Bereits zu Zeiten der Aufklärung im 18. Jahrhundert sollte "das Schöne mit dem Nützlichen" verbunden werden, spätestens aber im 19. Jahrhundert - zur Zeit der Romantik - wollte man Kunst, Handwerk und Industrie nicht länger strikt voneinander trennen, sondern als Einheit betrachten. So schrieb Gottfried Semper nach seinem Besuch der Londoner Weltausstellung im Jahre 1851, dass die Verbindung von Kunst und Industrie durch die Lehre hergestellt werden kann. Diese Forderungen sind bezeichnend für den Charakter der Moderne und schlugen sich besonders deutlich im Bauhaus nieder. In diesem Zusammenhang wurde der aus Bugholz gefertigte Designer Stuhl Nr. 14 von Michael Thonet aus dem Jahre 1859 zum Vorbild für die moderne Sicht der jungen Bauhaus Möbeldesigner, da er bereits die schlichten Formen besaß und aus bei Bauhausmöbeln typischen Rohstoffen gefertigt war. Ebenfalls der, unter dem Leitbild der Moderne gegründete Deutsche Werkbund, dem auch der Bauhaus-Gründer Walter Gropius angehörte, ist als Ursprung für die Moderne zu nennen.
Zur Zeit des Bauhauses endstanden zahlreiche technische "Wunderwerke", die das alltägliche Leben und die Mobilität der Menschen im fortschrittlichen Sinne beeinflussten, so etwa in Form von Schnellzügen, Flugzeugen, erschwinglichen Autos und Fahrrädern, flächendeckender Beleuchtung, Telefon und Haushaltsmaschinen für jeden Wohnbereich. Diese technischen Innovationen stärkten letztlich die Industriekultur, die eine Möbelproduktion in hohen Stückzahlen ermöglichte. Darüber hinaus förderten die neuen Kommunikationsmittel und die neue Mobilität einen nie da gewesenen internationalen Dialog unter den Möbeldesigner.
Das staatliche Bauhaus hatte seinen Sitz von 1919 bis 1925 in Weimar und entstand aus der Großherzoglich Sächsischen Kunsthochschule und der Großherzoglich Sächsischen Kunstgewerbeschule. Ihr Initiator und gleichzeitig erster Direktor, Walter Gropius, gründete das Bauhaus, um eine Hochschule der künstlerischen Beratung für Industrie, Gewerbe und Handwerk zu erschaffen. Bei der praktischen Ausbildung spielten die Werkstätten des Bauhauses eine zentrale Rolle und bildeten das duale Gegenstück zur theoretischen Lehre. Erst im Jahre 1922 wandte sich das Bauhaus-Institut der Industrie zu. Unter der neuen Bauhaus-Thematik "Kunst und Technik - eine neue Einheit" entstand 1923 eine Ausstellung, in der sich die Einrichtung aus Möbeln, Lampen und Accessoires leicht und transparent in den Raum intergierte. Daraus resultierte eine internationale Bekanntheit der Bauhausmöbel, -bauten und -kunstwerke, die bis heute ungebrochen ist.
Durch die rechtskonservativen Kräfte kam es 1925 jedoch zur Schließung des Thüringer Standortes, worauf das Bauhausgebäude in Dessau errichtet wurde. In den darauffolgenden sieben Jahren entstanden in Zusammenarbeit mit Industriebetrieben, wie der Junkers Flugzeugwerk AG, der Waggonfabrik AG und der Berlin-Anhaltischen Maschinenbau AG, die bekanntesten Bauhausmöbel. 1932 verlegte das Bauhaus seinen Sitz nach Berlin, wo es allerdings 1933 durch die politische Lage gezwungen wurde endgültig zuschließen.
Der holländische Architekt und Möbeldesigner Mart Stam entwarf 1926 den ersten Stahlrohr-Stuhl mit freitragendem Sitz, nachdem wegbereitend bereits in den 20er Jahren das fortschrittliche und zugleich funktionale Stahlrohr Design von De Stijl entdeckt worden war. Im Bauhaus konnten Künstler, Bildhauer, Architekten, Designer und Handwerker auf bis dahin unbekannte Weise zusammenarbeiten und so den Bauhausstil in verschiedenste Richtungen weiterentwickeln. Dabei stellten sich die Entwürfe der Bauhaus-Design-Möbel der Aufgabe, funktionellen Ansprüchen sowie einer fortschrittlichen industriellen Serienproduktion gerecht zu werden. Im Bauhaus-Design gehörten die bildenden Künste und die Baukunst untrennbar zusammen, da man ersteres als Prozess hin zum fertigen Bau begriff.
Der Möbeldesigner Marcel Breuer begann 1920 sein Studium am Bauhaus, wo er in der Zeit des Umzugs des Bauhauses von Weimar nach Dessau 1925 seinen Meistertitel erwarb. Von Anfang an galt er als Vorreiter in der Verwendung der Kombination von Metall und Holz im Bauhaus-Design. Er beschrieb in seinem Beitrag "Metallmöbel und moderne Räumlichkeit", dass die Bauhausmöbelklassiker luftig durchbrochen, sozusagen in den Raum gezeichnet sind, um weder die Bewegung noch den Blick durch den Raum zu hindern.
Die bekannten Bauhaus-Satztische "Laccio", entworfen um 1925 von Marcel Breuer, bestehen aus verchromten Stahlrohren und Flächen aus Holz. Heute noch von Knoll International als Laccio Couchtisch und von Thonet als B Serie produziert. Der Wassily Stahlrohrsessel wurden ebenfalls 1925 entworfen und entstand für die Dessauer Atelierwohnung seines Kollegen Wassily Kandinsky, woher auch der Name für den Bauhausklassiker stammt. 1928 folgte dann ein Stahlrohrstuhl im typischen Bauhaus-Design.
Ein ebenfalls bekannter Bauhausstilist war Josef Albers. Der Vorteil in seinen Entwürfen von Bugholz- und Metall-Stühlen lag in der unkomplizierten Zerlegbarkeit, die den Transport dieser Bauhaus-Stuhlklassiker unkompliziert gestalten.
Zu den anspruchsvollsten Bauhausvertretern gehörte der Architekt und Möbeldesigner Ludwig Mies van der Rohe. 1930 hatte er bereits sein eigenes Möbeldesign konzipiert aus dem viele seiner heute sehr bekannten Designklassiker hervorgingen. Einer seiner berühmtesten Werke, der Barcelona Sessel und Hocker, entwarf er 1929 im Rahmen der Weltausstellung in Barcelona für den deutschen Pavillon. Das Bandstahlgestell und die lederbezogen sowie mit Knöpfen besetzten Sitz- und Rückenkissen zeichnen diesen Sessel als kompromisslos, aristokratisch und elegant aus.
Die Leder-Stahlrohr-Konstrukte der Cassina LC Serie sind zwar anders als häufig gedacht keine Bauhausmöbel, als Klassiker minimalen und funktionalen Designs dürfen sie aber trotzdem gerne betrachtet werden.
Die Möbeldesigner verzichteten auf überflüssige Dekoration und Farben, und setzten anstelle dessen auf schlichte, aber auffällig verchromte Oberflächen und auf die Verwendung von Schwarz. Stahlrohre und die damit verbundenen Vorteile, wie hohe Tragfähigkeit, niedrige Rohstoffkosten, geringes Gewicht und gute Formbarkeit, trugen zu den außergewöhnlichen Designs und einer einfacheren Transportierbarkeit bei. Das Schicht- oder Sperrholz der Bauhaustische und -stühle bestand aus mehreren dünnen, aufeinander geklebten Holzschichten, was für eine gute Formbarkeit sorgte. Die typisch geschwungenen Formen entstanden jedoch auch, weil so die Schweißarbeiten minimiert werden konnten. Die Verwendung von Glas bei Tischplatten stellte eine direkte Verknüpfung zur damaligen Architektur her, welche sich auf die Verwendung von Glas und Stahl bei der Erbauung neuer Gebäude fokussierte. Reduktionen wurden vor allem bei den Sitzlehnen und in Form des Freischwingers - wo auf das 4-Beingestell verzichtet wurde - vorgenommen, um eine bis dahin ungewöhnliche Formreinheit zu erhalten und den Rohstoffverbrauch zu verringern. Die Verwendung eines Rohrgeflechts machten besonders die Thonet Möbel zum Vorbild des modernen Bauhaus-Möbeldesigns.
Trotz der damaligen politischen Verachtung und dem daraus resultierendem vorzeitigen Ende des Bauhauses leben die Ideen und Innovationen aus der Bauhaus-Ära bis heute und wirken sich auf die Gestaltung von Architektur, Kunst und auf das Möbeldesign aus. Die ausführlichste Sammlung von Arbeiten und Werken aus dem Bauhaus befindet sich im Bauhaus-Archiv des Berliner Museums für Gestaltung. Kollektionen aus Möbeln, Stoff, Metall und Keramik, welche aus der Weimarer Epoche stammen, werden im Bauhaus-Museum der Kunstsammlung zu Weimar ausgestellt. Seit einiger Zeit existieren ebenfalls am ehemaligen Standort in Dessau historische Bauhaus-Bestände. Viele der damaligen Möbel-Entwürfe des Bauhaus sind mittlerweile zu Designklassikern avanciert.