PRODUKTE RÄUME Hersteller & Designer Themen Showrooms Angebote Info

Vitra Campus

Vitra Campus in Weil am Rhein.
Übersichtsplan vom Vitra Campus in Weil am Rhein.

Angefangen bei Frank Gehrys Vitra Design Museum von 1989 reiht sich auf dem Vitra Campus ein architektonisches Meisterwerk ans andere. Dabei steht jedes Gebäude für sich und jeweils für einen anderen spannenden Entstehungshintergrund. In mehrmals am Tag stattfindenden Führungen finden dabei auch Interessierte ohne Kenntnisse in Architekturtheorie oder -geschichte einen Zugang zu den Objekten. So erfährt man, welche japanischen Motive in die Architektur des Konferenzpavillons von Tadao Ando einflossen, erlebt in Zaha Hadids Feuerwehrhaus eine von der Norm abweichende Statik und kann im VitraHaus die Vitra Home Collection mit vielen Designerstühlen, Lounge Sesseln und Tischen von Vitra entdecken. Ebenfalls auf dem Vitra Campus gelegen sind die berühmte Tankstelle von Jean Prouvé und die Bushaltestelle von Jasper Morrison. Und dann sind da noch die "Balancing Tools" von Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen. Die torartige Skulptur besteht aus einem überdimensionierten Schraubenzieher, einem Hammer und einer Zange und war ein Geschenk an Willi Fehlbaum von seinen Söhnen.

Alle Stationen der Vitra Campus Architekturführung im Überblick:

  1. Konferenzpavillon (Tadao Ando, 1993)
  2. Balancing Tools (Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen, 1984)
  3. Vitra Design Museum (Frank Gehry, 1989)
  4. Vitra Design Museum Gallery (Frank Gehry, 2003)
  5. Bushaltestelle (Jasper Morrison, 2006)
  6. VitraHaus (Herzog & de Meuron, 2010)
  7. Lounge Chair Atelier im VitraHaus (Herzog & de Meuron, 2010)
  8. Produktionshalle (Nicholas Grimshaw, 1981/1986)
  9. Tankstelle (Jean Prouvé, ca. 1953/2003)
  10. Dome (Richard Buckminster Fuller und T.C. Howard, 1975/2000)
  11. Produktionshalle (Alvaro Siza, 1994)
  12. Produktionshalle (Kazuyo Sejima/SANAA, 2012)
  13. Feuerwehrhaus (Zaha Hadid, 1993)

tadeo ando konferenzpavillon auf dem Vitra Campus
Konferenzpavillon von Tadeo Ando auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein.

Konferenzpavillon (Tadao Ando, 1993)

Es heißt die Kirschblütenbäume auf dem Vitra Campus seien es gewesen, die Tadao Ando letztlich dazu bewogen haben mit dem Konferenzpavillon sein erstes Bauwerk außerhalb Japans zu planen. Jedenfalls versetzen sie den Besucher, besonders wenn sie im April in voller Blüte stehen, schon mal in Stimmung für den japanischen Bau. Dieser ist als Konferenzgebäude, als Raum der Stille und Konzentration konzipiert. Von dem schmalen Pfad, der in das Gebäude führt und japanische Klostergärten zitiert über den Eingang, den man nur alleine betreten kann, um sich ganz auf sich zu besinnen und zur Ruhe zu kommen, bis hin zur Ausdehnung des Baukörpers unter Bodenhöhe führt die klare und durchdachte Architektur des Konferenzpavillons von Tadao Ando garantiert zum Einklang vom Menschen und seiner Umgebung.


balancing tools auf dem Vitra Campus
Balancing Tools von Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein.

Balancing Tools (Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen, 1984)

Unter all den kunstvollen Objekten und einzigartigen Vitra Designermöbeln auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein sticht ein Objekt ganz besonders hervor. Die Skulptur "Balancing Tools" von Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen stellt das Hauptwerkzeug eines Polsterers dar: Schraubenzieher, Hammer und Zange - und das Ganze in deutlich überdimensionierter Form sowie vereinfachten Darstellung in Primärfarben. Die Balancing Tools waren ein Geschenk seiner Kinder an Willi Fehlbaum zu dessen 70. Geburtstag und spielen auf den Dialog zwischen Kunst und Handwerk an, wie er auch im Designprozess vorkommt.


Vitra Design Museum
Vitra Design Museum von Frank Gehry auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein.

Vitra Design Museum (Frank Gehry, 1989)

Hintergrund für den Bau des Vitra Design Museums war Rolf Fehlbaums Wunsch, an einem Ort die Geschichte Vitras zu dokumentieren. Mit diesem Vorhaben beauftragt wurde Frank Gehry. Der bis dahin vor allem der Postmoderne verpflichtete amerikanische Architekt und Vitra Designer plante mit dem Vitra Museum nicht nur seinen ersten Bau in Europa, sondern trug mit der für sein Schaffen neuartigen Architektur auch zur Bildung des Dekonstruktivismus-Begriffes bei. Charakteristisch für Gehrys Bau auf dem Vitra Campus sind die weiß angestrichenen geometrischen Grundformen, die auf ihren Betrachter dynamisch wirken. Das Vitra Design Museum wurde am 3. November 1989 eröffnet, seither werden in den Räumen regelmäßig preisgekrönte Ausstellungen realisiert.


Vitra Design Museum Gallery
Vitra Design Museum Gallery von Frank Gehry auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein.

Vitra Design Museum Gallery (Frank Gehry, 2003)

Die Vitra Design Museum Gallery stammt wie auch schon das Vitra Design Museum von Frank Gehry, der außerdem auch für Vitra Stühle designte. In dem architektonisch anknüpfenden, aber deutlich kleineren Bau finden meist experimentellere Ausstellungen statt, die die Hauptausstellung im nebenan gelegenen Museum ergänzen.


Vitra Campus Bushaltestelle von Jasper Morrison
Bushaltestelle von Jasper Morrison auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein.

Bushaltestelle (Jasper Morrison, 2006)

Selbst die Bushaltestelle auf dem Vitra Campus kann als "künstlerisch wertvoll" bezeichnet werden. Dem ansonsten durch und durch pragmatischen, meist ungemütlichen und selten ansehnlichen Ort verhalf Jasper Morrison zu ganz unerwartetem Glanz. Der britische Designer für Möbel und Herausgeber z.B. des Buches "Super Normal - Sensations Of The Ordinary" entwarf ein seiner Funktion optimal gerecht werdendes und zeitgenössischen Vorstellungen von Ästhetik entsprechendes Objekt. Die Bushaltestelle ist damit Ausdruck von Morrisons Designverständnis, wonach sich Design weniger durch seine Form als seinen Gebrauch definiert und seinen Designer nicht zwangsläufig sichtbar werden lassen muss. Morrison entwarf außerdem viele Stühle für Vitra.


VitraHaus auf dem <em>Vitra Campus</em> in Weil am Rhein. Architekt Herzog & de Meuron
VitraHaus auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein. Architekt Herzog & de Meuron

VitraHaus (Herzog & de Meuron, 2010)

Vitra Flagshipstore und Aushängeschild vom Vitra Campus ist das VitraHaus. Geplant wurde der Bau von den Stararchitekten Herzog & de Meuron - Aufmerksamkeit war also garantiert. Die einzigartige Architektur, bestehend aus 12 langgezogenen Giebelhäusern, die zu einem fünfstöckigen Bauwerk aufeinandergestapelt sind, zog viele Besucher an, sorgte aber auch für Kontroversen. Häufig kritisiert wird der anthrazitfarbene Anstrich des Gebäudes, der lediglich durch die großen Fensterfronten an den Stirnseiten aufgebrochen wird, da sich dieser nicht in die ländliche Umgebung einfüge. Dagegen steht das Argument, der schwebende Charakter des Baus werde erst durch die Fassadenfarbe deutlich, wenn in der Dunkelheit nur die hell erleuchteten Fenster sichtbar sind. Im VitraHaus wird in wechselnder Ausstellung die Vitra-Kollektion mit vielen verschiedenen Stühlen, Sofas, Tischen, Designerleuchten und Accessoires von Vitra präsentiert. Darunter selbstverständlich auch die mittlerweile zu Designklassikern avancierten Möbel von Charles & Ray Eames und Verner Panton.


Vitra Lounge Chair Atelier im VitraHaus
Jeder im Vitra Lounge Chair Atelier gefertigte Lounge Chair wird mit einer speziellen Plakette versehen.

Lounge Chair Atelier im VitraHaus (Herzog & de Meuron, 2010)

Einen Einblick in die hohe Handwerkskunst gewährt Vitra seinen Besuchern mit dem Lounge Chair Atelier. Auf dem Vitra Campus gelegen, kann man in der offenen Werkstatt miterleben, wie der beliebte Eames Lounge Chair hergestellt wird. Wer sich zuvor im VitraHaus für den Kauf eines solchen Eames Chairs entschieden hat, kann sogar dabei zusehen, wie sein ganz persönliches Unikat mit viel Liebe und Sachverstand gebaut wird. Der Besucher kann dabei nicht nur den erfahrenen Werkstatt-Mitarbeitern über die Schulter blicken, sondern erfährt auch jede Menge über die Geschichte und handwerkliche Qualität des Klassikers von Charles und Ray Eames.


Vitra Produktionshalle Nicholas Grimshaw
Vitra Produktionshalle auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein. Architekt Nicholas Grimshaw

Produktionshalle (Nicholas Grimshaw, 1981/1986)

In gerade einmal 6 Monaten wurde die von Architekt Nicholas Grimshaw geplante Produktionshalle für Vitra Möbel am Vitra Campus in Weil am Rhein fertiggestellt. Die Architektur macht durch die gewellten Fassadenteile aus Aluminiumblech den industriellen und technischen Hintergrund des Baus sichtbar. Wenige Jahre nach Fertigstellung ergänzte Grimshaw die Produktionshalle um eine zweite Halle. In dieser befindet sich neben Produktionsstätten das Citizen Office, ein großes Büro, nach den neuesten Vitra Standards von der Designerin Sevil Peach gestaltet.


Tankstelle von Jean Prouvé auf dem Vitra Campus.
Tankstelle von Jean Prouvé auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein.

Tankstelle (Jean Prouvé, ca. 1953/2003)

50 Jahre nachdem Prouvé die Tankstelle für die Firma Mobiloil Socony-Vacuum entworfen hat, kam das Gebäude des französischen Ingenieurs, Architekten und Designers 2003 auf den Vitra Campus - als eine der letzten drei noch existierenden Stücke. Die Konstruktion erinnert mit ihren Metallstrukturen, was Statik und Form betrifft, deutlich an Prouvés Möbeldesigns. Besonders die farbliche sowie materielle Trennung von Tragwerk und Flächen kommt wiederholt in Prouvés Oeuvre vor und findet sich z.B. in dem Vitra Stuhl "Standard" oder dem Vitra Tisch "EM Table" wieder.


Dome von Richard Buckminster Fuller und T.C. Howard auf dem Vitra Campus.
Dome von Richard Buckminster Fuller und T.C. Howard auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein.

Dome (Richard Buckminster Fuller und T.C. Howard, 1975/2000)

Der Dome auf dem Vitra Campus geht auf den für seine experimentellen Entwürfe bekannten Architekten Richard Buckminster Fuller zurück. Eines seiner berühmtesten Werke ist die Biosphäre auf der Weltausstellung von 1967 in Montreal. Der Dome in Weil am Rhein wurde 1975 von seinem Freund und Ingenieur Thomas C. Howard realisiert und stellt eine leichte geodätische Kuppel dar. Vitra nutzt sie für verschiedene Veranstaltungen.


Vitra Produktionshalle Alvaro Siza
Vitra Produktionshalle auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein. Architekt Alvaro Siza

Produktionshalle (Alvaro Siza, 1994)

Auf den ersten Blick recht unscheinbar wirkt die Produktionshalle von Alvaro Siza, die wenig von den exzentrischen Bauten auf dem Vitra Campus wie dem VitraHaus oder dem Vitra Design Museum hat. Die Backsteinhalle erinnert viel mehr an anonyme Fabrikgebäude des 19. Jahrhunderts. Wirkliche Raffinesse zeigt der Bau jedoch in der Brückendachkonstruktion. Das geschwungene Objekt ist so hoch angebracht, dass der Blick auf Zaha Hadids Feuerwehrhaus frei bleibt. Bei Regen senkt sich die Vorrichtung jedoch automatisch ab und verbindet die Produktionshalle mit dem Grimshaw-Bau.


Vitra Produktionshalle Kazuyo Sejima/SANAA
Vitra Produktionshalle auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein. Architekten Kazuyo Sejima/SANAA

Produktionshalle (Kazuyo Sejima/SANAA, 2012)

Der neuste Bau auf dem Vitra Campus stammt von Kazuyo Sejima für ihr Architekturbüro SANAA. Zusammen mit ihrem (Lebens-)Partner Ryue Nishizawa erhielt sie 2010 den Pritzker Preis, befindet sich also neben den Vitra Campus-Architekten und ebenfalls Pritzker-Preisträgern Frank Gehry, Tadao Ando, Zaha Hadid und Herzog & de Meuron in bester Gesellschaft. Das runde Gebäude aus dem Jahre 2012 ist mit seiner reduzierten, ganz in Weiß angestrichenen Form charakteristisch für das Schaffen von Sejima und Nishizawa, die sich in all ihren Arbeiten mit den Themen Raumfluss, Licht, Transparenz und Materialität auseinandersetzen.


Feuerwehrhaus von Zaha Hadid auf dem Vitra Campus.
Feuerwehrhaus von Zaha Hadid auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein.

Feuerwehrhaus (Zaha Hadid, 1993)

Infolge eines Großbrandes von 1981 entschloss sich Vitra für eine werkseigene Feuerwehr. Der Bau wurde der aus dem Irak stammenden Architektin Zaha Hadid übertragen, die damit ihr erstes Gesamtbauwerk realisierte. Das Feuerwehrhaus kann wegen seiner einzigartigen, fast schon verstörenden Architektur durchaus als Skulptur begriffen werden. Der Bau wurde vor Ort aus Beton gegossen und wirkt wie eine erstarrte Explosion und bricht auch im inneren mit gängigen Konventionen der Architektur. Die Pritzker-Preisträgerin Zaha Hadid hat damit ein Schlüsselwerk des Dekonstruktivismus geschaffen. Heute wird das Feuerwehrhaus nicht mehr als solches genutzt, sondern dient Ausstellungszwecken.