Vitra Design Museum: Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion

Vitra Design Museum: The Essence of Things. Design and the Art of Reduction

Vitra Design Museum: Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion

Das (smow)blog-Team hat sich nach dem Pappkarton-Möbel-Workshop den Besuch der aktuellen Ausstellung Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion im Vitra Design Museum natürlich nicht entgehen lassen.

Es scheint mehr als nur ein wenig ironisch, dass eine Ausstellung zum Design und der Kunst der Reduktion in einem Gebäude von Frank Gehry stattfindet, wenn Tadao Andos Konferenzpavillon nur 10 Meter entfernt liegt. Und nach der langen Reise nach Weil am Rhein amüsierte uns dieser Gedanke immerhin noch ganze 4 Stunden…

Die Ausstellung ist in zwölf Themenbereiche gegliedert, die sich jeweils einem anderen Aspekt der “Reduktion” widmen. Das können entweder Dinge sein, die der Endnutzer wahrnimmt, wie beispielsweise die Geometrie oder Leichtigkeit, oder solche, die dem Nutzer verborgen bleiben wie zum Beispiel eine reduzierte Logistik.

Stephan Schulz: Betonschale

Stephan Schulz: Betonschale

Rund 160 Objekte zeigen die verschiedenen Themen anhand von Designklassikern wie Michael Thonets Stuhl Nr. 14 oder der Ameise von Arne Jacobsen für Fritz Hansen bis hin zu Stücken, die zwar weniger bekannt, aber genauso interessant sind, wie Stephan Schulz‘ Betonschale oder Marcel Wanders Knotted Chair für Capellini.

Gutes Design muss nicht kompliziert sein, weniger ist mehr, Form folgt Funktion – die Designtheorien, die die “Reduktion” anpreisen, sind so zahlreich wie legendär. Dennoch werden wir auf Designausstellungen immer wieder mit Produkten konfrontiert, die versuchen, uns mit Komplexität und Extravaganz für sich zu gewinnen. Wir sind uns nicht ganz sicher, wieso das so ist, vermuten aber, dass es was mit dem gesättigten Markt und der damit verbundenen wachsenden Rolle zu tun hat, die das Internet dabei spielt, dafür zu sorgen, dass deine – vielleicht völlig überflüssige – Arbeit gesehen wird.

Welcher Designblog würde sich Jasper Morrisons Ply-Chair widmen, wenn sie ein Foto von einem Bücherregal haben, das wie zwei Paradisvögel beim Paarungsritual auf Carmen Miranda aussieht? Ok, wir würden es machen. Aber nicht viele andere.

Für uns bedeutet die Kunst der Reduktion, wenn der Designer das Volumen des Produktes auf das absolute Minimum reduziert – sei es durch die Verwendung neuer Materialien, innovative Verbindung der einzelnen Elemente oder durch die Reduktion der äußeren Abmessungen.

.03 by Maarten Van Seeveren

.03 von Maarten Van Severen

Ein besonderes Beispiel ist Maarten van Severens .03 mit eingebautem Federblatt, das dem Stuhl seine Stabilität und seinen Komfort verleiht, ohne überflüssiges Gewicht oder Größe hinzuzufügen.

Die Ausstellung Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion zeigt auf jeden Fall, dass Reduktion auch andere Prozesse mit einbeziehen kann.

Joe Colombos No 281 Lampe, Wilhelm Wagenfelds Teeservice oder Donald Judds Chair 84 sind alles Beispiele dafür, was mit Talent und Motivation alles erreicht werden kann.

Wir fanden jedoch, dass die Arbeit von Charles und Ray Eames zu sehr im Vordergrund stand.

Trotzdem ist die Ausstellung Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion für alle interessant, die sich für den Unterschied zwischen “Designer”-Möbeln und den günstigen, generischen Produkten interessieren.

Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion im Vitra Design Museum läuft bis zum 19. September 2010. Mehr Infos gibt’s unter http://www.design-museum.de

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