograf nämlich aus einem Kilometer Entfernung hören, wenn ein Objektivdeckel entfernt wird.

Bis jetzt. In der Hölle Von Aschau, schaffte der Siebenschläfer-Designer Christoffer Martens aber das Unmögliche.

Christoffer scheint hinter der Kamera ähnlich talentiert wie am CNC-Cutter, deshalb haben wir gnädigerweise beschlossen, sein Foto hier zu veröffentlichen.

Es sollte sich aber niemand wundern, wenn unser kauziger alter Kollege es im Gegenzug schafft, ein Foto des Prototyps zu machen, den Christoffer gerade in einer Hochsicherheits-Black-Box auf der Qubique präsentiert…..

hölle von aschau smow christoffer martens

Gepostet inDesign, Hersteller, Moormann Getagged mit:, ,

Die Hölle von Aschau Nils Holger Moormann
November 10th, 2011 nach smow

Vierundzwanzig Stunden bevor Sebastian Vettel in Japan seinen zweiten Formel 1-Titel besiegelte, sicherten sich Markus Jehs und Jürgen Laub den Sieg bei einem Motorsportevent, dessen Niveau um einiges höher anzusiedeln ist als das der Formel 1 und auf das Vettel selbst hofft eines Tages aufzusteigen, wenn er etwas besser fahren kann: dem Bookinist Cup.

Für viele ist der Bookinist nur ein Sessel, in dem man von seiner Lieblingsliteratur umgeben sitzen und lesen kann. Hierbei handelt es sich jedoch nur um eine fiese Marketing-Verschleierungstaktik.

Allein der Stil, in dem Nils Holger Moorman seinen Streitwagen 2008 erstmals in Mailand präsentierte verriet seine wahren Absichten.

Aber die Redakteure der Hochglanzmagazine und die Praktikanten hinter den oberflächlichen Designblogs waren – wie bei so vielen Werken Moormanns – einfach nicht in der Lage, die wahre Größe dieser Kreation zu verstehen. Und so war das Unternehmen gezwungen, das Marketing etwas zu mäßigen und den Bookinist als ein familienfreundliches Produkt zu vertreiben; also als etwas, das auch die Oma benutzen könnte.

Insider und Adrenalinjunkies wissen es aber besser. Die Hartgesotteneren unter ihnen nahmen Nils Holger Moormanns Herausforderung zum Kampf an.

Die Hölle von Aschau Nils Holger Moormann

Der Herausforderer: Nils Holger Moormann

Beim Bookinist Cup 2011 versammelten sich zwanzig internationale Teams in Aschau unter dem Uhrenturm gegenüber der Festhalle zum Kampf – miteinander und mit dem wahrscheinlich abwegigsten und gnadenlosesten Transportvehikel seit Erfindung des Esels.

Obwohl uns der erste Schnees des Winters von den Gipfeln der Chiemgauer Alpen verhöhnte und dunkle Wolken noch Schlimmeres erahnen ließen, meinte Petrus es gut mit den Wettkämpfern und es blieb fast während des ganzen Rennens freundlich.

Die trockene Fahrbahn nützte dem ersten Team aber leider nichts. Das “Tuktuk-Racing” Team zerstörte in einem dramatischen Auftakt den Bookinist – mangelhafte Fahrkünste, die zu einer unliebsamen Begegnung mit den Strohballen und zur Abtrennung des Vorderrads vom Fahrgestell führten.

Glücklicherweise hatte das Moormann-Designteam nicht nur zwei Bookinisten für das Rennen präpariert, sie können sogar auch schweißen. Sogar schnell. Und so konnte der Wettbewerb nach einer kurzen Safety-Car-Phase ungehindert fortgesetzt werden.

Nach Robert Widmann & David Fencher, Bibs Hosak-Robb & David Robb und Gabriele & Matthias von Schweinitz, betrat Nils Holger Moormann höchstselbst die Arena. Falls Euphorie jemals Grenzen gekannt hat, so hat sie an jenem kalten Nachmittag in Südbayern neue Sphären erreicht.

Moormann fuhr seinen persönlichen Bookinist, ein Vehikel, das er tatsächlich dazu benutzt, jeden Tag zur Arbeit zu fahren. Moormanns Leistung war leider weniger triumphierend als sein Empfang an der Startlinie:  Seine Maschine lief nicht optimal, was womöglich daran lag, dass der falsche Kraftstoff getankt wurde. Das war vom Streckenrand aus schwer zu sagen.

Nachdem der Herausforderer geschlagen war, oblag es den übrigen Teilnehmern um die Krone zu kämpfen. Erika und André Küchler machten der Schweiz alle Ehre, wärend Saskia Kaptein & Just Haasnoot viele der Vorurteile niederländischen Fahrern gegenüber  erfolgreich widerlegten. Doch letztlich konnte niemand sich mit der Geschicklichkeit, der Anmut und den stählernen Nerven des Stuttgarter Designstudios Jehs und Laub messen.

Der Bookinist war niemals eine Bestie, die gezähmt werden musste. Es gibt kein Buch über den “Bookinist-Flüsterer” und wir können uns auch nicht vorstellen, das es so was jemals geben wird. Und doch gebührt all jenen Respekt, die der Hölle von Aschau entronnen sind, um ihre Geschichte zu erzählen. Wir ziehen den Hut vor euch!

Und ja, das Team (smow) war auch da… aber das ist eine andere Geschichte für einen anderen Tag.

Der Vollständigkeit halber gibt es eine Liste aller Teams und Zeiten unter: www.die-hoelle-von-aschau.de

Hier die vier Gewinner:

Schnellstes Team: Stuttgarter Höllenhunde (Markus Jehs & Jürgen Laub)

Bester Stunt: Die Molitomähns (Frank Leukers & Jürgen Kupfer)

Eleganteste Performance: Vatikan Racing – Der eilige Stuhl (Klaus Wolter & Mark Bruckmann)

Meiste Kontakte mit den Strohballen: Ratz-Fatz-Team (Alex Seifried & Stephan Scholl)

 

 

Gepostet inDesign, Hersteller, Moormann, Wettbewerbe Getagged mit:, , , ,

Oktober 18th, 2011 nach smow

Als wir uns in einem Kühlhaus in Wien Ljod von Copa anschauten, haben wir irgendwie geahnt, dass das eine Art Training für den näherrückenden Winter sein würde.

Wir hätten nur nicht gedacht, dass der Winter sooo schnell kommen würde.

Keine 72 Stunden später standen wir auf dem Bahnhof in Prien in Chiemgau. Außentemperatur 4 Grad. Bei Ankunft in Aschau rieselte dann der erste Schnee auf die Spitzen der Chiemgauer Alpen. Und wir mussten ernsthaft in Erwägung ziehen, auf lange Hosen umzusteigen.

kampenwand Chiemgauer Alpen Aschau

Der erste Schnee dieses Winters auf der Kampenwand in Aschau

Als wir in unserer Unterkunft ankamen, fragte uns die Wirtin, was uns denn ins tiefste Bayern verschlagen hätte. “Wir fotografieren Möbel” war unsere halb-gelogene Antwort.

“Ah, bei Moormann” sagte sie.

Es gibt auch noch andere Möbelhersteller in Aschau; aber es war irgendwie beruhigend zu hören, dass es in den Augen der Einheimischen nur  die Produkte von Nils Holger Moormann wert sind, durch halb Europa zu reisen um sie zu fotografieren.

Um ehrlich zu sein, wollten wir ja nur ein einziges Möbelstück von Moormann fotografieren. Und zwar nicht in einem normalen Kontext. Aber der Wirtin das zu erklären, hätte den Rahmen gesprengt… (Und das nicht nur wegen unseres Gehirngefrierbrandes).

Der ausführliche Bericht wird hier erscheinen, sobald wir die Fotos und Videos organisiert und unsere Hände wieder aufgewärmt haben. Zunächst erst einmal ein Bild des Bookinist von Moormann in einer wunderbaren Lebkuchenausführung vom Team Neue Werkstätten, München.

So, hoffentlich waren das jetzt nicht schon zu viele Hinweise…

 

Gepostet inDesign, Hersteller, Moormann Getagged mit:, ,

September 28th, 2011 nach smow
Nils Holger Moormann NHM

Nils Holger Moormann

Auf der Fuori Salone Milano 2011 haben wir Moormann beim Stand-Aufbau geholfen. Dabei mussten wir natürlich die Gelegenheit beim Schopf ergreifen und ein wenig mit Firmengründer und Namensgeber Nils Holger Moormann plaudern.

Mal als Autodidakt, Pionier oder Provokateur bezeichnet, ist Nils Holger Moormann für uns einfach ein angenehmer Zeitgenosse und Garant für kluge und ziemlich eigensinnige Gespräche.

Im Laufe des Interviews haben wir über die neuen Produkte, den aktuellen Stand der Möbelbranche und – in Anbetracht dessen was uns im Oktober erwartet – über Messen gesprochen.

smow: Muss man als Möbelhersteller auf Messen gehen? Lohnt sich insbesondere Mailand?

Nils Holger Moormann: Das ist immer die große Frage. Aber für uns ist Mailand sehr wichtig, weil wir jede Menge Exportgeschäft haben und hier mit Kunden in Kontakt kommen, die wir sonst im Laufe eines Jahres nie treffen würden. Es ist nur problematisch in Mailand einen Platz zu bekommen. Wir haben wieder diesen winzig kleinen Stand hier. Jedes Jahr kämpfen wir um einen größeren Stand – ohne Erfolg…

smow: Haben Sie mal darüber nachgedacht von den Messehallen in die Stadt zu ziehen?

Nils Holger Moormann: Nicht wirklich. Ich finde Mailand hochinteressant, aber es ist inzwischen am Rande des Wahnsinns: So viele Nebenveranstaltungen kann ein normaler Mensch gar nicht schaffen. Da muss man sich eine Woche Urlaub nehmen und selbst dann schafft man es nicht. Wenn wir etwas machen, dann mit großem Einsatz. Jedes Detail ist sehr lange überlegt – auch wenn es sehr einfach aussieht. Alles muss bei uns stimmen. Von daher wäre es tragisch, wenn zu wenig Besucher kommen würden. Hier auf der Messe hat man aber die Garantie dass viele Besucher und vor allem auch die internationale Presse kommen.

smow: Wie viel Nils Holger Moormann steckt eigentlich in so einem Stand?

Nils Holger Moormann: Wir haben jedes Jahr das gleiche Problem: ein Thema zu finden. Möbel herzustellen oder zu verkaufen ist die eine Sache, aber das machen alle anderen ja auch. Deswegen ist es umso wichtiger eine schöne Geschichte zu erzählen, die den Messestand mit dem Unternehmen verbindet. Das schwierigste ist diese Geschichte zu erfinden, denn sie muss ja auch was mit uns zu tun haben und darf nicht nur Show sein. Wir sind in diesem Jahr wieder fest davon ausgegangen dass wir einen mindestens doppelt so großen Messestand bekommen und hatten das Konzept entsprechend geplant. Dann kam die Information, dass es wieder nur der kleine Stand wird. Das war wirklich ein Schock.

Also brauchten wir eine neue Idee, die kam in diesem Fall tatsächlich von mir. Ich war inspiriert davon, dass alle nur noch Neuigkeiten zeigen. Das ist zwar spannend, aber auch idiotisch, denn Möbel brauchen Zeit. Sie müssen ausdefiniert werden und man muss ganz viel darüber nachdenken. Dieses schnell schnell neu machen birgt die Gefahr so zu enden wie die Modebranche mit zwei oder drei oder vier Kollektionen pro Jahr. Das kann es doch nicht sein. Also haben wir uns gedacht, ok wir machen mit. Wir zeigen zwölf Neuigkeiten, aber die meisten davon sieht man nicht, da sie z.B. aus 2028 sind. Ich schaffe unheimlich gern einen Ort mit Humor, an dem man staunen kann und überlegt “Meint der das ernst?”… Das finde ich fast genauso wichtig wie gute Produkte.

Moormann Minimato Matthias Ferwagner

Minimato von Matthias Ferwagner für Nils Holger Moormann

smow: Aber es gibt tatsächlich zwei reale neue Produkte.

Nils Holger Moormann: Ja, oder zumindest anderthalb. Es gibt ein kleines Tischchen namens Minimato. Und sonst konzentrieren wir uns total auf ein für uns äußerst ungewöhnliches Teil. Ich persönlich möchte seit ein paar Jahren wieder mehr Blechmöbel machen. Die Kunden haben das schon wieder vergessen, aber vor 15 Jahren haben wir fast nur Blechmöbel gemacht. Ich finde das Material hochinteressant. Momentan sind wir an dem Pressed Chair von Harry Thaler dran – einem jungen Südtiroler der das am Royal College in London gemacht hat – was mich vollkommen fasziniert. Und es geht der ganzen Firma so – wohlwissend, dass die Fallhöhe gigantisch ist. Da ist so viel technisches Engineering drin, was an die Grenzen geht.

Aber wir wollen das alle und haben ein Netzwerk geschaffen von Verrückten, denn für solch ein Projekt braucht man Verrückte. Es ist kein Auftrag, bei dem man sagen kann “Machen Sie mir bitte diesen Stuhl!” Eher wird gesagt “Das funktioniert nie im Leben, aber wir können ja mal ein Bier zusammen trinken gehen.“ Geld spielt dabei überhaupt keine Rolle. Man trifft sich, trinkt was, trifft sich wieder bis man die Person soweit hat. Und das macht noch viel mehr Spaß, wenn man es auf unkonventionelle Art und Weise angeht, und nicht klassisch Geld in die Hand nimmt, sich einen Hersteller sucht, das Geld zahlt und loslegt. Bei uns ist es vergleichbar mit einer verrückten Bergtour.  Aber sie macht Spaß.

smow: Sind Sie regelmäßig in der Werkstatt?

Nils Holger Moormann: Ununterbrochen! Es geht gar nicht anders. Derjenige, der jetzt daran arbeitet, ist ein Freund von mir mit einer ganz ganz kleinen Firma, aber dafür einem großen Netzwerk von Spezialisten die mit speziellem Wissen aushelfen. Wie mit allen Dingen, die man aus Neugier und Faszination tut, ist es mehr ein Hobby geworden. Da macht man schon mal die ganze Nacht durch ohne es zu merken.

Das ist eben der Unterschied, als wenn man nur für Geld arbeitet und irgendwann merkt, dass man eigentlich andere Dinge machen möchte.

Bis jetzt ist das eine sehr glückliche Fügung. Aber mal schauen! Ich habe erst gestern wieder mit ihm telefoniert, weil ich ein bisschen nervös geworden bin. Es gibt immer neue Probleme. Man muss sich das so vorstellen, wie eine Besteigung des Mount Everest mit zwei Kästen Bier und ohne Sauerstoff…

Moormann Pressed Chair Harry Thaler

Pressed Chair von Harry Thaler für Nils Holger Moormann

smow: … aber dann merkt man wenigstens nicht, dass man keinen Sauerstoff hat…

Nils Holger Moormann: Stimmt.

smow: Was ist, wenn sich das Risiko nicht auszahlt?

Nils Holger Moormann: Dann ist es eben so. Ich glaube, dass heute die Firmen auch deswegen so langweilig werden, weil sie nur Show machen und zeigen, wie toll, bunt und “verrückt” sie sind. Aber wir meinen den Stuhl wirklich super “basic”. Er ist uns wichtig. Er ist keine Show.

Klar gibt es ein Risiko. Aber das ist auch der Kick. Sonst könnte es ja jeder machen.

Ich will auf keinen Fall aufgeben, was wir hier haben. Dieses spezielle Gefühl einer ungewöhnlichen Bergtour mit ungewöhnlichen Mitteln, bei der man trotzdem ans Ziel kommt.

Wir sind eigentlich ziemlich sicher, dass wir es schaffen.

Gepostet inDesign, Hersteller, Interview, Milan Design Week, Moormann, Veranstaltungen und Messen Getagged mit:, , , , ,

FNP und Rosi. Ein Traumpaar!
August 29th, 2011 nach smow

Einmal im Monat fahren wir auf eine Messe. Wir wollen nicht immer – müssen aber. Wir schauen uns Möbel an, denken uns ein paar billige Witze aus, schießen ein paar seltsame Fotos und fahren wieder nach Hause.

Aber was heißt es eigentlich, einen Messestand zu organisieren? Wie wichtig ist die Messepräsenz? Sind unser schlechter Humor und die armseligen Fotos respektlos? Diese und andere Fragen wollten wir beantworten und Moormann beim Aufbau ihres diesjährigen Standes auf der Möbelmesse Mailand helfen. Wobei “helfen” vielleicht zu viel gesagt ist.

The secret plan....

Der geheime Plan...

Die Moormänner hatten vier Tage für den Aufbau geplant. Wir stießen an Tag drei hinzu. Das Außengerüst war, wie man es von Moormann erwartet, eine unkomplizierte Holzkonstruktion, die Wände aus schwarzem Vorhangsstoff und alles war zum Glück bereits an seinem Platz als wir am Sonntag morgen ankamen. Unser Beitrag bestand darin, beim Aufbau des 3,5 x 5 Meter FNP-Regals, das die Rückwand des Standes bildete, zu assistieren.

Das größte Problem für Moormann war aber sowieso nicht der Aufbau des Standes sondern die späte Bestätigung aus Mailand, wie groß der Messestand tatsächlich sein würde. “Wie jedes Jahr waren wir uns im Vorfeld absolut sicher, dass wir einen größeren Stand bekommen würden”, erklärt Nils Holger Moormann. “Und dann kam die Information, dass es doch wieder nur der kleine Stand ist. Das war schon ein Schock.” Zuvor hatte Moormann bereits drei Monate Planung in das Standdesign investiert. Die Bestätigung der Standgröße kam erst zehn Tage vor Veranstaltungsbeginn.

Also zimmerte Nils Holger Moormann höchstpersönlich schnell ein neues Konzept zusammen. “Ich war inspiriert davon, dass alle nur noch Neuigkeiten zeigen. Das ist zwar spannend, aber auch idiotisch, denn Möbel brauchen Zeit. Sie müssen ausdefiniert werden und man muss ganz viel darüber nachdenken. Dieses schnell schnell neu neu machen birgt die Gefahr so zu enden wie die Modebranche mit zwei oder drei oder vier Kollektionen pro Jahr. Das kann es doch nicht sein.”

Typisch Moormann sah die Antwort in Mailand so aus: Auf dem Stand wurden zwölf neue Produkte präsentiert, von denen die meisten allerdings verhüllt waren und erst 2028 fertiggestellt werden. Angeblich. “Ich schaffe unheimlich gern einen Ort mit Humor, an dem man staunen kann und überlegt ‘Meint der das Ernst?’… Das finde ich fast genauso wichtig wie gute Produkte.”

Konrad Lohöfener und Christian Neumeier, die zwei Moormänner, die Nils Holgers Konzept umsetzen durften, arbeiten im wahren Leben als Designer in der Produktentwicklung bei Moormann. Sie beschäftigen sich sozusagen damit, gute Designs in “massenproduzierbare” Möbel umzuwandeln – ein unsichtbarer und wenig glamouröser (aber kritischer) Aspekt der Designmöbelbranche.

In Mailand kreisten Konrads and Christians Gedanken weniger um die nächste Generation von Moormann-Produkten als darum, Moormanns Verkaufsschlager FNP gerade ins rechte Licht zu rücken. An ihrem Blick für Details konnte man sehr schön sehen, was den Homo sapiens ssp. Designer vom Rest der Tierwelt unterscheidet. Ein paar Mal hätten wir gesagt, ok passt. Hat es aber nicht. Und Konrad und Christian haben weiter ausgeglichen bis es wirklich gepasst hat.

Als die Hitze in Messehalle 20 immer unerträglicher wurde – wir dürfen nicht vergessen, dass die Außentemperatur an diesem Tag Anfang April 31 Grad betrug – bestanden die letzten Aufgaben des Tages darin, die Rosie Lamps am FNP zu befestigen und das Firmenlogo an der Vorderseite des Standes anzubringen… Keine leichte Aufgabe in fünf Metern Höhe und nachdem wir bereits viele Stunden Leitern hoch und runter gestiegen waren, Gerüste verschoben und ein 17 m² großes Regal zusammengebaut hatten.

FNP by Axel Kufus from Nils Holger Moormann

Ist es den Aufwand wert?

Nils Holger Moormanns Antwort ist ein lautes Ja. “Für uns ist Mailand wichtig, weil wir hier den Export haben und die Kunden, die wir sonst wahrscheinlich das ganze Jahr über nicht sehen würden, hier treffen.”

Hat Moormann nie in Betracht gezogen, den begrenzten Raum und die Unflexibilität der Messe zurück zu lassen für einen eigenen Platz in der Stadt, bei dem sie mehr Planungssicherheit haben?

Das Nein ist genauso laut. “Jedes Detail des Standkonzeptes ist genau überlegt – auch wenn es sehr einfach aussieht. Alles muss bei uns stimmen. Von daher wäre es tragisch, wenn zu wenig Besucher kommen würden. Hier auf der Messe hat man die Garantie dass viele Besucher und vor allem auch die internationale Presse kommen.”

Nachdem wir nun unseren eigenen Schweiß in das Projekt investiert haben, können wir dem nur zustimmen: Wir wären auch ziemlich enttäuscht wenn der Stand nicht von so vielen Menschen wie möglich gesehen und bewundert werden würde. Und das obwohl wir in keinerlei Hinsicht finanziell am (Miss-)Erfolg des Standes beteiligt sind.

So haben wir uns nach achteinhalb Stunden getaner Arbeit als ehrenamtliche Moormänner vom Stand verabschiedet und auf den Weg in die Stadt gemacht. Ein kaltes Bier hatten wir uns verdient. Oder vier. Im Zug haben wir den Tag noch einmal Revue passieren lassen. Obwohl wir nicht garantieren können, dass unsere Fotos in Zukunft besser oder unsere Witze lustig werden, versprechen wir, dem Aufwand und der Zeit, die in einem solchen Stand stecken, in Zukunft mehr Respekt zu zollen.

Gepostet inDesign, Hersteller, IMM Cologne, Interview, Milan Design Week, Moormann, smow, Veranstaltungen und Messen Getagged mit:, , ,

August 9th, 2011 nach Anne-Christin

Eine kurze Fahrt mit Tram und S-Bahn vom Rundgang an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee brachte uns zum Rundgang an der Universität der Künste Berlin.

Ähnliche Konzepte. Verschiedene Welten.

Industrial design at teh UdK Berlin - esign neednt be complivated

Wir haben es schon immer gesagt und werden es auch immer wieder sagen: Gutes Design muss nicht kompliziert sein....

Wo Weißensee eine fast schon provinzielle Unschuld ausstrahlt, fühlt es sich an der UdK wie an der New York School of the Performing Arts in den frühen 1980ern an.

Jederzeit könnte ein quirliger Student mit Aerobicanzug und Stulpen die Treppe runter gehüpft kommen und sich darüber beschweren, dass Mr. Shorofsky die moderne Welt nicht versteht, bevor er Pirouetten drehend über den Flur verschwindet.

So kommt es zumindst uns vor.

Und dennoch, trotz des Retrogefühls beeindrucken die Studierenden der Industriedesign Fakultät immer wieder mit ihren zeitgenössischen und vorwärtsgewandten Arbeiten.

Eines der interessanteren und innovativeren Projekte beim diesjährigen Rundgang war ohne Frage Scolyt von Marco Merkel, das er im Rahmen des Seminars TransRitus von Prof. Axel Kufus & Jörg Höltje entwickelte. Inspiriert von modifizierten Glasformen, die infolge der Bombardierung 1944 in Berlin entstanden, wollte Marco ähnlich willkürliche Glasobjekte “entwerfen”. Dazu verwendete er natürlich gewachsene Holzstücke als Vorlagen, wobei er das Glas entweder auf die Oberfläche der gesammelten Holzteile oder – noch spannender – in das Holz hinein bläst. Die Ergebnisse sind eindringlich.

Zwar nicht ganz so faszinierend, aber genauso gut fanden wir den Hocker Nimmdirzeit von Christian Leisse und Josua Putzke. Wir sind nicht ganz sicher, woher die Idee stammte – es ist jedenfalls ein Hocker in der Form (und Funktion) einer klassischen Sanduhr, die – während man auf ihr sitzt – eine Zeitspanne von 15 Minuten abmisst.

Sicher kein Objekt fürs heimische Wohnzimmer, aber im Büro, oder besser noch im öffentlichen Raum, macht sich das Konzept und die Idee hinter Nimmdirzeit sicher gut. Die Bedeutung hinter dem Objekt manifestiert sich ganz wundebar im Namen – der Sitz misst, wie lange man schon auf ihm sitzt und man kann entspannt die Pause genießen ohne ständig nach der Uhr sehen zu müssen. Das könnten wir uns auch ziemlich gut für unser Büro vorstellen…

Nimm

Nimmdirzeit von Christian Leisse und Josua Putzke gesehen @ Rundgang 2011 Universität der Künste Berlin

Wir haben bloß Angst, dass irgendein Management-Freak Nimmdirzeit auszuntzen und eine müßige Übung daraus ableiten wird, bei dem ein Mitarbeiter auf dem Nimmdirzeit innerhalb  von 15 Minuten all seine Ideen für eine nächste Kampagne vorstellen muss, während alle anderen drumherum sitzen und klatschen.

Er ist definitiv besser geeingnet, um im Park entspannt die Mittagspause zu verbringen.

Ein weiteres Highlight war Erika von Storno für Nils Holger Moormann. Das Projekt hatte absolut nichts mit dem Rundgang zu tun, aber als Moormann die Produktion eingestellt hat, entstand ein kleines Loch in unserem Herzen. Manch einer könnte sagen, dass solch eine modulare Küche sowieso niemals ein kommerzieller Erfolg hätte werden können. Und wir würden zustimmen.
Aber das ist genau der Punkt. Das Konzept war und ist ein erfolgreicher Versuch häusliche Ordnung in unserer modernen Welt zu definieren.

Erika war eine Lösung.

Wegen unseres vorherigen Besuchs an der KHB haben wir nicht mehr die Mühe auf uns genommen, beim UdK Rundgang die Arbeiten der nicht-Industriedesign Fakultäten anzuschauen. Auf der einen Seite weil das bedeutet hätte, noch in ein anderes Gebäude zu gehen. Und auf der anderes Seite weil im Hops and Barely in Berlin Friedrichshain ein paar Gläser Brown Ale mit unseren Namen drauf warteten.

Nach zwei Studentenausstellungen an einem Tag haben wir uns das auch verdient, finden wir.

Nun liegt nur noch eine Ausstellung auf unserer Tour vor uns; ein Sonntagnachmittag auf der Burg Giebichenstein Halle.

Wir haben eine kleine Facebook-Gallerie vom Rundgang 2011 Universität der Künste Berlin auf facebook.com/smowcom zusammengestellt.

sdfsdfsdf

Ein Objekt vom Projekt Scolyt von Marco Merkel gesehen @ Rundgang 2011 Universität der Künste Berlin

Gepostet inAusstellungen, Design, Hersteller, Moormann Getagged mit:, , ,