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“Welchen Fehler braucht ein System?” fragt die Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle in ihrer Jahresausstellung 2018.

Und mit dieser Frage sollte gleichsam die Bedeutung von Versuch und Irrtum, die Bedeutung der Poesie, der Unvollkommenheiten, des Unkorrekten, des Unbeabsichtigten, des Zufälligen und des Geplanten – letztlich aber Erfolglosen hervorgehoben werden. Schließlich benötigt jedes sonst gut organisierte, professionelle und zielgerichtete System einen “Belästigungsfaktor”, eine Quelle der Unvollkommenheit, des Chaos’, des Widerstands, des Experimentierens – eine Verirrung, um es frisch, aufregend, relevant und vital zu halten.

Kunsthochschule Burg Giebichenstein, Halle

Wer an die Schweiz denkt, der denkt an Schweizer Uhrwerk, Schweizer Eisenbahnen, Schweizer Schokolade, Schweizer Präzision. Umso erstaunlicher ist es, dass Dada seinen europäischen Ursprung in der Schweiz hat – und dann auch noch ausgerechnet im legendären Cabaret Voltaire in Zürich. Es blieb aber die Frage, ob sich die Absolventen der Zürcher Hochschule der Künste 2018 immer noch als anarchistisch, konfrontativ, temperamentvoll und revolutionär in ihrer Kreativität erweisen würden?

Zürcher Hochschule der Künste, Toni-Areal, Zürich.

Während Frankfurt für sich beanspruchen kann der Geburtsort des deutschen Dichters, Dramatikers, Wissenschaftlers, Staatsmannes usw. Johann Wolfgang von Goethe zu sein, war das Nahe gelegene Offenbach nicht nur der Geburtsort seiner fast verheirateten und langjährigen Geliebten Lili Schönemann, sondern es war auch die damalige, relative Ruhe von Offenbach, in der sich Goethes Liebe zu Lili entwickelte und wuchs; “Lili war die erste Person, die ich zutiefst liebte, und vielleicht war sie die letzte”. Das habe, so wird berichtet, der achtzigjährige Goethe einem Freund anvertraut.

Hätte eine solche Liebe dem Besuch des Rundgangs 2018 an der Hochschule für Gestaltung standgehalten? Würden wir uns unserer eigenen Lili noch immer so verbunden fühlen?

Rundgang 2018, Hochschule für Gestaltung Offenbach

Wie bei allen kreativen Berufen ist auch der des Designers einer, in den man hineinwächst: Mit der Zeit entwickelt man eine Position und erreicht bestenfalls einen Ort, an dem man sich wohl fühlt mit dem, was man tut. Ein wichtiger, wenn auch nicht unbedingt notwendiger Schritt auf diesem Weg ist die Designhochschule, ein Ort für Experimente, Beobachtungen, Diskurse. Und ein Ort, um mit erfahrenen Designern verschiedener Couleur in Kontakt zu treten. Deshalb erkunden wir auf unserer #campustour nicht nur die studentischen Projekte, ihre Themen und Prioritäten, sondern sprechen auch mit den Verantwortlichen für die Designausbildung, darunter Helmut Jakobs, der an der FH Aachen seit drei Jahrzehnten Designstudenten betreut.

Helmut Jakobs FH Aachen

So wie das Eames‘sche Sprichwort verkündet, dass “die Details nicht die Details sind, sondern das Produkt ausmachen”, so sind auch die Lehrkräfte einer Designschule nicht das Lehrpersonal, sie machen die Schule aus.

Folglich ist es für ein besseres Verständnis nicht nur einer einzelnen Institution, sondern auch des allgemeinen gegenwärtigen Zustands und möglicher zukünftiger Richtungen der Designausbildung wichtig, mit den Lehrkräften der Designschule zu sprechen und sie zu verstehen; sowohl mit den Vollzeit- Professoren als auch mit den praktizierenden Designern, die die Verantwortung übernommen haben, künftigen Generationen zu lehren.

Praktizierende Designer wie Patrick Frey, Vertretungsprofessor an der Hochschule Hannover.

Patrick Frey. Designer and Assistant Professor, Hochschule Hannover

So wie das Aardvark (zu deutsch Erdferkel), oder der Designer Alvar Aalto, findet sich auch die Stadt Aachen häufig an der Spitze alphabetischer Listen.

Aber abgesehen von solch orthografischen Täuschungsmanövern – würde sich die FH Aachen auch an der Spitze unserer #campustour Liste wiederfinden?

FH Aachen Design Department @ Boxgraben 100 Aachen

Bei dem Besuch der Werkschau-Ausstellung der Peter Behrens School of Arts in Düsseldorf werden wir an die Zeit des Namensgebers der Schule erinnert. Wenn auch nicht wegen der Gründe, die vielleicht auf der Hand liegen…

Peter Behrens School of Arts Düsseldorf

Etwas enttäuschend ist es schon, dass die Behörden der süddeutschen Stadt Schwäbisch Gmünd dem derzeitigen Einhorn-Wahnsinn nachgegeben haben und eins von ihnen in das Stadtwappen platziert haben. Ob man sich darauf verlassen kann, dass die Studierenden der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd diesem (hoffentlich) kurzweiligen Trend widerstehen? Der Rundgang in diesem Jahr sollte die Antwort geben…

Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd @ Rektor-Klaus-Straße

Im nächsten Jahr wird die Design Fakultät der Hochschule München umziehen: Von ihrem derzeitigem Zuhause, das sie mehr als 40 Jahre bewohnt hat, in das gegenüberliegende, neu erbaute Gebäude. Demnach war die diesjährige Jahresausstellung eine der letzten Möglichkeiten die Fakultät in ihrem (demnächst) alten Zuhause zu besuchen.

Aber wurde die Ausstellung diesem Anlass gerecht? Oder was es eher ein unzufriedener Abschied von einem alten Freund?

Hochschule München Design Department

Aufgrund der einzigartigen Gesichte sowi weltpolitischen Relevanz sind die Geschichten der kulturellen Institutionen der Stadt Berlin unfassbar komplex. Und die Anzahl dieser kulturellen Institutionen ist weitaus höher als in so manch anderer Metropole. Nur wenig Städte können von sich behaupten zwei öffentliche Zoos, drei Opernhäuser und 4 staatliche Universitäten zu haben. Während drei dieser Universitäten individuelle Kurse in Fächern wie Architektur, Theaterwissenschaften oder Musik anbieten, so gibt es nur eine unter ihnen an der man all das – neben Design – studieren kann: Die Universität der Künste Berlin.

Universität der Künste Berlin Design Department

Obwohl sie älter als das Bauhaus ist, hat die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle nie dieselbe Anerkennung wie ihr hochgelobter Nachbar erfahren. Nichtsdestotrotz existiert die Burg noch und das nicht aufgrund ihrer Lorbeeren, sondern dank der Bemühungen und Ideen ihrer Mitarbeiter und Studierenden, die die Burg ständig weiterentwickeln. Die alljährliche Sommerausstellung zeigt, wie diese Bemühungen aussehen können.

Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle: The Goldbau

Voller Wissensdurst kam sie aus dem fernen Griechenland nach London, studierte Bildhauerei am St Martins College und kannte sich, zumindest laut Jarvis Cocker, absolut nicht in der brutalen Realität der britischen Gesellschaft in den späten 1980er-Jahren aus. Begierig zu wissen, ob die heutigen Designabsolventen der Central St Martins 2017 fester in der Realität verankert sind, machen wir uns im Rahmen der #campustour 2017 auf in den Norden Londons.

Central St Martins,London. The Granary

Der Vorläufer der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart aus dem 18. Jahrhundert wurde als ein Ort gegründet, “an dem die Jugend kultiviert werden würde, wie Pflanzen in einer Gärtnerei.” Während Gärtnereien jedoch starke und edle Bäume, zart blühende Blumen und widerstandsfähige Stauden produzieren, bringen sie doch auch immer wieder instabile, experimentelle Hybriden hervor und bieten den perfekten Nährboden für Parasiten und Krankheiten. Wie gut es um die Aufzucht der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bestellt ist, lässt sich auf der “Rundgangs- und Sommerausstellung 2017” in Erfahrung bringen.

Akademie der Bildenden Künste Stuttgart

Es war einmal vor langer Zeit, da lebten in der Stadt Kassel zwei Brüder mit dem Namen Grimm. Der Legende nach reisten Jakob und Wilhelm, so lauteten die Vornamen der Brüder, nach Marburg, um dort reiche Anwälte zu werden. Aber anstatt ihre Zeit damit zu verbringen Gesetzestexte und Rechtsprechung zu studieren und zu lernen, wie man möglichst hohe Rechnungen schreibt, verbrachten die Brüder ihre Tage mit den Hexen, Königen, Königinnen und Elfen der nordischen Volkssagen. Die Bürger von Kassel waren verärgert, als sie erfuhren, was die Brüder trieben, und so versammelte sich eine große Gruppe, um sie bei ihrer Rückkehr in Empfang zu nehmen. „Warum verschwendet ihr eure Zeit mit diesem romantischen Blödsinn?“, wollten sie wissen, denn immerhin war ihnen der kulturelle Kontext jener Periode durchaus bekannt. „Das ist kein romantischer Blödsinn“, protestierten die Brüder, „diese Geschichten enthalten die Weisheiten der Generationen vor uns, Weisheiten, die wir längst vergessen haben, obwohl sie uns doch helfen könnten unsere Zeit besser zu verstehen und uns auf die Zukunft vorzubereiten.“

Und dann wurden sie vom Wolf gegessen.

Romantische Träumereien? Zeitgenössische Neuinterpretationen von Traditionen? Oder doch lediglich autonome Fahrzeuge und Apps, die einem sagen, wann man zu viel getrunken hat, oder wer die bösen Stiefschwestern unter den Social Media Nutzern sind? Welches Märchen der Zukunft präsentiert uns wohl die Kunsthochschule Kassel?

Kunsthochschule Kassel @ Rundgang 2017Kunsthochschule Kassel @ Rundgang 2017

Die schwedische Stadt Lund ist berühmt als Geburtsort des Tetra Packs und so der  Ausgangspunkt einer globalen Revolution hinsichtlich unserer Konsummuster und des Vertriebs von Nahrungsmitteln. Ob sich unter den Abschlussprojekten der Lunder Universität School of Industrial Design auch welche finden, die zu so simplen, logischen und Ressourcen schonenden Lösungen finden – idealerweise natürlich ohne die zusätzlichen Recyclingprobleme – lässt sich jetzt auf der Abschlussausstellung 2017 der Institution herausfinden.

 

Lund University School of Industrial Design Degree Exhibition 2017

Nicht nur Willie Nelson, auch wir sind “on the road again”. Ähnlich wie in seinem Songtext einst Sinti und Roma durch die Landen zogen, werden jetzt wir unterwegs sein und Orte besuchen, die wir noch nie gesehen haben, Sachen sehen, die wir vielleicht niemals wieder sehen werden. Wieder mal ist es Zeit für die smow Blog Campustour.

smow blog #campustour 2017

Zwar hängt die Entwicklung des Produktdesigns grundsätzlich immer auch von der technologischen Entwicklung ab, besonders zutreffend ist dies allerdings im Zusammenhang mit Lichtdesign: Seitdem in einer neolithischen Höhle erstmals ein Brennstab eingesetzt wurde um eine entspannte Abendatmosphäre zu kreieren, sind technologische Entwicklungen die treibende Kraft bei der Entwicklung des Lichtdesigns – in formaler, funktionaler und technischer Hinsicht.

Der Charakter der “Light + Building Frankfurt” wird von der Tatsache bestimmt, dass es bei der Messe eher um “Licht in Gebäuden und um Gebäude herum” geht. Was bedeutet, dass sich die Mehrzahl der vorgestellten Projekte um technische Beleuchtung in architektonischen Zusammenhängen dreht. Und die meisten Hersteller sind was die technische Entwicklung angeht auf dem Vormarsch: Die Demonstration technischer Kompetenz ist deshalb ein Schlüsselelement bei der Selbstdarstellung eines jeden Herstellers. Das bedeutet aber auch zwangsläufig, dass die Funktionalität durch die sehr spezifische Art der Nutzung weitgehend vordefiniert ist, während die Form in vielen Fällen zu kurz kommt. Ein kleiner Teil der “Light + Building” präsentiert jedoch Objekte mit mehr Freiheit. Dort findet man einige Designprojekte, die neben technologischer Innovationen auch neue formale und funktionale Lösungen und damit ein neues Verständnis dessen, was Beleuchtung sein kann beziehungsweise sollte anbieten.

Wie immer haben wir nicht alles gesehen, das ein oder andere verpasst  (entschuldigt uns dafür), aber vor diesem Hintergrund und in keiner bestimmten Reihenfolge, unsere “Light + Building Frankfurt 2018” High Five!Light + Building Frankfurt 2018: High Five!!

Wie das Sprichwort sagt: “Spare in der Zeit, so hast du in der Not!”. Und: “Alles was glänzt ist Gold!”

Mit der Ausstellung “Pure Gold. Upcycled! Upgraded!” demonstriert das Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg nicht nur den Wert, der Müll innewohnt, sondern auch, wie uns das Verständnis für diesen Wert helfen kann das zukünftige Müllproblem zu reduzieren.

Pure Gold. Upcycled! Upgraded!, at Museum für Kunst Gewerbe Hamburg

Dass das Sommerloch auch vor Ausstellungseröffnungen keinen Halt macht, ist uns durchaus bekannt. 2017 erreicht dieses Loch jedoch neue Ausmaße und so können wir statt der sonst üblichen 5 lediglich 4 neue Ausstellungen vorstellen. Entweder geht die globale Museumswelt davon aus, dass wir uns alle am Strand befinden und uns folglich nicht für einen Gang in‘s Museum interessieren oder aber sie rechnet mit dem Ende der Welt im kommendem September, sodass die Eröffnung neuer Ausstellungen schlichtweg kein Sinn machen würde. Es ist alles ein großes Rätsel. Nichtsdestotrotz sind wir durchaus interessiert. Außerdem braucht es doch etwas mehr als die Androhung einer baldigen Apokalypse, um uns von einer interessanten Ausstellung abzuhalten. Unsere Empfehlungen für den August 2017 sind Ausstellungen in Zürich, Kopenhagen, Moskau und Weimar.

5 New Design Exhibitions for August 2017