5 neue Designausstellungen im September 2014

Eine trübe Kühle am Morgen und müde zur Schule trabende Kinder machen die Tatsache, dass sich der Sommer langsam seinem Ende zuneigt, zur bitteren Gewissheit. Und während der Frühling stets in die Natur lockt, ruft im Herbst stattdessen die kunstvolle Welt der Museen und Galerien. So können wir euch im September, sozusagen auch als kleine Wiedergutmachung für die mickrigen drei Architektur- und Designausstellungen im August, sage und schreibe 7 Ausstellungen präsentieren.

Sieben Ausstellungen, die nicht nur den Durchschnitt wieder anheben, sondern hoffentlich auch Inspiration und Hoffnung schenken. Und wir denken gerade in der Jahreszeit, die von einer gewissen Niedergeschlagenheit dominiert wird, kann das ja nicht schaden.

“Crafting Narrative” im Pitzhanger Manor House & Gallery, London, England

London ist beim besten Willen keine Stadt, der es an namhaften Galerien und Museen mangelt. Trotz dieser scheinbaren musealen Übersättigung macht sich eine kleine Galerie im westlichen Londoner Vorort Ealing langsam aber sicher einen Namen als eine der führenden Adressen in Sachen Designausstellungen in London. Nach der medienübergreifenden Ausstellung “Reason and Institution: Alvar Aalto & Ola Kolehmainen in Soane” zeigt das Pritzhanger Manor House & Gallery “Crafting Narrative”, eine Ausstellung, die sich mit Narration im Design beschäftigt. Die vom UK Crafts Council organisierte und von dem Londoner Designer Onkar Kular kuratierte Ausstellung “Crafting Narrative” ist eine Wanderausstellung, die zeigen will, wie zeitgenössische Designer den Designprozess und die Herstellung nutzen, um Erzählungen zu entwickeln, die kulturelle, historische und soziale Themen aufgreifen. Gezeigt werden Arbeiten von so unterschiedlichen Leuten wie Hilda Hellström, El Ultimo Grito oder Matino Gamper, darüber hinaus stellt die Ausstellung zahlreiche Projekte vor – darunter Zhenhan Haos Kleiderkollektion “Imitation, Imitation” oder “The Welsh Space Campaign” von Helfin Jones. Mit Arbeiten wie diesen hat “Crafting Narrative” das Potenzial eine wirklich unterhaltsame und provokante Ausstellung zu werden.

“Crafting Narrative” wird am Mittwoch, den 10. September, im Pitzhanger Manor House & Gallery, Walpole Park, Mattock Lane Ealing, London W5 5EQ eröffnet und läuft bis Sonntag, den 19. Oktober 2014.

Hefin Jones The Welsh Space Campaign Crafting Narrative

Hefin Jones - The Welsh Space Campaign, Teil der Ausstellung "Crafting Narrative" im Pitzhanger Manor House & Gallery (Foto © Dan Burn-Forti, mit freundlicher Genehmigung des Craft Council UK)

“100 Jahre Schweizer Design” im Museum für Gestaltung, Zürich, Schweiz

Im September 2014 öffnet das Museum für Gestaltung Zürich sein drittes Lagerhaus im Toni-Areal in Zürich. Neben mehr Platz für die Sammlung des Museums gibt es mit dem Schaudepot dann auch einen neuen Ausstellungsraum. Dieser wird mit der Ausstellung “100 Jahre Schweizer Design” eingeweiht. Mit Lichtschaltern und Gemüseschälern über Möbeldesignklassiker von Designern wie Le Corbusier, Max Bill oder Willy Guhl bis hin zu Kleidung und eher konzeptionellem Design präsentiert die Ausstellung über 800 Objekte, Prototypen, Modelle, Skizzen und Werbefilme. “100 Jahre Schweizer Design” verspricht so eine der offensten und weitgefasstesten Ausstellungen zur Schweizer Designtradition zu werden, die es bisher gegeben hat.

“100 Jahre Schweizer Design” ist vom 26. September 2014 bis 8. Februar 2015 im Museum für Gestaltung – Schaudepot, Toni-Areal, Pfingstweidstraße 96, CH-8005 Zürich zu sehen.

100 Jahre Schweizer Design Willy Guhl Scobalit-Stuhl mit abnehmbaren Sitzschalen

Der Scobalit Stuhl von Willy Guhl. Teil der Ausstellung 100 Jahre Schweizer Design, Museum für Gestaltung, Zürich

“Le Labo des héritiers” im Le Grand Hornu Images, Hornu, Belgien

Wir haben da keine direkten Erfahrungen, aber wir nehmen mal an, dass es nichts vertrackteres gibt als den Versuch als Sprössling eines international bekannten Kreativen eine Karriere im gleichen Bereich zu machen. Die Leute beschuldigen dich entweder am Rockzipfel deiner Eltern zu hängen oder sie sehen deine Arbeiten nur im Kontext deiner Eltern, und weigern sich hartnäckig dich als unabhängiges Individuum zu akzeptieren. Folglich denken die meisten Kinder und Enkel gar nicht erst daran. Manche trauen sich aber auch, und das mit großem Erfolg. Die Ausstellung “Le Labo des héritiers” widmet sich vier “kreative Dynastien” und untersucht anhand dieser Familien Fragen wie: “In welcher Beziehung stehen jüngere Generation zum Werk der älteren Generationen – und umgekehrt?”, “Ist der Drang einem Elternteil zu widersprechen größer als der Instinkt ihm zu folgen?”, “Sind Familienangehörige für eine Karriere ausschlaggebender als Lehrer, Kritiker, Kollegen und andere nicht familiärer Einflüsse?” Mit Objekten, Skizzen, Fotografien und Texten untersucht “Le Labo des héritiers” solche Fragen anhand der Biografien von Gijs Bakker und Emmy van Leersum mit ihrem Sohn Aldo Bakker; Pieter, Lowie, Tinus und Robin Vermeersch und ihrem Vater Rik sowie Großvater José; Tobia Scarpa und seinem Vater Carlo Scarpa sowie David und Hannes Van Severen, den Kindern von Maarten Van Severen und Enkeln des belgischen abstrakten Malers Dan Van Severen.

“Le Labo des héritiers” ist ab Sonntag, den 21. September 2014, bis Sonntag, den 4. Januar 2015, im Le Grand Hornu Images, Rue Sainte-Louise, 82, 7301 Hornu, Belgien zu sehen.

Le stock d’atelier de muller van severen Le Labo des héritiers

Le stock d’atelier de Muller Van Severen (Foto: Fien Muller, mit freundlicher Genehmigung von Le Grand Hornu Images)

“Copper Crossing” im Triennale Design Museum, Mailand, Italien

Kupfer kann in vielerlei Hinsicht als Brücke zwischen dem technischen Fortschritt der Jungsteinzeit, als unsere Vorfahren damit begannen Werkzeuge zu formen, und der Bronzezeit, als die gesteigerten technischen Fähigkeiten mit einem neuen, jedoch schwer biegsamen Material zusammentrafen, verstanden werden. Auch wenn die Kupferzeit nur um die 3000 Jahre angedauert hat, war sie ausschlaggebend für die kulturelle, soziale und intellektuelle Evolution der Menschheit. So nutzten die Römer Kupfer als eine ihrer frühesten Währungen; durch die besondere Flexibilität konnte Kupfer im Bau, vor allem beim Dachdecken und der Fassadenverkleidung eingesetzt werden; die Entwicklung von Wasserleitungen aus Kupfer steuerte den negativen Auswirkungen der üblichen Bleileitungen entgegen und die gute Leitfähigkeit des Kupfers ermöglichte die zunehmende Elektrisierung unseres alltäglichen Lebens. Wo wären wir also ohne Kupfer? In der Ausstellung “Copper Crossing” präsentiert das Triennale Design Museum den aktuellen Forschungsstand in dem Bereich und befasst sich mit Kupfer in der zeitgenössischen Kunst, Architektur und Technologie sowie im zeitgenössischen Design. Gezeigt werden dabei über 250 auf Kupfer basierende Projekte von Künstlern und Architekten wie Joseph Beuys, Anselm Kiefer, James Stirling und Renzo Piano sowie Designobjekte von beispielsweise Tom Dixon, Ron Arad und Oskar Zieta. Ein Teil am Ende der Ausstellung befasst sich außerdem genauer mit der technischen Nutzung von Kupfer, wie bei IT- und Kommunikationsanwendungen und mit den antibakteriellen Eigenschaften des Kupfers. Auf diese Weise untersucht “Copper Crossing” detailliert die zeitgemäße Relevanz eines der ältesten Materialien der Menschheit. Ja, das hört sich alles etwas nach einer teuren und dekadenten Werbekampagne für Kupfer an, aber hat Kupfer das nötig? Natürlich nicht!

“Copper Crossing” kann vom 16. September bis 9. November im Triennale Design Museum, Viale Alemagna 6, 20121 Mailand besucht werden.

Oskar Zieta Plopp Copper

Plopp Kupfer von Oskar Zieta, Teil von Copper Crossing im Triennale Design Museum, Mailand

“Spatial Positions 8: Kooperationen. Diener&Diener in Zusammenarbeit mit Martin Steinmann und Josef Felix Müller / Peter Märkli und Josephsohn” im Schweizer Architekturmuseum, Basel, Schweiz

2014 feiert das Schweizer Architekturmuseum in Basel seinen 30. Geburtstag und zeigt als Teil der Feierlichkeiten eine von der ersten Direktorin des Museums, Dr. Ulrike Jehle-Schulte Strathaus, kuratierte Ausstellung. Die Gebiete von Architektur und Kunst überschneiden sich häufig, wobei sich bisher entweder Künstler der Architektur zuwendeten oder Architekten auf einmal Kunst machten. Für “Spatial Positions 8” hat das Schweizer Architekturmuseum Paare von Architekten und Künstlern gebildet, die an einem gemeinsamen Projekt arbeiten sollen, einem Projekt, das untersuchen soll, was eigentlich passiert, wenn beide Disziplinen zusammenkommen. So wurde der Baseler Architekt Roger Diener mit dem Künstler Josef Felix Müller aus St. Gallen zusammengebracht, während der in Zürich ansässige Architekt Peter Märkli mit dem Züricher Bildhauer Hans Josephson zusammenarbeitete. Neben der Präsentation der Resultate, also den entstandenen Prototypen, Skizzen und Entwicklungsstufen, wird die Ausstellung, so hoffen wir jedenfalls, Aufschluss darüber geben, inwiefern Architekten einfach nur Künstler mit einem Sinn für Ordnung sind und Künstler wiederum Architekten sind, die nicht an eine Begrenzung des Raumes durch Wände glauben.

“Spatial Positions 8: Kooperationen. Diener&Diener in Zusammenarbeit mit Martin Steinmann und Josef Felix Müller / Peter Märkli und Josephsohn” wird am Samstag, den 6. September im SAM Schweizer Architekturmuseum, Steinenberg 7, CH-4051 Basel eröffnet und ist dort bis Sonntag, den 19. Oktober 2014, zu sehen.

Spatial Positions 8: Kooperationen. Diener&Diener in Zusammenarbeit mit Martin Steinmann und Josef Felix Müller / Peter Märkli und Josephsohn" at the Swiss Architecture Museum, Basel, Switzerland

Spatial Positions 8: Kooperationen. Diener&Diener in Zusammenarbeit mit Martin Steinmann und Josef Felix Müller / Peter Märkli und Josephsohn" im Schweizer Architekturmuseum, Basel

“Future Stars?” in der Aram Gallery, London

Die Aram Gallery wurde im Jahr 2002 von Zeev Aram gegründet. Dieser ist Eigentümer des Aram Möbelgeschäfts für moderne Möbel und Besitzer der exklusiven globalen Rechte an den Möbeldesigns von Eileen Gray. Seine Galerie zeigt Ausstellungen mit zeitgenössischer Kunst und zeitgenössischem Design, Ausstellungen, die meist experimentell und konzeptionell angelegt sind. Als Teil ihres Beitrags zum London Design Festival 2014 zeigt die Aram Galerie neue Arbeiten von sieben jungen Designern. Designern, denen die Aram Gallery eine glorreiche Zukunft prophezeit. Mit Produktdesigns von Maria Jeglinska, Kim Thome, James Shaw und Lola Lely, Kleidung und Schuhen von Cat Potter, Schmuck von Sophie Thomas und, wir nehmen mal an, etwas konzeptionellerem vom Arnhemer Thor ter Kulve verspricht “Future Stars?” nicht nur eine faszinierende Ausstellung zu werden, sondern auch all das mitzubringen, was den meisten der eher kommerziellen und korporativen Veranstaltungen des London Design Festivals fehlt.

“Future Stars?” ist vom 13. September bis 25. Oktober in der Aram Gallery, 110 Drury Lane, Covent Garden, London, WC2B 5SG zu sehen.

aram gallery future stars

Future Stars? in der Aram Gallery London

“Alvar Aalto – Second Nature” im Vitra Design Museum, Weil am Rhein

Alvar Aalto steht wie kein Zweiter für das zugängliche Design des 20. Jahrhunderts. Er fragte für wen der Funktionalismus eigentlich funktional sein soll und machte auf diese Weise deutlich, dass die Moderne auch human sein kann. Schließlich war er maßgeblich daran beteiligt, Nachkriegsdesign und -architektur auf den uns bekannten Weg zu bringen. Darüber hinaus machte er das Formsperrholz im Möbeldesign salonfähig und lehrte uns, dass Designer auch Hersteller sein können. Mit der ersten großen Retrospektive von Alvar Aaltos Werk in diesem Jahrzehnt will das Vitra Design Museum nicht nur die wichtigsten Design- und Architekturarbeiten Aaltos untersuchen, sondern auch Einflüsse auf Aalto und sein Werk beleuchten. Dazu gehören Altos Korrespondenz mit Künstlern wie Hans Arp und Laszlo Moholy-Nagy sowie seine Kontakte und Beziehungen zu den international bedeutendsten Architekten jener Zeit. Wir können allerdings nicht versprechen, dass sie die unglaubliche Geschichte vom Treffen Alvar Aaltos mit George Nelson wiederholen.

“Alvar Aalto – Second Nature” wird am Samstag, den 27. September eröffnet und ist dann bis 1. März 2015 im Vitra Design Museum, Charles-Eames-Str. 2, D-79576 Weil am Rhein zu sehen.

Alvar Aalto on his boat Nemo Propheta

Alvar Aalto in seinem Boot Nemo Propheta in den 1960er Jahren (Foto Göran Schildt © Schildt Foundation, mit freundlicher Genehmigung des Vitra Design Museums)

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